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Agrobusiness: News

Konzernkontrolle über Saatgut durch 'Ranking'

Dezember 2016: In Januar 2017 wird die Weltbank ihren nächsten Bericht  'Enabling the Business of Agriculture' (EBA) vorlegen, der die Landwirtschaftspolitik von mehr als 60 Ländern bewertet. Dieses Ranking, das auf Forderung der G8-Regierungen seit 2013 erstellt wird, stuft die Länder nach ihrem 'Geschäftsklima' ein. In den EBA-Bericht, der von fünf westlichen Entwicklungsinstitutionen, darunter USAID und die Bill and Melinda Gates Foundation, unterstützt wird, fließen unter anderem die Aussagen großer Unternehmen der Agrarindustrie wie Bayer, Monsanto, Syngenta, Pioneer und Yara über 'hinderliche Regulierung' ihrer Geschäftstätigkeit ein. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie das US-amerikanische Oakland Institute kritisieren, dass dadurch Länder in einen Konkurrenzkampf gezwungen werden, Anforderungen der Agrarindustrie zu erfüllen, und damit unter anderem den freien Zugang zu Saatgut für kleinbäuerliche Betriebe zu beseitigen:

"The EBA’s top-down approach dictates the so-called “good practices” to regulate agriculture and scores
countries on how well they apply and implement its prescriptions. Based on the
EBA scores, the World
Bank leverages policy changes in agriculture. This is a dangerously misguided effort, as national
policymaking should prioritize locally adapted solutions based on the experiences and demands of
farmers, pastoralists, fisherfolks, and rural communities.
"

"In developing countries, farmers source 80 to 90 percent of their seeds within farmer-managed
seed systems. These systems are maintained by farmers’ own work to recycle and save seeds from
their crops, and by farmer-to-farmer gifts, exchanges, and trade. Farmer-managed seed systems provide
a rich diversity of seed, including varieties that are affordable and adapted to local environmental
conditions. They are vital to support agro-biodiversity, food security, and resilience against climate and
economic shocks. Yet the
EBA’s narrow set of “good practices” to regulate seeds systems restricts policymaking to facilitating private development and marketing of industrial seeds."

In einem Offenen Brief an die Weltbank wird daher gefordert, das Projekt einzustellen.

Quelle:Calling on the World Bank to end the Enabling the Business of Agriculture (EBA). Offener Brief an die Weltbank, Januar 2017

Siehe dazu auch die Studie: The Unholy Alliance. Five Western Donors Shape a Pro-Corporate Agenda for African Agriculture. Published by The Oakland Institute, 2016. Download (pdf 0,83mb)

Mosambik muss Ambitionen zurückschrauben

Dezember 2016: Nach Berichten aus Mosambik hat die Regierung das Agriculture Promotion Centre (DEPAGRI), das ausländische Investitionen im Agrarbereich fördern sollte, geschlossen. Denn die Erwartungen wurden bislang bei Weitem nicht erfüllt. So kommt das Projekt ProSavana, das die Regierung gemeinsam mit den Regierungen von Brasilien und Japan umsetzen wollte, nicht voran. Ursprünglich für eine Fläche von 35 Millionen Hektar projektiert, taucht es in der jüngsten Auflistung der Datenbasis Land Matrix nur noch als 700.000 Hektar-Projekt "intended (under negotiation)" auf. Auch andere Großprojekte kamen entweder nicht zustande oder wurden zurückgestutzt wie das chinesische Projekt Xai Xai, das ursprünglich 8.800 Hektar Bewässerungslandwirtschaft für den Reisanbau erschließen wollte. Einer der Gründe dafür sind die gesunkenen Weltmarktpreise für Getreide, ein anderer der Widerstand lokaler Bevölkerungen, der sich in Mosambik auf eine starke rechtliche Verankerung bäuerlicher und gemeinschaftlicher Nutzungsrechte stützen kann. Auch Projekte für Energiepflanzen sind angesichts der niedrigen Ölpreise für Investoren weniger attraktiv geworden. Entwarnung ist dennoch nicht angesagt: Regierungen werben nach wie vor mit günstigen Konditionen um Investoren - und Ölpalmen-Plantagen, Forstwirtschaft und Tourismus, sprich: Nationalparks und Naturschutzgebiete, stellen weitere massive Bedrohungen für lokale Bevölkerungen und landwirtschaftliche Betriebe dar.

Quelle: Timothy A. Wise: Mozambique, Africa still in the crosshairs, Truthout, 15. November 2016 (Download: farmlandgrab)

Kambodschas Regierung setzt EU-Beobachter auf die 'lange Bank'

 Dezember 2016: In der Erwartung, dadurch die wirtschaftliche Entwicklung anzukurbeln ('Trade statt Aid'), ermöglicht die Europäische Union zahlreichen ärmeren Ländern, darunter Kambodscha, den Zugang für ihre Produkte zum europäischen Markt ohne Zölle und Mengenbeschränkungen ('Everything but arms', EBA) - ein Anreiz für Großinvestoren, Zuckerrohrplantagen anzulegen und dafür ansässige Bevölkerungsgruppen vom Land zu vertreiben. Da lag es für zivilgesellschaftliche Gruppen nahe, bei der Europäischen Union als dem größten Entwicklungsfinanzier der kambodschanischen Regierung Unterstützung gegen diese Vertreibungen und die damit oft verbundenen Repressionen und Menschenrechtsverletzungen zu suchen. Vor zwei Jahren wurde daraufhin mit der Regierung vereinbart, dass unabhängige Beobachter, bezahlt von der EU, die Vorwürfe von Enteignung und Missbrauch der Einfuhrbestimmungen untersuchen sollen. Seither wird die Umsetzung der Vereinbarung zwischen Regierungsstellen hin- und hergeschoben, während die EU-Botschaft geduldig auf eine endgültige Entscheidung wartet. "We've engaged for so many years and now we're stuck here", sagt Eang Vuthy von Equitable Cambodia, der große Hoffnungen in die Lobbyarbeit bei der EU gesetzt hatte.

Quelle:Phnom Penh Post vom 14. Dezember 2016(farmlandgrab vom 15. Dezember 2016)

40 Jahre Gentechnologie - 20 Jahre Gentech-Pflanzen

November 2016: AktivistInnen und WissenschaftlerInnen, die sich - oft seit vielen Jahren - kritisch mit Gentechnologie und besonders mit Gentech in der Landwirtschaft beschäftigen, treffen sich zur wissenschaftlichen Konferenz "Taking Stock – 20 Years of GM Crops – 40 Years of 'Genetic Engineering'" in Mexico City (December 1-2, 2016). Die Konferenz findet im Vorfeld des Treffens des Cartagena Protocol on Biosafety (Meeting of Parties, MOP8) im mexikanischen Cancun statt (December 4-17, 2016. Bericht

Neuer Preiskampf auf den Weltagrarmärkten

Oktober 2016: Der Verkauf von Produkten auf dem Weltmarkt unter den Produktionskosten ('Dumping') ist seit den Preissteigerungen für einige Agrarprodukte wie Reis vor zehn Jahren ein wenig aus dem Fokus der internationalen Debatte geraten. Jetzt sieht das Forschungsinstitut IATP "the return of dumping for several major commodities". Nach seinen Berechnungen werden Exporte von US-amerikanischem Weizen, Soja, Mais, Reis und Baumwolle teils erheblich durch staatliche Subventionen verbilligt, Weizen etwa um 33 Prozent, Baumwolle um 49 Prozent. Dieser unfaire Preiskampf hat negative Auswirkungen auf Erzeuger in den Zielländern, beispielsweise auf die Baumwollfarmer in Westafrika. Gleichzeitig haben die USA bei der Welthandelsorganisation WTO Beschwerde gegen die Unterstützung Chinas für die eigenen Bauern eingelegt. Die IATP-Analyse lässt erwarten, dass auf die WTO eine Welle von Streitfällen zukommen könnte, da auch Länder wie Indien dem Beispiel der USA folgen wollen. Ärmere Staaten dagegen haben diese Möglichkeiten kaum, ihre Landwirtschaft gegen den Weltagrarhandel zu schützen, der von einigen wenigen großen Produzentenländern und Handelskonzernen wie Cargill bestimmt wird.

Quelle:Sophie Murphy, A return to low commodity prices and U.S. Dumping, Institute for Agriculture & Trade Policy, October 20, 2016. IATP bereitet eine umfassende Studie über das Dumping von US-amerikanischen Agrarprodukten vor.

Neue Zahlen: Landnahme geht weiter und Westeuropa führt

Oktober 2016: Nach Angaben der Datenbank Land Matrix steigt die Zahl der Vertragsabschlüsse mit Beteiligung internationaler Investoren weiter an: Dem jüngsten Bericht zufolge sind es knapp über 1200, etwa 250 mehr als vor zwei Jahren, die Fläche stieg von 36 Millionen auf etwas mehr als 42 Millionen Hektar. Gut 1000 Verträge davon über eine Fläche von 26,7 Millionen Hektar seien inzwischen im landwirtschaftlichen Bereich unter Dach und Fach, von denen wiederum 70 Prozent die Arbeit aufgenommen hätten, 42 Prozent beziehungsweise 10 Millionen Hektar davon in Afrika. Tatsächlich produziert würde allerdings erst auf 6,4 Millionen Hektar. Im Unterschied zur Ankündigung, Investitionen würden vorrangig auf un- oder untergenutztem Land erfolgen, werden die meisten Investitionen in intensiv genutzten landwirtschaftlichen Gebieten mit guter Wasserversorgung durch Flüsse oder in bewaldeten Regionen, die häufig von lokalen Gruppen für die Versorgung mit Brennmaterial, Nahrung oder Futter genutzt werden, getätigt. Laut Ankündigungen der Investoren sollen vor allem Ölpalmen und Energiepflanzen (zusammen mindestens 10,7 Millionen Hektar) angepflanzt werden, weit mehr als Nahrungsmittel (9,2 Millionen Hektar). Der Bericht räumt ein, dass aufgrund von Intransparenz und unzureichender Informationen die Zahlen nur begrenzt aussagekräftig sind, sie zeigen aber, dass die Landnahme durch Investoren aus Westeuropa, die einen Anteil von über 30 Prozent haben, Malaysia, den USA, Singapur und Saudi Arabien weiter geht. Zunehmend kommen Investitionen aber auch aus Steuerparadiesen wie Zypern, den britischen Jungfern-Inseln oder Jersey, während die wenigen größeren Vorhaben chinesischer Investoren nicht umgesetzt wurden: "Most chinese investors in Africa are indvidual farmers operating on a relatively small scale, supplying mainly food crops to the domestic market" (25).  Wenig Informationen gibt es über den Nutzen der Investitionen für lokale Bevölkerungen, etwa durch neue Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten, und über ihre Einbeziehung in die Vertragsverhandlungen: "Knowing that some form of consultation has taken place is not sufficient in iself to judge the quality of the consultation process, which can be selective and which can bypass important groups affected by a land deal." (vii)

Quelle:Kerstin Nolte, Wytske Chamberlain, Markus Giger, International Land Deals for Agriculture. Fresh Insights from the Land Matrix: Analytical Report II, 2016. Download (pdf 2,2mb)

Agriculture and Water – Key to Feeding the World

Oktober 2016: Auch 2017 wird zeitgleich mit der 'Grünen Woche' wieder das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) in Berlin (19. bis 21. Januar 2017) durchgeführt werden. Leitthema ist 'Landwirtschaft und Wasser'. Angesichts zunehmender Konkurrenz rückt der Wasserverbrauch der Landwirtschaft zunehmend in den Fokus der Interesses von Agrar- und Ernährungsindustrie, Energieversorgern und anderen Industrien, für die Wassermangel zu einem bedeutsamen Geschäftsrisiko wird. Für diese Sektorübergreifende Verknüpfung und Abhängigkeiten hat das Weltwirtschaftsforum Davos 2008 den Begriff des 'Nexus von Wasser, Energie, Nahrung und Klima' geprägt und im vergangenen Jahr in seinem Global Risk Report die Wasserkrise als eines der drei oder vier größten globalen Risiken eingestuft. Dementsprechend rückt 'Wassersicherheit' auf der geopolitischen Agenda nach oben.

In der Ankündigung für den Event klingt das so:

"Increasing water scarcity is being accompanied in affected regions by increased competition over water usage, which in turn is also putting political stability and economic and social development at risk."

"In view of this global challenge, agriculture must find answers to the following questions:

  • What part can agriculture, as a large user of water, play worldwide in the sustainable stewardship of water as a valuable resource and in maintaining water quality?
  • Given the increasing competition over water usage, how can it be ensured that agriculture has access to water, and hence can provide the global population with food?
  • How can agriculture contribute its considerable potential regarding the use of water towards political processes at international level?"

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Rückschlag für Monsanto in Westafrika

September 2016: Seit vielen Jahren versucht der US-amerikanische Agrarkonzern Monsanto, dessen geplante Übernahme durch den Chemiekonzern Bayer gerade Schlagzeilen macht, seine Geschäfte in Afrika auszuweiten (Siehe zum Beispiel 'Unternehmen Süßkartoffel'). Doch von den lediglich vier Ländern, die bislang einen kommerziellen Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut erlaubt haben, steigt das westafrikanische Burkina Faso jetzt aus dem Anbau von Gen-Baumwolle (Bt Baumwolle) aus - ein Rückschlag möglicherweise auch für die Aussichten des geplanten Firmenzusammenschlusses. Der Nachrichtendienst TWN Biosafety schreibt dazu:

"In 2003, Burkina Faso, in partnership with Monsanto, began the development of genetically engineered (GE) Bt cotton. By 2014, more than 140,000 smallholder farmers were cultivating Bt cotton, representing 70% of total cotton production in the country. In 2016, however, Burkinabè cotton officials claimed that the Bt cotton varietals produced lint of inferior quality resulting in tens of millions of dollars in lost revenue as the Bt cotton lint fetched lower prices on the global market. The Burkinabè cotton sector has since cut down drastically on Bt cotton sowings with a complete phase out planned for the next season."

