Globe Spotting

Themendienst

Reportagen & Analysen

 

Agrobusiness: Literaturhinweise

Weltrettung als profitables Geschäftsmodell

Kathrin Hartmann beginnt ihre Suche nach der „Weltrettung“ durch Unternehmen mit Nespresso und George Clooney. Die Werbung für die Kapseln suggeriert nicht nur Kaffeegenuss, sondern bietet ein „Lifestyle-Accessoire gratis obendrauf: ein reines Ökogewissen“ (13). Denn Nestlé verspricht, die Aluminiumproduktion, die mit schwerwiegenden Umweltschäden einher geht, "nachhaltiger" zu machen. Ein weiter steigender Abbau des Metalls und wachsende Kapsel-Berge werden dann, Nestlé sei Dank, umweltverträglich sein – wenn die Versprechungen eingehalten werden. Das allerdings, so Hartmann, sei nicht zu erwarten. Mehr

Kathrin Hartmann: Die grüne Lüge. Weltrettung als profitables Geschäftsmodell. Das Buch zum Film ‚the Green Lie’, von Werner Boote, mit Kathrin Hartmann. Blessing Verlag 2018

 

Agrobusiness: Websites

Contract Farming Resource Centre

According to the Homepage, hosted by the UN Food and Agriculture Organisation (FAO), theContract Farming Resource Centre "has been established to offer a "one-stop" site, where information on contract farming is freely made available. Interest in contract farming as a mechanism to coordinate linkages between farmers and agribusiness firms has grown recently, in view of the international trends towards tighter alignment in agrifood supply chains." The contents are organized into four sections: the Library, the Toolkitto provide practical information to assist the design and implementation of contract farming schemes, the Frequently Asked Questions (FAQ) and the list of (a few) Linksto International Organisations, Development Agencies and NGOs.

Transparenz-Übung durch 'Land Matrix'

„Transparenz“ ist das neue Zauberwort, mit dem beispielsweise die Weltbank mit ihrer gleichnamigen Initiative der verbreiteten Kritik an großflächigen, oft ausländischen Agrarinvestitionen, aka „Land grabbing“, den Wind aus den Segeln nehmen will. Transparenz rund um die umstrittenen Investitionen in Land ist auch der Anspruch des Projekts Land Matrix Global Observatory, das unter anderem durch das BMZ beziehungsweise die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, GIZ, gefördert wird. Die interaktive und partizipative Datenbank erfasst gegenwärtig rund 1.000 Fälle großflächiger, vornehmlich ausländischer Landnahmen seit 2000 mit einer Fläche von jeweils mindestens 200 Hektar. Mehr

Transparentes 'Land grabbing' durch neue Datenbank

9. November 2015: Neben dem Nachrichtendienst farmlandgrab und der Datenbank Landmatrix soll jetzt OpenLandContracts "Licht" in die Geschäfte mit Ländereien bringen, indem Verträge zwischen Regierungen und Investoren Online gestellt werden: "Based at Columbia University in New York and backed by the World Bank, it lists details of 69 deals so far involving palm oil plantations, sugar cane, biofuels, soybeans, tea and other crops in eight countries. Organizers expect to have some 100 entries by year's end. 'Making contracts transparent can help individuals, communities and civil society monitor whether governments and investors are fulfilling their responsibilities,' said Kaitlin Cordes, head of land and agriculture at Columbia's Center on Sustainable Investment. The site, launched in October 2015, so far shows deals in Liberia, Ethiopia, Democratic Republic of Congo, Sierra Leone, Cambodia, Cameroon, South Sudan and East Timor.

Quelle:Reuters vom 19. Oktober 2015

 

Agrobusiness: Literaturhinweise

Der kritische Agrarbericht 2017: Wasser und Landwirtschaft

Januar 2017: Der alljährliche ‚Kritische Agrarbericht’, der seinen besonderen Charakter unter anderem dem Konzept verdankt, dass die AutorInnen überwiegend Mitarbeiter zivilgesellschaftlicher Organisationen, Wissenschaftler und Aktivisten sind, die sich intensiv mit dem Agrar- und Ernährungsbereich beschäftigen, hat dieses Mal den thematischen Schwerpunkt Wasser. Das ist gut. Denn obwohl allgemein bekannt ist, dass Landwirtschaft ohne Wasser nicht möglich ist, werden die beiden Bereich viel zu wenig zusammen gedacht, geschweige denn politisch übergreifend gestaltet, wenn man von Ausnahmen wie der Bewässungslandwirtschaft absieht. Die Themen der 20 Beiträge zum Schwerpunkt reichen vom Überblick über die 'Welt im Wasserstress', dem Zusammenhang von Agrarindustrie und Wasserkrise in Brasilien und von Tierhaltung und Wasserverfügbarkeit über den "Nexus" von Wasser, Energie und Ernährung und die Auswirkungen von Gentechnik oder von Glyphosat auf Gewässer bis zur Rolle des Ökolandbaus in wasserarmen Regionen und dem 'richtigen' Verbraucherhandeln.

Darüber hinaus bietet der Bericht wie immer in thematischen Kapiteln einen Überblick über Entwicklungen und Trends im vergangenen Jahr in Bereichen wie Agrarpolitik, Welthandel und Ernährung, ökologischer Landbau, Natur und Umwelt, Tierschutz und Tierhaltung oder Gentechnik, ergänzt um Beiträge zu einzelnen aktuellen Aspekten - wodurch ein umfassendes Bild der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen im deutschen und europäischen Agrarbereich und dessen Auswirkungen auf den globalen Süden entsteht.

Der kritische Agrarbericht 2017. Hintergrundberichte und Positionen zur Agrardebatte. Schwerpunkt: Wasser. Herausgeber: AgrarBündnis (ABL Bauernblatt Verlag) Januar 2017. Bestellungen direkt über den ABL Verlag.  Alle Beiträge können von der Homepage des Kritischen Agrarberichts heruntergeladen werden, ebenso wie alle früheren Berichte.

Landgewinnung durch europäische Firmen und Finanzakteure

Juni 2016: Auf Anfrage des Europaparlaments hat das niederländische Institute for Social Studies (ISS) zusammen mit der Menschenrechtsorganisation FIAN eine umfassende Bestandsaufnahme zur Beteiligung europäischer Firmen und Finanzakteure beim globalen Landgrabbing vorgelegt. In einer Pressemitteilung von FIAN heißt es dazu: "Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Rolle Europas bei Landnahmen und Menschenrechtsverletzungen weit unterschätzt wird. Angesichts der undurchdringbaren Finanzierungs- und Beteiligungsstrukturen sind vollständige Daten zur Beteiligung europäischer Akteure jedoch nicht zu ermitteln. 'Wir gehen davon aus, dass die in der Studie ermittelten 5,8 Millionen Hektar Land, die sich europäische Akteure in 323 Fällen außerhalb Europas angeeignet haben, nur die Spitze des Eisberges sind'. Besonders schwer wiegt aus Sicht der AutorInnen, dass in vielen Fällen staatlich mandatierte Akteure, darunter die deutsche Entwicklungsbank DEG oder staatliche Pensionsfonds, beteiligt sind. Da Selbstkontrollen und CSR-Aktivitäten der Privatwirtschaft keinen angemessenen Schutz vor Menschenrechtsverletzungen darstellen, fordern die AutorInnen rechtliche Regeln. Die Studie verweist auf eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten der EU und der Mitgliedstaaten, die bis dato nicht genutzt oder gar torpediert werden, wie Verhandlungen im Menschenrechtsrat zur Stärkung des internationalen Schutzes bei Menschenrechtsverstößen von Konzernen."

Quelle: FIAN-Pressemitteilung vom 9. Juni 2016.

Land grabbing and human rights: The involvement of European corporate and financial entities in land grabbing outside the European Union. May 2016. Download (pdf)

China and Brazil in African Agriculture

Mai 2016: Die Zeitschrift World Development veröffentlicht in ihrer jüngsten Ausgabe (May 2016) acht Beiträge, die die Rolle chinesischer und brasilianischer Entwicklungsprojekte und Unternehmen im Agrarbereich in Afrika behandeln - unter anderem in Ghana, Mosambik (ProSAVANA) und Äthiopien - und darin vorwiegend positive Entwicklungsimpulse sehen. Im Einleitungsbeitrag heißt es:

"This paper introduces a Special Section on Chinese and Brazilian engagements in African agriculture. The paper asks if a new paradigm for development cooperation is emerging, and argues that we must move beyond the simplistic narratives of either “South–South” collaboration or “neo-imperial” expansion of “rising powers” to look at the dynamic and contested politics of engagement, as new forms of capital and technology enter African contexts. Historical experiences in Brazil and China, as well as domestic political and economic debates, affect how interventions are framed, and by whom, and so influence what technologies are chosen, which investments are funded, and who gets trained. There are both political and economic drivers at the heart of these choices, but these are not uniform or uncontested, either in Brazil and China or in Africa. The Special Section argues for a focus on the encounters on the ground, moving beyond the broader rhetoric and generic policy statements. A key feature of Brazilian and Chinese engagements in African agriculture is the role of state–business relations in shaping and steering development, suggesting new forms of developmentalism. The paper concludes that there is a growing opportunity for learning from the Brazilian and Chinese experience, as this will be a long-run feature of African agricultural development."

World Development, China and Brazil in African Agriculture. Volume 81, May 2016, Pages 1-92. Download aller Beiträge

Bioökonomie als Raubbau der Zukunft?

Mai 2016: Die Bioökonomie, definiert als "jener Teil der 'Green Economy' der biogene Ressourcen nutzt", um den Einsatz fossiler Rohstoffe zu verringern, ist eine der neuesten technologischen Versprechungen von Wirtschaft und Politik, Ökonomie und Ökologie, Wachstum und begrenzte Ressourcen zu vermitteln und eine Vielzahl von Problemen wie Klimawandel, schwindende fossile Rohstoffe und unzureichende Ernährung von Milliarden Menschen zu lösen, ohne die Grundzüge des Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells zu ändern. Mit Reportagen, Streitgesprächen und Analysen bietet das Buch einen Einstieg in die komplexe und komplizierte Thematik, zeigt Risiken und Chancen auf, stellt Befürworter und Zweifel vor - und benennt Ansatzpunkte dafür, damit die Bioökonomie nicht eine neue Form des Raubbaus, sondern eine Wirtschaftsform der Zukunft werden könnte - Kreislaufwirtschaft, Preise, die den sozialen und ökologischen Wert der Produkte spiegeln, die Bescheidenheit beim Konsum, gerechte Verteilung von Ressourcen, ... Allerdings: "Von diesem Denken ist die letztlich auf Produktangebote und Wachstum gerichtete Bioökonomie meist noch weit entfernt".

Christiane Grefe, Global Gardening. Bioökonomie - Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft? München (Verlag Antje Kunstmann) 2016

Siehe dazu die ausführliche Besprechung von Sybille Bauriedl, auf: Blog zur Klimadebatte, 26. März 2016

Dem Basler Agromulti Syngenta auf der Spur

April 2016:MultiWatch ist eine Plattform aus Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und globalisierungskritischen Bewegungen, die die multinationalen Konzerne mit Sitz in der Schweiz beobachtet, über Menschenrechtsverletzungen informiert und auf verbindliche Menschenrechtsnormen für Konzerne hinwirkt. Mit dem 'Schwarzbuch Syngenta' legt sie "ein Porträt des Konzerns und seines Versuchs, die kapitalistische industrielle Landwirtschaft als alleiniges Zukunftsmodell und Absatzmarkt für die konzerneigene Agrogentechnik und Agrochemie zu fördern", vor.

Der Basler Agromulti ist der grösste Pestizid- und drittgrösste Saatguthersteller weltweit und gilt als der Zwilling des US-Konzerns Monsanto. "Das Schwarzbuch zeigt, wie sich Syngentas Produkte und Politik rund um die Welt auf die Biodiversität und die kleinbäuerliche Landwirtschaft auswirken. Syngentas Bemühen, Patente auf Nutzpflanzen zu erlangen, wird als ein Aspekt der neoliberalen Akkumulation durch Enteignung analysiert. Fallbeispiele aus Brasilien und Paraguay zeigen, dass letztere durchaus auch in offene Gewalt umschlagen kann." Das Buch enthält Gastbeiträge von zahlreichen AktivistInnen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, dem Agrarbereich und der Solibewegung.

Schwarzbuch Syngenta - Dem Basler Agromulti auf der Spur. Basel (Multiwatch) April 2016

Erfolgsbilanz als Wunschdenken der Gentech-Lobby

April 2016: Für die kritische Auseinandersetzung mit der Gentechnologie in der Landwirtschaft ist es hilfreich, sich immer mal wieder die PR-Strategien und Argumentationen der Befürworter aus der Agrarindustrie und der ihr nahestehenden Organisationen anzuschauen. Eine Gelegenheit dazu ist der aktuelle Jahresbericht von ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications), unterstützt unter anderem von der Bill & Melinda Gates Stiftung, um die Akzeptanz von Pflanzen-Gentechnologie in Afrika zu fördern: Demnach gibt es praktisch nur Erfolge - Bedenken, Rückschläge und anhaltender Widerstand, besonders in Europa, spielen kaum eine Rolle:

'20th Anniversary of the Global Commercialization of Biotech Crops (1996-2015) and Biotech Crop Highlights in 2015' (is) showcasing the global increase in biotech hectarage from 1.7 million hectares in 1996 to 179.7 million hectares in 2015. This 100-fold increase in just 20 years makes biotechnology the fastest adopted crop technology in recent times, reflecting farmer satisfaction with biotech crops. Additionally, it is estimated that farmers in up to 28 countries have reaped more than US$150 billion in benefits from biotech crops since 1996. This has helped alleviate poverty for up to 16.5 million small farmers and their families annually totaling about 65 million people, who are some of the poorest people in the world."

"For the fourth consecutive year, developing countries planted more biotech crops (14.5 million hectares) than industrialized countries. In 2015, Latin American, Asian and African farmers grew biotech crops on 54 percent of global biotech hectarage (97.1 million hectares of 179.7 million biotech hectares) and of the 28 countries that planted biotech crops, 20 were developing nations."

"'China is just one example of biotechnology’s benefits for farmers in developing countries. Between 1997 and 2014, biotech cotton varieties brought an estimated $17.5 billion worth of benefits to Chinese cotton farmers, and they realized $1.3 billion in 2014 alone,' explained ISAAA Global Coordinator, Randy Hautea."

"Also in 2015, India became the leading cotton producer in the world with much of its growth attributed to biotech Bt cotton. India is the largest biotech cotton country in the world with 11.6 million hectares planted in 2015 by 7.7 million small farmers. In 2014 and 2015, an impressive 95 percent of India’s cotton crop was planted with biotech seed; China’s adoption in 2015 was 96 percent."

Nach dieser Überdosis Propaganda gibt es Gegenmittel, etwa die Websites GMWatch, Informationsdienst Gentechnik oder Testbiotech, mit anderen Zahlen und zahlreichen Beispielen und Argumenten, um diese 'Erfolgsbilanz' zurecht zu rücken.

20th Anniversary of the Global Commercialization of Biotech Crops (1996-2015) and Biotech Crop Highlights in 2015. By Clive James (Founder and Emeritus Chair, ISAAA). April 2016. Download Executive Summary (pdf)

Siehe auch: GMO Myths and Truths: A Citizen’s Guide to the Evidence on the Safety and Efficacy of Genetically Modified Crops and Foods, 3rd Edition. By Claire Robinson, Michael Antoniou, and John Fagan.

Mythen und Wahrheiten über GMOs - Das Buch

The first edition of 'GMO Myths and Truths' was published in 2012 and the second in 2014 as free online pdf downloads. The 2014 version is still available for free online. Together, these web publications have been downloaded hundreds of thousands of times by people all over the world. The current third printed edition was produced in response to requests for a shorter publication in book form that could be easily read, carried around, and given to others.

See a review byColin Todhunterin Counterpunch, 2 March 2016, in which he terms the book "An essential citizen’s guide to the truth about GM crops and food”.

GMO Myths and Truths: A Citizen’s Guide to the Evidence on the Safety and Efficacy of Genetically Modified Crops and Foods, 3rd Edition. By Claire Robinson, Michael Antoniou, and John Fagan.

KKM-Studie: Forstplantagen in Mosambik

März 2016: Mosambik gehört, neben Äthiopien und dem westafrikanischen Sierra Leone, zu den wichtigsten Zielländern ausländischer Investoren im Agrarbereich. Zudem geht es bei diesen Investitionen häufig nicht, wie behauptet, um den Anbau von Nahrungsmitteln, sondern um industrielle Rohstoffe. Da die weltweite Nachfrage nach Holz für Papier, andere Zelluloseprodukte und in zunehmendem Maße auch zur Energiegewinnung ständig zunimmt, steigt die Fläche der Forst-Monokulturen global rasant an.

Die Studie beschäftigt sich mit Megaprojekten in Mosambik im Bereich der Forstwirtschaft. In Zentral- und Nordmosambik sind es bereits mehr als eine Million Hektar, bei denen es sich größtenteils um traditionell genutztes Farmland, aber auch um noch bestehende Naturwälder handelt. Die Studie beleuchtet die Struktur, die Finanzierung sowie die realisierten und geplanten Aktivitäten der beteiligten Firmen. Außerdem werden die bisher bekannt gewordenen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung (Arbeitsplätze, Infrastruktur, Landraub, Umweltschäden) beschrieben.

Auf dem Holzweg? Forstplantagen in Mosambik. Von Monika Orlowski, herausgegeben vom KoordinierungsKreis Mosambik (KKM), Dezember 2015. Download (pdf)

Der kritische Agrarbericht 2016

Januar 2016: Der alljährliche ‚Kritische Agrarbericht’ verdankt seinen Fokus und seinen besonderen Charakter unter anderem dem Konzept, dass die AutorInnen überwiegend Mitarbeiter zivilgesellschaftlicher Organisationen, Wissenschaftler und Aktivisten sind, die sich intensiv mit dem Agrar- und Ernährungsbereich beschäftigen. Engagement verbindet sich dabei mit einem fundierten Wissen, das die vielfältigen Probleme und Themen der Diskussionen und Auseinandersetzungen in Deutschland und Europa unter einem Blickwinkel, der 'Partei' nimmt für die bäuerliche Landwirtschaft, behandelt und Argumentationen und Informationen liefert, die in dieser komprimierten Form anderswo nur schwer zu finden sind.

Schwerpunkt des diesjährigen Berichts ist das agrarindustrielle Wachstum und Alternativen dazu. Denn mit "dem Immer-schneller-immer-mehr-Produzieren wachsen die Probleme mit: beim Tierschutz, bei der Nährstoffversorgung der Böden, beim Einsatz von Pestiziden, beim Schutz der biologischen Vielfalt, aber auch bei der Arbeitssituation der Menschen". Neben der Analyse von "Wachstumstreibern" geht der Bericht denn auch den Fragen nach, welche Möglichkeiten bäuerliche Betriebe haben, sich von den Wachstumszwängen zu befreien und welche Ansätze es für eine "Ökonomie des Genug" oder für "Formen des solidarischen Miteinanders von Landwirtschaft und Gesellschaft" gibt.

Darüber hinaus behandelt der Bericht, der wie immer in thematische Kapitel wie Agrarpolitik, Welthandel und Ernährung, ökologischer Landbau, Natur und Umwelt, Tierschutz und Tierhaltung oder Gentechnik mit jeweils einem umfassenden Überblick über Entwicklungen & Trends im vergangenen Jahr unterteilt ist, Fragen wie die sinkenden Milchpreise, die Exportorientierung der deutschen und europäischen Landwirtschaft, Verhandlungen über Handelsabkommen der EU wie TTIP, die Auseinandersetzung um die Wiederzulassung von Glyphosat oder den Streit um die Düngeverordnung, die Auswirkungen weit über die Landwirtschaft hinaus haben.

Der kritische Agrarbericht 2016. Hintergrundberichte und Positionen zur Agrardebatte. Schwerpunkt: Wachstum. Herausgeber: AgrarBündnis (ABL Bauernblatt Verlag) Januar 2016. Bestellungen direkt über den ABL Verlag.  Eine Onlineversion (mit Ausnahme der jeweiligen thematischen Jahresrückblicke, die vorerst der Druckausgabe vorbehalten sind) sowie alle früheren Berichte stehen auf der Homepage des Kritischen Agrarberichts.

Menschenfreunde als Entwicklungsstrategen

Nach der Studie "Fit for Whose Purpose? Private Funding and Corporate Influence in the United Nations" (September 2015) legt das Global Policy Forum jetzt mit "Philanthropic Power and Development" nach und konzentriert sich auf die Einflussnahme durch US-amerikanische Stiftungen - vor allem die Bill & Melinda Gates Foundation und die Rockefeller Foundation - auf die Entwicklungs-Agenda, illustriert am Gesundheits- und am Landwirtschaftssektor. Begünstigt durch eine Steuerpolitik, die auf Kosten öffentlicher Einnahmen die Anhäufung ihres Reichtums gefördert hat, nutzen sie ihre Milliarden jetzt erstens zu weiteren Steuerersparnissen, zur Imagepflege, aber auch zu einer massiven Beeinflussung von Forschung, Regierungen und politischen Maßnahmen, was unter anderem an der Alliance for a Green Revolution in Afrika, AGRA, nachgezeichnet wird. Entsprechend ihrem ideologischen Ansatz, Probleme wie Hunger oder unzureichende Gesundheitsversorgung vorrangig mit technologischen Innovationen und markt- beziehungsweise privatwirtschaftlichen Konzepten lösen zu wollen, liegt der Schwerpunkt dabei auf der Förderung von Marktzugang durch Zusammenarbeit mit der Agrar- und Ernährungsindustrie und der Förderung kommerzieller Inputs wie Saatgut, vor allem für gentechnisch veränderte Agrarprodukte. Und wie bei der Studie über den privatwirtschaftlichen Einfluss auf die Vereinten Nationen lautet auch hier eine Schlussfolgerung aus der Analyse der philanthropischen Stiftungen: "CSO engaged in joined initiatives with corporate philanthropy should carefully evaluate the impact and side effects of these initiatives and potentially reconsider their engagement."

