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Reportagen & Analysen

"Success stories" - Eine Literaturliste

Es gibt eine wachsende Flut von Büchern, Studien und Broschüren, die die Erfolge nicht-industrieller Ansätze in der Landwirtschaft vorstellen. Dabei handelt es sich sowohl um ein breites Spektrum von Modellen, Praktiken und Erfahrungen - von der eher Industrie-nahen 'Conservation agriculture' bis hin zur Agrarökologie - als auch um sehr unterschiedliche Vorstellungen von bäuerlicher Landwirtschaft, die von Subsistenzlandwirtschaft bis hin zu großen 'Familienbetrieben' reichen. "Erfolgsgeschichten" steht hier in Anführungsstrichen, weil viele dieser Berichte nicht oder nur schwer nachzuprüfen sind, da es sich oft um Erfahrungen On the ground handelt und wissenschaftliche Kriterien und Methoden unzulänglich bleiben. Anführungsstriche aber auch, weil manche Berichte durchaus von dem Interesse geleitet - und beeinflusst - sind, die eigenen Überzeugungen und Vorstellungen von landwirtschaflicher Entwicklung zu untermauern und kritische oder selbstkritische Aspekte eher ausgeblendet werden. Eine breite Leerstelle ist vielfach auch die Frage nach der Verallgemeinerbarkeit der Beispiele und Studien. In vielen Fällen liegt die Betonung bei den hier gesammelten Publikationen denn auch auf "Geschichten". Gleichwohl liefern sie wichtige Anhaltspunkte und Argumente für die Suche nach Alternativen zum agrarindustriellen Ernährungssystem.Uwe Hoering

Eine Farm in Afrika

Januar 2014: Geschichten aus Afrika gehen häufig so: Wieder ist der Regen ausgeblieben und die Ernte verdorrt. Die Wasserstelle ist ausgetrocknet, die zahllosen Kinder bekommen nur ein Essen am Tag, dünnen Maisbrei. Ersparnisse haben die Familien nicht - ein Teufelskreis, in dem nur durch Hilfe von außen das Schlimmste verhindert werden kann. Natürlich gibt es solche Geschichten. Und sie müssen auch immer wieder erzählt werden. Aber es gibt auch andere Geschichten. Viele von ihnen handeln von starken Frauen wie Mary und Joyce. Und von jungen Männern wie Benedict und Ronald, die in der Landwirtschaft eine Zukunft sehen - für sich, für ihre Familien. Ein Beitragfür die Fastenaktion 2014 von Misereor. Siehe dazu auch den Grundlagenartikel "Wie wollen und werden wir leben?".

Eine Reportage vonUwe Hoeringmit Fotos von Hartmut Schwarzbachund Illustrationen von Mira Sievering

Ökologische Landwirtschaft in Afrika (2014)

Januar 2014: Aus der Ankündigung: "This publication demonstrates that organic management can benefit people, the economy and ecosystems and that this can be achieved in Africa, where hunger and degradation stubbornly persist, despite decades of development efforts. The work presented in this volume stems from the conference on Mainstreaming Organic Agriculture in the African Development Agenda, held in Lusaka, Zambia, from 2 to 4 May 2012. The different chapters document sustainability experiences, including: mainstreaming organic agriculture into African development approaches; community-based livestock systems combining holistic range management; indigenous ethno-veterinary practices and new understanding of customary systems of resource management; ecofunctional intensification through management of legumes, systems of rice intensification and integrated farming; and smallholders’ knowledge harnessed through family farmers learning groups and customized information and communication technologies."

Organic Agriculture: African Experiences in Resilience and Sustainability. Edited by Raymond Auerbach, Gunnar Rundgren and Nadia El-Hage Scialabba. Rome 2013 (FAO) Download (pdf-file)

Indien - Ernährungssicherung per Gesetz?

Das Gesetz zur Ernährungssicherheit (National Food Security Act, NSFA), das Anfang September 2013 vom indischen Parlament verabschiedet wurde, klingt nach einem Meilenstein im Kampf um das Recht auf Nahrung. Für zwei Drittel der Bevölkerung soll es den "Zugang zu Nahrungsmitteln sicherstellen". Dafür soll das bestehende Public Distribution System (PDS), über das bereits für einige Bevölkerungsgruppen subventionierter Reis und Weizen bereitgestellt werden, reformiert werden. Doch um eine umfassende Ernährungssicherheit zu garantieren, ist nicht nur das Gesetz selbst zu ambivalent und lückenhaft. Auch der Ansatz selbst ist fragwürdig.