"An article by two academics, Brian Dowd-Uribe and Matthew A. Schnurr, looks into the reasons for and implications of the failure. A key reason centres around lint quality. High lint quality is Burkina Faso’s competitive advantage on the global cotton market. Unfortunately the quality characteristics of the original Burkinabè varietals were not retained when crossed with the Bt gene.  The subsequent losses were borne entirely by the cotton companies rather than the farmers.  The farmers, however, have had no choice but to stop Bt cotton cultivation because the cotton companies which control the cottonseed market stopped providing the seeds to them."

"The Burkina Faso reversal may discourage other high quality and large cotton producing African nations like Mali from adopting GE cotton. On the other hand, Nigeria’s recent approval of Bt cotton signals a willingness to go ahead with such technology regardless of the risks."

Quelle:Third World Network Biosafety Information Service vom 14. September 2016

Dezember 2016, Berlin: Conflicts over Land and Global Change

August 2016: Over the past 20 years a growing demand for raw materials as well as the financial and food price crisis have until recently led to a sharp increase in prices for mining and agricultural products. These global dynamics together with national policy and legal reforms have provoked large and rapid land use changes for agro-industrial and mining purposes worldwide. Land and resources are central to social power and belonging, human (re)production, political control, ecological systems and cultural representation. Their changing use, control, distribution and representation are contested and in many cases lead to conflict. The international symposium “Conflicts over Land and Gobal Change” (December 1 - 2, 2016) addresses these conflicts with a focus on four thematic dimensions: spatiality; state, authority and citizenship; labor; social movements.More information 

The global farmland grab in 2016: how big, how bad?

June 2016:In a newly published dataset, GRAIN documents nearly 500 cases of land grabbing around the world: "The cases span 78 countries, around US$ 94 billion in farmland investments and over 30 million hectares (an area roughly the size of Finland). Some of the most egregious "mega-deals", which appeared in the investment frenzy following the 2008 food and financial crisis, have since reduced their ambitions or collapsed altogether. These failed deals are not necessarily cause for celebration regarding the global land grab phenomenon, however, since the remaining deals tend to embody "hard-core initiatives to expand the frontiers of industrial agriculture". These deals intensify conflict, as land rights activists are imprisoned; journalists harassed; and peasant and indigenous leaders routinely murdered."

"If there is cause for optimism, it is in the tremendous surge in global resistance, local mobilisation and international solidarity around land grabbing. Farmers, workers, migrant groups, fisherfolk, indigenous peoples, pastoralists and others are converging to address the problem on multiple fronts, while developing creative new resistance strategies."

Quelle:New from GRAIN, 14. Juni 2016 (Report and dataset)

Europa-Parlament will die 'New Alliance' verbessern

Juni 2016: Die Europäische Union beteiligt sich an der G8-Initiative 'New Alliance for Food Security and Nutrition' mit 1,2 Milliarden Euro und ist bei den nationalen Kooperationsabkommen mit Malawi und der Elfenbeinküste federführend. In beiden Ländern haben lokale NGOs die Intransparenz der Initiative gegenüber den betroffenen Bevölkerungen bemängelt. Darüber hinaus machen mehrere Studien auf die Gefahr von Landgrabbing aufmerksam oder weisen auf soziale, ökologische und wirtschaftliche Risiken hin. Das Europäische Parlament hat am 7. Juni 2016 einen kritischen Bericht über die Neue Allianz verabschiedet, in dem die EU aufgefordert wird, ihre Beteiligung an der Neuen Allianz gründlich zu prüfen und alle aufgedeckten Problemen zu beseitigen. Zu den Kernforderungen gehören eine strengere Regulierung und bessere Überwachung von öffentlich-privaten Partnerschaften, die Einhaltung der FAO-Leitlinien zu Land, volle Transparenz aller Unternehmen über die Fördersummen und mehr Investitionen in agrar-ökologische Anbaumethoden.

Quelle:Pressemitteilung der Fraktion die Grünen im Europa-Parlament vom 7. Juni 2016

Konzentrationswelle in der Agrarindustrie

20. Mai 2016: Die Bayer AG, zweitgrößter Produzent von Agrarchemie mit einem Markanteil von rund 18 Prozent, führt Gespräche mit Monsanto, dem führenden Saatguthersteller, über eine Übernahme. Bereits im Februar hat der Schweizer Agrarkonzern Syngenta einem Kaufangebot des chinesischen Unternehmens ChemChina zugestimmt, nachdem ein Übernahmeversuch durch Monsanto gescheitert war. Ende vergangenen Jahres haben zudem die Chemie- und Agrarkonzerne Dow und Dupont bekannt gegeben, dass sie fusionieren wollen. Hintergrund für die Konzentrationswelle sind zum einen schlechte Geschäfte aufgrund niedriger Preise für die meisten Agrarprodukte, zum zweiten der Expansionsdrang chinesischer Unternehmen auf den Weltmarkt. In ihrer regionalen Präsenz und Produktpalette würden sich die beiden Konzerne gut ergänzen, meinen Beobachter. Allerdings würde sich Bayer mit der Übernahme den Lieblingsfeind der Kritiker an der agrarindustriellen Entwicklung einkaufen, ist Monsanto doch führend bei gentechnisch verändertem Saatgut , besonders für Mais, Soja und Baumwolle, und mit dem Herbizid Glyphosat in den negativen Schlagzeilen.  Einem Abschluss sehen allerdings unter anderem noch die Börsenspekulation entgegen, die Monsantos Kurswert in die Höhe treibt und gleichzeitig den Bayer-Kurs auf Talfahrt schicken, weil befürchtet wird, der Konzern könnte sich an dem Deal verheben.

Quelle:Agrimoney vom 19. Mai 2016

Siehe dazu auch: Breaking Bad: Big AG Mega-Mergers in Play. Dow + DuPont in the Pocket? Next: Demonsanto? ETC Communique # 115, December 2015. Download (pdf 750kb)

Schwarzbuch Syngenta - Dem Basler Agromulti auf der Spur.  Ein Gemeinschaftswerk der Basler MultiWatch-AktivistInnen mit Gastbeiträgen weiterer AutorInnen, März 2016. Bestellung 

'Waisenpflanzen' bekommen Stiefeltern

April 2016: Viele wichtige herkömmliche Nahrungspflanzen in Afrika wie Hirse, Süsskartoffel, Cassava oder einheimische Erbsensorten wurde lange Zeit von der Forschung vernachlässigt und deshalb als 'Waisenpflanzen' bezeichnet. Seit einiger Zeit haben Agrarkonzerne wie Monsanto, Dupont and PioneerHi-bred sie als potenzielle Quelle für genetische Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit oder Schädlinge entdeckt:

"A new report by the African Centre for Biodiversity reveals that research and development is currently underway on the genetic modification (GM) of African traditional crops such as cassava, sorghum, sweet potato, pigeon pea, cowpea, banana and rice, under the guise of philanthropy by several multi-national companies (MNCs). The report'"For your own good!" The chicanery behind GM non-commercial 'orphan crops' and rice for Africa'highlights the dearth of literature on biosafety and the socio-economic aspects relevant especially to the biofortification of indigenous crops through GM, which it says is both striking and worrying. Instead, there is a great deal of hype on the so-called ‘breakthroughs’ in GM, without mentioning past failures with GM crops in the continent."

"The report points out that the GM projects are diverting both financial and human resources, policies and practices, away from implementing the real solutions, which can be found within traditional farming and foods. Furthermore, GM crops are highly likely to increase the costs of production for farmers and lead them into indebtedness and dependency. It is also highly likely that GM varieties, including traditional crops, will be subject to plant breeders’ rights, and that GM certified seed will be sold to farmers by local seed companies who will expect a profit or royalty payments from farmers."

Quelle:Third World Network Biosafety Information Network vom 12. April 2016

Nahrungsmittelimporte ein Damoklesschwert

23. März 2016: Die Importabhängigkeit bei Grundnahrungsmitteln - Weizen, Reis und Mais - hängt wie ein Damoklesschwert über 200 Millionen Menschen, deren Ernährung gefährdet wäre, wenn die Exportländer ihre Lieferungen einstellen würden. Nach einer Studie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) sind Länder in Nordafrika und Zentralamerika besonders stark auf Importe angewiesen. Allerdings wären vor allem die ärmeren Bevölkerungsgruppen in Afrika südlich der Sahara betroffen. Falls Thailand beispielsweise seine Exporte stoppen würde, könnte das die Versorgung von 136 Millionen Menschen von Mauretanien bis Nigeria beeinträchtigen. Bereits ein Rückgang der verfügbaren Reismengen in einem Entwicklungsland könnte die Preise um 17 Prozent in die Höhe treiben, so die Studie. Und die drastischen Preissteigerungen während der Krise 2007/2008 zeigen, dass dieses Szenario keine reine Zahlenspielerei ist, sondern dass eine Agrarpolitik, die die einheimische Versorgung gerade ärmerer Bevölkerungsgruppen vernachlässigt, politisch mit dem Feuer spielt.

Quelle:rural21 vom 21. März 2016

Christopher Bren d'Amour, et al, Teleconnected food supply shocks. Environmental Research Letters, Volume 11, February 2016. Download (pdf)

Juni/Juli 2016, Utrecht: Stadt- und Landgrab

Februar 2016:The international conference"Large-scale land acquisition in the context of urban sprawl and climate change: Linking the Rural and the Urban" (30 June to 1 July, 2016), organised by LANDac based at IDS, Utrecht University, aims "to analyse the global land rush in the context of rapid urbanisation and climate change, aspects that until now have remained under researched."

"The ‘global land rush’ has been analysed extensively in recent years, focusing in particular on the rural sphere, including investments linked to the rapid expansion of food and biofuel production, the monocultivation of landscapes, and the rise of no-go areas and the disappearance of the commons as the consequence of agricultural production, nature conservation, mining and others. Similar processes, however, take place in the urban and peri-urban spheres where ongoing and rapid population growth, land scarcity as well as financial and speculative imperatives have caused an unprecedented surge of investments related to land. This urban land rush, and the resulting transformation of urban and peri-urban landscapes and livelihoods, has so far received scant attention in the debates surrounding the global land rush. Alongside intra-city development, the peri-urban sphere is the locus of extensive dynamics; rapid urbanisation and urban sprawl confront rural people with new types of ‘urban land grabs’ that generate particular problems that are comparable, but not the same, as those in the rural sphere." 

Quelle:Landportal.info

"Gates-Stiftung gehört auf den Prüfstand"

9. Februar 2016: In einer Studie der Kampagnen-Organisation Global Justice Now wird erneut heftige Kritik am Einfluss der Bill and Melinda Gates Foundation auf Regierungen, internationale Institutionen, Wissenschaft und öffentliche Meinung geübt. Mit einem Kapital von 43,5 Milliarden US-Dollar die weitaus größte Wohltätigkeits-Stiftung der Welt, ist sie besonders in den Bereichen Gesundheit und Landwirtschaft aktiv, unter anderem mit der Alliance for a Green Revolution in Africa, AGRA. Profitieren würden davon vor allem große Konzerne. Sie arbeitet dabei eng mit staatlichen Entwicklungsorganisationen wie der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, GIZ, der britischen Entwicklungsbehörde DFID und USAID zusammen, die seit Jahren verstärkt bemüht sind, zusätzliche Gelder von Stiftungen und privaten Unternehmen zu mobilisieren. Die Studie 'Gated Development' "demonstrates that the trend to involve business in addressing poverty and inequality is central to the priorities and funding of the Foundation" und sieht ein "ideological commitment to promote neoliberal economic policies and corporate globalisation." Eine Rechenschaftspflicht gegenüber der Öffentlichkeit bestehe nicht, eine unabhängige Überprüfung der Auswirkungen ihrer Projekte und Programme würde kaum stattfinden. Global Justice Now fordert daher unter anderen "an independent international review and evaluation" sowie "an inquiry into the (...) impact and effectiveness of any joint activity in addressing poverty and inquality."

Siehe dazu den Bericht von David Connett, Gates Foundation accused of  ‚dangerously skewing’ aid priorities by promoting ‚corporate globalisation’. In: Independent vom 19. Februar 2016

Gated Development: Is the Gates Foundation always a force for good? By Mark Curtis. Published by Global Justice Now, January 2016. Download (pdf)

Siehe auch: Barbara Adams; Jens Martens, Fit for whose purpose?Private funding and corporate influence in the United Nations. Bonn/New York (Global Policy Forum) September 2015. Download (pdf-Datei 2,5mb)

Siehe auch: Philanthropic Power and Development. Who shapes the agenda? By Jens Martens and Karolin Seitz. Published by MISEREOR, Brot für die Welt and Global Policy Forum, November 2015. Download (pdf 780kb)

ChemChina bietet 43 Milliarden für Syngenta

3. Januar 2016: Nachdem Syngenta, das größte Agrarchemie-Unternehmen der Welt mit Sitz in der Schweiz, vor einigen Monaten einen Übernahmeversuch durch seinen US-amerikanischen Konkurrenten Monsanto abgewehrt hat, hat der Vorstand anscheinend jetzt einer Übernahme durch ChemChina zugestimmt. Das chinesische Unternehmen, das im vergangenen Jahr den italienischen Reifenhersteller Pirelli und vor wenigen Wochen den deutschen Maschinenbauer KraussMaffei eingekauft hat, hat angeblich 43 Milliarden US-Dollar geboten, die bislang teuerste chinesische Übernahme im Ausland. Dem müssen allerdings nicht nur die Anteilseigner noch zustimmen, auch die Zustimmung von Regulierungsbehörden ist erforderlich, schreibt agrimoney. Denn die geplante Übernahme ist ein weiterer Schritt im Konzentrationsprozess in der Agrarchemie-Branche, nachdem die beiden Unternehmen DuPont und Dow Chemical über einen Zusammenschluss verhandeln.

