Cargill und Gates-Stiftung fördern Soja-Anbau in Afrika
3. September 2010: Ende August stellte die Bill&Melinda Gates-Stiftung in Südafrika ein Projekt vor, gemeinsam mit dem US-amerikanischen Agrarhandelsriesen Cargill den Anbau von Soja in Afrika auszuweiten. In einer ersten Phase sollen 37.000 kleinbäuerliche Betriebe in Mosambik und Sambia für den Anbau der unter anderem als Viehfutter begehrten Pflanze gewonnen werden. Bislang dominieren die USA, Brasilien und Argentinien den Markt. Das African Centre for Biosafety (ACB), das dazu eine Studie erstellt hat, befürchtet, dass wie bereits in diesen Ländern damit jetzt auch in Afrika der Anbau von gentechnisch verändertem Soja vorangetrieben werden soll.
Die Fußabdrücke unserer Nahrung
10. August 2010: Der "ökologische Fußabdruck" unserer Verbrauchsgewohnheiten ist inzwischen ein bekannter Begriff. Doch welchen "Abdruck" hinterlassen unsere Ernährungsgewohnheiten? Wieviel klimaschädliches CO2 erzeugen Anbau und Transport von Nahrungsmitteln, und wieviel Nitrat, das zur Überdüngung der Meere und zu "Todeszonen" führt? Forscher der Universität von Pittsburg haben errechnet, dass Fleischerzeugung weitaus nachteiliger für Klima und Meere ist als eine Ernährung mit Getreideprodukten und Kohlehydraten. Und Milchprodukte, deren Erzeugung weniger klimaschädlich ist als die von Fleisch, stellen eine hohe Nitratbelastung dar. Nur auf die CO2-Werte zu achten, so die Forscher, reiche daher nicht aus.
Quelle: Chemical & Engineering News, August 5, 2010
Mais als Viehfutter verdrängt Wiesen
21. Juli 2010: Bei der 23. Generalversammlung der European Grassland Federation vom 29. August bis 2. September in Kiel geht es unter anderem um die Bedeutung von Futterpflanzen für die landschaftliche Vielfalt und als Rohstoff für die Erzeugung von Biogas. Um Wiesen gegen die Konkurrenz durch andere Futterpflanzen wie Mais zu verteidigen, werden unter anderem ökologische Ausgleichszahlungen für Grünland gefordert. Informationen
Siehe Briefing-Papier "Grünland für Vieh und Klima" von Susanne Gura
Keine Patente auf Pflanzen und Tiere
12. Juli 2010: Zum Abschluss der Aktionstage "Kein Patent auf Leben" findet am 20. Juli in München eine Demonstration statt, mit der ein breites Bündnis von Umwelt- und Entwicklungsgruppen gegen die Entscheidungen des Europäischen Patentamts (EPA) protestiert. Am Vortag findet eine Tagung zu zentralen Fragen des Patentrechts statt.
Schweinegrippe-Alarm - Ergebnis von Lobbyarbeit?
8. Juli 2010: Die Zeitschrift "Gute Pillen - Schlechte Pillen" berichtet von Hinweisen, dass die Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Schweinegrippe als Pandemie einzustufen, unter Mitarbeit von Experten zustande kam, die von Pharmafirmen Geld erhalten. Die WHO-Warnung, die zu erheblichen und - wie sich herausstellte - überflüssigen öffentlichen Ausgaben für Impfstoffe führte, brachte Pharmafirmen Umsatzsteigerungen in Milliardenhöhe.
Weitere Informationen bei: Gute Pillen-Schlechte Pillen
Tarnkappe für Genfutter, Nein zu Klonfleisch
8. Juli 2010: Das EU-Parlament stimmte gestern in erster Lesung gegen eine Kennzeichnungspflicht für Produkte von Tieren, die mit genetisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden. Obwohl dies beim weitaus größten Teil der Fleischimporte in die EU der Fall ist, werden Verbraucher also auch weiterhin nicht darüber informiert. Gleichzeitig lehnten die Parlamentarier in Rahmen der Überarbeitung der „Novel Foods“-Verordnung die Zulassung von Fleisch und Milchprodukten geklonter Tiere ab, unter anderem wegen ethischer Bedenken gegen die industrielle Produktion von Klonfleisch. Auch für die Zulassung von Nahrungsmitteln, die unter Verwendung von Nanotechnologie hergestellt werden, forderten sie ein Moratorium, bis die gesundheitliche Unbedenklichkeit nachgewiesen ist.
