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Archiv: Wasserpolitik - Literatur

Attac Schweiz: Service Public in der Schweiz (2005)

Der Untertitel des von Attac Schweiz herausgegebenen Buches verspricht Alternativen zur neoliberalen Globalisierung - „Perspektiven jenseits der Privatisierung“. Zunächst jedoch wird in den ersten beiden Kapiteln nachgezeichnet, wie in den vergangenen Jahren Liberalisierung und Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen auch in Europa vorangetrieben werden, nachdem sie zunächst in den Ländern des Südens unter anderem von IWF und Weltbank durchgesetzt wurden. Über die knappe, verständliche Darstellung von Ideologie, Triebkräften und Erwartungen hinaus macht das Buch insbesondere im zweiten Kapitel die Erfahrungen mit dieser Entwicklung im Mikrokosmos Schweiz deutlich.

Anschaulich wird dabei, wie durch bisherige Privatisierungen von Post und Telekommunikation, Bahn und Energieversorgung, Bildung, Wissenschaft und Gesundheit zunehmend das Recht auf Zugang zu öffentlichen Leistungen durch Kaufkraft ersetzt wird. Die Auswirkungen auf die Arbeitssituation, die Beschränkung von demokratischer Einflussnahme und Beteiligung am öffentlichen Leben durch die Einschränkung von Kommunikation oder Mobilität haben damit auch unmittelbare Bedeutung für den Alltag jedes Einzelnen. Gleichzeitig öffnet das Buch den Blick auf die breite, starke und mit Kampagnen wie der Ende 2004 gestarteten Aktion „GATS-freie Zonen“ recht erfolgreichen Gegenbewegungen in der Schweiz.

Das dritte Kapitel, Perspektiven für eine alternative Gestaltung öffentlicher Dienste aufzuzeigen, bleibt dagegen eher allgemein, zeichnet jedoch Grundzüge für eine „neue Bewegung“ auf wie gesellschaftliche Aneignung, Solidarität, Kooperation und demokratische Einflussnahme. Wichtig ist dabei, dass keine Rückverstaatlichung der öffentlichen Dienste angestrebt wird, sondern ein „emanzipatorischer Gegenentwurf zur neoliberalen Enteignungsökonomie und zum sozialliberalen Begleitprogramm.“ Der entscheidende Wert des Buches besteht aber darin, dass es gelungen ist, das komplexe Thema aus der Insider-Szene herauszuholen ohne zu vereinfachen, und in seinen vielfältigen, weitreichenden Konsequenzen verständlich zu machen.

Attac Schweiz (Hrsg.), Service Public. Perspektiven jenseits der Privatisierung. Vorwort von Elmar Altvater. Rotpunktverlag Zürich, 2005, 180 Seiten

Bennet et al, Investitionen in den Schutz von Wasserressourcen (2013)

Januar 2013:Produced by Forest Trend, the report is the second instalment of an inventory of initiatives around the world that are paying individuals and communities to revive or preserve water-friendly features of the landscape, including wetlands, streams and forests that can capture, filter and store freshwater. Of the 205 "payments for watershed services" programmes tracked around the world, more than half are in China and the United States. 91 percent of the payments in 2011 took place in China.

Genevieve Bennet et al, Charting New Waters. State of Watershed Payments 2012. January 2013

Boag/McDonald, Öffentliche Wasser-Partnerschaften (2010)

Während es viel Literatur über die private Kommerzialisierung von Wasserdienstleistungen (Public-Private Partnerships, PPP) gibt, werden die Alternativen dazu kaum untersucht. Diese kritische Bestandsaufnahme der Literatur versucht sowohl Probleme aufzuzeigen, als auch das Verständnis dieser öffentlichen Ansätze im Wassersektor (PUPs) zu vertiefen. Dafür werden die unterschiedlichen Kooperationsformen analysiert, Vorteile des Modells und die Kritik an ihm geprüft und die Entstehung der Water Operator Partnerships (WOPs) betrachtet.

Gemma Boag, David A. McDonald, A Critical Review of Public-Public Partnerships in Water Services. In: Water Alternatives, 2010, 3 / 1.

