Was zum Teufel ist 'Klima-smarte Landwirtschaft'?
Dezember 2011: Als Antwort auf Ernährungskrise, Hunger und Klimawandel propagieren Institutionen wie die Weltbank und die FAO eine „Klima-smarte Landwirtschaft“. Sie soll Ernährungssicherheit bringen, die Landwirtschaft auf die Auswirkungen der Klimaveränderungen vorbereiten und gleichzeitig dazu beitragen, den Klimawandel zu bremsen. Ein „dreifacher Gewinn“ also, wie die Weltbank verspricht – doch die Gewinner könnten am Ende weder das Klima noch die Bauern, sondern die Agrarindustrie sein. Mehr
Aus Liebe zum Markt
Die Weltbank, die Nahrungsmittelkrise und die Landwirtschaft
Ein Gastbeitrag von Ama Marston (Bretton Woods Project)
18. Februar 2011: Während Nahrungsmittelpreise auf Rekordhöhe zum Aufstand in Nordafrika und in anderen Regionen beigetragen haben, hat das unerschütterliche Vertrauen der Weltbank in die Märkte eine Diskussion ausgelöst, wie die vielfältigen Ursachen, die der globalen Krise der Nahrungspreise zugrunde liegen, am Besten angegangen werden sollten. Gleichzeitig fördert Weltbankpräsident Robert Zoellick weiterhin die Bemühungen, Landwirtschaft in den CO2-Markt einzubringen. Mehr
Ein neues Weltbank-Papier schlägt in die gleiche Kerbe: Handelsbeschränkungen, so die Kernaussage, würden auf den internationalen Nahrungsmittelmärkten nur noch größere Instabilität verursachen. Siehe "Trade Barrier Volatility and Domestic Price Stabilization. Evidence from Agriculture" (Policy Research Working Paper 5511).
"Land grab": Zu Risiken fragen Sie die Weltbank
Ein Kommentar von Uwe Hoering zum Weltbank-Bericht Rising Global Interest in Farmland, September 2010
Jetzt haben wir es sozusagen aus berufenem Munde: Das Ausmaß von „Land grabbing“ ist anscheinend weitaus größer als bislang vermutet. Allein im Jahr 2009 fanden Verhandlungen und Vereinbarungen mit privaten Investoren über 45 Millionen Hektar Land statt, über 70 Prozent davon in Afrika. Das jedenfalls steht im mit Spannung erwarteten Bericht der Weltbank über das "steigende globale Interesse an Agrarland". In der heftigen Diskussion um Ausmaß und Auswirkungen dieser Landübernahmen und geeignete Antworten darauf kommt der Position der Weltbank als der wichtigsten Entwicklungsinstitution einiges Gewicht zu. Mehr
Weltbank - Wiederentdeckung der Agrarpolitik
Mit dem Weltentwicklungsbericht 2008 ("Landwirtschaft für Entwicklung"), ihrem publizistischen Flaggschiff, hat die Weltbank signalisiert, dass sie der Landwirtschaft nach zwei Jahrzehnten der Vernachlässigung wieder größere Bedeutung zu misst. Doch diese Wiederentdeckung der Agrarfrage und der ländlichen Entwicklung begann schon drei, vier Jahre früher. An Stelle eines "Agro-Pessimismus", der in den 1980er Jahren die Rolle der Landwirtschaft für ein armutsorientiertes Wachstum in Frage stellte, wird inzwischen wieder die Dringlichkeit unterstrichen, die Landwirtschaft in der Entwicklungs-Agenda aufzuwerten. Denn die Landwirtschaft ist eine wichtige Schnittstelle zu anderen Bereichen wie Wassermanagement, Infrastruktur, Armutsminderung und Umweltschutz.