Indien - Ernährungssicherheit per Gesetz? In: Widerspruch 64: Ernährung - Agrobusiness oder Agrikultur. 33. Jg./1. Halbjahr 2014, S. 128-136. Inhalt und Editorial

Alternatives to food import dependency

July 2013:There is a vast number of proposals, strategies and initiatives how to improve food security and agricultural production. Suspiciously, one aspect is missing in these debates: Could import restrictions help to stimulate agricultural production and benefit small-scale farming families? What are the preconditions for a rational and "smart" implementation of trade regulation to achieve these objectives?

AFDCL Policy Paper (Download pdf 2,6mb)

"Success stories" - Weitere Literaturhinweise:

Marktorientierte Frauenoffensiven (2013)

April 2013: Natürlich ist seit Langem bekannt, dass Frauen und ihre Organisierung wesentliche Voraussetzungen dafür sind, dass eine landwirtschaftliche Entwicklung zu Armutsminderung, Ernährungssicherheit und größerer Gleichberechtigung beiträgt. Mit der aktuellen Debatte um die Agrarentwicklung sind Forderungen nach "Investitionen in Frauen" wieder stärker in den Vordergrund gerückt. Die Studie analysiert an drei Beispielen aus Äthiopien, Mali und Tansania Erfolgsbedingungen und Hindernisse für marktorientierte genossenschaftliche Unternehmen von Bäuerinnen.

Women's Collective Action: Unlocking the potential of agricultural markets. März 2013 (Oxfam). Eine Zusammenfassung auf Oxfamblogs, die Studie als pdf-Datei (3mb)

Woher kommen die Zwiebeln? (2012)

Im Senegal hat ein Importstopp die heimische Produktion angekurbelt. Bei Reis wäre ein solcher Effekt und damit eine gesicherte Ernährung viel schwerer zu erzielen.

In: junge Welt, 1. August 2012 (land&wirtschaft). Download (pdf-Datei 1,3mb)

DITSL: Ökologischer Landbau und Fairer Handel (2009)

Im Auftrag des Weltladen-Dachverbandes und des Ökoverbandes Naturland haben Wissenschaftler zahlreiche Studien zum Thema 'Fairer Handel und ökologischer Landbau' ausgewertet. Die Literaturstudie zeigt die positiven wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Wirkungen. Gerade für Kleinbauern, die trotz schwieriger Bedingungen oft sehr produktiv sind, sind demnach Öko-Landbau und Fairer Handel eine überzeugende Perspektive. Die Studie ist Teil einer zweijährigen Kampagne, die die beiden Verbände seit Oktober 2009 durchführen.

Deutsches Institut für Tropische und Subtropische Landwirtschaft (Hg.), Ökologischer Landbau und Fairer Handel in Entwicklungsländern. Möglichkeiten nachhaltiger Ertragssteigerung und Beitrag zu Ernährungssicherung und Entwicklung. Status quo und Potenzialanalyse. Witzenhausen, Juli 2009. Bezug als pdf-Datei (Download) bei Naturland oder Weltladen-Dachverband

Dyttrich/Wuhrer, (Land)wirtschaft zum Glück (2012)

2. Oktober 2012: Publikationen über Solidarische Ökonomie haben Konjunktur. Darüber, wie eine neue, solidarische Landwirtschaft aussehen kann, die Erhaltung der Umwelt und wirtschaftlichen Erfolg vereint, kommen die meisten Beispiele bislang aus den Ländern des globalen Südens. So auch in diesem Buch mit Projekten aus Indien, Philippinen und Nicaragua. Projekte aus der Schweiz zeigen aber, dass auch in Industrieländern eine andere Landwirtschaft möglich ist. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Texte zu Selbstverwaltung und Genossenschaften in der Schweiz und Deutschland in anderen Bereichen wie Industrie, (Finanz)dienstleistungen und Medien (Die Wochenzeitung, Rotpunktverlag).

