Globe Spotting

Themendienst

Reportagen & Analysen

 

Archiv: Agrobusiness - News

2011:

Dezember 2011: Die WTO und das Recht auf Nahrung

15. Dezember 2011: Unmittelbar vor der nächsten Sitzung der komatösen Doha-Entwicklungsrunde bei der WTO-Ministerkonferenz in Genf (15.-17.12) nimmt WTO-Generaldirektor Pascal Lamy Stellung zur Kritik des UN-Berichterstatters für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter. Der hatte Mitte November beklagt, Maßnahmen zur Sicherung des Rechts auf Nahrung wie beispielsweise Einfuhrbeschränkungen oder Subventionen für die bäuerliche Landwirtschaft würden durch die Welthandelsorganisation blockiert. Eine Überarbeitung der WTO-Regeln für den Agrarhandel seien daher nötig (Siehe Meldung vom 17. November). Lamy bekräftigt dagegen die Auffassung, dass zur Ernährungssicherung eine weitere Handelsliberalisierung notwendig und bestehende Spielräume für Importländer, die eigene Landwirtschaft zu schützen, ausreichend seien. Sein Brief wird durch einen ausführlichen Kommentar des WTO-Sekretariats zu den Forderungen von De Schutter ergänzt.

Dezember 2011: Der große Milchraub

10. Dezember 2011: Milcherzeugung und -verarbeitung sind für Millionen Familien in vielen Ländern des globalen Südens eine wichtige Einkommensquelle. Doch zunehmend drängen Konzerne wie Nestlé, PepsiCo und Cargill auf diesen Markt, gefördert durch bilaterale Handelsabkommen, Qualitätsstandards und schiere Marktmacht: Riesige Betriebe mit über 100.000 Kühen drängen die traditionellen Produzenten aus dem Geschäft. Dieser "Große Milchraub" bedroht damit die Lebensbedingungen und die Versorgung von zahllosen ärmeren Menschen, wie GRAIN in einem neuen Bericht warnt.

Oktober 2011: Vertragslandwirtschaft braucht faire Bedingungen

25. Oktober 2011: Gestern stellte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, vor der Generalversammlung seinen Bericht zu Vertragslandwirtschaft vor. Darin benennt er eine Reihe von Voraussetzungen, dass sie beteiligten Bauern wirklich Vorteile bringt wie faire Verträge und staatliche Aufsicht. Außerdem weist er auf bessere Ansätze wie direkte Beziehungen zwischen Produzenten und Verbrauchern, Genossenschaften und Gemeinschaftsunternehmen hin.

Oktober 2011: Neues Großprojekt eines US-Investors in Tansania

25. Oktober 2011: Tansanias Landwirtschaftsminister hat die Verhandlungen mit dem US-amerikanischen Agrarunternehmen AgriSol Energy über eine 32.000 Hektar große Farm verteidigt. Neben Mais und Soja sollen dort auch Vieh, Geflügel und Energiepflanzen erzeugt werden. Kleinbauern würden als Vertragslandwirte eingebunden. Nach offiziellen Angaben der Regierung, die massiv um ausländische Investitionen wirbt, seien gegenwärtig nur drei Viertel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche des Landes bebaut. Dagegen befürchtet das  Oakland Institute, dass durch die geplante großflächige Mechanisierung bis zu 162.000 Menschen vertrieben würden, die Beteiligung der Kleinbauern sei lediglich ein "PR-Trick".

Quelle:Africanagricultureblog

Siehe auch Oakland Institute Brief zu Tansania und AgriSol

Oktober 2011: WWF started Webseite zur 'Fleischfrage'

20. Oktober 2011: Mit einer neuen thematischen Website will WWF Deutschland die Auseinandersetzung um Fleischproduktion und -konsum und deren Auswirkungen auf die Umwelt, das Klima oder die Gesundheit intensivieren. Zum Einstieg dient die Studie "Fleisch frisst Land" (pdf-Datei 6,07 MB), in deren Mittelpunkt der gewaltige Flächenverbrauch steht, den Deutschland beziehungsweise Europa für die Versorgung mit Fleisch und Viehfutter haben, ein großer Teil davon in Südamerika.

Siehe dazu das globe-spotting-SPECIAL: Ware Fleisch

Oktober 2011: UN-Leitlinien gegen 'Land grabbing' verzögern sich

19. Oktober 2011: Das Komitee für Ernährungssicherheit, CFS, hat bei seiner jüngsten Sitzung nicht wie geplant die 'Freiwilligen Richtlinien zu Landbesitz' verabschiedet, von denen sich die Befürworter eine bessere Regulierung großflächiger Agrarinvestitionen erhoffen. Während über Fragen wie die Anerkennung bestehender Nutzungsrechte, des Rechts auf Nahrung und eines gleichberechtigten Zugangs von Frauen zu Land Einigkeit besteht, ist unter anderem die Haftung von Investoren für Menschenrechtsverletzungen strittig. Jetzt soll in einigen Monate eine weitere Sitzung stattfinden.