Philanthropic Power and Development. Who shapes the agenda? By Jens Martens and Karolin Seitz. Published by MISEREOR, Brot für die Welt and Global Policy Forum, November 2015. Download (pdf 780kb)

Weitere Studien des Global Policy Forum zum Thema:

Corporate influence in the Post-2015 process. Working Paper by Lou Pingeot. Published by Brot für die Welt, Global Policy Forum and MISEREOR, January 2014

Corporate Influence on the Business and Human Rights Agenda of the United Nations. Working Paper by Jens Martens. Published by Brot für die Welt, Global Policy Forum and MISEREOR, June 2014

Corporate influence through the G8 New Alliance for Food Security and Nutrition in Africa. Working Paper by Wolfgang Obenland. Published by Brot für die Welt, Global Policy Forum and MISEREOR, August 2014

Fit for whose purpose? Private funding and corporate influence in the United Nations. Report by Barbara Adams and Jens Martens. Published by Brot für die Welt, Global Policy Forum and MISEREOR, September 2015

Die Krise der ärmsten Länder hält an

November 2015:The Least Developed Countries Report 2015 der UN Conference on Trade and Development, UNCTAD, mit dem Schwerpunkt "Transforming Rural Economies" liest sich streckenweise wie ein Dämpfer für die hochfliegenden Erwartungen, die gegenwärtig an die Agrar- und Ernährungsindustrie als Zugpferd für die ländliche Entwicklung in Afrika gerichtet werden. Naturgemäß steht mangels Verarbeitungsindustrie in den ländlichen Regionen bei der Transformations-Frage die Landwirtschaft im Mittelpunkt. Besonders in Afrika spielt sie, mal abgesehen von den Ländern mit Bergbau und Erdöl, nach wie vor eine zentrale Rolle für Wirtschaft, Beschäftigung und Außenhandel.

Einige interessante allgemeine Ergebnisse des umfangreichen Berichts vorweg: Demnach hat sich das Wirtschaftswachstum in den LDCs seit 2012  verlangsamt, vor allem wohl wegen der Situation auf den Rohstoffmärkten. Es droht eine neue Schuldenkrise, weil "the LDCs’ collective current account deficit increased to a record level of $49.4 billion in 2014, 40 per cent higher than in 2013 and 87 per cent higher than in 2012, the increase originated primarily in the African LDCs and Haiti". Und das Handelsbilanzdefizit "nearly tripled to $33.6 billion in 2014, as imports rose by $20 billion and exports fell by $1.9 billion".

 

Agrarbereich stagnant

Für die Landwirtschaft, "accounting for 60 per cent of total employment and 25 per cent of value added", sieht die Erfolgs-/Entwicklungsbilanz nicht viel besser aus: "The trade deficit in food products of LDCs as a whole has widened dramatically from $2 billion in 1995-1997 to $21.8 billion in 2011-13". "Agricultural labour productivity was 19 per cent of that in other developing countries and 1.8 per cent of that in developed countries, and has grown more slowly". Als Ursachen dafür sieht der Bericht die dramatisch beschnittenen öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung und die Währungs- und Handelspolitik, die die landwirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigt, sowie "very limited use of other inputs than labour and land". Erträge sind daher in vielen afrikanischen Ländern langsamer gewachsen als in asiatischen Ländern. Einen weiteren wesentlichen Faktor dafür sieht der Bericht zudem in "Gender-based constraints on rural economic transformation". Ausländische Direktinvestitionen in die LDCS "have remained broadly constant over the past five years", nach einem starken Anstieg zwischen 2005 und 2010. Nur zwei Länder – Äthiopien und Sambia – verzeichnen weiterhin einen starken Zuwachs.

 

Wenig Hoffnung in die Agrarindustrie

Während anscheinend wenig Hoffnungen in ausländische Direktinvestitionen und Public Private Partnerships, PPP, im Agrarbereich gesetzt werden, werden als Schlüsselelemente für Lösungen unter anderem "locally appropriate inputs", "adoption of innovations and new technologies through input subsidy schemes", "increased support to R&D and extension" und "market differentiation through organic, fair trade and sustainability certificiation" gesehen. Außerdem sollte ein erheblicher Anstieg der öffentlichen Entwicklungsgelder (ODA) erfolgen.

Während immer mehr Länder und Entwicklungsorganisation die Rolle der ‚Entwicklungshilfe’ vor allem im Ausbau sozialer Sicherungssysteme siehen, um die Menschen, die die bäuerliche Landwirtschaft aufgeben müssen, aufzufangen, hält der Bericht es für "important that productive sectors are given appropriate priority in allocation of additional ODA": "The ultimate objective of ODA should be to support the development of productive capacities in LDCs and of  their capacity for domestic resource mobilisation". Erwartungen an zusätzliche private Investitionen richten sich, anders als bei Initiativen wie der New Alliance for Food Security and Nutrition, weniger auf Unternehmen aus der Agrar- und Ernährungsindustrie, als auf "proactive ethical investment instruments and mechanisms for diaspora direct investment".

The Least Development Countries Report 2015. Transforming Rural Economies. Published by United Nations Conference on Trade and Development, UNCTAD, November 2015. Download (pdf 6,9mb)

Kritik der Grünen Ökonomie

November 2015: Beim 'Erdgipfel' 1992 in Rio de Janeiro, der UN Conference on Environment and Development, ging es darum, auf globaler Governance-Ebene ‚Umwelt’ und ‚Entwicklung’ zusammen zu bringen. 20 Jahre später wurde bei der Rio+20-Konferenz versucht, den Begriff der Nachhaltigen Entwicklung durch das Konzept der Grünen Ökonomie zu ersetzen (Siehe: Boykottiert Rio+20!), ein Versuch, der vor allem aus der Zivilgesellschaft auf heftige Kritik stieß. Die Wirtschaft selbst soll demnach den Weg aus den ökologischen Krisen weisen – mit Unternehmern als wichtigsten Akteuren. Diese Strategie ist längst auch in anderen Bereichen wie der Entwicklungspolitik oder im Infrastrukturbereich zum gängigen Leitbild geworden, an dessen Umsetzung sich staatliche Politik, multilaterale Organisationen, Stiftungen, Wissenschaft und zunehmend auch zivilgesellschaftliche Organisationen orientieren.

Anders als häufig bei der Kritik an der Grünen Ökonomie, geht das Buch nicht ein weiteres Mal auf den Widerspruch ein, dass hier das Wachstumsmodell durch weiteres 'ressourenschonendes’ und ‚umweltvertägliches’ Wachstum ("Green Growth") gerettet werden soll, sondern greift zwei Kernbereiche der kapitalistischen Ökonomie an: Markt und Technologie. An vier Bereichen wird durchdekliniert, warum dieses Konzept ungeeignet ist, wie von ihm behauptet die akuten Krisen zu bewältigen: Klimawandel, der Verlust biologischer Vielfalt, die Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft, sowie Ungleichheit, Armut, Hunger. Ausführlich wird unter anderem auf das Konzept von ‚Naturkapital’ und die damit angestrebte "Einbeziehung der Natur in die Ökonomie" eingegangen, es wird nachgezeichnet, wie die Durchsetzung des CO2-Handels dazu diente, "Klimapolitik als ökonomische Transformation im Kontext der Grünen Ökonomie zu definieren", und es werden die problematischen Auswirkungen einer Bepreisung sogenannter "Umweltdienstleistungen" diskutiert. Anschaulich wird, wie politisch und ökonomisch argumentiert – und bei Bedarf auch falsch informiert - wird, um die Fortsetzung des Systems, das die Krisen produziert, zu legitimieren.

Neben dieser Kritik an marktwirtschaftlichen Konzepten und der Vorstellung, Krisenlösungen seien durch wirtschaftliche Anreize anstatt durch Regulierung zu erreichen, steht eine Zeitreise durch folgenschwere Beispiele technologischer Innovationen – von der industriellen Revolution durch Stahl, Zement und Autoindustrie, über die Grüne Revolution und Bioenergie als Hoffnungsträger für eine Grüne Ökonomie durch erneuerbare Energien, bis hin zu synthetischer Biologie und Geoengineering.

Ein weiterer Angriff zielt auf die blinden Flecken im Konzept der Grünen Ökonomie  - die Rechte indigener Völker, Gerechtigkeitsfragen, die Ausblendung der Rolle sozialer Akteurinnen und Akteure und der Bedeutung von Geschlechterverhältnissen, deren Analyse "essenziell ist, wenn wir Umweltkrisen bewältigen und Ungerechtigkeiten und Ungleichheit überwinden wollen". Damit reicht die Analyse weit über die Grüne Ökonomie hinaus direkt hinein in den Mainstream der herrschenden Politik.

Den Versuchen, mit marktwirtschaftlichen Konzepten und technologischen Innovationen Auswege aus den Krisen zu finden, setzt das Buch die Forderung nach einer Repolitisierung der Umweltpolitik und die Ausweitung der Ansätze "sozialer Innovationen" entgegen. Hoffnungen werden in die Rückkehr zu einem "regulierenden und dem Allgemeinwohl und der ökologischen Zukunftsvorsorge verpflichteten Staat unter demokratischer Kontrolle und eine starke Zivilgesellschaft, die konfliktfähig ist", gesetzt. Anstelle einer Transformation des Kapitalismus zu einem grünen Kapitalismus, deren Aussichten – und Absichten - in Frage gestellt werden, steht die Forderung nach einer "Transformation durch visionäre Alternativen und schrittweise Veränderungen", die eine "Wiedereinbettung der Ökonomie in die Gesellschaft" unterstützen.

Thomas Fatheuer, Lili Fuhr, Barbara Unmüßig, Kritik der Grünen Ökonomie. München (oekom Verlag mit Vorwort und Leseprobe) 2015. Siehe auch das Dossier zum Thema

Africa's Land Rush

November 2015: Aus der Verlags-Ankündigung: "Africa has been at the centre of a "land grab" in recent years, with investors lured by projections of rising food prices, growing demand for "green" energy, and cheap land and water rights. But such land is often also used or claimed through custom by communities. What does this mean for Africa? In what ways are rural people's lives and livelihoods being transformed as a result? And who will control its land and agricultural futures?"

"The case studies explore the processes through which land deals are being made; the implications for agrarian structure, rural livelihoods and food security; and the historical context of changing land uses, revealing that these land grabs may resonate with, even resurrect, forms of large-scale production associated with the colonial and early independence eras. The book depicts the striking diversity of deals and dealers: white Zimbabwean farmers in northern Nigeria, Dutch and American joint ventures in Ghana, an Indian agricultural company in Ethiopia's hinterland, European investors in Kenya's drylands and a Canadian biofuel company on its coast, South African sugar agribusiness in Tanzania's southern growth corridor, in Malawi's "Greenbelt" and in southern Mozambique, and white South African farmers venturing onto former state farms in the Congo."

Africa's Land Rush. Rural Livelihoods and Agrarian Change. Edited by Ruth Hall, Ian Scoones & Dzodzi Tsikata. (James Currey) 2015. Einleitung (pdf)

Aus kontrolliertem Raubbau

Oktober 2015: Zwei Sektoren des Landwirtschafts- und Ernährungssystems stehen im Mittelpunkt des Buches: Palmöl und Aquakultur, ergänzt um Exkurse zu Emissionshandel, German Food Partnership oder zu Gentechnik 'als trojanischem Pferd der Saatgutkonzerne'. Die Recherche-Reisen nach Malaysia, Indonesien und Bangladesh mit vielen Gesprächen mit Beschäftigten in der boomenden Palmöl- und Aquakultur-Ökonomie werden verknüpft mit Berichten von Treffen mit Vertretern von Unternehmen und Wissenschaft, mit Entwicklungsmanagern und Aktivisten.

Neben den eindringlichen Beschreibungen der Arbeits- und Umweltsituation werden die Ursachen und Hintergründe erläutert, etwa die EU-Politik, die Weichenstellungen durch Finanzinstitutionen wie die Weltbank, die Strategien von Konzernen wie Unilever und die zweifelhafte Rolle von Stiftungen wie der Bill and Melinda Gates Foundation, deren Verquickung mit Konzerninteressen ausgeleuchtet wird - und wie durch ständig wechselnde modische Schlagworte wie Nachhaltigkeit, Unternehmensverantwortung oder 'Grüner Ökonomie' suggeriert wird, dass die negativen Auswirkungen des Kapitalismus in den Griff zu bekommen sind. Ausführlich geht es dabei auch um die Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen aus dem Umwelt- und Entwicklungsbereich bei Einrichtungen wie dem 'Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl' oder der Zertifizierung von Shrimps.

Dadurch gelingt es, an den beiden zentralen Themen deutlich zu machen, wie die Agrar- und Ernährungsindustrie als ein System funktioniert, das weit über den ökonomischen Bereich hinaus Umwelt-, Entwicklungs- und Sozialpolitiken beeinflußt, prägt und auf Unternehmensstrategien und -interessen hin zurechtbiegt - teils durch den Einsatz von wirtschaftlicher und politischer Macht (und Gewalt), teils durch die softe Einbindung von Kritik und Widerstand in die Verlockungen von Partnerschaften, Dialogprozessen und Versprechungen von 'verantwortlicher Unternehmenskultur' und grün geläuterter Ökonomie. Damit werden beispielhaft die Mechanismen und Herrschaftverhältnisse deutlich, die sich unschwer auch in anderen Bereichen wiederfinden lassen.

Ein ganz besonderer Fokus liegt dabei auf der kritischen Auseinandersetzung mit 'Business NGOs' und anderen 'Non-profit Organisationen', die sich "als Partner der Wirtschaft und als Geburtshelfer des grünen Wachstums" mehr und mehr auf die Versprechungen von Image-Abteilungen der Konzerne einlassen und die Kooperation suchen - vom kritisch-konstruktiven Dialog bis hin zu gemeinsamen Projekten, von der Annahme von Spenden bis hin zu PR-Kampagnen - eine Entwicklung, von der selbst Ikonen wie Greenpeace nicht gänzlich verschont bleiben.

Gäbe es ein 'Globe-spotting-Buch des Jahres', wäre Kathrin Hartmanns "Aus kontrolliertem Raubbau", das äußerst gelungene Reportagen mit gründlicher Recherche, gewürzt mit erfrischenden Kommentaren, verbindet, ganz sicher auf der Shortlist für 2015.

Kathrin Hartmann, Aus kontrolliertem Raubbau. Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren. München (Karl Blessing Verlag) 2015. Siehe auch den Blog der Autorin

Nahrungsmittelkonzerne und das Recht auf Nahrung

Oktober 2015: Schwerpunktthema im neuen "Jahrbuch zum Recht auf Nahrung" ist der zunehmende Einfluss von Nahrungsmittelkonzernen auf politische Entscheidungen zu Themen der Ernährung. Ein Zeichen dafür ist das wachsende Angebot an Produkten, die künstlich - und teils gentechnisch - mit Zusatzstoffen wie Mikronährstoffen oder Vitaminen angereichert werden - angeblich, um so Mangelernährung zu beseitigen. Der Beitrag der Agrar- und Ernährungsindustrie zu anhaltendem Hunger und Mangelernährung bleibt dabei meist ebenso ausgeblendet wir ihr Beitrag zur Fehlernährung durch Nahrungsmittel und Getränke mit zu viel Fett, Zucker und Salz, die zunehmend auch in Entwicklungs- und Schwellenländern vermarktet werden und dort regionale landwirtschaftliche Produkte verdrängen. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit Fragen landwirtschaftlicher Entwicklung und Ernährungssicherheit in Afrika, beispielsweise städtische Landwirtschaft, in Asien (China und Mongolei), in Lateinamerika und in Europa.

Peoples' Nutrition Is Not a Business. Right to Food and Nutrition Watch 2015, Issue 07. Download (pdf 2mb)

Steigbügelhalter für Geschäfte mit Düngemitteln

August 2015: The African Centre for Biodiversity, based in South Acfrica, released this research report on the African Fertilizer Agribusiness Partnership (AFAP): "The chemical fertiliser push in Africa and its implications for smallholder farmers is not receiving enough attention in current discourses concerning Green Revolution policies and practises in Africa. Yet chemical fertilisers are big business on the continent, where its adoption is strongly supported by African governments through subsidy schemes and regional organisations such as NEPAD, the African Union and COMESA, and international donor organisations such as USAID, DfiD, the FAO and the Soros Foundation."  

"Ghana, Mozambique and Tanzania are key target breadbasket countries for the AFAP, one of the main beneficiaries of the Gates Foundation-funded Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA). These three African countries afford easy access to neigbouring states, have ports to facilitate fertiliser imports and have amenable regulatory and policy environments."

"Acting both as its own agent through the agribusiness partnership contracts, which focus primarily on building warehouse capacity, extending supply and credit guarantees to private companies and supporting extraction of raw materials – such as rock phosphate – and as an implementing partner for major international development agencies, AFAP has become a significant player in the policy space. It is able to further its agenda of increasing private-sector trade in fertilisers on the continent under the guise of bolstering food security or livelihoods of the rural poor. The organisation’s efforts align with the Green Revolution push in Africa to move farmers away from traditional systems to commercial ones reliant on high levels of external inputs (seeds, fertilisers, pesticides, etc.). As most farmers are too poor to afford these inputs, support is often given in the form of publicly funded subsidies or credit."

AFAP in Ghana, Mozambique and Tanzania - for Profits or People. Published by African Centre for Biodiversity, South Africa. August 2015. Download (pdf-file 1,4mb)

Land rights and investment treaties

Aus der Ankündigung: "The spread and deepening of economic globalisation has highlighted the ever closer connections between the international legal arrangements for the governance of the global economy on the one hand, and claims to land and natural resources on the other. In a globalised world, land governance is shaped by international as well as national regulation. As pressures on valuable lands intensify and land relations become more transnationalised, increasing recourse to international investment treaties is redesigning spaces for land claims at local and national levels."

"This report sheds light on how investment treaties can affect land rights. It finds that investment treaties can have far-reaching implications for land reform, for public action to address “land grabbing” and more generally for land governance frameworks. The report also charts directions for socio-legal research to explore how investment treaties are affecting land rights on the ground."

Lorenzo Cotula, Land rights and investment treaties: exploring the interface. Published by the International Institute for Environment and Development, iied, 2015. Download (pdf)

Update März 2016: From the abstract of the 2. edition: "As foreign investments in agriculture and extractive industries increase pressures on land and natural resources, the effective use of legal tools, by government and advocates alike, has become an important ingredient of public efforts to ensure that foreign investment contributes to sustainable development."

"This handbook is about how to use law to make foreign investment work for sustainable development. (...) It takes an integrated approach that cuts across areas of law typically treated in separate literatures – including investment treaties, extractive industry legislation, land tenure, human rights norms, environmental legislation and tax law. The main target audience is governments and advocates in low and middle-income countries."

Lorenzo Cotula, Foreign investment, law and sustainable development. A handbook on agriculture and extractive industries. Natural Resource Issues No. 31. IIED, London, 2nd edition. February 2016. Download (pdf)

See also other reports in the Land, Investment and Rights series, that can be downloaded from www.iied.org/pubs. Recent titles include:

Agro-industrial investments in Cameroon: large-scale land acquisitions since 2005. 2015. Nguiffo, S and Sonkoue Watio M. Also available in French.

Understanding agricultural investment chains: lessons to improve governance. 2014. Cotula, L and Blackmore, E.

Agricultural investments in Southeast Asia: legal tools for public accountability. 2014. Polack, E et al.

Agricultural investments and land acquisitions in Mali: context, trends and case studies. 2013. Djiré, M et al. Also available in French.

Long-term outcomes of agricultural investments: lessons from Zambia. 2012. Mujenja, F and Wonani, C.

'Partnerschaft' von Regierung, Business und Bauern

Juli 2015: Aus dem Abstract: "This research seeks to understand how public-private-producer partnerships (PPPPs) in agricultural value chains can be designed and implemented to achieve more sustained increases in income for smallholder farmers and broader rural development. PPPPs involve cooperation between government and business agents, working together to reach a common goal or carry out a specific task, while jointly assuming risks and responsibilities, and sharing resources and competences. They also explicitly involve farmers (or producers), hence the fourth ‘P’ is added to the more familiar designation of ‘public-private partnerships’."

"The research also considers the role of PPPP brokers as independent facilitators who support the process of exploring, designing and implementingPPPPs. The research is based on four case studies of agricultural value chain PPPPs developed through projects financed by the International Fund for Agricultural Development (IFAD) in Ghana, Indonesia, Rwanda and Uganda. In each country, local research teams collected data through a mixture of semi-structured interviews, field visits and focus group discussions (FGDs) with local market chain actors, smallholder farmers and other community members, and relevant experts. These were not impact assessments, and represent instead a snapshot in time. However, the aim was to gain insights into the outcomes of the PPPPs so far, and how these have been influenced by the way the PPPP was designed, implemented and brokered."

Thorpe, J. and Maestre, M., Brokering Development: Enabling Factors for Public-Private-Producer Partnerships in Agricultural Value Chains. Published by IDS and IFAD, June 2015. Download (pdf 3,7mb)

Agricultural commercialisation in regional contexts

16. Juni 2015: "Last week 200 delegates assembled in Chiang Mai in Thailand for a major conference on land grabbing, conflict and agrarian-environment transformations in southeast Asia. It was co-organised by the research networkLand Deal Politics Initiative (LDPI). The conference marked the next step in this work, aiming to locate debates about land investment and agricultural commercialisation in regional contexts. Southeast Asia has been a focus of the global land rush in the period since the financial-food-energy crisis of 2008, but as elsewhere the dynamics of transformation have evolved in ways that are more complex than the original ‘land grab’ rhetoric."