Bettina Dyttrich, Pit Wuhrer (Hrsg.), Wirtschaft zum Glück. Solidarisch arbeiten heute, weltweit. Zürich (Rotpunktverlag) 2012. Leseprobe

GM Watch: Bahnbrechende Züchtungserfolge - ohne Gentechnik (2011)

Oktober 2011: Um die Akzeptanz der Agro-Gentechnologie zu verbessern, melden die Life Sciences-Unternehmen regelmäßig neue 'Wunderpflanzen'. Damit betreiben sie politische Lobbyarbeit, um die Gentechnologie als Lösung für die vielfältigen Probleme der Landwirtschaft - von geringen Erträgen über Krankheitsanfälligkeit bis hin zum Klimawandel - zu etablieren. Erfolgsgeschichten mit anderen Züchtungsverfahren werden dagegen kaum bekannt, ihre breite Anwendung kaum gefördert.

Der Informationsdienst GM Watch stellt solche bahnbrechenden Züchtungserfolge auf Non-GM Successes vor.

Iowa State University: Höhere Erträge durch organischen Anbau

Die Untersuchung mit Mais und Soja durch Forscher der Iowa State University ist eine der wenigen vergleichenden Langzeitstudien. Sie wurde gemeinsam mit Bauern und nach kommerziellen Kriterien durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass nicht nur die Erträge im Anbau nach den Standards des National Organic Program der US-Landwirtschaftsbehörde USDA den herkömmlichen Anbau übertreffen können. Der Verzicht auf Chemiedünger und Pestizide bedeutete auch niedrigere Produktionskosten und damit Éinnahmen, die im Schnitt doppelt so hoch waren.

Kurzfassung der Studie "Organic vs. Conventional Farming Systems"

Gregor Kaiser, (Wieder-)Aneignung genetischer Ressourcen (2012)

Das Buch, eine überarbeitete Doktorarbeit, bietet weit mehr, als Titel und Untertitel versprechen: eine umfassende Darstellung der Enteignung genetischer Ressourcen und ihrer privaten Aneignung durch die Industrie, unterstützt durch die internationale Biodiversitätspolitik. Dem werden Ansätze wie gemeinsame Eigentumsrechte, Commons oder der internationale Saatgutvertrag gegenübergestellt, die versuchen, auch andere gesellschaftliche Gruppen, die mit Fug und Recht als die eigentlichen Eigentümer gelten können, an der Nutzung genetischer Ressourcen zu beteiligen. Zwei Fallstudien  – aus Deutschland und Kenia – vertiefen die Fragestellung, wie alternative Eigentumsrechte umgesetzt werden können.

Gregor Kaiser, Eigentum und Allmende. Alternativen zu geistigen Eigentumsrechten an genetischen Ressourcen. München (oekom) 2012. Leseprobe

Felix zu Löwenstein, Food Crash oder ökologische Invensivierung (2011)

November 2011: Der reisserische Titel passt so gar nicht zur Darstellungsweise dieses Buch. Aus persönlicher Sicht, anschaulich und geradezu erdverbunden beschreibt der Verfasser, der selbst einen Biobetrieb besitzt,  die Probleme und Gefahren der intensiven, chemiebasierten Landwirtschaft, die er dafür verantwortlich macht, dass trotz aller Produktionssteigerung verbreitet Ernährungsunsicherheit und Hunger herrschen, und die - deshalb der Titel - in den Zusammenbruch führe. Als Alternative wirbt er für den "neuen Weg", die Intensivierung der ökologischen Landwirtschaft, und veranschaulicht das mit zahlreichen Beispielen, aber auch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und wirtschaftlichen Argumenten. Dass er dabei als Funktionär mehrerer ökologischer Verbände auch pro domo spricht, tut der sachlichen Argumentation keinen Abbruch. Eher trägt es dazu bei, Informationen und Sachverhalte, die zum Teil so oder ähnlich auch anderswo zu lesen sind, in ein neues Licht und einen größeren, praxisorientierten Zusammenhang zu stellen.