Quelle:agrimoney vom 3. Februar 2016

Siehe dazu auch: Breaking Bad: Big AG Mega-Mergers in Play. Dow + DuPont in the Pocket? Next: Demonsanto? ETC Communique # 115, December 2015. Download (pdf 750kb)

Schwarzbuch Syngenta - Dem Basler Agromulti auf der Spur. Ein Gemeinschaftswerk der Basler MultiWatch-AktivistInnen mit Gastbeiträgen weiterer AutorInnen, März 2016. Bestellung 

Enabling the Business of Agriculture 2016

28. Januar 2016: Today, the World Bank has released its report 'Enabling the Business of Agriculture 2016: Comparing regulatory good practices'. According to the Bank, it "provides a tool for policymakers to identify and analyze legal barriers for the business of agriculture and to quantify transaction costs of dealing with government regulations. The report presents the main results for 40 countries, for the first time using indicator scores to showcase good practices among countries in different stages of agricultural development. It also presents interesting results on the relationship between efficiency and quality of regulations, discriminatory practices in the laws and whether regulatory information is accessible. Regional, income-group and country-specific trends and data observations are presented on six topics: seed, fertilizer, machinery, finance, markets and transport. The report also discusses the continued development of several topics which will be added in future reports: information and communication technology, land, water, livestock, gender and environmental sustainability."

Comments The Oakland Institute in a press release: "The EBA benchmarks are undeniably pushing governments to implement business-friendly reforms in the agricultural sector. Financed by the Bill and Melinda Gates Foundation, USAID, DfID, DANIDA, and the Netherlands, they are part of the G8’s New Alliance for Food Security and Nutrition, and are embedded in a global push to help Western agribusinesses expand in developing countries. A quick look at the list of collaborators to the EBA surveys informs us that agribusiness giants Monsanto, Bayer CropScience, Pioneer, Syngenta, and Yara, among others, are part of the “Global Experts” consulted by the project."

Quelle:Press Release by the World Bank, January 28, 2016: "Agribusiness rules lag in agriculture dependent countries".

Immer weniger, immer größere Agrarkonzerne

Dezember 2015: Anders als im Fall der Agrarkonzerne Monsanto und Syngenta, bei denen der Versuch einer Mammuthochzeit vorerst gescheitert ist, haben die Chemie- und Agrarkonzerne Dow und Dupont bekannt gegeben, dass sie fusionieren wollen, berichtet der Informationsdienst Gentechnik: "Dadurch entstünde "DowDuPont", das unter anderem die gentechnisch veränderten und Hybrid-Saaten sowie die Pestizide beider Konzerne verkaufen soll. Der Zusammenschluss soll, sofern die Aufsichtsbehörden zustimmen, im zweiten Halbjahr 2016 über die Bühne gehen. Den gemeinsamen Marktwert schätzen die Unternehmen auf 130 Milliarden Dollar. Der neue Riese soll in drei Sparten aufgeteilt werden, eine davon wäre der Agrarbereich." Möglicherweise treibt diese Fusion auch die Versuche über den Zusammenschluß der Konkurrenten Monsanto und Syngenta voran, den bislang führenden Produzenten von gentechnisch verändertem Saatgut, das gleichzeitig gegen die von ihnen vertriebenen Agrargifte resistent sein soll.

Quelle und weitere Informationen: Informationsdienst Gentechnik vom 15. Dezember 2015

Investoren bestimmen Umsetzung des Rechts auf Land

17. Dezember 2015: In einer "Internationalen Erklärung" kritisieren zahlreiche soziale Bewegungen und Basisorganisationen die Umsetzung der freiwilligen Guidelines on the Responsible Governance of Tenure of Land, Fisheries and Forests (VGGT), die 2012 vom UN Committee on World Food Security (CFS) beschlossen wurden. Zwar seien sie "a major step towards a human rights based governance of natural resources", doch „more than three years after the adoption land and natural resource grabs in all forms continue unabated around the world." Regierungen würden ihrer Verantwortung zur Umsetzung nicht nachkommen: „Some states – together with some UN institutions and non-governmental organizations (NGOs) – are not focusing on the rights and needs of the most marginalized, but are concentrating their efforts on helping companies and private investors to use the Guidelines for their business interests." Umsetzungs-Anleitungen für Investoren, erstellt unter anderem von der US-amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID und der G7New Alliance for Food Security and Nutrition in Africa, würden von den ursprünglichen Absichten ablenken, indem "natural resources are transformed from a human rights issue into a matter of business":  "The guides implicitly transfer state prerogatives and duties to companies and private investors, especially regarding highly sensitive issues in the context of natural resource governance. One example is the process of identifying and recognizing legitimate tenure rights. The guides suggest that this is something that can be done by investors through 'participatory stakeholder mapping'". Dagegen wird in der Erkärung darauf hingewiesen, dass "companies and private investors planning to buy or lease land cannot ensure appropriate consultations with affected communities. They are obviously not neutral actors and there are usually huge power imbalances between them and communities. Again, it is the state that has the authority and responsibility to guarantee that the consultations conform to regulations and the standard set by the Tenure Guidelines."

'German Food Partnership' verliert Schirmherrn

11. Dezember 2015: 2014 hatte ein Bündnis zivilgesellschaftlicher und bäuerlicher Organisationen unter dem Slogan "Keine Entwicklungshilfe für Agrarkonzerne!" das Entwicklungsministerium BMZ aufgefordert, die Kooperation mit Unternehmen der Agrar- und Ernährungsindustrie wie Bayer, Syngenta und BASFzu beenden. Sie würde vorrangig den Interessen der beteiligten Unternehmen dienen, nicht der Ernährungssicherung und Armutsminderung. Eine dieser 'Partnerschaften' ist die 2012 gegründete German Food Partnership, GFP, unter der Schirmherrschaft des BMZ, an deren Finanzierung und Aktivitäten unter anderem die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, GIZ, mit Entwicklungsgeldern beteiligt ist. Verklausuliert bestätigt die GFPjetzt Berichte von zivilgesellschaftlichen Organisationen, dass diese Kooperation beendet ist: "Innerhalb ihrer Laufzeit von Juni 2012 bis März 2015 hat die GFP ihr Ziel erreicht: Durch den Austausch und die Bündelung aller Kräfte konnten drei erfolgreiche Projekte initiiert und wichtige Impulse für eine zukünftige Zusammenarbeit gesetzt werden."Organisationen wie FIAN, INKOTA, Oxfam und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die die GFP stets kritisiert haben, begrüßen in einer Pressemitteilung, dass die Kooperation zwischen BMZ und GFP anscheinend nicht fortgesetzt wird, zumindest nicht in ihrer bisherigen Form - und werten dies als Erfolg ihrer Kampagnenarbeit. 

Allerdings laufen drei regionale Projekte, die unter dem Dach der GFP mit öfentlichen Geldern angeschoben wurden, weiter: die Better Rice Initiative Asia (BRIA), die Competitive African Rice Initiative (CARI) und die Potato Initiative Africa (PIA), gefördert auch weiterhin durch die GIZ. Und auch beim BMZ ist kein grundlegendes Umdenken bei der kritisierten Zusammenarbeit mit Konzernen im Agrar- und Ernährungsbereich zu erkennen.

Quelle:Pressemitteilung von FIAN Deutschland u.a. vom 11. Dezember 2015. Siehe dazu auch das Positionspapier des Forum Umwelt und Entwicklung: "German Food Partnership – Entwicklungszusammenarbeit zum Nutzen deutscher Konzerne oder zur Bekämpfung von Hunger und Armut?". Download (pdf)

Industrie erstellt Norm für 'nachhaltigen Reis'

26. November 2015: Bei der 5. Jahrestagung der Sustainable Rice Platform (SRP) Ende Oktober in Manila wurde "the world's first standard for sustainable rice" vorgestellt. "The SRP Standard for Sustainable Rice Cultivation uses environmental and socio-economic benchmarks to maintain yields for rice smallholders, reduce the environmental footprint of rice cultivation and meet consumer needs for food safety and quality." Der Standard "will allow any rice system to be assessed for its sustainability via 46 requirements including productivity, food safety, worker health, labour rights, and biodiversity." Neben dem UN-Umweltprogramm UNEP, dem Internationalen Reisforschungs-Institut IRRI und einigen wenigen internationalen NGOs sind an der Initiative vor allem führende Unternehmen der Agrar- und Ernährungsindustrie beteiligt, darunter Mars Food, das nach eigenen Worten "eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Norm spielte", Syngenta, Bayer CropScience, Kellog's und Louis Dreyfus. Explizit will die Initiative staatliche Politik pro-aktiv prägen ("pursue public policy development") und die Gestaltung der Produktionsketten ("voluntary market transformation") in die eigenen Hände nehmen: "Der Schutz unserer vollständigen Lieferkette geht über die gewöhnliche unternehmerische Verantwortung hinaus", erklärt Mars Food. 

Während die Initiative keine Angaben macht, welche Umsatz- und Gewinnsteigerungen sich die Industrie von dem exklusiven Standard-Setting erwartet, hat sie sehr präzise Vorstellungen von den sozialen und ökologischen Goodies: Demnach sollen dadurch bis 2035 als "Folge größeren Angebots und niedrigerer Preise" arme Bevölkerungsgruppen im Jahr 11 Milliarden US-Dollar weniger für Reis ausgeben müssen und dadurch 150 Millionen Menschen über die Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar am Tag "gehoben werden" - ein Beitrag zur Verringerung der Zahl der Armen um 11 Prozent. 62 Millionen mangelernährte Menschen werden ausreichend Kalorien erhalten und annähernd eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen verhindert werden.

Quellen: Pressemitteilung der Sustainable Rice Platform. PR Newswire vom 26. Oktober 2015

Transparentes 'Land grabbing' durch neue Datenbank

9. November 2015: Neben dem Nachrichtendienst farmlandgrab und der Datenbank Landmatrix soll jetzt OpenLandContracts "Licht" in die Geschäfte mit Ländereien bringen, indem Verträge zwischen Regierungen und Investoren Online gestellt werden: "Based at Columbia University in New York and backed by the World Bank, it lists details of 69 deals so far involving palm oil plantations, sugar cane, biofuels, soybeans, tea and other crops in eight countries. Organizers expect to have some 100 entries by year's end. 'Making contracts transparent can help individuals, communities and civil society monitor whether governments and investors are fulfilling their responsibilities,' said Kaitlin Cordes, head of land and agriculture at Columbia's Center on Sustainable Investment. The site, launched in October 2015, so far shows deals in Liberia, Ethiopia, Democratic Republic of Congo, Sierra Leone, Cambodia, Cameroon, South Sudan and East Timor.

Quelle:Reuters vom 19. Oktober 2015. Siehe dazu auch das globe-spotting-SPECIAL 'Land grabbing'

 

Agrobusiness: Nachrichten 2015

Da capo: Der größte 'Land grabber' in Afrika?

3. November 2015: Die Logik spricht dafür, dass China einer der größten, wenn nicht der größte Land grabber in Afrika sein muss, verfügt das Land doch nur über weniger als zehn Prozent der Agrarland- und Wasserressourcen der Welt - eine Vorstellung, die sich hartnäckig hält. Auch GRAIN meldet jetzt wieder "large-scale overseas land acquisitions by Chinese companies for food production in 31 countries covering over 3.3 million hectares that have been concluded or are in process". Die Organisation, die bäuerliche Landwirtschaft durch Recherche und Publikationen unterstützt, beruft sich dabei auf die Website farmlandgrab.org, die Meldungen und Studien zu Land grabbing sammelt. Dagegen veranschlagt die Datenbank Land Matrix, die keineswegs als besonders China-freundlich gelten kann, das Ausmaß der Landkonzessionen chinesischer Unternehmen weltweit insgesamt auf lediglich 1,55 Millionen Hektar, rund 300.000 davon in Afrika. Das stimmt mit den Recherchen von Deborah Brautigam überein, die in ihrem neuen Buch "Will Africa Feed China?" feststellt, dass chinesische Agrarinvestitionen in Afrika "are surprisingly limited, and land acquisitions modest. Defying expectations, China actually exports more food to Africa than it imports." Im Unterschied dazu haben US-amerikanische Unternehmen allein in Afrika rund 3,5 Millionen Hektar Land erworben, mit 8,4 Millionen Hektar sind sie weltweit die weitaus größten Land grabber.

Quellen:Corporations replace peasants as the "Vanguard" of China's new food security agenda. Against the grain, October 2015; Deborah Brautigam, Will Africa Feed China? Oxford University Press 2015.