"Due to changes in commodity prices, challenges of infrastructure and investment and shifts in public and policy opinion, large-scale grabs have been less frequent than the ‘multiple pin pricks’ of changes in land use and ownership that have occurred as the new hubs of capital – in the southeast Asia case dominated by China – assert their influence in agrarian systems. The conference website has 68 papers already posted, and there were around 100 presentations on all dimensions of land and environmental change in the region at the event."

Quelle:Ian Scoones, Global land grabbing: some new resources. Farmlandgrab vom 8. Juni 2015

Kritik an der G7 'New Alliance for Food Security'

28. Mai 2015: Im Vorfeld des diesjährigen Gipfeltreffens der Regierungen der USA, Großbritanniens, Japans, Frankreichs, Kanadas, Deutschlands und Italiens in Oberbayern Anfang Juni sind ein Reihe von Publikationen erschienen, die sich mit der Politik dieser G7 im Agrar- und Ernährungsbereich kritisch auseinandersetzen, besonders mit der "New Alliance for Food Security and Nutrition" (aka G8NA). Mehr 

'Neue Allianz' strukturiert Afrikas Landwirtschaft um

April 2015: Die tiefgreifende Umstrukturierung der Landwirtschaft in Afrika, die seit vier, fünf Jahren abläuft, wird zum guten Teil durch die New Alliance for Food Security und Nutrition vorangetrieben. Im Mittelpunkt stehen dabei Landnutzungsregelungen und Saatgutgesetzgebung, die von den Regierungen auf die Bedürfnisse großer Agrarinvestoren zugeschnitten werden sollen. Ein neuer INKOTA-Hintergrundbericht zeigt die Auswirkungen in Mosambik und die Entstehung bäuerlichen und zivilgesellschaftlichen Widerstands auf.

Auch der Bericht von AFSA (Alliance for Food Sovereignty in Africa) und GRAIN konzentriert sich auf die Bestrebungen, Land und Saatgut umfassend zu privatisieren, mit dem Ziel "to turn what has long been a commons into something that corporates can control and profit from". Analysiert wird dabei nicht nur die Rolle der New Alliance, sondern auch anderer Akteure wie der Weltbank, der African Union Land Policy Initiative, der Europäischen Union, afrikanischer regionaler Wirtschaftszusammenschlüsse wie ECOWAS (Westafrika) und SADC (Südliches Afrika), von Organisationen zum Ausbau des Schutzes von kommerziellen Züchterrechten wie ARIPO, von Freihandelsabkommen und von Entwicklungsorganisationen wie USAID. Konkretisiert werden die Auswirkungen vor allem an den afrikanischen Ländern, die Mitglieder der New Alliance sind, also unter anderem Mosambik, Benin, Äthiopien, Ghana und Senegal.

Riskantes Spiel. Neue Allianz für Ernährungssicherheit gefährdet Zugang zu Land und Saatgut für Kleinbauern in Mosambik. INKOTA-Hintergrund, November 2014. Download (pdf-Datei 1,5mb)

Land and Seed Laws under Attack. Who is pushing changes in Africa? AFSA and GRAIN, January 2015. Download (pdf file)

"Treat development like a business"

April 2015: Die bilaterale und multilaterale Entwicklungspolitik hat sich von einem Politikfeld, das weitgehend von staatlichen Akteuren und Interessen bestimmt wurde, zu einer Veranstaltung gewandelt, in der Unternehmensinteressen und marktwirtschaftliche Prinzipien staatliche Entwicklungspläne, -instrumente und -maßnahmen dominieren. Im Agrarbereich wird diese Privatisierung der Entwicklungszusammenarbeit besonders deutlich. Wesentliche Elemente sind jetzt Wirtschaftswachstum, die Orientierung auf Interessen der Privatwirtschaft ("talking with the private sector for development"), neue institutionelle Partnerschaften zwischen Staat, Unternehmen und Zivilgesellschaft als 'stakeholder' für eine „inklusive Entwicklungszusammenarbeit“ und die Anpassung der öffentlichen Entwicklungshilfe "as a valuable means to support private finance and boost private investments".

Uwe Hoering, "Treat development like a business". Unternehmen übernehmen Verantwortung für Entwicklung. In: Gerhard Hauck u.a. (Hrsg.), Entwicklung, Gewalt, Gedächtnis. Festschrift für Reinhart Kößler. Münster (Westfälisches Dampfboot) 2015, 369-376

 

Agrobusiness: Weitere Literaturhinweise

Christoph Then, Neue Herausforderungen durch Agro-Gentechnik (2015)

April 2015: Aus der Ankündigung: "Nach 20 Jahren des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen sehen wir heute vielfach die Folgen. In Ländern wie den USA, Brasilien und Argentinien findet ein Wettrüsten gegen resistente Unkräuter und Schädlinge statt. In verschiedenen Regionen ist die Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen bereits außer Kontrolle geraten. Getrieben wird die Entwicklung von Konzernen, die gleichzeitig am Verkauf von patentiertem Gentechnik-Saatgut und Spritzmitteln verdienen. Zudem haben sich in den letzten Jahren die Grenzen des Machbaren deutlich verschoben: Die künstliche Synthese von Genen und andere neue Labortechniken eröffnen die Möglichkeit zu weit radikaleren Veränderungen des Erbgutes, als dies bislang technisch möglich war. Das Buch informiert über die Fakten und Hintergründe, regt eine kritische und informierte Auseinandersetzung mit der Gen- und Biotechnologie an und plädiert für wesentlich höhere Schutzstandards im Umgang mit den Grundlagen des Lebens." Es basiert zu großen Teilen auf der Arbeit von Testbiotech, einer unabhängigen Forschungsgruppe, die die Debatte über die gesellschaftlichen Auswirkungen der Biotechnologie fördern will.

Christoph Then, Handbuch Agro-Gentechnik. Die Folgen für Landwirtschaft, Mensch und Umwelt. München (Oekom Verlag) 2015

Erklärung von Bern, Kontrolle über Saatgut gefährdet Recht auf Nahrung (2014)

April 2015: Auf Druck von Industriestaaten werden viele Entwicklungsländer zur Übernahme strenger internationaler Sortenschutzgesetze gedrängt. Die Studie der Erklärung von Bern und ihren Partnerorganisationen ('Owning Seeds, Accessing Food)', veröffentlicht im Oktober 2014, zeigt: Sortenschutz-Gesetze gefährden das Menschenrecht auf Nahrung. 

Die Studie steht auf Englisch und Spanisch zur Verfügung.
Das Factsheet gibt es auf Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch.

Owning Seeds, Accessing Food. A Human Rights Impact Assessment of UPOV 1991 based on Case Studies in Kenya, Peru and the Philippines. Published by Erklärung von Bern, November 2014.

Der Kritische Agrarbericht 2015

April 2015:Der Kritische Agrarbericht, der seit 1993 jährlich erscheint, hat dieses Jahr das Schwerpunktthema bäuerliche Landwirtschaft beziehungsweise "Bäuerlichkeit" als Gegenpol zu Agrarindustrie. Anlass dafür ist zum eine die Renaissance des Begriffs, nicht zuletzt getragen von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO ("Familienlandwirtschaft"), eine "große Sehnsucht nach dem Ländlichen", wie im Editoral festgestellt wird, aber auch Versuche der Agrarindustrie, sich als Repräsentanten "der Bauern" zu profilieren. Die Grenzen verschwimmen aber auch zunehmend dadurch, dass die Produktionsketten immer weiter integriert werden und seit einigen Jahren auch in den Ländern des globalen Südens die Umwandlung der herkömmlichen kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Zulieferer auf der einen Seite, ihre weitere Marginalisierung auf der anderen rasch voranschreiten. Eine "Selbstverständigung der Agraropposition in Deutschland", zu der der Agrarbericht beitragen will und die unter anderem auch in einem ausführlichen Diskussionspapier der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL zum Ausdruck kommt, ist daher dringend notwendig. Zusätzlich bietet der Bericht ein breites Spektrum von Themen, unter anderem zur Umsetzung der EU-Agrarreform, über die drohende weitere Ausdehnung der agrarindustriellen Produktionsweise durch das Handels- und Investitionabkommen TTIP zwischen der EU und den USA, die neuerlichen Vorstöße, die Anbauspielräume für gentechnisch veränderte Pflanzen auszuweiten und die Novellierung der Düngeverordnung. Zu kurz kommen dabei allerdings die internationalen Entwicklungen im Agrar- und Ernährungsbereich, obwohl ihre Bedeutung sowohl für die agrarindustrielle Entwicklung in Europa als auch für die Perspektiven und Chancen einer wie auch immer gestalteten 'bäuerlichen Landwirtschaft' wächst. Die Wahrnehmung des Schicksals bäuerlicher Landwirtschaft im globalen Süden und des Aufschwungs politischer und sozialer Bewegungen über die Kreise der Eingeweihten aus entwicklungspolitischen oder Menschenrechtsorganisationen hinaus wäre auch für die "Selbstverständigung in Deutschland" wichtig.

Der kritische Agrarbericht 2015. Schwerpunkt: Agrarindustrie und Bäuerlichkeit. Herausgegeben vom AgrarBündnis. Hamm/Konstanz (ABL Verlag) Januar 2015

FIAN, Women agricultural workers and the right to food (2014)

April 2015: Aus der Einleitung: “While the key role of smallholder farmers in food and nutrition security, the constraints they face and the impact of these on the realization of the right to adequate food and nutrition have been increasingly recognized over the years, the important role of waged agricultural workers and the exploitative conditions many endure as laborers on the farms and plantations of others are often invisible. This neglect, in particular as it relates to women waged agricultural workers, has deleterious effects not only on the realization of women’s right to adequate food and nutrition, but also on the realization of their children’s, families’ and communities rights for generations. While access to waged agricultural work can bring about benefits to women, this paper aims to shed light on the discriminatory working conditions women agricultural workers endure in industries where women have traditionally constituted a significant share of the workforce – namely, many of the plantations for high-value agricultural products such as fresh fruit, vegetables, tea and flowers – and provide an analysis of these conditions from a human right to adequate food and nutrition perspective in order to offer recommendations to states about how to address these."

Women agricultural workers and the right to adequate food and nutrition. Published by FIAN International for Hands off the Land Alliance, 2014. Download (pdf file 360kb)

China Africa Research Initiative, Agricultural Investments in Africa (2015)

March 2015: Finanziert unter anderem von der Bill and Melinda Gates Foundation, analysiert die China Africa Research Initiative, SAIS-CARI, "the myths and realities of China's commercial agricultural investment in Africa". Geleitet von Deborah Brautigam ('The Dragon's Gift'), wurden seit 2011 Studien in Angola, Äthiopien, Malawi, Mosambik, Nigeria, Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe unter der leitenden Fragestellung 'Land Grabs' or 'Friendship Farms'? sowie ein Projekt zu Investitionen im Staudammbereich durchgeführt. Zu den Ergebnissen gehören Policy briefs zu den einzelnen Ländern.

Doris Fuchs et al, Financialization in the Agrifood System (2013)

März 2015: Abstract: "A number of scholars have started to investigate issues specifically associated with financialization in the agrifood sector. This article draws on this literature to map the dimensions of financialization and their interaction at different levels. In contrast to studies that have emphasized the economic preconditions and consequences of the financialization of agrifood, we are interested in the political forces and processes behind these developments. Our argument intends to demonstrate that the politics of financialization take a pervasive and multi-faceted form. Indeed, if one wants to identify and assess what drives and facilitates financialization and its diffusion, one needs to study political developments at all societal and political levels and in a variety of shapes and forms. In consequence, this analysis also serves to highlight the challenges involved for anyone aiming to foster a definancialization of the global agrifood system or of the global economic system as such."

Doris Fuchs et al, Food for Thought: The Politics of Financialisation in the Agrifood System. In: Competition and Change, Vol. 17 No. 3, August 2013, 219-33

Siehe auch:

Jennifer Clapp, Financialization, Distance and Global Food Politics. Conference paper for discussion at: Food Sovereignty: A Critical Dialogue. International Conference, September 14-15, 2013. Download (pdf file)

Ryan Isakson, Financialization and the Transformation of Agro-food Supply Chains: A Political Economy. Conference paper for discussion at: Food Sovereignty: A Critical Dialogue. International Conference, September 14-15, 2013. Download (pdf file)

Rechtliche Regulierung von Agrarinvestitionen (2014)

März 2015: Über Akteure und Ausmaß von sowie Kritik an großflächigen Agrarinvestitionen, beispielsweise in Afrika südlich der Sahara, in Südostasien oder in Osteuropa, gibt es inzwischen zahlreiche Informationen und Veröffentlichungen. Sowohl Befürworter als auch Gegner dieser Landnahme setzen unter anderem darauf, dass Recht und Gesetz helfen können, negative Auswirkungen zu verhindern oder doch zumindest zu verringern und auszugleichen. Neben internationalen Vereinbarungen wie den Voluntary Guidelines on the Responsible Governance of Land, Fisheries and Forests oder den Principles on Responsible Investment in Agriculture and Food Systems sind dabei nationale Regulierungen gefordert. Die Beiträge im aktuellen Law and Development Review kreisen um die Frage,  was davon zu erwarten ist. Das Spektrum reicht von internationalen Rahmenabkommen wie den 'Freiwilligen Richtlinien' über die Rolle von Investitionsabkommen bis zu konkreten Fällen wie dem Medien-Diskurs anlässlich der Konflikte um die Monywa-Kupfermine in Myanmar oder der Wirksamkeit des "Regulatory Approach" bei der Landvergabe an Investoren in Äthiopien. Damit tragen die Artikel unter anderem dazu bei, Handlungsmöglichkeiten sowohl für Regierungen und Parlamente als Gesetzgeber als auch für zivilgesellschaftliche Gruppen und Organisationen der lokalen Bevölkerungen auszuloten und zu präzisieren.

Law and Development Implications of Transnational Land Acquisitions. In: The Law and Development Review 2014; 7(2), 187-471. Bei Registrierung sind die Artikel kostenlos zugänglich.

Wirtschaftswachstum durch Agrarkorridore (2015)

März 2015: Eine Studie im Auftrag der UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAOkommt zu einer überwiegend positiven Einschätzung der Auswirkungen sogenannter Entwicklungskorridore für den Agrarbereich. Dabei handelt es sich um Wirtschafts(sonder)zonen entlang von bestehenden oder geplanten Verkehrsverbindungen wie der'Neuen Seidenstraße'oder dem Southern Agriculture Growth Corridor of Tansania, SAGCOT. Diese Bestandsaufnahme von Projekten in Zentralasien, der Mekong-Region, Indonesien, Mosambik, Peru und Tansania unterstreicht die"impressive positive impacts of agrocorridor programmes", weist aber auch auf "the existence of some negative effects, such as land tenure issues, environmental degradation, overuse of water resources and the exclusion of small-scale actors"hin (180) - und empfiehlt, "social and environmental safeguards"bei den Planungen zu stärken. Eine Pressemitteilung der FAO vom 11. März 2015 stellt die Studie ausführlich vor. Mehr 

Addressing Human Rights Impacts of 'Land grabbing' (2014)

März 2015: Abstract: "This Study discusses the human rights issues raised by large-scale land deals for plantation agriculture (‘land grabbing’) in low and middle-income countries. Firstly, the Study takes stock of available data on large land deals, their features and their driving forces. It finds that ‘land grabbing’ is a serious issue requiring urgent attention. Secondly, the Study conceptualises the link between land deals and human rights, reviews relevant international human rights law and discusses evidence on actual and potential human rights impacts. It finds that important human rights dimensions are at stake, and that compressions of human rights have been documented in some contexts. Thirdly, the Study identifies the areas of EU policy that are most directly relevant to addressing the human rights impacts of ‘land grabbing’, and in so doing it also briefly discusses developments in home and host countries as well as internationally. Fourthly, the Study proposes courses of action by which the EU, and the European Parliament in particular, can further prevent or remedy human rights violations linked to large-scale land deals."

Lorenzo Cotula, Addressing the Human Rights Impacts of 'Land grabbing'. Studie für das Europa-Parlament. Dezember 2014. Download (pdf Datei 582kb)

Grabbing Back - Die Kontrolle über Land zurückholen (2014)

März 2015: Die Publikationen über Land grabbing sind inzwischen kaum noch zu überblicken, die Informationslage mittlerweile vergleichsweise gut, trotz der anhaltenden Intransparenz, wenn es beispielsweise um die Inhalte von Verträgen zwischen Regierungen und Investoren geht. Dagegen hängen eine systematische Bestandsaufnahme und Analyse der Kämpfe deutlich zurück. Dieses Buch versucht, diese Lücke zu verkleinern:

"Grabbing Back maps this struggle, bringing together analyses that uncover the politics of cultivation and control. In this unprecedented collection, on-the-ground activists join forces with critically acclaimed scholars to document the commodification and consumption of space, from foreclosed homes to annihilated rainforests, from ecotourism in Sri Lanka to the tar sands of Montana, and to outline the strategies and tactics that might stop the destruction."

Der indische Autor Raj Patel, der mehrere Publikationen über das Agrar- und Ernährungssystem geschrieben hat, ist begeistert: "Think of it as a mix-tape, in which you’re led from rural, urban, indigenous, Earth First!, Global North, Global South, policy wonk, insurgent, high theory, and high praxis. Listen for the new voices and the new ideas—you’ll be humming them for years to come, and you’ll have heard them here first."

Die Beiträge gehen damit weit über eine enge Definiton von Land grabbing hinaus, wie sie etwa der Kritik an der großflächigen Landnahme von Agrarkonzernen und -spekulanten in Afrika, die häufig unter dubiosen Umständen und zum Nachteil lokaler Bevölkerunggruppen erfolgt, zugrunde liegt. Das macht die Antwort auf die Herausforderung, wie die verschiedenen Kämpfe, Widerstandsaktionen und alternativen Ansätze zu einer "anti-kapitalistischen Bewegung", basierend auf der Landfrage, zusammenwirken können, nicht gerade einfacher.

Grabbing Back. Essay against the global land grab. Edited by Alexander Reid Ross. Mit Beiträgen von Noam Chomsky, Michael Hardt, u.a. AK Press (e-book) June 2014

'New Alliance' fördert großflächige Agrarinvestitionen (2014)

Dezember 2014: Schätzungen und Berechnungen darüber, wie viel Land in den vergangenen Jahren mehr oder minder rechtmäßig an Agrarinvestoren vergeben wurde, reichen von 15 bis 230 Millionen Hektar. Die aktuelle Studie von Schoneveld erfasst zum Stand Juli 2013 allein in Afrika südlich der Sahara Verträge über knapp 23 Millionen Hektar an großflächigen Plantagen im Landwirtschafts- und Forstbereich mit einer Mindestgröße von 2.000 Hektar, die überwiegend mit ausländischen Investoren für den Anbau von Energiepflanzen abgeschlossen wurden. Die wirklichen Zahlen dürften allerdings um einiges höher liegen, da Schoneveld weder Geschäftsmodelle erfasst, die kleinbäuerliche Betriebe einbinden (beispielsweise als Pächter oder in sogenannten Outgrower-Modellen), noch industrielle Holzeinschlag-Konzession und Tierhaltung. Die Daten zeigen, dass sich die Landnahme besonders in jenen Ländern konzentriert, die im Rahmen der New Alliance for Food Security and Nutrition der G8-Regierungen (G8NA) seit Ende 2012 Kooperationsabkommen abgeschlossen haben: In Senegal, Nigeria und Tansania sind es demnach jeweils zwischen 600.000 und 860.000 Hektar, in Ghana, Äthiopien und Mosambik sogar jeweils mehr als 2 Millionen Hektar. Fünf dieser Länder haben zwischen 42 (Nigeria) und 91 (Äthiopien) Konzessionsverträge abgeschlossen - verglichen mit weniger als fünf in wirtschaftlich weniger attraktiven Ländern wie Benin, Gambia oder Togo. Diese Zahlen liegen überwiegend höher als beispielsweise bei der Datenbank Land Matrix (siehe Tabelle)  - die Unterschiede mögen die jeweilen Datensammler erklären.

Konzessionsverträge in den afrikanischen G8NA-Partnerländer

 

Anzahl

Flächen (ha)

G8NA-Land

Schoneveld

LandMatrix

Schoneveld

LandMatrix

Burkina Faso

2

3

5.000

202.644

Malawi

5

4

82.000

57.868

Benin

3

3

298.288

38.800

Elfenbeinküste

5

8

113.222

78.101

Senegal

24

13

617.350

253.700

Nigeria

42

19

783.800

245.551

Tansania

47

28

862.473

258,279

Ghana

45

27

2.066.208

771.527

Äthiopien

91

61

2.211.833

1.021.592

Mosambik

63

79

2.102.527

2.975.769

George Christoffel Schoneveld, The geographic and sectoral patterns of large-scale farmland investments in sub-Saharan Africa. In: Food Policy 48 (2014) 34-50. Download (pdf-Datei 1mb)

Entwicklungshilfe für Agrar- und Ernährungskonzerne (2014)

November 2014: Die globale Expansion der Agrar- und Ernährungsindustrie wird massiv durch Regierungen, Stiftungen wie die Bill&Melinda Gates Foundation, internationale Organisationen wie das World Economic Forum und Entwicklungsinstitutionen wie USAID gefördert. Dazu gehören die New Alliance for Food Security and Nutrition der G8-Regierungen und die German Food Partnership deutscher Konzerne mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ. Mehrere aktuelle Publikationen zivilgesellschaftlicher Organisationen analysieren diese "Allianzen" und "Partnerschaften" und warnen vor den Risiken, die von ihnen für die bäuerliche Landwirtschaft und die ländliche Entwicklung ausgehen. Mehr

S. Ryan Isakson, Financial transformation of agro-food supply chains (2014)

September 2014: "This article draws upon existing literature to document and describe the rise of finance in food provisioning. It queries the role of financialization in the contemporary food crisis and analyzes its impacts upon the distribution of power and wealth within and along the generalized agro-food supply chain. A systematic treatment of key nodes in the supply chain reveals four key insights: (1) the line between finance and food provisioning has become increasingly blurred in recent decades, with financial actors taking a growing interest in food and agriculture and agro-food enterprises becoming increasingly involved in financial activities; (2) financialization has reinforced the position of food retailers as the dominant actors within the agro-food system, though they are largely subject to the dictates of finance capital and face renewed competition from financialized commodity traders; (3) financialization has intensified the exploitation of food workers, increasing their workload while pushing down their real wages and heightening the precarity of their positions, and (4) small-scale farmers have been especially hard hit by financialization, as their livelihoods have become even more uncertain due to increasing volatility in agricultural markets, they have become weaker vis-à-vis other actors in the agro-food supply chain, and they face growing competition for their farmland."

