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Reportagen & Analysen

 

Archiv: Landwirtschaft China - Literatur

ActionAid: Argumente für Ökolandbau in China und anderswo (2012)

Nachdem die Regierung in Peking 1994 das White Paper zu ökologischer Landwirtschaft vorgelegt hat, wurden "Öko-Gemeinden" mit mehreren Millionen Hektar Land gefördert. Auf der anderen Seite verursacht der anhaltende massive Einsatz von Chemiedünger und Pestiziden schwere Umweltschäden, obwohl Modellrechnungen zeigen, dass eine Umstellung auf organischen Dünger die Erträge nicht beeinträchtigen würde. Das steht in der Studie "Asia at the Crossroads" von ActionAid, in der konventionelle und nachhaltige Landwirtschaft in der Autonomen Provinz Guangxi in China, ferner in Kambodscha, Myanmar, Thailand und Vietnam verglichen werden. Schlussfolgerung und Empfehlung: Organischer Landbau sollte weitaus stärker als bislang gefördert werden.

Asia at the Crossroads. Prioritising Conventional Farming or Sustainable Agriculture? (pdf-Datei 1,1mb) February 2012 (ActionAid

Björn Alpermann (ed.), Politics and Markets in Rural China (2011)

Das Verhältnis von Politik und Ökonomie, von Markt und Staat hat nicht zuletzt im Agrarbereich eine ganze Reihe von "chinesischen Merkmalen". Die Beiträge in diesem Sammelband gehen diesen Verbindungen am Beispiel landwirtschaftlicher Inputs und Outputs sowie ländlicher Entwicklungspolitik nach. Die Spannbreite reicht dabei von der Kommodifizierung kollektiven Bodeneigentums, dem Arbeitsmarkt, dem Zugang zu Kredit und landwirtschaftlichen Dienstleistungen in ländlichen Regionen über die Getreide-, Wolle- und Baumwollmarktpolitik und die Reorganisation der Zuckerindustrie nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO bis zur Umsetzung der Politik der New Socialist Countryside am Beispiel von Steuer- und Abgabenreform, Modelldörfern, der Gesetzgebung für Genossenschaften, Wahlen auf Dorfebene und Reformen am Hukou-System.

Politics and Markets in Rural China. Edited by Björn Alpermann. June 2011 (Routledge, $130)

Bennet, et al, Investitionen in den Schutz von Wasserressourcen (2013)

Januar 2013:91 percent of the payments for "watershed services programmes" tracked around the world in 2011 took place in China. The report, produced byForest Trend, is the second instalment of an inventory of initiatives that are paying individuals and communities to revive or preserve water-friendly features of the landscape, including wetlands, streams and forests that can capture, filter and store freshwater. Of the 205 programmes included more than half are in China and the United States.

Genevieve Bennet et al, Charting New Waters. State of Watershed Payments 2012. January 2013

Deborah Brautigam - The Dragon's Gift (2010)

Aus der Verlagsankündigung: "Is China a rogue donor, as some media pundits suggest? Or is China helping the developing world pave a pathway out of poverty, as the Chinese claim? In the last few years, China's aid program has leapt out of the shadows. Media reports about huge aid packages, support for pariah regimes, regiments of Chinese labor, and the ruthless exploitation of workers and natural resources in some of the poorest countries in the world sparked fierce debates. These debates, however, took place with very few hard facts. China's tradition of secrecy about its aid fueled rumors and speculation, making it difficult to gauge the risks and opportunities provided by China's growing embrace."

"This book provides a comprehensive account of China's aid and economic cooperation overseas. Deborah Brautigam tackles the myths and realities, explaining what the Chinese are doing, how they do it, how much aid they give, and how it all fits into their "going global" strategy. Drawing on three decades of experience in China and Africa, and hundreds of interviews in Africa, China, Europe and the U.S., Brautigam shines new light on a topic of great interest."

"China has ended poverty for hundreds of millions of its own citizens. Will Chinese engagement benefit Africa? Using hard data and a series of vivid stories ranging across agriculture, industry, natural resources, and governance, Brautigam's fascinating book provides an answer."