Siehe auch: Reclaiming Public Water

Candeias u.a., Krise der Privatisierung (2008)

Die neoliberale Privatisierung steckt in einer Krise, doch das bedeutet nicht unbedingt ihr Ende. Politik und Investoren suchen sich andere Aktionsfelder. Dennoch werden Verschiebungen im gesellschaftlichen Klima deutlich, die Kampagnen gegen Privatisierungen Erfolge bescheren und Rekommunalisierungen sowie die Debatte um das Öffentliche vorantreiben.

Mario Candeias, Rainer Rilling, Katharina Weise (Hrsg.), Krise der Privatisierung, Rückkehr des Öffentlichen. Texte der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Band 53. Berlin (Karl Dietz Verlag) 2008. Download (pdf-Datei) bei Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Petra Dobner, Wasserpolitik für Fortgeschrittene (2010)

Informationen über Ursachen und Dimensionen der Wasserkrise bilden die Grundlage für die Untersuchung politischen Handelns im Wassersektor seit Anfang der 1970er Jahre - materialreich und informativ. Das gilt auch für den Überblick über die entsprechenden Konferenzen der Vereinten Nationen und des eher privatwirtschaftlich dominierten "Weltwasserforum" und den Abriss der Privatisierungsversprechungen als Lösungsansatz. Die darauf aufbauende politikwissenschaftliche Analyse von Global Governance- Strukturen einschließlich einer Sichtung der Netzwerke, Akteure und Interessen, die sie bestimmen, kommt zu dem Ergebnis, dass die globale Wasserpolitik mehr verspricht, als sie halten kann.

Petra Dobner, Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance. Berlin (Suhrkamp) 2010

Dugard/Drage, Der Rechtsweg zur öffentlichen Versorgung (2012)

Juni 2012: Der Text analysiert anhand von sechs Fallstudien, darunter das Volksbegehren in Berlin und das Referendum in Italien, mit welchen rechtlichen Mitteln efolgreich gegen die Privatisierung im Wassersektor vorgegangen werden kann, unter anderem indem Gesetze und Verfassungen geändert wurden.

Jackie Dugard and Katherine Drage, Shields and Swords.Legal Tools for Public Water. Municipal Services Project, June 2012. Link

FAME2012: Alternativen zur Privatisierung (2012)

April 2012: Die Vorstellungen, wie die vielfältigen und anhaltenden Probleme im Wassersektor gelöst werden sollten, können gegensätzlicher kaum sein: Beim 6.Weltwasserforum in Marseille präsentierten Regierungs- und Unternehmensvertreter ihre Strategien, den Wasserbereich zu einem Zugpferd für die „Grüne Ökonomie“ zu machen. Entsprechend standen Stichwörter wie Effizienz, Technologien, Kommerzialisierung, öffentlich-private Partnerschaften (PPP) und „marktorientierte Lösungen“ im Vordergrund. Beim Alternativen Forum FAME2012 waren die Stichwörter dagegen Gemeingüter, Rekommunalisierung und Community Management.Und es wurden eine Reihe aktueller Publikationen dazu vorgestellt. Mehr

Tommaso Fattori, Wasser buchstabiert sich Demokratie (2012)

12. März 2012: Das erfolgreiche Referendum gegen eine umfassende Wasserprivatisierung im Juni vergangenen Jahres in Italien war ein wichtiger Meilenstein in der Bewegung für eine Demokratisierung der Wasserversorgung. Eine Einschätzung.

Tommaso Fattori, Fluid Democracy: The Italian Water Revolution. In: Transform! Journal 09/2011

Food&Water Europe: Zusammenarbeit für das Recht auf Wasser (2012)

28. Februar 2012: Eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Versorgungsunternehmen (Public-Public Partnership, PUP) bietet die gleichen Vorteile wie profitorientierte Öffentlich-Private Partnerschaften (PPP), beispielsweise die Weitergabe von Technologien, aber ohne deren Nachteile wie Entlassungen oder überhöhte Preise. Sie seien daher ein geeigneter Ansatz, um die Versorgung mit Wasser und sanitären Einrichtungen zu verbessern, heisst es in einer neuen Studie von Food&Water Europe.