S. Ryan Isakson, Food and finance: the financial transformation of agro-food supply chains. In: The Journal of Peasant Studies | 2014 Vol. 41, No. 5, 749–775

Siehe auch: Myriam Vander Stichele, How Financialisation Influences the Dynamics in the Food Supply Chain. Discussion Paper, September 2014 (Distributed by SOMO 2014)

Literaturübersicht: Frauen und Landwirtschaft (2014)

September 2014: Die zentrale Rolle von Frauen in der Landwirtschaft und im Ernährungssystem ist inzwischen allgemein anerkannt. Als Bäuerinnen, Landarbeiterinnen, Händlerinnen und Verarbeiterinnen leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Produktion von Agrarprodukten, besonders von Grundnahrungsmitteln, zu Einkommen und Ernährungssicherheit. In den vergangenen Jahren schlägt sich diese Einsicht auch in einer wachsenden Zahl von Publikationen nieder, die sowohl die Situation untersuchen als auch Vorschläge diskutieren, wie dieser Beitrag gestärkt werden kann, unter anderem durch gesicherte Nutzungsrechte an Ressourcen und durch den Abbau diskriminierender Strukturen. Mehr 

Private-Public Partnership in developing countries - A literature review (2014)

September 2014: In den 1990er Jahren wurden besonders von der Weltbank unterschiedliche Formen der Beteiligung privater Unternehmen an öffentlichen Projekten (Private Sector Participation, PSP) oder sogenannte Private-Öffentliche Partnerschaften (Private-Public Partnerships, PPP) angestrebt, um zusätzliche Finanzierungsquellen für den Infrastrukturbereich, die Wasser- oder die Gesundheitsversorgung zu erschließen. Sie waren nicht nur politisch heftig umstritten, auch ihr wirtschaftlicher Erfolg war häufig gering. Diese aktuelle Literaturauswertung über ihre Effektivität und Effizienz ist besonders interessant, weil sie seit der Finanzkrise und angesichts rigoroser staatlicher Sparmaßnahmen im öffentlichen Bereich dennoch immer stärker zu einem Instrument der Entwicklungspolitik werden, unter anderem im Agrarbereich. 

Aus der Ankündigung: "Public-private partnerships (PPP’s) are a relatively recent phenomenon in international development cooperation. Current policy documents frequently refer to expectations regarding their potential contributions to global development goals. The growing international attention was firmly backed by the Netherlands government. However, there are still few diagnostic tools available to determine when and how PPP’s represent a preferred institutional arrangement. Moreover, the empirical evidence on the effectiveness and efficiency of PPP’s is notably scarce. This IOB study provides insights in the variety of PPP arrangements. A major conclusion derived from this review is that PPP evaluations focus on resource sharing but pay little attention to the risk-sharing and revenue distribution dimension of partnerships."

Public-Private Partnerships in developing countries. A systematic literature review. Ministry of Foreign Affairs of the Netherlands. IOB Study No. 378, April 2013. Download (pdf file 732kb)

Women and Land Rights in Africa (2014)

September 2014:From the Editorial: "Despite the gendered nature of power relations, land-rights issues are constantly negotiated, contested and resisted by affected women in various ways. Beyond formal processes, the examples of women's self-organised resistance to land grabs and their strategies to thwart partirarchal forms of dispossession offer powerful narratives. The examination of issues that are specific to women and land unveils both vulnerabilities and potntials. It substantiates the need for interventions that reach beyond the provision of legal access to land rights if the aim of women's economic empowerment is to be realised."

Women and Land Rights: Questions of Access, Ownership and Control. Perspectives #2.13 Political analysis and commentary from Africa. Heinrich Böll Stiftung. Oktober 2013. Download (pdf file 573kb)

Siehe auch: Feminist Economics, Special Issue: Land, Gender, and Food Security. Volume 20, Issue 1, 2014. (Taylor&Francis)

Bara Gueye, Bewässerungsprojekte für Reis in Westafrika (2014)

Mit dem Preisanstieg für Getreide vor sieben Jahren und der Wiederbelebung der Debatte um Ernährungssicherheit erhielten auch Versuche Auftrieb, die bereits getätigten gewaltigen Infrastruktur-Investitionen besser zu nutzen und die Bewässerungslandwirtschaft verstärkt zur Grundlage der Ernährungssicherungspolitik zu machen. Die hohen und zunehmend teureren Importe von Reis und dessen zentrale Rolle in der Ernährung machen ihn zu einem „strategischen Getreide“ und damit zu einen Schlüsselbereich der Agrarpolitik. Gleichzeitig verbindet sich damit der Anspruch, die Lebensbedingungen der Kleinbauern zu verbessern. Eine Rehabilitierung der bestehenden Bewässerungsprojekte verspricht angesichts deren geringer Produktivität und unerschlossener Agrarflächen gute Aussichten für eine rasche Steigerung der Produktion. Dafür sind unter anderem Investitionen und der Aufbau von Managementstrukturen erforderlich. Mehr

Englert/Barbara Gärber (Hg.), Landnahmen in historischer und globaler Perspektive (2014)

August 2014: Der Sammelband mit 14 wissenschaftlichen Beiträgen, herausgegeben von Birgit Englert und Barbara Gärber, weitet den Blick berechtigterweise aus über den Kampfbegriff 'Landgrabbing' hinaus auf unterschiedlichste Formen von Landnahme und historische Situationen. Anliegen ist, Landgrabbing nicht nur in seiner aktuellen Ausprägung zu diskutieren – was in der Tat bereit sehr erschöpfend geschehen ist – sondern auch in historischer Perspektive zu beleuchten und damit Kontinuitäten in Bezug auf Landnahmen aufzuzeigen. Dazu gehören dann Landnahmen, Enteignung und Vertreibung im Zuge kolonialer Eroberungsprozesse durch meist europäische Invasoren, deren legitimatorisches Konzept der Terra Nullius (Land ohne rechtlichen Eigentümer im westlichen Sinne) beim aktuellen Landgrabbing wieder in der Formel des „ungenutzten Landes“ auftaucht. Mehr 

John Fagan, et al., Gentech-Nahrung - Mythen und Wahrheiten (2014)

Juni 2014.: Die Website GM Watch ist eine wichtige Plattform für die Gegenöffentlichkeit zu den finanz- und organisationsstarken Bestrebungen der Industrie, gentechnisch veränderte Pflanzen durchzusetzen. Der nächste Markt, den sie erobern will, sind gv-Nahrungsmittel. GM Watch hat eigens eine Seite, um die Mythen der Industrie zu widerlegen. Im Zentrum dieser Publikation, die zahlreiche neue Studien auswertet, stehen jetzt Nahrungsmittel.

Aus der Ankündigung: "A review that is claimed by pro-GMO lobbyists to show that 1,700 studies show GM foods are as safe in fact shows nothing of the sort. Instead many of the 1,700 studies cited show evidence of risk. The review also excludes or glosses over important scientific controversies over GMO safety issues."

"Claims that Europe is becoming a “museum” of farming because of its reluctance to embrace GM crops are shown to be nonsensical by research showing that Europe’s mostly non-GM agriculture out-yields the USA’s mostly GM agriculture with less pesticide use. Instead, it is the GM-adopting USA that is falling behind Europe in terms of productivity and sustainability."

"Conventional breeding continues to outstrip GM in delivering crops that yield well, resist disease, are nutritious, and tolerate drought and other types of extreme weather."

John Fagan, et al., GMO Myths and Truths. GM Watch, May 2014. Download (pdf-Datei 5,8mb)

Laura Graen, Knebelverträge bei der Tabakproduktion in Afrika (2014)

Mai 2014: Die Produktionsbedingungen im Afrikas Tabakanbau, der vor allem von Kenia und Uganda bis Südafrika betrieben wird,  sind eher ein Randthema in der agrarpolitischen Diskussion. Dabei tragen sie unter anderem zum Verlust von Wäldern bei, Kinderarbeit ist weit verbreitet, Vertragslandwirtschaft verstärkt die Ausbeutung und staatliche Qualitätskontrollen werden verringert. Die International Tobacco Grower's Association (ITGA) ist keineswegs eine Interessenvertretung der Kleinbauern und -bäuerinnen, sondern eine einflussreiche Front-Organisation der Tabakindustrie. Trotzdem gibt es vielversprechende Ansätze, den bäuerlichen Tabakanbau aus der Abhängigkeit von der Industrie zu befreien, unter anderem durch eine Förderung von Alternativen wie in Kenia.

Laura Graen, Tabakproduktion in Afrika: Knebelverträge im Trend. Berlin (unfairtobacco) April 201. Download (pdf-Datei 3mb

Siehe dazu auch die Diskussionsveranstaltung am 10. Juni 2014 in Berlin

GREAT insights, BRICS im Agrarbereich in Afrika (2014)

April 2014: In diesem Monat hat die Zeitschrift GREAT insights, herausgegeben vomEuropean Centre for Development Policy Management (ecdpm), den Schwerpunkt 'Emerging Economies in Africa'. Darin sind drei Beiträge, die sich explizit mit Investitionen in den Agrarbereich beschäftigen: Chinas Agrarinvestitionen in Sambia, das Verhältnis zwischen Europa und China im Agrarbereich und Süd-Süd-Zusammenarbeit, also neben China auch die Rolle Brasiliens und des internationalen Agrarbusiness.

GREAT insights, Emerging Economies in Africa. Volume 3, Issue 4 (April 2014). Download (pdf-Datei 222kb)

Widerspruch 64: Ernährung - Agrobusiness oder Agrikultur (2014)

April 2014: Eine Reihe von Beiträgen in dieser Ausgabe der Zeitschrift 'Widerspruch' analysieren Einflussfaktoren auf die Ernährungssituation wie die Enteignung der kleinbäuerlichen ProduzentInnen und die Konzentration in der Agrarindustrie, die ihre Kontrolle über Markt und Produktionsmittel, abgesichert durch Freihandelsverträge und Patentrechte, kontinuierlich ausgebaut hat, darunter zwei Artikel über den Schweizer Saatgut- und Chemiekonzern Syngenta. Andere Beiträge fragen nach Alternativen, basierend vor allem auf dem politischen Konzept der Ernährungssouveränität und der Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft oder nach der Umsetzung des Rechts auf Nahrung per Gesetz, wie es in Indien versucht wird.

Widerspruch 64. Ernährung - Agrobusiness oder Agrikultur. 33. Jg/1. Halbjahr 2014. Editorial und Inhaltsverzeichnis

Feminist Economics: Land, Gender, and Food Security (2014)

April 2014: Die Ausgabe 1 (2014) der Zeitschrift Feminist Economics enthält zehn Beiträge zum Schwerpunkt 'Land, Gender, and Food Security', wobei besonders die Auswirkungen von großflächigen Land-Transaktionen analysiert werden - unter anderem am Land Grabbing im Östlichen und Südlichen Afrika, unter der Fragestellung, ob Landrechte von Frauen in Afrika durch Gesetze gesichert werden können, und, passend dazu, am Beispiel der Formalisierung von Landrechten in Madagaskar. Bis Ende April können alle Beiträge von der Website des Verlags (Taylor&Francis) als pdf-Datei kostenlos heruntergeladen werden.

Feminist Economics, Special Issue: Land, Gender, and Food Security. Volume 20, Issue 1, 2014

Siehe auch: Women and Land Rights: Questions of Access, Ownership and Control. Perspectives #2.13 Political analysis and commentary from Africa. Heinrich Böll Stiftung. Oktober 2013. Download (pdf file 573kb)

IDS Bulletin: China und die Agrarentwicklung in Afrika (2014)

März 2014: TheIDS Bulletin (44.4) brings together the first collection of empirical and review articles from the project "China and Brazil in African Agriculture", run by Future Agricultures, on how China and Brazil are engaging in African agriculture. It focuses on financial arrangements, practices and politics of engagement, the 'encounters' that occur during negotiations, and how discourses relate to practices on the ground - among others with case studies from Ghana, Ethiopia, and Mozambique.

Free Download of the 'submitted versions' of the Bulletin articles.

FoEI, 'Nachhaltige Intensivierung' a la Agrarindustrie (2013)

Dezember 2013: Was meinen Regierungen, internationale Entwicklungsfinanziers, Agrarforschungseinrichtungen wie CGIAR und Stiftungen wie die Bill & Melinda Gates Foundation mit "nachhaltiger Intensivierung" der Landwirtschaft? Der Begriff hat seit einigen Jahren Konjunktur und verspricht, gleichzeitig Agrarproduktion und Ernährungssicherheit zu gewährleisten, umweltschädliche Auswirkungen wie die weitere Expansion von Agrarland und des Einsatzes von Agrarchemie einzudämmen und die Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen. Ein Bestandteil ist die sogenannte "Klima-smarte Landwirtschaft", die unter anderem eine Intensivierung der Tierhaltung fördern soll, ein zweiter das ausdrückliche Bekenntnis zu Bio- und Gentechnologie, ein weiterer die 'Conservation agriculture', die auf das Pflügen verzichtet, dafür aber einen erhöhten Einsatz an Unkrautvernichtungsmitteln erforderlich macht. Aber auch agroökologische Methoden, die als Alternativen zur industriellen Landwirtschaft entwickelt wurden, und die Zusammenarbeit mit Bauern und Bäuerinnen bei der Forschung werden propagiert. Die Studie arbeitet heraus, dass in der Praxis der Befürworter Technologie-orientierte Lösungsansätze im Vordergrund stehen und vorrangig gefördert werden. Anforderungen kleinbäuerlicher Betriebe würden dagegen kaum eingelöst, ebenso wie eine breite Partizipation. "Nachhaltige Intensivierung", so die Schlussfolgerung, "aims to help small farmers but is driven by the agendas of corporations, the science establishment and international donors".

A Wolf in Sheep's Clothing? An analysis of the 'sustainable intensification' of agriculture. By E. Diamond Collins and Kirtana Chandrasekaran. Edited by Friends of the Earth International, October 2013. Download (pdf-Datei 670kb)

Südwind: Unfaire Konkurrenz um Land (2013)

Dezember 2013: Im Laufe des Jahres hat SÜDWIND ein umfangreiches Projekt umgesetzt, in dem es um die weltweit zunehmende Konkurrenz um agrarisch nutzbare Flächen geht. Als erstes erschien im Frühjahr 2013 die Studie „Von weißem Gold und goldenem Öl“, die über die Produktion von Baumwolle und Palmöl sowie damit verbundene Migrationsbewegungen informiert. Im Oktober folgte die Studie „Sieh zu, dass du Land gewinnst“. Darin geht es um die Fragen, wie viel Land zur Verfügung steht, wie es genutzt wird und wie Land in Zukunft besser genutzt bzw. Konflikte vermieden werden können. Es folgte eine Studie über Landkäufe durch Investoren mit dem Titel „Nicht zu verkaufen. Agrarland in Entwicklungs- und Schwellenländern als neues Anlageprodukt.“ Diese untersucht den Zusammenhang zwischen der großflächigen Landnahme in Entwicklungs- und Schwellenländern mit Anlageangeboten hierzulande.

Wichtige Aspekte zu den verschiedenen Themenbereichen werden in acht jeweils vierseitigen Zusammenfassungen, den Fact-Sheets, noch einmal einzeln dargestellt. Sie erschienen zu folgenden Themen: zur Frage, welche Flächen von Eigentumsänderungen betroffen sind (Landdaten), zu den Produkten Kakao, Baumwolle, Fleisch und Agrotreibstoffen, zur Flächennutzung in Tansania sowie zum Zusammenhang von Flächennutzung und der Frage des Konsums.

Zur Website und zum Download der Publikationen

Klemens van de Sand, Risiken für die Ernährungssicherung (2013)

Dezember 2013: Mit vielen Zahlen und Grafiken zeigt die Trendanalyse, dass die pro Kopf verfügbare Produktion von Grundnahrungsmitteln zurück geht, vor allem durch den Ausbau der Agrarenergie und die Nutzung von Getreide und Soja als Viehfutter, und dass die pro Kopf verfügbare Agrarfläche rapide abnimmt, unter anderem durch Landnutzungsänderungen. Das größte Risiko für die Ernährungssicherung sieht die Studie allerdings nicht in der Rolle der Agrarindustrie, die diese Entwicklung wesentlich vorantreibt, oder in andauernder Armut, sondern im Klimawandel. Als Folgen prognostiziert sie ein immer prekärer werdendes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei Grundnahrungsmitteln und zunehmende Schwankungen der Nahrungsmittelpreise bei steigendem Niveau, beschleunigt durch Finanzanlagefonds.

Die Risiken nehmen zu. Germanwatch-Trendanalyse zur globalen Ernährungssicherung 2013. Von Klemens van de Sand. Herausgegeben von Germanwatch, Bonn, Oktober 2013. Download (pdf-Datei 2,45mb)

Re:Common: Land grabbing in Madagascar (2013)

November 2013: Mit den Meldungen über das riesige Projekt von Daewoo Logistics in Madagaskar begann 2008 die Auseinandersetzung über Land grabbing. Gleichzeitig gehörte das Projekt zu den ersten, die aufgrund breiten Widerstandes gestoppt wurden. Dennoch gehen Landnahme und Vertreibungen weiter. Die Studie gibt einen umfassenden Überblick über die Landfrage in Madasgaskar, die rechtliche Situation und eine Reihe von ausländischen Investitionsvorhaben in verschiedenen Bereichen, unter anderem auch Bergbau, Forstwirtschaft und Tourismus - sowie über die damit einhergehenden Konflikte.

Land grabbing in Madagascar. Echoes and testimonies from the field. Herausgegeben von Re:Common, 2013

FAO: Agrarinvestitionen und die Situation von Frauen (2013)

November 2013: Die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO hat Studien in Auftrag gegeben, die die Auswirkungen großflächiger Agrarinvestitionen auf Frauen und Geschlechterverhältnisse, Ernährungssicherung, Armut und Lebensbedingungen ländlicher Bevölkerungen untersuchen. Inzwischen liegen unter anderem Analysen zu Sambia, Laos, Ghana und Tansania vor. Im Vorwort zu den Berichten heisst es:

"In recent years, many countries have witnessed increased interest from private investors in acquiring land for agriculture. As elsewhere, large-scale land acquisitions are often accompanied with promises of capital investments to build infrastructure, bring new technologies and know-how, create employment, and improve market access, among other benefits. But agricultural investments create risks as well as opportunities, for instance in relation to loss of land for family farmers. While much debate on ‘land grabbing’ has discussed risks and opportunities in an aggregate way, it is critical to understand the distribution of the costs and benefits created by an investment project. For example agricultural investments create gendered outcomes that are poorly understood. Gender inequalities shape access to land, agricultural assets, inputs, services and rural employment opportunities. These gender inequalities are partially responsible for the underperformance of the agricultural sector. Investments in the agriculture sector must therefore account for and challenge these inequalities if they are to deliver their stated benefits."

A case study of Selected Agricultural Investments in LAO PDR (2013). Download (pdf document)

A Case Study of Selected Agricultural Investments in Zambia (2013). Download (pdf document)

The Case Study of Integrated Tamale Fruit Company in Ghana (2013). Download (pdf document)

A Case Study of Selected Agricultural Investments in Northern Tanzania (2013). Download (pdf Dokument)

AGRA: African Agriculture Status Report 2013

November 2013: Die 2006 unter Beteiligung der Bill and Melinda Gates Foundation und der Rockefeller Foundation gebildete Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA) hat eine neue Bestandsaufnahme der Situation von Afrikas Landwirtschaft aus ihrer Sicht vorgelegt: Der "African Agriculture Status Report 2013" bietet eine Fülle von Informationen über Produktion, Landfragen, Böden und Saatgut, Finanzierung, die Rolle von Frauen und von Bauernorganisationen sowie zu "Transforming African Agriculture by Improving Output Markets". Doch besonders die "macro-level statistics need to be treated with caution", warnt das African Centre for Biosafety, das seinerseits den Bericht einer kritischen Analyse unterzogen hat ("Giving With One Hand and Taking With Two"). Danach richten sich die Aktivitäten von AGRA vor allem an "commercial or potentially commercial farmers; i.e. those who produce primarily for the market, with their agricultural operations structured as business", während alternative Ansätze wie Agroökologie ignoriert würden.

AGRA: The Africa Agriculture Status Report 2013 : Focus on Staple Crops. September 2013

African Centre for Biosafety, Giving With One Hand and Taking With Two: A Critique of Agra's African Agriculture Status Report 2013. November 2013

HarvestChoice: Mapping African Agriculture - for investors (2013)

November 2013: Die Website HarvestChoice, ein Gemeinschaftsprojekt des Forschungsinstituts IFPRI und der University of Minnesota, will mit Daten, Karten und Publikationen dazu beitragen, die oftmals dürftige Faktenlage über Landwirtschaft, Armut und Umweltprobleme in Afrika südlich der Sahara zu verbessern. Damit will sie "to help guide strategic investments to improve the well-being of poor people in sub-Saharan Africa through more productive and profitable farming." Jetzt können "Investoren, Politiker und Programm-Manager sowie Analysten und technische Spezialisten, die sie unterstützen", erkennen, "where are the poor and what is their welfare status? On what farming systems do the poor most depend? What are the constraints affecting the productivity and market integration of those farming systems? What present or prospective investments in technologies and practices might best address those constraints? And what will be the benefits of investment on productivity, income and ultimately, the reduction of poverty and hunger? How will those benefits be distributed?" Diese Absicht klingt nobel - in der Praxis werden solche Daten, wenn überhaupt, aber vermutlich vor allem für wissenschaftliche Forschungen genutzt werden und um mit Informationen über Niederschläge, fruchtbare Böden, Zugang zu Infrastruktur oder Marktchancen bei Entscheidungen über die profitabelsten Investitionssstandorte zu helfen: "An investor thinking about building a food-processing plant can search for locations that combine production of sufficient quantities of a particular crop with good access to markets" (IFPRI Insights Magazine, June 14, 2012). 

