US-Saatgutkonzern hofft auf Zulassung von Genmais
17. Februar 2012: Pioneer Hi-Bred International, der größte US-amerikanische Produzent von Hybridsaatgut, setzt auf eine steigende Nachfrage nach Mais in China. Im vergangenen Jahr importierte das Land 1,75 Millionen Tonnen Mais, mit steigender Tendenz. Der Saatgutkonzern dient sich als Helfer bei der Kampagne "Go West" an, der landwirtschaftlichen Erschließung der bislang vernachlässigten westlichen Provinzen wie Xinjiang mit der Hauptstadt Urumqi. Und er erwartet, dass der steigende Viehfutter-Bedarf schon bald den Widerstand der Regierung gegen gentechnisch veränderten Mais brechen wird.
Quelle: ChinaDaily vom 15.2.2012
Kein Gen-Reis - aber Gen-Papaya?
6. Februar 2012: "Wir haben Goliath besiegt", fasst Greenpeace seine Kampagne in China gegen die Einführung von gentechnisch veränderten Reissorten zusammen. In mehreren Artikeln wird die Auseinandersetzung dargestellt, die schließlich dazu führte, dass die Regierung im September vergangenen Jahres die Kommerzialisierung von gv-Reis vorerst suspendierte. Der Journalist Yinghui Zhang-Carraro ist dagegen weniger zuversichtlich: Aufgrund seiner Recherchen ist er überzeugt, dass in China weitaus mehr Genpflanzen angebaut werden, als öffentlich bekannt ist.
Quelle: GM Watch vom 5.2.2012
Wasser für Städte und Industrien
11. Januar 2012: Die Entscheidung, Wasser aus dem Qiandao-See zur Versorgung der 150 Kilometer entfernten Millionenstadt Hangzhou umzuleiten, hat die Diskussion über ehrgeizige Wasserprojekte in China angeheizt. Das über 3 Milliarden US-Dollar teure Vorhaben ist nur eines von zahlreichen ähnlichen Projekten, die prekäre Wasserversorgung der weiter wachsenden Städte und Industrien sicher zu stellen. Dazu gehören Vorhaben wie das 'West-to-East Water Transfer Project' für den urbanen und industriellen Ballungsraum Guangzhou nordwestlich von Hongkong und ein 10-Milliarden-US-Dollar Projekt, um die aufstrebende Metropole Kunming im Südwesten durch einen 900 Kilometer langen Kanal zu versorgen. Für die Hauptstadt Beijing und weitere Städte im Nordosten soll der Gelbe Fluss stärker angezapft werden, der bereits an die Bewässerungslandwirtschaft sehr viel Wasser abgibt. Umweltschützer warnen seit Jahren vor den Auswirkungen auf die Umwelt. Aber auch die Landwirtschaft wird durch diese Umverteilung zwischen Regionen und zwischen Stadt und Land gefährdet, zumal der Grundwasserspiegel in vielen Gebieten bereits stark gesunken ist.