Public-Public Partnerships. An Alternative Model to Leverage the Capacity of Municipal Water Utilities. February 2010 (Food& Water Europe)

Food&WaterWatch: Wasserprivatisierung gebremst, aber nicht gestoppt (2009)

Zwar räumen Mitarbeiter der Weltbank ein, dass ihre Politik, die städtische Wasserversorgung privaten Versorgungsunternehmen, vor allem globalen Konzernen, zu übertragen, weitgehend gescheitert ist. Dennoch verfolgt sie diesen Ansatz weiter. Die Studie fasst nicht nur das Scheitern zusammen, sondern analysiert auch, wie die Weltbankgruppe und vor allem die International Finance Corporation IFC nach wie vor politisch und finanziell die Geschäfte der globalen Wasserunternehmen fördert.

Food & Water Watch, Dried Up, Sold Out. How the World Bank's Push for Private Water Harms the Poor. März 2009: Download (pdf-Datei 1,48 MB) bei food&waterwatch

'Fracking' - Die neue globale Wasserkrise (2012)

März 2012: Die Förderung von Schiefergas - Erdgas, das in Gesteinsschichten eingelagert ist - wird neben Ölsanden angesichts von 'Peak Oil' zu einer Hoffnung für die Industrie, neue Quellen zu erschließen. Besonders in den USA setzt sie darauf, aber auch in Europa, beispielsweise in Polen, werden Erkundungsbohrungen vorangetrieben. Sorgen wegen der Gefährdung des Grundwassers und öffentlicher Widerstand haben unter anderem in Frankreich und Bulgarien dazu geführt, dass das Verfahren verboten wurde. Food&WaterWatch setzt sich intensiv mit diesem Verfahren auseinander. Eine neue Studie analysiert die Risiken am Beispiel der USA, hinterfragt den wirtschaftlichen Nutzen des Verfahrens und informiert über die Entwicklungen in Frankreich, Bulgarien, Polen, Südafrika, China und Argentinien.

Update Oktober 2013: Auch das Transnational Institute, TNI, hat rechtzeitig zum zweiten 'Global Frackdown Day' (19. Oktober), an dem in über 30 Ländern Proteste und Veranstaltungen organisiert wurden, eine aktualisierte Fassung ihrer Studie "Old Story, New Threat: Fracking and the global land grab" vorgelegt.

Siehe zu Fracking auch: Who's who? "Gegen Gasbohren"

GiB: 'Faktenblätter' zu Öffentlich-Privaten Partnerschaften (2011)

Dezember 2011: Als ein Gegengewicht gegen die Behauptungen und Publikationen der finanziell gut ausgestatteten Befürworter, Vermarkter und Profiteure Öffentlich-Privater Partnerschaften (PPP) hat Gemeingut in BürgerInnenhand Informationen zu verschiedenen Aspekten dieses umstrittenen Finanzierungsinstruments öffentlicher Einrichtungen zusammengestellt. Unter den ersten 'Faktenblättern' fehlt zwar noch der Wassersektor, dafür gibt es bereits Texte zur Rolle der Banken, zur Frage, ob PPP einen Angriff auf die Grundlagen der Demokratie darstellt, und ob es sich wirklich um "Partnerschaften" handelt oder nicht doch um Privatisierung. Weitere Themen sollen folgen.

Globalization Monitor: Städtische Wasserversorgung in China (2010)

Ähnlich wie die Studie des Xinjiang Conservation Fund (siehe Privatisierung) will dieser Bericht der in Hongkong ansässigen NGO Globalization Monitor Licht in die weitgehend unbekannten Entwicklungen bei der Privatisierung der öffentlichen Wasserversorgung in Form von Gemeinschaftsunternehmen mit Transnationalen Konzernen bringen. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme der Probleme im Wassersektor versucht er, die Auswirkungen der Privatisierung zu erfassen, wofür auch Interviews und Befragungen von VerbraucherInnen durchgeführt wurden.

