Konferenz über "innovative Ansätze" in der Landfrage

24. Januar 2012: Jedes Jahr bringt die Weltbank für ihre Konferenz 'Land and Poverty' Vertreter von Regierungen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, der Privatwirtschaft und der Entwicklungsarbeit zusammen, um aktuelle Themen rund um die Landfrage zu diskutieren. Unter dem Titel 'Land governance in a rapidly changing environment' geht es dieses Mal (23.-26.4.2012) um "innovative Ansätze" angesichts von Strukturwandel, wirtschaftlicher Transformation, Klimaveränderungen und steigender Nachfrage nach Ressourcen "in a pro-poor and gender-sensitive perspective". Viele der oft aufschlussreichen Beiträge werden anschließend auf der Website eingestellt. Siehe auch die Konferenz 2011 mit dem Thema 'Countries Strengthen Land Governance'.

Transformation durch Infrastrukturprojekte

14. Dezember 2011: Die Weltbank und die Regierungen der G20 wollen den Bau von Großstaudämmen, Stromnetzen und Verkehrsverbindungen voran treiben. Besonders in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sollen so die "Volkswirtschaften radikal transformiert" werden, wie die Weltbank verkündet. Um dafür im Rahmen 'Öffentlich-privater Partnerschaften' (PPP) private Investoren zu gewinnen, sollen Regulierungen aufgeweicht und hinderliche Vorschriften im Arbeits- und Landrecht "reformiert" werden. Dagegen enthalten die entsprechenden Aktionspläne, die in den vergangenen Wochen von der G20, der Weltbankgruppe sowie dem Infrastruktur-Verbund der multilateralen Entwicklungsbanken vorgelegt wurden, hinsichtlich "Armutsminderung, Umweltschutz und Klimawandel nur Lippenbekenntnisse", wie Peter Bosshard von International Rivers feststellt. Ausserdem würden die Anforderungen ärmerer Bevölkerungsgruppen an Energie- und Wasserversorgung in den Plänen nicht berücksichtigt.

P4R-Initiative der Weltbank "extrem gefährlich"

22. Oktober 2011: Vorschläge der Weltbank, die Regeln für ihre Kredite zu verändern, stoßen auf heftige Kritik zivilgesellschaftlicher Organisationen. Die Pläne für das New Instrument to Advance Development Effectiveness: Programme-for-Results Lending (P4R), die gegenwärtig diskutiert werden, würden die Mittelvergabe an Fortschrittserfolge von Projekten binden. NGOs wie das Bank Information Centre befürchten, dass dadurch die strengen und aufwändigen Sozial- und Umweltstandards wie der Schutz vor Zwangsumsiedlungen, Umweltaktionspläne oder die Sicherheit von Staudämmen, die Empfängerregierungen normalerweise einhalten müssen, ausgehebelt werden sollen. "Diese extrem gefährliche Initiative könnte die Rechte und den Schutz für Gemeinschaften rund um die Welt aushöhlen", meint Karen Orenstein von Friends of the Earth US.

Quelle: The Guardian

Ernährungssicherheit a la Weltbank

1. Juli 2011: Mit einem ganzen Maßnahmenbündel will die Weltbankgruppe den Auswirkungen steigender und schwankender Nahrungsmittelpreise begegnen: Zum einen seien die Gelder für Landwirtschaft im Finanzjahr 2011 von 4,1 Milliarden US-Dollar 2008 auf bis zu 8 Milliarden annähernd verdoppelt worden. Bis zu 4 Milliarden stellt sie zur Absicherung gegen Preisausschläge bereit, das Global Food Crisis Response Program (GFRP) würde zudem rund 40 Millionen Menschen unterstützen.  Das Global Agriculture and Food Security Program (GAFSP), im April 2010 von den G20-Staaten gestartet und von der Bank durchgeführt, soll mit bislang 520 Millionen Investitionen in die bäuerliche Landwirtschaft fördern. Auch die International Finance Corporation (IFC) will privaten Agrarunternehmen stärker bei der Verbesserung der Effizienz helfen. Für Afrika südlich der Sahara, nach Aussage der Bank ihre "Top-Priorität", gingen die Gelder allerdings gegenüber den Vorjahren deutlich zurück.

