VERANSTALTUNGEN

Siehe auch die Veranstaltungshinweise zu den einzelnen Themen

 

April 2013, Washington: Transparente Landpolitik

Die nächste Weltbank-Konferenz "Land und Armut" (8.bis 11.April 2013) rund um Landfragen hat das Thema "Moving towards transparent land governance: Evidence-based next steps" und soll unter anderem diskutieren, wie Landpolitik Armutsminderung, Gendergleichheit und nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum fördern kann. Link und Präsentationen

 

April 2013, Würzburg: Landwirtschaft in China

Die 11. European Conference on Agriculture and Rural Development in China, ECARDC XI, wird vom 11. bis 13. April 2013 in Würzburg stattfinden. Mehr

 

Mai 2013, Berlin: Commons cont'd.

Die Konferenz (22. bis 24. Mai 2013) knüpft an die International Commons Conference vom November 2010 an und will neue Ideen, praktische Ansätze und Allianzen diskutieren, unter anderem in den Bereichen Land und Wasser. Info

 

Juni 2013, London: Sattes Wachstum

Eine Woche vor dem G8-Gipfel der westlichen industrieländer plus Russland organisiert die britische Regierung ein Event (Nutrition for Growth, 8. Juni 2013), bei dem sich Regierungen, internationale Entwicklungsorganisationen und Konzerne zu Maßnahmen gegen Unterernährung von Mütter und Kindern verpflichten sollen. Mehr

 

Juni 2013, Berlin: Politik gegen Hunger

Bei der zehnten Konferenz "Politik gegen Hunger" (12. bis 12. Juni 2013), ausgerichtet vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV), sollen Möglichkeiten diskutiert werden, wie die 'Freiwilligen Leitlinien' der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO für den Zugang zu Land, Fischgründen und Wäldern umgesetzt werden können. Info

 

Juni 2013, Halle: Rural areas in Transition

Die Themenschwerpunkte der dreitägigen Konferenz (19. bis 21. Juni 2013) des Instituts für Landwirtschaft in Zentral- und Osteuropa (IAMO) sind öffentliche und private Dienstleistungen, unternehmerische Aktivitäten und die Lebensqualität in ländlichen Regionen in den neuen Bundesländern, in China und in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Das Programm ist bislang (17. April) allerdings noch nicht sehr aussagekräftig.

 

Juli 2013, Dublin: Eine andere Wasserversorgung

Im Rahmen einer Tagung zum Thema "Planning for Resilient Cities and Regions" wird eine Session zu Erfahrungen mit Alternativen zu öffentlicher und privatwirtschaftlicher Wasserversorgung organisiert. Mehr

 

September 2013, Stockholm: Wasser-Partnerschaften

Die nächste World Water Week, ausgerichtet vom Stockholm International Water Institute (SIWI), findet vom 1. bis 6.September 2013 unter dem Motto: "Water Cooperation - Building Partnerships" statt.

 

September 2013, Noordwijkerhout: Globale Ernährungssicherheit

Zum Start einer neuen Zeitschrift "Global Food Security" organisiert der Wissenschaftsverlag Elsevier eine Konferenz (19.September bis 2.Oktober 2013). Beide sollen helfen, den Überblick über die immer umfangreichere Forschung zu behalten. Website

 

Oktober 2013, Berlin: Bodenverlust

Die Second Global Soil Week (27. bis 31. Oktober 2013) will, wie schon die erste "Globale Woche", die Aufmerksamkeit auf die Bedrohung der Böden und auf Lösungsmöglichkeiten richten. Über die erste Konferenz im November vergangenen Jahres, bei der VertreterInnen von Wissenschaft und Institutionen weitgehend unter sich waren, liegt inzwischen ein umfangreicher Bericht vor.

 

Nachlese:

Frühere Veranstaltungshinweise: Archiv

Siehe auch die Nachrichten zu den einzelnen Themen:

Wälder tragen zur Ernährungssicherung bei

13. Mai 2013: Mit der Vorstellung einer Studie, welchen Beitrag essbare Insekten zur Ernährung leisten können (Edible Insects: Future Prospects for Food and Feed Security), wurde heute in Rom eine dreitägige Konferenz Forests for Food Security and Nutrition der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO eröffnet. Zum einen beeinträchtigt die Zurückdrängung natürlicher Wälder durch industrielle Forstwirtschaft und Landwirtschaft die Versorgung besonders ärmerer Bevölkerungsgruppen mit Nahrung, Futter und Einkommensmöglichkeiten. Zum anderen stehen Fragen auf der Tagesordnung, ob Ansätze wie Agroforstwirtschaft oder der Handel mit Emissionszertifikaten (REDD+) wirtschaftliche Entwicklung, Umwelt- und Klimaschutz voranbringen können. Mehrere Hintergrundpapiere unterfüttern die Diskussionen.

Die Landfrage in der Konferenz-Maschinerie

20. April 2013: Vom 8. bis 11. April fand die 14. Weltbank-Konferenz zu 'Land und Armut' statt - mit einem gewaltigen Programm. Beiträge und Präsentationen stammen vor allem von VertreterInnen der Weltbank und staatlichen Entwicklungsorganisationen westlicher Industrieländer, von UN-Institutionen und Ministerien, sowie von Universitäten. Zudem erweist sich das Thema als Tummelfeld für Beratungsunternehmen, Grundbuch- und Rechtsexperten. Einige wenige Unternehmensvertreter sprachen zu ihren Erfahrungen und zur Frage, wie private Investitionen gefördert werden könnten. Die Beteiligung entwicklungspolitischer NGOs war minimal, die Sichtweisen von Bauernbewegungen und Betroffenen fanden bestenfalls durch die entwicklungspolitische, staatliche oder akademische Brille Eingang. Zusätzlich zu den Kurzfassungen im Programm sind die Beiträge teilweise auch bei ConfTool eingestellt. Rob Nash war bei der Konferenz und hat darüber für Oxfamblogs einen Kommentar über die "doppelzüngige" Weltbankpolitik veröffentlicht.