Felix zu Löwenstein, Food Crash. Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr. (Pattloch Verlag) 2011

Christa Müller, Die Rückkehr der Gärten in die Stadt (2011)

März 2011: Sollten einst die "Schrebergärten" vor allem der städtischen Arbeiterklasse ein nahrhaftes Zubrot bringen, so wollen die Aktivisten des Urban Gardening heute sehr viel mehr: Gemeinschaftsgärten gelten ihnen als Sozialräume neuen Typs, als Orte des Widerstands gegen die neoliberale Ordnung, bieten Antworten auf vielfältige Wachstumskrisen und die Unwirtlichkeit der Städte, und sollen über die Idylle grüner Oasen hinaus Konzepte individueller und städtischer Selbstversorgung entwickeln. Ob sie das Zeug haben, "neue Wohlstandsmodelle" und "neue Formen der Politik" zu schaffen, bleibt abzuwarten. Einen Anstoß zur Neuorientierung von Städteplanung, kommunaler Politik und der Nutzung öffentlicher Räume bieten sie allemal.

Christa Müller (Hg.), Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. München 2011 (oekom). Die Website zum Buch. Siehe auch den Beitrag "Landwirtschaft in den Städten"

Jeffry K.O'Hara, Bauernmärkte bringen Einkommen und Arbeitsplätze (2011)

August 2011: Obwohl diese Studie der Union of Concerned Scientists die Situation von Bauernmärkten in den USA, wo sich deren Zahl seit 2000 auf über 6000 mehr als verdoppelt hat, analysiert und Empfehlungen für ihre stärkere Unterstützung durch den Staat macht, enthält sie zahlreiche Einsichten und Anregungen, die auch für die Entwicklung lokaler und regionaler Ernährungssysteme in Europa oder in Ländern des Südens hilfreich sind.

Market Forces: Creating Jobs through Public Investment in Local and Regional Food Systems, by Jeffry K.O'Hara. August 2011

Rural21: Der Genossenschafts-Gedanke lebt! (2012)

Genossenschaften haben keinen guten Ruf, und doch sind sie nicht tot zu kriegen. Das liegt wohl auch daran, dass sie für bäuerliche Landwirtschaft unabdingbar sind, vorausgesetzt, sie werden richtig, das heisst unter anderem: demokratisch organisiert. Der Themenschwerpunkt der Zeitschrift Rural21 gibt einen Überblick über die Diskussion und aktuelle Beispiele, darunter auch die neuen Genossenschaften in China. Alle Texte können als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Suman Sahai, Indiens Saatgutrecht als Modell? (2008)

Indien gehört zu den Ländern, die versuchen, die Freiräume, die die Welthandelsorganisation WTO bei der Ausgestaltung von Patentrechten lässt, mit eigenen Saatgutrechtssystemen auszufüllen. Das indische Gesetz erkennt die wichtige Rolle der Bauern als Züchter an und beschränkt die Rechte kommerzieller Züchter an ihren Sorten auf zertifiziertes Saatgut. Damit läuft es den Intentionen der internationalen Saatgutbranche zuwider und steht daher unter enormen Druck von Kräften, die es zu Fall bringen wollen.

Suman Sahai, Die Rechte der Bauern am Saatgut - das indische Saatgutrecht als Modell für die Entwicklungsländer? Hrsg. Forum Umwelt & Entwicklung; Evangelischer Entwicklungsdienst, Bonn 2008. Bestellung oder Download (pdf-Datei 5,9 MB): EED

unfairtobacco: Alternativen zum Tabakanbau (2012)

8. August 2012: Die Gesundheitsgefährdung durch Rauchen ist hinlänglich bekannt. Doch die Lebens- und Arbeitssituation im Tabakanbau bleibt weitgehend ausgeblendet. Dabei sind Menschenrechtsverletzungen in der überwiegend kleinbäuerlichen Vertragslandwirtschaft verbreitet - Kinderarbeit beispielsweise und Ernährungsunsicherheit. Dazu kommen eine wirtschaftlich häufig prekäre Situation durch die extreme Abhängigkeit von den industriellen Abnehmern und erhebliche Umweltschäden. Die Framework Convention on Tobacco Control (FCTC) der Weltgesundheitsorganisation WHO strebt unter anderem an, wirtschaftlich tragfähige Alternativen zum Tabakanbau zu unterstützen. Einige solcher Ansätze in Brasilien, Kenia und Bangladesh analysiert jetzt die Studie "Alternative Livelihoods to Tobacco" der Initiative unfairtobacco.

