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Reportagen & Analysen

 

Archiv: Agrobusiness - Literatur

Afrikas Landwirtschaft und die Weltbank (2007)

Die Weltbank hat in den vergangenen dreissig Jahren eine entscheidende Rolle in der Agrarpolitik für Afrika gespielt. Strukturanpassungsprogramme zum Beispiel trugen zum Rückgang der Investitionen in die Landwirtschaft bei. Der Text reflektiert kritisch, wie der Weltentwicklungsbericht 2008 der Weltbank die Position Afrikas in der globalen Landwirtschaft sieht und untersucht insbesondere die Rolle, die die Bank bei der Förderung des privaten Sektors und der Ausrichtung der Agrarproduktion spielt. Die wirtschaftlichen und sozialen Entscheidungsspielräume der Bauern werden ebenso analysiert wie die Auswirkungen, die die Empfehlungen des Berichts für die bäuerliche Landwirtschaft haben könnten.

African Agriculture and The World Bank. Development or Impoverishment? Policy Dialogue No. 1, Uppslala 2007. Als pdf-Datei (1,6 MB) beim Nordiska Afrikainstitutet

Agro-Gentechnologie in Afrika - PR-Literatur (2012)

5. Mai 2012: Zahlreiche Organisationen wie die African Agricultural Technology Foundation (AATF), das von ihr initiierte Open Forum for Agricultural Biotechnology in Africa (OFAB) und Africa Harvest, unterstützt unter anderem von der Entwicklungsbehörde USAID oder Stiftungen wie der Gates Foundation oder der Rockefeller Foundation, versuchen, die Akzeptanz für Agro-Gentechnologie und günstige rechtliche Regelungen zu Biologischer Sicherheit zu fördern. Ihre Aktivitäten schlagen sich auch in Artikeln nieder, in denen dafür geworben wird:

So beschreibt "Developments in Agricultural Biotechnology in Sub-Saharan African" (AgBioForum, 13(4) 2010) die angeblichen Fortschritte bei der Entwicklung von Gentech-Mais, Bohnen (Cowpeas), Hirse und Kartoffeln durch "Öffentlich-private Partnerschaften" und beklagt die Hindernisse, die Regulierungsbehörden ihrer Kommerzialisierung in den Weg legen.

Ähnlich der Beitrag "Can biotechnology drive an African green revolution?" von AATF-Autoren in Aspects of Applied Biology (96, 2010), der die Bestrebungen von AATF beschreibt, "in Partnerschaft mit privaten und öffentlichen Institutionen" gentechnisch veränderte Pflanzen zu entwickeln, zu testen und zu verbreiten, um dadurch die Nahrungsmittelproduktion zu steigern.

Die Zeitschrift ScienceAfrica, nach eigener Aussage "Africa's Leading Publication on Science, Innovation and Development", veröffentlicht regelmäßig Artikel über Gentechnologie, darunter in ihrer Ausgabe 17/2011 Berichte über ABSF (African Biotechnology Stakeholders Forum) und ABNETA (Agricultural Biotechnology Network in Africa), zwei weitere ProGentech-Outfits.

Sachlicher der Bericht des Global Agricultural Information Network, den das US-Agrarministerium herausgibt, der in der Ausgabe August 2011 den "Fortschritt bei der Biotechnologie an regionalen und nationalen Fronten" in Westafrika beschreibt.

Verschwörungstheoretisch das Buch "Starved for Science" von Robert Paarlberg (bereits 2008), das, durch Vorworte von Norman Borlaug, dem 'Vater' der Grünen Revolution, und dem einstigen US-Präsidenten und Agrarlobbyisten Jimmy Carter beehrt, die These vertritt, Europa würde den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in Afrika verhindern und damit zu Hunger und Armut beitragen. Dazu die kritische Besprechung von Ian Scoones und Dominic Glover in Nature vom 13. August 2009, die leider nur gegen Bezahlung zugänglich ist.

Antoniou et al, Neue Studie über Gefahren von Genfood (2012)

Juli 2012: Die Gefahren gentechnisch veränderter Nahrungsmittel werden von der Forschung, die weitgehend durch die Gentech-Industrie finanziert wird, nicht ausreichend untersucht. Diese zentrale Aussage der Studie "GMO Myths and Truths" von Earth Open Source basiert auf der Durchsicht von hunderten von Forschungsberichten. Zudem seien die Versprechungen auf dauerhafte Produktionssteigerungen nicht eingelöst. Gleichzeitig würden durch die Konzentration auf die genetische Veränderung andere Methoden, Nahrungsmittelpflanzen zu verbessern, vernachlässigt.

Michael Antoniou, Claire Robinson, John Fagan, GMO Myths and Truths.
An evidence-based examination of the claims made for the safety
and efficacy of genetically modified crops. EarthOpenSource, June 2012

APRODEV, EU-Agrarreform und Ernährungssicherheit (2011)

23. Februar 2011: APRODEV, ein Verband von 16 europäischen Entwicklungs- und Hilfsorganisationen, hat sechs kurze Texte (Lobby Briefs) erstellt, in denen die Auswirkungen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (Common Agricultural Policy, CAP) der EU auf die globalen Agrarmärkte und die Versorgungssituation mit Nahrungsmitteln in den Ländern des globalen Südens analysiert werden. Themen sind u.a. die internationale Verantwortung der EU als größter Agrarhändler, die Gefahren geplanter Handelsregelungen und die Gefährdung der Ernährungssicherheit durch billige Exporte ('Dumping') und stetig steigende Futtermittelimporte. Als Download (pdf) bei APRODEV

Hans Bass, Der Beitrag der Finanzmärkte zum Hunger (2011)

August 2011: Als Beitrag zur kontroversen Debatte über die Rolle der Finanzspekulation bei den Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel hat die Deutsche Welthungerhilfe diese Studie in Auftrag gegeben. Danach trägt das Engagement von Kapitalanlegern auf den Getreidemärkten bis zu 15 Prozent zu Preisniveauerhöhungen bei, wobei die Einflüsse allerdings "noch nicht hinreichend erforscht" seien. Sie erklärt die Zusammenhänge zwischen Getreide- und Finanzmärkten, hilfreich aber auch der Überblick über die Entwicklungen auf den Weltmärkten für Weizen, Mais, Reis und Soja und der Versuch, die Auswirkungen der Preissteigerungen auf einige Länder (Haiti, Kenia, Mali und Nepal) abzuschätzen. Und sie diskutiert verschiedene Gegenmaßnahmen, die vorgeschlagen wurden, darunter Positionslimits und das Verbot des Handels mit Agrargüterderivaten außerhalb der Börsen.

Hans H. Bass, Finanzmärkte als Hungerverursacher? Bremen, März 2011 (pdf-Datei, 84 Seiten). Link

Siehe dazu auch: Price volatility and food security. A report by the High Level Panel of Experts on Food Security and Nutrition. July 2011 (Committee on World Food Security) Link (pdf-Datei 1,48 MB). Und den Literaturhinweis: Mit Getreidevorräten gegen die Spekulation.

Walden Bello, Hunger ist machbar, Herr Nachbar (April 2010)

Der renommierte Globalisierungskritiker Walden Bello sieht nicht etwa gestiegene Nachfrage durch Bevölkerungswachstum und Konsumverhalten als entscheidende Ursachen für den Preisanstieg bei Grundnahrungsmitteln, sondern die Neuausrichtung der Agrarpolitik durch Weltbank und Internationalen Währungsfonds. Sie förderte die kommerzielle Landwirtschaft und machte viele Regionen, insbesondere in Afrika, durch Handelsliberalisierung zu Nahrungsmittelempfängern. Diese Politik stellt er in den historischen Prozess der kapitalistischen Transformation der Landwirtschaft in den vergangenen vier Jahrhunderten, zeigt aber auch den aufkommenden Widerstand gegen die Agrarindustrie, der längst weit über Bauernbewegungen wie La Via Campesina hinaus geht.

Walden Bello, Politik des Hungers. Hamburg/Berlin (Assoziation A) April 2010

Michael Bergstreser, u.a. (Hg), Globale Hungerkrise (2009)

Das Buch behandelt ein breites Spektrum von Ursachen und Auswirkungen der Hungerkrise, verfasst überwiegend von MitarbeiterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen, die im Agrar- und Ernährungsbereich engagiert sind, aber auch von Wissenschaftlern und Gewerkschaftern. Insbesondere die Rolle der Globalisierung, internationaler Finanz- und Handelsinstitutionen und Transnationaler Konzerne wird analysiert. Und es wird diskutiert, inwieweit Konzepte wie Menschenrechte und Ernährungssouveränität geeignet sind, um solidarische Handlungsansätze und gesellschaftlichen Gegendruck zu entwickeln. Inhaltsverzeichnis und Leseprobe (pdf-Datei) auf der Verlags-Website

Michael Bergstreser, u.a. (Hrsg.): Globale Hungerkrise. Der Kampf um das Menschenrecht auf Nahrung. Hamburg (VSA) 2009, 192 Seiten, 12,80 €

Biotechnologies at Work for Smallholders (2013)

Oktober 2013: Dass Bier brauen und künstliche Befruchtung auch als "Biotechnologien" bezeichnet werden können, machen sich Befürworter der Gentechnologie in der Landwirtschaft gerne zunutze, um die Unterschiede begrifflich zu verwischen. Die neue Publikation der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO schließt dagegen genetische Veränderungen durch Gentransfer explizit aus. 19 Fallstudien stellen Ansätze biotechnologischer Forschung vor, unter anderem an Bananen, Cassava, Reis, Vieh und Garnelen. Durchgeführt wurden sie überwiegend von nationalen und internationalen öffentlichen Forschungsinstituten, teils gemeinsam mit NGOs und "involving smallholders in the process at all stages, taking into consideration their knowledge, skills and own initiatives". So wurden DNA-Marker genutzt, um in Indien Reissorten zu züchten, die auch bei einer Überflutung höhere Erträge bringen. Drei Millionen Bauern nutzten diese Verbesserung 2012, heisst es. In China kommt inzwischen die Hälfte der Karpfenproduktion von Fischen, die durch genetische und reproduktive Auswahl entwickelt wurden. Durch radioaktive Bestrahlung wurden Bananen-Mutanten erzeugt, die früher reif sind. Besonders Kleinbauern, so die Botschaft, könnten damit gegen die Risiken von Klimawandel, Pflanzen- und Tierkrankheiten und die Übernutzung natürlicher Ressourcen gefeit werden - auch das übrigens ein Argument, mit dem gerne der Nutzen von "Biotechnologien" gerechtfertigt wird.