Oktober 2015: Neue Gentechnik ist auch Gentechnik

30. Oktober 2015: Ein Rechtsgutachten im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz hat sich mit CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Pepeats) und anderen neuen Techniken der Erbgutveränderung beschäftigt. Das Fazit: die neuen Verfahren, in die Forscher und Konzerne große Hoffnungen setzen, fallen unter das Gentechnik-Recht der EU. Die EU-Kommission will bis Ende des Jahres eine Einschätzung abgeben, wie die neuen Techniken eingestuft werden sollten – als „Gentechnik“ im Sinne des Gesetzes? Oder könnten die Verfahren – und damit Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, die damit entwickelt werden – als Nicht-Gentechnik gelten? Das würde bedeuten, dass sie ohne Kennzeichnung und Risikoprüfung vermarktet werden dürfen. Das Gutachten, erstellt von Professor Tade Matthias Spranger, Jurist und Politologe am Institut für Wissenschaft und Ethik der Universität Bonn, findet eine eindeutige Antwort: das europäische Gentechnik-Recht ist auf die neuen Techniken anwendbar. Und es erinnert angesichts vieler Unsicherheiten über mögliche Auswirkungen der neuen Techniken an das Vorsorgeprinzip, das von „entscheidender Wichtigkeit für das ganze europäische Umweltrecht“ und damit auch für die Interpretation der Gentechnik-Vorschriften sei.

Quelle:Informationsdienst Gentechnik vom 27. Oktober 2015. Siehe dazu auch den Beitrag "Gentechnik reloaded" von Jost Maurin in die tageszeitung vom 10. Juli 2015

Oktober 2015: WTO möchte wieder bei Agrarfragen mitmischen

29. Oktober 2015: Die Welthandelsorganisation WTO versucht, ihre Position in den globalen Entwicklungsverhandlungen wieder zu stärken. Eine Gelegenheit dafür ist anscheinend die nächste, 10. WTO-Ministerkonferenz in Nairobi, Kenia (15. bis 18. Dezember 2015), die als "Meilenstein für die Zukunft der WTO" angekündigt wird - und "Africa can be the biggest winner of MC10": "Among the envisioned outcomes are steps on export competition in agriculture that have long been a priority for developing countries and could become the WTO’s most significant negotiated outcome on agriculture to date. Other key issues at the 10th Ministerial Conference in Nairobi will be important in facilitating the role of agriculture in development and improving the lives of people in least developed countries (LDC)."

Quelle:Pressemitteilung der WTO vom 21. Oktober 2015

Oktober 2015: Düngemittellobby bei den Klimaverhandlungen

13. Oktober 2015: In einem aktuellen Bericht wird der Einfluss der Düngemittelindustrie auf die Klimaverhandlungen aufgezeigt (GRAIN, The Exxons of Agriculture). Industriedünger trägt wesentlich zum Klimawandel bei, doch Unternehmen wie der norwegische Marktführer Yara versuchen, Einschränkungen zu verhindern: "Under the banner of "climate smart agriculture", fertiliser companies work in alliance with other food and agribusiness corporations to lobby for voluntary, company-led programmes that promote the use of fertilisers, such as Wal-Mart's climate smart agriculture programme or the World Economic Forum's New Vision for Agriculture. Fertiliser companies even hold sway within the only intergovernmental initiative that so far emerged on climate change and agriculture. The founding membership and steering committee of the Global Alliance for Climate Smart Agriculture, launched last year at the United Nations Summit on Climate Change, are stacked with fertiliser companies, their front groups and organisations that partner with them."

September 2015: Höhere Getreidevorräte, mehr Viehfutter

24. September 2015: Diese Mitteilung des International Grains Council sollte ein Merkposten für die anstehende UN-Konferenz zur Verabschiedung der Sustainable Development Goals, SDGs, sein, bei der unter anderem das Ziel verkündet wird, den Hunger in der Welt bis 2030 zu beseitigen. Demnach schätzt diese - nach eigener Aussage - "independent source of authoritative information and analyses of world grain and oilseed market developments", in der wichtige Getreideexport- und -importländer vertreten sind, dass die weltweiten Weizenvorräte in den kommenden Monaten auf 211 Millionen Tonnen steigen werden, ein "Rekord". Die Weizenproduktion wird in dieser Saison demnach auf 727 Millionen Tonnen geschätzt, "die dritte Rekordernte in Folge". Da die Maisproduktion in wichtigen Erzeugerländern allerdings zurückgegangen sei, sei "ein wachsendes Interesse an alternativen Futtermitteln" (sprich: Weizen) zu erwarten, unter anderem in der Europäischen Union. Solche Meldungen sind durchaus mit Vorsicht zu behandeln, da in sie nicht nur Prognosen über Ernteaussichten einfließen, sondern auch wirtschaftliche Interessen von Handelskonzernen und Getreidespekulanten. Dennoch bestätigt sie einen Trend, der sich in den vergangenen Monaten abzeichnet: Die Getreideproduktion steigt, besonders in den Kernländern der Agrarindustrie, die Preise sind auf dem niedrigsten Stand seit Jahren. Nur: Steigende Produktion und niedrige Preise auf dem Weltmarkt helfen den Menschen, die keinen ausreichenden Zugang zu Grundnahrungsmitteln haben, wenig.

Quelle:Agrimoney vom 24. September 2015

September 2015: Blogger Bill Gates wirbt für Gentech-Landwirtschaft

2. September 2015: Während die Bill & Melinda Gates Foundation, die bislang schon mindestens 390 Millionen US-Dollar in die Förderung einer agrarindustriellen 'Neuen Grünen Revolution in Afrika' gesteckt hat, zwar Gentechnikforschung im Agrarbereich unterstützt, sich mit öffentlichen Äußerungen zu dem kontroversen Thema allerdings bislang eher zurückgehalten hat, entwickelt sich ihr 'Big Spender' anscheinend zunehmend zum Sprachrohr der Gentech-Industrie. Die Argumentation, die Bill Gates unter anderem in seinem Blog ausbreitet, ist jedenfalls nahezu deckungsgleich: 'Nur wenn die Landwirtschaft im Süden Zugangsmöglichkeiten zu modernen Technologien hat, können Hunger und Armut beseitigt werden'. Und: 'Die Anpassung an den Klimawandel erfordert gentechnisch verändertes Saatgut, das trotz Dürre und Überschwemmungen noch Erträge bringt'.  In seinem Blog schwärmt er von Biofortification, der gentechnischen Anreicherung von Grundnahrungsmitteln. Dass es hier nicht nur um die Meinung einer Einzelperson geht, macht die Zeitung The Guardian klar: "With its $43bn endowment, the Bill and Melinda Gates Foundation is the world's largest private charity, exercising enormous influence on global development policy."

Quellen: Catherine Cheney, Why Bill Gates is backing, and blogging about, GMOs. devex.com vom 1. September 2015; The Guardian vom 1. September 2015

August 2015: Agrarenergie-Projekt in Senegal auf der Kippe

17. August 2015:A new report shows that the controversial Senhuile project, synonymous with land grabbing in Senegal, is on the verge of collapse. The project, initiated by Italian and Senegalese investors four years ago to produce biofuels, has provoked fierce resistance from affected communities in which six people have died. Its investors claim to have secured the rights to 45,000 hectares of land, though the company has cultivated only a fraction of this. The company fired its CEO, Benjamin Dummai, who was subsequently jailed for embezzlement, but he is now counter-suing Senhuile for 14 offences including fraudulent raising of capital and money laundering. "The local company is more interested in power than in the actual food production goals of the project” said Lorenzo Bagnolli, an independent journalist with the Investigative Reporting Project Italy, that worked on the report.

Quelle:Pressemitteilung von GRAIN vom 24. Juli 2015

August 2015: Werbung für Gentechnik mit Miss Uganda

5. August 2015: Stolz meldet ISAAA, eine der Lobbyorganisationen für Gentechnologie im Agrarbereich, einen Werbe-Coup: "Miss Uganda 2015/2016, Zahara Nakiyaga, impressed judges and the public with her answer when asked about genetically modified organisms (GMOs). This was during the crowning of Miss Uganda 2015/2016 last July. Questions on agriculture dominated the final round of adjudication, and the GMO question was directed to the eventual winner. Miss Nakiyaga's response on GMOs was positive and spot-on: "GMOs are genetically modified organisms made from joining DNAs of plants to produce more resistant and long lasting crops." Die öffentlichkeitswirksame Aussage war gut vorbereitet: "Prior to the crowning ceremony, Uganda Biosciences Information Center (UBIC) organized a week-long agricultural boot camp for the contestants. They were introduced to various crop agricultural technologies, including genetic engineering. In the laboratories, the contestants interacted with Ugandan scientists involved in the production of GMOs." Ob KritikerInnen von Gentechnologie auch die Möglichkeit hatten, ihre Position darzulegen, geht aus der Pressemeldung nicht hervor.

Quelle:Crop Biotech Update vom 5. August 2015

Juli 2015: Europa stärkt den Widerstand gegen Gentech in Afrika

21. Juli 2015:Adoption of genetically modified crops in Africa is slow. According to Jennifer Thomson, Professor of Molecular Biology from the University of Cape Town, South Africa has been planting GM crops since 2000. They are currently growing GM maize, soybean, and cotton. Burkina Faso started planting Bt cotton in 2007. Of the 648,000 hectares planted in Burkina Faso in 2014, more than half or 73 peer cent were GM. Sudan started planting Bt cotton in 2012, being the latest biotech country  in Africa. No other country in the continent has adopted GM crops since then. Thomson explains that the main reasons for such condition are political and economic. She said that the negative attitude towards GM in Europe have influenced African politicians. Many African countries are also afraid that adopting GM crops would affect trade with other countries, especially in Europe where a number of countries have banned the importation of GM products.

Quelle:The Conservation vom 13. Juli 2015

Juli 2015: Finanzindustrie verteidigt Nahrungsmittelspekulation

13. Juli 2015: Im Vorfeld der abschließenden Beratung zur Umsetzung der 2014 verabschiedeten EU-Finanzmarktrichtlinie (Markets in Financial Instruments Directive, kurz MiFID II) wirft Oxfam der Finanzindustrie in einem Hintergrundpapier vor, die Regeln zur Eindämmung der Nahrungsmittelspekulation aushöhlen zu wollen. Kernpunkt der Richtlinie sind sogenannte Positionslimits. Diese sollen verhindern, dass einzelne Spekulanten eine marktverzerrende Position erlangen. Der aktuelle Entwurf der technischen Standards kann dies jedoch nicht garantieren. "Durch intensive Lobbyarbeit hat es die Finanzindustrie geschafft, zahlreiche Ausnahmen und Schlupflöcher hinzuzufügen. Das ursprüngliche Ziel des Gesetzgebers, Marktverzerrungen und Preisschwankungen zu verhindern, hat sie damit untergraben“, sagt David Hachfeld, Experte für Wirtschaft und Globalisierung bei Oxfam Deutschland.

Quelle:Pressemitteilung von Oxfam Deutschland vom 13. Juli 2015

Juli 2015: Saatgutkonzerne erringen Sieg durch die Hintertür

8. Juli 2015: Bei einer Konferenz im tansanischen Arusha haben 18 Mitgliedsländer der Afrikanischen Regionalorganisation für Geistige Eigentumsrechte, ARIPO, eine "Vereinbarung über den Schutz neuer Pflanzensorten" angenommen. Unter dem Vorwand des "Pflanzenschutzes", so der Vorsitzende von Food Sovereignty Ghana, Ali-Masmadi Jehu-Appiah in The Ecologist vom 29. Juni 2015, würden damit die bäuerlichen Rechte an der Nutzung von Saatgut, etwa für eine Wiederaussaat oder den Austausch, zugunsten der Vermarktungsinteressen kommerzieller Züchter und Saatgutunternehmen gravierend eingeschränkt. Die Vereinbarung, auf die internationale Verbände wie die von kommerziellen Unternehmen dominierte International Union für the Protection of new Varities of Plants (UPOV) und die New Alliance for Food Security and Nutrition seit Jahren hinarbeiten, orientiert sich am Abkommen UPOV91, der striktesten Regelung zugunsten der Interessen des kommerziellen Saatgutsektors. Bislang waren keine afrikanischen Länder Mitglied bei UPOV91. Bestätigt werden die Befürchtungen zivilgesellschaftlicher Gruppen wie Food Sovereignty Ghana oder der Alliance for Food Sovereignty in Africa, AFSA, durch eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene neue Veröffentlichung der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, GIZ, ("The UPOV Convention, Farmers’ Rights and Human Rights - An integrated assessment of potentially conflicting legal frameworks"). Darin wird unter anderem empfohlen, dass sich Entwicklungsländer, die bislang noch nicht UPOV91 beigetreten sind, eher für alternative sui generis-Systeme zum Schutz von Züchterrechten entscheiden sollten. Damit würden Regierungen eine größere Flexibilität und Selbstbestimmung bei der Regelung von Züchterrechte behalten und können die Interessen von Bauern an einem kostengünstigen und flexiblem Zugang zu verbessertem Saatgut besser berücksichtigen als bei Regelungen, die sich wie UPOV91 an Standards der Industrieländer orientieren.

Siehe dazu auch die Erklärung von AFSA vom 8. Juli 2015

Juli 2015: Zugang zum Saatgutmarkt in Afrika mit der Kuhbohne

7. Juli 2015:According to a new report titled"GM and seed industry eye Africa’s lucrative cowpea seed markets", released by the African Centre for Biodiversity  (ACB), the African Agricultural Technology Foundation (AATF), an influential pro-GM organisation, is spearheading a GM cowpea project aimed at commercially growing  Bt cowpea in Nigeria, Ghana, Burkina Faso. Field trials underway in Nigeria and Burkina Faso are at advanced stages, with commercialisation expected in 2016/17. The GM cowpea is engineered to be resistant to the Maruca legume pod borer. The project is funded by USAID, the United Kingdom's Department for International Development (DFID) and the Rockefeller Foundation. The GM cowpea contains the Cry1Ab Bt gene developed by Monsanto.

