Frühere Gastbeiträge:
Historischer Gastbeitrag anlässlich der Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an Elinor Ostrom für ihre Forschungen zu Allmende (Commons)
The law locks up the man or woman
Who steals the goose from off the common
But leaves the greater villain loose
Who steals the common from off the goose.
The law demands that we atone
When we take things we do not own
But leaves the lords and ladies fine
Who take things that are yours and mine.
The poor and wretched don’t escape
If they conspire the law to break;
This must be so but they endure
Those who conspire to make the law.
The law locks up the man or woman
Who steals the goose from off the common
And geese will still a common lack
Till they go and steal it back.
-- 17th century protest against English enclosure
April 2010: Aus Landräubern werden keine Entwicklungshelfer, von Saturnino Borras Jr. und Jennifer Franco
Während das Ausmaß von „land grabbing“ durch ausländische Investoren zunimmt, gibt es Vorstöße einiger Regierungen und internationaler Institutionen wie der Weltbank, einen Verhaltenskodex auszuhandeln mit einer Reihe von Grundsätzen, die die Landnahmen von einer Bedrohung in eine Chance für ländliche Entwicklung und Armutsminderung verwandeln sollen. Dazu ein Kommentar von Saturnino Borras Jr. und Jennifer Franco:
Dieser Vorschlag einer win-win-Formel als Antwort auf den globalen Run auf Land hat eine Reihe problematischer Aspekte, die Zweifel und Besorgnis wecken sollten. Mehr
März 2010: Gentechnologie in China
Gastbeitrag: Gefährdete Ernährungssicherheit
Im Gespräch mit der Tageszeitung Global Times erläutert Zhou Li, Agrarökonom an der China Renmin University in Beijing, Bedenken gegen eine rasche Kommerzialisierung von genetisch veränderten Nahrungspflanzen. Mehr
September 2009: Agrobusiness für Entwicklung?
Wissenschaftler kritisieren die Agrarpolitik der Weltbank
Ein Gastbeitrag von Rachel Whitworth, Bretton Woods Project
Die Weltbank und die International Finance Corporation IFC haben sich verpflichtet, die Gelder für die Landwirtschaft zu erhöhen, um die Ernährungskrise zu bekämpfen. Doch ihre Begeisterung für das Agrobusiness stößt bei Wissenschaftlern auf Einwände, weil sie befürchten, dass der Nutzen die Hungrigen nicht erreichen wird.
Im Juli verkündete die G8 eine Globale Partnerschaft für Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Ernährung und versprach für die Landwirtschaft in den kommenden drei Jahren 20 Milliarden US-Dollar. Doch besteht ein Konflikt zwischen der Weltbank und UN-Ernährungsinstitutionen über die Führungsrolle bei der Umsetzung. Die Institutionen verfolgen grundlegend unterschiedliche Ansätze für Investitionen in die Landwirtschaft. Die Geber allerdings scheinen die Weltbank zu favorisieren, trotz der mageren Bilanz ihrer Agrarpolitik.
Die Weltbankgruppe formulierte ihren agrarpolitischen Ansatz im Weltentwicklungsbericht 2008, der auf Handelsliberalisierung und die Einbindung von Kleinbauern in globale Versorgungsketten setzt. Agrobusiness sei ein Weg, um die bäuerlichen Einkommen in Entwicklungsländern zu steigern. Als Antwort auf die Ernährungskrise hat die Weltbanktochter IFC, die Kredite für die Privatwirtschaft vergibt, angekündigt, ihren Finanzrahmen für das Agrobusiness in den nächsten drei Jahren um 30 Prozent zu steigern, ausgehend von einer Rekordsumme von zwei Milliarden US-Dollar im Finanzjahr 2009. Im Juni kündigten IFC-Vertreter an, die Investitionen in das Agrobusiness in Afrika bis 2011 zu verdoppeln und auf 10 bis 15 Prozent ihrer gesamten Kreditvergabe zu erhöhen.
Die Konzentration der Weltbankgruppe auf das Agrobusiness steht im Gegensatz zum Ansatz der High Level Task Force on the Global Food Security Crisis des UN-Generalsekretärs. Die UN-Ernährungsorganisationen, einschließlich der FAO, unterstützen den Ansatz des Weltagrarrats (IAASTD) vom April 2008, der betont, dass Ernährungssicherheit, Umweltverträglichkeit und traditionelles Wissen der richtige Ansatz seien, um die Ernährungskrise zu lösen. Politische Flexibilität im Agrarsektor sei wichtiger als weitere Handelsliberalisierungen.
Wissenschaftler gegen die Bank
Hannah Bargawi vom Centre for Development Policy and Research an der Universität von London fasst eine Reihe von Kritikpunkten an der Bank-Agenda „Agrobusiness für Entwicklung“ zusammen. Die Wissenschaftler Kojo Sebastian Amanor, Philip McMichael, Carlos Oya, Matteo Rizzo und Philip Woodhouse sind der Ansicht, dass die Vorstellung der Bank, das Agrobusiness würde Risiken und Profite mit Kleinbauern teilen, unrealistisch ist.
McMichael kritisiert das im Weltentwicklungsbericht formulierte Konzept der Bank einer 'neuen Landwirtschaft', das unterstellt, ein Management der Marktintegration durch Konzerne sei eine Bedingung für die Beseitigung der Armut von Kleinbauern. Vielmehr verschmelze „der Anspruch der Bank, Landwirtschaft 'neu' in das Zentrum von Entwicklung zu stellen, den Entwicklungsdiskurs der Bank mit den jüngsten Veränderungen im Ernährungsregime der Konzerne und lizensiert ein 'Weiter so'“.
McMichael ist der Ansicht, dass die Enteignung der ländlichen Bevölkerung im Namen einer neuen Landwirtschaft, nicht-traditioneller Exporte und unternehmerischer Wertschöpfungsketten „darauf abzielt, die Versorgung der zahlungskräftigen Teile der Weltbevölkerung zu sichern.“ Ein Hinweis dafür seien die Profite, die die Agrobusiness-Konzerne aufgrund der hohen Preise während der Ernährungskrise zu verzeichnen hatten.
Um diese Kritik abzuwehren, hob der Weltentwicklungsbericht die neuerliche Bedeutung des Staates hervor, attraktivere Bedingungen für das Agrobusiness in Ländern mit niedrigem Einkommen zu schaffen. Woodhouse und Oye zeigen jedoch, dass höhere Investitionen des Staates in öffentliche Güter ohne gleichzeitige Maßnahmen gegen die Übermacht des Agrobusiness höchstwahrscheinlich den Vermarktungssektor der agrarischen Wertschöpfungsketten überproportional begünstigt werden. Deshalb bestehen erhebliche Zweifel daran, dass das angebliche 'win-win'-Szenario einer Verknüpfung von Agrobusiness-Konzernen und kleinbäuerlichen Produzenten wirklich existiert.
Quelle: Bretton Woods Update, September/October 2009, Übersetzung Uwe Hoering.
Siehe dazu Hannah Bargawi und Carlos Oya, 'Agribusiness for Development': Who Really Gains?, Development Viewpoint, Number 36, September 2009
Juli 2009: G8-Gipfel in L'Aquila
Die Ankündigung, 20 Milliarden US-Dollar für eine "Initiative zur Ernährungssicherung" bereit zu stellen, wurde verbreitet als "Trendwende" begrüßt. Dagegen meint Anuradha Mittal, die Entscheidung sei eher geeignet, den "Hunger weiter zu vergrößern" - ein Kommentar von Anuradha Mittal.
Siehe auch: Abschlusserklärung des Gipfels zu Ernährungssicherung
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