Biotechnologies at Work for Smallholders: Case Studies from Developing Countries in Crops, Livestock and Fish. Rome (FAO) 2013. Siehe Pressemitteilung vom 29. Oktober 2013 und Interview mit Andrea Sonnino von der FAO-Forschungsabteilung.

Bommert, Finanzgeschäfte mit der Ressourcenkrise (2012)

Juni 2012: Das Buch besteht aus sehr unterschiedlichen Elementen: In den ersten beiden Teilen zeichnet Bommert in einem Parforceritt durch die längst sehr umfangreiche Literatur und Diskussion Ursachen und die teils dramatischen Auswirkungen der Landnahme durch Finanzinvestoren und Agrarunternehmen nach, versetzt mit reportagehaften Elementen und dräuenden Krisenszenarien. Die vielfach variierte Grundausage: Im "neuen Kolonialzeitalter" macht sich das "globale Finanzkapital" gewinnbringend zunutze, dass natürliche Ressourcen wie Land und Wasser durch industrielle Landwirtschaft, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Konsumverhalten knapp werden. Im dritten Teil werden dann eine Reihe von 'Wiedergutmachungs-Maßnahmen' verschiedenster Art beschrieben - von Terra Preta über die Verringerung von Verlusten in der Produktions- und Vermarktungskette bis hin zu gesünderen Essgewohnheiten. Abschließend diskutiert der Autor unter anderem die Frage nach der Abschaffung von Privateigentum an Boden und macht eine Reihe von Vorschlägen wie den Stopp großflächiger Land- und Börsengeschäfte, um am Ende, resigniert, die Zivilgesellschaft dazu aufzurufen, mit ihren Kaufentscheidungen das zu übernehmen, "was die Politik nicht leisten will oder kann".

Wilfried Bommert, Bodenrausch. Die globale Jagd nach den Äckern der Welt. Köln (Eichborn) 2012. Siehe auch die Besprechung von Peter Clausing in junge welt vom 9. Juli 2012

Wilfried Bommert, Kein Brot für die Welt (2009)

Kehrt der Hunger zurück? Die Frage des Klappentextes, die angesichts einer Milliarde hungernder Menschen gelinde gesagt verwundert, mag auf den Wunsch des Verlages nach einem reißerischen Aufmacher zurückzuführen sein. Das Buch des WDR-Journalisten Wilfried Bommert selbst bietet eine recht umfassende Darstellung der immer problematischer werdenden Produktionsbedingungen der Landwirtschaft – erschöpfte Böden, Klimaveränderungen, Wassermangel, Verlust der Artenvielfalt -, eine Situation, die dramatisch genug ist. Weitere Themen sind die negativen Auswirkungen der industriellen Tierhaltung, des Anbaus von Agrartreibstoffen und der Vernachlässigung der öffentlichen Agrarforschung. Im Vergleich zum düsteren Szenario fällt die Analyse der Ursachen, die sich weitgehend auf das Versagen der Ernährungspolitik beschränkt, arg schablonenhaft aus, und auch die Lösungsperspektiven bleiben dürftig.

Wilfried Bommert, Kein Brot für die Welt. Die Zukunft der Welternährung. München (Riemann) 2009. Leseprobe

BUND (Hg.), Flächenverbrauch für Fleisch und Agrartreibstoffe (2008)

November 2008: Welche Anbauflächen werden in Europa und ausserhalb benötigt, um Soja für die Produktion von Milch und Fleisch in Deutschland zu erzeugen? Und wie viel Hektar für Agrartreibstoffe? Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 2007 allein dafür mindestens 4,9 Millionen Hektar Fläche genutzt werden - die Größe von MeckPomm, dem Saarland und Hessen zusammen. Ein Großteil dieser Ländereien liegt in Brasilien und Argentinien.

Für Fleisch nicht die Bohne! Futter und Agrokraftstoff - Flächenkonkurrenz im Doppelpack. Erstellt im Auftag des BUND, Berlin, November 2008. Bezug (Kurzfassung): BUND

Buntzel/Sahai, Risiko: Grüne Gentechnik (2005)

Obwohl bereits 2005 erschienen, ist dieser Klassiker der kritischen Auseinandersetzung mit den Versprechungen und Gefahren gentechnisch veränderter Agrarpflanzen immer noch als fundierter, inhaltsreicher und lesbarer Einstieg in die Problematik geeignet. Sicher hat sich der internationale Rechtsrahmen inzwischen verändert, ist die Auseinandersetzung um Geistige Eigentumsrechte noch komplizierter geworden und liegen inzwischen weitaus mehr Informationen über die Nachteile und unerfüllten Versprechungen der Gentechnik oder die Machenschaften der Industrie und ihrer vielköpfigen Lobby vor - doch viele Argumente sind die gleichen, und die Fronten auch. Eine gute Botschaft: Bei Nahrungsmitteln selbst hat die Gentechnik-Lobby kaum Fortschritte gemacht.

Rudolf Buntzel, Suman Sahai, Risiko: Grüne Gentechnik. Wem nützt die weltweite Verbreitung gen-manipulierter Nahrung? Frankfurt (Brandes & Apsel) 2005

Tanja Busse, Wider die Ernährungsdiktatur (2010)

Nach ihrem Buch "Die Einkaufsrevolution" (2006) weitet Tanja Busse jetzt den Themenbereich auf globale Agrarfragen aus, genauer, auf die Zusammenhänge zwischen Verbrauchern in Industrieländern und den Strategien der Ernährungsindustrie weltweit. Thematische Schwerpunkte sind die globale Industrialisierung der Landwirtschaft, ihre Auswirkungen darauf, dass in vielen Ländern nach wie vor verbreitet Hunger herrscht, und die Folgen für die Nahrungsmittel, die auf den Esstisch kommen. Hoffnungen setzt sie vor allem auf kritischen Konsum, der Politik und Industrie zum Handel zwingen soll, und auf die Rückkehr zum eigenen Garten.

Tanja Busse, Die Ernährungsdiktatur. Warum wir nicht länger essen dürfen, was die Industrie uns auftischt. Karl Blessing Verlag 2010. Leseprobe

Cheru/Modi, BIC in Afrika - zwischen 'Land grab' und 'Role Model' (2013)

September 2013: Nachdem es anfangs überwiegend Investoren aus Industrieländern wie den USA, Europa und Südkorea oder aus den Golfstaaten waren, die durch ihre Agrarprojekte in Afrika auffällig wurden, werden zunehmend auch Unternehmen aus Schwellenländern aktiv: Im Fokus stehen beispielsweise das indische Unternehmen Karuturi in Äthiopien, das ProSavana-Projekt in Mosambik, an dem Brasilien führend beteiligt ist, und die zahlreichen Geschichten über chinesische Investitionen. Einige Aufsätze in der Textsammlung "Agricultural Development and Food Security in Africa" setzen sich kritisch mit diesen Landnahmen auseinander - was in der Debatte über die neue weltweite Rolle der BRICS-Staaten eine wichtige Rolle spielt (Siehe Pambazuka Issue 622). Daneben wird aber auch die Frage diskutiert, ob und in wieweit private und staatliche Investitionen aus China, Indien und Brasilien durch den Transfer angepasster Technologien und Ausbildung von lokalem Know-how einen positiven Beitrag zur Entwicklung der Produktivität der Landwirtschaft, der Beschäftigung, des Lebensstandards und der Ernährungssicherheit leisten können. Schließlich hätten diese Länder selbst vorgemacht - so die etwas geschönte Darstellung ihrer sehr unterschiedlichen Entwicklungsstrategien -, wie ein entwicklungsorientierter Staat eine Industrialisierung, die von der Landwirtschaft ausgeht, durchsetzen kann.

While initially, it were mainly investors from industrialized countries such as the USA , Europe and South Korea, or from the Gulf states, which were notorious for their agricultural projects in Africa, companies from emerging countries are increasingly active: Take the example of the Indian company Karuturi in Ethiopia or the ProSavana project in Mozambique, where Brazil is the leader involved, and the many stories about Chinese investments. Some essays in the collection of articles on "Agricultural Development and Food Security in Africa" ​​discuss these land grabs critically, contributing to the sceptical debate about the new global role of the BRICS countries (see Pambazuka Issue 622). Others deal with the question whether and to what extent private and public investment from China, India and Brazil, through the transfer of appropriate technologies and training of local know-how, make a positive contribution to the development of agriculture, employment, living standards, productivity and food security. These countries  - so the slightly euphemistic presentation of their very different development strategies - have supposedly shown, how a development-oriented state could achive industrialization based on agriculture.

Agricultural Development and Food Security in Africa. The Impact of Chinese, Indian and Brazilian Investments. Edited by Fantu Cheru and Renu Modi. 2013 (Zed Books)

Peter Clausing, Gemeinsamkeiten von Naturschutz und 'Land grab' (2013)

Oktober 2013: Je knapper und teurer Land und fruchtbarer Boden werden, desto heftiger wird die Konkurrenz verschiedener Nutzungen. Das Buch untersucht zwei Formen – Naturschutzgebiete, die im Namen der Erhaltung von Vielfalt und natürlicher Umwelt ausgeweitet werden, und Land grabbing, die Ausdehnung der industriellen Landwirtschaft in Afrika, Südostasien, Osteuropa und Lateinamerika im Namen der Hungerbekämpfung. In beiden Fällen, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, geht die jeweilige Inwertsetzung mit einer Vertreibung von Menschen einher. Clausing zeigt aber auch auf, dass sich die beiden scheinbar so gegensätzlichen Konzepte ergänzen: Die industrielle Landwirtschaft präsentiert sich als Naturschützer, indem sie behauptet, durch Intensivierung eine weitere Ausweitung der Landwirtschaft auf schützenswerte Gebiete unnötig zu machen. Umgekehrt arbeiten Naturschutzorganisationen eng mit der Agrarindustrie zusammen, um deren Treiben „verantwortungsbewusst“ gegenüber der Natur zu machen. Dem stellt das Buch agrarökologische Konzepte gegenüber, die die Rolle von Naturschutz und Nahrungsmittelerzeugung vereinen und damit sehr viel besser als konservativer Naturschutz und industrielle Landwirtschaft geeignet erscheinen, den Verlust an biologischer Vielfalt einzudämmen und globalen Hunger zu bekämpfen.

