Allianz-Versicherung sichert sich mit Agrarfonds ab
10. Mai 2012: Der Versicherungskonzern Allianz legte 2011 geschätzte 6,2 Milliarden Euro in Fonds, die mit Agrarrohstoffen spekulieren, an. Nach einem Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam ist er damit der größte deutsche Anleger im Agrarrohstoffbereich, noch vor der Deutschen Bank, die trotz Kritik (siehe FIAN) das Kapital, das sie in derartigen Fonds angelegt hat, gegenüber 2008 auf 4,5 Milliarden Euro vervierfacht hat.
Gates-Stiftung fördert Förderer von Gentech in Afrika
5. Mai 2012: Mit einem Zuschuss von drei Millionen US-Dollar fördert die Bill&Melinda Gates Foundation, die ansonsten gerne ihre Unterstützung für die Gentechnologie leugnet, die Arbeit des Open Forum on Agricultural Biotechnology in Africa (OFAB). Dieses "Offene Forum", das "alle, die Interessen in der Biotechnologie haben", zusammen bringt, gehört seit seiner Gründung 2006 zu der unübersichtlichen Schar von Institutionen, die die Durchsetzung der Agro-Gentechnologie in Afrika vorantreiben. Als seine Partner nennt es unter anderem ISAAA, International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications, und das Program for Biosafety Systems, PBS, des Internationalen Forschungsinstituts für Ernährungspolitik, IFPRI, in Washington D.C. Diese eher unscheinbare Nachricht erinnert daran, dass angesichts der Debatte um Land grabbing andere Entwicklungen etwas in den Hintergrund getreten sind. Deshalb ein Hinweis auf neuere Publikationen zu Gentechnologie in Afrika.
Energie-intensive Landwirtschaft - ein Auslaufmodell
3. Mai 2012: Die industrielle, mechanisierte und globalisierte Landwirtschaft ist auf fossilen Energieträgern aufgebaut, sei es als Treibstoff, sei es für die Herstellung von Dünger und Agrargiften. Für die Erzeugung einer Nahrungs-Kalorie, so Studien, würden zwischen sieben und zehn Energie-Kalorien verbraucht. Wenn Erdöl knapp ("Peak Oil") und teurer wird, könnte das auch ein Problem für die Energie-intensive Erzeugung von Agrarprodukten werden, warnt das UN-Umweltprogamm, UNEP. Das könnte den Druck auf Agrarpreise ebenso wie auf die Erzeugung von Agrartreibstoffen mit all ihren Problemen weiter erhöhen - wäre aber auch eine Chance für eine Landwirtschaft und Tierhaltung, die weniger auf industriell erzeugte externe Betriebsmittel angewiesen sind.
Quelle: UNEP Thematic Focus, April 2012
Afrikas Erdöl soll helfen, den Hunger zu bekämpfen
1. Mai 2012: Als ob es nicht bereits genug Institutionen und Programme wie das Comprehensive Africa Agricultural Development Programme, CAADP, gibt, die sich die Entwicklung der Landwirtschaft in Afrika auf die Fahnen geschrieben haben, spielt die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, jetzt auch noch Geburtshelferin für einen African Trust Fund, der Finanzmittel für den Kampf für Ernährungssicherheit auf dem Kontinent einwerben soll. Zielgruppe sind unter anderem Afrikas Erdölproduzenten, wie FAO-Generaldirektor Graziano da Silva mitteilte.
Quelle: FAO Pressemitteilung vom 30. April 2012
Afrikas Grundwasservorräte größer als vermutet
26. April 2012: In Afrika gibt es vermutlich weitaus mehr Grundwasser als bislang angenommen. Neue Untersuchungen schätzen, dass die Vorräte bis zu 100 mal größer sein könnten als das Wasser in Flüssen und Seen. Zudem sei ein großer Teil davon leicht zugänglich. Damit können sie Bevölkerungsgruppen, deren Lebensunterhalt auf Zugang zu Grundwasser beruht, einen Schutz gegen schwankende Niederschläge und Klimawandel bieten. Allerdings würden sie nicht für eine bewässerungsintensive 'Grüne Revolution' in der Landwirtschaft reichen, meinen die Wissenschaftler.