Quelle: Die Tageszeitung, 18. Oktober 2011

September 2011: Plantagen in Äthiopien bedrohen Pastoralisten

14. September 2011: Äthiopiens Regierung will im Westen des Landes mehr als 350.000 Hektar Zuckerrohr- und Baumwollplantagen anlegen, überwiegend im Staatsbesitz. Das riesige Bewässerungsprojekt im Omo-Tal, dessen Kernstück der umstrittene Staudamm Gibe III ist, würde die Lebensbedingungen von bis zu 500.000 Menschen in der Grenzregion mit Kenia bedrohen, schätzt das Oakland Institute in einer Studie, und schwerwiegende ökologische Auswirkungen, zum Beispiel auf den Turkana-See, haben. In dem dünn besiedelten Gebiet leben überwiegend Angehörige indigener Volksgruppen, die extensive Viehhaltung betreiben. Der Staudamm ist nur einer von vielen, die gegenwärtig in Äthiopien geplant oder im Bau sind. Mehr: 'Äthiopien will Zuckerbaron werden - trotz Hungerkrise'

Siehe dazu den Beitrag "Äthiopien: Wasser für Entwicklung": Download (pdf-Datei 182 kb)

September 2011: Zusagen für Afrikas Landwirtschaft nicht eingehalten

12. September 2011: Trotz der anhaltend hohen Nahrungsmittelpreise halten die Industrieländer ihre Zusagen, grundlegende Reformen in Afrikas Landwirtschaft mit dem Ziel einer besseren Eigenversorgung zu unterstützen, nicht ein. Beim G8-Gipfel im italienischen L'Aquila 2009 hatten sie erhebliche Finanzmittel für Landwirtschaft und Ernährungssicherung versprochen. In der Studie "Aid Coordination and Alignment: myth or reality?" über Agrarprojekte in drei westafrikanischen Ländern (Niger, Burkina Faso und Ghana) stellt die Entwicklungsorganisation Oxfam nun fest, dass bislang nur ein Bruchteil dieser Gelder bereitgestellt wurde. Außerdem würden Projekte umfassende Entwicklungspläne der Länder ignorieren und Nahrungsmittelhilfe die lokale Landwirtschaft weiterhin beeinträchtigen. Der Bericht und eine Kurzfassung bei Oxfam International

August 2011: Klage gegen Monsanto wegen 'Biopiraterie'

24. August 2011: Die indische Aufsichtsbehörde für den Schutz biologischer Vielfalt (National Biodiversity Authority, NBA) bereitet eine Strafanzeige gegen den US-amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto und seine indischen Kooperationspartner wegen unerlaubter Verwendung von Eigenschaften einheimischer Pflanzensorten bei der Entwicklung gentechnisch veränderter Auberginen (Bt brinjal) vor. Gegen die Zulassung des gv-Gemüses gibt es seit Monaten heftige Proteste. Quelle: ESG India

August 2011: Land in Mosambik für Brasiliens Exporte nach China

17. August 2011: Mosambik will brasilianischen Farmern bis zu sechs Millionen Hektar im Norden des Landes für den Anbau  von Soja, Mais und Baumwolle verpachten. "Wir wollen wiederholen, was sie vor 30 Jahren im Cerrado geschafft haben", erklärte Landwirtschaftsminister José Pacheco in der brasilianischen Zeitung Folha de Sao Paulo. Der Transport von Soja oder Baumwolle nach China, einem wichtigen Abnehmer brasilianischer Agrarprodukte, würde dadurch kostengünstiger, freut sich Carlos Ernesto Augustin, Präsident der Baumwollproduzenten im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso, ausserdem gebe es "ungenutztes Land" und weniger Umweltauflagen. In der Studie "Awakening Africa's Sleeping Giant" (Juni 2009) hatte die Weltbank die Erschließung des Cerrado durch die industrielle Landwirtschaft als Vorbild für Afrika propagiert. Siehe dazu den Globe-spotting-Beitrag "Schlafender Riese, landfressender Moloch oder hässlicher Zwerg?"

August 2011: Gates-Stiftung rechtfertigt Agro-Gentechnologie

5. August 2011: In einem ausführlichen Interview mit der äthiopischen Wochenzeitung Addis Fortune nimmt Sylvia Mathews, Präsidentin des Globalen Entwicklungsprogramms der Bill&Melinda Gates Foundation, Stellung zu den Vorwürfen, die finanzstarke US-amerikanische Stiftung würde Afrika zum Versuchsfeld für Biotech-Konzerne wie Monsanto machen. Darin bezeichnet sie die Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen als "Teil der Lösung" für Agrarprobleme und Armut auf dem Kontinent. Sie sehe nicht, wie ein Unternehmen wie Monsanto, an dem die Stiftung Anteile hält, "die Armen schwächen" würde. Schließlich könnten die Bauern selbst entscheiden, welches Saatgut sie verwenden. Das ganze Interview auf Addis Fortune.

Siehe dazu die Studien des African Centre for Biosafety (ACB)

Juli 2011: UN-Berichte zu 'Land grabbing' und Preisspekulation

27. Juli 2011: Zwei Expertenberichte, erstellt für das UN Committee on World Food Security (CFS), sollen die politische Diskussion beim nächsten CFS-Treffen im Oktober 2011 bereichern. Der erste ('Price volatility and food security') untersucht die Ursachen und Auswirkungen der Preissteigerungen und -ausschläge für Grundnahrungsmittel, der zweite ('Land tenure and international investments in agriculture') soll helfen, die "ideologische Spaltung" zu klären, ob 'Land grabbing' 'schlecht' oder internationale Investitionen in die Landwirtschaft 'gut' sind. Beide Berichte machen umfangreiche Vorschläge für politische Maßnahmen, Aktionen und Institutionen. Link zu den Berichten (pdf-Dateien)des High Level Panel of Experts on Food Security and Nutrition (HLPE)

Juli 2011: Dürre als Einfallstor für Genmais

8. Juli 2011: Seit Anfang des Monats protestieren in Kenias Hauptstadt Nairobi Kleinbauern und Umweltschützer gegen die Einfuhr von gentechnisch verändertem Mais aus Südafrika, mit der Regierung und Getreidemühlenbesitzer die Ernteausfälle aufgrund der anhaltenden Dürre kompensieren wollen. Die Demonstranten lehnen nicht nur die landwirtschaftliche Gentechnologie ab, sondern fürchten auch, dass Bauern durch den billigen Genmais verdrängt werden. Die Grundlage für den Import hatte die Regierung in den vergangenen Jahren geschaffen, indem sie den Import und den kommerziellen Anbau von gv-Pflanzen erlaubte (siehe Nachricht vom 8. März 2011). Doch Gacheke Gachihi, Koordinator der Bunge La Mwananchi Social Movement erklärte gegenüber Newscast Media: "Wir sind überzeugt, dass wir dieses Land mit organischer und agroökologischer Landwirtschaft ernähren können."