Globalization Monitor, The Reform of the Urban Water Supply in Southern China. Hongkong, April 2010. Download (pdf-Datei, 108 Seiten): http://www.waterjustice.org/uploads/attachments/GM_Water_Book.pdf

Grompe/Hansjürgens, Wassermärkte in den USA (2012)

Januar 2012: Seit Jahren werden Wassermärkte, also der Handel mit Wassernutzungsrechten, immer wieder als eine Lösung für Verteilungsprobleme und Übernutzung von Wasserressourcen propagiert. Dabei sind sie äußerst komplex und funktionieren in vielen Fällen nur sehr begrenzt. Diese Studie über Wassermärkte im Westen der USA, wo neben Australien und Chile die längsten Erfahrungen bestehen, bietet eine verständliche Einführung in Funktionsweise und Probleme.

Matthias Grompe und Bernd Hansjürgens, Wassermärkte im Westen der USA. Entstehung, Funktionsweise und Beurteilung. Marburg (Metropolis-Verlag) 2012

Hahn/Cless/Soentgen (eds.), Menschen am Brunnen - Wasservielfalt (2012)

Der Ansatz dieses Buches ist ungewöhnlich: Wie betrachten Menschen in unterschiedlichen Kulturen Wasser? Welche Bedeutung hat es in verschiedenen Lebensbereichen, gesellschaftlichen oder kulturellen Zusammenhängen - über die Behandlung als Ressource oder Ware hinaus? Damit kommen dann auch anthropologische, philosophische und kulturhistorische ("Ein Essay über Tau") Fragestellungen ins Spiel, ebenso wie sehr anschauliche Geschichten über die Rolle von Wasser im Alltag und praktische Ansätze für Lösungen, beispielsweise in Indiens Metropole Mumbai. Dabei liegt ein Schwerpunkt der Beiträge auf Afrika - von Ghana und Nigeria bis zum Nil. Aber auch "Wasser in Amazonien" und Wasserspeicher in Südindien werden betrachtet.

Hans Peter Hahn, Karlheinz Cless, Jens Soentgen (eds.), People at the Well. Kinds, Usages and Meanings of Water in a Global Perspective. Frankfurt/New York (Campus) 2012

Henn, u.a., Gemeinwohl und Kommerz in der Wasserversorgung (2012)

April 2012: Berechtigterweise liegt der Schwerpunkt des AttacBasisTextes "Wasser ist keine Ware" auf Deutschland beziehungsweise Europa, doch auch globale Aspekte der Privatisierung und Kommerzialisierung im Wassersektor werden behandelt. Vorrangig geht es dabei vor allem um die unterschiedlichen politisch-ökonomischen Konzepte der Versorgung mit sauberem Wasser, was Themen wie Wasser für die Landwirtschaft weitgehend vernachlässigt - aber das hätte wohl den Rahmen des Büchleins gesprengt. Dagegen wäre an manchen Stellen eine Differenzierung zwischen Versorgung und Entsorgung und eine stärkere Berücksichtigung des Abwasserbereichs und dessen Problematik sinnvoll gewesen.

Markus Henn, u.a., Wasser ist keine Ware. Wasserversorgung zwischen Gemeinwohl und Kommerz. Hamburg (AttacBasisText 41, VSA-Verlag) 2012

Larrain/Schaeffer, Wassermärkte in Chile (2011)

April 2011: Chile gehört zu den Ländern, die sehr früh und umfassend einen marktwirtschaftlichen Ansatz im Wassersektor durchgesetzt und weitreichende, handelbare Nutzungsrechte eingeführt haben. Wie die Studie von Chile Sustentable zeigt, haben dadurch die Konflikte und die Konzentration in allen Bereichen des Sektors zugenommen.