KPMG: Einseitiger Nutzen von Zertifizierung (2013)

November 2013: Diese Studie der industrienahen Beratungsfirma KPMG bestätigt, was längst bekannt ist: Von Zertifizierungen der Industrie profitieren vor allem "organized, more advanced farmers", sie schließen also die Mehrheit der Kleinbauern aus und nützen "the actors at the end of the value chain rather than farmers themselves". Produktivitäts- und Qualitätsverbesserungen können sich in höheren Einkommen niederschlagen - angesichts der Weltmarktpreise geschieht das allerdings nur zum Teil. Positive Auswirkungen auf Geschlechtergleichheit, Demokratisierung von Entscheidungsprozessen oder die Verringerung von Kinderarbeit sind dagegen "begrenzt", "durchwachsen" oder "schwer festzustellen". Mangels Vergleichsstudien lässt sich auch nicht beurteilen, ob Zertifizierung gegenüber "other development initiatives, aiming to improve smallholder livelihoods without a certification component", besser abschneidet. Ein Anlass für die Studie, die von SUSTAINEO in Auftrag gegeben wurde, einer Stiftung getragen von Unternehmen aus der Kaffee- Kakao- und Baumwollbranche, ist die Sorge der Konzerne, ihren Nachschub zu sichern, da viele Bauern den Anbau nicht mehr lukrativ finden, und die "Versorgungsicherheit durch Lieferantenbindung sicherzustellen". Die Studie empfiehlt eine Ausweitung und Modifizierung der Zertifizierung, ergänzt um verstärkte Beratung, Zugang zu hochwertigem Saatgut und Dünger. Dabei hoffen die Unternehmen auf Unterstützung durch "Kooperationen zwischen 'traditionellen Vertretern' der Entwicklungszusammenarbeit und dem Privatsektor", wie es in einer Pressemitteilung von SUSTAINEO heißt. Hilfreich der Überblick über unterschiedliche Zertifizierungssysteme und die Auswertung der entsprechenden Literatur.

Improving smallholder livelihoods: Effectiveness of certification in coffee, cocoa and cotton. Commissioned by SUSTAINEO. October 2013. Download (pdf-Datei)

D. Byerlee, et al., Praktischer Ratgeber für Agrarinvestoren in Afrika (2013)

November 2013: Aus dem Abstract: "This report highlights the great potential of the agribusiness sector in Africa by drawing on experience in Africa as well as other regions. The evidence demonstrates that good policies, a conducive business environment, and strategic support from governments can help agribusiness reach its potential. The report pursues several lines of analysis. First, it synthesizes the large body of work on agriculture and agribusiness in Africa. Second, it builds on a diagnosis of specific value chains. As part of this effort, the value chain for Africa's largest and fastest-growing food import, rice, is benchmarked in Senegal and Ghana against Thailand's rice value chain. Third, 170 agribusiness investments by the Commonwealth Development Corporation in Africa and Southeast Asia are analyzed to gain perspective on the elements of success and failure. Fourth, the report synthesizes perspectives from the private sector through interviews with 23 leading agribusiness investors and a number of other key informants. In conclusion, the report offers practical policy advice based on the experience of countries from within and outside Africa."

Growing Africa: Unlocking the Potential of Agribusiness. By D. Byerlee, et al. World Bank, 2013. Download (pdf-file)

Afrikas Landwirtschaft und die Weltbank (2007)

Die Weltbank hat in den vergangenen dreissig Jahren eine entscheidende Rolle in der Agrarpolitik für Afrika gespielt. Strukturanpassungsprogramme zum Beispiel trugen zum Rückgang der Investitionen in die Landwirtschaft bei. Der Text reflektiert kritisch, wie der Weltentwicklungsbericht 2008 der Weltbank die Position Afrikas in der globalen Landwirtschaft sieht und untersucht insbesondere die Rolle, die die Bank bei der Förderung des privaten Sektors und der Ausrichtung der Agrarproduktion spielt. Die wirtschaftlichen und sozialen Entscheidungsspielräume der Bauern werden ebenso analysiert wie die Auswirkungen, die die Empfehlungen des Berichts für die bäuerliche Landwirtschaft haben könnten.

African Agriculture and The World Bank. Development or Impoverishment? Policy Dialogue No. 1, Uppslala 2007. Als pdf-Datei (1,6 MB) beim Nordiska Afrikainstitutet

Agro-Gentechnologie in Afrika - PR-Literatur (2012)

5. Mai 2012: Zahlreiche Organisationen wie die African Agricultural Technology Foundation (AATF), das von ihr initiierte Open Forum for Agricultural Biotechnology in Africa (OFAB) und Africa Harvest, unterstützt unter anderem von der Entwicklungsbehörde USAID oder Stiftungen wie der Gates Foundation oder der Rockefeller Foundation, versuchen, die Akzeptanz für Agro-Gentechnologie und günstige rechtliche Regelungen zu Biologischer Sicherheit zu fördern. Ihre Aktivitäten schlagen sich auch in Artikeln nieder, in denen dafür geworben wird:

So beschreibt "Developments in Agricultural Biotechnology in Sub-Saharan African" (AgBioForum, 13(4) 2010) die angeblichen Fortschritte bei der Entwicklung von Gentech-Mais, Bohnen (Cowpeas), Hirse und Kartoffeln durch "Öffentlich-private Partnerschaften" und beklagt die Hindernisse, die Regulierungsbehörden ihrer Kommerzialisierung in den Weg legen.

Ähnlich der Beitrag "Can biotechnology drive an African green revolution?" von AATF-Autoren in Aspects of Applied Biology (96, 2010), der die Bestrebungen von AATF beschreibt, "in Partnerschaft mit privaten und öffentlichen Institutionen" gentechnisch veränderte Pflanzen zu entwickeln, zu testen und zu verbreiten, um dadurch die Nahrungsmittelproduktion zu steigern.

Die Zeitschrift ScienceAfrica, nach eigener Aussage "Africa's Leading Publication on Science, Innovation and Development", veröffentlicht regelmäßig Artikel über Gentechnologie, darunter in ihrer Ausgabe 17/2011 Berichte über ABSF (African Biotechnology Stakeholders Forum) und ABNETA (Agricultural Biotechnology Network in Africa), zwei weitere ProGentech-Outfits.

Sachlicher der Bericht des Global Agricultural Information Network, den das US-Agrarministerium herausgibt, der in der Ausgabe August 2011 den "Fortschritt bei der Biotechnologie an regionalen und nationalen Fronten" in Westafrika beschreibt.

Verschwörungstheoretisch das Buch "Starved for Science" von Robert Paarlberg (bereits 2008), das, durch Vorworte von Norman Borlaug, dem 'Vater' der Grünen Revolution, und dem einstigen US-Präsidenten und Agrarlobbyisten Jimmy Carter beehrt, die These vertritt, Europa würde den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in Afrika verhindern und damit zu Hunger und Armut beitragen. Dazu die kritische Besprechung von Ian Scoones und Dominic Glover in Nature vom 13. August 2009, die leider nur gegen Bezahlung zugänglich ist.

Antoniou et al, Neue Studie über Gefahren von Genfood (2012)

Juli 2012: Die Gefahren gentechnisch veränderter Nahrungsmittel werden von der Forschung, die weitgehend durch die Gentech-Industrie finanziert wird, nicht ausreichend untersucht. Diese zentrale Aussage der Studie "GMO Myths and Truths" von Earth Open Source basiert auf der Durchsicht von hunderten von Forschungsberichten. Zudem seien die Versprechungen auf dauerhafte Produktionssteigerungen nicht eingelöst. Gleichzeitig würden durch die Konzentration auf die genetische Veränderung andere Methoden, Nahrungsmittelpflanzen zu verbessern, vernachlässigt.

Michael Antoniou, Claire Robinson, John Fagan, GMO Myths and Truths.
An evidence-based examination of the claims made for the safety
and efficacy of genetically modified crops. EarthOpenSource, June 2012

APRODEV, EU-Agrarreform und Ernährungssicherheit (2011)

23. Februar 2011: APRODEV, ein Verband von 16 europäischen Entwicklungs- und Hilfsorganisationen, hat sechs kurze Texte (Lobby Briefs) erstellt, in denen die Auswirkungen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (Common Agricultural Policy, CAP) der EU auf die globalen Agrarmärkte und die Versorgungssituation mit Nahrungsmitteln in den Ländern des globalen Südens analysiert werden. Themen sind u.a. die internationale Verantwortung der EU als größter Agrarhändler, die Gefahren geplanter Handelsregelungen und die Gefährdung der Ernährungssicherheit durch billige Exporte ('Dumping') und stetig steigende Futtermittelimporte.

Als Download (pdf) bei APRODEV

Hans Bass, Der Beitrag der Finanzmärkte zum Hunger (2011)

August 2011: Als Beitrag zur kontroversen Debatte über die Rolle der Finanzspekulation bei den Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel hat die Deutsche Welthungerhilfe diese Studie in Auftrag gegeben. Danach trägt das Engagement von Kapitalanlegern auf den Getreidemärkten bis zu 15 Prozent zu Preisniveauerhöhungen bei, wobei die Einflüsse allerdings "noch nicht hinreichend erforscht" seien. Sie erklärt die Zusammenhänge zwischen Getreide- und Finanzmärkten, hilfreich aber auch der Überblick über die Entwicklungen auf den Weltmärkten für Weizen, Mais, Reis und Soja und der Versuch, die Auswirkungen der Preissteigerungen auf einige Länder (Haiti, Kenia, Mali und Nepal) abzuschätzen. Und sie diskutiert verschiedene Gegenmaßnahmen, die vorgeschlagen wurden, darunter Positionslimits und das Verbot des Handels mit Agrargüterderivaten außerhalb der Börsen.

Hans H. Bass, Finanzmärkte als Hungerverursacher? Bremen, März 2011 (pdf-Datei, 84 Seiten). Link

Siehe dazu auch: Price volatility and food security. A report by the High Level Panel of Experts on Food Security and Nutrition. July 2011 (Committee on World Food Security) Link (pdf-Datei 1,48 MB). Und den Literaturhinweis: Mit Getreidevorräten gegen die Spekulation.

Walden Bello, Hunger ist machbar, Herr Nachbar (April 2010)

Der renommierte Globalisierungskritiker Walden Bello sieht nicht etwa gestiegene Nachfrage durch Bevölkerungswachstum und Konsumverhalten als entscheidende Ursachen für den Preisanstieg bei Grundnahrungsmitteln, sondern die Neuausrichtung der Agrarpolitik durch Weltbank und Internationalen Währungsfonds. Sie förderte die kommerzielle Landwirtschaft und machte viele Regionen, insbesondere in Afrika, durch Handelsliberalisierung zu Nahrungsmittelempfängern. Diese Politik stellt er in den historischen Prozess der kapitalistischen Transformation der Landwirtschaft in den vergangenen vier Jahrhunderten, zeigt aber auch den aufkommenden Widerstand gegen die Agrarindustrie, der längst weit über Bauernbewegungen wie La Via Campesina hinaus geht.

Walden Bello, Politik des Hungers. Hamburg/Berlin (Assoziation A) April 2010

Michael Bergstreser, u.a. (Hg), Globale Hungerkrise (2009)

Das Buch behandelt ein breites Spektrum von Ursachen und Auswirkungen der Hungerkrise, verfasst überwiegend von MitarbeiterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen, die im Agrar- und Ernährungsbereich engagiert sind, aber auch von Wissenschaftlern und Gewerkschaftern. Insbesondere die Rolle der Globalisierung, internationaler Finanz- und Handelsinstitutionen und Transnationaler Konzerne wird analysiert. Und es wird diskutiert, inwieweit Konzepte wie Menschenrechte und Ernährungssouveränität geeignet sind, um solidarische Handlungsansätze und gesellschaftlichen Gegendruck zu entwickeln. Inhaltsverzeichnis und Leseprobe (pdf-Datei) auf der Verlags-Website

Michael Bergstreser, u.a. (Hrsg.): Globale Hungerkrise. Der Kampf um das Menschenrecht auf Nahrung. Hamburg (VSA) 2009, 192 Seiten, 12,80 €

Biotechnologies at Work for Smallholders (2013)

Oktober 2013: Dass Bier brauen und künstliche Befruchtung auch als "Biotechnologien" bezeichnet werden können, machen sich Befürworter der Gentechnologie in der Landwirtschaft gerne zunutze, um die Unterschiede begrifflich zu verwischen. Die neue Publikation der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO schließt dagegen genetische Veränderungen durch Gentransfer explizit aus. 19 Fallstudien stellen Ansätze biotechnologischer Forschung vor, unter anderem an Bananen, Cassava, Reis, Vieh und Garnelen. Durchgeführt wurden sie überwiegend von nationalen und internationalen öffentlichen Forschungsinstituten, teils gemeinsam mit NGOs und "involving smallholders in the process at all stages, taking into consideration their knowledge, skills and own initiatives". So wurden DNA-Marker genutzt, um in Indien Reissorten zu züchten, die auch bei einer Überflutung höhere Erträge bringen. Drei Millionen Bauern nutzten diese Verbesserung 2012, heisst es. In China kommt inzwischen die Hälfte der Karpfenproduktion von Fischen, die durch genetische und reproduktive Auswahl entwickelt wurden. Durch radioaktive Bestrahlung wurden Bananen-Mutanten erzeugt, die früher reif sind. Besonders Kleinbauern, so die Botschaft, könnten damit gegen die Risiken von Klimawandel, Pflanzen- und Tierkrankheiten und die Übernutzung natürlicher Ressourcen gefeit werden - auch das übrigens ein Argument, mit dem gerne der Nutzen von "Biotechnologien" gerechtfertigt wird.

Biotechnologies at Work for Smallholders: Case Studies from Developing Countries in Crops, Livestock and Fish. Rome (FAO) 2013. Siehe Pressemitteilung vom 29. Oktober 2013 und Interview mit Andrea Sonnino von der FAO-Forschungsabteilung.

Bommert, Finanzgeschäfte mit der Ressourcenkrise (2012)

Juni 2012: Das Buch besteht aus sehr unterschiedlichen Elementen: In den ersten beiden Teilen zeichnet Bommert in einem Parforceritt durch die längst sehr umfangreiche Literatur und Diskussion Ursachen und die teils dramatischen Auswirkungen der Landnahme durch Finanzinvestoren und Agrarunternehmen nach, versetzt mit reportagehaften Elementen und dräuenden Krisenszenarien. Die vielfach variierte Grundausage: Im "neuen Kolonialzeitalter" macht sich das "globale Finanzkapital" gewinnbringend zunutze, dass natürliche Ressourcen wie Land und Wasser durch industrielle Landwirtschaft, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Konsumverhalten knapp werden. Im dritten Teil werden dann eine Reihe von 'Wiedergutmachungs-Maßnahmen' verschiedenster Art beschrieben - von Terra Preta über die Verringerung von Verlusten in der Produktions- und Vermarktungskette bis hin zu gesünderen Essgewohnheiten. Abschließend diskutiert der Autor unter anderem die Frage nach der Abschaffung von Privateigentum an Boden und macht eine Reihe von Vorschlägen wie den Stopp großflächiger Land- und Börsengeschäfte, um am Ende, resigniert, die Zivilgesellschaft dazu aufzurufen, mit ihren Kaufentscheidungen das zu übernehmen, "was die Politik nicht leisten will oder kann".

Wilfried Bommert, Bodenrausch. Die globale Jagd nach den Äckern der Welt. Köln (Eichborn) 2012. Siehe auch die Besprechung von Peter Clausing in junge welt vom 9. Juli 2012

Wilfried Bommert, Kein Brot für die Welt (2009)

Kehrt der Hunger zurück? Die Frage des Klappentextes, die angesichts einer Milliarde hungernder Menschen gelinde gesagt verwundert, mag auf den Wunsch des Verlages nach einem reißerischen Aufmacher zurückzuführen sein. Das Buch des WDR-Journalisten Wilfried Bommert selbst bietet eine recht umfassende Darstellung der immer problematischer werdenden Produktionsbedingungen der Landwirtschaft – erschöpfte Böden, Klimaveränderungen, Wassermangel, Verlust der Artenvielfalt -, eine Situation, die dramatisch genug ist. Weitere Themen sind die negativen Auswirkungen der industriellen Tierhaltung, des Anbaus von Agrartreibstoffen und der Vernachlässigung der öffentlichen Agrarforschung. Im Vergleich zum düsteren Szenario fällt die Analyse der Ursachen, die sich weitgehend auf das Versagen der Ernährungspolitik beschränkt, arg schablonenhaft aus, und auch die Lösungsperspektiven bleiben dürftig.

Wilfried Bommert, Kein Brot für die Welt. Die Zukunft der Welternährung. München (Riemann) 2009. Leseprobe

BUND (Hg.), Flächenverbrauch für Fleisch und Agrartreibstoffe (2008)

November 2008: Welche Anbauflächen werden in Europa und ausserhalb benötigt, um Soja für die Produktion von Milch und Fleisch in Deutschland zu erzeugen? Und wie viel Hektar für Agrartreibstoffe? Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 2007 allein dafür mindestens 4,9 Millionen Hektar Fläche genutzt werden - die Größe von MeckPomm, dem Saarland und Hessen zusammen. Ein Großteil dieser Ländereien liegt in Brasilien und Argentinien.

Für Fleisch nicht die Bohne! Futter und Agrokraftstoff - Flächenkonkurrenz im Doppelpack. Erstellt im Auftag des BUND, Berlin, November 2008. Bezug (Kurzfassung): BUND

Buntzel/Sahai, Risiko: Grüne Gentechnik (2005)

Obwohl bereits 2005 erschienen, ist dieser Klassiker der kritischen Auseinandersetzung mit den Versprechungen und Gefahren gentechnisch veränderter Agrarpflanzen immer noch als fundierter, inhaltsreicher und lesbarer Einstieg in die Problematik geeignet. Sicher hat sich der internationale Rechtsrahmen inzwischen verändert, ist die Auseinandersetzung um Geistige Eigentumsrechte noch komplizierter geworden und liegen inzwischen weitaus mehr Informationen über die Nachteile und unerfüllten Versprechungen der Gentechnik oder die Machenschaften der Industrie und ihrer vielköpfigen Lobby vor - doch viele Argumente sind die gleichen, und die Fronten auch. Eine gute Botschaft: Bei Nahrungsmitteln selbst hat die Gentechnik-Lobby kaum Fortschritte gemacht.

Rudolf Buntzel, Suman Sahai, Risiko: Grüne Gentechnik. Wem nützt die weltweite Verbreitung gen-manipulierter Nahrung? Frankfurt (Brandes & Apsel) 2005

Tanja Busse, Wider die Ernährungsdiktatur (2010)

Nach ihrem Buch "Die Einkaufsrevolution" (2006) weitet Tanja Busse jetzt den Themenbereich auf globale Agrarfragen aus, genauer, auf die Zusammenhänge zwischen Verbrauchern in Industrieländern und den Strategien der Ernährungsindustrie weltweit. Thematische Schwerpunkte sind die globale Industrialisierung der Landwirtschaft, ihre Auswirkungen darauf, dass in vielen Ländern nach wie vor verbreitet Hunger herrscht, und die Folgen für die Nahrungsmittel, die auf den Esstisch kommen. Hoffnungen setzt sie vor allem auf kritischen Konsum, der Politik und Industrie zum Handel zwingen soll, und auf die Rückkehr zum eigenen Garten.

Tanja Busse, Die Ernährungsdiktatur. Warum wir nicht länger essen dürfen, was die Industrie uns auftischt. Karl Blessing Verlag 2010. Leseprobe

Cheru/Modi, BIC in Afrika - zwischen 'Land grab' und 'Role Model' (2013)

September 2013: Nachdem es anfangs überwiegend Investoren aus Industrieländern wie den USA, Europa und Südkorea oder aus den Golfstaaten waren, die durch ihre Agrarprojekte in Afrika auffällig wurden, werden zunehmend auch Unternehmen aus Schwellenländern aktiv: Im Fokus stehen beispielsweise das indische Unternehmen Karuturi in Äthiopien, das ProSavana-Projekt in Mosambik, an dem Brasilien führend beteiligt ist, und die zahlreichen Geschichten über chinesische Investitionen. Einige Aufsätze in der Textsammlung "Agricultural Development and Food Security in Africa" setzen sich kritisch mit diesen Landnahmen auseinander - was in der Debatte über die neue weltweite Rolle der BRICS-Staaten eine wichtige Rolle spielt (Siehe Pambazuka Issue 622). Daneben wird aber auch die Frage diskutiert, ob und in wieweit private und staatliche Investitionen aus China, Indien und Brasilien durch den Transfer angepasster Technologien und Ausbildung von lokalem Know-how einen positiven Beitrag zur Entwicklung der Produktivität der Landwirtschaft, der Beschäftigung, des Lebensstandards und der Ernährungssicherheit leisten können. Schließlich hätten diese Länder selbst vorgemacht - so die etwas geschönte Darstellung ihrer sehr unterschiedlichen Entwicklungsstrategien -, wie ein entwicklungsorientierter Staat eine Industrialisierung, die von der Landwirtschaft ausgeht, durchsetzen kann.