FAO umwirbt Privatwirtschaft

17. April 2013: Partnerschaften mit der Privatwirtschaft habe es schon lange gegeben, sagt Marcela Villarreal, doch jetzt wolle die FAO "proaktiv" die Zusammenarbeit suchen. Die Direktorin für Kommunikation, Partnerschaften und Advocacy verspricht sich davon unter anderem größere Fortschritte beim Kampf gegen Hunger, doch sei der neue Ansatz "natürlich auch gut für den Privatsektor". Als Beispiele nennt sie "Innovationen in der Landwirtschaft" wie Marktzugang für Kleinbauern, Mobilfunk und private Dienstleister in ländlichen Regionen, die für den finanziell klammen Staat einspringen sollen. Dabei versichert die Kommunikationsexpertin, es werde alles unternommen, um ein "Bluewashing" zu verhindern, also den Imagegewinn durch die UN-Partnerschaft für Unternehmen mit schlechter Menschenrechtsbilanz oder Verstößen gegen internationale Arbeitsstandards.

Quelle: Devex News vom 16. April 2013

BRICS-Gipfel in Südafrika

24. März 2013: Am 26. und 27. März treffen sich im südafrikanischen Durban die Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben sich in den vergangenen Jahren zu einem viel diskutierten Gegengewicht gegen die Vormacht der Industrieländer gemausert. Doch was diese Gruppierung für die Entwicklung in Afrika bedeuten kann, ist nicht nur unklar, sondern wird auch sehr unterschiedlich eingeschätzt. Patrick Bond unterscheidet in seinem Aufmacher in der aktuellen Ausgabe von Pambuzuka für mehrere Beiträge unterschiedlicher AutorInnen über das Treffen, bei dem die BRICS-Vertreter "die übrigen afrikanischen Ländern davon überzeugen wollen, dass die Unternehmen aus ihren Ländern die besseren Investoren in Infrastruktur, Bergbau, Erdöl und Landwirtschaft sind als die europäischen und US-amerikanischen Multinationalen Konzerne", drei "Sichtweisen": Die erste ist positiv und kommt vor allem von Regierungen und Intellektuellen, die ihnen nahestehen, die zweite "weiss nicht so genau" und sei typisch für Wissenschaftler und NGOs, die sich noch nicht entschieden haben ("sitting on the fence"), die dritte ist ausgesprochen kritisch und kommt vor allem von sogenannten "unabhängigen Linken".

Wertschöpfung statt gerechter Landwirtschaft

26. Februar 2013: Die zehn größten Lebensmittelkonzerne sind weit davon entfernt, soziale und ökologische Standards bei der Produktion ihrer Lebensmittel zu erfüllen. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Oxfam-Studie „Behind the Brands“. Untersucht wurden Coca-Cola, Danone, Unilever, Kellogg’s, Mars, Mondelez, Nestlé, PepsiCo, General Mills und Associated British Food. Oxfam hat die selbstgesteckten Ziele der Firmen in den Bereichen Arbeitsrecht, Rechte von Kleinbauern, Rechte von Frauen, Umgang mit Land und Wasser, Klimawandel und Transparenz überprüft. Auch wenn es Fortschritte bei der Formulierung von Firmenzielen gegeben hat, zeigen Beispiele aus der Praxis, dass Lebensmittelkonzerne noch weit davon entfernt sind, nachhaltig zu handeln. In Pakistan beispielsweise steht Nestlé, Marktführer bei Flaschenwasser, als Verursacher für sinkende Grundwasserspiegel und steigende Wasserkosten in der Kritik. 

Die Konzerne schweigen, wenn es um ihre Lieferanten geht. Deshalb ist es schwierig, soziale und ökologische Nachhaltigkeit in der Realität umfassend zu überprüfen. Keine Firma hat sich öffentlich verpflichtet, Bauern und Bäuerinnen einen fairen Preis für ihre Ware zu bezahlen. Ebenso fehlen angemessene Standards gegen Land grabbing. Hier wären Ziele besonders wichtig, da die Firmen Agrarrohstoffe wie Palmöl, Soja und Zucker verarbeiten. Die Diskriminierung von Frauen innerhalb der Wertschöpfungskette wird von allen untersuchten Unternehmen unzureichend behandelt.

Die Studie ist Grundlage für eine neue Kampagne, mit der Oxfam einen Beitrag zu Ernährungssicherheit leisten will. Siehe dazu auch Oxfamblog vom 26. Februar 2013

Entwicklungszusammenarbeit mit Big Business

12. Februar 2013: Spätestens seit der "New Alliance", mit der Präsident Barack Obama die staatliche Entwicklungsorganisation USAID und Konzerne gemeinsam in die Agrarpolitik einspannen will, ist der Trend von internationalen Gebern zur Kooperation mit der Privatwirtschaft offiziell zu einer Säule der globalen Entwicklungspolitik geworden. Die neue Studie "Investing in the Business of Development" analysiert diese neue Form der Public-Private Partnerships (PPP) mehrerer Industrieländer, darunter Australien, Dänemark, Deutschland und Großbritannien, und die damit einhergehende Investitionsförderung. Eine erste Einschätzung auf dem Oxfamblog 'From Poverty to Power'. Link zur Studie (pdf-Datei 4,95mb)