Zur Strategie der Agrarindustrie, Hunger zur Durchsetzung von Genpflanzen zu nutzen, siehe auch den Beitrag "Nahrungsmittelhilfe als Brechstange". Download (pdf-Datei 99 kb)

Juli 2011: Ernährungssicherheit a la Weltbank

1. Juli 2011: Mit einem ganzen Maßnahmenbündel will die Weltbankgruppe den Auswirkungen steigender und schwankender Nahrungsmittelpreise begegnen: Zum einen seien die Gelder für Landwirtschaft im Finanzjahr 2011 von 4,1 Milliarden US-Dollar 2008 auf bis zu 8 Milliarden annähernd verdoppelt worden. Bis zu 4 Milliarden stellt sie zur Absicherung gegen Preisausschläge bereit, das Global Food Crisis Response Program (GFRP) würde zudem rund 40 Millionen Menschen unterstützen.  Das Global Agriculture and Food Security Program (GAFSP), im April 2010 von den G20-Staaten gestartet und von der Bank durchgeführt, soll mit bislang 520 Millionen Investitionen in die bäuerliche Landwirtschaft fördern. Auch die International Finance Corporation (IFC) will privaten Agrarunternehmen stärker bei der Verbesserung der Effizienz helfen. Für Afrika südlich der Sahara, nach Aussage der Bank ihre "Top-Priorität", gingen die Gelder allerdings gegenüber den Vorjahren deutlich zurück. Siehe dazu die Presse-Erklärung

Juni 2011: Vorräte als "smarter Ansatz" gegen Hungerkrisen

22. Juni 2011: Eine globale Getreidereserve von nur 105 Millionen Tonnen hätte helfen können, die Nahrungsmittelkrise vor drei Jahren zu verhindern, behauptet die nichtstaatliche Entwicklungsorganisation Oxfam. Daher appellierte sie anläßlich des Treffens der G20-Landwirtschaftsminister an die Regierungen, "die Haltung zu Nahrungsmittelreserven zu überdenken". Allerdings müsste eine Vorratshaltung kostengünstiger und effektiver als in der Vergangenheit umgesetzt werden. Oxfam greift damit eine Diskussion auf, die bereits seit einiger Zeit läuft. Siehe Literaturhinweis

Juni 2011: Fan der Agrarindustrie als neuer FAO-Chef

27. Juni 2011: Gestern wurde in Rom der Brasilianer José Graziano da Silva mit knapper Mehrheit zum neuen Generaldirektor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) gewählt. Als brasilianischer Minister für Ernährungssicherheit und Hungerbekämpfung war er unter anderem zuständig gewesen für Fome Zero, ein Regierungsprogramm zur Ernährungssicherung. Wie die Zeitung 'Junge Welt' berichtet, gilt er jedoch auch als ein Befürworter großflächiger Ethanol- und Biodieselproduktion durch Agrarunternehmen. Im Rahmen einer brasilianisch-afrikanischen Kooperation sei er zudem bestrebt, das brasilianische Modell aus Monokulturen und Vertragslandwirtschaft auf Afrikas Savannen zu übertragen. Mehr dazu im Beitrag von Norbert Suchanek in Junge Welt. Siehe auch seinen Gastbeitrag für globe-spotting.de

Juni 2011: Neue Studien zu Landnahme in Afrika

4. Juni 2011: Das Oakland Institute legt drei umfassende Studien zu Landgeschäften in Afrika vor - in Sierra Leone, Äthiopien und Mali. Auf der Website auch weitere Publikationen zu Aktivitäten und Verträgen einzelner Unternehmen und Hedge Fonds in Ländern wie Mosambik , Tansania und Sambia sowie Informationen zu Nahrungsmittelkrise, Landrechten und einigen Institutionen wie der Weltbank.

Mai 2011: Agrarverhandlungen in der WTO (fast) am Ende

31. Mai 2011: Was sich in den vergangenen Monaten bereits abzeichnete, ist jetzt sozusagen offiziell: Die Agrarverhandlungen in der Welthandelsorganisation WTO werden auf die lange Bank geschoben. Vor dem Trade Negotiations Committee, das alle Verhandlungen der sogenannten "Doha Entwicklungsrunde" koordinierträumte WTO-Chef Pascal Lamy ein, dass bei Themen wie Marktzugang für nicht-agrarische Verarbeitungsprodukte (NAMA), Landwirtschaft und Dienstleistungen oder geistigen Eigentumsrechten (TRIPS) auf absehbare Zeit keine Ergebnisse mehr zu erwarten seien. Bis zur nächsten WTO-Ministerkonferenz im Dezember soll jetzt noch ein kleines Weihnachtspaket geschnürt werden, um nicht ganz mit leeren Händen da zu stehen. Darin sollen einige Regelungen für den Handel mit den ärmeren Entwicklungsländern verpackt werden. Mehr auf der WTO-Website

Mai 2011: Preistreiberei durch Spekulation "nicht belegt"

30. Mai 2011: Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Landwirtschaftsministeriums (BMELV) lehnt  - anders als das Ministerium selbst - eine Regulierung von Warenterminmärkten zur Stabilisierung von Marktpreisen weitgehend ab. Dass "exzessive" Spekulationen die Märkte destabilisieren würden und damit auch zu starken Preissteigerungen und Hunger beitragen könnten (Siehe Literaturhinweis), hält er für nicht hinreichend belegt. Auch beim Vorschlag einer globalen Nahrungsmittelreserve (Siehe Literaturhinweis) sieht er weiteren Forschungsbedarf.