Peter Clausing. Naturschutz und Welternährung am Scheideweg. Mit einem Vorwort von Uwe Hoering. Münster (Unrast-Verlag, Leseprobe) 2013

Cola, Reis & Heuschrecken (2012)

Januar 2012: Die 24 Beiträge, von denen viele in 2011 in der deutschen Ausgabe der Zeitschrift  Le Monde diplomatique erschienen sind, behandeln zahlreiche Einzelaspekte des Landwirtschafts- und Ernährungsbereichs, von Finanzspekulation und Landraub über Arbeitsmigration in der Agrarindustrie und Nahrungsmittelpreise in China bis hin zu Frauenkooperativen in Marokko und alternativen landwirtschaftlichen Methoden in der Sahelzone, einige davon eher bizarr wie Heuschrecken als Nahrungsmittel. Ergänzt werden sie um Schaubilder und Grafiken zu einzelnen Themen.

Cola, Reis & Heuschrecken. Welternährung im 21. Jahrhundert. Edition Le Monde diplomatique, 2011.

Lorenzo Cotula, Afrikas Landwirtschaft im Umbruch (2013)

Oktober 2013: Lorenzo Cotula, der beim International Institute for Environment and Development (IIED) arbeitet, gehört zu den Kennern der Land grabbing-Diskussion. Mit diesem Büchlein will er einen "wissenschaftlich gründlichen und doch zugänglichen Reader" über das Thema liefern, ergänzt um ein ausführliches Literatur- und Stichwortverzeichnis. Diskutiert werden die historischen Wurzeln, das Ausmass, die Geographie, die Triebkräfte, die Erscheinungsformen und die bislang absehbaren Auswirkungen der neuen globalen Landnahme. Besonders ausführlich bezieht er sich dabei auf die Entwicklungen in Ghana, Mali, Mosambik und Tansania. Dass hinter dem Titel ein Fragezeichen steht ist ein Hinweis darauf, dass Cotula trotz aller Kritik Chancen sieht, dass die bäuerliche Landwirtschaft und die Ernährungssicherheit davon profitieren können.

Lorenzo Cotula, who works at the International Institute for Environment and Development (IIED), is one of the experts of the land-grabbing discussion. With this booklet he wants to provide an "academically rigorous yet accessible reader" on the subject, supplemented by an extensive bibliography, and index. He discusses the historical roots, the scale, the geography, the drivers, the features and the early outcomes of the new global rush for land. In particular he refers to the developments in Ghana, Mali, Mozambique and Tanzania. The question mark behind the title is an indication that despite all the criticism he sees opportunities that peasant agriculture and food security can benefit.

Lorenzo Cotula, The great African land grab? Agricultural investments and the global food system. London/New York (Zed Books) 2013

Siehe auch: Globe-spotting-SPECIAL: Land grabbing

Datta, Wie Armut und Ungleichheit fortdauern (2013)

April 2013: Ausgangspunkt des Buches ist der Skandal, dass die Zahl der Hungernden unverändert hoch ist, das eigentliche Thema ist aber die zunehmende Ungleichheit - beim Zugang zu Ressourcen, der ungleiche Handel, die Geschlechterungleichheit. Wesentliche Ursachen für dieses Auseinanderdriften sieht Asit Datta in der neoliberalen wirtschaftlichen Liberalisierung, den Agrarsubventionen der Industrieländer, dem Versagen auch der Regierungen der Entwicklungsländer. Die Kapitel beschäftigen sich mit dem Ausmaß (und den Definitionen) von Hunger und Armut, der Energie- und Wasserarmut, dem Beitrag von Handel, Landraub und Biotreibstoffen zur anhaltenden Armut, der Rolle der Entwicklungshilfe und der multilateralen Entwicklungsinstitutionen wie Weltbank und Welthandelsorganisation WTO als "heimliche Herrscher", sowie mit der Erfindung der 'Ziele für eine nachhaltige Entwicklung' (Sustainable Development Goals, SDG), die die 'Millenniums-Entwicklungsziele', MDGs, ablösen sollen, obwohl diese weit davon entfernt sind, umfassend eingelöst worden zu sein.

Asit Datta, Armutszeugnis. Warum heute mehr Menschen hungern als vor 20 Jahren. München (dtv) 2013

Denison/Klinger-Vidra, Bibliografie über Eigentumsrechte (2013)

August 2013: Better protection of property rights can affect several development outcomes, including better management of natural resources. This bibliography and rapid review is concerned with two principal outcomes: reduction in investors risk and increase in incentives to invest, and improvements in household welfare.

The literature search was completed both in academic journals and aggregator databases, specifically Google Scholar and Scopus, and the DFID database R4D.

The outline of the Rapid Review on Property Rights paper is a follows:

  • At the macro level, the protection of property rights is expected to provide an expectation to investors that they will be able to appropriate returns. This reduction in investors risk creates incentives to invest. Economic growth is driven by the incentives of firms to invest
  • at the micro level, more secure property rights, and especially rights to land, are expected to play an important role to improve households’ welfare. Rights to land can provide means to sustain livelihoods and food security through the production and sale of crops. Under certain conditions, rights to land may also provide a buffer for households to smooth consumption, for example through sale or mortgaging of assets.

Annotated bibliography for rapid review on property rights. By M. Denison and R. Klinger-Vidra. Produced by: Economic and Private Sector PEAKS (2013). Available online at Eldis

De Schutter, Agrobusiness und das Recht auf Nahrung (Dezember 2009)

In seinem Bericht "Agribusiness and the right to food" vom 22. Dezember 2009 untersucht der UN-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, die Auswirkungen der globalen Wertschöpfungsketten im Nahrungsmittelbereich auf kleinbäuerliche Betriebe und Landarbeiter. Die Auswirkungen auf das Recht auf Nahrung seien "gewaltig und manchmal negativ", stellt er fest, "was zum Teil erklärt, warum Kleinbauern in Entwicklungsländern die größte Gruppe unter den Hungernden in der Welt sind." Nahrungsmittelstandards benachteiligen kleinbäuerliche Betriebe, Preisdruck wird als Druck auf Arbeitsbedingungen und Löhne von Landarbeitern weitergegeben.

Durch die Unterstützung von Genossenschaften, Verbesserungen bei Anbauverträgen zwischen Konzernen und bäuerlichen Betrieben, die Einrichtung von Beschwerde-Institutionen und größeres Verantwortungsbewusstsein für das Recht auf Nahrung könnten Regierungen und Unternehmen dazu beitragen, dass die Ernährungsindustrie zukünftig stärker als gegenwärtig zur Beseitigung des Hungers beiträgt.

Agribusiness and the right to food. Report of the Special Rapporteur on the right to food, Olivier De Schutter. United Nations, General Assembly, 22 December 2009, A/HRC/13/33. Der Bericht als Download (pdf-Datei)

Deutsche Welthungerhilfe (Hg.), Handbuch Welternährung (2010)

Oktober 2010: Ernährungsfragen, von Hunger bis Übergewicht, und bäuerliche Landwirtschaft sind die wichtigsten inhaltlichen Themenstränge, die sich durch dieses Handbuch ziehen. Daneben werden eine Vielzahl von Aspekten angesprochen, wobei die Ursachenanalyse hinter den Vorschlägen für politische Maßnahmen zurück bleibt. Besonders auffällig, dass die Rolle der Industrie, von den Saatgut- und Düngemittelkonzernen über Cargill & Co, die den Welthandel dominieren, bis zu Verarbeitern und Supermarktketten weitgehend ausgeblendet wird.

Lioba Weingärtner, Claudia Trentmann, Handbuch Welternährung. Herausgegeben von Deutsche Welthungerhilfe. Frankfurt/New York 2010 (Campus)

Walter Eberlei, Afrika: Der Optimismus hat viele Gesichter (2009)

Dezember 2009: Afrika-Optimismus hat Konjunktur. Die natürlichen Ressourcen des Kontinents ziehen wieder verstärkt Investoren an, was sich - zumindest für einige Länder - in Wirtschaftswachstum niederschlägt. Der Optimismus von Walter Eberlei gründet sich dagegen vor allem auf der Kooperation von Staat, internationalen Gebern und Zivilgesellschaft bei der Armutsbekämpfung, beispielsweise bei den von der Weltbank inspirierten Poverty Reduction Strategies (PRS) mit einer - dem Anspruch nach - armutsorientierten Regierungspolitik vor allem im Bildungs- und Gesundheitsbereich, Partizipation der Zivilgesellschaft und armutsorientierter Entwicklungszusammenarbeit. Sein Optimismus hat, wenn er denn überhaupt begründet ist, allerdings wenig Beziehung zum Optimismus von Investoren und internationalen Finanzinstitutionen wie der Weltbank, der durch die globale Neubewertung von Ressourcen - zum Beispiel Land - ausgelöst wurde. Und die Landwirtschaft, so wichtig für eine materiell fundierte Armutsminderung in Afrika, spielt kaum eine Rolle.

Walter Eberlei, Afrikas Wege aus der Armutsfalle. Frankfurt am Main 2009 (Brandes & Apsel)

Siehe auch: Dominic Johnson, Afrika vor dem großen Sprung. Berlin 2011 (Verlag Klaus Wagenbach) 

Erklärung von Bern, Agropoly - Wer beherrscht unser Essen? (2011)

Oktober 2011: Die Konzentration in der Agrarindustrie schreitet voran, immer weniger Konzerne kontrollieren die "Wertschöpfungsketten" von der Produktion bis zum Verbrauch. Die Broschüre dekliniert für Futtermittel, Tierzucht, Saatgut, Düngemittel, Pestizide und Nahrungsmittelerzeugung, -handel und -verarbeitung faktenreich und anschaulich durch, welche Firmen die Preise, Geschäftsbedingungen und politischen Rahmenbedingungen bestimmen.

Agropoly - Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion. April 2011. Bezug (CHF 6.-): Erklärung von Bern

Andreas Exner u.a., Kämpfe um Land (2011)

Dezember 2011: Abgesehen vom Beitrag 'Land Grabbing': die große Enteignung' geht es bei dieser Aufsatzsammlung nicht um Landwirtschaft, sondern um das weitere Umfeld, das hilft, die Landnutzungsänderungen und -konflikte im Agrarbereich zu verstehen und einzuordnen. Dazu gehört die Mehrfachkrise, die dazu beiträgt, dass Land immer wichtiger wird, der Einsatz von Biomasse als Teil einer Energiezukunft, um Ressourcenknappheit, die die Grundlagen der Grünen Revolution in Frage stellt, und um den Bergbau. Abschließend werden Konturen von Lösungsstrategien aufgezeigt, die von der Notwendigkeit eines weitreichenden Strukturumbaus der Ökonomie ("Abschied vom Kapitalismus") hin zu solidarischen Ökonomien und sozialen Innovationen ausgehen.