While initially, it were mainly investors from industrialized countries such as the USA , Europe and South Korea, or from the Gulf states, which were notorious for their agricultural projects in Africa, companies from emerging countries are increasingly active: Take the example of the Indian company Karuturi in Ethiopia or the ProSavana project in Mozambique, where Brazil is the leader involved, and the many stories about Chinese investments. Some essays in the collection of articles on "Agricultural Development and Food Security in Africa" ​​discuss these land grabs critically, contributing to the sceptical debate about the new global role of the BRICS countries (see Pambazuka Issue 622). Others deal with the question whether and to what extent private and public investment from China, India and Brazil, through the transfer of appropriate technologies and training of local know-how, make a positive contribution to the development of agriculture, employment, living standards, productivity and food security. These countries  - so the slightly euphemistic presentation of their very different development strategies - have supposedly shown, how a development-oriented state could achive industrialization based on agriculture.

Agricultural Development and Food Security in Africa. The Impact of Chinese, Indian and Brazilian Investments. Edited by Fantu Cheru and Renu Modi. 2013 (Zed Books)

Peter Clausing, Gemeinsamkeiten von Naturschutz und 'Land grab' (2013)

Oktober 2013: Je knapper und teurer Land und fruchtbarer Boden werden, desto heftiger wird die Konkurrenz verschiedener Nutzungen. Das Buch untersucht zwei Formen – Naturschutzgebiete, die im Namen der Erhaltung von Vielfalt und natürlicher Umwelt ausgeweitet werden, und Land grabbing, die Ausdehnung der industriellen Landwirtschaft in Afrika, Südostasien, Osteuropa und Lateinamerika im Namen der Hungerbekämpfung. In beiden Fällen, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, geht die jeweilige Inwertsetzung mit einer Vertreibung von Menschen einher. Clausing zeigt aber auch auf, dass sich die beiden scheinbar so gegensätzlichen Konzepte ergänzen: Die industrielle Landwirtschaft präsentiert sich als Naturschützer, indem sie behauptet, durch Intensivierung eine weitere Ausweitung der Landwirtschaft auf schützenswerte Gebiete unnötig zu machen. Umgekehrt arbeiten Naturschutzorganisationen eng mit der Agrarindustrie zusammen, um deren Treiben „verantwortungsbewusst“ gegenüber der Natur zu machen. Dem stellt das Buch agrarökologische Konzepte gegenüber, die die Rolle von Naturschutz und Nahrungsmittelerzeugung vereinen und damit sehr viel besser als konservativer Naturschutz und industrielle Landwirtschaft geeignet erscheinen, den Verlust an biologischer Vielfalt einzudämmen und globalen Hunger zu bekämpfen.

Peter Clausing. Naturschutz und Welternährung am Scheideweg. Mit einem Vorwort von Uwe Hoering. Münster (Unrast-Verlag, Leseprobe) 2013

Cola, Reis & Heuschrecken (2012)

Januar 2012: Die 24 Beiträge, von denen viele in 2011 in der deutschen Ausgabe der Zeitschrift  Le Monde diplomatique erschienen sind, behandeln zahlreiche Einzelaspekte des Landwirtschafts- und Ernährungsbereichs, von Finanzspekulation und Landraub über Arbeitsmigration in der Agrarindustrie und Nahrungsmittelpreise in China bis hin zu Frauenkooperativen in Marokko und alternativen landwirtschaftlichen Methoden in der Sahelzone, einige davon eher bizarr wie Heuschrecken als Nahrungsmittel. Ergänzt werden sie um Schaubilder und Grafiken zu einzelnen Themen.

Cola, Reis & Heuschrecken. Welternährung im 21. Jahrhundert. Edition Le Monde diplomatique, 2011.

Lorenzo Cotula, Afrikas Landwirtschaft im Umbruch (2013)

Oktober 2013: Lorenzo Cotula, der beim International Institute for Environment and Development (IIED) arbeitet, gehört zu den Kennern der Land grabbing-Diskussion. Mit diesem Büchlein will er einen "wissenschaftlich gründlichen und doch zugänglichen Reader" über das Thema liefern, ergänzt um ein ausführliches Literatur- und Stichwortverzeichnis. Diskutiert werden die historischen Wurzeln, das Ausmass, die Geographie, die Triebkräfte, die Erscheinungsformen und die bislang absehbaren Auswirkungen der neuen globalen Landnahme. Besonders ausführlich bezieht er sich dabei auf die Entwicklungen in Ghana, Mali, Mosambik und Tansania. Dass hinter dem Titel ein Fragezeichen steht ist ein Hinweis darauf, dass Cotula trotz aller Kritik Chancen sieht, dass die bäuerliche Landwirtschaft und die Ernährungssicherheit davon profitieren können.

Lorenzo Cotula, who works at the International Institute for Environment and Development (IIED), is one of the experts of the land-grabbing discussion. With this booklet he wants to provide an "academically rigorous yet accessible reader" on the subject, supplemented by an extensive bibliography, and index. He discusses the historical roots, the scale, the geography, the drivers, the features and the early outcomes of the new global rush for land. In particular he refers to the developments in Ghana, Mali, Mozambique and Tanzania. The question mark behind the title is an indication that despite all the criticism he sees opportunities that peasant agriculture and food security can benefit.

Lorenzo Cotula, The great African land grab? Agricultural investments and the global food system. London/New York (Zed Books) 2013

Siehe auch: Globe-spotting-SPECIAL: Land grabbing

Datta, Wie Armut und Ungleichheit fortdauern (2013)

April 2013: Ausgangspunkt des Buches ist der Skandal, dass die Zahl der Hungernden unverändert hoch ist, das eigentliche Thema ist aber die zunehmende Ungleichheit - beim Zugang zu Ressourcen, der ungleiche Handel, die Geschlechterungleichheit. Wesentliche Ursachen für dieses Auseinanderdriften sieht Asit Datta in der neoliberalen wirtschaftlichen Liberalisierung, den Agrarsubventionen der Industrieländer, dem Versagen auch der Regierungen der Entwicklungsländer. Die Kapitel beschäftigen sich mit dem Ausmaß (und den Definitionen) von Hunger und Armut, der Energie- und Wasserarmut, dem Beitrag von Handel, Landraub und Biotreibstoffen zur anhaltenden Armut, der Rolle der Entwicklungshilfe und der multilateralen Entwicklungsinstitutionen wie Weltbank und Welthandelsorganisation WTO als "heimliche Herrscher", sowie mit der Erfindung der 'Ziele für eine nachhaltige Entwicklung' (Sustainable Development Goals, SDG), die die 'Millenniums-Entwicklungsziele', MDGs, ablösen sollen, obwohl diese weit davon entfernt sind, umfassend eingelöst worden zu sein.

Asit Datta, Armutszeugnis. Warum heute mehr Menschen hungern als vor 20 Jahren. München (dtv) 2013

Denison/Klinger-Vidra, Bibliografie über Eigentumsrechte (2013)

August 2013: Better protection of property rights can affect several development outcomes, including better management of natural resources. This bibliography and rapid review is concerned with two principal outcomes: reduction in investors risk and increase in incentives to invest, and improvements in household welfare.

The literature search was completed both in academic journals and aggregator databases, specifically Google Scholar and Scopus, and the DFID database R4D.

The outline of the Rapid Review on Property Rights paper is a follows:

  • At the macro level, the protection of property rights is expected to provide an expectation to investors that they will be able to appropriate returns. This reduction in investors risk creates incentives to invest. Economic growth is driven by the incentives of firms to invest
  • at the micro level, more secure property rights, and especially rights to land, are expected to play an important role to improve households’ welfare. Rights to land can provide means to sustain livelihoods and food security through the production and sale of crops. Under certain conditions, rights to land may also provide a buffer for households to smooth consumption, for example through sale or mortgaging of assets.

Annotated bibliography for rapid review on property rights. By M. Denison and R. Klinger-Vidra. Produced by: Economic and Private Sector PEAKS (2013). Available online at Eldis

De Schutter, Agrobusiness und das Recht auf Nahrung (Dezember 2009)

In seinem Bericht "Agribusiness and the right to food" vom 22. Dezember 2009 untersucht der UN-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, die Auswirkungen der globalen Wertschöpfungsketten im Nahrungsmittelbereich auf kleinbäuerliche Betriebe und Landarbeiter. Die Auswirkungen auf das Recht auf Nahrung seien "gewaltig und manchmal negativ", stellt er fest, "was zum Teil erklärt, warum Kleinbauern in Entwicklungsländern die größte Gruppe unter den Hungernden in der Welt sind." Nahrungsmittelstandards benachteiligen kleinbäuerliche Betriebe, Preisdruck wird als Druck auf Arbeitsbedingungen und Löhne von Landarbeitern weitergegeben.

Durch die Unterstützung von Genossenschaften, Verbesserungen bei Anbauverträgen zwischen Konzernen und bäuerlichen Betrieben, die Einrichtung von Beschwerde-Institutionen und größeres Verantwortungsbewusstsein für das Recht auf Nahrung könnten Regierungen und Unternehmen dazu beitragen, dass die Ernährungsindustrie zukünftig stärker als gegenwärtig zur Beseitigung des Hungers beiträgt.

Agribusiness and the right to food. Report of the Special Rapporteur on the right to food, Olivier De Schutter. United Nations, General Assembly, 22 December 2009, A/HRC/13/33. Der Bericht als Download (pdf-Datei)

Deutsche Welthungerhilfe (Hg.), Handbuch Welternährung (2010)

Oktober 2010: Ernährungsfragen, von Hunger bis Übergewicht, und bäuerliche Landwirtschaft sind die wichtigsten inhaltlichen Themenstränge, die sich durch dieses Handbuch ziehen. Daneben werden eine Vielzahl von Aspekten angesprochen, wobei die Ursachenanalyse hinter den Vorschlägen für politische Maßnahmen zurück bleibt. Besonders auffällig, dass die Rolle der Industrie, von den Saatgut- und Düngemittelkonzernen über Cargill & Co, die den Welthandel dominieren, bis zu Verarbeitern und Supermarktketten weitgehend ausgeblendet wird.

Lioba Weingärtner, Claudia Trentmann, Handbuch Welternährung. Herausgegeben von Deutsche Welthungerhilfe. Frankfurt/New York 2010 (Campus)

Walter Eberlei, Afrika: Der Optimismus hat viele Gesichter (2009)

Dezember 2009: Afrika-Optimismus hat Konjunktur. Die natürlichen Ressourcen des Kontinents ziehen wieder verstärkt Investoren an, was sich - zumindest für einige Länder - in Wirtschaftswachstum niederschlägt. Der Optimismus von Walter Eberlei gründet sich dagegen vor allem auf der Kooperation von Staat, internationalen Gebern und Zivilgesellschaft bei der Armutsbekämpfung, beispielsweise bei den von der Weltbank inspirierten Poverty Reduction Strategies (PRS) mit einer - dem Anspruch nach - armutsorientierten Regierungspolitik vor allem im Bildungs- und Gesundheitsbereich, Partizipation der Zivilgesellschaft und armutsorientierter Entwicklungszusammenarbeit. Sein Optimismus hat, wenn er denn überhaupt begründet ist, allerdings wenig Beziehung zum Optimismus von Investoren und internationalen Finanzinstitutionen wie der Weltbank, der durch die globale Neubewertung von Ressourcen - zum Beispiel Land - ausgelöst wurde. Und die Landwirtschaft, so wichtig für eine materiell fundierte Armutsminderung in Afrika, spielt kaum eine Rolle.

Walter Eberlei, Afrikas Wege aus der Armutsfalle. Frankfurt am Main 2009 (Brandes & Apsel)

Siehe auch: Dominic Johnson, Afrika vor dem großen Sprung. Berlin 2011 (Verlag Klaus Wagenbach) 

Erklärung von Bern, Agropoly - Wer beherrscht unser Essen? (2011)

Oktober 2011: Die Konzentration in der Agrarindustrie schreitet voran, immer weniger Konzerne kontrollieren die "Wertschöpfungsketten" von der Produktion bis zum Verbrauch. Die Broschüre dekliniert für Futtermittel, Tierzucht, Saatgut, Düngemittel, Pestizide und Nahrungsmittelerzeugung, -handel und -verarbeitung faktenreich und anschaulich durch, welche Firmen die Preise, Geschäftsbedingungen und politischen Rahmenbedingungen bestimmen.

Agropoly - Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion. April 2011. Bezug (CHF 6.-): Erklärung von Bern

Andreas Exner u.a., Kämpfe um Land (2011)

Dezember 2011: Abgesehen vom Beitrag 'Land Grabbing': die große Enteignung' geht es bei dieser Aufsatzsammlung nicht um Landwirtschaft, sondern um das weitere Umfeld, das hilft, die Landnutzungsänderungen und -konflikte im Agrarbereich zu verstehen und einzuordnen. Dazu gehört die Mehrfachkrise, die dazu beiträgt, dass Land immer wichtiger wird, der Einsatz von Biomasse als Teil einer Energiezukunft, um Ressourcenknappheit, die die Grundlagen der Grünen Revolution in Frage stellt, und um den Bergbau. Abschließend werden Konturen von Lösungsstrategien aufgezeigt, die von der Notwendigkeit eines weitreichenden Strukturumbaus der Ökonomie ("Abschied vom Kapitalismus") hin zu solidarischen Ökonomien und sozialen Innovationen ausgehen.

Andreas Exner u.a. (Hrsg.): Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter. Wien (mandelbaum) 2011

FAC, Agrarkooperation Afrika-Brasilien-China (2013)

Das Forschungsprojekt Future Agricultures Consortium hat einen Themenschwerpunkt auf der Analyse der Kooperation von Brasilien, China und afrikanischen Ländern im Agrarbereich ('China and Brazil in African Agriculture', CBAA). Inzwischen liegen eine Reihe von Studien vor, die sich teils allgemein mit den Beziehungen befassen wie "Narratives of China-Africa Cooperation for Agricultural Development: New Paradigms?" oder das Dreiecksverhältnis an einzelnen Ländern wie Mosambik, Äthiopien, Ghana und Simbabwe untersuchen.

FAO, Statistisches Jahrbuch 2013

Juli 2013: The 2013 edition of FAO's Statistical Yearbook sheds new light on agriculture's contribution to global warming, trends in hunger and malnutrition and the state of the natural resource base upon which world food production depends.

Greenhouse gas emissions from agriculture grew 1.6 percent per year during the decade after the year 2000, new FAO data presented in the yearbook show, with the sector's total annual output in 2010 reaching 5 billion tons of carbon dioxide equivalents (CO2 eq, a measure used to compare and aggregate different greenhouse gases). This equals 10 percent of all anthropogenic greenhouse gas emissions.

Among the various agriculture sectors, livestock activities and the use of synthetic fertilizer are the largest contributors. This does not include emissions caused by land use change and wild fires.

This Statistical Yearbook highlights major trends shaping global food and agriculture today. For each thematic area, brief analyses of the main trends are paired with graphical data visualisations as well as tables with key indicators. The topics it covers include: capital and investment; climate change; food availability; food production and trade; food prices; hunger and malnutrition; the consequences of political instability and natural- and human-induced disasters on food security; the state of the agricultural resource base and sustainability and environmental impacts.

Statistical Yearbook of the Food And Agricultural Organization for the United Nations. Rome 2013. Als pdf-Datei (42mb) auf der Website der FAO

FAO, Bestandsaufnahme der Land- und Wasserressourcen (2011)

2. Dezember 2011: Der Bericht über den Zustand von Böden, Wasser und biologischer Vielfalt (SOLAW), den die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, Ende November vorgelegt hat, bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: die Landwirtschaft arbeitet in vielen Regionen am Limit der natürlichen Ressourcen, in manchen sogar darüber hinaus. Als Ausweg aus dem Land- und Wassermangel empfiehlt die FAO eine "nachhaltige Intensivierung". Mehr

FAO: Welternährung und Landwirtschaft - Perspektiven (2011)

Bei der Konferenz "How to feed the world 2050" der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO im Oktober 2009 in Rom wurde die Behauptung in die Welt gesetzt, dass bis 2050 die Nahrungsmittelproduktion um 70 Prozent steigen müsse (Issues briefs). Begierig von Medien, Regierungen, Wirtschaft und Forschung aufgegriffen, bestimmte sie weitere Eckdaten wie Investitionsbedarf und Öffentlich-private Partnerschaften, die unausweichliche Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen und des Wasserverbrauchs, die Notwendigkeit neuer Technologien einschließlich Gentechnologie und höherer Forschungsausgaben. Auch in diesem Buch, in dem die überarbeiteten Tagungspapiere vorgelegt werden, taucht diese Projektion wieder auf, obwohl es einige Kritik an ihr gegeben hat ("How to feed the World's Growing Billions"). Allerdings bleibt sie eher versteckt und auch ansonsten scheinen die Beiträge bemüht, differenzierter zu argumentieren. Dennoch dominiert eine unhinterfragte Wachstumsorientierung, die die Möglichkeiten einer Agrarwende, veränderter Konsumgewohnheiten, der Verringerung von Energiepflanzen oder der Nutzung anderer technologischer Lösungen kaum Bedeutung beimisst. Der Wert dieser Veröffentlichung liegt denn auch weniger in den Prognosen, die eher eine Gefahr darstellen, eine nicht-nachhaltige Perspektive in der Agrardebatte zu bekräftigen, sondern in dem umfangreichen Datenmaterial über Ist-Zustände (Landnutzung, Produktion, Konsum, Erträge, Investitionen, ...) in Welternährung und Landwirtschaft.

Looking Ahead in World Food and Agriculture: Perspectives to 2050. Edited by Piero Conforti. Rome (FAO) 2011. (pdf-Datei 9,7mb)

Thomas Fritz, Ernährungs(un)sicherheit und die EU-Agrarpolitik (2011)

Die Gemeinsame Agrarpolitik (Common Agricultural Policy, CAP) der Europäischen Union soll bis 2013 neu ausgerichtet werden. In der Diskussion darüber spielt die globale Ernährungskrise kaum eine Rolle, obwohl diese Politik erhebliche Auswirkungen auf Landwirtschaft, Armut und Ernährungssicherheit im Globalen Süden hat. Die Publikation beschreibt die Geschichte der Gemeinsamen Agrarpolitik, ihre Auswirkungen in Ländern des Südens, die Folgen von Agrarexporten und der wachsenden Futtermittelimporte. Aufgezeigt werden zudem Veränderungen, die notwendig sind, damit die Agrarpolitik zukünftig zur Verwirklichung globaler Ernährungssouveränität beiträgt.

Globalising Hunger: Food Security and the EU's Common Agricultural Policy (CAP). By Thomas Fritz, November 2011. Bezug:FDCL (pdf-Datei)

Thomas Fritz, Peak Soil - Die globale Jagd nach Land (2009)

Ausländische Direktinvestitionen in die Landwirtschaft in Asien, Afrika und Lateinamerika, die in jüngster Zeit Schlagzeilen machten, sind sowohl Ausdruck einer umfassenden Agrarkrise, als auch einer dadurch beschleunigten kommerziellen Inwertsetzung der Landwirtschaft. Im Zentrum steht dabei die zunehmende Landverknappung ("Peak Soil"), deren Ursachen und Auswirkungen Thomas Fritz knapp umreisst. Nach einer Darstellung und Analyse der "neuen Landnahme", ihrer Triebkräfte und Akteure, weitet er den Blick auf die Rolle, die internationale Organisationen wie die Weltbank dabei spielen, den Zusammenhang zwischen Landfrage und Konflikten, unter anderem in Pakistan, Kolumbien und Simbabwe, und den Verdrängungsprozess, dem die bäuerliche Landwirtschaft dadurch ausgesetzt wird. Das Buch bietet damit einen gleichzeitig kompakten und umfassenden Einstieg in das Thema.

Thomas Fritz: Peak Soil - Die globale Jagd nach Land. Berlin (FDCL-Verlag) 2009, 164 Seiten, 12,00 €. Bezug: info@fdcl.org

GRAIN, Neue Bestandsaufnahme ausländischer Agrarinvestoren (2012)

Februar 2012: Diese Übersicht über mehr als 400 Fälle von Land Grabbing durch ausländische Investoren, die GRAIN auf der Grundlage der Berichte auf farmlandgrab erstellt hat, deckt die Jahre seit 2006 ab und konzentriert sich auf Nahrungs- und Futtermittel, Ölpalmen und Zuckerrohr. Sie umfasst auch detaillierte Angaben zu den einzelnen Vereinbarungen. Unternehmen aus den USA führen die Liste der Investoren an, die in Afrika, Lateinamerika, Asien und Osteuropa große Ländereien erwerben, an, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Dabei gibt es oft eine enge Kooperation zwischen Agrarkonzernen und Finanzfonds.

GRAIN releases data set over 400 global land grabs. 24. Februar 2012

GRAIN, Nerica - Eine weitere Falle für Afrikas Kleinbauern (2009)

Januar 2009:Nerica, Kreuzungen zwischen afrikanischen und asiatischen Sorten, wurden als 'Wunder-Reis' gelobt, der Afrika zum Selbstversorger machen kann. Eine Studie von GRAIN zeigt an ausgewählten Beispielen aus mehreren Ländern auf, dass die Erwartungen höherer Erträge durch den 'Neuen Reis für Afrika' nicht erfüllt werden und der Anbau mehr Dünger und Arbeit erfordert. Erträge von wieder ausgesäten Saatgut gingen zurück, sodass für jede Saison neues Saatgut gekauft werden muss. Ähnlich wie bei den Reissorten der 'Grünen Revolution' fallen geringere Strohmengen und damit Futter an, weil Nerica kürzere Halme als traditionelle Sorten hat. Zudem warnt die Studie davor, dass traditionelle Sorten verdrängt werden könnten und damit die Abhängigkeit von Saaatgutunternehmen zunehmen würde.