Deborah Brautigam, The Dragon's Gift. The Real Story of China in Africa. Oxford (OUP) 2010

See the Reviewin 'The Independent' vom 1. Januar 2010

Siehe auch Brautigams Blog "China in Africa: The Real Story"

Chinadialogue: Nur die Verbraucher können des System retten (2012)

Der Melamin-Skandal, bei dem mehrere Säuglinge an vergifteter Milch starben und hunderttausende krank wurden, hat nicht nur das Vertrauen der Konsumenten in die Lebensmittelindustrie, sondern auch die Legitimation der Regierung erschüttert. Ein Kapitel dieser Broschüre von China Dialogue beschäftigt sich denn auch mit dem Zustand der Milchwirtschaft. Weitere Beiträge analysieren das System, wie Nahrungsmittel erzeugt werden, insgesamt. Ein Schwerpunkt liegt aber auch auf der Suche nach Lösungen - darunter Genossenschaften, Bio-Lebensmittel und die Macht der Verbraucher, Verbesserungen herbeizuführen.

China Dialogue, Food Safety in China. 2012

Christiansen/Zhang, Die Politische Ökonomie ländlicher Entwicklung (2009)

Das Papier untersucht die neuen politischen Initiativen wie die Reorganisation des Finanzierungssystems für soziale Dienstleistungen oder die Ansätze für eine Stärkung der Bürgerrechte darauf, inwieweit sie zu einer Lösung von Problemen wie Armut, Konflikten durch die private Nutzung von kollektivem Landbesitz oder Umweltschäden beitragen können.

Flemming Christiansen, Heather Xiaoquan Zhang, The Political Economy of Rural Development in China: Reflections on Current Rural Policy. Duisburger Arbeitspapiere Ostasienwissenschaften No. 81, 2009 Link (pdf-Datei)

ECARDC: Veränderungen im ländlichen China (2011)

Unter dem Titel "Transforming Rural China: Beyond the Urban Bias?" fand im April 2011 in Dänemark die 10.Jahrestagung von ECARDC statt. Einige Beiträge, unter anderem zur Regierungspolitik einer New Socialist Countryside und ländlichen Reformprojekten (Chinese Rural Reconstruction Projects) werden vom Journal of Current Chinese Affairs als Download angeboten.

FAC, Agrarkooperation Afrika-Brasilien-China

Das Forschungsprojekt Future Agricultures Consortium hat einen Themenschwerpunkt auf der Analyse der Kooperation von Brasilien, China und afrikanischen Ländern im Agrarbereich ('China and Brazil in African Agriculture', CBAA). Inzwischen liegen eine Reihe von Studien vor, die sich teils allgemein mit den Beziehungen befassen wie "Narratives of China-Africa Cooperation for Agricultural Development: New Paradigms?" oder das Dreiecksverhältnis an einzelnen Ländern wie Mosambik, Äthiopien, Ghana und Simbabwe untersuchen.

Geschichte der Landwirtschaft in der Volksrepublik (2009)

Der Titel weckt größere Erwartungen, die Sammlung von Texten, die auf verschiedenen Wikipedia-Einträgen zu China, Landwirtschaft und Geschichte beziehungsweise Politik basieren, bieten aber einen Einstieg in die unterschiedlichen Aspekte der Entwicklung der Landwirtschaft in China - auch wenn die Qualität der einzelnen stichwortartigen Beiträge schwankt. Ärgerlich, dass der Text nicht kostenlos online zur Verfügung steht, obwohl er auf Wikipedia beruht.

Frederic P.Miller, et al, History of Agriculture in the People's Republic of China. (alphascript publishing) 2009

Ge Yun/Hu Yujiao, Private Wasserversorger in China (2008)

China gehört zu den wenigen Ländern außerhalb Europas, in denen Versorgungskonzerne wie Veolia, Suez und BerlinWasser noch aktiv sind, nachdem sie sich aus den meisten anderen Ländern in Asien ebenso wie aus Lateinamerika und Afrika aufgrund wirtschaftlicher Probleme, unbefriedigender Profitabilität und breiten Widerstands weitgehend verabschiedet haben. Unbeachtet von der Öffentlichkeit hat die Regierung ihnen seit Mitte der 1990er Jahre den Roten Teppich ausgerollt, unterstützt durch Internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank ADB. 2007 hatten sie, so die Studie „Wasser auf Abwegen“, an der Wasserversorgung einen Anteil von 15 bis 20 Prozent, im Abwassersektor sogar von 50 bis 70 Prozent.

