Krisengewinnlerin Weltbank
Nach außen hin strotzt die Weltbank vor Kraft, Selbstbewusstsein und guten Absichten. Ihre PR-Abteilung erweckt den Eindruck, ihr ganzes Streben sei nur darauf ausgerichtet, den Menschen zu helfen, Zugang zu Arbeit, Nahrung, sauberem Trinkwasser und menschenwürdigem Wohnraum zu bekommen. Außerdem sei sie unentbehrlich für Wirtschaftswachstum, Investitionsklima und Außenhandel, für Forschung und Beratung, für den Aufbau von Institutionen und Behörden, für Korruptionsbekämpfung, Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung. Alles, was sie tut, so ihre Rechtfertigung, diene nur dieser ihrer „Mission“. Das Kreditgeschäft scheint dabei nur Mittel zum Zweck.
Im Gegensatz zu diesem Idealbild wurden ihre Wirksamkeit, Legitimation und Notwendigkeit immer wieder in Frage gestellt - von Politik und Wissenschaft, von Entwicklungs- und von Menschenrechtsorganisationen, von betroffenen Bevölkerungsgruppen, Parlamenten und Basisorganisationen. Als Antwort auf Kritik und zahlreiche Nachweise, dass sie ihre selbst auferlegte „Mission“ nicht erfüllt, hat sie immer wieder Besserung gelobt und Reformen durchgeführt – mehr Effizienz, Transparenz und Rechenschaftspflicht, so die Versprechungen.
Insbesondere seit Anfang der 1990er Jahre hat sie sich scheinbar neu erfunden: Als „grüne“ Bank, als lernwilliger Dialogpartner, als "Knowledge Bank". Sie setzt sich für Good Governance ein, stellt ehrgeizige Aktionspläne für die Entwicklung in Afrika oder für ein Empowerment von Frauen auf. Unablässig versucht sie, ihre Unentbehrlichkeit zu dokumentieren und gleichzeitig ihre Geschäfte als Bank in Schwung zu halten.
Dennoch sah es vor drei, vier Jahren so aus, als sei ihre Zeit abgelaufen, ebenso wie die Existenzberechtigung ihrer Schwesterorganisation, des Internationalen Währungsfonds (IWF). Angesichts der verschiedenen Krisen sind beide heute aber wieder voll da. Die Regierungen der Industrieländer stärken sie als Kreditgeber für wankende Volkswirtschaften in Süd und Ost. Die G20 stellt dem IWF mehrere hundert Milliarden Dollar dafür zur Verfügung. Die Weltbank, die ihre Kreditvergabe verdoppeln will, strebt eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung von Klima-Anpassungsmaßnahmen, im Energie- und Infrastrukturbereich, in der Agrar- und Ernährungspolitik an. Und wird damit mehr und mehr zur Gegenspielerin der Vereinten Nationen.
Vorsicht: Weltbank
Vorsicht: Weltbank. Armut, Klimawandel, Menschenrechtsverletzungen. Hamburg: VSA-Verlag 2007
Die Weltbank trägt zu Armut, Klimawandel und Menschenrechtsverletzungen bei - und Versuche, sie zu reformieren, sind bislang stets am Bollwerk massiver Eigeninteressen der Bank und ihrer Anteilseigner gescheitert.
Inhalt und Leseprobe
Weltentwicklungsbericht 2008
Oktober 2007: Die Zeichen für die Rückkehr der Agrarfrage auf die politische Agenda haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft: Zahllose Strategie- und Politikpapiere internationaler Entwicklungs- und Finanzorganisationen machen Vorschläge für eine Modernisierung der Landwirtschaft. Flaggschiff dieser Wiederentdeckung der Agrarfrage ist der Weltentwicklungsbericht 2008 der Weltbank.
Mehr siehe Agrarkultur