Vermarktung der Natur: Die Weltbank bei Rio+20
5. April 2012: Die Bank hat angekündigt, bei der UN-Konferenz Nachhaltige Entwicklung aka Rio+20 im Juni in Brasilien neue Initiativen zu Ozeanen und zur Inwertsetzung von Umweltdienstleistungen vorzustellen, wird jedoch von zivilgesellschaftlichen Organisationen wegen ihres Ansatzes von 'Grünem Wachstum' angegriffen. Ein Beitrag des Bretton Woods Projekts: Mehr
Gemeinsam mit den Spekulanten gegen Hunger
Ein Kommentar von Uwe Hoering, Juli 2011
14. Juli 2011: Stolz verkündete die Weltbank vor drei Wochen, dass sie einen neuen Weg gefunden habe, „wie sich Bauern, Nahrungsmittelerzeuger und Verbraucher selbst gegen die Preisschwankungen für Nahrungsmittel schützen können“. Das macht neugierig. Mehr
Peinlich, heuchlerisch, anmaßend
Juni 2011: Die neue Afrika-Strategie der Weltbank (Africa's future and the World Bank's support to it) sei ein Beispiel dafür, wie das multilaterale Establishment, besoffen von seiner eigenen neoliberalen Rhetorik, von den angeblichen Wachstums- und Exportperspektiven des Kontinents schwärmt und gleichzeitig die strukturelle Unterdrückung, bei der es Komplize ist, herunterspielt, meint Patrick Bond von der University of KwaZulu-Natal in seinem Kommentar
Aus Liebe zum Markt
Die Weltbank, die Nahrungsmittelkrise und die Landwirtschaft
Ein Gastbeitrag von Ama Marston (Bretton Woods Project)
18. Februar 2011: Während Nahrungsmittelpreise auf Rekordhöhe zum Aufstand in Nordafrika und in anderen Regionen beigetragen haben, hat das unerschütterliche Vertrauen der Weltbank in die Märkte eine Diskussion ausgelöst, wie die vielfältigen Ursachen, die der globalen Krise der Nahrungspreise zugrunde liegen, am Besten angegangen werden sollten. Gleichzeitig fördert Weltbankpräsident Robert Zoellick weiterhin die Bemühungen, Landwirtschaft in den CO2-Markt einzubringen. Mehr
"Land grab": Zu Risiken fragen Sie die Weltbank
Ein Kommentar von Uwe Hoering zum Weltbank-Bericht Rising Global Interest in Farmland, September 2010
Jetzt haben wir es sozusagen aus berufenem Munde: Das Ausmaß von „Land grabbing“ ist anscheinend weitaus größer als bislang vermutet. Allein im Jahr 2009 fanden Verhandlungen und Vereinbarungen mit privaten Investoren über 45 Millionen Hektar Land statt, über 70 Prozent davon in Afrika. Das jedenfalls steht im mit Spannung erwarteten Bericht der Weltbank (1) über das "steigende globale Interesse an Agrarland". (2) In der heftigen Diskussion um Ausmaß und Auswirkungen dieser Landübernahmen und geeignete Antworten darauf (3) kommt der Position der Weltbank als der wichtigsten Entwicklungsinstitution einiges Gewicht zu. Mehr
Weitere Kommentare:
September 2009: Kritik an der Agrarpolitik der Weltbank, von Rachel Whitworth
Ein Gastbeitrag von Rachel Whitworth, Bretton Woods Project
Die Weltbank und die International Finance Corporation IFC haben sich verpflichtet, die Gelder für die Landwirtschaft zu erhöhen, um die Ernährungskrise zu bekämpfen. Doch ihre Begeisterung für das Agrobusiness stößt bei Wissenschaftlern auf Einwände, weil sie befürchten, dass der Nutzen die Hungrigen nicht erreichen wird.
Im Juli verkündete die G8 eine Globale Partnerschaft für Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Ernährung und versprach für die Landwirtschaft in den kommenden drei Jahren 20 Milliarden US-Dollar. Doch besteht ein Konflikt zwischen der Weltbank und UN-Ernährungsinstitutionen über die Führungsrolle bei der Umsetzung. Die Institutionen verfolgen grundlegend unterschiedliche Ansätze für Investitionen in die Landwirtschaft. Die Geber allerdings scheinen die Weltbank zu favorisieren, trotz der mageren Bilanz ihrer Agrarpolitik.