Die Ausgangssituation für die schrittweise marktwirtschaftliche Öffnung war ähnlich wie in anderen Ländern: Probleme öffentlicher Unternehmen, veraltete Technologie, vor allem aber ein hoher Kapitalbedarf, um die Mängel der Versorgung anzugehen. So führten zum Beispiel Umweltbelastungen durch Abwässer immer wieder zu negativen Schlagzeilen. Für die Konzerne tat sich hier ein viel versprechender Markt auf, besonders in den rasch wachsenden Großstädten und den Industrieregionen im Süden und Osten. Und es entwickelte sich eine Public-Private Partnership zwischen Konzernen und dem Staat mit 'chinesischen Charakteristika'. Wie auch in anderen Bereichen experimentiert die Regierung im Wassersektor mit der Marktwirtschaft – allerdings mit hohen Kosten für die öffentliche Hand.

Anfangs lockte sie ausländische Investoren mit garantierten Renditen im zweistelligen Bereich. Konzerne nutzten die Unerfahrenheit und den Eifer der chinesischen Partner häufig für „ungleiche Verträge“ - die Rosinen für sie selbst, die Belastungen für den Staat: Sie übernahmen die profitablen Teile der Projekte, während zum Beispiel die kostspieligen Leitungsnetze den Kommunen überlassen waren. Proteste wegen steigender Wasserpreise, vor allem aber eine aus den „ungleichen Verträgen“ resultierende Verschuldung der öffentlichen Haushalte führten dazu, dass die Regierung kurzer Hand die Investitionsbedingungen änderte. Einige Konzerne reduzierten darauf hin nach 2002 ihr Engagement stark, wie zum Beispiel Suez, oder warfen ganz das Handtuch wie RWE/Thames Water. Unter den ausländischen Unternehmen dominiert heute Veolia, das sich seit seinem Einstieg 1997 nach und nach in mindestens 25 Wasserprojekte eingekauft hat. Inzwischen drängen zunehmend aber auch einheimische Versorgungsunternehmen selbst in den Markt, mit guten Beziehungen zu Behörden und Staat, und entwickeln eigene transnationale Ambitionen, wie etwa die Shenzhen Water Group.

Die Bilanz der Privatisierung ist, soweit sie die Studie aus den wenigen veröffentlichen Daten und Analysen, aus Befragungen von Verbrauchern und aus Fallstudien ableiten kann, nicht wesentlich anders als in anderen Großstädten: Während die Versorgungsdichte mit etwa 90 Prozent relativ hoch ist, sind Qualität, steigende Preise, geringe Transparenz und die weiterhin mangelhafte Abwasserbehandlung Anlass für Beschwerden. Dazu kommt, dass staatliche Regulierung und öffentliche Kontrolle nach wie vor unzulänglich sind.

Die Studie füllt eine wichtige Informationslücke, sowohl für China intern, als auch für die Wasserdiskussion international. Sie gibt nicht nur einen Einblick in das Ausmaß der Wasserkrise, in die Struktur der Wasserwirtschaft in chinesischen Städten und in den Privatisierungsprozess. Sie versteht sich auch als Anstoß für die notwendige Debatte und macht Vorschläge für die weitere Entwicklung, zum Beispiel für eine sozial gerechtere Preisgestaltung. Hoffnungen auf einen grundlegenden Kurswechsel seien allerdings gering, trotz einiger Beispiele für eine – durch Abfindungen kostspielige – Rekommunalisierung. Aber mehr Transparenz, Partizipation und die „Entwicklung eines neuen Geistes öffentlicher Dienstleistungen“ wären schon hilfreich. Uwe Hoering

Ge Yun & Hu Yujiao, Wasser auf Abwegen – Die Privatisierung der Wasserversorgung in China auf dem Prüfstand, herausgegeben vom Xinjiang Conservation Fund 2008, die deutsche Übersetzung von der Asienstiftung in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „EU–China: Civil Society Forum“. Bestellung beim Asienhaus

GIZ: Agrobiodiversität in China (2011)