Quelle: devex, 24. April 2012
Mehr Soja- und Maisanbau, weniger Weideland
25. April 2012: Große Agrarproduzenten weiten angesichts der hohen Agrarpreise die Anbauflächen aus. Offizielle Schätzungen in den USA gehen davon aus, dass die Farmer in diesem Jahr mindestens 2,5 Millionen Hektar zusätzlich nutzen werden. In Argentinien und Brasilien, in denen die landwirtschaftliche Nutzfläche im vergangenen Jahrzehnt um 22 Prozent auf 70 Millionen Hektar gestiegen ist, wird ebenfalls weiter expandiert: Beobachter erwarten in Brasilien in den kommenden Jahren eine Flächenausweitung für Soja um ein Viertel auf 31 Millionen Hektar, für Mais auf 15,7 Millionen Hektar. Dafür wird teilweise Weideland genutzt, was die Hersteller von Futterkonzentrat freut.
Quelle: Agrimoney, 24.4.2012
Emissionshandel will mehr Geschäfte in Afrika
22. April 2012: Der Klimawandel sei für Afrika eine wirtschaftliche Chance, suggeriert das UN-Umweltprogramm UNEP in einem Informationsblatt für Journalisten. Organisiert von der International Emissions Trading Association, IETA, einem Unternehmensverband zur Förderung des CO2-Handels, UN-Organisationen wie UNEP und Entwicklungsbanken wie der Weltbank, fand vom 18.-20. April 2012 in Äthiopiens Hauptstadt Addis Ababa das 4. African Carbon Forum statt. Politiker, Projektentwickler und Investoren benutzen es als Plattform, um den bislang noch wenig entwickelten Emissionshandel auf dem Kontinent voranzutreiben - mit dem Versprechen einer "Grünen Entwicklung".
Quelle: African Development Bank, Pressemitteilung vom 20. April 2012
Indische Regierung kritisiert Gen-Baumwolle
5. April 2012: Jahrelang hat Indiens Regierung den Einsatz von gentechnisch veränderter Baumwolle (Bt-Baumwolle), die den Einsatz von Pestiziden verringern soll, gerechtfertigt und gefördert. Mittlerweile wird sie von 90 Prozent der Bauern angepflanzt. In einem Bericht, aus dem die Tageszeitung Hindustan Times vom 26. März 2012 zitiert, räumt das Agrarministerium jetzt ein, "dass die Zahl der Selbstmorde unter Bauern, die Bt-Baumwolle anbauen, besonders hoch ist". Kritiker haben seit langem darauf hingewiesen, dass der Einsatz des gv-Saatguts des US-Konzerns Monsanto die Überschuldung kleinbäuerlicher Betriebe verschärft. Zusätzlich mehren sich die Hinweise, dass die Erträge sinken und der Schädlingsbefall zunimmt, wodurch Kosten und Einnahmen auseinanderdriften.
Quelle: GMWatch
Wachstum für Afrika durch Reisanbau
30. März 2012: Das internationale Forschungszentrum Africa Rice Center hat einen Forschungsplan vorgelegt, der dazu beitragen soll, dass Afrika bis 2020 seinen Reisbedarf zu 90 Prozent selbst decken kann. Die Reisproduktion in Afrika südlich der Sahara soll sich demnach binnen zehn Jahren auf 46,8 Millionen Tonnen mehr als verdoppeln. Gegenwärtig werden noch fast 40 Prozent importiert. Der Reisanbau könne zu einer "Wachstumslokomotive" werden, verkündet der Generaldirektor von AfricaRice, Papa Abdoulaye Seck. AfricaRice hat unter anderem NERICA, den "Neuen Reis für Afrika", entwickelt, dem höhere Erträge und gute Anpassung an Afrikas agroklimatische Bedingungen nachgesagt werden (Siehe "Agrar-Kolonialismus in Afrika", Seite 64ff). Gleichzeitig versucht China, seine eigenen Züchtungen von Hochertragsreis in Afrika an die Bauern zu bringen.
