Blühende Investitionslandschaften
Äthiopien ist ein besonders augenfälliges Beispiel für die Problematik der Landnahme durch ausländische Investoren, die seit drei, vier Jahren unter anderem in Afrika verstärkt stattfindet. Die Regierung fördert diesen Prozess intensiv und wird dabei von Gebern wie der Weltbank mit einer exportorientierten Entwicklungsstrategie massiv unterstützt. Angeblich soll so die einheimische Versorgung verbessert werden, da fast die Hälfte der Bevölkerung unter struktureller Ernährungsunsicherheit aufgrund einer unzulänglichen bäuerlichen Landwirtschaft und schlechter Infrastruktur leidet.
Im März 2009 übergab ein Unternehmer aus Saudi-Arabien eine Kostprobe der ersten Reisernte von seinen neuen Feldern in Äthiopien seinem König Abdullah - ein Beitrag zur Ernährungssicherung durch off-shore farming. Und das ist erst der Anfang. Premierminister Meles Zenawi erklärte, Äthiopien sei „begierig, Investoren aus Saudi Arabien Zugang zu hundert tausenden von Hektar Agrarland zu geben“.
Präzisiert wurde diese Bereitschaft durch Esayas Kebede, Direktor der Behörde für die Förderung von Agrarinvestitionen. Ende Juli erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass 1,6 Million Hektar „jungfräulichen Landes für großflächige kommerzielle Landwirtschaft“ bereit stünden. Weitere 800.000 Hektar in der Konfliktregion Oromia und 300.000 Hektar in anderen Gebieten würden für kommerzielle Farmen vermessen und parzelliert. „Wir haben Land und Arbeitskräfte im Überfluss“, erklärte Esayas Kebede, „was uns fehlt, um unsere Bevölkerung zu ernähren, sind Kapital und Technologie“. Nach seiner Aussage nutzen Äthiopiens 13 Millionen Kleinbauernhaushalte gegenwärtig nur 17 Millionen Hektar der insgesamt schätzungsweise 75 Millionen Hektar Land, die für die Landwirtschaft geeignet wären.
Wie Kebede, so sehen auch die meisten internationalen Entwicklungsorganisationen das Interesse ausländischer Investoren an der Landwirtschaft mit Freude: Kapital, Technologie und Expertise würden Wohlstand, Arbeit und Abbau der Armut bringen, brachliegendes Land in Wert gesetzt und Exporte die Devisenkassen der Regierungen füllen, so die Erwartungen.
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Schlafender Riese oder hässlicher Zwerg?
Awakening Africa's Sleeping Giant – Prospects for Commercial Agriculture in the Guinea Savannah Zone and Beyond, by Michael Morris, Hans P. Binswanger-Mkhize, Derek Byerlee, published June 2009 by World Bank.
August 2009: Die Dimensionen sind wahrlich gigantisch! „Ein gewaltiger Streifen afrikanischer Savanne, der sich durch 25 Länder zieht, hat das Potenzial, mehrere afrikanische Länder zu Global Players bei der Erzeugung agrarischer Massenprodukte zu machen“, heißt es in der Pressemitteilung der UN-Landwirtschaftsorganisation vom 22. Juni 2009. Vier Millionen Quadratkilometer der Guinea-Savanne, eine Fläche elf Mal so groß wie Deutschland, könnten für die kommerzielle Landwirtschaft erschlossen werden, verkündet die FAO, „eine der größten, bislang kaum genutzten Landreserven der Welt“. Rein rechnerisch könnte damit jede zweite afrikanische Familie mit vier Hektar Land versorgt werden – bei entsprechender Unterstützung genug für ein Leben ohne Armut. Doch dazu wird es wohl nicht kommen: Eine Besprechung (pdf-Datei 113 kb)
Landnahme positiv gewendet
Juni 2009: In den vergangenen Monaten haben Berichte über ausgedehnte Landgeschäfte ausländischer Investoren in Afrika, Lateinamerika und Südostasien Schlagzeilen gemacht. In einer neue Studie, an der unter anderem die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, beteiligt war, werden Empfehlungen formuliert, wie "die Chancen genutzt und die Risiken verringert" werden können. Mehr siehe Download (pdf-Datei 31 kb)
Südafrika: Unwillige Verkäufer
Zahlreiche Zeremonien überall in Südafrika, bei denen neue Eigentümer ihre Besitzurkunde erhalten, erwecken den Anschein, als ob die Landreform schnell voranschreitet. Nach Angaben des Land Affairs Department wurde seit 1994 für insgesamt fast 73.000 Landbesitzer, die unter dem Apartheid-Regime ihr Land verloren hatten, die Wiederherstellung ihrer Rechte abgeschlossen. Das heißt aber nicht, dass es damit über 70.000 neue landbesitzende Bauernfamilien geben würde. Überwiegend handelt es sich um städtische Grundbesitzer. Viele ländliche Ansprüche auf »weißes« Farmland werden hingegen noch bearbeitet.
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Äthiopien: Wasser für Entwicklung
In Äthiopien fördert die Weltbank eine neue Wasserpolitik, die den Wasserreichtum des ostafrikanischen Landes für eine armutsmindernde Entwicklung nutzen soll. Dazu gehört auch ein Ausbau der Bewässerungslandwirtschaft, die Nahrungsmittel, vor allem aber Rohstoffe und Exportprodukte liefern soll. Neben den Geldern der Weltbank werden private Unternehmen als Investoren geworben Inzwischen steigt der Blumenexport. Gleichzeitig haben Millionen Familien nicht genug zu essen.
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