GRAIN, Nerica - another trap for small farmers in Africa. January 2009. Download (pdf file)

Bruce Hearn u.a., Europas Hilfe für Afrikas Landwirtschaft (2010)

Der Titel weckt Erwartungen: Die Studie will eine Analyse der europäischen Hilfe für die Landwirtschaft in Afrika südlich der Sahara liefern – allerdings nur eine „vorläufige“. Und über Erkenntnisse wie die, dass die Mittel bis vor Kurzem dramatisch gekürzt wurden, dass Länder wie Frankreich und Großbritannien mehr Geld an ihre ehemaligen Kolonien geben oder dass die Zusagen oftmals höher sind als der tatsächlichen Mittelabfluss kommt die Studie kaum hinaus. Interessant unter anderem, dass die Finanzierung von Maßnahmen, die direkt der bäuerlichen Landwirtschaft zu gute kämen, meist den geringsten Anteil haben. Unklar bleibt, welche Bereiche sinnvoller Weise gefördert werden sollten, ebenso der Beitrag zum landwirtschaftlichen Wachstum. Immerhin handelte es sich allein 2007 um 3,8 Milliarden US-Dollar – ohne die Mittel, die zusätzlich durch multilaterale Institutionen verteilt wurden. Dafür, so das Resümee, sind weitere Studien notwendig.

Bruce Hearn, et al., A Preliminary Analysis of European Assistance to Agriculture in Sub-Saharan Africa. Imperial College, London, 2010

Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.), Kritik der Grünen Ökonomie (2012)

Die Literatur über Green Economy ist ein Wildwuchs, da bieten drei knappe Publikationen kritische Einschätzungen aus linker, feministischer und grüner Sicht: Ulrich Brand nimmt systematisch die Mythen auseinander, die die Versuche begleiten, das Konzept der Green Economy als Ausweg aus der multiplen Krise durchzusetzen. Christa Wichterich zeichnet die neue Aktualität des Themas Gender und Ökologie nach und diskutiert die Bedeutung einer feministischen Perspektive für das Verständnis von Klimakrise, Umwälzungen im Agrarbereich und Green Economy und Wachstumskritik. Barbara Unmüßig, Wolfgang Sachs und Thomas Fatheuer stellen die Grüne Ökonomie in den Kontext der Entwicklungen und Diskussionen seit dem 'Erdgipfel' 1992 in Rio de Janeiro und zeigen, ähnlich wie Christa Wichterich, Ansätze für ein anderes Wirtschaften und Leben auf.

Ulrich Brand, Schöne Grüne Welt. Über die Mythen der Green Economy. Herausgegeben von der Rosa Luxemburg Stiftung, 2012. Link (pdf-Datei)

Christa Wichterich, Die Zukunft, die wir wollen. Eine feministische Perspektive. Herausgegeben von der Heinrich Böll-Stiftung, 2012. Link (pdf-Datei)

Barbara Unmüßig u.a., Kritik der grünen Ökonomie. Impulse für eine sozial und ökologisch gerechte Zukunft. Herausgegeben von der Heinrich Böll-Stiftung, 2012. Link (pdf-Datei)

Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.), How to Feed the World's Growing Billions - Kritik an FAO-Projektion (2011)

Mai 2011: Die Behauptung der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, angesichts der Hungerkrise sei eine Steigerung der Lebensmittelproduktion um 70 Prozent bis 2050 erforderlich, wird gerne zitiert, um eine weltweite industrielle Intensivierung der Landwirtschaft zu legitimieren. Eine neue Studie weist darauf hin, dass diese Projektion fragwürdig ist: Einerseits setze die FAO den Nachfragezuwachs viel zu hoch an, andererseits würden wichtige Faktoren wie eine Verringerung von Nachernteverlusten oder des Fleischkonsums, die das Angebot vergrößern könnten, unterbewertet. In jedem Fall würde eine größere Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln aber nicht ausreichen, um den armutsbedingten Hunger zu verringern.

How to Feed the World's Growing Billions. Understanding FAO World Food Projections and their Implications. Herausgegeben von Heinrich Böll Stiftung und WWF Deutschland, April 2011. Zum Download (pdf-Datei 3mb)

Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.), Ernährungssicherheit in Afrika (2011)

April 2011: In der Reihe "Perspectives. Political analysis and commentary from Africa" legt die Heinrich-Böll-Stiftung ein Themenheft zu "Food Security in Africa" mit Beiträgen afrikanischer Autorinnen und Autoren vor, darunter Ruth Hall zu Land Grabbing und Fallstudien zu Äthiopien, Kenia, Nigeria und der Versorgung südafrikanischer Städte. Link

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 6/April 2013)

Vom Land grabbing zu Agrarkorridoren

von Uwe Hoering, April 2013

Wenn die wöchentliche Artikelsammlung auf farmlandgrab.org ein Indikator ist, dann geht das  Land grabbing immer weiter, wenn auch möglicherweise etwas langsamer. Teils haben wohl die breite öffentliche Kritik und der wachsende Widerstand bei Regierungen, Investoren und Institutionen Spuren hinterlassen. Teils werden auch die wirtschaftlichen Risiken großer Agrarinvestitionen deutlich, was dazu geführt haben mag, dass der anfängliche Enthusiasmus gedämpft wurde. Und die Verlagerung des Interesses vieler Investoren auf Osteuropa und Zentralasien entzieht ihre Aktivitäten dem Blickfeld vieler entwicklungspolitischer Organisationen. Gleichzeitig verlagern sich die Auseinandersetzungen immer stärker auf die nationale Ebene beziehungsweise sogar „aufs Feld“ und liegen damit weitgehend unter dem Wahrnehmungshorizont der internationalen Debatte und Aufmerksamkeit. Damit wird es immer schwieriger, auch nur annähernd den Überblick zu behalten. Mehr

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 5/Juli 2012)

Juli 2012: Im Juni verkündete das WorldWatch Institute, dass die Zahl der Land grabs im Agrarbereich nach einem Höhepunkt 2009 deutlich zurückgegangen sei. Ob das stimmt und ob es ein anhaltender Trend ist, muss sich zeigen. Angestiegen ist dagegen deutlich die Zahl wissenschaftlicher Studien über großflächige Landnahmen und die damit verbundenen unterschiedlichen Aspekte sowie die Zahl von Büchern, die sich an ein breiteres Publikum richten.

Mehr darüber in der Literaturübersicht Nr. 5/Juli 2012.

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 4/April 2012)

Ohne zu beanspruchen, einen umfassenden Überblick über die Diskussion zu haben, habe ich doch den Eindruck, dass die Kontroverse um Land grabbing und die Probleme großflächiger kommerzieller Investitionen in die Landwirtschaft, die die Rechte und Lebensbedingungen lokaler Bevölkerung bedrohen, etwas abgeflaut ist. Die Argumente sind inzwischen vielfach ausgetauscht. Dennoch haben sich in den vergangenen zwölf Monaten seit der Literaturübersicht Nr.3/März 2011 eine Reihe von Publikationen, Studien und Texten angesammelt. Mehr

Hoering, Mit Getreidevorräten gegen die Spekulation (2011)

März 2011:  Staatliche Getreidevorräte sind seit Jahrhunderten ein Mittel, um die Folgen von Ernteausfällen abzufedern. Länder wie Indien oder China nutzen sie aber auch, um Produzenten- und Verbraucherpreise gegen Schwankungen zu stabilisieren. Doch seit den 1980er Jahren haben viele Länder diese Vorsorgemaßnahmen aufgegeben und wurden damit immer abhängiger von Importen von Grundnahrungsmitteln. Mit der Nahrungsmittelkrise und den – teils spekulativen - Preisausschlägen kam wieder eine Debatte über Getreidereserven in Gang. Mehr

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 3/März 2011)

22. März 2011: Keine drei Jahre, nachdem GRAIN mit seinem Bericht „Land grab!“ auf das Thema aufmerksam gemacht hat, ist die großflächige kommerzielle Landnahme fest in der politischen Diskussion verankert. Immer neue Fälle werden bekannt, immer weitere Aspekte aufgerollt. Auch der Widerstand gegen einzelne Vorhaben und die Strategien, wie Politik, Bauernorganisationen und Zivilgesellschaft auf die Risiken und Gefahren antworten können, entwickeln sich. Insgesamt werden die Lage, die Themen und die Diskussion immer vielfältiger, aber auch unübersichtlicher. Deshalb ein weiteres globe-spotting-Update

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 2/November 2010)

15. November 2010: Seit dem globe-spotting-Literaturüberblick vom September 2010 gab es eine Reihe interessanter neuer Publikationen und Diskussionen zum Thema Land grab, von denen die meisten auf http://farmlandgrab.org/ zugänglich sind. Ein Update Mehr

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 1/September 2010)

29. September 2010: Die Veröffentlichungen über Land grabbing, also über die Verpachtung oder den Verkauf von großen Ländereien an Investoren und Spekulanten, sind inzwischen so unübersichtlich geworden wie die Landnahmeverträge und -vereinbarungen selbst - ein Versuch, sie ein wenig zu sortieren. Mehr

Uwe Hoering, Agrar-Kolonialismus in Afrika (2007)

Selbstbestimmte Lösungen können die Probleme von Afrikas Landwirtschaft überwinden - das zeigen viele Beispiele. Doch sie sind gefährdet, wenn es dem Machtkartell von Wirtschaft, Regierungen und internationalen Entwicklungsorganisationen gelingen sollte, seine Vorstellungen einer "Grünen Revolution" durchzusetzen.

Uwe Hoering, Agrar-Kolonialismus in Afrika. Eine andere Landwirtschaft ist möglich. Hamburg (VSA-Verlag) 2007. Download (pdf-Datei 0,9mb)

IATP, Mit Getreidereserven gegen Hunger (2012)

18. Juli 2012: Der steile Anstieg und die starken Schwankungen der Nahrungsmittelpreise haben Vorschläge angestoßen, durch Vorratshaltung auf nationaler und internationaler Ebene Instrumente zu schaffen, die diese Entwicklung steuern und die Auswirkungen auf die Ernährungssituation abfedern sollen. Die Publikation "Grain Reserves and the Food Price Crisis" des Institut for Agricultural and Trade Policy, IATP, stellt jetzt Beiträge dieser Debatte zusammen Mehr

IFPRI plädiert für Agrar-Gentechnologie in Afrika (2013)

Oktober 2013: Seit Jahren versuchen Lobby-Organisationen der Agrarindustrie wie African Biotechnology Trust, A Harvest Biotechnology Foundation und ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications), gentechnisch veränderte Pflanzen auf die afrikanischen Äcker zu bringen - bislang ist ihnen das anscheinend nur mit Baumwolle und Futtermais gelungen, und auch das erst in einigen wenigen Ländern wie Südafrika. Denn die Bedenken sind weit verbreitet, nicht nur in der Zivilgesellschaft. Die beiden Hauptfelder, auf denen die Auseinandersetzung ausgetragen wird, sind der angebliche Nutzen von gv-Pflanzen und die Gefahren, die von ihnen für Gesundheit, agrarbiologische Vielfalt und Umwelt ausgehen. Mit dem Cartagena Protocol on Biosafety, an dessen Erstellung afrikanische Wissenschaftler wesentlich beteiligt waren, wurden die Hürden für eine Zulassung von gv-Pflanzen sehr hoch gelegt. Das Internationale Food Policy Research Institute IFPRI in Washington hat jetzt eine Studie vorgelegt, die Wasser auf die Mühlen der Gentechnologie-Befürworter ist: Mit Berichten aus mehreren Ländern wird darin versucht, einen wirtschaftlichen Vorteil der Zulassung von gv-Pflanzen nachzuweisen. Die Schlußfolgerung: "IFPRI believes it would be irresponsible not to assess the potential of genetically modified crops such a nutrient-enriched or drought-tolerant and disease-resistant crop varieties." Deshalb sollten Anforderungen an die biologische Sicherheit auch nicht zu strikt sein, um die Entwicklung und Zulassung von gv-Pflanzen nicht "prohibitively expensive" zu machen.

October 2013:For years, lobbying organizations of the agroindustry such as African Biotechnology Trust, A Harvest Biotechnology Foundation and ISAAA(International Service for the Acquisition of Agri -biotech Applications ) try to bring GM crops into African farmland. So far they succeed only with cotton and fodder maize, and this just in a few countries such as South Africa. Because there are widespread concerns, not only in civil society organisations. The two main areas in which the controversy is going on are the alleged benefits of GM crops and the dangers for health, agro- biodiversity and the environment. With the Cartagena Protocol on Biosafety, negotiated with a major role of African scientists, the hurdles for approval of GM crops were set very high. The International Food Policy Research Institute IFPRI, Washington, has now presented a study that is grist to the mill of genetic engineering proponents: With reports from several countries it attempts to demonstrate an economic advantage of GM crops. The conclusion:  "IFPRI believes it would be irresponsible not to assess the potential of genetically modified crops such as nutrient-enriched or drought-tolerant and disease-resistant crop varieties ." Therefore requirements for biosafety should not be too strict to make the development and approval of GM crops not "prohibitively expensive" .

Genetically Modified Crops in Africa. Economic and Policy Lessons from Countries South of the Sahara. Edited by José Falck-Zepeda, et al., Washington DC (IFPRI) 2013

Siehe auch: "Unternehmen Süßkartoffel"

IFPRI, Länderstudien zum Potenzial von Afrikas Agrarbereich (2012)

Juli 2012: Auf der Grundlage von zehn Länderstudien, darunter Kenia, Äthiopien und Mosambik, unterstreicht die Studie des International Food Policy Research Institute, IFPRI, die Bedeutung von Investitionen in die Landwirtschaft für Wirtschaftswachstum und Armutsminderung. Nahrungsmittelanbau und Tierhaltung sollten besonders gefördert werden, da hiermit die meisten armen Haushalte erreicht werden könnten. Während der methodische Rahmen aus schwer verständlichen Formeln besteht und die Exportorientierung ein starkes Gewicht zugeschrieben bekommt, bieten die Länderstudien eine Fülle von Material über die jeweilige Situation im Agrarbereich.

Strategies and Priorities for African Agriculture. Economywide Perspectives from Country Studies. Edited by Xinshen Diao u.a.. Washington D.C. (IFPRI) 2012. Download als pdf-Datei 4,4 MB

Journal of Agrarian Change, 'Agribusiness for Development': Who Really Gains? (2009)

Im April 2009 organisierte das Journal of Agrarian Change ein Symposium, das sich kritisch mit dem Weltentwicklungsbericht 2008 der Weltbank, 'Agribusiness for Development', auseinandersetzte. Die Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit den Auswirkungen der Weltbank-Politik auf kleinbäuerliche Betriebe in Afrika (Kojo S. Amanor), mit den Reaktionen zivilgesellschaftlicher Organisationen auf den Bericht (Matteo Rizzo) und mit Lösungen für Produktivitätsprobleme der Landwirtschaft in Afrika (Philip Woodhouse).

Eine Zusammenfassung von Hannah Bargawi und Carlos Oya: Development Viewpoint, Number 36, September 2009 (pdf-Datei 187 kb).

Die Beiträge können als pdf-Dateien heruntergeladen werden (Wiley InterScience): Journal of Agrarian Change, Volume 9 Issue 2, Pages 155-313 (April 2009)

Journal of Peasant Studies, Landnahme im Namen des Umweltschutzes (2012)

28. April 2012: Einen besonderen, bislang kaum systematisierten Aspekt des Land grabbing behandelt die neueste Sonderausgabe (39:2) des Journal of Peasant Studies - die Zusammenhänge zwischen ökologischen Maßnahmen wie 'Biokohle' oder 'Klima-smarter' Landwirtschaft, der Konvention über Biologische Vielfalt oder Ökotourismus und der Ent- und Aneignung von Land- und Wasserressourcen sowie die damit eingehenden Auswirkungen auf den Agrarbereich. Die 18 Beiträge können nach der Registrierung beim Verlag Taylor&Francis kostenlos herunterladen werden. 

Kaphengst/Bahn, Der globale Wettlauf um Agrarland (2012)

Ein Mittelding zwischen Kurzinfos wie dem Fact Sheet 2010/1 von FIAN und Büchern wie "Peak Soil" (2009) von Thomas Fritz oder "Landraub" (2012) von Stefano Liberti, bietet der Attac BasisText komprimiert umfassende Informationen über Hintergründe, Ausmaß und Auswirkungen von Land grabbing. Vorschläge für Handlungsansätze "bei uns" runden den Überblick ab - wirklich gestoppt werden kann der Ausverkauf aber wohl nur durch eine Stärkung des Widerstands vor Ort, für den es erste Beispiele gibt. Leider fehlt eine Link-Liste, die vermutlich hilfreicher wäre als das ausführliche, aber unkommentierte Literaturverzeichnis.

Timo Kaphengst, Evelyn Bahn, Land Grabbing. Der globale Wettlauf um Agrarland. Hamburg (AttacBasisTexte 40, VSA-Verlag) 2012

Kruchem, Land und Wasser. Verantwortung von Agrarinvestoren (2013)

Oktober 2013: Afrikas Kleinbauern "verharren in einer Hungerlandwirtschaft mit eingebauter Armutsgarantie", verkündet der Klappentext, gefangen in "einer zerstörerischen traditionellen Landwirtschaft". Vor dieser mit dicken schwarzen Strichen gezeichneten Hintergrundfolie, die mit den vielfältigen Realitäten bäuerlicher Landwirtschaft in Afrika und ihren Möglichkeiten wenig gemeinsam hat, beschreibt Kruchem eine Reihe ausländischer Investitionsvorhaben im Agrarbereich in Sambia, Tansania und Mosambik, die sich auf Nahrungsmittel, Agrartreibstoffe und Baumplantagen konzentrieren. Zwar werden auch eine Reihe kritischer Anmerkungen zu "Gefahren" wie Land grabbing, Water grabbing und anderen negativen Auswirkungen von Auslandsinvestitionen gemacht und das eine oder andere gescheiterte Vorhaben genannt - wobei zumeist die Bevölkerung oder die Regierungen dafür die Hauptverantwortlichen zu sein scheinen. Im Vordergrund aber stehen "verantwortungsbewusste" private Unternehmen. Im Endeffekt ist das Buch, gefördert vom Entwicklungskonzern GIZ, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, eine journalistische Umsetzung der Versprechungen, mit denen eine Industrialisierung der Landwirtschaft in Afrika gerechtfertigt wird, was die teilweise interessanten Detailinformationen entwertet: Ausländische Milliarden-Investitionen sind notwendig, freiwillige Richtlinien helfen, Auswüchse zu verringern, Vertragsarbeit und Wertschöpfungsketten sind gut, Subventionen schädlich, moderne Technologien und Agrarwissenschaften bieten die Antworten, ..., zertifiziert dadurch, dass der Verfasser "sich vor Ort umgeschaut" hat. Die implizite Botschaft: "nachdenkliche" ausländische Unternehmen und engagierte Experten von Weltbank und GIZ, auf deren Aktivitäten vielfach verwiesen wird, sind Garanten dafür, das "brachliegende" Potenzial der Landwirtschaft in Afrika zu mobilisieren, mit dem Unterton: Die 'Weißen' müssen (und können) Afrika aus seiner 'Hungerlandwirtschaft' befreien.

Thomas Kruchem, Land und Wasser. Von der Verantwortung ausländischer Agrarinvestoren im Süden Afrikas. Frankfurt am Main (Brandes & Apsel) 2013

Landfragen in Afrika - Online-Artikel (2013)

August 2013: Der Verlag Taylor & Francis stellt bis Ende des Jahres zahlreiche Artikel zu Landfragen in Afrika Online. Aus der Ankündigung:

These tailored article collections are freely available for the rest of the year and they will save you from time-consuming searches. July’s Hot Topic of the Month concentrates on Land in regards to land-grabbing, the centenary of the 1913 Land Act in South Africa and land acquisition schemes.

2013 marks the centenary of the 1913 Land Act. Under this Act, Black Africans were prohibited from owning, or even renting, land outside of designated reserves.  During the Apartheid era, the reserves were converted to Bantustans and later into 'independent' states within South Africa.

Landwirtschaft und Klima - Eine Literaturauswahl (2012)

Januar 2012: Die Literatur über die komplexen wechselseitigen Zusammenhänge von Klimaveränderungen und Landwirtschaft ist unüberschaubar - hier nur eine kleine, eher zufällige Auswahl von Texten, die besonders die Diskussion der Relevanz für die bäuerliche Landwirtschaft und die Ernährungssicherung aufgreift:

Agriculture and Climate Change: Real Problems, False Solutions. Report by Helena Paul, u.a., December 2009. Link

Minderung des Klimawandels durch Landwirtschaft. Das ungenutzte Potenzial. Deutsche Bank Research. Oktober 2011. Link

The Wheel of Life. Food, Climate, Human Rights, and the Economy. By Debbie Barker, Center for Food Safety. September 2011. Link (pdf-Datei, 2,56 MB)

Helena Paul, Why we should continue to oppose the inclusion of agriculture in the climate negotiations. EcoNexus, February 2012. Link

Liberti, Reisen in den neuen Kolonialismus (2012)

März 2012: Die Reportagen aus Äthiopien, Tansania und Saudi-Arabien oder von der Getreidebörse in Chicago und die vielen Gespräche mit Vertretern von Bauernorganisationen und Behörden, mit Mitarbeitern der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, mit Agrarinvestoren und brasilianischen Großgrundbesitzern geben ein anschauliches Bild von den Auswirkungen des Wettlaufs um fruchtbares Ackerland ebenso wie von wichtigen Protagonisten dieser Entwicklung. Dabei baut der italienische Journalist Stefano Liberti geschickt Hintergrundinformationen und Analysen ein, die die Tragweite der dramatischen Veränderungen, die in den ländlichen Regionen des globalen Südens ablaufen, deutlich machen.

