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Reportagen & Analysen

LANDWIRTSCHAFT UND BÄUER*INNENKÄMPFE


What It Truly Means To Be A Woman Farmer In Punjab? 

Mapping the notion of women farmers in the state vis-a-vis land ownership, agricultural work and their presence in the protests

Novita Singh, 16.01.2023

Je mehr die Landwirtschaft von Märkten und Profitmachen bestimmt wird, desto mehr wurden Bäuerinnen an den Rand gedrängt. Zunächst verloren viele durch die Grüne Revolution ihre Jobs. Ihre zunehmend untergeordnete Rolle in der Landwirtschaft ist nicht einfach eine Frage geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung, sondern patriarchaler Machtzuteilung. Sie fühlen sich unter einer doppelten "Versklavung": durch den Staat und durch das Patriarchat: beide verweigern ihnen ihre Rechte, zum Beispiel an Land. Deshalb beteiligten sich Frauen in großer Zahl an den Bäuer*innenkämpfen 2020/21. Sie realisierten, dass die neuen Landwirtschaftsgesetze die Interessen von Großunternehmen und nicht der lokalen kleinen Farmer*innen begünstigen und Frauen erneut Verlierer*innen sein würden. Doch die Bauerngewerkschaften sind immer noch männerdominiert und ignorierten die Forderung der Bäuerinnenorganisation MAKAAM, Frauen in das Organisationskomitee der Proteste aufzunehmen. MAKAAM kämpft weiter für die Anerkennung von Frauen als Bäuerinnen und für Landbesitz, der die Grundlage für viele Rechte wie Kreditvergabe und Qualifizierung ist.

In: Feminism in India, January 16, 2023


Kontroverse zu GMOs in Indien

Redaktionsnetzwerk Südasien, Dezember 2022

Seit Jahrzehnten ist die Einführung genmanipulierter Pflanzen in der Landwirtschaft heftig umstritten, besonders in Indien, wo die Suizide von tausenden verarmter Kleinbauern auf die Verschuldung im Zusammenhang mit der Einführung gentechnisch veränderter Baumwolle (Bt-Cotton) zurückgeführt werden. Aktuell gibt es einen heftigen Streit über die Freigabe einer gentechnisch veränderten Senfsorte und damit der ersten Nahrungsmittelpflanze für den kommerziellen Anbau. Himanshu Nitnaware hat für Down to Earth die Geschichte der Zulassung des GMO-Senfs mit der kürzlich überraschend schnellen Feststellung der Umweltverträglichkeit und der Freigabe für Feldversuche nachgezeichnet. Nicht nur Imker protestierten gegen die Zulassung, sondern GMO-kritische Organisationen fragen erneut grundsätzlich, ob Indien überhaupt genmanipulierte Senfölpflanzen braucht.

Über die Freigabe ist auch ein heftiger Streit zwischen der Regierungspartei BJP und ihrer militanten Basisorganisation RSS beziehungsweise den ihr nahestehenden Bäuer*innenorganisationen Swadeshi Jagaran Manch (SJM) und Bhartiya Kisan Sangh (BKS) entbrannt. Diese Entscheidung habe die gesamte Agrarwelt schockiert, schreibt Indra Shekhar Singh in The Wire. Im Gegensatz zur Behauptung des Wissenschaftlers, der die Sorte entwickelt hat, handelt es sich dabei nicht um einen nationalen (‚swadeshi’) Erfolg, vielmehr wurde dafür patentierte Technologie des Gentech-Giganten Bayer eingesetzt.

Wie umstritten das Thema ist, zeigt die Klage gegen die jüngst von der Regierung beschlossene Einführung von genmanipulierten Senfpflanzen vor dem Obersten Gerichtshof. Bharat Dogra von der Kampagne Save Earth Now fasst in seinem Beitrag die Gründe für die Klage zusammen wie zum Beispiel die Risiken der genetischen Kontamination der Biodiversität und die Umweltrisiken wie die mögliche Vergiftung von Wasser, Nutztieren und wilden Pflanzen.

Um die Kontroverse einzuordnen, sei hier noch einmal an frühere Auseinandersetzungen um GMOs zwischen Bäuer*innenorganisationen erinnert. Trotz Verbots begannen Landwirte, eine herbizid-resistente Sorte von gentechnisch veränderter Bt-Baumwolle (HTBt-Baumwolle) anzupflanzen. Die Organisation Shetkari Sanghatana, die 1979 mit dem Slogan “Freedom of access to markets and to technology” gegründet worden war, rief 2019 eine Bewegung zivilen Ungehorsams (‘satyagraha’) à la Gandhi aus, um einen Dialog über wissenschaftliche Innovation und Landwirtschaft anzustoßen.

