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Archiv: Agrobusiness

Eine neue 'Grüne Revolution' und 'Land grabbing'

„Afrikas Bauern sind arm, weil sie nicht genug Dünger, Pestizide und patentiertes Saatgut benutzen“, behaupten die Agrarkonzerne, und denken dabei an ihre Geschäfte. „Sie sind arm, weil sie nicht genug exportieren“, ergänzt die Weltbank und fördert Handelsliberalisierung und die Privatisierung von Eisenbahnen und Flughäfen. „Sie brauchen mehr Gen- und Biotechnologie“, rät die US-amerikanische Rockefeller-Stiftung, und spendet Millionen für internationale Agrarforschungsinstitute, um neue „Wundersorten“ von Reis, Mais und Cassava zu schaffen. Sie alle drängen Afrikas Regierungen zu einer „Grünen Revolution“, zu einer Modernisierung der Landwirtschaft. Afrikas Bauern sollen konkurrenzfähig werden mit den US-amerikanischen Baumwollfarmern, mit europäischen Getreidebauern, thailändischen Reisbauern und vietnamesischen Kaffeepflanzern. Dann werde die Wirtschaft wachsen, versprechen sie, und die Armut verschwinden. Nur die Bauern und Bäuerinnen selbst werden dabei nicht gefragt.

Seit frei, vier Jahren hat der Agrarkolonialismus eine neue Dimension: "Land grabbing". Anfangs bezeichnete der Begriff das durch Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel und Finanzkrise angeheizte Interesse von Investoren an Ländereien im globalen Süden, sei es für den Anbau von Nahrungsmitteln und Energiepflanzen, sei es zwecks Spekulation. Längst wird darunter aber jegliche großflächige Aneignung von Land durch in- oder ausländisches Kapital verstanden. Durch ihr schieres Ausmaß und ihre oft rücksichtslose Durchsetzung bedroht diese Landnahme die Existenzbedingungen von Millionen Menschen, die sich zunehmend zur Wehr setzen. Damit ist die Landfrage, die Agrarfrage überhaupt zurück auf der politischen Agenda.