Quelle: Chinadialogue vom 10.1.2012
"Respektiert die Rechte der Bauern"
29. Dezember 2011: In einer Rede am 27. Dezember hat Premierminister Wen Jiabao die Bedeutung der landwirtschaftlichen Modernisierung bekräftigt. Um die Selbstversorgung mit Getreide auch in Zukunft sicher zu stellen, sollen die technologische Entwicklung beschleunigt, die Unterstützung für den Getreideanbau und die Markteinbindung der Landwirtschaft verstärkt und die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Reformen (New Socialist Countryside) vorangetrieben werden. 2011 stieg die Getreideernte nach offiziellen Angaben zum achten Mal in Folge - auf 571 Millionen Tonnen. Familienbetriebe sollen gefördert und die Lebensbedingungen in den ländlichen Regionen verbessert werden, um die Abwanderung zu bremsen. Einen breiten Raum nahm anscheinend die Landfrage ein. Angesichts von Protesten wie im Herbst in der Provinz Guangdong ermahnte er die Parteikader und lokalen Behörden, die Landrechte zu achten und die Bauern an steigenden Bodenpreisen zu beteiligen. Quelle: China Daily vom 28.12.2011
Die offizielle Zahl der Armen in China gestiegen
3. Dezember 2011: Ende November hat Chinas Regierung die Armutsgrenze für die ländlichen Regionen heraufgesetzt. Bislang war sie nur rund halb so hoch wie der international verbreitete Richtwert der Weltbank von gegenwärtig 1,25 US-Dollar pro Tag, dem sie nach der Anhebung nun in etwa entspricht. Dadurch steigt auch die Zahl der ländlichen Armen, die mit 2,8 Prozent Prozent der ländlichen Bevölkerung sehr niedrig lag, jetzt offiziell auf 128 Millionen Menschen. Quelle: Guardian, 30.11.2011
Wasserkrise in China als Chance für Investoren
30. Oktober 2011: Die Wasserkrise in China steht im Mittelpunkt eines neuen Internet-Informationsdienstes. Verschmutzung und Versorgungsengpässe haben inzwischen ein derartig alarmierendes Ausmaß erreicht, dass auch die Regierung in ihrem 12. Fünfjahresplan den Wasserbereich zu einem von sieben 'strategischen Zukunftssektoren" erklärt hat. Unter dem reisserischen Titel "China Water Risk" werden Beiträge von Experten, Forschungsergebnisse, Interviews und Analysen veröffentlicht werden. Ein Schlüsselbereich ist dabei die Landwirtschaft. Auch wenn der neue Dienst vorrangig auf Investoren und Firmen abzielt, die er einerseits auf Geschäftsrisiken durch Wasserprobleme, andererseits auf Investitionsmöglichkeiten aufmerksam machen will ("We want to help investors and business leaders stay ahead of the water risk curve, to make decisions from which to profit"), verspricht er, eine interessante Informationsquelle rund um den Wassersektor in China zu werden.
Weniger Antibiotika in Chinas Tierfabriken?
13. Oktober 2011: Seit einigen Jahren wird in China die industrielle Tierhaltung massiv vorangetrieben. Jetzt gibt es möglicherweise ein Umdenken beim massiven und regelmäßigen Einsatz von Antibiotika. Anzeichen dafür ist eine Meldung, dass das Agrarministerium ein Verbot von Antibiotika als Wachstumsbeschleuniger in Viehfutter angekündigt hat. Es wird geschätzt, dass in China im Jahr 97.000 Tonnen Antibiotika als Futtermittelzusatz verwendet werden, mehr als sechsmal so viel wie in den USA. Quelle: Mother Jones
Gen-Reis kommt vorerst nicht auf den Acker
6. Oktober 2011: Als im November 2009 zwei gentechnisch veränderte Reis- und eine Maissorte eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erhielten (Siehe den Beitrag "Reis aus dem Gentechnik-Labor?"), sahen besorgte Beobachter darin einen Durchbruch für gv-Nahrungsmittel. Jetzt hat das Agrarministerium anscheinend beschlossen, zumindest die Kommerzialisierung von gv-Reis und gv-Weizen vorerst auszusetzen. Gründe dafür können die breite Ablehnung unter Wissenschaftlern und Verbraucherorganisationen, Zweifel an der Unbedenklichkeit und der Wirtschaftlichkeit sein. Dagegen gehen anscheinend die Planungen für eine Zulassung von gv-Mais, der bereits zunehmend als Viehfutter importiert wird, weiter. Quelle: GM Watch
Bauern erzwingen Überprüfung von Landtransfers
September 2011: Hunderte Bauern protestierten mehrere Tage lang gegen den Verkauf von Ackerland an Bauunternehmen in der südchinesischen Provinz Guangdong, einem der wichtigsten Industriezentren des Landes. Es gab Zusammenstöße mit der Polizei, ein Regierungsbüro und eine Polizeistation wurden verwüstet. 'Land grabs' sind weit verbreitet, da Unternehmen, Behörden und korrupte Beamte an der Umwandlung in Bauland kräftig profitieren. Proteste werden durch Sicherheitskräfte meist schnell beendet. In diesem Fall griffen sie auf mehrere andere Ortschaften über. Die Bauern forderten die Rückgabe des Landes oder zumindest ausreichende Entschädigung. Nach Verhandlungen versprachen Regierungsvertreter unter anderem, zurückliegende Landtransfers zu überprüfen.