Einigung auf Freiwillige Leitlinien für 'Land grabs'
26. März 2012: Nach dreijährigen Verhandlungen hat eine Arbeitsgruppe des UN-Komitees für Ernährungssicherung, CFS, Leitlinien verabschiedet, wie Regierungen den Besitz von Land, Fischgründen und Wäldern regeln sollten, um bestehende Nutzungsrechte, die durch großflächige Agrarinvestitionen (Land grabbing) gefährdet sind, zu schützen (Voluntary Guidelines for the Responsible Governance of Tenure of Land, Fisheries and Forests). Die Einigung, an der auch zivilgesellschaftliche Organisationen mitgearbeitet haben, soll im Mai bei einer Sondersitzung des Komitees verabschiedet werden. Vorgeschlagen werden unter anderem Flächenbegrenzungen für Verpachtungen und eine stärkere Beteiligung der Parlamente. Während die Financial Times ungenannte "offizielle Vertreter" mit der Aussage zitiert, die Empfehlungen seien "weitgehend Unternehmensfreundlich", bedauern zivilgesellschaftliche Organisationen in einer Erklärung, dass Regierungen nach wie vor daran festhalten, großfläche Agrarinvestitionen seien notwendig für die Entwicklung. Sie hoffen aber dennoch, dass die Leitlinien helfen können, den Hunger zu verringern - Begeisterung klingt anders.
"Afrika in zehn Jahren so wichtig wie Brasilien"
10. März 2012: Analysten von Agrimoney vergleichen die zukünftige Bedeutung der Agrarindustrie in Afrika mit der Rolle, die die Ausbeutung von Bodenschätzen heute spielt. Bekanntlich ist der Boom von Bergbau und Erdölförderung, kontrolliert durch einige wenige Konzerne, der wesentliche Faktor für das eindrucksvolle Wirtschaftswachstum, das einige Länder in Afrika seit einigen Jahren aufweisen. In den kommenden zehn Jahren, so die Prognose, könnten internationale Konzerne, darunter Unternehmen aus China, den Kontinent in ein zweites Brasilien verwandeln, also in einen Global Player bei Produktion und Ausfuhr von Agrarprodukten, mit engen Beziehungen zwischen Agrarindustrie, Minengesellschaften, Finanziers wie der Rabobank, dem Hedgefonds Armajaro oder der Finanzierungsgesellschaft Asia Green Capital und Handelskonzernen. Da mag eine gehörige Portion Wishful thinking im Spiel sein. Doch zeigen diese Erwartungen, wie die Spekulation momentan tickt.
Afrika: China kauft Baumwolle und verspricht Fabriken
26. Februar 2012: China wird immer wichtiger als Abnehmer für Afrikas Baumwolle, obwohl sie als teurer und schlechter als US-amerikanische Baumwolle gilt. 2010 lagen seine Importe aus Westafrika sieben Mal höher als die Importe der EU, die in den vergangenen zehn Jahren um 80 Prozent gesunken sind. In einem neuen Abkommen über technische Zusammenarbeit im Baumwollsektor mit den westafrikanischen Erzeugerländern Benin, Mali, Tschad und Burkina Faso wird Unterstützung bei der Qualitätsverbesserung zugesagt und eine weitere Verlagerung von Textilfabriken nach Afrika angekündigt. Chinesische Unternehmen wie die Yuemei-Gruppe besitzen bereits Baumwollfelder und Textilfabriken in Ländern wie Mali und Ghana.
Quelle: agritrade, 25. Februar 2012
Bill Gates liest den Vereinten Nationen die Leviten
25. Februar 2012: In einer Rede vor dem Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung, IFAD, übte Bill Gates, Vorsitzender der Bill&Melinda Gates Foundation, heftige Kritik an der Arbeit der UN-Organisationen für ländliche und landwirtschaftliche Entwicklung. Der Ansatz von IFAD, zuständig für die kleinbäuerliche Landwirtschaft, des Welternährungsprogramms WFP und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO im Kampf gegen Armut und Hunger sei überholt und ineffizient. Für nachhaltige Produktivitätssteigerungen seien innovativere Instrumente, bessere Koordination und eine Erfolgskontrolle, etwa durch ein System öffentlicher Score Cards erforderlich. Versüsst wurde die Schelte mit 200 Milionen US-Dollar, mit denen die von der Stiftung seit Beginn ihres Landwirtschaftsprogramms im Jahr 2006 für landwirtschaftliche Kleinbetriebe zugesagten Gelder auf - nach eigenen Angaben - über zwei Milliarden US-Dollar steigen, unter anderem für die umstrittene Alliance for a Green Revolution in Africa, AGRA. Der Appell fällt zusammen mit einer Warnung der etc group, die sich seit Jahren kritisch mit der Rolle der Agrarindustrie besonders im Forschungsbereich auseinandersetzt, dass große Stiftungen und Agrarkonzerne zunehmend versuchen, ihren Einfluss auf multilaterale öffentliche Institutionen im Agrarbereich auszuweiten und die Unterscheidung zwischen 'öffentlich' und 'privat' zunehmend verwischt würde (Communiqué #108, January/February 2012).