Siehe dazu die Presseerklärung der Weltbank (2012/001/EXT) vom 21. Juli 2011. Link

Palmöl-Strategie der Weltbank - besser, aber nicht gut

22. April 2011: Ende März hat die Weltbankgruppe ihre neue Strategie für ihre Politik im Palmölsektor veröffentlicht. Darin werden die Bedingungen und Standards festgelegt, unter denen die Bank in dem umstrittenen Wirtschaftsbereich investiert. Damit wir auch das Moratorium für Investitionen beendet, das Weltbankpräsident Robert Zoellick im September 2009 auf Druck durch Gruppen der Zivilgesellschaft und indigener Völker verhängt hatte. Obwohl die neue Politik eine Reihe von Kritikpunkten berücksichtigt, blieben mehrere Probleme ungelöst, klagen NGO-Vertreter. Dazu gehören die Rechte indigener Völker und die konsequente Anwendung von Nachhaltigkeitsstandards über die gesamte Versorgungskette hinweg. Eine Einschätzung und der Link zum Strategiepapier bei BrettonwoodsProject

Landkonferenz der Weltbank

Vom 18.-20. April 2011 fand die Annual World Bank Conference on Land and Poverty statt. Vertreter von Regierungen, Entwicklungsorganisationen, Forschung und einigen Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen diskutierten unter anderem über die kommerzielle Landnahme durch Investoren, über die Landpolitik in Äthiopien, Indien, Brasilien, China, Ghana und Ruanda und über Erfahrungen mit Richtlinien und Verhaltensregen - alles Themen, die in der Diskussion um 'Land grab' eine wichtige Rolle spielen. Viele Präsentationen können als pdf-Datei von der Konferenz-Website herunter geladen werden.

Weltbank verstößt gegen die eigenen Richtlinien

6. April 2011: Das Inspection Panel der Weltbank, das Beschwerden über die Weltbankpolitik nachgeht, stellt in einem Untersuchungsbericht fest, dass die Bank in Kambodscha gegen ihre eigenen Richtlinien verstoßen hat. Das trug dazu bei, dass durch das von ihr unterstützte Cambodia Land Management and Administration Project (LMAP) rund 20.000 Menschen in der Hauptstadt Phnom Penh vertrieben und daran gehindert wurden, ihre Rechtsansprüche auf angemessene Entschädigung geltend zu machen. Siehe dazu den Beitrag bei BrettonwoodsProject, den Link zum Bericht und eine Zusammenfassung bei Bank Information Centre

Nicht lernwillig! Die Wasserpolitik der Weltbank

5. Oktober 2010: Trotz heftiger Kritik selbst aus dem eigenen Hause durch die Evaluierungsabteilung und schlechter Ergebnisse ändert die Weltbank ihre Wasserpolitik anscheinend nicht: Mehr Geld für Großstaudämme und Unterstützung für private Unternehmen sowohl in den Städten als auch in der Landwirtschaft, obwohl sie selbst eingesteht, dass die Privatisierungsstrategie weitgehend fehlgeschlagen ist. Siehe die Kritik von BrettonWoodsProject am Weltbank-Bericht "Sustaining water for all in a changing climate" (pdf-Datei 3,67 MB).

Diskussion über Weltbank-Bericht zu Landnahme

13. September 2010: Die Weltbank lädt die Zivilgesellschaft ein, fünf Tage lang ihren am 8. September vorgelegten Bericht über das gestiegene Interesse von Investoren und Spekulanten an Land und Landwirtschaft ("Rising Global Interest in Farmland: Can it yield sustainable and equitable benefits?") zu diskutieren. Eine der Leitfragen soll sein, wie die Rechte der Armen gesichert und die Investitionen zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung beitragen können, zum Beispiel durch freiwillige Richtlinien. Zum Diskussionsforum, zum Bericht (pdf-Datei 2,47 MB), zur Kurzfassung (pdf-Datei 600 kb) und zu einem Diskussionsbeitrag von Uwe Hoering.

Weitere Nachrichten:

Mai 2010: Schutz gegen "Land grabbing"

14. Mai 2010: Mehrere UN-Organisationen, darunter die Weltbank und die Landwirtschaftsorganisation FAO, haben Vorschläge für sieben Prinzipien vorgelegt, die sicher stellen sollen, dass ausländische Agrarinvestitionen keine bestehenden Nutzungsrechte an natürlichen Ressourcen verletzen, die Ernährungssicherheit gewährleisten und der einheimischen Bevölkerung zugute kommen. In einem Diskussionsprozess sollen jetzt Leitlinien, Anforderungen an Regierungen und Verhaltensregeln für private Investoren entwickelt werden.

Siehe dazu den globe-spotting-Kommentar: "Aus Landräubern werden keine Entwicklungshelfer"

April 2010: Weltbank-Konferenz zum 'Griff nach dem Land'

26. April 2010: Bei der Konferenz "Land Policy and Administration" in Washington diskutieren Vertreter von Regierungen, Gebern, Forschung, Unternehmen und NGOs über Landnutzungspolitik. Ein Hauptthema werden die steigenden ausländischen Agrarinvestitionen sein, für die die Weltbank "Prinzipien" vorlegen will. In einer Erklärung fordert eine breite Koalition zivilgesellschaftlicher Organisationen an Stelle solcher freiwilligen Richtlinien einen sofortigen Stop dieses "land grabbing".