Sara Larrain, Colombina Schaeffer, Conflict of Water in Chile: Between Human Rights and Market Rules. September 2010, Santiago. Link (pdf-Datei 1,85 MB)

Magdahl, Von der Privatisierung zur Kommerzialisierung (2012)

Mai 2012: Es besteht verbreitet Einigkeit, dass die Privatisierungsstrategie im Wassersektor, wie sie besonders die Weltbank seit Anfang der 1990er Jahre vorangetrieben hat, weitgehend gescheitert ist - am Widerstand von Bewegungen, Betroffenen und Gewerkschaften, aber auch am geringen Interesse der heftig umworbenen Wasserkonzerne. Die Studie zeigt anhand einer Analyse der Weltbankpolitik und einer Reihe von Fallstudien aus Afrika auf, dass die neoliberale Wasserpolitik darauf mit einem Konzept der Corporatisation und Kommerzialisierung reagiert. Öffentliche Versorgungsunternehmen werden dabei so umstrukturiert, dass sie wie privatwirtschaftliche Unternehmen arbeiten. Die Auswirkungen wie höhere Wasserpreise und die fehlende Bereitschaft, die Wasserversorgung in ärmere Stadtviertel auszuweiten, sind die gleichen. Für die "Wasserrechtsbewegung", so die Schlussfolgerung, mache das eine Neuorientierung ihrer Strategie, die auf dem Kampf gegen Privatisierung und der Stärkung öffentlicher Unternehmen basiert, notwendig.

Jorgen Eiken Magdahl, From privatisation to corporatisation. Exploring the strategic shift in neoliberal policy on urban water services. Oslo (FIVAS) 2012. Link (pdf-Datei 4,01 MB)

Manthan Adhyayan Kendra, Indien: PPP-Projekte und ihr Beitrag zur Problemlösung (2010)

PPP-Projekte gelten in allen Infrastrukturbereichen - angefangen beim Bau von Straßen, Häfen und Flughäfen über die Wasserver- und Abwasserentsorgung bis hin zum Abfallmanagement und Transportsektor - als Lösung. Der Bericht der indischen Organisation untersucht, wie es zu dieser Auffassung gekommen ist und analysiert die Situation im Wassersektor in Indien, die Auswirkungen auf die politischen Bedingungen wie Transparenz, Beteiligung, Zugang zu Informationen und Regulierung sowie auf soziale Verpflichtungen wie die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen.

Public-Private Partnerships in Water Sector: Partnerships or Privatisation? by Manthan Adhyayan Kendra. February 2010. Link (pdf-Datei 1,63 MB) 

Nachlese zum Alternativen Wasserforum FAME2012

2. April 2012: Die Vorstellungen, wie die vielfältigen und anhaltenden Probleme im Wassersektor gelöst werden sollten, können gegensätzlicher kaum sein: Beim 6.Weltwasserforum in Marseille präsentierten Regierungs- und Unternehmensvertreter ihre Strategien, den Wasserbereich zu einem Zugpferd für die „Grüne Ökonomie“ zu machen. Entsprechend standen Stichwörter wie Effizienz, Technologien, Kommerzialisierung, öffentlich-private Partnerschaften (PPP) und „marktorientierte Lösungen“ im Vordergrund. Beim Alternativen Forum FAME2012 waren die Stichwörter dagegen Gemeingüter, Rekommunalisierung und Community Management. Mehr

Pambazuka: Wasser und Privatisierung in Afrika (2011)

Juni 2011: Der afrikanische Artikeldienst Pambazuka hat eine Sonderausgabe (Pambazuka News 533) zusammengestellt, die zahlreiche Aspekte der politischen Ökonomie rund um's Wasser behandelt. Im Zentrum stehen Fragen wie der unzulängliche Zugang zu Wasser und Privatisierungsstrategien, zum Beispiel in Senegal, Ghana und Mali, aber auch Beiträge über die Perspektiven für eine öffentliche Wasserversorgung, die alle als pdf-Dateien herunter geladen werden können. Link

Partzsch, Erweiterte Partnerschaft: Die EU-Initiative 'Water for Life' (2007)

Die Dissertation untersucht die sogenannten Typ2-Partnerschaften, die beim Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung (WSSD) 2002 in Johannesburg vorgestellt wurden. Diese Partnerschaften sollen helfen, die zwischenstaatlichen Abkommen (Typ1) von Rio de Janeiro (UN-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung, UNCED) und Johannesburg umzusetzen, indem sie nichtstaatliche Akteure aus dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft einbeziehen. Am Beispiel der 2003 angestoßenen EU-Wasserinitiative, um die es inzwischen allerdings eher ruhig geworden ist (Link), werden Fragen ihrer Effektivität und Legitimität untersucht und Chancen und Grenzen dieser Multi-Stakeholder-Partnerschaften für Global Governance aufgezeigt.