The report argues that the GM cowpea push in Burkina Faso, Nigeria and Ghana co-incides with this strong interest from multinational and local seed companies to produce foundation and certified seed in West Africa. According to Mariam Mayet of the ACB, "there is a corporate push backed by the United States Agency for International Development (USAID) and the G8 New Alliance on Food Security and Nutritionto harmonise seed laws and intellectual property rights legislation on the basis of the Union for the Protection of Plant Varieties (UPOV) 1991. This push seeks to create regional markets for crops that otherwise would not have the economies of scale for corporate investment."

According to the ACB, the danger of commercialisation of seed production is that it is accompanied by the locking out of smallholder farmers from seed production and distribution - essential life processes in African agriculture.

Juni 2015: Günstige Prognose für die Saatgutindustrie

17. Juni 2015: Die Geschäftsperspektiven der Agrarindustrie spiegeln sich in einem aktuellen Bericht von Markets and Markets, in dem ein starkes Wachstum des weltweiten Saatgutmarkts prognostiziert wird: 

"The global seed market is expected to reach US$92.04 billion in 2020, at a compound annual growth rate of 9.4 percent from 2015 to 2020, according to the report'Global Trends & Forecast to 2020'. It was also reported that in 2014, the global seed market was dominated by North America, which has accounted for around 32.60% of the total share. The Asia-Pacific region is projected to be the fastest growing market due to high population, which calls for more food products and advanced farming technologies to attain higher productivity and profits. Furthermore, India is projected to be the fastest growing market for seed, followed by China because of the government initiatives in promoting technology driven agriculture practices. The cereals and grains segment is projected to be the biggest market for seed in the world from 2015 to 2020."

Quelle: ISAAA Crop Biotech Update vom 17. Juni 2015

Juni 2015: 'Working Poor' auf Plantagen

8. Juni 2015: Für Millionen PlantagenarbeiterInnen reichen die Löhne nicht für eine ausreichende Ernährung. Eine neue Studie ("Harvesting Hunger") lenkt den Blick auf diese Bevölkerungsgruppe, die in der Diskussion über das Recht auf Nahrung häufig ausgeblendet wird. Informationen über die Situation, beispielsweise den Akkord-Druck, die Umgehung von Mindestlohn-Regelungen und die kurzfristige Anstellung, mit der eine Durchsetzung von Rechten unterlaufen wird, werden vertieft durch eine Fallstudie über die Teebranche. Demnach liegen die Löhne in Malawi, Indonesien und im indischen Bundesstaat Assam vielfach deutlich unterhalb der von der Weltbank definierten Armutsgrenze. Zu den zahlreichen Arbeitsrechtsverstößen gehört auch die Bekämpfung von gewerkschaftlichen Organisationen. Und das, obwohl die Plantagenarbeit durch internationale Konventionen vergleichsweise gut geregelt ist. Doch die "systematischen Verstöße gegen die Arbeitsrechte und insbesondere gegen das Recht auf Nahrung zeigen, dass bestehende Gesetze und Normen nicht ausreichen und vielfach nicht umgesetzt werden".

Quelle:Pressemitteilung von Misereor vom 21. Oktober 2014

Juni 2015: 'Beschleunigtes Verfahren' beim ProSavana-Projekt

3. Juni 2015: Im kommenden Jahr will die Regierung von Mosambik mit der Umsetzung des umstrittenen ProSavana-Projekts beginnen. Der Plan für das riesige Agrarprogramm, das gemeinsam mit den Regierungen von Brasilien und Japan durchgeführt werden soll (siehe The Guardian vom 1. Januar 2014), soll jetzt rasch vom Parlament verabschiedet werden, nachdem in der zweiten Aprilhälfte Informationsveranstaltungen auf Distrikt- und Provinzebene durchgeführt wurden. "Die wichtigsten Schritte wurden gemacht", erklärt Projekt-Koordinator Antonio Limbau (farmlandgrab vom 20. Mai 2015). Zivilgesellschaftliche Organisationen, die unter anderem die Vertreibung kleinbäuerlicher Betriebe durch das Projekt befürchten, kritisieren die Veranstaltungen dagegen als "insufficient, incomplete, partial, propaganda and not discussed with the main economic players (farmers and their representative organizations)" (farmlandgrab vom 14. Mai 2015). Dokumente hätten nicht vorgelegen, Bauern und Bäuerinnen seien von den Treffen nicht informiert worden, zahlreiche Fragen seien nach wie vor unbeantwortet. Die Organisationen verlangen daher eine Wiederaufnahme der öffentlichen Beratungen. Unterstützt werden sie dabei von sechs japanischen Organisationen, die die japanische Regierung und die Entwicklungsorganisation JICA auffordern, alle Beteiligten, besonders aber die bäuerliche Bevölkerung und die Zivilgesellschaft, umfassend zu informieren (farmlandgrab vom 1. Mai 2015).

Mai 2015: Konzentrationswelle in der Agrarindustrie erwartet

25. Mai 2015: Obwohl das Schweizer Unternehmen Syngenta, der weltweite größte Hersteller von Agrochemie, das 45-Milliarden-US-Dollar-Übernahmeangebot von Monsanto, dem weltweit größten Saatgutlieferanten, abgelehnt hat, erwarten manche Beobachter, dass der Versuch damit nicht gänzlich vom Tisch ist. Denn sowohl für Monsanto, dessen Agrarchemie-Sparte vergleichsweise dürftig ist, als auch für die Anteilseigner sei ein Zusammenschluss attraktiv. Entstehen würde dadurch allerdings ein Unternehmen, das den Markt beherrschen würde. Das würde wiederum den Druck auf Konkurrenten wie BASF und Bayer oder US-Unternehmen wie DuPont-Pioneer und Dow Chemical verstärken, ihre Position zu stärken. Sie könnten davon profitieren, dass die Kartellbehörden bei einem Zusammenschluss Monsanto und Syngenta zwingen könnten, einzelne Bereiche zu verkaufen. Mit Prognosen wie "the Monsanto-Syngenta merger story isn't going to go back in the box" werden daher jetzt die Spekulationen angeheizt.

Quelle:Agrimoney vom 8. Mai 2015; Agrimoney vom 13. Mai 2015. Siehe dazu den Bericht "Seedy Characters" von ETC Group vom 14. Mai 2015

Mai 2015: EU-Handelsabkommen mit Afrika im Schatten von TTIP

18. Mai 2015: Angesichts der Brisanz von TTIP, CETA und TISA sind die sogenannten 'Wirtschaftlichen Partnerschaftsabkommen' (EPA) zwischen der Europäischen Union und zahlreichen Ländern in Afrika, der Karibik und dem Pazifik weitgehend aus dem Blickfeld geraten, Kampagnen dazu wie EPA Watch nahezu eingeschlafen. Die Handelsabkommen, die trotz erheblichen Drucks der EU aufgrund verbreiteten Widerstands nur schleppend vorangekommen sind, verlangen den afrikanischen Ländern erhebliche Zugeständnisse ab - im Gegenzug gegen eher vage Aussichten auf zusätzliche Entwicklungsgelder. In einem Policy Paper fasst CONCORD, ein  Verband europäischer NGOs, jetzt den Stand der Verhandlungen und die Kritik an den Abkommen für Westafrika zusammen.

Siehe dazu auch den Blog von ecdpm zu Africa-Europe Relations und die Website der Europäischen Kommission.

April 2015: Agrarreformen gegen die bäuerliche Landwirtschaft

30. April 2015: "Legislative changes now sweeping across Asia threaten to displace millions of peasant families, undermine local food systems and increase violent conflicts over land", heißt es in einer neuen Studie von GRAIN. "Already, just six percent of Asia's farm owners hold around 66 per cent of its farmland: the continent is undergoing an agrarian reform in reverse."

In a new review of law reforms across the continent, GRAIN finds that in the last decade, legislative changes covering agricultural land have already led to the transfer of at least 43.5 million hectares of farmland away from Asia's small farmers.

"What is taking place is more than just a transfer of lands. Governments are facilitating a fundamental shift to a corporate food chain supplied by industrial agriculture, away from the small-scale, traditional agriculture and local food systems."

Asia's Agrarian Reform in Reverse. Laws Taking Land out of Small Farmers' Hands. GRAIN, April 2015

April 2015: Aktionen gegen ‚Landgrabs’ in Afrika und Asien

23. April 2015: Bauerngruppen in Kambodscha, Kamerun, Sierra Leone und Elfenbeinküste wollen Ländereien besetzen, die an den global agierenden Konzern Socfin verpachtet wurden. Die Aktionen, koordiniert von der International Alliance of Residents of Socfin Bolloré's Plantations und der französischen NGO ReAct (Réseaux pour l'action collective transnationale) beginnen in dieser Woche in Kamerun, wo große Waldgebiete und 40.000 Hektar Land an Socapalm, ein Tochterunternehmen von Socfin, vergeben wurden. "These lands were stolen from us. We come now to take them back and occupy them until an agreement with Bolloré and Socfin is reached", erklärt Michel Essonga von der Internationalen Allianz. Nächste Woche sollen Besetzungen weiterer Socfin-Plantagen in Kamerun sowie in den anderen Ländern folgen. Neth Prack in Kambodscha ergänzt. "We are determined, and we will organise new actions in all our countries until our rights are recognised."

Das in Luxemburg ansässige Unternehmen Socfin betreibt Palmöl- und Kautschukplantagen in mehreren Ländern in Afrika und in Südostasien. Größter Anteilseigner ist die französische Bolloré-Gruppe. Seit 2008, so die Internationale Allianz, ist die Landfläche, die von den Socfin-Töchtern in Afrika kontrolliert wird, auf 108.465 Hektar gestiegen.

Quellen:farmlandgrab vom 22. April 2015, Times Live vom 22. April 2015

Siehe dazu auch die Declaration of the Global Convergence of Land and Water Struggles, die beim Weltsozialforum in Tunis verabschiedet wurde. Das Oakland Institute hat mehrere Publikationen über die Aktivitäten von Socfin in Sierra Leone vorgelegt. Die Menschenrechtsorganisation LICADHO betreibt eine Datenbank über die Landvergabe (Economic Land Concessions) in Kambodscha.

April 2015: Wegweiser zu den besten Geschäftsbedingungen

20. April 2015:In March 2014, the multicontinental campaign'Our Land, Our Business'was launched to demand the end of the World Bank's Doing Business project ('Doing Business in Agriculture', Download pdf-Datei 172kb), and Benchmarking the Business of Agriculture initiative, which began in 2002. The campaign condemns the World Bank business indicators, which rank countries on their investment climates, for driving the race to deregulate where governments compete with each other to 'reform' and be ranked among the best performers and for facilitating large-scale land grabs.

Renamed Enabling the Business of Agriculture (EBA) in 2013, the project, supported by USAID and the Bill & Melinda Gates Foundation, is part of the New Alliance for Food Security and Nutrition. A recent EBA report presents data on the agribusiness enabling environment in initially ten countries with four of them in Sub Sahara Africa, covering nine topics, among them registering agricultural land, accessing financial services, strengthening seed systems, improving fertilizer supply, transporting and selling agicultural goods, and contracting agricultural production. According to a report published by The Oakland Institute for the the campaign 'Our Land, Our Business' ('New Name, Same Game'), EBA continues to promote the interests of Western countries and big agribusinesses, and that aggravates the dispossession of smallholders.

April 2015: Kampf um das Recht am Saatgut

9. April 2015: Die Kontrolle über das Saatgut ist ein Schlüsselbereich, an dem sich die Kontrolle über das gesamte Agrar- und Ernährungssystem manifestiert: Die Wiederverwendung eines Teils der Ernte für die neuerliche Aussaat ('Nachbau') und der Austausch von Saatgut sind wesentliche Grundlagen bäuerlicher Landwirtschaft, besonders im globalen Süden. Diese Praktiken beeinträchtigen aber die Dominanz der Saatgut- und Agrarchemie-Konzerne. Deshalb intensivieren sie ihre Bemühungen, sie zu illegalisieren und zu kriminalisieren - oft mit Hilfe von staatlichen Entwicklungsorganisationen und Stiftungen. Die Einflussnahme auf die Anpassung der Saatgutgesetzgebung an die kommerziellen Interessen der Konzerne, die unter anderem in der New Alliance for Food Security and Nutrition der G8-Regierungen, angeführt von der US-Regierung, vorangetrieben wird, wird in einer neuen Publikation ('Seed laws criminalise farmers') von GRAIN und des internationalen Netzwerks von Bauernorganisationen, La Via Campesina, dokumentiert - in allen Kontinenten. Weltweit gibt es aber auch auf allen Kontinenten Widerstand gegen diese Versuche, der ebenfalls beschrieben wird.

März 2015: Äthiopiens Geldgeber warnen vor 'Land grabbing'

26. März 2015: In seltener Klarheit warnen ausländische Geberorganisationen die Regierung Äthiopiens in einem Offenen Brief davor, dass geplante Zuckerrohrplantagen in der Omo-Region nahe der Grenze mit Kenia soziale, ethnische und politische Konflikte verschärfen könnten. Die staatliche Ethiopian Sugar Corp. will dort mit Krediten der Development Bank of China sechs Zuckerfabriken bauen und 150.000 Hektar mit Zuckerrohr bepflanzen, bewässert durch den Staudamm Gibe III. Durch die Plantagen und den Zuzug von hunderttausenden von Landarbeiter-Familien würden Lebensbedingungen und Kultur der dortigen Bevölkerung, darunter mehrere Hirtenvölker, gefährdet. Eine Beobachtergruppe der Development Assistance Group, DAC, hat in den vergangenen Monaten mehrfach die Region besucht, unter anderem um das Dorfentwicklungsprogramm der Regierung zu prüfen, gegen das mehrfach Vorwürfe wegen erzwungener Umsiedlung erhoben wurden, unter anderem durch Human Rights Watch und Survival International. Ihre Empfehlungen beschränken sich allerdings weitgehend darauf, die Transparenz zu verbessern, den lokalen Bevölkerungen mehr Mitsprache einzuräumen und "to eplore middle ways and adapted proposals that would allow a softer transition, avoiding
conflict
".