Quelle: GENET-news
Rettet Afrikas Genmaterial! Für die Industrie?
25. Juni 2010: In einer Studie für das International Livestock Research Institute, ILRI, warnen Forscher, dass einheimische Nutztierrassen in Afrika vom Aussterben bedroht seien. Ihr Genmaterial sollte daher umgehend in Genbanken gesichert werden. Für die Industrie ist eine derartige Einlagerung willkommen, weil sie damit Zugriff auf Genmaterial von Rindern bekommt, die - anders als die europäischen Importrinder - an die agroklimatischen Bedingungen in Afrika angepasst sind. Dagegen ist es fraglich, ob durch die Genbanken ein Überleben der einheimischen Arten gesichert werden kann. Mehr dazu im Wissenschaftsmagazin Science. Siehe dazu auch den Bericht: "Experten warnen, dass der Verlust von Afrikas einheimischen Nutztierrassen die Ernährungssicherheit des Kontinents gefährdet".
FAO verspricht mehr Unterstützung für Tierhalter
23. Juni 2010: Das Committee on Agriculture (COAG) der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO bekräftigte bei seiner Sitzung vom 16.-19. Juni 2010 in Rom die Notwendigkeit, angesichts der zunehmenden Kluft zwischen industrieller und bäuerlicher bzw. nomadischer Viehhaltung, der Belastungen für natürliche Ressourcen und das Klima und der Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung einschließlich des Außenhandels geeignete Maßnahmen zu ergreifen. In einer Diskussionsvorlage werden unter anderem "die dynamische Erzeugung und Anwendung neuer Technologien, Produkte und Dienstleistungen" sowie "Netzwerke und institutionelle Entwicklungen in einem förderlichen politischen und regulatorischen Umfeld" vorgeschlagen.
Wirtschaftliche Erholung treibt Nachfrage nach Fleisch
15. Juni 2010: Der Jahresbericht Agricultural Outlook 2010-19, erstellt von FAO und OECD, erwartet angesichts steigender Nachfrage, höherer Futterkosten und geringeren Angebots steigende Fleisch- und Milch-Preise. Lediglich die Preise für Schweinefleisch könnte aufgrund steigender Produktion in Brasilien und China niedrig bleiben.
UN-Bericht klagt Fleischkonsum an
2. Juni 2010: Fossile Energien und die Landwirtschaft, besonders die Viehhaltung, seien die schlimmsten Umweltsünder, befindet ein neuer Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP. Weder dieser Befund noch die anderen Aussagen des Berichts "Assessing the Environmental Impacts of Consumption and Production" sind sonderlich neu. Interessant ist lediglich, dass er nicht etwa vorschlägt, die industrielle Fleischproduktion in die Pflicht zu nehmen, sondern die Verbraucher sollen durch "veränderte Essensgewohnheiten" für eine nachhaltige Zukunft sorgen. Mehr dazu siehe UNEP
Bauplatz für Großschlachthof besetzt
2. Juni 2010: Seit dem 24. Mai ist am Ortsrand des Dorfes Wietze nördlich von Hannover der vorgesehene Bauplatz für Europas größten Geflügelschlachthof durch Umwelt- und Tierschützer besetzt. Die Planungen sehen eine Kapazität von mehr als 130 Millionen Schlachtungen im Jahr vor, 420 Mastställe in der Region sollen die Tiere liefern. Nachdem die Anhörungsverfahren abgeschlossen sind, soll nun durch "direkte Aktion" der Bau verhindert werden. Damit soll gleichzeitig ein Zeichen gesetzt werden gegen weitere Großprojekte wie zum Beispiel in Haßleben, wo eine Mastanlage für 68.000 Schweine geplant ist und am 12. Juni eine bundesweit vorbereitete Protestaktion stattfinden soll.
Nachtrag: Am 10. August 2010 wurde das besetzte Baugelände von der Polizei geräumt.
Informationen bei www.antiindustryfarm.blogsport.de und Bürgerinitiative Wietze
Das "Zweinutzungshuhn"
Die Folgen der Hochleistungszucht sind dramatisch: Allein in Deutschland werden jährlich 40 Millionen Küken am ersten Lebenstag getötet. Legehennen erkranken oft an Eileiter-Entzündungen, leiden unter Federpicken und Kannibalismus. Bei den Masttieren entwickeln sich aufgrund der schnellen und hohen Gewichtszunahme schmerzhafte Veränderungen des Bewegungsapparates, Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen zu.