Link zur Beirats-Stellungnahme "Risiko- und Krisenmanagement in der Landwirtschaft: Zur Rolle des Staates beim Umgang mit Ertrags- und Preisrisiken" (April 2011).

Siehe dazu auch den globe-spotting-Kommentar: "Nahrungsmittelpreise: Den Hunger wegregulieren" (August 2010)

Mai 2011: FAO legitimiert industrielle Landwirtschaft

16. Mai 2011: Die Behauptung der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, angesichts der Hungerkrise sei eine Steigerung der Lebensmittelproduktion um 70 Prozent bis 2050 erforderlich, wird gerne zitiert, um eine weltweite industrielle Intensivierung der Landwirtschaft zu legitimieren. Eine neue Studie weist darauf hin, dass diese Projektion fragwürdig ist: Einerseits setze die FAO den Nachfragezuwachs viel zu hoch an, andererseits würden wichtige Faktoren wie eine Verringerung von Nachernteverlusten oder des Fleischkonsums, die das Angebot vergrößern könnten, unterbewertet. In jedem Fall würde eine größere Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln aber nicht ausreichen, um den armutsbedingten Hunger zu verringern. Zum Download der Studie "How to Feed the World's Growing Billions"

April 2011: Palmöl-Strategie der Weltbank - besser, aber nicht gut

22. April 2011: Ende März hat die Weltbankgruppe ihre neue Strategie für ihre Politik im Palmölsektor veröffentlicht. Darin werden die Bedingungen und Standards festgelegt, unter denen die Bank in dem umstrittenen Wirtschaftsbereich investiert. Damit wir auch das Moratorium für Investitionen beendet, das Weltbankpräsident Robert Zoellick im September 2009 auf Druck durch Gruppen der Zivilgesellschaft und indigener Völker verhängt hatte. Obwohl die neue Politik eine Reihe von Kritikpunkten berücksichtigt, blieben mehrere Probleme ungelöst, klagen NGO-Vertreter. Dazu gehören die Rechte indigener Völker und die konsequente Anwendung von Nachhaltigkeitsstandards über die gesamte Versorgungskette hinweg. Eine Einschätzung und der Link zum Strategiepapier bei BrettonwoodsProject

April 2011: Finanzminister wollen Nahrungsmittelspekulation zügeln

21.April 2011: Am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds IWF in Washington einigten sich die G20-Finanzminister auf Vorschlag der weltweiten Börsenaufsichten darauf, die Spekulation mit Nahrungsmitteln einzudämmen. So sollten zum Beispiel einzelne Händler nicht mehr als fünf Prozent der am Weltmarkt verfügbaren Menge von Weizen oder Mais aufkaufen dürfen. Wie die Regelungen, die beim G20-Gipfel im November in Cannes verabschiedet werden sollen, am Ende aussehen werden, wird unter anderem davon abhängen, wie einflussreich die Lobby des Nahrungsmittelhandels ist.

April 2011: Beratung über die Land-Leitlinien der FAO

18. April 2011: Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO lädt dazu ein, bis zum 16. Mai in einere-consultation die "Nullnummer" der unter ihrer Leitung erarbeiteten "Freiwilligen Richtlinien" für die Landbesitzpolitik (Fischgründe und Wälder eingeschlossen) zu kommentieren. Inzwischen liegen auch die gesammelten Anmerkungen zivilgesellschaftlicher Organisationen vor: Download (pdf-Datei 199 kb).

März 2011: Überblick über Publikationen zu "Land grabbing"

März 2011: Annähernd 100 Publikationen zu Landkonflikten, Zugang zu Land und Besitzrechten umfasst die Liste, die der Evangelische Entwicklungsdienst zusammengestellt hat. Kurze Zusammenfassungen ermöglichen einen raschen Überblick über thematische Schwerpunkte und Regionen, direkte Links erschließen den Zugang zu den Dokumenten, darunter Fallstudien, Politikpapiere und Projekte.

Collection of Data concerning "Landgrabbing and Conflict". Link

März 2011: Grünes Licht für Feldversuche mit GMOs in Kenia

8. März 2011: Die Bemühungen der Gentech-Lobby in Afrika haben offensichtlich einen weiteren Erfolg: Nach jahrelangen Auseinandersetzungen um die Kommerzialisierung gentechnisch manipulierter Organismen (GMOs) ist das kenianische Gesetz über Biologische Sicherheit jetzt in Kraft getreten. Das African Biotechnology Stakeholders' Forum, das in vielen Ländern den Einsatz von GMOs durchzusetzen versucht, kündigte an, dass jetzt Feldversuche mit GM-Pflanzen geplant seien. Quelle:SPORE 151 (February-March 2011).