Agro-Optimismus hat Konjunktur. Download (pdf-Datei 126 kb)
Äthiopien: Wasser für Entwicklung
In Äthiopien fördert die Weltbank eine neue Wasserpolitik, die den Wasserreichtum des ostafrikanischen Landes für eine armutsmindernde Entwicklung nutzen soll. Dazu gehört auch ein Ausbau der Bewässerungslandwirtschaft, die Nahrungsmittel, vor allem aber Rohstoffe und Exportprodukte liefern soll. Neben den Geldern der Weltbank werden private Unternehmen als Investoren geworben Inzwischen steigt der Blumenexport. Gleichzeitig haben Millionen Familien nicht genug zu essen.
Mehr: Download (pdf-Datei 182 kb)
Weitere Texte:
Weltentwicklungsbericht 2008 (2007)
Oktober 2007: Die Zeichen für die Rückkehr der Agrarfrage auf die politische Agenda haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft: Zahllose Strategie- und Politikpapiere internationaler Entwicklungs- und Finanzorganisationen machen Vorschläge für eine Modernisierung der Landwirtschaft. Flaggschiff dieser Wiederentdeckung der Agrarfrage ist der Weltentwicklungsbericht 2008 der Weltbank.
Mehr siehe Thema: Neue Grüne Revolution Texte
Wasser als Wirtschaftsgut (2006)
Die Weltbank gehört zu den wichtigsten Institutionen, die die rechtlichen Verhältnisse im Wassersektor den Anforderungen der Globalisierung, Kommerzialisierung und Privatisierung anpassen wollen. Sie nutzt ihre Position als einflusssreiche "Wasserberaterin" aus, um die Voraussetzungen für die Entstehung von Wassermärkten zu schaffen - damit Wasser als "Wirtschaftsgut" gewinnbringend gehandelt werden kann.
Text: Der Markt als Wassermanager. Download (pdf-Datei 192 kb)
Wasser für Nahrung - Wasser für Profit (2006)
Konzentrierte sich die Weltbank in den 1990er Jahren noch auf den städtischen Wassersektor, so fördert sie jetzt Investitionen in alle Wassersektoren, insbesondere auch in die Bewässerungslandwirtschaft. Ein großer Teil davon fließt in die physische Infrastruktur, in Mehrzweckstaudämme und große Bewässerungssysteme. Gleichzeitig unterstützt sie Reformen wie die Bildung von Wassernutzerorganisationen, die Einführung höherer Wasserpreise und die Neurordnung von Wasserrechten. Die angestrebte Kommerzialisierung und Modernisierung der Bewässerungslandwirtschaft könnte jedoch an den meisten kleinbäuerlichen Betrieben vorbeigehen und die Konzentration auf exportorientierte Großbetriebe beschleunigen.
Broschüre, 78 Seiten: Wasser für Nahrung - Wasser für Profit. Die Wasserpolitik der Weltbank in der Landwirtschaft, herausgegeben von Brot für die Welt: Download (pdf-Datei 1,18 MB)
Die Neuordnung von Wasserrechten (2006)
Wasserrechte sind anerkannte Befugnisse, Wasserquellen wie einen Fluss oder einen See zu nutzen. Je knapper Wasser in einer Region ist, desto wichtiger werden sie, um Zugang und Verteilung zu regeln. Ihre Gestaltung entscheidet darüber, wer Wasser wofür nutzen kann, und reflektiert damit gesellschaftliche Machtverhältnisse und wirtschaftliche Prioritäten. So bedeutet Großgrundbesitz oft auch die Kontrolle über Wasserressourcen, während viele Kleinbauern keine gesicherten Nutzungsrechte haben.
Briefing Papier: Neuordnung von Wasserrechten: Download (pdf-Datei 42 kb)
Weltbank: Der Markt als Wassermanager (2006)
Weltbank-Mitarbeiter John Briscoe versprach sich von der "Genialität des Wassermarktes" eine Lösung der vielfältigen Probleme des Wassermanagements. Ansätze für die Einführung von handelbaren Wasserrechten gibt es unter anderem in Chile, Kalifornien, Australien und Mexiko. Trotz erheblicher Schwierigkeiten und Gefahren für die bäuerliche Landwirtschaft versucht die Weltbank, die Voraussetzungen dafür zu schaffen - etwa durch Reformen von Wassernutzungsrechten.