Juli 2011: Wie in vielen anderen Ländern hat auch in China in weiten Bereichen der Landwirtschaft die Beschränkung auf wenige Nutzpflanzen-Sorten Einzug gehalten. Besonders in abgelegenen Regionen hat sich aber die ursprüngliche Vielfalt erhalten, einen Reichtum an wildlebenden Verwandten der Kulturpflanzen eingeschlossen. Diese Schatzkammer der Natur ist nicht nur Lebensgrundlage für Millionen bäuerliche Familien, sondern auch unverzichtbar für die Züchtung. Neben ihrer Gefährdung stellt die aufwändig und didaktisch gestaltete Broschüre in Hintergrundtexten, Reportagen, Porträts und Interviews vor allem Ansätze zu ihrer Erhaltung dar, wobei die kommerzielle Inwertsetzung, etwa durch den Export von Medizinalpflanzen und Heilkräutern, eine zentrale Rolle einnimmt. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf das chinesisch-deutsche Projekt "Nachhaltige Nutzung der Agrobiodiversität in den Berggebieten Südchinas", aus dem heraus sie entstanden ist, sondern schlägt auch Brücken zur Situation in Deutschland und ansatzweise zur globalen Diskussion, zum Beispiel um geistige Eigentumsrechte und Vorteilsausgleich.

Von Berggöttern und wildem Reis. Agrobiodiversität als Lebensgrundlage. Anregungen aus China. Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), 2011. Link zum Download (pdf-Datei 6 MB)

Globalization Monitor: Städtische Wasserversorgung in China (2010)

Ähnlich wie die Studie des Xinjiang Conservation Fund (Siehe "Private Wasserversorger in China") will dieser Bericht der in Hongkong ansässigen NGO Globalization Monitor Licht in die weitgehend unbekannten Entwicklungen bei der Privatisierung der öffentlichen Wasserversorgung in Form von Gemeinschaftsunternehmen mit Transnationalen Konzernen bringen. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme der Probleme im Wassersektor versucht er, die Auswirkungen der Privatisierung zu erfassen, wofür auch Interviews und Befragungen von VerbraucherInnen durchgeführt wurden.

Globalization Monitor, The Reform of the Urban Water Supply in Southern China. Hongkong, April 2010. Download (pdf-Datei, 108 Seiten): http://www.waterjustice.org/uploads/attachments/GM_Water_Book.pdf

Grain, Futter für Chinas Schweine - nach Soja jetzt Mais? (2012)

6. August 2012: Seit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO 2001 hat sich China zum größten Importeur von Soja entwickelt. Als preiswertes Futtermittel machte es den Aufschwung der Fleischindustrie möglich. Allerdings wurden Millionen einheimische Sojabauern aus dem Markt gedrängt und die massive Ausweitung des Sojaanbaus in Lateinamerika beflügelt. Angesichts steigender Maisimporte warnt GRAIN jetzt vor einer ähnlichen Entwicklung: Während sich US-amerikanische Farmer und Agrarkonzerne über die steigende Nachfrage freuen, droht eine Wiederholung der Agrartransformation, wie sie die Sojaimporte im vergangenen Jahrzehnt ausgelöst hatten. Besonders in Afrika könnte sich dadurch die Landnahme durch Agrarinvestoren beschleunigen.

Who will feed China? Agribusiness or its own Farmers? Decisions in Beijing echo around the world. Against the Grain, August 2012

Peter Ho/Richard Edmonds (eds), Eingebettete soziale Bewegungen (2012)

März 2012: Die Fallstudien über die äusserst aktive zivilgesellschaftliche Umweltszene in China loten die Spielräume aus, die soziale Bewegungen haben. Vor dem Hintergrund einer vorsichtigen Verschiebung staatlicher Politik hin zu einer pluralistischen Gesellschaft, so die zentrale These, haben die Beschränkungen von Versammlungs- und Redefreiheit auf der einen Seite, größer werdende soziale Räume für zivilgesellschaftliche Aktionen auf der anderen dazu geführt, dass viele Aktivitäten in staatliche Politik und Strukturen "eingebettet" sind. Trotz der restriktiven Atmosphäre würden dadurch gleichzeitig - und paradoxerweise - landesweite, kollektive Aktionen möglich, ohne soziale Instabilität oder Repression zu riskieren.

China's Embedded Activism. Opportunities and constraints of a social movement. Ed. by Peter Ho and Richard Edmonds. March 2012 (Routledge).