Der kritische Agrarbericht 2013 ist erschienen

25. Januar 2013: Die Diskussionen um die Reform der EU-Agrarreform gehen in die heiße Endphase: Nachdem der Agrarausschuss des Europaparlaments mit seinem gestrigen Votum die Vorschläge der Kommission für eine stärkere Bindung der Agrarsubventionen an Umwelt- und Tierschutz abgelehnt hat und die Zukunft weiterhin in industrieller Massenproduktion und Exportorientierung sieht, liegen die Hoffnungen der Zivilgesellschaft, die sich intensiv in die Reformdebatte eingeklinkt hat, jetzt beim Plenum des Europaparlaments. Das soll eine Neuorientierung zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft retten und die weitere Verdrängung der bäuerlichen Landwirtschaft in Europa und den Ländern des globalen Südens durch Futtermittel und Agrarkonzerne zumindest abbremsen. In dieser Situation liefert 'Der kritische Agrarbericht 2013', herausgegeben vom AgrarBündnis, mit seinem Schwerpunkt Agrarreform aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln und Themenbereichen Argumente für den überfälligen "Paradigmenwechsel". Wie die neue Bürgerrechtsbewegung, die im Januar tausende Protestierende unter dem Slogan "Wir haben es satt" mobilisieren konnte, zeige, sei die Einsicht, dass eine "andere Landwirtschaft" notwendig ist, längst bei großen Teilen der Bevölkerung angekommen, heißt es da - ein "Erfolg, der einen zuversichtlich stimmen kann". Siehe den Literaturhinweis 'Der kritische Agrarbericht 2013'.

Landkonzessionen in Laos - eine Bestandsaufnahme

28. Januar 2013: Unter Beteiligung hochrangiger Regierungsvertreter wurde am vergangenen Samstag in Vientiane ein umfassender Bericht über die Landvergabe an in- und ausländische Investoren in Laos vorgestellt ("Concessions and Leases in the Lao PDR: Taking Stock of Land Investments"). Aufgeschlüsselt werden darin die verfügbaren Informationen über mehr als 2.600 Konzessionen und Verträge für insgesamt 1,1 Millionen Hektar, was fünf Prozent der Landfläche entspricht. 72 Prozent der Verträge, deren Zahl zwischen 2000 und 2009 um das Fünfzigfache gestiegen ist, wurden mit ausländischen Investoren abgeschlossen, vor allem aus Vietnam, Thailand und China. Wie im Forstbereich, in dem drei Viertel der rund 300.000 Hektar für Kautschuk- und Eukalyptusplantagen genutzt werden, dominieren dabei Monokulturen. "Es kann als sicher gelten, dass weitere Monokulturen im Forstbereich unterbunden werden", sagte ein Regierungsvertreter und bekäftigte das Moratorium vom Juni 2012, das bis 2015 den Abschluß weiterer Verträge aussetzt.

Quelle: Vientiane Times vom 26. Januar 2013 (pdf-Datei 409kb).

Reisproduktion steigt zum achten Mal in Folge

22. Januar 2013: Die gute Nachricht: Auch 2012/2013 steigt nach Schätzungen der UN-Ernährungsorganisation FAO die weltweite Reisernte (leicht) an. Da der Verbrauch nicht in gleichem Umfang zunahm, konnten die Vorräte wie in den sieben Jahren zuvor kräftig aufgestockt werden. Die schlechte Nachricht: Rekordernten wurden vor allem in den USA, Australien und Russland eingefahren, während in Asien und Afrika - abgesehen von Ägypten - der Anstieg gering ausfiel. Das bedeutet, dass besonders Afrika weiterhin angewiesen ist auf massive Importe, die im laufenden Berichtsjahr 22 Prozent höher liegen könnten als im Zeitraum 2009-2011.

Quelle: FAO, Food Outlook: Global Market Analysis, November 2012

Nachrichten 2012:

Dezember 2012: Kakao macht nicht satt

30. Dezember 2012: Die meisten Kleinbauernfamilien, die in Westafrika Kakao anbauen, leben weit unterhalb der Armutsgrenze. Das ist eines der Ergebnisse des Cocoa Barometer 2012, das die Situation der Bauern in den Anbauländern und Aktivitäten von Schokoladenkonzernen, Regierungen und regierungsunabhängigen Initiativen erfasst. Die beteiligten Organisationen wie das Südwind-Institut hoffen allerdings, dass eine Reihe von Unternehmen ernsthaft ihre angekündigten Zertifizierungspläne umsetzen, da sie sich angesichts des Rückgangs der Kakaoproduktion Sorgen um ihren Nachschub machen. Bis 2020 könnte damit zertifizierter Kakao auf rund die Hälfte der Weltproduktion steigen - und vielleicht auch zu einer Verbesserung der Lebenssituation beitragen.

Quelle: Südwind-Pressemitteilung vom 5. Dezember 2012. Siehe auch die Studie "Vom Kakaobaum bis zum Konsumenten. Die Wertschöpfungskette von Schokolade", Mai 2012.