Lena Partzsch, Global Governance in Partnerschaft. Die EU-Initiative "Water for Life". Baden-Baden (Nomos) 2007

Reimon/Felber (2003), Schwarzbuch Privatisierung

Die Privatisierung wird weltweit vorangetrieben. Nicht nur in Deutschland oder in Europa, sondern auch in den Ländern des Südens werden Staatsbetriebe verkauft und vormals öffentliche Aufgaben an private Unternehmen übertragen. Es gebe dazu keine Alternative, wie Margarete Thatcher die Privatisierungsoffensive in Großbritannien in den neunziger Jahren propagiert hatte. Angesichts der massiven Privatisierung-PR ist es hilfreich, sich an die Erfahrungen mit bisherigen Privatisierungen zu erinnern – und das tun Reimon/Felber ausführlich und spannend. Mehr

William Sarni, Unternehmensstrategien in Wassersektor (2011)

Januar 2012: Der US-amerikanische Unternehmensberater William Sarni will mit diesem Buch Unternehmen, vor allem aber große Konzerne wie Getränke- und Chiphersteller, Stromerzeuger, Bergbau und verarbeitende Industrie dazu motivieren, sich stärker wirtschaftlich und politisch im Wassersektor zu engagieren und ein "global water stewardship programme" aufzubauen, wie beispielsweise die Wasserinitiative des Weltwirtschaftsforums (WEF). Dafür macht er eine Bestandaufnahme der unterschiedlichen Problembereiche (von Verfügbarkeit über Versorgungsinfrastruktur bis hin zu Entsorgung), politischer Diskussionen (beispielsweise des Unterschieds zwischen Preis und Wert) und technologischer Lösungsansätze. Allerdings anaysiert er weniger bereits bestehende Aktivitäten von Unternehmen im Wassersektor, sondern will vielmehr das "unglaubliche Potenzial, vermischt mit den Risiken und Problemen", aufzeigen - immer die Frage im Hinterkopf: Was bedeutet das für eine zukünftige Unternehmensstrategie.

William Sarni, Corporate Water Strategies. London (Earthscan) 2011. Preis: 64 Euro.

SIWI: Ernährungssicherheit in einer durstigen Welt (2012)

Anlässlich der World Water Week 2012, die im August 2012 unter dem Motto "Wasser und Ernährungsssicherheit" stattfand, legte das Stockholm International Water Institute, SIWI, den Bericht "Feeding a Thirsty World" vor. Neben einer Bestandsaufnahme der Zusammenhänge zwischen Wasser(knappheit) und Ernährungssicherheit werden darin "neue Lösungen" im landwirtschaftlichen Wassermanagement zum Beispiel im indischen Gujarat und Frühwarnsysteme für Wasserknappheit vorgestellt. Siehe dazu auch die Beiträge auf der Konferenz.

SIWI, Feeding a Thirsty World. Challenges and Opportunities for a Water and Food Secure Future. Stockholm 2012.

Stadler/Hoering (2003), Das Wasser-Monopoly

Privatisierungen im Wassersektor sind keine Lösung für die globale Wasserkrise. Sobald Gewinn zum ausschlaggebenden Kriterium für Investitionen wird, ist die Versorgung in ländlichen Regionen, städtischen Randgebieten und für ärmere Menschen in Gefahr. Eine Einführung in das komplexe Thema des globalen Wasser- und Abwassergeschäfts.

Lisa Stadler, Uwe Hoering, Das Wasser-Monopoly. Von einem Allgemeingut und seiner Privatisierung. Zürich (Rotpunktverlag) 2003. Leseprobe: Öffentliche Versorger - die Alternative (pdf-Datei 68 kb).

