Uwe Hoerings Blog:

Boykottiert Rio+20!

Wenn im Juni 2012 in Rio de Janeiro die Umweltminister, Staats- und Regierungschefs zum Gipfel Rio+20 auflaufen, dann wird schon Nostalgie aufkommen. Denn der Vorläufer, der „Erdgipfel“ 1992, war Aufbruch. Es waren die Zeiten, in denen vom Wind des Wandels gesprochen und gesungen wurde. Kalter Krieg und Systemkonkurrenz waren beendet, neue Perspektiven, ein Paradigmenwechsel schienen möglich. Die UN-Konferenz Umwelt und Entwicklung (UNCED) versprach damals mit ihrem Konzept der Nachhaltigkeit, ein Gegengewicht zur neoliberalen Globalisierung zu bieten.

Doch 20 Jahre später gibt es in Rio wenig zu feiern. In Rio stehen viele der brennenden Themen und Fragen nicht auf der Tagesordnung. In Rio werden keine Weichen gestellt und keine wichtigen Entscheidungen fallen. Und für die Zivilgesellschaft ist in Rio kein Blumentopf zu gewinnen. Ja, Rio+20 kann und sollte genutzt werden, um für die eigenen Ideen, Positionen und Forderungen zu werben. Aber das geschieht besser, indem man Rio+20 boykottiert. Mehr

Auch in Englisch: "Boycott Rio+20!"

 

Chancen durch 'Land grabbing'

Oktober 2011: Der breiten und fundierten Kritik am 'Land grabbing' halten Befürworter der neuen, großflächigen Agrarinvestitionen deren angebliche Chancen entgegen. Eine davon sei die Vertragslandwirtschaft. Bauern könnten ihr Land behalten und als Zulieferer für kommerzielle Abnehmer arbeiten. In der Tat suchen Supermarktketten, Agrarkonzerne, Handelsunternehmen und Plantagenbetreiber verstärkt nach 'inklusiven Geschäftsmodellen', um Bauern effizienter in ihre Produktions- und „Wertschöpfungsketten“ einzubinden.

Das klingt für manche Bauern durchaus attraktiv: Sie bekommen für Investitionen Kredite, Saatgut, Pestizide und Dünger werden geliefert, der Absatz ihrer Produkte ist gesichert. Mehr

 

Gemeinsam mit den Spekulanten gegen Hunger

14. Juli 2011: Stolz verkündete die Weltbank vor drei Wochen, dass sie einen neuen Weg gefunden habe, „wie sich Bauern, Nahrungsmittelerzeuger und Verbraucher selbst gegen die Preisschwankungen für Nahrungsmittel schützen können“. Das macht neugierig. Mehr

 

Weniger Verschwendung hilft nicht gegen Hunger

Mai 2011: Mit ihrem Appell 'Save Food' greift die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO einen Skandal von gewaltigem Ausmaß auf: Etwa ein Drittel der Nahrung, die für den menschlichen Verbrauch erzeugt wird, geht weltweit verloren. Ihre Lösungsvorschläge beschränken sich allerdings weitgehend auf Kosmetik – den Hungernden helfen sie kaum. Mehr

 

Vogelgrippe als Steigbügelhalter für Genfleisch

Januar 2011: Britische Forscher melden einen "Durchbruch" beim Schutz von Tieren gegen Virusinfektionen. In der Wissenschaftszeitschrift Science berichten sie darüber, dass Hühner genetisch so verändert wurden, dass die Übertragung der Vogelgrippe sowohl von Tier zu Tier als auch von Tier zu Mensch unterbunden werde. Davon versprechen sie sich nicht nur wirtschaftliche Vorteile für die Industrie, sondern auch eine größere Akzeptanz für die Anwendung von Gentechnologie bei der Produktion von Nahrungsmitteln. Mehr

 

"Land grab": Zu Risiken fragen Sie die Weltbank

September 2010: Jetzt haben wir es sozusagen aus berufenem Munde: Das Ausmaß von Land grabbing ist anscheinend weitaus größer als bislang vermutet. Das jedenfalls steht im mit Spannung erwarteten Bericht "Rising Global Interest in Farmland" der Weltbank. Mehr

 

Wo der Brotkorb hängt

August 2010: Ein Ende nicht nur des Hungers in Afrika, sondern der Ernährungskrise überhaupt ist endlich in Sicht! Mehr

 

Weitere Blog-Beiträge

Frühere Beiträge im Archiv

In diesem Gästeblog werden Kommentare, Berichte und Beiträge anderer Verfasser und Verfasserinnen rund um die globe-spotting-Themen eingestellt. Uwe Hoering