Quelle:farmlandgrab vom 11. März 2015

März 2015: Korruption verhindert Land grabbing in Nigeria

15. März 2015: Anfang des Jahres erhoben zwei nigerianische NGOs schwere Vorwürfe gegen Dominion Farms (GRAIN vom 28. Februar 2015). Der afrikanische Ableger eines US-amerikanischen Unternehmens, das unter anderem zahlreiche Hochsicherheitsgefängnisse in den USA errichtet hat, und der bereits in Kenia auf 3.700 Hektar im Yala-Feuchtgebiet Reisanbau betreibt, hatte im Februar 2012 eine Vereinbarung mit der nigerianischen Regierung abgeschlossen, auf rund 30.000 Hektar Land in Bundestaat Taraba Reisanbau zu entwickeln. Nach eigenen Angaben wollte das Unternehmen unter anderem eine Reismühle errichten und Ausbildungsprogramme für Vertragsfarmer durchführen. Nach einem Besuch der Region berichten die NGOs von Sorgen der lokalen Bevölkerung, dadurch ihre Möglichkeiten für Landwirtschaft und Viehhaltung zu verlieren. Zudem seien sie nicht ausreichend informiert, geplante Erschließungsmaßnahmen nicht begonnen worden. In einer Erklärung ("(Not) Doing business in Nigeria") schiebt jetzt Calvin Burgess, Präsident von Dominion Farms, der auch in der Organisierung und Durchführung von "faith-based missions" aktiv ist, die Schuld auf die nigerianischen Behörden: Ministerien, Behörden und Politiker hätten Zusagen nicht eingehalten, beispielsweise für Entschädigung der Bauern und Bäuerinnen, und die Betriebsaufnahme durch massive Korruption verhindert. Zudem sei inzwischen ein Streit zwischen unterschiedlichen Behörden über die Zuständigkeit für das Land entbrannt. "Nigeria is in a crisis", lautet das Resümee von Burgess, der jetzt den Rückzug des Unternehmens aus dem Vorhaben verkündet hat.

März 2015: Importabhängigkeit bei Nahrungsmittel steigt steil an

14. März 2015: Jedes dritte Land der Welt (77) importiert gegenwärtig mehr als 25 Prozent seines Getreides, berichtet das Worldwatch Institute, ein Anstieg gegenüber dem Anfang der 1960er Jahre von 57 Prozent. Die Zahl der Länder, die mehr als die Hälfte importieren, stieg sogar um 65 Prozent auf 51. 13 Länder sind vollständig von Importen abhängig. Dem stehen lediglich 27 Lieferantenländer gegenüber, sechs mehr als 1961. Seither einige Exportländer wie die Philippinen zu Importeuren geworden, neue Exporteure aus Südamerika, Osteuropa und Südostasien machen den USA und Europa zunehmend Konkurrenz. Die Importe stiegen in dieser Zeit annähernd um das Sechsfache, von rund 55 auf etwa 325 Millionen Tonnen. Seit der Nahrungsmittelkrise 2007/2008 hat sich der Anstieg sogar beschleunigt, was bedeutet, dass die Importländer daraus offensichtlich nicht die Konsequenz gezogen haben, durch eine Steigerung der einheimischen Produktion ihre Selbstversorgung und damit die Abhängigkeit von Weltmärkten, dem von Konzern dominierten Agrarhandel und den Getreidebörsen zu verringern.

Quelle: Vital Signs vom 9. März 2015

Februar 2015: Wasserprojekt für Investoren gefährdet Feuchtgebiete

10. Februar 2015:The Inner Niger Delta in Mali is one of Africa's largest wetlands, bordering the Sahara Desert. In addition to hosting millions of migratory birds from Europe, the delta serves as a lifeline for anywhere between 1 and 2 million people who depend on it for pastureland, flood recession agriculture and fishing. The future of this site, however, is in jeopardy as the World Bank revives plans to construct the Fomi Dam near the river's source in neighbouring Guinea.

The Fomi Dam near the river's headwaters has long been a priority for the government of Guinea, which wants to harness the Niger's flows to generate hydropower. The World Bank is now helping revive the project, with the new Fomi scheme being billed as a 'multipurpose project'. In addition to generating power in Guinea, Fomi would allow Mali to double lands under cultivation in the Office du Niger, the quasi-public irrigation scheme dating from colonial days that yields the bulk of the country's rice and sugarcane. Vast tracts of land in the Office du Niger have been allocated to foreign investors, including a Libyan sovereign wealth fund, amid allegations that smaller producers have been pushed off the land.

The Fomi Dam would ensure year-round irrigation in the Office du Niger by withholding flows during the rainy season and spacing releases throughout the year. The impacts on the Inner Niger Delta, however, will be severe. Withholding flows during the rainy season and doubling the volume of water siphoned off for irrigation will cause a drastic reduction in the area of the Inner Niger Delta. Recession rice cultivation will suffer, fish stocks will plummet and competition among herders who graze their livestock on the delta's grasses will grow as a result. Upward of 10 percent of Mali's population will be impacted.

Quelle:International Rivers vom 26. Januar 2015

Februar 2015: Agrarkonzerne übernehmen Landwirtschaft der Ukraine

3. Februar 2015: Der ukrainische Agrarsektor gehört zu den vorrangigen Zielen ausländischer Privatinvestitionen. Finanzinstitutionen wie IWF und Weltbank loben die Bereitschaft der neuen Regierung, ihren Empfehlungen zu folgen. So sehen die vom Ausland vorangetriebenen Agrarreformpläne für die Ukraine den erleichterten Zugang zu Agrarland, weniger Regulierung und Kontrollen im Nahrungsmittel- und Nutzpflanzensektor und die Senkung von Steuern und Zöllen für Unternehmen vor. Das drittgrößte Mais- und fünftgrößte Weizenexportland der Welt verfügt über mehr als 32 Millionen Hektar fruchtbaren Ackerlands.

Ausländische Unternehmen weiten ihren Einfluss auf den ukrainischen Agrarsektor schnell aus. In den letzten Jahren wurden ihnen mehr als 1,6 Millionen Hektar Land für die landwirtschaftliche Nutzung überlassen. Agrarkonzerne wie Monsanto, Cargill und DuPont sind bereits seit geraumer Zeit in der Ukraine präsent und haben ihre Investitionen in den letzten Jahren erheblich erhöht. Alle Aspekte der ukrainischen Agrarlieferkette - von der Produktion landwirtschaftlicher Inputs bis zum Export der Ware - werden auf diese Weise zunehmend von westlichen Firmen kontrolliert.

Der Expansionskurs erfreut sich der tatkräftigen Unterstützung von europäischen Institutionen und der US-Regierung. Obwohl die Ukraine die Herstellung von genetisch verändertem Saatgut nicht erlaubt, enthält das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU eine Klausel, in der sich beide Vertragspartner verpflichten, "die Anwendung der Biotechnologie innerhalb des Landes auszuweiten". Die Klausel bedeutet einen Türöffner, wie ihn sich die großen Agro- und Saatgutkonzerne wie Monsanto wünschen, um ihre Genprodukte auf den europäischen Markt zu bringen.

Quelle: Frédéric Mousseau, The Corporate Takeover of Ukrainian Agriculture, Inter press Service (IPS) vom 27. Januar 2015 

 

Agrobusiness: Nachrichten 2014

Dezember 2014: 'New Alliance' sichert Geschäfte von 'Land grabbern'

20. Dezember 2014: Im Rahmen der New Alliance for Food Security und Nutrition (NA), die 2012 von den G7-Industrieländern unter Führung der US-Regierung initiiert wurde, haben sich zehn afrikanische Regierungen in sogenannten Cooperation Frameworks verpflichtet, die Voraussetzungen für privatwirtschaftliche Investitionen im Agrarbereich zu verbessern. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass die meisten dieser NA-Länder in den vergangenen Jahren bereits riesige Agrarflächen an ausländische Investoren vergeben haben: Senegal, Nigeria und Tansania jeweils zwischen 600.000 und 860.000 Hektar, Ghana, Äthiopien und Mosambik jeweils mehr als 2 Millionen Hektar. Fünf dieser Länder haben zwischen 42 (Nigeria) und 91 (Äthiopien) Konzessionsverträge abgeschlossen - verglichen mit weniger als fünf in wirtschaftlich weniger attraktiven Ländern wie Benin, Gambia oder Togo. Die Kooperationsabkommen sollen offenkundig die Gewinnaussichten dieser Verträge verbessern und die wirtschaftlichen Risiken verringern, indem rechtliche und institutionelle Hindernisse für Konzerne aus dem Agrar- und Ernährungsbereich wie Cargill, Unilever, Monsanto, Syngenta und Yara für den Zugang zu Land und zum Saatgut- und Düngermarkt abgebaut werden: In den Kooperationsabkommen haben sich die Regierungen unter anderem verpflichtet, bestehende Landnutzungsrechte, die lokale Bevölkerungen schützen, zu "revidieren", den Absatz von Chemiedünger zu fördern und den freien Saatguttausch durch strikte Gesetze zu unterbinden.

Dezember 2014: Business Parks zur Modernisierung der Landwirtschaft

2. Dezember 2014: Mitte Juli hat der Präsident der Demokratischen Republik Kongo (DRC), Joseph Kabila, die erste Agrar-Wirtschaftszone des zentralafrikanischen Landes eröffnet. Angeblich hat die Regierung 83 Millionen US-Dollar in die Erschließung des 75.000 Hektar großen Bukanga Lonzo Agricultural Business Park 240 Kilometer östlich der Hauptstadt Kinshasa investiert, der von dem südafrikanischen Konsortium Africom betrieben wird. Weitere ähnliche Wirtschaftszonen sollen in jeder der elf Provinzen des Landes folgen, um die Landwirtschaft zu modernisieren und die Importabhängigkeit bei Nahrungsmitteln abzubauen. Auf Einwände, die Regierung sollte anstelle ausländischer Investoren die kleinbäuerliche Landwirtschaft fördern, entgegnete John Ulimwengu, Agrarberater des Premierministers, bäuerliche Betriebe würden als Zulieferer für die Agrarunternehmen, die angesiedelt werden sollen, profitieren.

Quelle:Reuters vom 16. Juli 2014

Dezember 2014: Noch mehr Leitlinien für Agrarinvestitionen

1. Dezember 2014: Nach der UN-Agrarorganisation FAO, deren Committee on World Food Security (WFS) Mitte Oktober seine Principles for Responsible Investment in Agriculture and Food Systems beschlossen hat, hat jetzt auch die Afrikanische Union (AU) ihre 'Leitprinzipien für Investitionen' ('AU Guiding Principles on Large Scale Land Based Investments in Africa'), auf die sich die Regierungschefs im April 2014 verständigt  hatten. Die Conference on Land Policy in Africa, die Mitte November in der äthiopischen Hauptstadt Addis Ababa stattfand und die Prinzipien verabschiedete, appellierte an die Regierungen "for promoting policy and regulatory environments that advance large-scale agricultural production and productivity" - ohne Landrechte von Frauen oder unterschiedliche Nutzungsrechte zu beeinträchtigen. Joan Kagwanja, Leiterin der Land Policy Initiative (LPI), die von der AU, der UN Economic Commission for Africa (ECA) und der Afrikanischen Entwicklungsbank AfDB getragen wird und an der Ausarbeitung beteiligt war, hofft, "that within the next three years land grabs could be halted".

Quelle:iisd Reporting Services vom 14. November 2014

November 2014: Handelsabkommen kriminalisieren bäuerliches Saatgut

18. November 2014: Seitdem die Welthandelsorganisation WTO für Verhandlungen über neue multilaterale Abkommen über den weiteren Abbau von Hürden im Welthandel nur noch ein Schattendasein führt, sind bilaterale Abkommen das Mittel der Wahl, um Expansions-Interessen globaler Konzerne durch Marktzugang und günstige Investitionsbedingungen durchzusetzen. Ein wichtiger Bereich ist dabei der Agrarsektor. In vielen bereits abgeschlossenen oder gegenwärtig verhandelten Abkommen soll unter anderem der Saatgutsektor "internationalen Standards" unterworfen werden. Während das WTO-Abkommen über 'Trade Related Intellectual Property Rights' (TRIPS) von 1994 den nationalen Regierungen noch weitreichende Gestaltungsspielräume lässt, stärkt der von den Industrieländern formulierte UPOV91-Standard die Eigentumsrechte von Züchtern und damit der Saatgutkonzerne. Die gängige und existenziell notwendige Praxis von Kleinbauern in vielen Ländern des globalen Südens, Saatgut wiederzuverwenden oder weiterzugeben, wird damit illegal. In einer aktuellen Publikation von GRAIN ("Trade deals criminalise farmers' seeds") dazu heißt es: "What could be more routine than saving seeds from one season to the next? After all, that is how we grow crops on our farms and in our gardens. Yet from Guatemala to Ghana, from Mozambique to Malaysia, this basic practice is being turned into a criminal offence, so that half a dozen large multinational corporations can turn seeds into private property and make money from them. But people are fighting back and in several countries popular mobilisations are already forcing governments to put seed privatisation plans on hold".

GRAIN hat außerdem eine Liste von Abkommen erstellt, in denen der UPOV91-Standard durchgesetzt wurde oder werden soll.