Andreas Exner u.a. (Hrsg.): Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter. Wien (mandelbaum) 2011

FAC, Agrarkooperation Afrika-Brasilien-China (2013)

Das Forschungsprojekt Future Agricultures Consortium hat einen Themenschwerpunkt auf der Analyse der Kooperation von Brasilien, China und afrikanischen Ländern im Agrarbereich ('China and Brazil in African Agriculture', CBAA). Inzwischen liegen eine Reihe von Studien vor, die sich teils allgemein mit den Beziehungen befassen wie "Narratives of China-Africa Cooperation for Agricultural Development: New Paradigms?" oder das Dreiecksverhältnis an einzelnen Ländern wie Mosambik, Äthiopien, Ghana und Simbabwe untersuchen.

FAO, Statistisches Jahrbuch 2013

Juli 2013: The 2013 edition of FAO's Statistical Yearbook sheds new light on agriculture's contribution to global warming, trends in hunger and malnutrition and the state of the natural resource base upon which world food production depends.

Greenhouse gas emissions from agriculture grew 1.6 percent per year during the decade after the year 2000, new FAO data presented in the yearbook show, with the sector's total annual output in 2010 reaching 5 billion tons of carbon dioxide equivalents (CO2 eq, a measure used to compare and aggregate different greenhouse gases). This equals 10 percent of all anthropogenic greenhouse gas emissions.

Among the various agriculture sectors, livestock activities and the use of synthetic fertilizer are the largest contributors. This does not include emissions caused by land use change and wild fires.

This Statistical Yearbook highlights major trends shaping global food and agriculture today. For each thematic area, brief analyses of the main trends are paired with graphical data visualisations as well as tables with key indicators. The topics it covers include: capital and investment; climate change; food availability; food production and trade; food prices; hunger and malnutrition; the consequences of political instability and natural- and human-induced disasters on food security; the state of the agricultural resource base and sustainability and environmental impacts.

Statistical Yearbook of the Food And Agricultural Organization for the United Nations. Rome 2013. Als pdf-Datei (42mb) auf der Website der FAO

FAO, Bestandsaufnahme der Land- und Wasserressourcen (2011)

2. Dezember 2011: Der Bericht über den Zustand von Böden, Wasser und biologischer Vielfalt (SOLAW), den die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, Ende November vorgelegt hat, bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: die Landwirtschaft arbeitet in vielen Regionen am Limit der natürlichen Ressourcen, in manchen sogar darüber hinaus. Als Ausweg aus dem Land- und Wassermangel empfiehlt die FAO eine "nachhaltige Intensivierung". Mehr

FAO: Welternährung und Landwirtschaft - Perspektiven (2011)

Bei der Konferenz "How to feed the world 2050" der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO im Oktober 2009 in Rom wurde die Behauptung in die Welt gesetzt, dass bis 2050 die Nahrungsmittelproduktion um 70 Prozent steigen müsse (Issues briefs). Begierig von Medien, Regierungen, Wirtschaft und Forschung aufgegriffen, bestimmte sie weitere Eckdaten wie Investitionsbedarf und Öffentlich-private Partnerschaften, die unausweichliche Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen und des Wasserverbrauchs, die Notwendigkeit neuer Technologien einschließlich Gentechnologie und höherer Forschungsausgaben. Auch in diesem Buch, in dem die überarbeiteten Tagungspapiere vorgelegt werden, taucht diese Projektion wieder auf, obwohl es einige Kritik an ihr gegeben hat ("How to feed the World's Growing Billions"). Allerdings bleibt sie eher versteckt und auch ansonsten scheinen die Beiträge bemüht, differenzierter zu argumentieren. Dennoch dominiert eine unhinterfragte Wachstumsorientierung, die die Möglichkeiten einer Agrarwende, veränderter Konsumgewohnheiten, der Verringerung von Energiepflanzen oder der Nutzung anderer technologischer Lösungen kaum Bedeutung beimisst. Der Wert dieser Veröffentlichung liegt denn auch weniger in den Prognosen, die eher eine Gefahr darstellen, eine nicht-nachhaltige Perspektive in der Agrardebatte zu bekräftigen, sondern in dem umfangreichen Datenmaterial über Ist-Zustände (Landnutzung, Produktion, Konsum, Erträge, Investitionen, ...) in Welternährung und Landwirtschaft.

Looking Ahead in World Food and Agriculture: Perspectives to 2050. Edited by Piero Conforti. Rome (FAO) 2011. (pdf-Datei 9,7mb)

Thomas Fritz, Ernährungs(un)sicherheit und die EU-Agrarpolitik (2011)

Die Gemeinsame Agrarpolitik (Common Agricultural Policy, CAP) der Europäischen Union soll bis 2013 neu ausgerichtet werden. In der Diskussion darüber spielt die globale Ernährungskrise kaum eine Rolle, obwohl diese Politik erhebliche Auswirkungen auf Landwirtschaft, Armut und Ernährungssicherheit im Globalen Süden hat. Die Publikation beschreibt die Geschichte der Gemeinsamen Agrarpolitik, ihre Auswirkungen in Ländern des Südens, die Folgen von Agrarexporten und der wachsenden Futtermittelimporte. Aufgezeigt werden zudem Veränderungen, die notwendig sind, damit die Agrarpolitik zukünftig zur Verwirklichung globaler Ernährungssouveränität beiträgt.

Globalising Hunger: Food Security and the EU's Common Agricultural Policy (CAP). By Thomas Fritz, November 2011. Bezug:FDCL (pdf-Datei)

Thomas Fritz, Peak Soil - Die globale Jagd nach Land (2009)

Ausländische Direktinvestitionen in die Landwirtschaft in Asien, Afrika und Lateinamerika, die in jüngster Zeit Schlagzeilen machten, sind sowohl Ausdruck einer umfassenden Agrarkrise, als auch einer dadurch beschleunigten kommerziellen Inwertsetzung der Landwirtschaft. Im Zentrum steht dabei die zunehmende Landverknappung ("Peak Soil"), deren Ursachen und Auswirkungen Thomas Fritz knapp umreisst. Nach einer Darstellung und Analyse der "neuen Landnahme", ihrer Triebkräfte und Akteure, weitet er den Blick auf die Rolle, die internationale Organisationen wie die Weltbank dabei spielen, den Zusammenhang zwischen Landfrage und Konflikten, unter anderem in Pakistan, Kolumbien und Simbabwe, und den Verdrängungsprozess, dem die bäuerliche Landwirtschaft dadurch ausgesetzt wird. Das Buch bietet damit einen gleichzeitig kompakten und umfassenden Einstieg in das Thema.

Thomas Fritz: Peak Soil - Die globale Jagd nach Land. Berlin (FDCL-Verlag) 2009, 164 Seiten, 12,00 €. Bezug: info@fdcl.org

GRAIN, Neue Bestandsaufnahme ausländischer Agrarinvestoren (2012)

Februar 2012: Diese Übersicht über mehr als 400 Fälle von Land Grabbing durch ausländische Investoren, die GRAIN auf der Grundlage der Berichte auf farmlandgrab erstellt hat, deckt die Jahre seit 2006 ab und konzentriert sich auf Nahrungs- und Futtermittel, Ölpalmen und Zuckerrohr. Sie umfasst auch detaillierte Angaben zu den einzelnen Vereinbarungen. Unternehmen aus den USA führen die Liste der Investoren an, die in Afrika, Lateinamerika, Asien und Osteuropa große Ländereien erwerben, an, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Dabei gibt es oft eine enge Kooperation zwischen Agrarkonzernen und Finanzfonds.

GRAIN releases data set over 400 global land grabs. 24. Februar 2012

GRAIN, Nerica - Eine weitere Falle für Afrikas Kleinbauern (2009)

Januar 2009:Nerica, Kreuzungen zwischen afrikanischen und asiatischen Sorten, wurden als 'Wunder-Reis' gelobt, der Afrika zum Selbstversorger machen kann. Eine Studie von GRAIN zeigt an ausgewählten Beispielen aus mehreren Ländern auf, dass die Erwartungen höherer Erträge durch den 'Neuen Reis für Afrika' nicht erfüllt werden und der Anbau mehr Dünger und Arbeit erfordert. Erträge von wieder ausgesäten Saatgut gingen zurück, sodass für jede Saison neues Saatgut gekauft werden muss. Ähnlich wie bei den Reissorten der 'Grünen Revolution' fallen geringere Strohmengen und damit Futter an, weil Nerica kürzere Halme als traditionelle Sorten hat. Zudem warnt die Studie davor, dass traditionelle Sorten verdrängt werden könnten und damit die Abhängigkeit von Saaatgutunternehmen zunehmen würde.

GRAIN, Nerica - another trap for small farmers in Africa. January 2009. Download (pdf file)

Bruce Hearn u.a., Europas Hilfe für Afrikas Landwirtschaft (2010)

Der Titel weckt Erwartungen: Die Studie will eine Analyse der europäischen Hilfe für die Landwirtschaft in Afrika südlich der Sahara liefern – allerdings nur eine „vorläufige“. Und über Erkenntnisse wie die, dass die Mittel bis vor Kurzem dramatisch gekürzt wurden, dass Länder wie Frankreich und Großbritannien mehr Geld an ihre ehemaligen Kolonien geben oder dass die Zusagen oftmals höher sind als der tatsächlichen Mittelabfluss kommt die Studie kaum hinaus. Interessant unter anderem, dass die Finanzierung von Maßnahmen, die direkt der bäuerlichen Landwirtschaft zu gute kämen, meist den geringsten Anteil haben. Unklar bleibt, welche Bereiche sinnvoller Weise gefördert werden sollten, ebenso der Beitrag zum landwirtschaftlichen Wachstum. Immerhin handelte es sich allein 2007 um 3,8 Milliarden US-Dollar – ohne die Mittel, die zusätzlich durch multilaterale Institutionen verteilt wurden. Dafür, so das Resümee, sind weitere Studien notwendig.

Bruce Hearn, et al., A Preliminary Analysis of European Assistance to Agriculture in Sub-Saharan Africa. Imperial College, London, 2010

Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.), Kritik der Grünen Ökonomie (2012)

Die Literatur über Green Economy ist ein Wildwuchs, da bieten drei knappe Publikationen kritische Einschätzungen aus linker, feministischer und grüner Sicht: Ulrich Brand nimmt systematisch die Mythen auseinander, die die Versuche begleiten, das Konzept der Green Economy als Ausweg aus der multiplen Krise durchzusetzen. Christa Wichterich zeichnet die neue Aktualität des Themas Gender und Ökologie nach und diskutiert die Bedeutung einer feministischen Perspektive für das Verständnis von Klimakrise, Umwälzungen im Agrarbereich und Green Economy und Wachstumskritik. Barbara Unmüßig, Wolfgang Sachs und Thomas Fatheuer stellen die Grüne Ökonomie in den Kontext der Entwicklungen und Diskussionen seit dem 'Erdgipfel' 1992 in Rio de Janeiro und zeigen, ähnlich wie Christa Wichterich, Ansätze für ein anderes Wirtschaften und Leben auf.