Die Weltbankgruppe formulierte ihren agrarpolitischen Ansatz im Weltentwicklungsbericht 2008, der auf Handelsliberalisierung und die Einbindung von Kleinbauern in globale Versorgungsketten setzt. Agrobusiness sei ein Weg, um die bäuerlichen Einkommen in Entwicklungsländern zu steigern. Als Antwort auf die Ernährungskrise hat die Weltbanktochter IFC, die Kredite für die Privatwirtschaft vergibt, angekündigt, ihren Finanzrahmen für das Agrobusiness in den nächsten drei Jahren um 30 Prozent zu steigern, ausgehend von einer Rekordsumme von zwei Milliarden US-Dollar im Finanzjahr 2009. Im Juni kündigten IFC-Vertreter an, die Investitionen in das Agrobusiness in Afrika bis 2011 zu verdoppeln und auf 10 bis 15 Prozent ihrer gesamten Kreditvergabe zu erhöhen.
Die Konzentration der Weltbankgruppe auf das Agrobusiness steht im Gegensatz zum Ansatz der High Level Task Force on the Global Food Security Crisis des UN-Generalsekretärs. Die UN-Ernährungsorganisationen, einschließlich der FAO, unterstützen den Ansatz des Weltagrarrats (IAASTD) vom April 2008, der betont, dass Ernährungssicherheit, Umweltverträglichkeit und traditionelles Wissen der richtige Ansatz seien, um die Ernährungskrise zu lösen. Politische Flexibilität im Agrarsektor sei wichtiger als weitere Handelsliberalisierungen.
Wissenschaftler gegen die Bank
Hannah Bargawi vom Centre for Development Policy and Research an der Universität von London fasst eine Reihe von Kritikpunkten an der Bank-Agenda „Agrobusiness für Entwicklung“ zusammen. Die Wissenschaftler Kojo Sebastian Amanor, Philip McMichael, Carlos Oya, Matteo Rizzo und Philip Woodhouse sind der Ansicht, dass die Vorstellung der Bank, das Agrobusiness würde Risiken und Profite mit Kleinbauern teilen, unrealistisch ist.
McMichael kritisiert das im Weltentwicklungsbericht formulierte Konzept der Bank einer 'neuen Landwirtschaft', das unterstellt, ein Management der Marktintegration durch Konzerne sei eine Bedingung für die Beseitigung der Armut von Kleinbauern. Vielmehr verschmelze „der Anspruch der Bank, Landwirtschaft 'neu' in das Zentrum von Entwicklung zu stellen, den Entwicklungsdiskurs der Bank mit den jüngsten Veränderungen im Ernährungsregime der Konzerne und lizensiert ein 'Weiter so'“.
McMichael ist der Ansicht, dass die Enteignung der ländlichen Bevölkerung im Namen einer neuen Landwirtschaft, nicht-traditioneller Exporte und unternehmerischer Wertschöpfungsketten „darauf abzielt, die Versorgung der zahlungskräftigen Teile der Weltbevölkerung zu sichern.“ Ein Hinweis dafür seien die Profite, die die Agrobusiness-Konzerne aufgrund der hohen Preise während der Ernährungskrise zu verzeichnen hatten.
Um diese Kritik abzuwehren, hob der Weltentwicklungsbericht die neuerliche Bedeutung des Staates hervor, attraktivere Bedingungen für das Agrobusiness in Ländern mit niedrigem Einkommen zu schaffen. Woodhouse und Oye zeigen jedoch, dass höhere Investitionen des Staates in öffentliche Güter ohne gleichzeitige Maßnahmen gegen die Übermacht des Agrobusiness höchstwahrscheinlich den Vermarktungssektor der agrarischen Wertschöpfungsketten überproportional begünstigt werden. Deshalb bestehen erhebliche Zweifel daran, dass das angebliche 'win-win'-Szenario einer Verknüpfung von Agrobusiness-Konzernen und kleinbäuerlichen Produzenten wirklich existiert.
Quelle: Bretton Woods Update, September/October 2009, Übersetzung Uwe Hoering.
Siehe dazu Hannah Bargawi und Carlos Oya, 'Agribusiness for Development': Who Really Gains?, Development Viewpoint, Number 36, September 2009
März 2007: Weltbank - Kampf gegen Armut?
März 2007: "Unser Traum - eine Welt ohne Armut", verkündet die Weltbank. Ihr wichtigstes Rezept für Wohlstand für alle heisst Wirtschaftswachstum. Wenn der Kuchen größer wird, wird jede Scheibe größer, so die Vorstellung, also auch der Anteil für die Armen. Dafür braucht man Unternehmer, und für die wiederum braucht man ein geeignetes "Investitionsklima". Im Namen von Wirtschaftswachstum und Armutsminderung hat die Weltbank daher ihre Kunden, die Regierungen der Entwicklungsländer, als Gegenleistung für Kredite aufgefordert, erst Stahlwerke, Bergbau und Banken zu privatisieren, dann Wasser- und Stromversorgung, den Gesundheits- und den Bildungsbereich, die Renten- und Krankenversicherung.
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