Dezember 2012: Richtige Einsichten machen noch keine neue Strategie

28. Dezember 2012: In ihrem neuesten Jahresbericht "The State of Food and Agriculture 2012" fordert die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, eine "neue Investitionsstrategie" für die Landwirtschaft. Grundlage dafür ist die - wenn auch nicht ganz neue - Erkenntnis, dass die bäuerliche Landwirtschaft die meisten Investitionen tätigt - viermal so viel wie der öffentliche Sektor und ein Vielfaches der Finanzierung großflächiger Landnahmen (Land grabbing) durch private Unternehmen und Investmentfonds, die daher, so die FAO, auch "nur einen geringen Beitrag zur globalen Agrarproduktion leisten". Daraus folgert der Bericht, dass Regierungen die Hindernisse für die kleinbäuerliche Landwirtschaft beseitigen und die Investitionsbedingungen für sie verbessern sollten, Produzentenorganisationen für den Zugang zu Märkten, natürlichen Ressourcen und Finanzdienstleistungen sollten gestärkt werden. Diese Vorschläge sind gleichfalls so neu nicht - ihre Umsetzung würde allerdings in vielen Ländern eine grundsätzliche Wende in der Agrarpolitik erfordern.

Dezember 2012: BMZ: "Landwirtschaft ist Privatwirtschaft"

12. Dezember 2012: Gestern hat das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, BMZ, bei einer Veranstaltung in Berlin sein aktualisiertes Konzept für die Förderung der Landwirtschaft vorgestellt. Beflügelt werden die darin umrissenen entwicklungspolitischen Leitlinien von den "Investitionsanreizen steigender Agrargüterpreise", die dazu beitragen, dass "nun verstärkt nationales und internationales Kapital in den Agrarsektor des Südens" fließt. Damit, so die Erwartungen, würden die Chancen steigen, die Landwirtschaft zur Bekämpfung von Hunger und Armut zu nutzen. Allerdings müssten "verantwortungslose Investitionen" wie Land grabbing unterbunden, Energiepflanzen dürften nur "verantwortungsvoll" angebaut werden. Um die Chancen zu nutzen, will das BMZ unter anderem die Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen in 'Öffentlich-privaten Partnerschaften' (PPP) intensivieren. Als ein neues Vehikel dafür hat Minister Niebel im Sommer bereits die Deutsche Initiative Agrarwirtschaft und Ernährung, DIAE, ausgerufen, in der 35 deutsche Konzerne aus dem Agrar- und Nahrungsmittelbereich, darunter Bayer CropScience, Metro und die Verpackungs- und die Zuckerindustrie, einen Beitrag zur Ernährungssicherheit in Entwicklungs- und Schwellenländern leisten wollen.

Dezember 2012: FAO: Keine Halbheiten bei Hungerbekämpfung

9. Dezember 2012: Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO will sich nicht länger mit Halbheiten zufrieden geben: Ihr Ziel, so verkündete sie am Wochenende, sei nicht mehr lediglich, die Zahl der Hungernden zu halbieren, sondern Hunger, Mangelernährung und Ernährungsunsicherheit vollständig zu beseitigen. Ihr Generaldirektor José Graziano da Silva, der als Vater des Programms "Null Hunger" in Brasilien gilt, will dafür die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und der Agrar- und Ernährungsindustrie intensivieren. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die FAO bereits getan, indem sie mithilfe aktualisierter Berechnungen die Zahl der hungernden Menschen in der Welt auf 870 Millionen reduzierte.

Quelle: FAO-Pressemitteilung vom 7. Dezember 2012

November 2012: Öffentliche Entwicklungsfinanzierer werben für sich

21. November 2012: Am Montag wurde in Berlin der Bericht "International Finance Institutions and Development Through the Private Sector" vorgestellt, der die "wichtigen Beiträge" der multi- und bilateralen öffentlich-staatlichen Entwicklungsfinanzierer, darunter die Deutsche Entwicklungsgesellschaft DEG, herausstreicht. Sie unterstützen den Ausbau der privaten Wirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern mit „Kapital, Wissen und Partnerschaften“. Die Publikation soll diese bedeutsame Rolle der öffentlichen Finanzdienstleister, die „oft nicht klar oder angemessen an Interessenten oder die Öffentlichkeit vermittelt" würde, darstellen. Dementsprechend beschränkt sich die gemeinschaftliche Public Relations-Übung denn auch darauf, erstens die Bedeutung der Privatwirtschaft für die Entwicklung – von Wachstum bis Beschäftigung und Armutsminderung – herauszustellen. Dabei werden kaum Unterschiede zwischen einheimischen und ausländischen Unternehmen, Konzernen und kleinen Firmen gemacht. Zweitens wird der Beitrag der Finanzdienstleister zu Investitionen, günstigen Rahmenbedingungen und Verringerung der Geschäftsrisiken unterstrichen, wobei der Finanz- und der Infrastruktursektor deutlich im Vordergrund stehen. Dagegen spielen die Risiken, die von privaten Investoren ausgehen – Beispiel Land grabbing – keine Rolle, nur knapp zwei Seiten sind dem Beitrag der Finanzierer zu „soliden Geschäftspraktiken“ gewidmet, also der Förderung von Umwelt- und Sozialstandards, von Arbeits- und Menschenrechten oder „verantwortungsbewusster Finanzierung“.

November 2012: Gentech-Plantagen bedrohen die "Wiege des Mais"

20 November 2012: In den nächsten Tagen wird die Regierung Mexikos entscheiden, ob sie den Anbau von gentechnisch verändertem Mais auf bis zu 2,5 Millionen Hektar Land erlaubt und damit Grünes Licht gibt für entsprechende Pläne der Agrarkonzerne Monsanto, DuPont Pioneer und Dow. Wissenschaftler und Umweltinitiativen warnen vor den zu erwartenden schwerwiegenden Auswirkungen auf die genetische Vielfalt und die bäuerliche Landwirtschaft.

Quelle: Informationsdienst Gentechnik vom 19. November 2012, dort auch weitere Informationen. Siehe auch den neuen GRAIN-Bericht "Red Alert!"