Quelle: Reuters, 24.9.2011. Siehe dazu auch den Beitrag in New York Review vom 22.12.2011.
Agrarexperten schlagen Alarm
8. August 2011: Wissenschaftler der Chinese Academy of Agricultural Sciences, die Daten des Agrarministeriums ausgewertet haben, berichten, dass Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in der Wintersaison brach liegen, weil Arbeitskräfte wegen besserer Verdienstmöglichkeiten in die Städte gehen. Dadurch würde die Reisernte um rund 10 Prozent niedriger ausfallen, schätzen sie. In jüngster Zeit hat China verstärkt Getreide wie Mais und Weizen eingeführt. Agrarminister Han Changfu gekräftigte jedoch in einem Interview, dass "China nicht beabsichtigt, zur Versorgung seiner Bevölkerung auf Importe angewiesen zu sein." Quelle: Xinhua, August 8, 2011
China steigert Agrarinvestitionen in Brasilien
28. Juli 2011: Da Landerwerb durch ausländische Unternehmen in Brasilien erschwert worden ist, investieren chinesische Firmen zunehmend in Infrastrukturprojekte, im Austausch gegen Agrarprodukte, und in Agrarunternehmen. Die beiden Länder ergänzen sich ideal, da Brasilien Soja und Mais, die China dringend benötigt, in großen Mengen liefern kann und zudem als das Land mit den größten ungenutzten Landreserven gilt. Durch seine Investitionen wolle China nicht nur seine langfristige Versorgung sichern, schreibt die niederländische Rabobank in einer neuen Studie, sondern angesichts der Schuldenprobleme der USA auch sein Anlagen-Portfolio diversifizieren. Quelle: farmlandgrab, July 28, 2011
Trockenheit in China stellt die Agrarfrage
9. Februar 2011: Eine Trockenheit von historischem Ausmaß bedroht die Ernte von Getreide in Chinas wichtigsten Anbauregionen. Obwohl Aussagen über den tatsächlichen Ernteausfall noch verfrüht sind und das Land über erhebliche Reserven verfügen dürfte, könnte dadurch die Spekulation die Getreidepreise weiter in die Höhe treiben, die nach Angaben der UN-Ernährungsorganisation FAO nur noch 11 Prozent unter dem Höchststand im April 2008 liegen. Und sie wirft erneut ein Schlaglicht auf die Agrarkrise, die sich in China zusammenbraut, und könnte der in Gang gekommenen Debatte über die Agrarpolitik weiteren Auftrieb geben. Siehe dazu die aktuelle Broschüre "Landwirtschaft in China".
Das Recht auf Nahrung in China
14. Januar 2011: "Beeindruckt" zeigt sich der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, von der Ernährungssicherheit in China. Gleichzeitig warnt er in seinem Bericht davor, dass sie durch den Rückgang landwirtschaftlicher Nutzfläche und die Vertreibung von Bauern gefährdet sein könnte und spricht sich für eine stärkere Förderung nachhaltiger Anbaumethoden aus. Außerdem weist er auf die Benachteiligung der ländlichen Gebiete gegenüber den Städten und die prekäre Situation der Millionen Arbeitsmigranten hin. Mehr. Siehe auch globe-spotting-Thema Landwirtschaft China
Coca-Cola reinigt den Yangtze
18. August 2010: Gemeinsam mit der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) will Coca-Cola die Wasserqualität im Yangtze verbessern. Zum Beispiel sollen Bauern Dung anstatt in den Fluss in Biogasanlagen leiten. Die Initiative des Konzerns, der in China 39 Abfüllanlagen für Flaschenwasser betreibt und bereits mehr als die Hälfte des Marktes für Softdrinks beherrscht, ist Teil einer umfassenden Expansionsstrategie. Rückschläge wie im südindischen Plachimada, wo die Firma 2004 ihre Anlage schließen musste, weil sie die lokale Wasserversorgung beeinträchtigte, haben dazu geführt, dass sie verstärkt mit Umweltinitiativen ihrem Image aufzuhelfen versucht.
Quelle: Knowledge(at)Wharton. Siehe auch "Privatisierung der Wasserversorgung in China"