Rio+20: Lösungen für die 'Green Economy'

von Jürgen Maier, Dezember 2011

In seiner Diskurs-Analyse der Bonner 'Nexus-Konferenz', die die Bundesregierung Mitte November durchführte, arbeitet Jürgen Maier, Geschäftsführer des Forum Umwelt & Entwicklung, heraus, dass die NGOs bei der Diskussion um eine 'Green Economy' gegenüber schwarz-gelber Politik und Unternehmen ins Hintertreffen zu geraten drohen. Sie müssten sich wieder mehr auf die eigenen Stärken und Konzepte besinnen. Mehr

Tier-Gentechniker treffen auf ihre Kritiker

Ein Tagungsbericht von Susanne Gura, Oktober 2011

Anders als bei gentechnisch veränderten Pflanzen erfährt die Öffentlichkeit wenig über die weit fortgeschrittene Entwicklung gentechnisch veränderter Tiere. Ein internationales Symposium über Gentransfer bei Tieren, das die Niederländische Gentechnik-Kommission COGEM kürzlich durchführte, war eine seltene Gelegenheit, mit Managern und Forschern zu diskutieren. Doch deren Reaktion bestand weitgehend aus Schweigen, Ablenken und Diffamieren der Kritik. Mehr

Selbstbestimmung über unser Essen

Beim Nyéléni-Forum, das Mitte August in Österreich stattfand, wurde eine europäische Bewegung für Ernährungssouveränität angestoßen, berichtet Berit Thomsen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in ihrem Gastbeitrag:

In Irland werden meist Kartoffeln aus Kenia angeboten. Ernährungssouveränität bedeutet für mich, dass ich Zugang zu Lebensmitteln habe, die vor Ort produziert werden“, sagt Jiân Crowley von Food Action in Irland. „Nicht die Konzerne, sondern ich als Bäuerin muss entscheiden können, welches Saatgut ich anbaue, oder ob ich meine Milch als Rohmilch verkaufe“, ist die Sicht der österreichischen Bäuerin Monika Kleinschuster, Vorstandsmitglied ÖBV-Via Campesina. Mehr

Dürftige Ergebnisse des G20-Agrargipfels

29. Juli 2011: Im Juni fand erstmals ein Treffen der Agrarminister der G20, der Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer statt. Zahlreiche Fragen, wie die problematische Ernährungssituation verbessert werden könnte, wurden angesprochen, wie Sophia Murphy vom Institute for Agriculture and Trade Policy berichtet, Entscheidungen jedoch vertagt. Mehr

Hello, Graziano! Bye bye, Savanne?

Neuer FAO-Chef José Graziano da Silva steht auf Gentechnik

Ein Gastbeitrag von Norbert Suchanek, Juli 2011

Als José Graziano da Silva vergangenen Juni zum neuen Chef der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) gewählt wurde, gab es selbst von der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam Vorschusslorbeeren. Denn der 61-jährige Brasilianer gilt als erfolgreicher Kämpfer gegen den Hunger in der Welt. Mehr

Peinlich, heuchlerisch, anmaßend

Juni 2011: Die neue Afrika-Strategie der Weltbank (Africa's future and the World Bank's support to it) sei ein Beispiel dafür, wie das multilaterale Establishment, besoffen von seiner eigenen neoliberalen Rhetorik, von den angeblichen Wachstums- und Exportperspektiven des Kontinents schwärmt und gleichzeitig die strukturelle Unterdrückung, bei der es Komplize ist, herunterspielt, meint Patrick Bond von der University of KwaZulu-Natal in seinem Kommentar

Aus Liebe zum Markt

Die Weltbank, die Nahrungsmittelkrise und die Landwirtschaft

Ein Gastbeitrag von Ama Marston (Bretton Woods Project)

18. Februar 2011: Während Nahrungsmittelpreise auf Rekordhöhe zum Aufstand in Nordafrika und in anderen Regionen beigetragen haben, hat das unerschütterliche Vertrauen der Weltbank in die Märkte eine Diskussion ausgelöst, wie die vielfältigen Ursachen, die der globalen Krise der Nahrungspreise zugrunde liegen, am Besten angegangen werden sollten. Gleichzeitig fördert Weltbankpräsident Robert Zoellick weiterhin die Bemühungen, Landwirtschaft in den CO2-Markt einzubringen. Mehr

Weitere Gastbeiträge:

Frühere Gastbeiträge befinden sich im Archiv