Ulrich Brand, Schöne Grüne Welt. Über die Mythen der Green Economy. Herausgegeben von der Rosa Luxemburg Stiftung, 2012. Link (pdf-Datei)

Christa Wichterich, Die Zukunft, die wir wollen. Eine feministische Perspektive. Herausgegeben von der Heinrich Böll-Stiftung, 2012. Link (pdf-Datei)

Barbara Unmüßig u.a., Kritik der grünen Ökonomie. Impulse für eine sozial und ökologisch gerechte Zukunft. Herausgegeben von der Heinrich Böll-Stiftung, 2012. Link (pdf-Datei)

Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.), How to Feed the World's Growing Billions - Kritik an FAO-Projektion (2011)

Mai 2011: Die Behauptung der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, angesichts der Hungerkrise sei eine Steigerung der Lebensmittelproduktion um 70 Prozent bis 2050 erforderlich, wird gerne zitiert, um eine weltweite industrielle Intensivierung der Landwirtschaft zu legitimieren. Eine neue Studie weist darauf hin, dass diese Projektion fragwürdig ist: Einerseits setze die FAO den Nachfragezuwachs viel zu hoch an, andererseits würden wichtige Faktoren wie eine Verringerung von Nachernteverlusten oder des Fleischkonsums, die das Angebot vergrößern könnten, unterbewertet. In jedem Fall würde eine größere Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln aber nicht ausreichen, um den armutsbedingten Hunger zu verringern.

How to Feed the World's Growing Billions. Understanding FAO World Food Projections and their Implications. Herausgegeben von Heinrich Böll Stiftung und WWF Deutschland, April 2011. Zum Download (pdf-Datei 3mb)

Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.), Ernährungssicherheit in Afrika (2011)

April 2011: In der Reihe "Perspectives. Political analysis and commentary from Africa" legt die Heinrich-Böll-Stiftung ein Themenheft zu "Food Security in Africa" mit Beiträgen afrikanischer Autorinnen und Autoren vor, darunter Ruth Hall zu Land Grabbing und Fallstudien zu Äthiopien, Kenia, Nigeria und der Versorgung südafrikanischer Städte. Link

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 6/April 2013)

Vom Land grabbing zu Agrarkorridoren

von Uwe Hoering, April 2013

Wenn die wöchentliche Artikelsammlung auf farmlandgrab.org ein Indikator ist, dann geht das  Land grabbing immer weiter, wenn auch möglicherweise etwas langsamer. Teils haben wohl die breite öffentliche Kritik und der wachsende Widerstand bei Regierungen, Investoren und Institutionen Spuren hinterlassen. Teils werden auch die wirtschaftlichen Risiken großer Agrarinvestitionen deutlich, was dazu geführt haben mag, dass der anfängliche Enthusiasmus gedämpft wurde. Und die Verlagerung des Interesses vieler Investoren auf Osteuropa und Zentralasien entzieht ihre Aktivitäten dem Blickfeld vieler entwicklungspolitischer Organisationen. Gleichzeitig verlagern sich die Auseinandersetzungen immer stärker auf die nationale Ebene beziehungsweise sogar „aufs Feld“ und liegen damit weitgehend unter dem Wahrnehmungshorizont der internationalen Debatte und Aufmerksamkeit. Damit wird es immer schwieriger, auch nur annähernd den Überblick zu behalten. Mehr

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 5/Juli 2012)

Juli 2012: Im Juni verkündete das WorldWatch Institute, dass die Zahl der Land grabs im Agrarbereich nach einem Höhepunkt 2009 deutlich zurückgegangen sei. Ob das stimmt und ob es ein anhaltender Trend ist, muss sich zeigen. Angestiegen ist dagegen deutlich die Zahl wissenschaftlicher Studien über großflächige Landnahmen und die damit verbundenen unterschiedlichen Aspekte sowie die Zahl von Büchern, die sich an ein breiteres Publikum richten. Mehr darüber in der Literaturübersicht Nr. 5/Juli 2012.

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 4/April 2012)

Ohne zu beanspruchen, einen umfassenden Überblick über die Diskussion zu haben, habe ich doch den Eindruck, dass die Kontroverse um Land grabbing und die Probleme großflächiger kommerzieller Investitionen in die Landwirtschaft, die die Rechte und Lebensbedingungen lokaler Bevölkerung bedrohen, etwas abgeflaut ist. Die Argumente sind inzwischen vielfach ausgetauscht. Dennoch haben sich in den vergangenen zwölf Monaten seit der Literaturübersicht Nr.3/März 2011 eine Reihe von Publikationen, Studien und Texten angesammelt. Mehr

Hoering, Mit Getreidevorräten gegen die Spekulation (2011)

März 2011:  Staatliche Getreidevorräte sind seit Jahrhunderten ein Mittel, um die Folgen von Ernteausfällen abzufedern. Länder wie Indien oder China nutzen sie aber auch, um Produzenten- und Verbraucherpreise gegen Schwankungen zu stabilisieren. Doch seit den 1980er Jahren haben viele Länder diese Vorsorgemaßnahmen aufgegeben und wurden damit immer abhängiger von Importen von Grundnahrungsmitteln. Mit der Nahrungsmittelkrise und den – teils spekulativen - Preisausschlägen kam wieder eine Debatte über Getreidereserven in Gang. Mehr

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 3/März 2011)

22. März 2011: Keine drei Jahre, nachdem GRAIN mit seinem Bericht „Land grab!“ auf das Thema aufmerksam gemacht hat, ist die großflächige kommerzielle Landnahme fest in der politischen Diskussion verankert. Immer neue Fälle werden bekannt, immer weitere Aspekte aufgerollt. Auch der Widerstand gegen einzelne Vorhaben und die Strategien, wie Politik, Bauernorganisationen und Zivilgesellschaft auf die Risiken und Gefahren antworten können, entwickeln sich. Insgesamt werden die Lage, die Themen und die Diskussion immer vielfältiger, aber auch unübersichtlicher. Deshalb ein weiteres globe-spotting-Update

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 2/November 2010)

15. November 2010: Seit dem globe-spotting-Literaturüberblick vom September 2010 gab es eine Reihe interessanter neuer Publikationen und Diskussionen zum Thema Land grab, von denen die meisten auf http://farmlandgrab.org/ zugänglich sind. Ein Update Mehr

Hoering, Der Griff nach dem Land - Literaturübersicht (Nr. 1/September 2010)

29. September 2010: Die Veröffentlichungen über Land grabbing, also über die Verpachtung oder den Verkauf von großen Ländereien an Investoren und Spekulanten, sind inzwischen so unübersichtlich geworden wie die Landnahmeverträge und -vereinbarungen selbst - ein Versuch, sie ein wenig zu sortieren. Mehr

Uwe Hoering, Agrar-Kolonialismus in Afrika (2007)

Selbstbestimmte Lösungen können die Probleme von Afrikas Landwirtschaft überwinden - das zeigen viele Beispiele. Doch sie sind gefährdet, wenn es dem Machtkartell von Wirtschaft, Regierungen und internationalen Entwicklungsorganisationen gelingen sollte, seine Vorstellungen einer "Grünen Revolution" durchzusetzen.

Uwe Hoering, Agrar-Kolonialismus in Afrika. Eine andere Landwirtschaft ist möglich. Hamburg (VSA-Verlag) 2007. Download (pdf-Datei 0,9mb)

IATP, Mit Getreidereserven gegen Hunger (2012)

18. Juli 2012: Der steile Anstieg und die starken Schwankungen der Nahrungsmittelpreise haben Vorschläge angestoßen, durch Vorratshaltung auf nationaler und internationaler Ebene Instrumente zu schaffen, die diese Entwicklung steuern und die Auswirkungen auf die Ernährungssituation abfedern sollen. Die Publikation "Grain Reserves and the Food Price Crisis" des Institut for Agricultural and Trade Policy, IATP, stellt jetzt Beiträge dieser Debatte zusammen Mehr

IFPRI plädiert für Agrar-Gentechnologie in Afrika (2013)

Oktober 2013: Seit Jahren versuchen Lobby-Organisationen der Agrarindustrie wie African Biotechnology Trust, A Harvest Biotechnology Foundation und ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications), gentechnisch veränderte Pflanzen auf die afrikanischen Äcker zu bringen - bislang ist ihnen das anscheinend nur mit Baumwolle und Futtermais gelungen, und auch das erst in einigen wenigen Ländern wie Südafrika. Denn die Bedenken sind weit verbreitet, nicht nur in der Zivilgesellschaft. Die beiden Hauptfelder, auf denen die Auseinandersetzung ausgetragen wird, sind der angebliche Nutzen von gv-Pflanzen und die Gefahren, die von ihnen für Gesundheit, agrarbiologische Vielfalt und Umwelt ausgehen. Mit dem Cartagena Protocol on Biosafety, an dessen Erstellung afrikanische Wissenschaftler wesentlich beteiligt waren, wurden die Hürden für eine Zulassung von gv-Pflanzen sehr hoch gelegt. Das Internationale Food Policy Research Institute IFPRI in Washington hat jetzt eine Studie vorgelegt, die Wasser auf die Mühlen der Gentechnologie-Befürworter ist: Mit Berichten aus mehreren Ländern wird darin versucht, einen wirtschaftlichen Vorteil der Zulassung von gv-Pflanzen nachzuweisen. Die Schlußfolgerung: "IFPRI believes it would be irresponsible not to assess the potential of genetically modified crops such a nutrient-enriched or drought-tolerant and disease-resistant crop varieties." Deshalb sollten Anforderungen an die biologische Sicherheit auch nicht zu strikt sein, um die Entwicklung und Zulassung von gv-Pflanzen nicht "prohibitively expensive" zu machen.

October 2013:For years, lobbying organizations of the agroindustry such as African Biotechnology Trust, A Harvest Biotechnology Foundation and ISAAA(International Service for the Acquisition of Agri -biotech Applications ) try to bring GM crops into African farmland. So far they succeed only with cotton and fodder maize, and this just in a few countries such as South Africa. Because there are widespread concerns, not only in civil society organisations. The two main areas in which the controversy is going on are the alleged benefits of GM crops and the dangers for health, agro- biodiversity and the environment. With the Cartagena Protocol on Biosafety, negotiated with a major role of African scientists, the hurdles for approval of GM crops were set very high. The International Food Policy Research Institute IFPRI, Washington, has now presented a study that is grist to the mill of genetic engineering proponents: With reports from several countries it attempts to demonstrate an economic advantage of GM crops. The conclusion:  "IFPRI believes it would be irresponsible not to assess the potential of genetically modified crops such as nutrient-enriched or drought-tolerant and disease-resistant crop varieties ." Therefore requirements for biosafety should not be too strict to make the development and approval of GM crops not "prohibitively expensive" .