Text: Der Markt als Wassermanager, aus: Peripherie 101-102/2006: Download (pdf-Datei 194 kb)
Neue Agrarpolitik der Weltbank (2006)
Januar 2006: Mit ihrer neuen Agrarpolitik will die Weltbank sowohl den Beitrag der Landwirtschaft zur ökonomischen Entwicklung stärken, als auch das Wassermanagement verbessern – hehre Vorsätze, doch die Analyse der Umsetzungsstrategie lässt befürchten, dass dadurch die Privatisierung von Wasser ausgeweitet und die Existenzbedingungen der kleinbäuerlichen Landwirtschaft weiter verschlechtert werden.
Text: "Ökonomisierung des Wassers" als Download (96 kb)
Grosse Dämme, kleine Dämme (2005)
Niederschläge gibt es im äthiopischen Hochland reichlich - die Frage ist: wie können sie genutzt werden? Großprojekte wie der Staudamm am Fluss Tekeze, finanziert mit Geld aus der Volksrepublik China, aus der auch das Bauunternehmen kommt, liefern Strom für die Städte und Wasser für die kommerzielle Landwirtschaft. Für die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung ist der Nutzen allerdings gering. Für sie lautet die Devise: small is beautiful.
Text: "Regenernte" in Äthiopien. Download (pdf-Datei 103 kb)
Salim-Bericht: Umsteuern in der Energiepolitik (2004)
März 2004: Erschließung und Nutzung von Bodenschätzen sind ein wichtiger Schwerpunkt der Politik der Weltbank. Die erheblichen Umwelt- und sozialen Schäden, die mit dem Abbau und dem Einsatz von Kohle, Erzen und Mineralien, Erdöl oder Erdgas einhergehen, sind immer wieder heftig kritisiert worden. Um zukünftig den Beitrag dieser extraktiven Industrien (EI) zu einer nachhaltigen Entwicklung sicherzustellen, empfiehlt der jüngst vorgelegte Salim-Bericht nun der Weltbank einen drastischen Politikwechsel – doch der ist, nach den ersten Stellungnahmen zu urteilen, unwahrscheinlich.
Text: "Die Weltbank im extraktiven Sektor" als Download (pdf-Datei 146 kb)
Zwischen Partizipation und Kooptation (2004)
Seit dem Beginn der 1980er Jahre strickt die Weltbank mit unterschiedlichem, wenn auch generell wachsendem Erfolg an ihren Beziehungen zu nichtstaatlichen beziehungsweise zivilgesellschaftlichen Organisationen (NGOs bzw. CSOs). Damals zeichnete sich ab, dass mit NGOs und CSOs neue Akteure auf der entwicklungspolitischen Bühne entstanden, die nicht mehr zu ignorieren waren. Also begann sie „zu lernen, wie die Beteiligung der Zivilgesellschaft gefördert werden kann“.
Der Text "Zwischen Partizipation und Kooptation" (2004) als Download (pdf-Datei 101 kb)
Was nun, Weltbank? Öffentliche oder private Wasserversorgung? (2003)
August 2003: Die Ankündigung globaler Wasserkonzerne wie Ondeo/Suez, Veolia/Vivendi und Thames Water/RWE, ihr Engagement in Ländern des Südens zurückzufahren, zwingt die Weltbank, ihre Privatisierungsstrategie für den Wassersektor zu überdenken. Diese Herausforderung besteht gleichermaßen für andere multilaterale Entwicklungsbanken wie etwa die Asiatische Entwicklungsbank ADB, für die EU-Wasserinitiative wie für die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit. Eröffnen sich damit möglicherweise Spielräume für nichtstaatliche und zivilgesellschaftliche Organisationen, um die Politik im Wassersektor zu beeinflussen? Download (pdf-Datei 168 kb)