Quelle: na.presseportal vom 23.2.2012
Hochschulforschung mit Konzerngeldern
9. Februar 2012: Im Rahmen eines neu gegründeten Kompetenzzentrums World Food System möchte die ETH Zürich einen Lehrstuhl "Nachhaltige Agrarökosysteme" einrichten, der vom Schweizer Agrarkonzern Syngenta finanziert wird. Das Unternehmen, dessen wichtigste Produkte Pestizide und Saatgut sind, will dafür zehn Millionen Schweizer Franken bereit stellen. Beobachter wie der Landwirtschaftsexperte der Erklärung von Bern, Francois Meienberg, fürchten, dass dadurch eine unabhängige Forschung fraglich sei. So versucht die Agrarindustrie seit Jahren, den pfluglosen Ackerbau (Conservation Agriculture) als nachhaltig anerkennen zu lassen und dadurch den Herbizidabsatz zu steigern. Mehr dazu in der WOZ
Agrarinvestitionen: BMZ möchte "nur Gewinner"
24. Januar 2012: Gestern stellte das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ, ein Positionspapier für seinen Umgang mit privaten Investitionen in Land vor. Dabei legt es die Messlatte der Anforderungen dafür, dass diese Landnahme nicht zu Land Grabbing, also zu großflächigen Vertreibungen führt, sehr hoch: Partizipation, Transparenz und Rechenschaftslegung, die Anerkennung bestehender Land- und Wasserrechte, ein Menschenrechtskonformer Umgang mit Umsiedlungen und Entschädigungen, Achtung der Menschenrechte auf Nahrung und Wasser, Schutz der natürlichen Ressourcen und eine gerechte Beteiligung am Nutzen der Investition. Allerdings bestehen diese Voraussetzungen für "verantwortungsvolle Investitionen", die gewährleisten würden, dass es "nur Gewinner, aber keine Verlierer gibt", nur unzureichend. Konsequenterweise müsste das BMZ daher ein Moratorium für Direktinvestitionen in Land und deren Unterstützung durch die internationale Entwicklungszusammenarbeit vorschlagen, bis diese Bedingungen geschaffen sind. Stattdessen will es sich auf die Schaffung einer Informationsgrundlage, die Erarbeitung internationaler Leitlinien, die Unterstützung von Partnerländern bei Bodenpolitik und Landmanagement, die Ausbildung von Fachkräften, die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor und die "Einforderung von Nachhaltigkeit" konzentrieren - und im Juli kommenden Jahres einen Erfolgsbericht vorlegen.
Investitionen in Land und das Phänomen des "Land Grabbing". Herausforderungen für die Entwicklungspolitik. BMZ-Strategiepapier 2, 2012
"Agrar-Kolonialismus" jetzt als pdf-Datei
9. Januar 2012: Das Buch "Agrar-Kolonialismus in Afrika. Eine andere Landwirtschaft ist möglich" von Uwe Hoering, erschienen 2007 im VSA-Verlag, Hamburg, ist jetzt als pdf-Datei erhältlich: Download (0,9 MB)
Peru verbietet Gentech-Pflanzen
24. Dezember 2011: Nach breiten Protesten gegen die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen Anfang dieses Jahr wurde jetzt ein Gesetz verabschiedet, das diesen Schritt rückgängig macht und ein Moratorium vorerst für zehn Jahre festlegt. Begründet wurde das Verbot mit dem Schutz der biologischen Vielfalt und der Ernährungssicherheit.
Quelle: GMWatch, 23. Dezember 2011
Agrokonzern setzt auf Züchtung ohne Gentechnologie
1. Dezember 2011: Bayer CropScience plant, innerhalb der kommenden zehn Jahre neue Weizensorten zu entwickeln, die resistenter gegen Hitze und Dürre sind. Dabei soll auf Gentechnologie verzichtet und stattdessen mit Marker-Techniken der Züchtungsprozess beschleunigt werden. Danach aber, so die zuständige Managerin, Sandra Peterson, in einem Interview mit Reuters, müsse Europa seine Ablehnung gegen gentechnisch veränderte Nutzpflanzen aufgeben, um nicht die eigene Ernährungssicherheit zu gefährden.