November 2012: Suche nach Ansätzen für die "Große Transformation"

5. November 2012: Nachdem Wirtschaft und Politik schon länger den "Nexus" zwischen Energie, Landwirtschaft und Ernährung in zahlreichen Konferenzen beschwören, suchen nun auch verstärkt zivilgesellschaftliche Organisationen aus Umwelt und Entwicklung den Dialog dazu. Bei einer internationalen Konferenz Anfang November in Bonn wurden Ansätze für eine Strategie der "Großen Transformation" von Energie- und Agrarsystem diskutiert. Sie soll Klimaschutz und Ernährungssicherheit vereinbaren und "dem Einfluss der fossilen und agrochemischen Unternehmen etwas entgegensetzen", wie Jim Harkness vom Mitveranstalter IATP sagte. 

November 2012: Bauernrechte als Menschenrechte

4. November 2012: Ende September hat der Menschenrechtsrat (Human Rights Council) der Vereinten Nationen eine Resolution angenommen (A/HRC/21/L23), in der die Erarbeitung einer Erklärung (Entwurf) zu den "Rechten von bäuerlichen Bevölkerungen und anderen Personen, die in ländlichen Regionen arbeiten", empfohlen wird. Organisationen wie La Via Campesina, die sich seit Jahren für eine solche Erklärung einsetzen, erhoffen sich davon eine ähnliche Stärkung der sozialen Bewegungen, wie sie von der Erklärung über die Rechte indigener Völker ausgeht. Angesichts der Bedrohungen durch Land grabbing und Agrarindustrie sollen darin aus menschenrechtlicher Perspektive der Zugang zu Land, Saatgut, Information und Technologie sichergestellt, die Rechte auf die Erhaltung der biologischen Vielfalt und der natürlichen Umwelt sowie die Freiheit, Preise und Märkte für Agrarprodukte zu bestimmen, verankert werden.

Siehe auch den Bericht an den Menschenrechtsrat.

Oktober 2012: Entwicklungspartnerschaften der nächsten Generation

27. Oktober 2012: Gemeinsam mit USAID hat die Entwicklungsplattform Devex eine Website gestartet, um die Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und staatlichen und zivilgesellschaftlichen Entwicklungsorganisationen zu stärken. Devex Impact soll Informationen und Analysen über "innovative Partnerschaften", "marktorientierte Lösungen" und Öffentlich-Private Partnerschaften (PPP) für die "nächste Generation der Entwicklungsarbeit" fördern. Die Initiatve baut auf der Global Development Alliance von USAID auf, in der seit zehn Jahren Privatsektor und Geberorganisationen kooperieren.

Quelle: Devex vom 26. Oktober 2012. Siehe dazu: "Zauberformel PPP" (pdf-Datei 424kb)

Oktober 2012: Gerüchte um Elefantenhochzeit im Wassersektor

23. Oktober 2012: In französischen Zeitungen wurden Vermutungen publiziert, dass die beiden größten französischen Wasserversorgungsunternehmen, Suez und Veolia, über einen Zusammenschluss sprechen. Danach würde Goldman Sachs für Suez die Verhandlungen führen, die Deutsche Bank für Veolia. Gründe für solche Überlegungen gibt es genug: Beide sind wegen der wirtschaftlichen Krise und der Rekommunalisierung in Frankreich, wo sie viele kommunale Versorgungsunternehmen kontrollieren, und Europa (Berlin) unter Druck. Im globalen Wassergeschäft sehen sie sich zunehmender Konkurrenz durch regionale Unternehmen aus Brasilien, Mexiko und China ausgesetzt. Zwar sind die Mutmaßungen schnell wieder verstummt - doch wo Rauch, da auch Feuer?

Quelle: Verschiedene französische Tageszeitungen

Oktober 2012: Strategie für Ernährungssicherheit

16. Oktober 2012: Bei seiner 39. Sitzung Mitte Oktober in Rom hat das Committee on World Food Security (CFS) den Entwurf für einen strategischen Rahmenplan für Ernährungssicherheit (Global Strategic Framework for Food Security and Nutrition) verabschiedet. Damit soll die Zusammenarbeit auf allen Ebenen verbessert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Verantwortung der Regierungen, in ihren Ländern das Recht auf ausreichende Ernährung sicher zu stellen, wobei der Schwerpunkt auf einer Förderung bäuerlicher Landwirtschaft liegen sollte. 

Oktober 2012: Auswirkungen steigender Preise von Nahrungsmitteln

5. Oktober 2012: Am kommenden Dienstag (9. Oktober 2012) stellen die drei in Rom ansässigen UN-Organisationen für Landwirtschaft und Ernährung (FAO, IFAD und WFP) ihren diesjährigen Bericht zur Ernährungsunsicherheit (The State of Food Insecurity in the World, SOFI) vor (Siehe Pressemitteilung). Darin werden neue Schätzungen über die Zahl der Hungernden vorgelegt, die Auswirkungen der anhaltenden Preisausschläge für Nahrungsmittel auf wirtschaftliche Entwicklung und Ernährungssituation analysiert und Vorschläge für politisches Handeln gemacht. Der Bericht steht auf der Website der FAO.

September 2012: 'Digitale Nahrung' mit MasterCard

18. September 2012: Das UN-Welternährungsprogramm WFP (World Food Programme), das für die Nahrungsmittelhilfe zuständig ist, hat sich mit dem Kreditkarten-Unternehmen MasterCard zusammengetan, um "den Teufelskreis von Hunger und Armut zu durchbrechen". Diese "innovative Partnerschaft gegen den Hunger" besteht zum einen darin, dass das Kreditkarten-Netzwerk für Spenden an WFP mobilisiert werden soll. Andererseits baut WFP mit der Hilfe von MasterCard ein elektronisches System auf, bei dem Menschen in Hungergebieten Bezugsscheine für den Kauf von Nahrungsmitteln in lokalen Märken per Handy oder Bankkarte erhalten können.