Stefano Liberti, Landraub. Reisen ins Reich des neuen Kolonialismus. Berlin (Rotbuch) 2012

Benjamin Luig, Hungerbekämpfung durch Agribusiness (2013)

Januar 2013: Konzerne der Agrar- und Ernährungsindustrie beanspruchen zunehmend eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Hunger in der Welt. Und Regierungen schieben nur allzu gerne die Verantwortung auf sie ab, wie die 'New Alliance for Food Security and Nutrition' von US-Präsident Obama, ihre Schmalspur-Variante, die 'Deutsche Initiative für Agrarwirtschaft und Ernährung', DIAE, des Niebel-Ministeriums für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, aka BMZ, und deren Ableger 'German Food Partnership', deren Name so hochtrabend wie ihre Website dürftig ist, zeigen. Der Text analysiert auf dem Hintergrund der Marktmacht der Industrie im Ernährungssystem die Argumente, mit denen sie ihren Anspruch begründen. Er lehnt diese 'Geschäftsmodelle', die behaupten, neben oder sogar mittels ihres Profitinteresses auch noch einen Beitrag zu Armuts- und Hungerminderung zu leisten, allerdings nicht rundweg ab, sondern fordert, dass die Debatte darüber "transparent und ergebnisoffen" geführt werden müsse. Bäuerliche Kleinproduzenten sollten an der Planung solcher Geschäfte beteiligt, menschenrechtliche und umweltorientierte Standards eingehalten und privatwirtschaftliche Initiativen nicht  bevorzugt werden. Nach wie vor seien für Ernährungssicherheit öffentliche Investitionen, eine Verbesserung der wirtschaftlichen Möglichkeiten für Kleinproduzenten, eine Stärkung ihrer Verhandlungsposition und eine Regulierung und "aktive Begrenzung" von Marktmacht erforderlich.

Benjamin Luig, 'Business Case' Hungerbekämpfung. Der fragwürdige Beitrag von Agribusiness und Nahrungsmittelindustrie zur Ernährungssicherheit. Herausgegeben vom Forum Umwelt und Entwicklung, Januar 2013. Link (pdf-Datei1,5mb)

McKinsey, Agro-industrielle Revolution für weiteres Wachstum (2012)

Die Studie "Resource Revolution", die im November vergangenen Jahres erschienen ist, hat seither viel Aufmerksamkeit erhalten, und das nicht nur, weil sie "erschreckender Lesestoff" ist, wie ein Kommentator schrieb. Die weltweit operierende Beratungsfirma McKinsey, die die Studie vorlegte, hat einigen Einfluss auf Denken und Handeln in Politik und Wirtschaft. Mehr

Misereor (Hg.), 'Klima-smarte' Landwirtschaft (2012)

Januar 2012: Das katholische Hilfswerk Misereor hat 2011 eine Publikationsserie 'Climate Change and Agriculture' mir zwei Papieren gestartet: Das erste analysiert das Konzept, Holzkohle zur Emissionsminderung einzusetzen ('Biochar - a climate smart solution?'), das zweite die Pfluglose Landwirtschaft ('No-till agriculture - a climate smart solution?'). Beide Konzepte werden von Agrarindustrie und internationalen Entwicklungsinstitutionen wie der Weltbank als Beitrag gegen den Klimawandel propagiert und sollen daher in den Emissionshandel eingezogen werden.

Siehe auch den Globe-spotting-Beitrag: "Was zum Teufel ist 'Klima-smarte Landwirtschaft'"?

Monsanto, der nackte Kaiser (2011)

Oktober 2011: Ist es in der Fabel "Des Kaisers neue Kleider" ein Kind, das den Schwindel entlarvt, so sind es in dieser Studie vor allem Berichte von Aktionsgruppen und aktionsorientierten Forschern, die quasi aus der Sicht von unten die falschen Versprechungen der Agroindustrie bloßstellen, die Agro-Gentechnologie würde Ernteverluste durch Schädlinge verringern, Erträge steigern und zur Verringerung von Hunger beitragen. Im Mittelpunkt steht dabei der US-amerikanische Saatgutkonzern Monsanto.

The GMO Emperor Has No Clothes. A Global Citizens Report on the State of GMOs - False Promises, Failed Technologies. Link

Michael Morris u.a., Schlafender Riese oder hässlicher Zwerg? (2009)

August 2009: Die Dimensionen sind wahrlich gigantisch! „Ein gewaltiger Streifen afrikanischer Savanne, der sich durch 25 Länder zieht, hat das Potenzial, mehrere afrikanische Länder zu Global Players bei der Erzeugung agrarischer Massenprodukte zu machen“, heißt es in der Pressemitteilung der UN-Landwirtschaftsorganisation vom 22. Juni 2009. Vier Millionen Quadratkilometer der Guinea-Savanne, eine Fläche elf Mal so groß wie Deutschland, könnten für die kommerzielle Landwirt­schaft er­schlossen werden, verkündet die FAO, „eine der größten, bislang kaum ge­nutzten Landreserven der Welt“. Rein rechnerisch könnte damit jede zweite afrikani­sche Familie mit vier Hektar Land versorgt werden – bei entsprechender Unterstüt­zung genug für ein Leben ohne Armut. Doch dazu wird es wohl nicht kommen: Eine Besprechung(pdf-Datei 113 kb)

Awakening Africa's Sleeping Giant – Prospects for Commercial Agriculture in the Guinea Savannah Zone and Beyond, by Michael Morris, Hans P. Binswanger-Mkhize, Derek Byerlee, published June 2009 by World Bank. Link (pdf-Datei 1.67 MB)

Murphy, Das ABCD der dominierenden Agrarhändler (2012)

September 2012: Der internationale Getreidehandel ist weitgehend in der Hand von vier großen Unternehmen - ADM, Bunge, Cargill und Louis Dreyfus. Damit nehmen sie auch eine beherrschende und treibende Stellung im globalen Produktionssystem von Nahrungsmitteln, Futter und Agrarenergie und dessen gegenwärtiger Restrukturierung ein. Der Bericht untersucht ihre Rolle bei der sogenannten Finanzialisierung von Rohstoffhandel und landwirtschaftlicher Produktion, dem zunehmenden globalen Wettbewerb, beispielsweise durch Unternehmen aus Brasilien und China, und den massiven Investitionen in Energiepflanzen, bei denen sie stark beteiligt sind. Diskutiert werden auch die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die bäuerliche Landwirtschaft und die Entwicklungspolitik.

Sophia Murphy et al, Cereal Secrets. The World's largest grain traders and global agriculture. August 2012 (Oxfam Research Reports). Link (pdf-Datei 904 kb)

OECD-FAO Agricultural Outlook 2012

Aus der Ankündigung: "The 18th edition of the Agricultural Outlook and the eighth prepared jointly with the Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) brings together the commodity, policy and country expertise of both organisations, and input from collaborating member countries. The report provides world market trends for biofuels, cereals, oilseeds, sugar, meats, fish and dairy products over the 2012-2021 period and contains an evaluation of recent developments, and key issues and uncertainties in those commodity markets. A jointly-developed modelling system, based on the OECD’s AGLINK and on the FAO’s COSIMO models, facilitates consistency in the projections. This edition includes a special feature on the challenge of increasing agricultural productivity growth in a sustainable manner."

OECD-FAO Agricultural Outlook 2012. 18th edition, July 2012. Online-Version

ONE, Bilanz staatlicher Agrarpolitik in Afrika (2013)

Mai 2013: Die Bilanz staatlicher Landwirtschaftspolitik in Afrika ist bestenfalls durchwachsen. Das stellt ein Bericht der Lobby- und Kampagnenorganisation ONE fest. Gelder von Gebern und Regierungen blieben hinter den Zusagen zurück, wichtige Aspekte einer wirksamen landwirtschaftlichen Entwicklung wie Transparenz der Planungen, Orientierung auf Frauen oder die Partizipation von Bauern und zivilgesellschaftlichen Organisationen blieben unzulänglich. Um bislang Versäumtes nachzuholen und mehr Finanzmittel für Investitionen zu mobilisieren, soll 2014 das „Jahr der Landwirtschaft in Afrika“ werden. Mehr

ReSAKSS, Staatsausgaben für Landwirtschaft: Versprochen, gebrochen (2011)

April 2011: Die Informations-Plattform mit der komplizierten Bezeichnung ReSAKSS (Regional Strategic Analysis and Knowledge Support System), angesiedelt beim Weltbank-nahen Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik,  IFPRI, hat eine Bestandsaufnahme veröffentlicht, inwieweit Regierungen in Afrika ihre Selbstverpflichtung im Rahmen des Plans für die landwirtschaftliche Entwicklung für Afrika (CAADP) erfüllen. Danach haben bis 2009 lediglich sechs Länder (Burkina Faso, Guinea, Mali, Niger, Senegal und Äthiopien) die Zusage eingehalten, zehn Prozent der Staatsausgaben für die Landwirtschaft bereit zu stellen. Die Studie bietet viele Informationen - für Menschen, die Zahlen lieben und wissen, wie sie damit umgehen müssen.

Monitoring African Agricultural Development Processes and Performance, by Samuel Benin u.a.. ReSAKSS Annual Trends and Outlook Report 2010. Link (pdf-Datei 3,7 MB)

Rowden, Politischer Rückenwind für indische Agrarinvestoren (2011)

August 2011: Um langfristig die Nahrungsmittelversorgung zu sichern, fördert die indische Regierung Investitionen indischer Agrarunternehmen im Ausland, besonders in Afrika. Auch nationale Unternehmerverbände fungieren als Wegbereiter. Der Bericht, der erstmals für Indien systematisch darstellt, wie diese staatlich-private Partnerschaft abläuft, versucht auch, ihre negativen Auswirkungen zu erfassen und lässt indische Aktivisten zu Wort kommen.

India's Role in the New Global Farmland Grab. By Rick Rowden. New Delhi August 2011. Link

Right to Food and Nutrition Watch, Wer kontrolliert das Welternährungssystem? (2009)

Der Bericht Right to Food and Nutrition Watch 2009, der zukünftig jährlich erscheinen soll, will kontinuierlich die Politik von Regierungen und zwischenstaatlichen Institutionen beobachten, inwieweit sie zur Verwirklichung des Rechts auf Nahrung beitragen – oder aber dagegen verstoßen. Öffentlicher Druck soll erzeugt, aber auch wichtige Informationen an ein breites Publikum vermittelt werden, unter anderem über erfolgreiche Ansätze. Zudem soll er eine Plattform werden für den Informationsaustausch, wie die Umsetzung des Rechts auf Nahrung vorangetrieben werden kann.

Passend zum Weltgipfel für Ernährungssicherheit in Rom Mitte November ist der Themenschwerpunkt des Berichts 2009 die Frage: „Wer kontrolliert die Entscheidungsstrukturen des Welternährungssystems?“, unter anderem mit einem Beitrag des UN-Berichterstatters für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter. In einem Länder- beziehungsweise Regionalteil wird zudem die Ernährungssituation und -politik in einer Reihe von Ländern untersucht. Eine CD vertieft und erweitert einzelne Beiträge.

Right to Food and Nutrition Watch 2009. Published by Brot für die Welt, ICCO und FIAN International, October 2009. Download (pdf-Datei 640 kb)

Rural21 - Zeitschrift für ländliche Entwicklung

Im DLG-Verlag, der dem Verband der Agrar- und Ernährungsindustrie gehört, erscheint die Zeitschrift Rural21 (früher: entwicklung & ländlicher Raum) die sich mit Fragen der ländlichen Entwicklung befasst. Die Zeitschriftenbeiträge stehen als pdf-Dateien zur Verfügung: Rural21

Schöninger/Grebmer, Wer ist für den Hunger in der Welt verantwortlich? (2012)

 

Filme wie "Taste the Waste" und zahlreiche Bücher haben die öffentliche Aufmerksamkeit auf die vielfältige Verschwendung von Lebensmitteln gelenkt. Damit werden gleichzeitig erhebliche Ressourcen (Land, Wasser, Treibstoffe und Arbeit) vergeudet, die in Herstellung und Transport eingegangen sind. Mit Kampagnen wie "Zu gut für die Tonne" hat auch das Landwirtschafts- und Verbraucherministerium das Thema populistisch aufgegriffen. Eine Schuldzuweisung an die Verbraucher, wie sie der Buchtitel suggeriert, greift allerdings zu kurz, erst recht, wenn sie für den 'Hungertod der halben Welt' verantwortlich gemacht werden. Vielmehr produziert das System der Nahrungsmittelerzeugung in allen seinen Phasen im Namen von Qualitätanforderungen, Umsatz, Wettbewerb und angeblicher Effizienz erhebliche Verluste. Glücklicherweise zeigt "Unfair Trade" denn auch vor allem, wie industrielle Landwirtschaft, Konzerne, Politik und Agrarhandel für die skandalöse Kluft zwischen Überfluss und Hunger verantwortlich sind - und dass andere Maßnahmen als Verbraucheraufklärung über Mindesthaltbarkeitsdatum und eine Änderung der "Wegwerfmentalität" erforderlich sind, um die Ernährungssituation in den Ländern des Südens dauerhaft und umfassend zu verbessern. Siehe dazu auch "Verlorene Ernte - Lebensmittelverluste und Ernährungsunsicherheit" (FDCL, pdf-Datei 1,74mb).

Iris Schöninger, Klaus von Grebmer, „Unfair Trade. Wie wir für unseren Wohlstand die halbe Welt verhungern lassen“. Campus Keynotes (E-Book) 2012

 

 

Schumann, Die Hungermacher von Deutsche Bank, Allianz und Co. (2013)

März 2013: Das Buch verfolgt eine dreifache Intention: Zum einen erklärt es die Spekulation mit Agrarrohstoffen durch Großbanken, Versicherungen und Pensionsfonds. Die Entstehung und Funktionsweise der Finanzinstrumente und ihres Beitrags zur Preisentwicklung werden verständlich. Zum zweiten klagt es die Akteure hinter diesen ansonsten weitgehend anonymen Prozessen an. Abschließend ist es ein Plädoyer für die Regulierung der Spekulation mit Nahrungsmitteln.

Harald Schumann, Die Hungermacher. Wie Deutsche Bank, Allianz und Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren. Ein food-watch-Buch. Frankfurt am Main (Fischer) 2013

Southall/Melber, Neues über die Ausplünderung Afrikas (2009)

Zwar ist das Buch mit Beiträgen namhafter südafrikanischer, US-amerikanischer und europäischer WissenschaftlerInnen vor dem "Land grabbing", dem plötzlichen Interesse von Finanz- und Agrarinvestoren an Land und Landwirtschaft in Afrika,entstanden, doch wäre das nur ein weiteres Beispiel für den zunehmenden Zugriff auf die Ressourcen des Kontinents, der an zahlreichen Beispielen - von Erdöl und Bergbau über Fisch bis zu genetischen Ressourcen - analysiert wird, untermauert durch gründlich recherchierte Daten und Fakten. Vieles davon trägt auch dazu bei, die neue Landnahme besser zu verstehen. Dazu kommen übergreifende Analysen, die diese Eingriffe und ihre Auswirkungen auf Politik, Umwelt und Gesellschaft mit früheren Zugriffen wie Imperialismus, Neoliberalismus und ungleichen Handelsregimen vergleichen, die aber neben den bekannten Akteuren wie multinationale Konzerne, korrupte Regierungen und Institutionen, die die Regeln für globale Märkte und Handlungsspielräume für Afrikas Regierungen festlegen, auch neue Akteure wie Indien und Südafrika vorstellen - zu China allerdings gibt es leider nur einige verstreute Informationen, aber kein eigenes Kapitel.

Roger Southall; Henning Melber (eds.), A New Scramble for Africa?  Imperialism, Investment and Development. 2009 (University of KwaZulu-Natal Press). Bezug

Glenn Davis Stone, Monsantos leere Versprechungen (2012)

Februar 2012: Zwei neuere Veröffentlichungen setzen sich mit den Versprechungen des US-amerikanischen Konzerns Monsanto, führend bei gentechnisch verändertem Saatgut, kritisch auseinander. Die Union of Concerned Scientists analysiert Behauptungen, was Monsantos gv-Saatgut leistet, und Konzern-Aktivitäten wie Lobbying und Einflussnahme auf Forschung. Vieles davon gilt ähnlich auch für andere Agrarkonzerne. Glenn Davis Stone nennt auf der Grundlage eigener Feldstudien in Indien "vier hässliche Fakten", die die angeblichen Erfolge von gv-Baumwolle (Bt-Baumwolle) widerlegen würden.

Norbert Suchanek, Schädliche Bohnen (2010)

Dass der Anbau von Soja in riesigen Monokulturen schwere Umweltschäden verursacht und zur Vernichtung tropischer Wälder beiträgt, dass Soja zu den Pionierpflanzen der Gentechnologie gehört und dass die Massentierhaltung ohne die Bohne kaum möglich wäre - all das erschüttert die Agrarindustrie nicht. Norbert Suchanek setzt deshalb mit seinem kleinen Überblick über die vielfältigen Probleme zusätzlich noch an einer anderen Stelle an: Er wertet Studien aus die nachweisen, dass Soja gesundheitsschädlich sein kann, und versucht damit, das gesunde Soja-Image zu unterminieren.

Norbert Suchanek, Der Soja-Wahn. Wie eine Bohne ins Zwielicht gerät. Oekom Verlag 2010

Christoph Then, Biotechnologie am Ende? Aber nicht tot! (2008)

Das Schaf Dolly, das erste geklonte Säugetier, lebte nur sechs Jahre. Christoph Then, Gründer der Initiative "Kein Patent auf Leben", geht seiner Geschichte nach, ebenso wie weiteren Beispielen der Biotechnologie, ihres Werdegangs und den unabsehbaren Folgen für Mensch und Umwelt. Als Ausdruck eines falschen wissenschaftlichen Modells, angesichts zahlreicher fehlgeschlagener Versuche und uneingelöster Versprechungen ist die Biotechnologie seiner Meinung nach eigentlich am Ende. Wirtschaftliche Interessen halten sie jedoch nach wie vor am Leben - und die möglichen Alternativen klein.

Christoph Then, Dolly ist tot. Biotechnologie am Wendepunkt. Zürich (Rotpunktverlag) 2008 

Bill Vorley, Verantwortliche Investitionen (2012)

Januar 2013: Es gehört zu den Binsenweisheiten der Agrardebatte, dass Investitionen in die Landwirtschaft notwendig sind. Die Frage ist, wie hoch die erforderlichen Mittel vermutlich sind und woher sie kommen sollen. Prognosen über einen exorbitanten Finanzbedarf, wie sie beispielsweise die UN-Ernährungsorganisation FAO vorlegte, sind Wasser auf die Mühlen der Befürworter von Investitionen durch Agrarkonzerne, für die dementsprechend förderliche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Der Forschungsbericht diskutiert, welche Möglichkeiten es gibt, solche Investitionen in Richtung auf agroindustrielle Bereiche und Modelle, die Kleinbauern und Frauen unterstützen, gelenkt werden können. Grundlage sind unter anderem Fallstudien in Guatemala, Nigeria, Tansania und den Philippinen.

Bill Vorley, u.a., Tipping the Balance: Policies to shape agricultural investments and markets in favour of small-scale farmers. IIED und Oxfam International. December 2012. Link (pdf-Datei 1mb)

Hanns Wienold, Der weltweite Tod der Bauernschaft, revisited (2008)

Der britische Historiker Eric Hobsbawm hat als das entscheidende »Modernisierungs«-Ereignis des 20. Jahrhunderts den weltweiten Tod der Bauernschaft ausgemacht. Ähnlich prognostizierte bereits in den 1970er Jahren Ernest Feder, dass die Bauern quasi naturgesetzlich als eine eigene »Spezies« durch die Globalisierung nahezu »ausgerottet« werden würden. Der Titel des Buches von Hanns Wienold nimmt einerseits diese These der „Ausrottung“ auf, stellt ihr aber auch das Phänomen an die Seite, dass die kleinbäuerliche Landwirtschaft keineswegs verschwindet. Mehr

Z -Zeitschrift für marxistische Erneuerung, Hunger und Nahrungsmittelkrise (2008)

Dezember 2008: Das Schwerpunktthema der Zeitschrift Marxistische Erneuerung analysiert die aktuelle Nahrungsmittelkrise sowohl in ihren langfristigen, strukturellen Ursachen, als Ergebnis der Finanzkrise und in ihren konkreten Erscheinungsformen wie den Auswirkungen der Gensojaproduktion in Brasilien oder der europäischen Handelspolitik auf die Produktion von Nahrungsmitteln in Ghana.

Z. - Zeitschrift Marxistische Erneuerung. Nr. 76, Dezember 2008. Link

Zieglers Weltbild des Hungers (2012)

Oktober 2012: Mit gewohnt drastischer Wortwahl attackiert Jean Ziegler die "Massenvernichtung" durch Hunger. Das erste Drittel des Buches machen Berichte und Eindrücke von seinen Reisen als erster UN-Sonderbotschafter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung durch viele ländliche Gebiete und Hungerregionen aus, und auch in den weiteren Kapiteln fließen immer wieder seine Erfahrungen und Begegnungen mit bekannten Namen ein. Das Weltbild, das er zusätzlich zu seinen persönlichen Erinnerungen mit weiteren Beispielen und Informationen untermauert, ist relativ einfach: Mit der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, und dem Welternährungsprogramm WFP wurden Instrumente geschaffen, um den Hunger wirksam zu bekämpfen. Doch scheitern die Bemühungen an den 'Feinden des Rechts auf Nahrung', allen voran marktbeherrschenden Konzernen, an Spekulation und Landraub durch Biotreibstoff-Trusts und Investmentfonds, an Welthandelsorganisation WTO, Internationalem Währungsfonds IWF und der Weltbank, die mit Strukturanpassungsprogrammen und Handelsliberalisierung dem Hunger den Weg bahnen - und am fehlenden politischen Willen. Am Schluss bleibt ihm die Hoffnung auf 'den Bruch, den Widerstand', auf 'konkrete Aktionen, Aufstände, Landbesetzungen', und auf die Parlamente und internationalen Institutionen, in denen "wir radikale Veränderungen durchsetzen" können.

Jean Ziegler. Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt. München (C.Bertelsmann) 2011

Weitere Texte zum Thema Landwirtschaft - siehe auch Veröffentlichungen

Zurück zum Seitenanfang