Siehe dazu den Beitrag: "Unternehmen Süßkartoffel" (pdf-Datei 110 kb)

Februar 2011: Recht auf Nahrung - Forderungen an die G-20

5. Februar 2011: In einem Kommentar für den BlogProject Syndicate formuliert der UN-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, acht Forderungen an die G-20, um der Ernährungskrise dauerhaft zu begegnen. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln, die Stärkung von bäuerlichen Organisationen und ein gesicherter Zugang zu Land. Eine Übersetzung des Textes bei Weltwirtschaft&Entwicklung 

Januar 2011: Virtueller 'Land grab' durch Agrarimporte

22. Januar 2011: Eine Studie (Mai 2010), die durch die Agrarkonzerne Bayer CropScience und Syngenta finanziert wurde, rechnet vor, dass die Agrarimporte in die Europäische Union in Drittländern 49 Millionen Hektar Ackerfläche beanspruchen, ein Gebiet größer als Deutschland und Ungarn zusammen. Als Antwort empfehlen die Verfasser Produktivitätssteigerungen der europäischen Landwirtschaft durch mehr industrielle Landwirtschaft, während eine Ausweitung ökologischer Landwirtschaft nach ihrer Auffassung den virtuellen Land grab weiter vergrößern würde. Link zum Download (pdf-Datei)

2010:

Dezember: Zulassungsstop für Genpflanzen gefordert

9. Dezember 2010: In einer Petition, initiiert von Greenpeace und Avaaz, fordern eine Million Europäerinnen und Europäer von der EU-Kommission ein Moratorium auf die Zulassung von Genpflanzen, bis eine unabhängige und wissenschaftliche Institution zur Risikobewertung solcher Pflanzen eingerichtet ist. In Deutschland unterschrieben über 124.000 Menschen den Aufruf gegen Genpflanzen - in Frankreich war die Beteiligung an dieser ersten europäischen Bürgerinitiative, die der Lissabon-Vertrag vorsieht, sogar noch höher. Siehe dazu auch Gentechnikfreie Regionen

November: Klimawandel treibt "Patent-Grabs" an

14. November 2010: Angesichts des Klimawandels sichern sich Saatgut- und andere Agrokonzerne zunehmend Patente auf Gene, Pflanzen und Technologien, von denen sie sich versprechen, dass damit Pflanzen geschaffen werden können, die Trockenheit und andere Umweltveränderungen besser verkraften. Ein Bericht der ETC Group enthüllt den Anstieg der entsprechenden Patentanmeldungen, die, sollten sie erfolgreich sein, den Konzernen eine zusätzliche Kontrolle über die zukünftige Nahrungsmittelversorgung verschaffen würden. Mehr: Siehe den Bericht "Gene Giants Stockpile Patents on 'Climate-ready' Crops in Bid to become 'Biomassters'" der ETC Group

September 2010: Cargill und Gates-Stiftung fördern Soja-Anbau in Afrika

3. September 2010: Ende August stellte die Bill&Melinda Gates-Stiftung in Südafrika ein Projekt vor, gemeinsam mit dem US-amerikanischen Agrarhandelsriesen Cargill den Anbau von Soja in Afrika auszuweiten. In einer ersten Phase sollen 37.000 kleinbäuerliche Betriebe in Mosambik und Sambia für den Anbau der unter anderem als Viehfutter begehrten Pflanze gewonnen werden. Bislang dominieren die USA, Brasilien und Argentinien den Markt. Das African Centre for Biosafety (ACB), das dazu eine Studie erstellt hat, befürchtet, dass wie bereits in diesen Ländern damit jetzt auch in Afrika der Anbau von gentechnisch verändertem Soja vorangetrieben werden soll.

August 2010: Gates-Stiftung investiert in Monsanto

31. August 2010: Beobachter weisen schon seit längerem auf Beziehungen zwischen der Bill&Melinda Gates Foundation und dem US-Saatgutmulti Monsanto hin. So wurde der einstige Monsanto-Vizepräsident Rob Horsch Chef des Programms für landwirtschaftliche Entwicklung bei der Stiftung, das wiederum die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA) und damit nach Auffassung von AGRA Watch die wirtschaftlichen Interessen von Monsanto fördert. Jetzt wurde eine weitere Verbindung bekannt: Die Stiftung hat Anteile an Monsanto im Wert von mindestens 23,1 Millionen US-Dollar.

Siehe dazu die Stellungnahme des BauernnetzwerksVia Campesina und zu Aktivitäten von Monsanto in Afrika den Text"Unternehmen Süßkartoffel"

August 2010: Afrika - Revolution von oben

24. August 2010: Afrikanische Staats- und Regierungschefs, Vertreter der Industrie, der Geber und von Bauernverbänden treffen sich vom 2.-4. September in Ghanas Hauptstadt Accra beim African Green Revolution Forum (AGRF), um einen Aktionsplan für die Agrarentwicklung des Kontinents zu verabschieden. Staat und Privatwirtschaft sollen gemeinsam dafür sorgen, "Ernährungssicherheit und Wohlstand in Afrika zu erreichen", erklärte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, jetzt Frontmann der Allianz für eine Grüne Revolution in Africa (AGRA).

Siehe dazu den globe-spotting-Beitrag "Träume von einer grünen OPEC" (Download pdf-Datei)

Juli 2010: Spekulation und Hunger

19. Juli 2010: Die Investmentbank Goldman Sachs weist die Kritik, Finanzspekulationen würden den Hunger vergrößern, entschieden zurück. Sie reagiert damit auf die Studie"The great hunger lottery" von World Development Movement, die die Auswirkungen von Hedge-Fonds auf die Preise von Agrarprodukten und damit auf ärmere Familien analysiert. Die Studie ist Teil einer Kampagne gegen Spekulation mit Nahrungsmitteln.

Quelle: The Guardian, 19. Juli 2010 

Juni 2010: Rettet Afrikas Genmaterial! Für die Industrie?