Genetically Modified Crops in Africa. Economic and Policy Lessons from Countries South of the Sahara. Edited by José Falck-Zepeda, et al., Washington DC (IFPRI) 2013

Siehe auch: "Unternehmen Süßkartoffel"

IFPRI, Länderstudien zum Potenzial von Afrikas Agrarbereich (2012)

Juli 2012: Auf der Grundlage von zehn Länderstudien, darunter Kenia, Äthiopien und Mosambik, unterstreicht die Studie des International Food Policy Research Institute, IFPRI, die Bedeutung von Investitionen in die Landwirtschaft für Wirtschaftswachstum und Armutsminderung. Nahrungsmittelanbau und Tierhaltung sollten besonders gefördert werden, da hiermit die meisten armen Haushalte erreicht werden könnten. Während der methodische Rahmen aus schwer verständlichen Formeln besteht und die Exportorientierung ein starkes Gewicht zugeschrieben bekommt, bieten die Länderstudien eine Fülle von Material über die jeweilige Situation im Agrarbereich.

Strategies and Priorities for African Agriculture. Economywide Perspectives from Country Studies. Edited by Xinshen Diao u.a.. Washington D.C. (IFPRI) 2012. Download als pdf-Datei 4,4 MB

Journal of Agrarian Change, 'Agribusiness for Development': Who Really Gains? (2009)

Im April 2009 organisierte das Journal of Agrarian Change ein Symposium, das sich kritisch mit dem Weltentwicklungsbericht 2008 der Weltbank, 'Agribusiness for Development', auseinandersetzte. Die Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit den Auswirkungen der Weltbank-Politik auf kleinbäuerliche Betriebe in Afrika (Kojo S. Amanor), mit den Reaktionen zivilgesellschaftlicher Organisationen auf den Bericht (Matteo Rizzo) und mit Lösungen für Produktivitätsprobleme der Landwirtschaft in Afrika (Philip Woodhouse).

Eine Zusammenfassung von Hannah Bargawi und Carlos Oya: Development Viewpoint, Number 36, September 2009 (pdf-Datei 187 kb).

Die Beiträge können als pdf-Dateien heruntergeladen werden (Wiley InterScience): Journal of Agrarian Change, Volume 9 Issue 2, Pages 155-313 (April 2009)

Journal of Peasant Studies, Landnahme im Namen des Umweltschutzes (2012)

28. April 2012: Einen besonderen, bislang kaum systematisierten Aspekt des Land grabbing behandelt die neueste Sonderausgabe (39:2) des Journal of Peasant Studies - die Zusammenhänge zwischen ökologischen Maßnahmen wie 'Biokohle' oder 'Klima-smarter' Landwirtschaft, der Konvention über Biologische Vielfalt oder Ökotourismus und der Ent- und Aneignung von Land- und Wasserressourcen sowie die damit eingehenden Auswirkungen auf den Agrarbereich. Die 18 Beiträge können nach der Registrierung beim Verlag Taylor&Francis kostenlos herunterladen werden. 

Kaphengst/Bahn, Der globale Wettlauf um Agrarland (2012)

Ein Mittelding zwischen Kurzinfos wie dem Fact Sheet 2010/1 von FIAN und Büchern wie "Peak Soil" (2009) von Thomas Fritz oder "Landraub" (2012) von Stefano Liberti, bietet der Attac BasisText komprimiert umfassende Informationen über Hintergründe, Ausmaß und Auswirkungen von Land grabbing. Vorschläge für Handlungsansätze "bei uns" runden den Überblick ab - wirklich gestoppt werden kann der Ausverkauf aber wohl nur durch eine Stärkung des Widerstands vor Ort, für den es erste Beispiele gibt. Leider fehlt eine Link-Liste, die vermutlich hilfreicher wäre als das ausführliche, aber unkommentierte Literaturverzeichnis.

Timo Kaphengst, Evelyn Bahn, Land Grabbing. Der globale Wettlauf um Agrarland. Hamburg (AttacBasisTexte 40, VSA-Verlag) 2012

Kruchem, Land und Wasser. Verantwortung von Agrarinvestoren (2013)

Oktober 2013: Afrikas Kleinbauern "verharren in einer Hungerlandwirtschaft mit eingebauter Armutsgarantie", verkündet der Klappentext, gefangen in "einer zerstörerischen traditionellen Landwirtschaft". Vor dieser mit dicken schwarzen Strichen gezeichneten Hintergrundfolie, die mit den vielfältigen Realitäten bäuerlicher Landwirtschaft in Afrika und ihren Möglichkeiten wenig gemeinsam hat, beschreibt Kruchem eine Reihe ausländischer Investitionsvorhaben im Agrarbereich in Sambia, Tansania und Mosambik, die sich auf Nahrungsmittel, Agrartreibstoffe und Baumplantagen konzentrieren. Zwar werden auch eine Reihe kritischer Anmerkungen zu "Gefahren" wie Land grabbing, Water grabbing und anderen negativen Auswirkungen von Auslandsinvestitionen gemacht und das eine oder andere gescheiterte Vorhaben genannt - wobei zumeist die Bevölkerung oder die Regierungen dafür die Hauptverantwortlichen zu sein scheinen. Im Vordergrund aber stehen "verantwortungsbewusste" private Unternehmen. Im Endeffekt ist das Buch, gefördert vom Entwicklungskonzern GIZ, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, eine journalistische Umsetzung der Versprechungen, mit denen eine Industrialisierung der Landwirtschaft in Afrika gerechtfertigt wird, was die teilweise interessanten Detailinformationen entwertet: Ausländische Milliarden-Investitionen sind notwendig, freiwillige Richtlinien helfen, Auswüchse zu verringern, Vertragsarbeit und Wertschöpfungsketten sind gut, Subventionen schädlich, moderne Technologien und Agrarwissenschaften bieten die Antworten, ..., zertifiziert dadurch, dass der Verfasser "sich vor Ort umgeschaut" hat. Die implizite Botschaft: "nachdenkliche" ausländische Unternehmen und engagierte Experten von Weltbank und GIZ, auf deren Aktivitäten vielfach verwiesen wird, sind Garanten dafür, das "brachliegende" Potenzial der Landwirtschaft in Afrika zu mobilisieren, mit dem Unterton: Die 'Weißen' müssen (und können) Afrika aus seiner 'Hungerlandwirtschaft' befreien.

Thomas Kruchem, Land und Wasser. Von der Verantwortung ausländischer Agrarinvestoren im Süden Afrikas. Frankfurt am Main (Brandes & Apsel) 2013

Landfragen in Afrika - Online-Artikel (2013)

August 2013: Der Verlag Taylor & Francis stellt bis Ende des Jahres zahlreiche Artikel zu Landfragen in Afrika Online. Aus der Ankündigung:

These tailored article collections are freely available for the rest of the year and they will save you from time-consuming searches. July’s Hot Topic of the Month concentrates on Land in regards to land-grabbing, the centenary of the 1913 Land Act in South Africa and land acquisition schemes.

2013 marks the centenary of the 1913 Land Act. Under this Act, Black Africans were prohibited from owning, or even renting, land outside of designated reserves.  During the Apartheid era, the reserves were converted to Bantustans and later into 'independent' states within South Africa.

Landwirtschaft und Klima - Eine Literaturauswahl (2012)

Januar 2012: Die Literatur über die komplexen wechselseitigen Zusammenhänge von Klimaveränderungen und Landwirtschaft ist unüberschaubar - hier nur eine kleine, eher zufällige Auswahl von Texten, die besonders die Diskussion der Relevanz für die bäuerliche Landwirtschaft und die Ernährungssicherung aufgreift:

Agriculture and Climate Change: Real Problems, False Solutions. Report by Helena Paul, u.a., December 2009. Link

Minderung des Klimawandels durch Landwirtschaft. Das ungenutzte Potenzial. Deutsche Bank Research. Oktober 2011. Link

The Wheel of Life. Food, Climate, Human Rights, and the Economy. By Debbie Barker, Center for Food Safety. September 2011. Link (pdf-Datei, 2,56 MB)

Helena Paul, Why we should continue to oppose the inclusion of agriculture in the climate negotiations. EcoNexus, February 2012. Link

Liberti, Reisen in den neuen Kolonialismus (2012)

März 2012: Die Reportagen aus Äthiopien, Tansania und Saudi-Arabien oder von der Getreidebörse in Chicago und die vielen Gespräche mit Vertretern von Bauernorganisationen und Behörden, mit Mitarbeitern der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, mit Agrarinvestoren und brasilianischen Großgrundbesitzern geben ein anschauliches Bild von den Auswirkungen des Wettlaufs um fruchtbares Ackerland ebenso wie von wichtigen Protagonisten dieser Entwicklung. Dabei baut der italienische Journalist Stefano Liberti geschickt Hintergrundinformationen und Analysen ein, die die Tragweite der dramatischen Veränderungen, die in den ländlichen Regionen des globalen Südens ablaufen, deutlich machen.

Stefano Liberti, Landraub. Reisen ins Reich des neuen Kolonialismus. Berlin (Rotbuch) 2012

Benjamin Luig, Hungerbekämpfung durch Agribusiness (2013)

Januar 2013: Konzerne der Agrar- und Ernährungsindustrie beanspruchen zunehmend eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Hunger in der Welt. Und Regierungen schieben nur allzu gerne die Verantwortung auf sie ab, wie die 'New Alliance for Food Security and Nutrition' von US-Präsident Obama, ihre Schmalspur-Variante, die 'Deutsche Initiative für Agrarwirtschaft und Ernährung', DIAE, des Niebel-Ministeriums für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, aka BMZ, und deren Ableger 'German Food Partnership', deren Name so hochtrabend wie ihre Website dürftig ist, zeigen. Der Text analysiert auf dem Hintergrund der Marktmacht der Industrie im Ernährungssystem die Argumente, mit denen sie ihren Anspruch begründen. Er lehnt diese 'Geschäftsmodelle', die behaupten, neben oder sogar mittels ihres Profitinteresses auch noch einen Beitrag zu Armuts- und Hungerminderung zu leisten, allerdings nicht rundweg ab, sondern fordert, dass die Debatte darüber "transparent und ergebnisoffen" geführt werden müsse. Bäuerliche Kleinproduzenten sollten an der Planung solcher Geschäfte beteiligt, menschenrechtliche und umweltorientierte Standards eingehalten und privatwirtschaftliche Initiativen nicht  bevorzugt werden. Nach wie vor seien für Ernährungssicherheit öffentliche Investitionen, eine Verbesserung der wirtschaftlichen Möglichkeiten für Kleinproduzenten, eine Stärkung ihrer Verhandlungsposition und eine Regulierung und "aktive Begrenzung" von Marktmacht erforderlich.