Terhorst, Reformen im Wassersektor durch soziale Bewegungen (2009)

Januar 2012: Über den Widerstand zivilgesellschaftlicher und sozialer Bewegungen gegen die Privatisierungen im Wassersektor gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Untersuchungen, beispielsweise zu Manila - bis hin zum Spielfilm "Und dann der Regen" um den 'Wasserkrieg' im bolivianischen Cochabamba. Diese Doktorarbeit geht einen Schritt weiter und analysiert, inwieweit der defensive Widerstand in Strategien übergeht, die eine Umsetzung öffentlicher und gemeinschaftlicher Alternativen zu privatwirtschaftlichen Ansätzen vorantreiben. Im Mittelpunkt stehen dabei die Water Justice Movement, an der der Verfasser selbst aktiv beteiligt ist, und zwei Fallstudien in Peru und Uruguay.  Neben erfolgreichen Einflüssen auf Reformen im öffentlichem Wassersektor zeigt die Studie auch auf, dass für anhaltendere und breitere Wirkungen der sozialen Bewegungen die Entwicklung geeigneter Strategien, mehr Ressourcen und bessere Organisierungsfähigkeiten und Expertenwissen notwendig sind. Die Publikation, die 2009 abgeschlossen wurde, ist kostenlos und kann als pdf-Datei (3,4 MB) beim Grin-Verlag heruntergeladen werden.

Philipp Terhorst, The role of social movements in developing public alternatives in urban water services. April 2009 (Doctoral Thesis)

tdh/Welthungerhilfe: Wiederentdeckung der "Entwicklungspartnerschaft" (2010)

November 2010: Der Bericht 2010 zur "Wirklichkeit der Entwicklungshilfe", der seit 18 Jahren von terre des hommes und Deutsche Welthungerhilfe erstellt wird, hat mit dem Schwerpunkt "Profitable Partnerschaft?" die Zusammenarbeit zwischen Entwicklungspolitik und Privatwirtschaft wiederentdeckt, die bereits seit Mitte der 1990er Jahre als eine Art Zauberformel für eine bessere, wirksamere und erfolgreichere Entwicklungszusammenarbeit durch die Diskussion geistert. Die aktuellen Informationen über diese "Öffentlich-private Partnerschaft" bestätigen, was bereits frühere Untersuchungen zeigten: Gerade in Ländern und Sektoren, die für Armutsminderung und soziale Gerechtigkeit besonders wichtig sind, bringt eine Entwicklungspolitik, die sich an den Interessen der Privatwirtschaft orientiert, wenig.

Siehe dazu die Weed-Publikation (2003): "Zauberformel PPP" - 'Entwicklungspartnerschaften' mit der Privatwirtschaft" (pdf-Datei 457 kb). Sowie weitere Texte zu PPP.

TNI, u.a.: Water Movements in Latin America (2009)

In zwölf kurzen Interviews berichten Wasseraktivisten aus Lateinamerika von ihren Erfahrungen. Ergänzt werden die Gespräche durch Dokumente der Versammlung in Cochabamba, Bolivien, im August 2008, bei der die Perspektiven für ein gemeinschaftlich kontrolliertes Wassermanagement entwickelt wurden.

Changing the Flow: Water Movements in Latin America. March 2009. Co-published by TNI, Reclaiming Public Water Network, OTHER WORLDS, Food&Water Watch, RedVida. Link zur TNI-Website (pdf-Datei 1,6 MB)

USAID: Die Aktivitäten von USAID im Wassersektor (2009)

Der Bericht der staatlichen US-amerikanischen Entwicklungsorganisation gibt einen guten Überblick über die Vielfalt ihrer Aktivitäten, um die Privatwirtschaft im Wassersektor zu fördern. Dazu gehören nicht nur Public-Private Partnerships mit Minenunternehmen in der Demokratischen Republik Kongo, sondern auch Institutionen wie die Advancing the Blue Revolution Initiative (ABRI) in Afrika, die weltweite Water and Development Alliance (WADA) mit Coca-Cola und die Schaffung von günstigen Rahmenbedingungen für Investoren in China, dem wichtigsten Markt für global operierende Wasserkonzerne.