November 2014: Neue Zahlen zu großflächiger Landnahme

12. November 2014: Knapp 1.300 Fälle großflächiger Landnahmen (mehr als 200 Hektar) durch ausländische Unternehmen sind gegenwärtig in der Datenbank Land Matrix erfasst, über 200 mehr als im Sommer 2013. Gleichzeitig hat der Anteil der Abkommen, die unterzeichnet wurden, anscheinend ebenfalls deutlich zugenommen: Im September 2014 waren 956 Verträge mit einer Fläche von knapp 36 Millionen Hektar unter Dach und Fach, 27 Prozent mehr als im Juni 2013. Inwieweit dabei die betroffenen Bevölkerungsgruppen ihre informierte Zustimmung gegeben haben, geht aus den Informationen leider nicht hervor. Davon hätten mehr als 60 Prozent mit der Umsetzung, also beispielsweise Erschließungsmaßnahmen, begonnen, doch sei die Produktion erst auf 4,1 Millionen Hektar aufgenommen worden. Mit rund 6,5 Millionen Hektar führen US-amerikanische Unternehmen nach wie vor die Liste an, Unternehmen aus China werden mit weniger als 1 Million Hektar, vor allem in Südostasien, erfasst und sind damit nicht unter den ersten Zehn. Auf den Plätzen zwei, drei und vier stehen Unternehmen aus Malaysia, Singapur und den Vereinigten Arabischen Emiraten, gefolgt von Großbritannien und Indien. Die Liste der Zielländer führen Papua Neuguinea und Indonesien an, gefolgt von vier Ländern in Afrika (Südsudan, DR Kongo, Mosambik und Republik Kongo), teils mit einer erheblichen Grauzonen bei der Datenlage. Die Flächen, die für Nahrungsmittel, Energiepflanzen und Forstwirtschaft genutzt werden sollen, liegen mit jeweils 8 bis 9 Millionen Hektar ungefähr gleich auf, wobei Aufforstungsprojekte den höchsten Zuwachs verzeichnen. Bei Agrartreibstoffen scheint dagegen die Begeisterung für Jatropha gesunken zu sein, was sich an einem Rückgang der abgeschlossenen Verträge und einer hohen Zahl gescheiterter Vorhaben zeigt.

Quelle:Land Matrix Newsletter - October 2014

November 2014: Gates-Gelder für Forschung statt für Landwirtschaft

10. November 2014: Die Bill&Melinda Gates-Stiftung weist Kritik an ihrem Programm zur Förderung der Landwirtschaft zurück. Die Forschungs- und Lobbyorganisation GRAIN hat in einem kürzlich vorgelegten Bericht ("How does the Gates Foundation spend its money to feed the World?") vorgerechnet, dass von den über 3 Milliarden US-Dollar, die die Stiftung in den vergangenen zehn Jahren für den Agrarbereich bereit gestellt hat, die Hälfte an vier Institutionen fließt - darunter das internationale Agrarforschungsnetzwerk CGIAR, das eng mit nationalen Forschungszentren, aber auch mit der Industrie zusammen arbeitet, multilaterale Organisationen wie die Weltbank und die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA), die die Gates-Stiftung gemeinsam mit der Rockefeller-Stiftung gegründet hat. Von der anderen Hälfte würden 80 Prozent an Forschungsorganisationen in den USA und Europa fließen. Für Vorhaben, die direkt an den Bedürfnissen von Bauern ansetzen und von Basisorganisationen getragen werden, bliebe nur ein kleiner Teil übrig. Dagegen verteidigt sich die Stiftung, die "zentrale Annahme" von GRAIN, nur Organisationen in Afrika könnten der bäuerlichen Landwirtschaft helfen, sei falsch.

Quellen:Reuters vom 5. November 2014; The Guardian vom 4. November 2014

November 2014: Niedergang des Rosen-Königs

9. November 2014: Wasser in den Wein internationaler Entwicklungsorganisationen und Regierungen, die von den vielversprechenden Perspektiven für Agrarkonzerne in Afrika schwärmen, könnte die Geschichte von Karuturi sein: Durch Übernahme von Blumenfarmen in Kenia (Lake Naivasha) 2007 war das indische Unternehmen innerhalb weniger Jahre zum führenden Lieferanten von Rosen für den europäischen Markt geworden. Dann expandierte Karuturi Global nach Äthiopien, das plant, bis zu 3,6 Millionen Hektar Land an Agrarinvestoren zu vergeben. Dort sicherte es sich einen Vertrag über 311.000 Hektar Land für weniger als 2 US-Dollar Pachtgebühr je Hektar im Jahr, vor allem in der Gambella-Region, um noch mehr Blumen, aber auch Reis, Mais, Zuckerrohr und Ölpalmen anzubauen. Erste Rückschläge für die ehrgeizigen Expansionspläne, die auch andere afrikanische Länder umfassten, gab es 2011, als die äthiopische Regierung die Konzession auf 100.000 Hektar reduzierte und Überschwemmungen massive Ernteausfälle verursachten. Imageschaden brachten Berichte von Human Rights Watch (2012) und Oakland Institute über Land grabbing und Vertreibung von bis zu 70.000 Menschen ("villagisation programme"). In Kenia wurden Karuturis Töchter mit rund 4.000 Beschäftigten, zumeist Frauen, zeitweise unter Zwangsverwaltung gestellt, weil Löhne und Steuern nicht bezahlt wurden. Im Mai 2014 stellte das Unternehmen die Lieferungen an den holländischen Abnehmer Flora-Holland ein, jetzt hat das niederländische Tochterunternehmen Karuturi BV Bankrott angemeldet.

Quellen:GRAIN vom 9. Oktober 2014; Bloomberg vom 4. Mai 2011; CorpWatch Blog vom 2. Oktober 2014; Business Standard vom 13. Februar 2014

November 2014: Eine Million Hektar Land für indischen Milliardär

3. November 2014: Der indische Milliardär Chinnakannan Sivsankaran ist auf dem Weg, einer der größte Landeigentümer der Welt zu werden. Bereits jetzt halten er und seinen zahlreichen, verschachtelten Tochterunternehmen vermutlich rund 1 Million Hektar in Südamerika und Asien, vor allem aber in Afrika. Eine neue Studie von GRAIN, die versucht, seine Geschäfts zu durchleuchten ('Feeding the 1 Percent'), verleiht der Frage ein Gesicht: Wer sind die Finanziers des globalen Land grabbing? Nach GRAIN-Recherchen gehören ihm allein in Kamerun und Sierra Leone jeweils rund 200.000 Hektar, in Papua New Guinea 110.000 Hektar, die überwiegend Palmöl liefern sollen. Bei der Landnahme bedienen sich seine Unternehmen nicht nur fragwürdiger Methoden. Über Steueroasen wickelt das Unternehmen offensichtlich auch eine muntere Spekulationstätigkeit mit Erwerb und Verkauf von Landtiteln ab. Das Beispiel illustriert, dass das ganze Geschäft der Landnahmen nicht zu trennen ist in 'gute' Investoren, die tatsächlich an Agrarproduktion interessiert sind, und in „predatory investment“, in Raubtier-Investitionen - die Akteure sind oftmals die selben, versteckt hinter Tochterunternehmen, Strohfirmen und in Steueroasen.

 

Oktober 2014: Mutiert Konzern-Initiative zu UN-Organisation?

24. Oktober 2014: Am Rande der Tagung des Committee on World Food Security in der vergangenen Woche machten Gerüchte die Runde, es gäbe Pläne für eine neue UN-Ernährungsorganisation, die bei der bevorstehenden 2. Internationalen Ernährungs-Konferenz (International Conference on Nutrition, ICN2) in Rom im November vorgestellt werden könnten. Vorbild dafür sei die Scaling Up Nutrition-Initiative, die im Wesentlichen von Konzernen der Ernährungsindustrie und anderer Sektoren gefördert wird und Ansätze zu besserer Ernährung einschließlich einer Anreicherung von Nahrungsmitteln mit weiteren Nährstoffen propagiert. "We had confirmation from U.N. insiders [and] also from delegates that there is a concrete plan," sagte Stefano Prato, Geschäftsführer von Society for International Development gegenüber Devex. Dagegen dementierte Lucy Sullivan, Direktorin von 1,000 Days, einer Initiative gegen Unterernährung, derartige Vorschläge, eine Parallel-Organisation zur UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO zu schaffen: "There is no effort underway to create a new body entitled UN Nutrition."

Quelle:Devex vom23. Oktober 2014

Oktober 2014: Entwicklungsministerium hilft der Agrarindustrie

23. Oktober 2014: Öffentlich-private Partnerschaften (Public Private Partnership, PPPs), mit denen die deutsche und die internationale ländliche Entwicklungspolitik zunehmend auf Konzerne der Agrar- und Ernährungsindustrie setzt, spielen argumentativ, in der strategischen Schwerpunktsetzung und in der Außendarstellung insbesondere des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine zunehmend zentrale Rolle – auf Kosten der eigentlichen Zielgruppen wie Kleinbauern und Kleinbäuerinnen. Eine neue Studie des Forums Umwelt und Entwicklung ('Entwicklungspolitik goes Agrarindustrie') bietet einen Überblick über die zentralen Initiativen des BMZs, darunter die German Food Partnership (GFP) und die Neue Allianz für Ernährungssicherheit (Neue Allianz), formuliert Schwächen und blinde Flecken des PPP-Ansatzes im Ernährungsbereich und fordert die Bundesregierung auf, offen zu legen, wer im PPP Bereich Entwicklungsgelder erhält sowie alle PPPs im Bereich ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung unabhängig evaluieren. Grundsätzlich sollten Agrarkonzerne im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit weder politisch noch finanziell gefördert werden.

Quelle:Pressemitteilung des Forum Umwelt & Entwicklung vom 23. Oktober 2014

Oktober 2014: Gentech-Mais löst Streit zwischen Agrarkonzernen aus

16. Oktober 2014: Chinas wachsende Skepsis gegenüber gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln führt zu Konflikten in der global verflochtenen Agrarindustrie. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Schiffe aus den USA mit Mais von chinesischen Behörden zurückgewiesen, weil darin die Gentech-Sorte MIR162 gefunden wurde, die gegen Schädlinge resistent sein soll. Agrisure Viptera, so der Markenname, ist zwar in den USA zugelassen, nicht aber in China. Das US-amerikanische Tochterunternehmen des Saatgutkonzerns Syngenta, der den Mais entwickelt hat, sieht sich jetzt mit massiven Schadensersatzforderungen konfrontiert: Weil es nicht sicher gestellt habe, dass MIR162 auch in China akzeptiert wird, sei es verantwortlich für den Rückgang der Maisexporte nach China - angeblich gegenüber dem Vorjahr um 85 Prozent. Infolgedessen seien auch die Maispreise in den USA gefallen und nach Angaben der National Grain Traders and Feed Association für die Getreideindustrie ein Verlust von bis zu 2,9 Milliarden US-Dollar entstanden. Unter anderem Cargill, der weltgrößte Getreidehändler, verlangt nun Schadenssatz, und auch mehrere Farmer fordern eine Entschädigung in Höhe von einer Milliarde US-Dollar, weil sie durch die Blockade des wichtigsten Exportmarkts für US-Mais Einnahmeverluste hätten.

Quellen:Reuters vom 16. September 2014; GMWatch vom 8. Oktober 2014

Oktober 2014: Pioneer, Tiger und Shoprite trekken nach Norden

3. Oktober 2014: Die Hälfte der 20 größten Konzerne der Agrar- und Ernährungsindustrie in Afrika südlich der Sahara kommen aus Südafrika – und sie sind auf dem Vormarsch. Durch eigene Investitionen und Übernahme einheimischer Unternehmen sind sie mittlerweile in zahlreichen Ländern präsent, mit erheblichen Gewinnmargen. Neben Nahrungsmittelherstellern wie Pioneer Foods, mit 2,2 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz das zweitgrößte Unternehmen hinter Tiger Brands, gehören dazu Supermarktketten wie Shoprite, die inzwischen ein Drittel des Supermarkt-Umsatzes auf dem Subkontinent kontrolliert, und Zuckerkonzerne wie Illovo, der angesichts der Gewinnaussichten zunehmend auf Agrartreibstoffe setzt. Eine Grundlage für ihre Expansion, so eine Studie („Africa an El Dorado for South Africa's Agribusiness Giants“) des African Centre for Biosafety, sei der wachsende Wohlstand von Mittelschichten. Sie erhalten aber auch kräftige Unterstützung durch die staatliche Public Investment Corporation (PIC) Südafrikas und attraktive Investitionsbedingungen in den Zielländer. Mit ihrer Marktmacht und ihren Wettbewerbsvorteilen überrollen sie die relativ schwach entwickelten Märkte in anderen afrikanischen Ländern, warnt die Studie. Sie drücken die Produzentenpreise und verdrängen den informellen Handel und blockieren so eine eigenständige Entwicklung der Landwirtschaft, der Verarbeitungsindustrie und des Einzelhandels. Die Studie gibt damit auch Aufschluss über die möglichen Auswirkungen nicht-afrikanischer Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne, die ebenfalls zunehmend auf den afrikanischen Markt drängen.

September 2014: Mit Agrarökologie und Gentech die Welt ernähren

30. September 2014: FAO-Generalsekretär José Graziano da Silva hat einen "Paradigmen-Wechsel" ausgerufen: "We cannot rely on an input intensive model to increase production", sagte er in Rom bei der Eröffnung der 24. Sitzung des Committee on Agriculture (COAG), einem Fachbeirat der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, "the solutions of the past have shown their limits". Besonders der Einsatz von Wasser und Chemie in der Landwirtschaft müssten verringert werden. Ansätze wie Agrarökologie und 'Klima-smarte Landwirtschaft' sollten daher "erforscht" werden. Im gleichen Atemzug fordert er allerdings auch die Förderung von Bio- und Gentechnologie. Nur ein "inclusive approach based on science and evidences, not on ideologies" könne die Welternährung sichern.