Quelle: WFP-Presseerklärung vom 13. September 2012

September 2012: FAO-Chef da Silva: Getreidelager gegen den Hunger

16. September 2012: Die Unterstützung für die Einrichtung globaler Getreidereserven wächst. FAO-Generaldirektor da Silva erklärte jetzt, es sei "eine gute Strategie, um zur Stabilisierung von Nahrungsmittelpreisen beizutragen". Am vergangenen Dienstag hatte sich bereits der französische Präsident Hollande ähnlich geäußert. China und Argentinien gehören zu den Ländern, die bereits strategische Reserven unterhalten, während Australien, zweitgrößter Getreideexporteur der Welt, und die USA dagegen sind. Siehe dazu auch die Studie "Grain Reserves and the Food Price Crisis" des IATP und den Literaturhinweis "Mit Getreidevorräten gegen die Spekulation"

Quelle: Agrimoney vom 14. September 2012

September 2012: Kritik an FAO-Lobpreisung der Agrarindustrie

15. September 2012: Empört reagieren zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter das Bauernnetzwerk La Via Campesina, auf einen Artikel im Wall Street Journal vom 6. September, in dem der Generaldirektor der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, Jose Graciano da Silva, und der Präsident der Europäischen Entwicklungsbank EBRD, Suma Chakrabarti, die Agrarindustrie als wichtigstes Zugpferd für die Nahrungsmittelproduktion preisen. "Wir sind schockiert und verletzt" heisst es in dem Text, weil diese Auffassung dazu beitrage, die "Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft und Land grabbing voranzutreiben". Die FAO würde damit gegen ihre Aufgabe, die bäuerliche Landwirtschaft, die mehr als die Hälfte aller Nahrungsmittel liefert, zu fördern, verstossen und Ansätze zur Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft aushöhlen. 

September 2012: Transformations-Partnerschaft für Afrikas Agrarsektor

6. September 2012: Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO schätzt, dass bis 2050 Investitionen von 940 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung des Agrarsektors in Afrika und die "Transformation der vorwiegend bäuerlichen Landwirtschaft" notwendig seien. 444 Milliarden davon soll die Agrarindustrie aufbringen, hofft die FAO-Regionaldirektorin für Afrika, Maria Helena Semedo, beispielsweise für Lagerhaltung, Vermarktungseinrichtungen und Verarbeitungsbetriebe. Dafür seien "flexible, dynamische Partnerschaften" zwischen Staat und Industrie und die Schaffung eines günstigen Investitionsklimas notwendig.

Quelle: VibeGhana vom 5. September 2012

August 2012: Deutsch-amerikanischer Zwist um Landtitelprojekt

9. August 2012: Millennium Challenge Account (MCA), ein Entwicklungshilfefonds der US-Regierung, der in Namibia im Rahmen des Communal Land Reform Act ein Projekt zur Registrierung von Landtiteln finanziert, trennt sich von der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die mit der Durchführung beauftragt war. Grund für die Vertragsbeendigung seien nicht etwa "Unregelmäßigkeiten beim Finanzmanagement", wie eine namibische Zeitung behauptet hatte, sondern unterschiedliche "Vorstellungen und Interpretationen der Projektziele", wie MCA Namibia erklärt.

Quelle: Devex vom 9. August 2012

August 2012: Futter für Chinas Schweine - nach Soja jetzt Mais?

6. August 2012: Seit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO 2001 hat sich China zum größten Importeur von Soja entwickelt. Als preiswertes Futtermittel machte es den Aufschwung der Fleischindustrie möglich. Allerdings wurden Millionen einheimische Sojabauern aus dem Markt gedrängt und die massive Ausweitung des Sojaanbaus in Lateinamerika beflügelt. Angesichts steigender Maisimporte warnt GRAIN jetzt vor einer ähnlichen Entwicklung: Während sich US-amerikanische Farmer und Agrarkonzerne über die steigende Nachfrage freuen, droht eine Wiederholung der Agrartransformation, wie sie die Sojaimporte im vergangenen Jahrzehnt ausgelöst hatten. Besonders in Afrika könnte sich dadurch die Landnahme durch Agrarinvestoren beschleunigen. Siehe auch den Beitrag: "Der Preis für das 'gute Leben'". 

Juli 2012: Deutsche Bank Partner für Ernährungssicherheit

30. Juli 2012: Im August 2011 hat die Bundesregierung den Africa Agriculture and Trade Investment Fund (AATIF) gegründet. Der Fonds soll Kredite, Garantien und Beteiligungen für kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe bereitstellen, um so zur Erhöhung der Wertschöpfung und Produktivität der Landwirtschaft beizutragen. Damit könnten Armut und Ernährungsunsicherheit verringert werden, rechtfertigt das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, BMZ, seine Beteiligung. Das gegenwärtige Finanzvolumen von 85 Millionen Euro stammt zu mehr als der Hälfte vom BMZ. Den Rest teilen sich die regierungseigene KfW Bankengruppe und die Deutschen Bank, die wiederholt wegen ihrer Agrarfonds in die Kritik geraten ist, unter anderem von FIAN und von Oxfam. Jetzt bringt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage aus der Fraktion DIE LINKE etwas mehr Licht in diese Öffentlich-Private Partnerschaft (Download pdf-Datei 112kb).