Immer mehr Menschen sind sich der Probleme in der Hühnerhaltung bewusst und suchen nach Produkten aus artgerechter Haltung. Doch auch da werden häufig Hochleistungstiere eingesetzt und die Kükentötung in Kauf genommen. Insbesondere für bäuerliche Betriebe, die tiergerecht wirtschaften, und für Bio-Betriebe ist eine Lösung aus diesem Dilemma unverzichtbar. Der Ausweg wäre ein Zweinutzungshuhn – ein robustes, freilandtaugliches Huhn, das genügend Eier legt und gemästet werden kann. Notwendig ist dafür eine Strategie, wie artgemäße Tierzucht, Haltung und wirtschaftliche Gesichtspunkte vereinbart werden können. Dazu veranstaltet der Tierzuchtfonds am 2. Juni in Frankfurt am Main einen Workshop.
Hirtenzug zum Grünlandtag 2010
12. Mai 2010: Ab dem 5. Juni, dem Weltumwelttag, werden Schafherden in einem Staffellauf durch Teile Europas ziehen. Mit diesem Hirtenzug wollen Berufsschäfer auf den vielfältigen Nutzen der Schafe für die Gesellschaft, aber auch auf die schwierigen Existenzbedingungen hinweisen. Auftakt ist in Berlin, Ziel ist Trier, wo am 16. und 17. Oktober der Deutsche Grünlandtag 2010 veranstaltet wird.
Goldman Sachs und Kleinvieh
4. Mai 2010: In ihrem Blog weist Mia MacDonald von Brighter Green am Beispiel von Goldman Sachs auf die zunehmende Verflechtung zwischen Finanz- und Agrarindustrie hin: Die US-amerikanische Investmentbank besitzt in China seit 2008 zehn Geflügelfarmen und ist größter Anteilseigner des Schnellimbiss-Riesen Burger King, der wiederum eigene Outlets in China betreibt.
Siehe dazu auch den globe-spotting-Beitrag: "Der Preis für das 'Gute Leben'"
Klonen: Machtkampf zwischen EU-Parlament und Kommission
4. Mai 2010: Seit Jahren versucht die EU-Kommission, die Klontechnologie marktfähig zu machen. Die Tiergenetik-Industrie ist am Klonen interessiert, um eine gesicherte Vermehrung, auch von gentechnisch veränderten Tieren, zu gewährleisten. Jetzt hat der Umweltausschuss des Parlaments abgelehnt, Fleisch und Milch der Nachkommen geklonter Tiere wie andere neuartige Lebensmittel zuzulassen. Begründet wird die Ablehnung unter anderem mit gravierenden Gesundheitsproblemen und Krankheitanfälligkeit geklonter Tiere und dem weiteren Verlust genetischer Vielfalt. Zahlreiche Parlamentarier und Regierungen treten inzwischen für ein Verbot der Technologie ein.
Siehe dazu eine Stellungnahme von Ärzte gegen Tierversuche
"Schweine-Patent" widerrufen
23. April 2010: Nach Einspruch von Greenpeace und weiteren Organisationen hat das Europäische Patentamt gestern das Patent für einen Gentest widerrufen, der die Zucht von besonders ertragreichen Schweinen ermöglichen soll. Das Patent war 2004 vom US-Konzern Monsanto angemeldet worden, wurde aber nach heftigen Protesten 2007 an den Schweinezuchtkonzern Newsham Choice Genetics verkauft, der mit Monsanto kooperiert. Mehr siehe Greenpeace.
Kühe sind doch keine Klimakiller!?
22. April 2010: "FAO korrigiert sich", meldet topagrarONLINE. In ihrer Studie "Livestock's Long Shadow" hatte die Welternährungsorganisation 2006 den Beitrag der gesamten Tierhaltung an den Treibhausgas-Emissionen auf 18 Prozent beziffert, mehr als der Transportsektor. Nach einer neuen FAO-Studie beträgt der Anteil, der Milchkühen weltweit an der Entstehung von Klimagasen zugerechnet werden muss, jedoch nur vier Prozent. Die Meldung erwähnt allerdings weder die Studie, noch den Umstand, dass sie von der International Dairy Federation (IDF), dem internationalen Interessenverband der Milchindustrie, mitfinanziert wurde.
Siehe dazu den Beitrag von Leo Hickman im Guardian.