25. Juni 2010: In einer Studie für das International Livestock Research Institute, ILRI, warnen Forscher, dass einheimische Nutztierrassen in Afrika vom Aussterben bedroht seien. Ihr Genmaterial sollte daher umgehend in Genbanken gesichert werden. Für die Industrie ist eine derartige Einlagerung willkommen, weil sie damit Zugriff auf Genmaterial von Rindern bekommt, die - anders als die europäischen Importrinder - an die agroklimatischen Bedingungen in Afrika angepasst sind. Dagegen ist es fraglich, ob durch die Genbanken ein Überleben der einheimischen Arten gesichert werden kann. Mehr dazu im Wissenschaftsmagazin Science. Siehe dazu auch den Bericht: "Experten warnen, dass der Verlust von Afrikas einheimischen Nutztierrassen die Ernährungssicherheit des Kontinents gefährdet".

Juni 2010: FAO: Spekulation unschuldig!

24. Juni 2010: Die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO lehnt Beschränkungen oder gar ein Verbot der Spekulation mit Grundnahrungsmitteln ab. Faktoren wie der hohe Ölpreis, die Nachfrage nach Agrartreibstoffen und geringere Reserven seien wichtiger für den Preisanstieg von Reis, Mais oder Weizen vor zwei Jahren gewesen als der Finanzhandel ('Futures'). Beschränkungen könnten sogar "unbeabsichtigte Auswirkungen" haben wie eine verringerte Liquidität.

Siehe dazu FAO-Policy Brief 9, June 2010

Juni 2010: Mehr Armut durch steigende Agrarproduktion

15. Juni 2010: Die Agrarproduktion wird in den kommenden zehn Jahren zwar mit der Nachfrage Schritt halten, doch Preise, zum Beispiel für Weizen und  Speisöl, könnten wegen höherer Produktionskosten um bis zu 40 Prozent steigen, schätzt der Jahresbericht Agricultural Outlook 2010-19 von FAO und OECD. Eine weitere Ursache dafür sieht er in der wachsenden Konkurrenz durch Agrartreibstoffe. Neben den Industrieländern erwartet der Bericht deutliche Produktionssteigerungen vor allem in Brasilien, China, Indien, Russland und der Ukraine und fordert den Abbau von Handelshindernissen. Damit würden die ärmeren Bevölkerungsgruppen in den Ländern des Südens von zwei Seiten in die Zange genommen: Durch höhere Preise und durch die Verdrängung bäuerlicher Landwirschaft durch die Überschüsse der Produzentenländer. 

Juni 2010: Wettrüsten der Unkraut-Buster

5. Juni 2010: Bislang beherrscht Monsanto in den USA und vielen anderen Ländern Dank seines Herbizids "Roundup Ready" den Markt für Soja und Mais nahezu vollständig. Doch die Entstehung von "Superunkräutern", die gegen den Verkaufsschlager des Agrarkonzerns resistent sind, lässt die Konkurrenten Hoffnung schöpfen. Große Chemiefirmen wie Dow Chemical, DuPont, Bayer, BASF und Syngenta versuchen nun, mit alten, aber wirksamen Agrargiften und neuen gentechnisch veränderten Sorten Marktanteile zurück zu erobern. Gleichzeitig gerät Monsanto durch chinesische Unternehmen unter Druck, die preiswerte Generika anbieten, weil der Patentschutz für "Roundup" abgelaufen ist.

Quelle: Wall Street Journal, June 4, 2010

Mai 2010: Schutz gegen "Land grabbing"

14. Mai 2010: Mehrere UN-Organisationen, darunter die Weltbank und die Landwirtschaftsorganisation FAO, haben Vorschläge für sieben Prinzipien vorgelegt, die sicher stellen sollen, dass ausländische Agrarinvestitionen keine bestehenden Nutzungsrechte an natürlichen Ressourcen verletzen, die Ernährungssicherheit gewährleisten und der einheimischen Bevölkerung zugute kommen. In einem Diskussionsprozess sollen jetzt Leitlinien, Anforderungen an Regierungen und Verhaltensregeln für private Investoren entwickelt werden.

Siehe dazu den globe-spotting-Blogbeitrag: "Aus Landräubern werden keine Entwicklungshelfer"

Mai: "Eine neue Vision für Afrikas Landwirtschaft"

7. Mai 2010: „Wir müssen die Sache anders angehen“, fasste Tansanias Präsident Jakaya Kikwete beim Weltwirtschaftsforum Afrika 2010 in Dar es Salaam seine Vorstellungen zusammen, wie die Landwirtschaft zum „Wachstumsmotor“ werden könnte. Dazu gehört eine Allianz globaler Unternehmen, die die Regierung Tansanias bei ihrer Landwirtschaftsinitiative „Kilimo Kwanza“ unterstützen will. Führend an der Ausarbeitung eines Investitionsplans für die Landwirtschaft beteiligt sind Yara International, der weltweit größte Düngemittel-Hersteller, Unilever, Syngenta, DuPont, Monsanto und der südafrikanische Brauereikonzern SAB Miller. Die Arbeitsgruppe soll auch Möglichkeiten für Öffentlich-Private Partnerschaften (PPP) ausloten.

Siehe dazu das globe-spotting-ThemaAgrarkolonialismus

April 2010: Kontakthöfe für Agrarinvestoren

29. April 2010: Sie wollen Geld in der Landwirtschaft anlegen? Viel Geld? Dann sollten Sie zunächst nach New York fliegen, wo am 6. und 7. Mai die Global AgInvesting2010 stattfindet, später dann nach London zur Farmland Investor Conference (25.-27. Juni). Sie treffen andere Geldanleger wie zum Beispiel Vertreter von Pensionsfonds, Spitzenvertreter von Weltbank, Welthandelsorganisation und der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, Manager von Agrarkonzernen und EU-Kommissare. Teilnahmegebühren betragen 1.995 US-Dollar für New York und 3.484  Pfund für London (weniger für Frühbucher und Regierungsvertreter) - nicht viel angesichts der "neuen Wachstumschancen".