JPS, Chinas Auslands-Agrarinvestitionen auf dem Prüfstand (2012)

Der Aufsatz überprüft die Informationen, die über Agrarinvestitionen chinesischer Unternehmen im Ausland zwischen 1949 und 2011 vorliegen nach Häufigkeit, Umfang und geographischer Verteilung. Zwar haben danach Anzahl und Investitionsvolumen kurz nach der im Jahr 2000 verkündeten 'Going Global'-Politik zugenommen, doch in weitaus geringerem Umfang, als in der Diskussion über Land grabbing gemeinhin behauptet, was durch einen umfassenden Überblick über die bekanntgewordenen Vorhaben untermauert wird. Daraus wird unter anderem gefolgert, dass nicht nur der Diskurs über die Rolle Chinas überdacht werden müsse, sondern dass das Ergebnis möglicherweise auch verallgemeinert werden kann und die gesamten Zahlenangaben ähnlich unzuverlässig sein könnten.

Irna Hofman and Peter Ho, China's 'Developmental Outsourcing': A critical examination of Chinese global 'land grabs' discourse. In: The Journal of Peasant Studies, Vol. 39, No. 1, January 2012, 1-48. Link (pdf-Datei)

Landreform in China - wohin geht sie? (2009)

Die Auseinandersetzung um die vollständige Privatisierung von Grund und Boden wird zu einem zentralen Thema der Agrardebatte in China. Die Vierteljahreszeitschrift China Leadership Monitor, die sich normalerweise daran abarbeitet, die Logik der chinesischen Führung zu verstehen, hat in ihrer Ausgabe von Ende 2009 einige Beiträge, die für eine zügige Privatisierung und schnellere Reformen der bestehenden Landnutzungsrechte (Household Responsibility System) plädieren. Im sporadisch erscheinenden China Left Review wird dagegen eher gewarnt, dass eine weitergehende marktorientierte Landreform die sozialen Unterschiede vergrößern und die Migration vom Land beschleunigen könnte. Offen ist noch, wohin die staatliche Politik tendiert. Die Beiträge machen aber deutlich, dass sie dieses brisante Thema mit äusserster Vorsicht angeht.

Lixing Li, Land titling in China: The Chengdu-Experiment (2012)

März 2013:The land titling experiment in Chengdu is part of the ongoing property rights reform in China, which gradually eliminates some of the common rights and creates individual rights. The key to this experiment is to define property rights at the household level in the rural area. Although the experiment finished only recently, this study concludes, that, with the transfer of land user rights, farmers' income and wealth are significantly higher than in land expropriation. Comparison also would show that the strength of property rights is positively correlated with farmers' revenue.

Lixing Li, Land titling in China: Chengdu experiment and its consequences. In: China Economic Journal, Vol. 5, No.1, February 2012, 47-64

Löhr/Trappel (Hg.), Nahrungsmittel in China (2011)

September 2011: Im Rahmen eines Projekts ("Task Force") haben Studierende am Institut für Ostasienwissenschaften Kurzanalysen im Stil einer Politikberatung zu verschiedenen Aspekten der Nahrungsmittelversorgung in China erarbeitet. Die fünf Beiträge behandeln die Gefährdungen der Produktion, Umweltbelastungen, Verbraucherschutz, die zunehmende Bedeutung Chinas auf den globalisierten Agrarmärkten und Ansätze eines integrierten Abfallmanagents.

Susanne Löhr, René Trappel (Hg.), Task Force: Nahrungsmittel in China - Food Security- und Food Safety-Problematik in China. Duisburger Arbeitspapiere Ostasienwissenschaften No. 89, 2011. Link (pdf-Datei 6 MB)

Siehe dazu auch die Studie: Uwe Hoering, Landwirtschaft in China: Zwischen Selbstversorgung und Weltmarktintegration, die ähnliche Themen und Fragestellungen behandelt. Download (pdf-Datei 1,9 MB)

Nationaler Bericht über Nachhaltige Entwicklung (2012)

Im Juni 2012 hat die Regierung eine Bestandsaufnahme über die Fortschritte Chinas seit 2001 bei der Umsetzung der nationalen Strategie nachhaltiger Entwicklung vorgelegt. Der Bericht analysiert bestehende Lücken und Schwierigkeiten, umreisst zukünftige strategische Initiativen und formuliert Chinas Position in wichtigen Fragen, die beim UN-Gipfel Rio+20 diskutiert wurden. Behandelt werden darin unter anderem die nachhaltige Nutzung von Ressourcen, darunter auch Land und Wasser, Umweltschutz und Antworten auf den Klimawandel. 