Does India really need GM mustard
Himanshu Nitnaware, 11.12.2022.
Quelle: Down to Earth, December 11, 2022

Keen on GM Mustard, Government Plays Tug-of-War With RSS
Indra Shekhar Singh, 14.12.2022
Quelle: The Wire, December 14, 2022

Threat of Genetic Contamination Highlighted in Supreme Court of India
Bharat Dogra, 04.12.2022
Quelle: Countercurrents, December 4, 2022...

With 'GM Satyagraha', Maharashtra Farmers Want Public Dialogue About GM Crops
Sukanya Shantha, 07.07.2019
Quelle: The Wire, July 7, 2019


Ein Jahr nach dem bahnbrechenden Erfolg:  Indische Bäuer*innen wollen ihre Proteste wieder aufnehmen

Snigdhendu Bhattacharya, 28.11.2022

Landwirtschaft und Bäuer*innenkämpfe: Die Bäuer*innenorganisationen, die die Modi-Regierung zu ihrer größten Niederlage gezwungen haben, gehen wieder auf die Straße und beklagen gebrochene Versprechen. Im Zentrum der aktuellen Proteste stehen Forderungen zu Mindestpreisen für landwirtschaftliche Produkte. Allerdings ist umstritten, ob diese allein die Situation aller Bäuer*innen entscheidend verbessern können.

Quelle: The Diplomat, 28. November 2022

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Ein Kampf für die zukünftige Generation um künftige Ernten

Interview mit Sunil Kumar, Dezember 2021

Landwirtschaft und Bäuer*innenkämpfe: Im November 2021 hat die indische Regierung überraschend die Zurücknahme der drei umstrittenen Landwirtschaftsgesetze angekündigt, die im Mittelpunkt der von der Vereinigten Bauernfront (Samyukta Kisan Morcha / SKM) angeführten Protestaktionen standen. Es waren die größten Proteste, die Indien seit Jahrzehnten erlebt hat. Der Aktivist und Autor Sunil Kumar erklärt in einem Interview was für die Mobilisierungsfähigkeit der bäuerlichen Protestbewegung entscheidend war und ob der Erfolg der Bewegung der Bäuer:innen den Anfang vom Ende der Regierung Modi bedeuten kann.

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Zwei Kommentare zur Rücknahme der umstrittenen Gesetze zur Landwirtschaft

November 2021

Landwirtschaft und Bäuer*innenkämpfe: Die indische Bäuer:innenbewegung hat nach einem Jahr Protesten und Belagerung einen riesigen Erfolg erzielt: die Regierung hat angekündigt, die drei umstrittenen Landwirtschaftsgesetze zurückzuziehen. Das zielt unmissverständlich auf die bevorstehenden Wahlen in zwei nordindischen Bundesstaaten. Die Bäuer:innen warten nun auf die Umsetzung der Ankündigung und halten ihre Forderungen nach der Rücknahme weiterer Gesetze und nach einem demokratischeren Regierungsstil aufrecht.

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Eine Million Gründe, Widerstand zu leisten

von Navsharan Singh, November 2021

Landwirtschaft und Bäuer*innenkämpfe: Im Windschatten der Corona-Pandemie hatte die indische Regierung im September 2020 drei neue Gesetze auf den Weg gebracht, die den Landwirtschaftssektor der Macht großer Agrarkonzerne ausgeliefert hätten. Diese Gesetze hat die Regierung Modi nun überraschend zurückgenommen. Damit gibt sie dem anhaltenden Druck einer breiten Protestbewegung nach, die sich, angeführt von den bäuerlichen Gewerkschaften, vor fast genau einem Jahr vor den Toren von New Delhi formierte. Am 26. November 2021 jährt sich ihr ungebrochener Widerstand, in dem Frauen eine wichtige Rolle spielen. Er richtet sich nicht nur gegen die erwähnten Landwirtschaftsgesetze, sondern darüber hinaus gegen eine neoliberale Politik, die die Existenz von Millionen Kleinbäuer:innen und Landlosen gefährdet. Der Protest hat sich mittlerweile zur größten und am längsten andauernden gewaltfreien Bewegung in der Geschichte Indiens entwickelt. Die Rücknahme der drei Landwirtschaftsgesetze ist ihr historischer Erfolg.

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