April 2010: Weltbank-Konferenz zum 'Griff nach dem Land'

26. April 2010: Bei der Konferenz "Land Policy and Administration" in Washington diskutieren Vertreter von Regierungen, Gebern, Forschung, Unternehmen und NGOs über Landnutzungspolitik. Ein Hauptthema werden die steigenden ausländischen Agrarinvestitionen sein, für die die Weltbank "Prinzipien" vorlegen will. In einer Erklärung fordert eine breite Koalition zivilgesellschaftlicher Organisationen an Stelle solcher freiwilligen Richtlinien einen sofortigen Stop dieses "land grabbing".

Informationen über die Weltbank-Konferenz

März 2010: Agrobusiness und das Recht auf Nahrung

5. März 2010: In seinem Bericht "Agribusiness and the right to food" untersucht der UN-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, die Auswirkungen von Aufkäufern, Verarbeitern und Einzelhandel auf kleinbäuerliche Betriebe und Landarbeiter, die rund die Hälfte der Hungernden weltweit ausmachen. Empfehlungen an Regierungen und Unternehmen sollen dazu beitragen, dass die Ernährungsindustrie zukünftig stärker als momentan zur Beseitigung des Hungers beiträgt.

Mehr siehe das globe-spotting-Thema "Neue Grüne Revolution"

Februar 2010: Ausländische Agrarinvestitionen lassen die GTZ hoffen

12. Februar 2010: Nach UN-Organisationen wie der FAO und dem Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung hat nun auch die deutsche Entwicklungspolitik das Thema 'Ausländische Direktinvestitionen in die Landwirtschaft' aufgearbeitet. Eine Studie der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) stellt fest, dass diese Investitionen auch "Hoffnungen" bringen, weil sie Gelder für die Entwicklung der Landwirtschaft versprechen. Die Studie wird flankiert durch vier Länderberichte zu Laos, Madagaskar, Mali und Kambodscha. Siehe dazu globe-spotting-Liberaturübersicht

Januar 2010: Einspruch gegen Patent auf Heilpflanze erfolgreich

26. Januar 2010: Das Europäische Patentamt in München hat heute das Patent auf die Nutzung der Heilpflanze Pelargonium aus Südafrika, das der deutschen Firma Schwabe erteilt worden war, wegen 'fehlender Erfindungshöhe' widerrufen. Damit wurde dem Einspruch der klagenden Organisationen Erklärung von Bern und African Center for Biosafety stattgegeben, die dem Karlsruher Pharmaunternehmen 'Biopiraterie' vorgeworfen hatten.

Weitere Informationen: Erklärung von Bern; African Center for Biosafety

Siehe auch "Biopiraten in der Kalahari?":  Download (pdf-Datei 1,7 MB), auch in englisch

Januar 2010: Gates-Stiftung beruft Gentech-Manager

11. Januar 2010: Die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates, die eine neue 'Grüne Revolution' in Afrika vorantreibt, hat mit Sam Dryden einen Mann zum neuen Leiter ihrer Agrarabteilung berufen, der eine lange Karriere in der Gentechnologie-Industrie hat. Zivilgesellschaftliche Organisationen sehen damit ihre Sorge bestätigt, dass die Stiftung trotz gegenteiliger Beteuerungen die Agro-Gentechnologie vorantreiben will. Quelle (AP): GENET-news

2009:

Dezember 2009: Gentech-Reis in China

9. Dezember 2009: Nach der Unbedenklichkeitsbescheinigung durch das zuständige Komitee des Landwirtschaftsministeriums befürchtet Greenpeace China, dass der kommerzielle Einsatz von gentechnisch verändertem Reis und Mais näher rückt. Für Genforschung und Agrokonzerne wäre das ein lange ersehnter Durchbruch in den Anbau von Nahrungsmitteln.

Mehr dazu im taz-blogSave our Seeds

Oktober 2009: Obamas Mann für die WTO-Agrarverhandlungen

28. Oktober 2009: Auf heftigen Protest von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie FoodFirst und der National Family Farm Coalition stößt die Benennung von Islam Siddiqui als neuen Chef-Unterhändler der USA bei internationalen Agrarverhandlungen, zum Beispiel in der WTO. Siddiqui, dessen Berufung durch den Senat bestätigt werden muss, kommt von CropLife USA, einer der mächtigsten Lobbyorganisationen der Agrarindustrie. Auch der Chef der neuen Forschungsabteilung NIFA des Landwirtschaftsministeriums ist aus der Industrie: Roger Beachy war zuletzt Präsident des Pflanzenforschungszentrums von Monsanto und gilt als vehementer Befürworter von Gentechnologie. NIFA vergibt Gelder an ausländische Agrarforschungsinstitute. NGOs befürchten durch die Benennungen einen weiter wachsenden Einfluss der Biotech- und Agrarchemie-Industrie auf die Politik der Regierung.