Quelle: GMWatch, 30. November 2011
Höfesterben in Südafrika
4. November 2011: Die Zahl der kommerziellen landwirtschaftlichen Betriebe in Südafrika könnte von gegenwärtig knapp 40.000 in den nächsten zwei Jahrzehnten auf rund 15.000 sinken, schätzt Ernst Janovsky von Absa AgriBusiness. 1980 waren es noch mehr als dreimal so viel wie heute, 2007 wurde das Land vom Exporteur zum Importeur von Nahrungsmitteln. Der Manager der Absa-Bank, die stark in der Agrarfinanzierung engagiert ist, begründet seine Prognose mit steigenden Kosten, Unsicherheit durch Landumverteilungsprogramme und die bestehenden Rechte von Landarbeitern und fordert eine Wende in der Agrarpolitik, um die Chancen steigender Weltmarktpreise für Agrarprodukte zu nutzen. Quelle: Business Day, 27.10.2011
Veganes Fleisch
15. Oktober 2011: Nach dem alttestamentarischen Vorbild, der Erschaffung Evas aus einer Rippe Adams, arbeiten Wissenschaftler daran, Fleisch zu erzeugen, ohne dafür Tiere töten zu müssen. Dabei werden Stammzellen aus Muskeln in vitro vermehrt. Bislang können allerdings nur geringe Mengen im Labor hergestellt werden.
Quelle: Nourishing the Planet
Zusagen für Afrikas Landwirtschaft nicht eingehalten
12. September 2011: Trotz der anhaltend hohen Nahrungsmittelpreise halten die Industrieländer ihre Zusagen, grundlegende Reformen in Afrikas Landwirtschaft mit dem Ziel einer besseren Eigenversorgung zu unterstützen, nicht ein. Beim G8-Gipfel im italienischen L'Aquila 2009 hatten sie erhebliche Finanzmittel für Landwirtschaft und Ernährungssicherung versprochen. In der Studie "Aid Coordination and Alignment: myth or reality?" über Agrarprojekte in drei westafrikanischen Ländern (Niger, Burkina Faso und Ghana) stellt die Entwicklungsorganisation Oxfam nun fest, dass bislang nur ein Bruchteil dieser Gelder bereitgestellt wurde. Außerdem würden Projekte umfassende Entwicklungspläne der Länder ignorieren und Nahrungsmittelhilfe die lokale Landwirtschaft weiterhin beeinträchtigen. Der Bericht und eine Kurzfassung bei Oxfam International
Deutsche Agrarunternehmen helfen Afrika
August 2011: Neun Agrarfirmen, darunter Bayer CropScience und das Saatgutunternehmen KWS, wollen äthiopischen Bauern nachhaltige Landbewirtschaftung nahebringen, indem sie Saatgut, Technik und Agrargifte für einen Ausbildungsbetrieb bereit stellen. Dabei kooperieren sie eng mit dem äthiopischen Landwirtschaftsministerium. Auch das deutsche Agrarministerium unterstützt politisch und finanziell dieses öffentlich-private Kooperationsprogramm der Agrarunternehmen, von dem sich ein Unternehmenssprecher erhofft, dass dadurch die deutsche Agrarwirtschaft auf weiteren Auslandsmärkten in Afrika Fuß fassen kann.
Quelle: Pressemitteilung der KWS vom August 2011
Land in Mosambik für Brasiliens Exporte nach China
17. August 2011: Mosambik will brasilianischen Farmern bis zu sechs Millionen Hektar im Norden des Landes für den Anbau von Soja, Mais und Baumwolle verpachten. "Wir wollen wiederholen, was sie vor 30 Jahren im Cerrado geschafft haben", erklärte Landwirtschaftsminister José Pacheco in der brasilianischen Zeitung Folha de Sao Paulo. Der Transport von Soja oder Baumwolle nach China, einem wichtigen Abnehmer brasilianischer Agrarprodukte, würde dadurch kostengünstiger, freut sich Carlos Ernesto Augustin, Präsident der Baumwollproduzenten im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso, ausserdem gebe es "ungenutztes Land" und weniger Umweltauflagen. In der Studie "Awakening Africa's Sleeping Giant" (Juni 2009) hatte die Weltbank die Erschließung des Cerrado durch die industrielle Landwirtschaft als Vorbild für Afrika propagiert. Siehe dazu den Globe-spotting-Beitrag "Schlafender Riese, landfressender Moloch oder hässlicher Zwerg?"