Quelle und Link: iisd-Meldung vom 6. Juni 2012

Antonia Menapace, Lebensmittel als politischer Konfliktstoff (2012)

März 2012: Der Beitrag in der Zeitschrift Auslandsinformationen der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung analysiert den versorgungspolitischen Diskurs, wobei die Verfasserin nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Möglichkeiten des Internets angesichts von Lebensmittelskandalen, steigenden Preisen und Unterschieden im Lebensstandard ein zunehmendes soziales und politisches Konfliktpotenzial sieht.

Antonia Menapace, Chinas Nahrung: Immer mehr vom immer Schlechteren? In: KAS Auslandsinformationen 3/12. Link

Nyberg/Rozelle, Accelerating China's Rural Transformation (1999)

China's rural economic achievements of the past two decades - rapid growth and declining poverty - have been remarkable. However, replicating these achievements and improving sustainability during the next two decades will be difficult as many underlying conditions have changed. Econornic reforms were initiated when supply shortages constrained growth, but currently, weak demand is more constraining. Furthermore, the productivity gains are largely exhausted from transition policies and institutions; future productivity gains will come from efficiencies, stimulated by market forces, and improved productivity of scarce water and land resources, through resource conservation and new technologies. The rural-agricultural sector will remain dependent on a robust urban-industrial sector to create jobs and absorb surplus rural and agricultural labor-thereby permitting the remaining farmers access to additional land resources. Several crucial rural institutions need to be fostered-an effective fiscal system, a more efficient financial system, a workable land tenure arrangement with marketable land-use rights, and improved agricultural investment incentives. Continued reform will entail further liberalization of production, pricing and marketing policies and strong government promotion of a market environment and investments in public services and infrastructure.

EinText für historisch Interessierte, der aber auch viele grundlegende Informationen bietet.

Albert Nyberg, Scott Rozelle, Accelerating China's Rural Transformation. World Bank 1999. Link zu pdf-Datei (14,9mb)

Ping/Nielsen, 'Forestgrab' für Industriewälder - mit Weltbankhilfe (2010)

The increasing urban-rural income disparity over the last few decades is evidence that China’s unprecedented economic growth has not been spread evenly across Chinese society. Forest farmers, most of whom rely on forest farming for living in remote areas, are especially hard-hit by this income disparity. To revitalize the forest sector and improve forest farmers’ livelihood, the Chinese government launched a nationwide forestland reform designed to give individual farmer households secure and transferable rights to forestland under collective management.

Such individualization of forestland rights also provides foreign entities with opportunities to invest in China’s forestland. While foreign investment can bring great benefits to the Chinese economy and its people, there is also potential for great social harm if such investments are not implemented with the highest
concern for legal and social standards.

This study examines the case of one Foreign Direct Investment (FDI) made by Stora Enso with International Finance Corporation support in forestland plantations in Guangxi, China. The Finnish-Swedish company "is the global rethinker of the paper, biomaterials, wood products and packaging industry" (Website) which explicitly adheres to CSR principles and committed to gaining Forest Stewardship Council certification by 2007.

Stora Enso’s large-scale plantation project in China’s Guangxi Autonomous Region serves as an illustration of current forestland acquisition practices by international companies. To cultivate eucalyptus trees to support its wood pulp operation, Stora Enso has commenced acquiring a total of 1.8 million mu (120,000 hectares) of land throughout Guangxi. In 2009 there were a series of conflicts between farmers and Stora Enso’s Chinese partners in Hepu of Guangxi over the compensation these farmers received for the land acquired by Stora Enso in 2009.

Extensive fieldwork indicates that the legal procedure was not followed for the acquisition of both household forestland rights and rights to collective-managed forestland. Due to a lack of public notice and approval by collective members, many farmers have been completely unaware of the transfer terms. A widespread lack of documentation further limits public knowledge and clarity. In some cases farmers were even deceived or physically threatened into transfer deals. Systems for notification and resolution of disputes have been unavailable or inadequate. It appears that Stora Enso’s primary dependence on government power under the guise of middlemen to acquire collective forestland rights is largely to blame for these violations.

