Weltbank - Wiederentdeckung der Agrarpolitik

Mit dem Weltentwicklungsbericht 2008 ("Landwirtschaft für Entwicklung"), ihrem publizistischen Flaggschiff, hat die Weltbank signalisiert, dass sie der Landwirtschaft nach zwei Jahrzehnten der Vernachlässigung wieder größere Bedeutung zu misst. Doch diese Wiederentdeckung der Agrarfrage und der ländlichen Entwicklung begann schon drei, vier Jahre früher. An Stelle eines "Agro-Pessimismus", der in den 1980er Jahren die Rolle der Landwirtschaft für ein armutsorientiertes Wachstum in Frage stellte, wird inzwischen wieder die Dringlichkeit unterstrichen, die Landwirtschaft in der Entwicklungs-Agenda aufzuwerten. Denn die Landwirtschaft ist eine wichtige Schnittstelle zu anderen Bereichen wie Wassermanagement, Infrastruktur, Armutsminderung und Umweltschutz. 

Agro-Optimismus hat Konjunktur. Download (pdf-Datei 126 kb)

Äthiopien: Wasser für Entwicklung

In Äthiopien fördert die Weltbank eine neue Wasserpolitik, die den Wasserreichtum des ostafrikanischen Landes für eine armutsmindernde Entwicklung nutzen soll. Dazu gehört auch ein Ausbau der Bewässerungslandwirtschaft, die Nahrungsmittel, vor allem aber Rohstoffe und Exportprodukte liefern soll. Neben den Geldern der Weltbank werden private Unternehmen als Investoren geworben Inzwischen steigt der Blumenexport. Gleichzeitig haben Millionen Familien nicht genug zu essen. 

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Wasser als Wirtschaftsgut

Die Weltbank gehört zu den wichtigsten Institutionen, die die rechtlichen Verhältnisse im Wassersektor den Anforderungen der Globalisierung, Kommerzialisierung und Privatisierung anpassen wollen. Sie nutzt ihre Position als einflusssreiche "Wasserberaterin" aus, um die Voraussetzungen für die Entstehung von Wassermärkten zu schaffen - damit Wasser als "Wirtschaftsgut" gewinnbringend gehandelt werden kann.

Text: Der Markt als Wassermanager. Download (pdf-Datei 192 kb)

Wasser für Nahrung - Wasser für Profit

Konzentrierte sich die Weltbank in den 1990er Jahren noch auf den städtischen Wassersektor, so fördert sie jetzt Investitionen in alle Wassersektoren, insbesondere auch in die Bewässerungslandwirtschaft. Ein großer Teil davon fließt in die physische Infrastruktur, in Mehrzweckstaudämme und große Bewässerungssysteme. Gleichzeitig unterstützt sie Reformen wie die Bildung von Wassernutzerorganisationen, die Einführung höherer Wasserpreise und die Neurordnung von Wasserrechten. Die angestrebte Kommerzialisierung und Modernisierung der Bewässerungslandwirtschaft könnte jedoch an den meisten kleinbäuerlichen Betrieben vorbeigehen und die Konzentration auf exportorientierte Großbetriebe beschleunigen. 

Broschüre, 78 Seiten: Wasser für Nahrung - Wasser für Profit. Die Wasserpolitik der Weltbank in der Landwirtschaft, herausgegeben von Brot für die Welt: Download (pdf-Datei 1,18 MB)

Die Neuordnung von Wasserrechten

Wasserrechte sind anerkannte Befugnisse, Wasserquellen wie einen Fluss oder einen See zu nutzen. Je knapper Wasser in einer Region ist, desto wichtiger werden sie, um Zugang und Verteilung zu regeln. Ihre Gestaltung entscheidet darüber, wer Wasser wofür nutzen kann, und reflektiert damit gesellschaftliche Machtverhältnisse und wirtschaftliche Prioritäten. So bedeutet Großgrundbesitz oft auch die Kontrolle über Wasserressourcen, während viele Kleinbauern keine gesicherten Nutzungsrechte haben.

Briefing Papier: Neuordnung von Wasserrechten: Download (pdf-Datei 42 kb)

Weltbank: Der Markt als Wassermanager

Weltbank-Mitarbeiter John Briscoe versprach sich von der "Genialität des Wassermarktes" eine Lösung der vielfältigen Probleme des Wassermanagements. Ansätze für die Einführung von handelbaren Wasserrechten gibt es unter anderem in Chile, Kalifornien, Australien und Mexiko. Trotz erheblicher Schwierigkeiten und Gefahren für die bäuerliche Landwirtschaft versucht die Weltbank, die Voraussetzungen dafür zu schaffen - etwa durch Reformen von Wassernutzungsrechten.

Text: Der Markt als Wassermanager, aus: Peripherie 101-102/2006: Download (pdf-Datei 194 kb)

Salim-Bericht: Umsteuern in der Energiepolitik

März 2004: Erschließung und Nutzung von Bodenschätzen sind ein wichtiger Schwerpunkt der Politik der Weltbank. Die erheblichen Umwelt- und so­zialen Schäden, die mit dem Abbau und dem Einsatz von Kohle, Erzen und Mineralien, Erdöl oder Erdgas einhergehen, sind immer wieder hef­tig kritisiert worden. Um zukünftig den Beitrag dieser extraktiven Indus­trien (EI) zu einer nachhaltigen Entwicklung sicherzustellen, empfiehlt der jüngst vorgelegte Salim-Bericht nun der Weltbank einen drastischen Politikwechsel – doch der ist, nach den ersten Stellungnahmen zu urtei­len, unwahrscheinlich.

Text: "Die Weltbank im extraktiven Sektor" als Download (pdf-Datei 146 kb)

Weitere Texte:

  

Neue Agrarpolitik der Weltbank

Grosse Dämme, kleine Dämme

Zwischen Partizipation und Kooptation