Informationen über die Weltbank-Konferenz

April 2010: Agrarfonds GAFSP: Weniger als fünf Prozent

22. April 2010: Beim G8-Gipfel im italienischen L'Aquila im July 2009 versprachen die Regierungschefs 20 Milliarden US-Dollar für Ernährungssicherheit, beim G20-Gipfel in Pittsburg im September setzten sie die Weltbank als Treuhänder dafür ein. Jetzt wurde das Global Agriculture and Food Security Program gestartet, ausgestattet mit 900 Millionen US-Dollar über drei Jahre. Damit sollen Investitionen in die Landwirtschaft gefördert werden, unter anderem durch die privatwirtschaftliche Weltbank-Tochter International Finance Corporation, und Bauern der Zugang zum Weltmarkt geebnet werden.

Siehe dazu die Stellungnahme US-amerikanischer NGOs

Dezember 2009: Wenn China und Weltbank zusamm' marschier'n...

4. Dezember 2009: In einem Interview mit der Financial Times berichtet Weltbank-Präsident Robert Zoellick von Plänen, dass China und die Weltbank gemeinsam die Ansiedlung von arbeitsintensiven Produktionsbetrieben, etwa für Spielzeug und Schuhe, in Afrika vorantreiben wollen. China, das sich erstmalig an der Finanzierung von Weltbank-Programmen für die ärmsten Länder beteiligt und vor einem Monat 10 Milliarden US-Dollar für zinsgünstige Kredite für Afrika versprach, könnte damit dem Vorwurf begegnen, es sei nur an Afrikas Ressourcen, nicht aber an Entwicklung interessiert.

Quelle: Financial Times, December 2, 2009 (www.ft.com/china

November 2009: Präsident von Malawi kritisiert Weltbank und IWF

27. November 2009: Malawi gilt als ein Erfolgsbeispiel in Afrika. Jetzt hat Präsident Bingu wa Mutharika die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds kritisiert, mit ihren Wirtschaftsreformen dafür verantwortlich zu sein, dass das Land trotz Millionen-Einnahmen durch Tabakexporte keine Devisen mehr hat. "Wir können nichts mehr importieren", klagt er. Die wirtschaftliche Liberalisierung, die Malawi auf Druck der beiden Bretton-Woods-Institutionen durchgeführt hat, führe dazu, dass "die Devisen nach Dubai, Bombay und London fließen".

Quelle: AFP

September 2009: Agrarfonds für die Weltbank

25. September 2009: Weitgehend unbeachtet von den Medien, beauftragten die Staats- und Regierungschefs des G20-Gipfels in Pittsburgh auf Vorschlag der US-Regierung die Weltbank, einen Treuhandfonds für Investitionen in die Landwirtschaft der Entwicklungsländer einzurichten. Bis zu 20 Milliarden US-Dollar, die auf dem G8-Gipfel im Juli in L'Aquila versprochen worden waren, sollen dazu beitragen, die Ernährungssicherheit zu verbessern. Nichtregierungsorganisationen kritisieren, dass dadurch die UN-Ernährungsorganisation FAO, die im November in Rom einen 'Welternährungsgipfel' organisiert, geschwächt wird und fürchten, dass die Weltbank vorrangig auf Technologie und Markt setzen wird.

Siehe den Entwurf des Global Agriculture and Food Security Program (Download doc-Datei)

Juni 2009: 400.000.000 Hektar

22. Juni 2009: Neue Studie von Weltbank und FAO: Afrikas Savanne von Senegal im Westen bis Südafrika könnte für die kommerzielle Landwirtschaft genutzt werden, so die Studie Awakening Africa's Sleeping Giant – Prospects for Commercial Agriculture in the Guinea Savannah Zone and Beyond. Durch die Erschließung von bis zu 400 Mio. Hektar Land könnten „mehrere Länder zu Global Players werden“, erklärt die Weltbank. Kleinbäuerliche Landwirtschaft sollte dabei Vorrang haben vor großflächiger industrialisierter Produktion, höherwertige Agrarprodukte Vorrang vor Grundnahrungsmitteln. Voraussetzungen wie Absatzmärkte, ein günstiges Geschäftsklima, steigende Investitionen in die Landwirtschaft und neue Technologien seien gegeben – jetzt müssten die Regierungen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen schaffen und die Infrastruktur, die Verwaltung und die politische Stabilität verbessern. Und sie sollen dafür sorgen, dass sich die „unvermeidlichen“ Umweltzerstörungen in Grenzen halten.

Besprechung der Studie (pdf-Datei 113 kb)