Juli 2012: Der Stand der europäischen Agrarreform (CAP)

23. Juli 2012: Bis 2013 soll die Reform der Agrarpolitik (Common Agricultural Policy, CAP) in der Europäischen Union abgeschlossen werden. Ein Executive Brief Update 2012: CAP Reform fasst jetzt den Stand der Verhandlungen und Diskussionen aus Sicht der Europäischen Kommission zusammen. Zivilgesellschaftliche Organisationen erhoffen sich von der Reform unter anderem eine ökologischere Land- und Viehwirtschaft in Europa und eine stärkere Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft in Ländern des Südens, und haben dafür unter anderem die Kampagne "Meine Landwirtschaft" ins Leben gerufen.

Juli 2012: Ban Ki-moon beendet die Ernährungskrise

4. Juli 2012: Die High-Level Task Force on Global Food Security Crisis, die im April 2008 vom UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gebildet wurde, hat den Begriff "Krise" aus ihrem Namen gestrichen. Das Beratergremium, das globale Antworten auf die Ernährungskrise planen und koordinieren soll und bei Rio+20 eine "Zero Hunger Challenge" verkündet hat, hat ehrgeizige Ziele: Neben ausreichender Ernährung soll die gesamte Nahrungsmittelproduktion nachhaltig werden, das Einkommen von Kleinbauern, vor allem von Frauen steigen und Nahrungsmittelverluste auf Null sinken. Bislang hat die Gruppe vor allem einen Aktions-Rahmenplan für die beteiligten Organisationen im UN-System erarbeitet.

Quelle: Devex vom 28. Juni 2012

Juli 2012: Monsanto kassierte Bauern in Brasilien illegal ab

2. Juli 2012: Bis zu fünf Millionen landwirtschaftliche Betriebe in Brasilien können auf einen Geldsegen hoffen. Seit der Einführung von gentechnisch verändertem Soja 2005 mussten sie regelmäßig Patentgebühren an den US-amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto zahlen, ausserdem verlangte das Unternehmen unter verschiedenen Vorwänden Strafgebühren. Brasilianische Gerichte haben jetzt entschieden, dass diese Praktiken illegal waren. Wenn diese Urteile rechtskräftig werden, muss Monsanto an die Betriebe, die es abkassiert hat, bis zu 7,5 Milliarden US-Dollar zurückzahlen.

Quelle: GMWatch vom 29. Juni 2012

Mai 2012: Neuer Handelsriese auf dem Weltagrarmarkt

31. Mai 2012: Mit der Übernahme des US-amerikanischen Unternehmens Gavilon ist der japanische Marubeni-Konzern zu einem der größten Getreidehändler der Welt geworden. Mit schätzungsweise 42 Millionen Tonnen im Jahr würde er beispielsweise den US-Marktführer Cargill überflügeln. Mit dem Einkauf sichert sich Marubeni Zugang zu Mais- und Sojalieferungen aus den USA, um unter anderem den chinesischen Markt zu beliefern. Nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums werden die chinesischen Importe von Mais im kommenden Jahr um 40 Prozent, von Soja um 8,9 Prozent auf eine Rekordhöhe von 61 Millionen Tonnen steigen.

Seit der Nahrungsmittelpreiskrise 2008 steigen japanische Handelshäuser verstärkt in den globalen Agrarhandel ein, wobei sie bislang vorrangig in Lateinamerika einkauften. Anfang des Jahres vereinbarte Marubeni zudem mit Chinas größtem Hersteller von Viehfutter, der New Hope Group, die Zusammenarbeit in aufstrebenden Märkten in Afrika, dem Nahen Osten, Osteuropa und Südamerika.

Quellen: agrimoney vom 29. Mai 2012; farmlandgrab vom 23. Januar 2012

Mai 2012: Öffentlich-privates Krisenmanagement

23. Mai 2012: Mit Land, Energie und Wasser beschränkt sich der Europäische Entwicklungsbericht 2011/2012, "Confronting Scarcity", im Unterschied zum Bericht "The Global Resource Nexus" (siehe Meldung vom 22. Mai), auf den kleinen Nexus. Entwicklungspolitische Forschungsinstitute, finanziert von der Europäischen Kommission und sieben EU-Ländern, machen darin Vorschläge, welche Rolle der öffentliche und der private Sektor beim Management natürlicher Ressourcen spielen können, um trotz der Verknappung und zunehmender Konflikte ein "breitenwirksames und nachhaltiges Wachstum zu erreichen". Demnach soll der öffentliche Sektor vor allem die verschiedenen Akteure koordinieren, regulierende und fördernde Rahmenbedingungen schaffen, "öffentliche Güter", die Marktversagen korrigieren und die Versorgung besser und effizienter machen können, finanzieren und die armen Bevölkerungsgruppen "ermächtigen", um gegen Krisen besser gewappnet zu sein. Die Privatwirtschaft soll vor allem die Chancen wahrnehmen, die die Ressourcenverknappung bietet. Allerdings wird auch festgestellt, dass das, was die Wirtschaft erreichen kann, begrenzt ist. So setzt der Bericht, der unter anderem am 31.5.2012 in Bonn vorgestellt wird, vage Hoffnungen auf wirksame Lösungen durch "kollektive Verhaltensweisen". 