Benjamin Luig, 'Business Case' Hungerbekämpfung. Der fragwürdige Beitrag von Agribusiness und Nahrungsmittelindustrie zur Ernährungssicherheit. Herausgegeben vom Forum Umwelt und Entwicklung, Januar 2013. Link (pdf-Datei1,5mb)

McKinsey, Agro-industrielle Revolution für weiteres Wachstum (2012)

Die Studie "Resource Revolution", die im November vergangenen Jahres erschienen ist, hat seither viel Aufmerksamkeit erhalten, und das nicht nur, weil sie "erschreckender Lesestoff" ist, wie ein Kommentator schrieb. Die weltweit operierende Beratungsfirma McKinsey, die die Studie vorlegte, hat einigen Einfluss auf Denken und Handeln in Politik und Wirtschaft. Mehr

Misereor (Hg.), 'Klima-smarte' Landwirtschaft (2012)

Januar 2012: Das katholische Hilfswerk Misereor hat 2011 eine Publikationsserie 'Climate Change and Agriculture' mir zwei Papieren gestartet: Das erste analysiert das Konzept, Holzkohle zur Emissionsminderung einzusetzen ('Biochar - a climate smart solution?'), das zweite die Pfluglose Landwirtschaft ('No-till agriculture - a climate smart solution?'). Beide Konzepte werden von Agrarindustrie und internationalen Entwicklungsinstitutionen wie der Weltbank als Beitrag gegen den Klimawandel propagiert und sollen daher in den Emissionshandel eingezogen werden. Siehe auch den Globe-spotting-Beitrag: "Was zum Teufel ist 'Klima-smarte Landwirtschaft'"?

Monsanto, der nackte Kaiser (2011)

Oktober 2011: Ist es in der Fabel "Des Kaisers neue Kleider" ein Kind, das den Schwindel entlarvt, so sind es in dieser Studie vor allem Berichte von Aktionsgruppen und aktionsorientierten Forschern, die quasi aus der Sicht von unten die falschen Versprechungen der Agroindustrie bloßstellen, die Agro-Gentechnologie würde Ernteverluste durch Schädlinge verringern, Erträge steigern und zur Verringerung von Hunger beitragen. Im Mittelpunkt steht dabei der US-amerikanische Saatgutkonzern Monsanto.

The GMO Emperor Has No Clothes. A Global Citizens Report on the State of GMOs - False Promises, Failed Technologies. Link

Michael Morris u.a., Schlafender Riese oder hässlicher Zwerg? (2009)

August 2009: Die Dimensionen sind wahrlich gigantisch! „Ein gewaltiger Streifen afrikanischer Savanne, der sich durch 25 Länder zieht, hat das Potenzial, mehrere afrikanische Länder zu Global Players bei der Erzeugung agrarischer Massenprodukte zu machen“, heißt es in der Pressemitteilung der UN-Landwirtschaftsorganisation vom 22. Juni 2009. Vier Millionen Quadratkilometer der Guinea-Savanne, eine Fläche elf Mal so groß wie Deutschland, könnten für die kommerzielle Landwirt­schaft er­schlossen werden, verkündet die FAO, „eine der größten, bislang kaum ge­nutzten Landreserven der Welt“. Rein rechnerisch könnte damit jede zweite afrikani­sche Familie mit vier Hektar Land versorgt werden – bei entsprechender Unterstüt­zung genug für ein Leben ohne Armut. Doch dazu wird es wohl nicht kommen: Eine Besprechung(pdf-Datei 113 kb)

Awakening Africa's Sleeping Giant – Prospects for Commercial Agriculture in the Guinea Savannah Zone and Beyond, by Michael Morris, Hans P. Binswanger-Mkhize, Derek Byerlee, published June 2009 by World Bank. Link (pdf-Datei 1.67 MB)

Murphy, Das ABCD der dominierenden Agrarhändler (2012)

September 2012: Der internationale Getreidehandel ist weitgehend in der Hand von vier großen Unternehmen - ADM, Bunge, Cargill und Louis Dreyfus. Damit nehmen sie auch eine beherrschende und treibende Stellung im globalen Produktionssystem von Nahrungsmitteln, Futter und Agrarenergie und dessen gegenwärtiger Restrukturierung ein. Der Bericht untersucht ihre Rolle bei der sogenannten Finanzialisierung von Rohstoffhandel und landwirtschaftlicher Produktion, dem zunehmenden globalen Wettbewerb, beispielsweise durch Unternehmen aus Brasilien und China, und den massiven Investitionen in Energiepflanzen, bei denen sie stark beteiligt sind. Diskutiert werden auch die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die bäuerliche Landwirtschaft und die Entwicklungspolitik.

Sophia Murphy et al, Cereal Secrets. The World's largest grain traders and global agriculture. August 2012 (Oxfam Research Reports). Link (pdf-Datei 904 kb)

OECD-FAO Agricultural Outlook 2012

Aus der Ankündigung: "The 18th edition of the Agricultural Outlook and the eighth prepared jointly with the Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) brings together the commodity, policy and country expertise of both organisations, and input from collaborating member countries. The report provides world market trends for biofuels, cereals, oilseeds, sugar, meats, fish and dairy products over the 2012-2021 period and contains an evaluation of recent developments, and key issues and uncertainties in those commodity markets. A jointly-developed modelling system, based on the OECD’s AGLINK and on the FAO’s COSIMO models, facilitates consistency in the projections. This edition includes a special feature on the challenge of increasing agricultural productivity growth in a sustainable manner."

OECD-FAO Agricultural Outlook 2012. 18th edition, July 2012. Online-Version

ONE, Bilanz staatlicher Agrarpolitik in Afrika (2013)

Mai 2013: Die Bilanz staatlicher Landwirtschaftspolitik in Afrika ist bestenfalls durchwachsen. Das stellt ein Bericht der Lobby- und Kampagnenorganisation ONE fest. Gelder von Gebern und Regierungen blieben hinter den Zusagen zurück, wichtige Aspekte einer wirksamen landwirtschaftlichen Entwicklung wie Transparenz der Planungen, Orientierung auf Frauen oder die Partizipation von Bauern und zivilgesellschaftlichen Organisationen blieben unzulänglich. Um bislang Versäumtes nachzuholen und mehr Finanzmittel für Investitionen zu mobilisieren, soll 2014 das „Jahr der Landwirtschaft in Afrika“ werden. Mehr

ReSAKSS, Staatsausgaben für Landwirtschaft: Versprochen, gebrochen (2011)

April 2011: Die Informations-Plattform mit der komplizierten Bezeichnung ReSAKSS (Regional Strategic Analysis and Knowledge Support System), angesiedelt beim Weltbank-nahen Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik,  IFPRI, hat eine Bestandsaufnahme veröffentlicht, inwieweit Regierungen in Afrika ihre Selbstverpflichtung im Rahmen des Plans für die landwirtschaftliche Entwicklung für Afrika (CAADP) erfüllen. Danach haben bis 2009 lediglich sechs Länder (Burkina Faso, Guinea, Mali, Niger, Senegal und Äthiopien) die Zusage eingehalten, zehn Prozent der Staatsausgaben für die Landwirtschaft bereit zu stellen. Die Studie bietet viele Informationen - für Menschen, die Zahlen lieben und wissen, wie sie damit umgehen müssen.

Monitoring African Agricultural Development Processes and Performance, by Samuel Benin u.a.. ReSAKSS Annual Trends and Outlook Report 2010. Link (pdf-Datei 3,7 MB)

Rowden, Politischer Rückenwind für indische Agrarinvestoren (2011)

August 2011: Um langfristig die Nahrungsmittelversorgung zu sichern, fördert die indische Regierung Investitionen indischer Agrarunternehmen im Ausland, besonders in Afrika. Auch nationale Unternehmerverbände fungieren als Wegbereiter. Der Bericht, der erstmals für Indien systematisch darstellt, wie diese staatlich-private Partnerschaft abläuft, versucht auch, ihre negativen Auswirkungen zu erfassen und lässt indische Aktivisten zu Wort kommen.

India's Role in the New Global Farmland Grab. By Rick Rowden. New Delhi August 2011. Link

Right to Food and Nutrition Watch, Wer kontrolliert das Welternährungssystem? (2009)

Der Bericht Right to Food and Nutrition Watch 2009, der zukünftig jährlich erscheinen soll, will kontinuierlich die Politik von Regierungen und zwischenstaatlichen Institutionen beobachten, inwieweit sie zur Verwirklichung des Rechts auf Nahrung beitragen – oder aber dagegen verstoßen. Öffentlicher Druck soll erzeugt, aber auch wichtige Informationen an ein breites Publikum vermittelt werden, unter anderem über erfolgreiche Ansätze. Zudem soll er eine Plattform werden für den Informationsaustausch, wie die Umsetzung des Rechts auf Nahrung vorangetrieben werden kann.

Passend zum Weltgipfel für Ernährungssicherheit in Rom Mitte November ist der Themenschwerpunkt des Berichts 2009 die Frage: „Wer kontrolliert die Entscheidungsstrukturen des Welternährungssystems?“, unter anderem mit einem Beitrag des UN-Berichterstatters für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter. In einem Länder- beziehungsweise Regionalteil wird zudem die Ernährungssituation und -politik in einer Reihe von Ländern untersucht. Eine CD vertieft und erweitert einzelne Beiträge.