Gates-Stiftung rechtfertigt Agro-Gentechnologie
5. August 2011: In einem ausführlichen Interview mit der äthiopischen Wochenzeitung Addis Fortune nimmt Sylvia Mathews, Präsidentin des Globalen Entwicklungsprogramms der Bill&Melinda Gates Foundation, Stellung zu den Vorwürfen, die finanzstarke US-amerikanische Stiftung würde Afrika zum Versuchsfeld für Biotech-Konzerne wie Monsanto machen. Darin bezeichnet sie die Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen als "Teil der Lösung" für Agrarprobleme und Armut auf dem Kontinent. Sie sehe nicht, wie ein Unternehmen wie Monsanto, an dem die Stiftung Anteile hält, "die Armen schwächen" würde. Schließlich könnten die Bauern selbst entscheiden, welches Saatgut sie verwenden. Das ganze Interview auf Addis Fortune.
Siehe dazu die Studien des African Centre for Biosafety (ACB)
Proteste von Baumwollbauern in Westafrika
28. Juli 2011: Während sich die Preise für Baumwolle nach dem krisenbedingten Einbruch erholt und einen historischen Höchststand erreicht haben, klagen Bauern in Westafrika darüber, dass sie davon kaum profitieren würden. In Burkina Faso zum Beispiel, dem größten Produzenten in Afrika südlich der Sahara, zahlen die Regierung beziehungsweise regionale Aufkaufmonopole lediglich 39 Prozent des Weltmarktpreises und erhöhten gleichzeitig den Preis für Dünger um 38 Prozent. Tausende von Bauern beteiligten sich daher an einem Anbauboykott und zerstörten Baumwollfelder. Auch in Kamerun klagen Bauern darüber, dass der festgelegte Aufkaufpreis um bis zu einem Drittel niedriger liegen würde als der Marktpreis. Siehe dazu den Bericht "Booming cotton no boon to African farmers" auf TradeMark SA
Dürre als Einfallstor für Genmais
8. Juli 2011: Seit Anfang des Monats protestieren in Kenias Hauptstadt Nairobi Kleinbauern und Umweltschützer gegen die Einfuhr von gentechnisch verändertem Mais aus Südafrika, mit der Regierung und Getreidemühlenbesitzer die Ernteausfälle aufgrund der anhaltenden Dürre kompensieren wollen. Die Demonstranten lehnen nicht nur die landwirtschaftliche Gentechnologie ab, sondern fürchten auch, dass Bauern durch den billigen Genmais verdrängt werden. Die Grundlage für den Import hatte die Regierung in den vergangenen Jahren geschaffen, indem sie den Import und den kommerziellen Anbau von gv-Pflanzen erlaubte (siehe Nachricht vom 8. März 2011). Doch Gacheke Gachihi, Koordinator der Bunge La Mwananchi Social Movement erklärte gegenüber Newscast Media: "Wir sind überzeugt, dass wir dieses Land mit organischer und agroökologischer Landwirtschaft ernähren können."