Alternative Livelihoods to Tobacco. Approaches and Experiences. Herausgegeben von Sonja von Eichborn und Laure Norger. Berlin(FDCL) 2012. Download (pdf-Datei 1mb. Bezug: info (at) unfairtobacco.org (5 Euro)

Worldwatch Institute, Innovativ gegen Hunger und Armut (2011)

20. März 2011: Kern des Berichts sind 25 Fallstudien in Afrika, wie kleinbäuerliche Landwirtschaft zur Beseitigung von Hunger, Armut und Umweltschäden, den drohenden Klimawandel eingeschlossen, beitragen könnte. Ähnliche Einsichten werden inzwischen auch von zahlreichen Regierungen und multilateralen Institutionen verkündet. Die Kernfrage ist allerdings, wie solche optimistisch stimmenden Ansätze verbreitert und verallgemeinert werden können. Die Forderung nach mehr Unterstützung durch den Staat und die Vorschläge für "Innovationen" für die EU-Agrarpolitik, für Institutionen, Governance und politische Reformen bleiben allerdings vage und verengt, da sie sowohl die Macht der Agrarindustrie als auch die Rolle bäuerlicher Organisationen und Bewegungen weitgehend ausblenden.

Worldwatch Institute (Hrsg.), Hunger im Überfluss. Neue Strategien gegen Unterernährung und Armut. Zur Lage der Welt 2011. München (oekom) 2011

Siehe dazu auch: Wer ernährt die Welt? Bäuerliche Landwirtschaft hat Zukunft. Bonn (eed) Mai 2008. Download (pdf-Datei 2,34 MB)

Wer ernährt die Welt? (Mai 2008)

Bäuerliche Landwirtschaft hat Zukunft

Viele halten sie für rückständige, romantische Fortschrittsverweigerer - Bäuerinnen und Bauern, die sich immer noch weigern, auf "moderne" Landwirtschaft umzusteigen. Die nicht in Maschinen, neu entwickeltes Hochertragssaatgut und chemische Düngemittel investieren, um ihre Erträge zu steigern und sich Zugang zum Weltmarkt zu verschaffen. Diese Bauern weigern sich, Schulden zu machen und besinnen sich stattdessen auf ihr traditionelles Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Mit Erfindungsreichtum und Vielseitigkeit sicher sie sich verlässliche Ernten, erschließen sich ihre eigenen Märkte und tragen dazu bei, die natürliche Umwelt zu schonen. Warum sie das tun zeigen drei Geschichten aus Tansania, Indonesien und Brasilien.

Die integrierte ländliche Entwicklung, deren tragende Säule kleine Familienbetriebe sind, ist der Bereich, wo eine nachhaltige Entwicklung am vielversprechendsten ansetzen kann. Eine Stärke dieser standortgerechten Landwirtschaft liegt in dem komplexen, traditionellen Wissen der Produzentinnen und Produzenten, der Kenntnis traditioneller Sorten, der Kontrolle über das Saatgut. Durch die wirtschaftliche Globalisierung gerät sie jedoch immer stärker unter Druck. "Wer ernährt die Welt?" beschreibt erfolgreiche Beispiele einer standortgerechten kleinbäuerlichen Landwirtschaft, erläutert aber auch, wie sich die Agrarpolitik ändern muss, damit sie eine Zukunft hat.

Wer ernährt die Welt? Von Uwe Hoering. Herausgegeber: Evangelischer Entwicklungsdienst, Bonn, Mai 2008. Download (pdf 2,3mb), auch in englisch und spanisch

Tansania: Die Verrückten von Dodoma (2008)

„Die Leute bezeichneten mich als verrückt“, sagt Raphael Chinolo und lächelt dabei wie jemand, der es besser weiß. Zwar auf andere Art verrückt als die Gruppe von Europäern, die kurz zuvor mit ihren Mountain Bikes durch das Dorf Chamkoroma gekommen war auf ihrem Weg von Kairo nach Kapstadt, mit Schlamm bedeckt, ausgemergelt und mit von Sonne und Anstrengungen geröteten Gesichtern. Aber auf jeden Fall hielten seine Nachbarn ihn und seine Frau Jessica für durchgeknallt, als sie vor zehn Jahren begannen, auf ihrer Shamba, ihrem Feld, einen drei Meter tiefen Gully zu „verschließen“, eine dieser zahlreichen Erosionsrinnen, die sich während der Regenzeit in reißende Wildwasser verwandeln und die Felder wegfressen.