Safeguarding the World's Water: 2008 Report on USAID Water Sector Activities, December 2009. Download als pdf-Datei 9 MB (externer link)

'Water Alternatives': Konstruktiv-kritisch (2012)

Diese Ausgabe der Zeitschrift Water Alternatives, die dem Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik, IFPRI, und dem Internationalen Institut für Wassermanagement, IWMI, verbunden ist, versucht sich in "konstruktiver Kritik am Unternehmensengagement im Wassersektor". Unter den Beiträgen, die alle als pdf-Datei heruntergeladen werden können, besonders interessant: Die Rolle von Nestlé, Cargill und anderen Konzernen aus der Nahrungsmittelbranche als globale Wassermanager. Weitere Artikel analysieren die Auswirkungen von Staudammprojekten am Oberlauf des Nils in Äthiopien auf kleinbäuerliche Bewässerungsprojekte und der Umleitung von Wasser in die Städte auf die Landwirtschaft in Tansania.

Water Alternatives. Special issue: Open for business or opening Pandora's Box? A constructive critique of corporate engagement in water policy. Volume 5 / Issue 3, October 2012

Water Alternatives: Die Enteignung von Wasserressourcen (2012)

Nachdem das Thema Water grabbing anfangs in der Diskussion sehr kurz kam, gibt es inzwischen immer mehr Studien und Veröffentlichungen, die die Auswirkungen der großflächigen kommerziellen Landnahmen auf den Zugang zu Wasser für andere Nutzer und Nutzungen untersuchen. So hat die aktuelle Ausgabe (June 2012) der wissenschaftlichen Zeitschrift Water Alternatives, herausgegeben unter anderem vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington DC, den Schwerpunkt "Water Grabbing? Focus on the (re)appropriation of finite water resources". Neben den zahlreichen Parallelen zum Land grabbing gibt es auch eine Reihe signifikanter Unterschiede aufgrund der besonderen Eigenschaften von Wasser und Wasserrechten, was die Analyse noch sehr viel komplexer macht als bei den relativ soliden und greifbaren Landfragen.

Water grabbing? Focus on the (re)appropriation of finite water resources. In: Water Alternatives, Special Issue, Volume 5 / Issue 2. Alle Beiträge stehen als Download (pdf) zur Verfügung.

Squeezing Africa Dry: Behind every land grab is a water grab. GRAIN, June 2012

Sylvia Kay and Jenny Franco, The Global Water Grab. A Primer. March 2012 (TNI)

Weltbank-Publikationen zum Wassersektor (2010)

Auch wenn die Weltbank die Wasserprivatisierung längst nicht mehr so überzeugt propagiert wie vor der Jahrtausendwende, so treibt sie sie doch weiterhin voran. Das zeigt die neueste Liste ihrer Wasserpublikationen mit einer (positiven) Bestandsaufnahme der Erfahrungen mit PPPs in Entwicklungsländern (von Philippe Marin), mit Analysen von elf PPPs im städtischen Wassersektor in Afrika, mit einer Studie über den privaten Managementvertrag für die öffentlichen Wasserwerke in Johannesburg und mit Texten über Output-Based Aid in Honduras, Manila und Marokko.

World Bank Water Publications Catalogue January 2010, auf der Website der Weltbank als Download (pdf-Datei 2,3 MB)

WSP: Versorgung mit Trinkwasser und Toiletten in Afrika (2011)

September 2011: Ein Bericht des von der Weltbank verwalteten Water and Sanitation Program WSP kommt zu dem Ergebnis, dass die Versorgung mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen in 32 untersuchten Ländern in Afrika südlich der Sahara seit 1990 auf 58 beziehungsweise 36 Prozent gestiegen sei, so dass einige von ihnen das Millenniums-Entwicklungsziel, bis 2015 die Zahl der Menschen ohne angemessene Versorgung zu halbieren, wohl erreichen werden. Als entscheidende Ursachen dafür werden höhere Finanzmittel und mehr Eigenverantwortung von Regierungen gesehen. Auch wenn es sich nicht um eine unabhängige Studie handelt, bietet der Bericht doch viele Informationen über die Situation im Afrika. Link (pdf-Datei 2,8 MB)