Quelle:FoodFirst

Oktober 2009: Fondsmanager als Bauern

Oktober 2009: Bei zahlreichen Unternehmen, die in jüngster Zeit Ländereien in Afrika oder Asien erwerben, handelt es sich nicht um Agrarunternehmen, sondern um Investmentfirmen, wie die Lobbyorganisation GRAIN zeigt. Angesichts hoher Nahrungsmittel- und steigender Landpreise spekulieren sie auf hohe Renditen. Mit ihnen bekommt die Globalisierung der Landwirtschaft einen neuen, mächtigen Akteur. Siehe GRAIN: The new farm owners

September 2009: Neues koreanisches Agrarprojekt in Afrika

25. September 2009: Nachdem der Plan, in Madagaskar Land von der Größe Belgiens für die Versorgung von Südkorea mit Agrarprodukten zu erwerben, vorerst auf Eis liegt, will jetzt das Staatsunternehmen Korea Rural Community Corp. 100.000 Hektar Land in Tansania erschließen und Verarbeitungsbetriebe errichten. Angesichts der Proteste in Madagaskar gegen die kommerzielle Landnahme verspricht es, die Hälfte davon einheimischen Bauern zu überlassen. Die andere sollen koreanische Agrar- und Nahrungsmittelunternehmen bewirtschaften. Nach Unterzeichnung eines Vorvertrags im kommenden Monat würden zunächst 10.000 Hektar entwickelt werden, der Rest dann bis 2015 durch ausländische Finanzierungs- oder Entwicklungsfonds. Die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet zudem, dass das Unternehmen plane, das Projekt auch durch den Abbau von Eisenerz, Gold und Kupfer in Tansania zu finanzieren. Der Landwirtschaftsminister von Tansania hat die Pläne inzwischen allerdings dementiert.

Quelle: bilaterals.org

September 2009: Landnahme als Öffentlich-Private Partnerschaft

September 2009:  Das Internationale Reisforschungsinstitut IRRI, Teil des öffentlichen Agrarforschungsverbundes CGIAR, kooperiert mit Saudi Arabien beim „Offshore-farming“. Wie die Lobby-Organisation GRAIN enthüllt, bietet die Regierung des Königreichs Geld für Forschungsprojekte, die nützlich sind für die 7x7-Pläne von Foros International: Der private Investor will 700.000 Hektar Land, vor allem in Senegal und Mali, erwerben, um in sieben Jahren sieben Millionen Tonnen Reis für die Versorgung Saudi Arabiens zu produzieren. Mehr über diese Öffentlich-Private Partnerschaft (PPP) bei GRAIN

August 2009: Monsanto-Lobbyist in US-Kontrollbehörde

August 2009: Die Berufung von Michael Taylor in die Food and Drug Administration, die Behörde für Lebensmittelkontrolle, betrachten Agrarexperten, NGOs und Aktivisten als ein falsches Signal der Obama-Regierung. Taylor war mehrfach für den Agrarkonzern Monsanto tätig und gilt als ein Drahtzieher der industriefreundlichen Biotechnologie-Politik der US-Regierung und der Versuche, Afrikas Landwirtschaft für US-amerikanische Agrarchemie-Konzerne und gentechnisch veränderte Pflanzen des Marktführers Monsanto zu öffnen.

Ausführlich dazu siehe Institute for Food & Development PolicyMonsanto’s man in the Obama administration, with an eye on Africa

Siehe auch: Unternehmen Süßkartoffel, Auszug aus Agrar-Kolonialismus in Afrika

Juni 2009: 400.000.000 Hektar

22. Juni 2009: Neue Studie von Weltbank und FAO: Afrikas Savanne von Senegal im Westen bis Südafrika könnte für die kommerzielle Landwirtschaft genutzt werden, so die Studie Awakening Africa's Sleeping Giant – Prospects for Commercial Agriculture in the Guinea Savannah Zone and Beyond. Durch die Erschließung von bis zu 400 Mio. Hektar Land könnten „mehrere Länder zu Global Players werden“, erklärt die Weltbank. Kleinbäuerliche Landwirtschaft sollte dabei Vorrang haben vor großflächiger industrialisierter Produktion, höherwertige Agrarprodukte Vorrang vor Grundnahrungsmitteln. Voraussetzungen wie Absatzmärkte, ein günstiges Geschäftsklima, steigende Investitionen in die Landwirtschaft und neue Technologien seien gegeben – jetzt müssten die Regierungen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen schaffen und die Infrastruktur, die Verwaltung und die politische Stabilität verbessern. Und sie sollen dafür sorgen, dass sich die „unvermeidlichen“ Umweltzerstörungen in Grenzen halten.

Besprechung der Studie (pdf-Datei 113 kb)

Juni 2009: Landnahme und Menschenrechte

11. Juni 2009: Angesichts der großflächigen Übernahme von Ländereien zum Beispiel in Afrika und Asien durch ausländische Investoren rief der UN-Sonderberichterstatter Olivier De Schutter dazu auf, dabei stärker auf Menschenrechte Rücksicht zu nehmen. Dazu gehören insbesondere das Recht auf Nahrung, das Recht auf Selbstbestimmung und das Recht auf Entwicklung.

Siehe dazu die Besprechung der FAO-Weltbank-Studie 'Awakening Africa's Sleeping Giant' und den Kommentar 'Leitlinien für Landraub'

Januar 2009: Subventionen für Milchexporte

Seit Januar 2009 zahlt die EU wieder Subventionen für Exporte von Milchprodukten, auch in Entwicklungsländer. Dadurch könnten die Existenzbedingungen afrikanischer Milchbauern beeinträchtigt werden, zumal die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) mit der EU es betroffenen Ländern verbieten, Schutzzölle gegen Billigimporte anzuheben. Mit einer Online-Aktion wollen europäische Organisationen eine Abschaffung der Subventionen erreichen.

Update: Am 5. November 2009 hat die Europäische Kommission die Exportsubventionen für die meisten Milchprodukte eingefroren. Daraufhin wurde auch die Online-Aktion von Campact.de vorerst eingestellt.

 

Zurück zu: Aktuelle Nachrichten "Neue Grüne Revolution"