Uwe Hoering, Bäuerliche Landwirtschaft in Tansania. Download (pdf-Datei 141kb)

Indonesien: Ölpalmen und Kakao (2008)

Das Dorf Marlaung im östlichen Tiefland von Sumatra liegt inmitten eines grünen, wogenden Ozeans von Ölpalmen, der bis an den Horizont reicht und scheinbar endlos darüber hinaus. Ein Meer von Geld, doch die Einwohner von Marlaung haben wenig davon. Dabei gehörte das ganze Land früher ihrer Volksgruppe, den Batak. Doch dann kamen die Plantagen - erst Kautschuk, Tabak und im Hochland Kaffee, seit den 1970er Jahren dann die Ölpalmen. Und da die Batak keine Grundbucheintragungen, Urkunden oder Grundsteuerbescheinigungen vorweisen konnten, erhielten staatliche und private Unternehmen, viele davon in ausländischem Besitz, von der Regierung in Jakarta Konzessionen für zigtausende von Hektar Land.

Uwe Hoering, Bäuerliche Landwirtschaft in Indonesien. Download (pdf-Datei 120kb)

Brasilien: Der Wert der Landwirtschaft (2008)

Die Aufnahme ins Supermarktsortiment gilt auch in Brasilien als ein wichtiger Erfolg für Bio- und FairTrade-Produkte. Der Schritt „raus aus der Nische, rein in die Regale“ signalisiert Akzeptanz und eröffnet die Hoffnung auf höheren Absatz und neue Käufergruppen. Zahlreiche Produkte haben diesen Sprung bereits geschafft: Im Angebot brasilianischer Supermarktketten wie Guanabara und Master finden sich Rohrzucker, Kekse und Süßigkeiten, Wein und Cachaca, der Schnaps für den Caipirinha, ebenso wie organisch angebautes Gemüse, Obstsäfte, Brotaufstrich, Reis, „pommersche“ Bohnen, Naturheilmittel, Mehl, Mate, der traditionelle Tee, Honig und vieles mehr.

Uwe Hoering, Bäuerliche Landwirtschaft in Brasilien.Download (pdf-Datei 134kb)

Agriculture: Who feeds the world? (2008)

Many observers consider them as backward, romantic opponents of progress - those peasant farmers, who still refuse to shift to "modern" agriculture. They don't invest in costly machinery, newly developed high yielding seeds and chemical fertilizer for the purpose of increasing yields and accessing the global market. These farmers refuse to get into debts and instead remember their traditional knowledge, which has been handed down from generation to generation. Innovative and versatile, they secure sustainable harvests, develop their own markets, and contribute to the conservation of the environment. Why do they do it? This is depicted in three stories from Tanzania, Indonesia, and Brazil.

Who feeds the world? The future is in small scale agricultue. By Uwe Hoering. 48 pages, published by EED, June 2008. Download (pdf-file 2,9mb)

Indien: Früchte der Vielfalt (2002)

Das richtige Saatgut ist eine entscheidende Voraussetzung für eine gesicherte Ernährung, neben fruchtbarem Boden und ausreichend Wasser. Das gilt erst recht für den Regenfeldbau im zentralindischen Deccan-Hochland. Die Böden sind meist karg, ausgelaugt und steinig. Die Regenzeit ist kurz, heftig und unzuverlässig. Gegen die Launen der Wettergötter lässt sich nichts machen. Doch wie sie das Risiko eines Ernteausfalls verringern können, das wissen die Bäuerinnen - zum Beispiel durch "Satyam Pantalu", die "Pflanzen der Wahrheit".

Früchte der Vielfalt. Von Uwe Hoering. Broschüre 20 Seiten, herausgegeben vom EED: Download (pdf-Datei 645 kb), auch in englisch

Agriculture: India - Fruits of Diversity (2002)

Appropriate seeds are one of the most crucial preconditions for food security, besides fertile soils and sufficient water. This is especially true for rainfed agriculture in the Deccan highlands of central India. Soils are often meagre, eroded and full of stones. The rainy seasons are short, often destructive and hardly reliable. Nothing can be done against the moods of the weather gods. But the women farmers know how to cut the risks - for example with Satyam Pantalu, die "Crops of truth".

Fruits of Diversity. Global Justice and Traditional Knowledge. By Uwe Hoering. 20 pages, ed. by EED: Download (pdf 689kb)