Mai 2012: Transatlantische Konfliktregulierung

22. Mai 2012: Die Botschaft ist dramatisch: Konflikte um fossile Energieträger, Wasser, Nahrung, mineralische Rohstoffe und Land, deren Verfügbarkeit und Nutzung eng miteinander verflochten sind ('Nexus'), werden in den kommenden Jahren zunehmen, bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Verwerfungen auf den globalen Märkten. Verschärft wird die Konkurrenz durch den Klimawandel, die wachsenden Mittelschichten in Asien und Lateinamerika und das "parallele Wachstum einer neuen globalen Unterklasse von Milliarden Menschen, denen die Grundvoraussetzungen für ein Überleben fehlen". Die Aktionsempfehlungen des Berichts "The Global Resource Nexus", der im Auftrag der Transatlantic Academy, die von mehreren Industrie-Stiftungen getragen wird, erstellt wurde und am 6. Juni in Berlin vorgestellt wird, bleiben dagegen merkwürdig einfallslos: Eine Verdopplung der Ressourceneffizienz in den Industrieländern, eine engere "transatlantische Zusammenarbeit", die Ratifizierung bestehender globaler Abkommen, eine "Ausweitung des transatlantischen Kozepts" auf den gesamten Atlantikraum, was nach Vorherrschaft des 'Nordens' über den 'Süden' schmeckt, verstärkte Anstrengungen, die neuen Mächte China, Indien und Brasilien "einzubinden", und die Stärkung globaler Institutionen, Investitionen und Multi-Stakeholder-Foren. Diese luftigen Empfehlungen sind vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Analyse der Ursachen für die konflikthafte Zuspitzung der Ressourcenprobleme ähnlich oberflächlich bleibt.

Mai 2012: Großstaudämme sind nicht grün

20. Mai 2012: International Rivers appelliert an den neuen Weltbankpräsidenten Jim Yong Kim, die Infrastrukturpolitik der Bank vom Kopf auf die Füsse zu stellen. Anstatt auf riesige Mehrzweckstaudämme mit ihren zerstörerischen Auswirkungen und auf die Beteiligung privater Konzerne zu setzen, sollte sie dezentralisierte Konzepte wie gemeinschaftlich betriebene kleine Wasserkraftwerke fördern. In ihrer Studie "Infrastructure for Whom?" kritisiert die US-amerikanische Lobbyorganisation die verstärkte Unterstützung für angeblich "grüne Infrastruktur" wie Großstaudämme, deren wirtschaftlicher Nutzen fragwürdig sei und deren Bau zu Korruption und Vertreibung beitragen würde.

Mai 2012: Milchviehbestand in Neuseeland explodiert

15. Mai 2012: Die Nachfrage nach Milchprodukten in China treibt den Milchviehbestand in Neuseeland nach oben. Nach offiziellen Angaben wuchs er zehn Mal schneller als die Bevölkerung. Damit stieg auch der Futtermittelanbau, auf Kosten des Nahrungsmittelanbaus. Das Genossenschaftsunternehmen Fonterra, der größte Exporteur von Milchprodukten weltweit, baut seine Position in China aus (siehe Nachricht vom 13. April 2012). Umgekehrt gehört Neuseeland neben Australien zu den Ländern, in denen chinesische Unternehmen intensiv versuchen, Milchfarmen zu erwerben.

Quelle: Agrimoney vom 14. Mai 2012

Mai 2012: Vereinte Nationen stricken Zaumzeug für 'Land grabs'

11. Mai 2012: Das Komitee für Ernährungssicherheit (Committee on World Food Security, CFS) der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, hat seine erste große Bewährungsprobe bestanden: Heute verabschiedete es die Freiwilligen Richtlinien, wie Regierungen die Nutzung von Land, Fischgründen und Wäldern politisch regeln sollten. Während sich Vertreter der Zivilgesellschaft davon besseren Schutz gegen Vertreibung durch Land grabbing und großflächige kommerzielle Agrarinvestitionen für die Exportproduktion sowie eine Unterstützung für Alternativen erhoffen, erwarten Unternehmensvertreter Landnutzungsregeln, die Investitionen sichern. Nachdem das Komitee jetzt das Zaumzeug geschaffen hat, ist der nächste Schritt, es in nationale Gesetzgebung umzusetzen - und wenn das geschehen ist, die Zügel bei Bedarf auch anzuziehen. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie FIAN und La Via Campesina, die an der Erarbeitung der Richtlinien intensiv beteiligt waren, begrüßen die Verabschiedung, auch "wenn sie in einigen Bereichen, die für die Existenzbedingungen von kleinen Nahrungsmittelproduzenten entscheidend sind, zu kurz greifen", so Ángel Strapazzón aus Argentinien.

Quelle: FAO-Pressemitteilung vom 11. Mai 2012

Mai 2012: G8 legt nach im Kampf gegen Hunger

10. Mai 2012: Am 18. Mai werden die Chefs der G8-Staaten in Chicago gemeinsam mit hochrangigen Politikern aus Afrika wie Meles Zenawi aus Äthiopien und John Atta Mills aus Ghana und führenden VertreterInnen von internationalen Entwicklungsorganisationen und des Weltwirtschaftsforums WEF neue Aktivitäten diskutieren, wie landwirtschaftliche Entwicklung und Ernährungssicherung in Afrika vorangetrieben werden können. Angekündigt für das Symposium sind zudem "bedeutsame neue Unternehmer-Initiativen". Bereits beim G8-Gipfel im italienischen L'Aquila 2009 hatten sich die Regierungen unter dem Eindruck der Nahrungsmittelkrise zu einer "Initiative für Ernährungssicherheit" verpflichtet. Bis September 2011 waren nach dem Bericht "Agriculture Accountability" von den dafür versprochenen 20 Milliarden US-Dollar lediglich 22 Prozent bereitgestellt worden.

Siehe dazu den Blog 'Obamas Neue Allianz für Ernährungssicherheit'

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