Zur Strategie der Agrarindustrie, Hunger zur Durchsetzung von Genpflanzen zu nutzen, siehe auch den Beitrag "Nahrungsmittelhilfe als Brechstange". Download (pdf-Datei 99 kb)
Ernährungssicherheit a la Weltbank
1. Juli 2011: Mit einem ganzen Maßnahmenbündel will die Weltbankgruppe den Auswirkungen steigender und schwankender Nahrungsmittelpreise begegnen: Zum einen seien die Gelder für Landwirtschaft im Finanzjahr 2011 von 4,1 Milliarden US-Dollar 2008 auf bis zu 8 Milliarden annähernd verdoppelt worden. Bis zu 4 Milliarden stellt sie zur Absicherung gegen Preisausschläge bereit, das Global Food Crisis Response Program (GFRP) würde zudem rund 40 Millionen Menschen unterstützen. Das Global Agriculture and Food Security Program (GAFSP), im April 2010 von den G20-Staaten gestartet und von der Bank durchgeführt, soll mit bislang 520 Millionen Investitionen in die bäuerliche Landwirtschaft fördern. Auch die International Finance Corporation (IFC) will privaten Agrarunternehmen stärker bei der Verbesserung der Effizienz helfen. Für Afrika südlich der Sahara, nach Aussage der Bank ihre "Top-Priorität", gingen die Gelder allerdings gegenüber den Vorjahren deutlich zurück. Siehe dazu die Presse-Erklärung
Fan der Agrarindustrie als neuer FAO-Chef
27. Juni 2011: Gestern wurde in Rom der Brasilianer José Graziano da Silva mit knapper Mehrheit zum neuen Generaldirektor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) gewählt. Als brasilianischer Minister für Ernährungssicherheit und Hungerbekämpfung war er unter anderem zuständig gewesen für Fome Zero, ein Regierungsprogramm zur Ernährungssicherung. Wie die Zeitung 'Junge Welt' berichtet, gilt er jedoch auch als ein Befürworter großflächiger Ethanol- und Biodieselproduktion durch Agrarunternehmen. Im Rahmen einer brasilianisch-afrikanischen Kooperation sei er zudem bestrebt, das brasilianische Modell aus Monokulturen und Vertragslandwirtschaft auf Afrikas Savannen zu übertragen. Mehr dazu im Beitrag von Norbert Suchanek in Junge Welt und seinen Gastbeitrag für globe-spotting.de
Vorräte als "smarter Ansatz" gegen Hungerkrisen
22. Juni 2011: Eine globale Getreidereserve von nur 105 Millionen Tonnen hätte helfen können, die Nahrungsmittelkrise vor drei Jahren zu verhindern, behauptet die nichtstaatliche Entwicklungsorganisation Oxfam. Daher appellierte sie anläßlich des Treffens der G20-Landwirtschaftsminister an die Regierungen, "die Haltung zu Nahrungsmittelreserven zu überdenken". Allerdings müsste eine Vorratshaltung kostengünstiger und effektiver als in der Vergangenheit umgesetzt werden. Oxfam greift damit eine Diskussion auf, die bereits seit einiger Zeit läuft. Siehe Agrarkolonialismus
Agrarverhandlungen in der WTO (fast) am Ende
31. Mai 2011: Was sich in den vergangenen Monaten bereits abzeichnete, ist jetzt sozusagen offiziell: Die Agrarverhandlungen in der Welthandelsorganisation WTO werden auf die lange Bank geschoben. Vor dem Trade Negotiations Committee, das alle Verhandlungen der sogenannten "Doha Entwicklungsrunde" koordiniert, räumte WTO-Chef Pascal Lamy ein, dass bei Themen wie Marktzugang für nicht-agrarische Verarbeitungsprodukte (NAMA), Landwirtschaft und Dienstleistungen oder geistigen Eigentumsrechten (TRIPS) auf absehbare Zeit keine Ergebnisse mehr zu erwarten seien. Bis zur nächsten WTO-Ministerkonferenz im Dezember soll jetzt noch ein kleines Weihnachtspaket geschnürt werden, um nicht ganz mit leeren Händen da zu stehen. Darin sollen einige Regelungen für den Handel mit den ärmeren Entwicklungsländern verpackt werden. Mehr auf der WTO-Website
Preistreiberei durch Spekulation "nicht belegt"
30. Mai 2011: Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Landwirtschaftsministeriums (BMELV) lehnt - anders als das Ministerium selbst - eine Regulierung von Warenterminmärkten zur Stabilisierung von Marktpreisen weitgehend ab. Dass "exzessive" Spekulationen die Märkte destabilisieren würden und damit auch zu starken Preissteigerungen und Hunger beitragen könnten (Siehe Literaturhinweis), hält er für nicht hinreichend belegt. Auch beim Vorschlag einer globalen Nahrungsmittelreserve (Siehe Literaturhinweis) sieht er weiteren Forschungsbedarf.
Link zur Beirats-Stellungnahme "Risiko- und Krisenmanagement in der Landwirtschaft: Zur Rolle des Staates beim Umgang mit Ertrags- und Preisrisiken" (April 2011).
Siehe dazu auch den globe-spotting-Kommentar: "Nahrungsmittelpreise: Den Hunger wegregulieren" (August 2010)