Wer ernährt China - wie?
Bei den Diskussionen über die atemberaubenden Veränderungen in China fehlt weitgehend der Blick auf die Landwirtschaft, obwohl die Entwicklungen in diesem Bereich die Zukunftsperspektiven sowohl im Land selbst als auch global mindestens genau so beeinflussen und prägen werden, wie es der Aufstieg Chinas zu Werkbank der Welt getan hat. Beiträge auf dieser Seite werden sich mit diesen Themen beschäftigen.
Der Preis für das 'Gute Leben'
Juni 2010: Der Parlamentarische Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Gerd Müller, sorgt sich qua Amt nicht nur um die Ernährung der deutschen Verbraucher, sondern auch um das Wohlergehen der Chinesen – und um die heimische Milchwirtschaft, um Tierzüchter und Anlagenbauer. Angesichts des boomenden chinesischen Marktes würden sich für die "hochwertige" und "sichere" deutsche Milch große Chancen eröffnen. In der Tat expandieren in China Nachfrage, industrielle Tierhaltung und in- und ausländische Konzerne. Ein Bericht (pdf-Datei 123 kb) von Uwe Hoering und Susanne Gura.
Nachhaltige Landwirtschaft in China
April 2010: Die Landwirtschaft in China hat unübersehbare Probleme: Boden und Wasser werden durch Agrargifte und Dünger geschädigt und durch Urbanisierung und Erosion knapp. Der Sojaanbau leidet unter Billigimporten. Die Kluft zwischen Stadt und Land wächst. Lebensmittelskandale empören die Bevölkerung. Diese Gefährdung der Ernährungssicherheit und mögliche Lösungen wurden Mitte März bei einem internationalen Workshop in Beijings Renmin-Universität diskutiert. Ein Bericht für das EU-China Civil Society Forum.
Der Beitrag als Download (pdf-Datei 160 kb)
Reis aus dem Gentechnik-Labor?
Januar 2010: Sowohl für Chinas Agrarstrategie als auch für die industrielle Aufholjagd spielen Bio- und Gentechnologie eine zentrale Rolle. Befürworter wie Gegner von gentechnisch veränderten Agrarprodukten blicken daher gleichermaßen gespannt auf die Politik der Regierung in Beijing.
Falscher Alarm?
Anfang Dezember vergangenen Jahres kündigte das chinesische Landwirtschaftsministerium an, dass zwei gentechnisch veränderte (gv) Reissorten – Hua Hui 1 und Bt Shanyou 63 – den Sicherheitscheck bestanden hätten und in zwei bis drei Jahren kommerziell angebaut werden könnten. Damit schienen sich die Hoffnungen der Gentechnologie-Industrie auf der einen Seite, die Befürchtungen ihrer Kritiker auf der anderen zu erfüllen: Der Durchbruch für gv-Produkte in den Massenmarkt für Grundnahrungsmittel.
Dagegen kommt vom Third World Network (TWN) in Beijing vorsichtige Entwarnung. Die Bescheinigung der Biosicherheit, so die nichtstaatliche Lobby-Organisation, gilt nur für die Provinz Hubei, in der die Huazhong Agriculture University angesiedelt ist, die die Reisvarianten entwickelt hat. Und sie ist bis Sommer 2014 befristet. Vor allem aber ist der komplizierte Zulassungsprozess für die kommerzielle Nutzung damit noch nicht abgeschlossen. "Daher kann es noch eine Weile dauern, bis gv-Reis tatsächlich kommerziell in China angebaut wird".
Mehr: Der ganze Text: "China: Reis aus dem Gentechnik-Labor?" als Download (pdf-Datei 127 kb)
Siehe dazu das Gespräch mit dem Agrarökonom Zhou Li, China Renmin University, Beijing
China: Grüne Revolution wird grüner
September 2009: Zieht in China eine "organische Agrarrevolution" herauf, wie manche Beobachter meinen? Unbestreitbar ist eine Zertifizierungs-Flut, die den Eindruck erweckt, als sei inzwischen ein Drittel der Anbaufläche ökologische Landwirtschaft. Unbestreitbar auch ein wachsendes Interesse an "grünen" Lebensmitteln. Doch nicht alles, was den Anspruch erhebt, ist auch wirklich "Bio".
Ein Beitrag über die Versuche, den Ruf von Chinas Agrarprodukten aufzupolieren.
Beijing entdeckt die Landwirtschaft
Der Zeitpunkt war perfekt gewählt: Mitte Oktober 2008 verabschiedete das Zentralkommitee der Kommunistischen Partei Chinas einen Reformvorschlag, der den Bauern erlaubt, ihre Landnutzungsrechte abzutreten. Während die einen sich davon eine Modernisierung der kleinteiligen Landwirtschaft erwarten, befürchten andere, dass viele Familien dadurch ihr Land verlieren könnten.
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