Right to Food and Nutrition Watch 2009. Published by Brot für die Welt, ICCO und FIAN International, October 2009. Download (pdf-Datei 640 kb)

Rural21 - Zeitschrift für ländliche Entwicklung

Im DLG-Verlag, der dem Verband der Agrar- und Ernährungsindustrie gehört, erscheint die Zeitschrift Rural21 (früher: entwicklung & ländlicher Raum) die sich mit Fragen der ländlichen Entwicklung befasst. Die Zeitschriftenbeiträge stehen als pdf-Dateien zur Verfügung: Rural21

Schöninger/Grebmer, Wer ist für den Hunger in der Welt verantwortlich? (2012)

Filme wie "Taste the Waste" und zahlreiche Bücher haben die öffentliche Aufmerksamkeit auf die vielfältige Verschwendung von Lebensmitteln gelenkt. Damit werden gleichzeitig erhebliche Ressourcen (Land, Wasser, Treibstoffe und Arbeit) vergeudet, die in Herstellung und Transport eingegangen sind. Mit Kampagnen wie "Zu gut für die Tonne" hat auch das Landwirtschafts- und Verbraucherministerium das Thema populistisch aufgegriffen. Eine Schuldzuweisung an die Verbraucher, wie sie der Buchtitel suggeriert, greift allerdings zu kurz, erst recht, wenn sie für den 'Hungertod der halben Welt' verantwortlich gemacht werden. Vielmehr produziert das System der Nahrungsmittelerzeugung in allen seinen Phasen im Namen von Qualitätanforderungen, Umsatz, Wettbewerb und angeblicher Effizienz erhebliche Verluste. Glücklicherweise zeigt "Unfair Trade" denn auch vor allem, wie industrielle Landwirtschaft, Konzerne, Politik und Agrarhandel für die skandalöse Kluft zwischen Überfluss und Hunger verantwortlich sind - und dass andere Maßnahmen als Verbraucheraufklärung über Mindesthaltbarkeitsdatum und eine Änderung der "Wegwerfmentalität" erforderlich sind, um die Ernährungssituation in den Ländern des Südens dauerhaft und umfassend zu verbessern. Siehe dazu auch "Verlorene Ernte - Lebensmittelverluste und Ernährungsunsicherheit" (FDCL, pdf-Datei 1,74mb).

Iris Schöninger, Klaus von Grebmer, „Unfair Trade. Wie wir für unseren Wohlstand die halbe Welt verhungern lassen“. Campus Keynotes (E-Book) 2012

Schumann, Die Hungermacher von Deutsche Bank, Allianz und Co. (2013)

März 2013: Das Buch verfolgt eine dreifache Intention: Zum einen erklärt es die Spekulation mit Agrarrohstoffen durch Großbanken, Versicherungen und Pensionsfonds. Die Entstehung und Funktionsweise der Finanzinstrumente und ihres Beitrags zur Preisentwicklung werden verständlich. Zum zweiten klagt es die Akteure hinter diesen ansonsten weitgehend anonymen Prozessen an. Abschließend ist es ein Plädoyer für die Regulierung der Spekulation mit Nahrungsmitteln.

Harald Schumann, Die Hungermacher. Wie Deutsche Bank, Allianz und Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren. Ein food-watch-Buch. Frankfurt am Main (Fischer) 2013

Southall/Melber, Neues über die Ausplünderung Afrikas (2009)

Zwar ist das Buch mit Beiträgen namhafter südafrikanischer, US-amerikanischer und europäischer WissenschaftlerInnen vor dem "Land grabbing", dem plötzlichen Interesse von Finanz- und Agrarinvestoren an Land und Landwirtschaft in Afrika,entstanden, doch wäre das nur ein weiteres Beispiel für den zunehmenden Zugriff auf die Ressourcen des Kontinents, der an zahlreichen Beispielen - von Erdöl und Bergbau über Fisch bis zu genetischen Ressourcen - analysiert wird, untermauert durch gründlich recherchierte Daten und Fakten. Vieles davon trägt auch dazu bei, die neue Landnahme besser zu verstehen. Dazu kommen übergreifende Analysen, die diese Eingriffe und ihre Auswirkungen auf Politik, Umwelt und Gesellschaft mit früheren Zugriffen wie Imperialismus, Neoliberalismus und ungleichen Handelsregimen vergleichen, die aber neben den bekannten Akteuren wie multinationale Konzerne, korrupte Regierungen und Institutionen, die die Regeln für globale Märkte und Handlungsspielräume für Afrikas Regierungen festlegen, auch neue Akteure wie Indien und Südafrika vorstellen - zu China allerdings gibt es leider nur einige verstreute Informationen, aber kein eigenes Kapitel.

Roger Southall; Henning Melber (eds.), A New Scramble for Africa?  Imperialism, Investment and Development. 2009 (University of KwaZulu-Natal Press). Bezug

Glenn Davis Stone, Monsantos leere Versprechungen (2012)

Februar 2012: Zwei neuere Veröffentlichungen setzen sich mit den Versprechungen des US-amerikanischen Konzerns Monsanto, führend bei gentechnisch verändertem Saatgut, kritisch auseinander. Die Union of Concerned Scientists analysiert Behauptungen, was Monsantos gv-Saatgut leistet, und Konzern-Aktivitäten wie Lobbying und Einflussnahme auf Forschung. Vieles davon gilt ähnlich auch für andere Agrarkonzerne. Glenn Davis Stone nennt auf der Grundlage eigener Feldstudien in Indien "vier hässliche Fakten", die die angeblichen Erfolge von gv-Baumwolle (Bt-Baumwolle) widerlegen würden.

Norbert Suchanek, Schädliche Bohnen (2010)

Dass der Anbau von Soja in riesigen Monokulturen schwere Umweltschäden verursacht und zur Vernichtung tropischer Wälder beiträgt, dass Soja zu den Pionierpflanzen der Gentechnologie gehört und dass die Massentierhaltung ohne die Bohne kaum möglich wäre - all das erschüttert die Agrarindustrie nicht. Norbert Suchanek setzt deshalb mit seinem kleinen Überblick über die vielfältigen Probleme zusätzlich noch an einer anderen Stelle an: Er wertet Studien aus die nachweisen, dass Soja gesundheitsschädlich sein kann, und versucht damit, das gesunde Soja-Image zu unterminieren.

Norbert Suchanek, Der Soja-Wahn. Wie eine Bohne ins Zwielicht gerät. Oekom Verlag 2010

Christoph Then, Biotechnologie am Ende? Aber nicht tot! (2008)

Das Schaf Dolly, das erste geklonte Säugetier, lebte nur sechs Jahre. Christoph Then, Gründer der Initiative "Kein Patent auf Leben", geht seiner Geschichte nach, ebenso wie weiteren Beispielen der Biotechnologie, ihres Werdegangs und den unabsehbaren Folgen für Mensch und Umwelt. Als Ausdruck eines falschen wissenschaftlichen Modells, angesichts zahlreicher fehlgeschlagener Versuche und uneingelöster Versprechungen ist die Biotechnologie seiner Meinung nach eigentlich am Ende. Wirtschaftliche Interessen halten sie jedoch nach wie vor am Leben - und die möglichen Alternativen klein.

Christoph Then, Dolly ist tot. Biotechnologie am Wendepunkt. Zürich (Rotpunktverlag) 2008 

Bill Vorley, Verantwortliche Investitionen (2012)

Januar 2013: Es gehört zu den Binsenweisheiten der Agrardebatte, dass Investitionen in die Landwirtschaft notwendig sind. Die Frage ist, wie hoch die erforderlichen Mittel vermutlich sind und woher sie kommen sollen. Prognosen über einen exorbitanten Finanzbedarf, wie sie beispielsweise die UN-Ernährungsorganisation FAO vorlegte, sind Wasser auf die Mühlen der Befürworter von Investitionen durch Agrarkonzerne, für die dementsprechend förderliche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Der Forschungsbericht diskutiert, welche Möglichkeiten es gibt, solche Investitionen in Richtung auf agroindustrielle Bereiche und Modelle, die Kleinbauern und Frauen unterstützen, gelenkt werden können. Grundlage sind unter anderem Fallstudien in Guatemala, Nigeria, Tansania und den Philippinen.

Bill Vorley, u.a., Tipping the Balance: Policies to shape agricultural investments and markets in favour of small-scale farmers. IIED und Oxfam International. December 2012. Link (pdf-Datei 1mb)

Hanns Wienold, Der weltweite Tod der Bauernschaft, revisited (2008)

Der britische Historiker Eric Hobsbawm hat als das entscheidende »Modernisierungs«-Ereignis des 20. Jahrhunderts den weltweiten Tod der Bauernschaft ausgemacht. Ähnlich prognostizierte bereits in den 1970er Jahren Ernest Feder, dass die Bauern quasi naturgesetzlich als eine eigene »Spezies« durch die Globalisierung nahezu »ausgerottet« werden würden. Der Titel des Buches von Hanns Wienold nimmt einerseits diese These der „Ausrottung“ auf, stellt ihr aber auch das Phänomen an die Seite, dass die kleinbäuerliche Landwirtschaft keineswegs verschwindet. Mehr

Z -Zeitschrift für marxistische Erneuerung, Hunger und Nahrungsmittelkrise (2008)

Dezember 2008: Das Schwerpunktthema der Zeitschrift Marxistische Erneuerung analysiert die aktuelle Nahrungsmittelkrise sowohl in ihren langfristigen, strukturellen Ursachen, als Ergebnis der Finanzkrise und in ihren konkreten Erscheinungsformen wie den Auswirkungen der Gensojaproduktion in Brasilien oder der europäischen Handelspolitik auf die Produktion von Nahrungsmitteln in Ghana.

Z. - Zeitschrift Marxistische Erneuerung. Nr. 76, Dezember 2008. Link

Zieglers Weltbild des Hungers (2012)

Oktober 2012: Mit gewohnt drastischer Wortwahl attackiert Jean Ziegler die "Massenvernichtung" durch Hunger. Das erste Drittel des Buches machen Berichte und Eindrücke von seinen Reisen als erster UN-Sonderbotschafter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung durch viele ländliche Gebiete und Hungerregionen aus, und auch in den weiteren Kapiteln fließen immer wieder seine Erfahrungen und Begegnungen mit bekannten Namen ein. Das Weltbild, das er zusätzlich zu seinen persönlichen Erinnerungen mit weiteren Beispielen und Informationen untermauert, ist relativ einfach: Mit der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, und dem Welternährungsprogramm WFP wurden Instrumente geschaffen, um den Hunger wirksam zu bekämpfen. Doch scheitern die Bemühungen an den 'Feinden des Rechts auf Nahrung', allen voran marktbeherrschenden Konzernen, an Spekulation und Landraub durch Biotreibstoff-Trusts und Investmentfonds, an Welthandelsorganisation WTO, Internationalem Währungsfonds IWF und der Weltbank, die mit Strukturanpassungsprogrammen und Handelsliberalisierung dem Hunger den Weg bahnen - und am fehlenden politischen Willen. Am Schluss bleibt ihm die Hoffnung auf 'den Bruch, den Widerstand', auf 'konkrete Aktionen, Aufstände, Landbesetzungen', und auf die Parlamente und internationalen Institutionen, in denen "wir radikale Veränderungen durchsetzen" können.

Jean Ziegler. Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt. München (C.Bertelsmann) 2011

Weitere Texte zum Thema Landwirtschaft - siehe auch Veröffentlichungen