Li Ping and Robin Nielsen, A Case Study on Large-Scale Forestland Acquisition in China. The Stora Enso Plantation Project in Hepu County, Guangxi Province. 2010 (Rights and Resources Initiative, Washington, D.C.). Link (pdf-Datei 2,9mb)

Rural21: Genossenschaften boomen (Juni 2012)

Im Rahmen ihrer Entwicklungsstrategie für die Landwirtschaft und die ländlichen Regionen (New Socialist Countryside) hat die Regierung auch die Bildung von Genossenschaften ermöglicht. Fünf Jahre, nachdem ein entsprechendes Gesetz in Kraft getreten ist, wurden mehr als eine halbe Million neue Kooperativen registriert. Ein Beitrag (pdf-Datei) in der Zeitschrift Rural21 untersucht, welche Spielräume sie haben. 

Standard Bank: Afrikas Rolle für Chinas Ernährungssicherung (2011)

November 2011: Wer wird China ernähren? Diese beliebte und etwas überstrapazierte Frage beantwortet die Studie der Standard Bank recht eindeutig: Nicht Afrika, zumindest nicht auf die Schnelle. Zwar steigt die Nachfrage in China nach Nahrungsmitteln rasch und sind die landwirtschaftlichen Ressourcen knapp. Doch sieht der Bericht erhebliche Spielräume, um die einheimische Produktion auszuweiten. Zusätzlich notwendige Importe wie Soja oder Kautschuk werden aus Lateinamerika oder Nachbarländern in Asien bezogen. Aus Afrika kommt gegenwärtig vor allem Baumwolle, allerdings in rasch steigenden Mengen. Chinesische Land grabs in Afrika würden übertrieben. Vorerst würde sich China noch weitgehend auf landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte beschränken. Längerfristig sei jedoch zu erwarten, dass Afrika eine größere Bedeutung für die Ernährungssicherungs-Strategie Chinas bekommen werde.

China's food security challenge: what role for Africa? Standard Bank, November 2011. Quelle:farmlandgrab

Umweltpolitik - Neue Entwicklungen und Perspektiven (2011)

November 2011: Einerseits tragen die intensive Landwirtschaft und Tierhaltung wesentlich zu den gravierenden ökologischen Problemen bei, andererseits ist die Agrarproduktion selbst Opfer rücksichtloser Umweltverschmutzung, etwa durch Bergbau und Schwerindustrie. Die Umweltpolitik und ihre Umsetzung sind daher auch für die weitere Entwicklung der Landwirtschaft von zentraler Bedeutung.

Environmental Governance in China: New Developments and Perspectives. Journal of Current Chinese Affairs Vol 40, No 3 (2011). Link

Unfairtobacco: "Tabak hilft, talentiert zu werden"

Wie in vielen anderen Bereichen hält China auch beim Thema Tabakanbau einige Superlative bereit. So besitzt es flächenmäßig das größte Anbaugebiet für Tabak weltweit und erwirtschaftet damit fast die Hälfte der jährlichen Tabakernte. Mehr Informationen über diesen Teil der Wirtschaft, der dem Staat rund zehn Prozent der Steuereinnahmen bringt, hat Unfairtobacco.org zusammengetragen.

Dale Wen, How to feed China (2008)

This article contrasts the successful 'food security' approach adopted by the Chinese authorities in respect of grain production with the perils which have attended the 'market-based' approach adopted in respect of soybean cultivation.

Dale Jiajun Wen, How to feed China. A tale of two paradigms. In: Third World ResurgenceNo 212, April 2008, 30-34 ("The World Food Crisis")

World Bank: Neue Bauernorganisationen (2006)

Über die neuen landwirtschaftlichen Genossenschaften in China sind relativ wenig Informationen zugänglich. Dabei können sie nicht nur für die landwirtschaftliche Entwicklung und die Verbesserung der Lebenssituation auf dem Land eine wichtige Rolle spielen. Die Strategie der "New Socialist Countryside" spricht sich auch explizit für die Stärkung solcher "partizipativen" Organisationen aus. Die Weltbankstudie bietet eine Bestandsaufnahme und Empfehlungen, wie die Politik ihre Entwicklung unterstützen könnte. Man darf gespannt sein, wie das umgesetzt wird.

China - Farmers Professional Associations. Review and Policy Recommendations. Washington DC (World Bank) 2006. Download (pdf-Datei 0,67mb)