Quelle:Pressemitteilung der FAO vom 29. September 2014

September 2014: Beschränkte Partnerschaften im Agrarbereich

25. September 2014: Regierungen, staatliche und nichtstaatliche Entwicklungsorganisationen kooperieren immer häufiger mit privaten Investoren im Agrarbereich. Der Anspruch, dass dadurch auch kleinbäuerliche Betriebe einbezogen würden, wird kaum eingelöst, heißt es in einer Studie von Fairtrade International ("A Seat at the Table? Ensuring smallholder farmers are heard in Public-Private Partnerships, September 2014). In Ghana, Malawi und Kenia wurden Öffentlich-private Partnerschaften (PPPs) untersucht und festgestellt, dass die Interessen, Bedürfnisse und Prioritäten von Kleinbauern und -bäuerinnen häufig ignoriert würden. Foren für Verhandlungen 'auf Augenhöhe' mit Vertretern von Regierungen und Agrarunternehmen gebe es kaum. PPPs könnten daher dazu führen, "lokale soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten zu vergrößern und Armut zu verschärfen".

Siehe dazu den Bericht in: The Guardian, 1. September 2014

September 2014: Weitere Konzentration in der Düngerindustrie

23. September 2014: In der Düngerindustrie läuft seit Jahren ein Konzentrationsprozess ab, getrieben von Überkapazitäten und stagnierenden Märkten in vielen Industrieländern. In diese Entwicklung passt jetzt die Mitteilung des norwegischen Konzerns Yara, man sei "in discussions with CF Industries regarding a potential merger-of-equals transaction". Die beiden Unternehmen gehören zur Spitzengruppe der zehn Größten ihrer Branche, gemeinsam hatten sie 2012 ein Nettoeinkommen von über 3,6 Milliarden US-Dollar. Neben der Unternehmenskonzentration steht die Suche nach neuen Absatzmärkten. Afrika, dessen Düngerverbrauch weit unterhalb des weltweiten Durchschnitts liegt, scheint da vielversprechend. Yara, der größte Produzent von Stickstoff-Dünger, versucht seit Jahren mit einer systematischen Lobby- und Vermarktungsstrategie, dieses Potential in Geschäft und Gewinn umzusetzen - ähnlich wie die internationale Saatgut-Industrie. Diese Bestrebungen werden in einer neuen Studie des African Centre for Biosafety ("The political economy of Africa's burgeoining chemical fertiliser rush") analysiert: Demnach gehört Yara zu den wichtigsten privatwirtschaftlichen Akteuren in der Alliance for a Green Revolution for Africa (AGRA), die unter anderem von der Bill&Melinda Gates Foundation gefördert wird, und der New Alliance for Food Security and Nutrition der G8-Regierungen.

Update 17. Oktober 2014: Weil "we were ultimately unable to agree on terms of a transaction that met the requirements of all our respective shareholders" wurden die Verhandlungen, durch die ein Düngemittel-Gigant mit 30 Milliarden US-Dollar Umsatz entstanden wäre, inzwischen abgebrochen.

Quelle:agrimoney vom 17. Oktober 2014

September 2014: Lufthansa steigt in den Anbau von Energiepflanzen ein

20. September 2014:Lufthansa bereitet einen Investitionsfonds vor, um seine Versorgung mit Kerosin aus Energiepflanzen zu verstärken. Der Fonds, der zunächst über 600 Millionen US-Dollar verfügen soll, soll unter anderem in Kamerun und Osteuropa Ländereien erwerben, um Jatropha und Leindotter anzubauen. Das berichtete der Informationsdienst Agri Investor Anfang September. Angestrebt sei eine Fonds-Rendite von mehr als 20 Prozent. Bereits vor drei Jahren testete Lufthansa den Einsatz von Kerosin aus Energiepflanzen, die in Mosambik angebaut wurden. Entwicklungsorganisationen wie INKOTA warnten damals davor, dass dadurch Land grabbing vorangetrieben werden könnte. Ob beim Landerwerb jetzt Richtlinien für verantwortungsbewusste Investitionen im Agrarbereich, wie sie gegenwärtig in der UN-Agrarorganisation FAO verhandelt werden, berücksichtigt werden sollen, wird nicht mitgeteilt.  

Quelle:farmlandgrab vom 4. September 2014

September 2014: Expansion der Supermarktketten

18. September 2014: Weltweit expandieren internationale Supermarktketten wie Wal-Mart, Carrefour und Metro, unterstützt durch Freihandels- und Investitionsabkommen, aber auch zunehmend regionale Unternehmen wie Pantaloon Retail in Indien und staatliche Firmen wie Linhua in China. Ihre Einkaufsketten reichen immer weiter hinein in die Landwirtschaft, die Verarbeitung und die Vermarktung. Teils errichten sie eigene Zulieferbetriebe, beispielsweise in der Tierhaltung, teils schließen sie Verträge mit Bauern und anderen Zulieferen, bei denen sie ihre Standards festlegen und ihre Nachfragemacht ausspielen können. Dadurch, so eine aktuelle Studie von GRAIN ('Food Sovereignty for Sale'), verlieren Bauern, kleine Verarbeitungsbetriebe und HänderInnen zunehmend Einkommensmöglichkeiten. Die Studie widerspricht damit Erwartungen, dass diese häufig informellen Wirtschaftsbereiche von einer sogenannten Integration in die Wertschöpfungsketten profitieren würden. 

September 2014: Energiepflanzen bei Investoren begehrt, aber riskant

14. September 2014: Die Agrarenergie-Produktion ist ein treibender Faktor beim internationalen Kampf um Anbauflächen. Eine Studie des German Institute of Global and Area Studies (GIGA) zeigt, dass bei Kauf oder Pachtung von großen Agrarflächen in Entwicklungs- und Schwellenländern der Anbau von Energie-Pflanzen, unter anderem von Jatropha, eine Hauptrolle spielt. Rund 23 Prozent des bislang bekannten Landerwerbs mit Beteiligung internationaler Investoren zielten darauf ab. Die Studie nutzt Daten der Online-Plattform Land Matrix, die großflächige Landinvestitionen beobachtet und dazu Daten sammelt und auswertet. Insbesondere Gebiete in Subsahara-Afrika sind dabei im Visier internationaler Geldgeber. Investoren aus Großbritannien haben mit weltweit 1,5 Millionen Hektar das größte Gebiet im Vergleich zu Firmen aus anderen Staaten unter Vertrag.

Jatropha wird als Alternative zu Agrartreibstoff aus Soja, Rohrzucker und Palmöl gepriesen, weil sie auch in trockenen Savannengebieten wächst. Dort soll sie dem Nahrungsmittelanbau keine Konkurrenz machen. Die Daten der Land Matrix zeigen jedoch, dass Jatropha-Projekte verhältnismäßig oft scheitern. Agrarenergie-Projekte benötigen ein hohes Startkapital und einen langen Atem, um Rendite zu erzielen.

Quelle: GIGA-Pressemitteilung von 26. August 2014. Die Studie zum Download: Kerstin Nolte, Martin Ostermeier, Kim Schultze, Food or fuel - The role of agrofuels in the rush for land. GIGA Focus International Edition English, 05/2014

September 2014: 'Grüne Revolution' will Investoren und Armen helfen

12. September 2014: In der vergangenen Woche fand in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba das 2014 African Green Revolution Forum statt: Der InformationsdienstBrookings: Africa in Focus schreibt darüber: "Over 1,000 participants from government, civil society, the private sector, multilateral institutions and academia attended the Forum to reflect on key strategies for boosting food production and improving food security in Africa. A common thread among the forum’s discussions was the role of governments in catalyzing private sector investment in agriculture and agricultural value chains. According to Strive Masiyiwa, chairman ofAlliance for a Green Revolution in Africa (AGRA), these investments will translate into concrete gains for smallholder farmers because “when businesses, governments, researchers and farmers work together to strengthen our food production and distribution systems, they are seeking commercial success that will be shared across African society—and particularly for the poorest among us.”  The International Institute of Tropical Agriculture (IITA) and several partner organizations also announced the launch of a campaign to boost fertilizer use across the continent from 10 kg/ha to 50 kg/ha by 2015."

Quelle: Brookings: Africa in Focus vom 12. September 2014

September 2014: "Monsanto-Gesetz" in Guatemala gestoppt

9. September 2014: Nachdem das Verfassungsgericht von Guatemala Ende August entschieden hatte, dass ein neues Saatgutgesetz nicht wie geplant Ende September in Kraft treten kann, hat nun das Parlament das Gesetz selbst gekippt. Kritiker befürchten, dass es Konzernen wie Monsanto nahezu unbeschränkte Kontrolle über den Zugang für Bauern zu Saatgut ermöglicht hätte. Die Erarbeitung eines solches Gesetzes ist eine der Bedingungen des Freihandelsabkommen zwischen Zentralamerika, der Dominikanischen Republik und den USA (CAFTA), das 2005 abgeschlossen wurde. Mitte März 2014 hatte bereits die Regierung von Chile ein ähnliches Gesetz angesichts heftiger Proteste zurückgezogen.

Quelle:bilaterals vom 5. September 2014

August 2014: Ukraine-Konflikt, Weltbank und der Weizenpreis

17. August 2014: Wie ein Seismograph regiert die Getreidebörse auf die Entwicklungen in der Ukraine. Schließlich ist das Land mit seinen fruchtbaren Schwarzerdeböden der drittgrößte Mais- und der fünfgrößte Weizenexporteur der Welt: Nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums exportierte es 2013 mehr als 30 Millionen Tonnen Getreide und hat das Potenzial, zum zweitgrößten Getreideexporteur der Welt nach den USA aufzusteigen. Außerdem verfügt die Ukraine über erhebliche weitere Bodenschätze, unter anderem Eisenerz, Kohle, Mangan, Öl und Gas. Deshalb setzen sich Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) massiv für Reformen ein, die die Investitionsbedingungen für ausländische Investoren verbessern sollen: So förderte die Weltbanktochter IFC seit 2012 das Investment Climate Advisory Services Project, das bis 2015 die zahlreichen Vorschriften und Verfahren für die Zulassung von Agrarunternehmen vereinfachen soll. Die Ukraine ist zudem eins von zehn Pilotländern des Weltbank-Projekts 'Benchmarking the Business of Agriculture', das Länder danach einstuft, wie günstig die Investitionsbedingungen für großflächige kommerzielle Investitionen sind. Zu einer guten Position im Ranking gehören Reformen der Landnutzungsrechte, die die Weltbank mit einem Kredit in Höhe von 89 Millionen US-Dollar vorantreibt und die eine Übernahme von Land durch private Investoren erleichtern, die Liberalisierung von Saatgut- und Düngermärkten, die ausländischen Konzernen entgegenkommt, Maßnahmen gegen die Korruption, die Investitionen behindert, und die Aufweichung arbeitsrechtlicher Standards. In den vergangenen Jahren haben ausländische Investoren nach Angaben des Oakland Institute bereits mehr als 1,6 Millionen Hektar Land übernommen, darunter Investitionsfonds aus Saudi-Arabien, das Bergbau-Unternehmen Glencore Xstrata aus der Schweiz, die Renaissance Group aus Rußland und eine Beteiligungsgesellschaft aus Luxemburg, die allein 405.000 Hektar erworben haben soll. Unter der Vorgängerregierung wurde zudem ein Vertrag mit chinesischen Unternehmen über drei Millionen Hektar Land im Osten des Landes abgeschlossen, dessen Bestand allerdings nach dem Regierungswechsel unklar ist. Im Gefolge der Agrar-Investoren, die eine mechanisierte Landwirtschaft vorantreiben, erwarten Unternehmen wie der Landmaschinen-Konzern Deere und Unternehmen für Saatgut und Agrarchemie wie Monsanto und DuPont vielversprechende Wachstumsmärkte. Beobachter fürchten, dass unter dem Druck der Agrarlobby das bisherige Verbot von Gentechnologie in der Landwirtschaft aufgeweicht werden könnte: So hat Monsanto, Marktführer für gentechnologisch verändertes Saatgut, sein 'Grain basket of the Future'-Projekt in der Ukraine angesiedelt.

Quelle: 'Walking on the West Side. The World Bank and the IMF in the Ukraine Conflict'. The Oakland Institute, 2014. Siehe auch: Kanya D'Almeida, 'Ukraine: Land Grabbing im Brotkorb Europas', IPS-Inter Press Service, 1. August 2014, und den Globe-spotting-Beitrag: 'Ukraine-Konflikt bedroht Agrarinvestoren'.

August 2014: Aktualisierte Neuauflage von 'Agropoly'

12. August 2014: Die aktualisierte Neuauflage der Broschüre 'Agropoly - wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion' dokumentiert den Konzentrationsprozess in der Nahrungsmittelerzeugung und zeigt in zahlreichen Schaubildern, wie immer weniger Firmen Preise, Geschäftsbedingungen und zum Teil auch die politischen Rahmenbedingungen diktieren können. Aus der Ankündigung: "Saatgut, Jungtiere, Futtermittel, Dünger – was früher auf dem Bauernhof selbst produziert werden konnte, sind heute separate Sektoren der industrialisierten und globalisierten Wertschöpfungskette für Nahrungsmittel. Dazu gehören auch der Handel, die Verarbeitung und der Verkauf von Lebensmitteln. Das schwächste Glied in dieser Kette sind diejenigen, welche die Lebensmittel anbauen und produzieren: die Bäuerinnen und Bauern. Besonders Kleinbauern im Globalen Süden geraten im Zuge des Konzentrationsprozesses in der Nahrungsmittelproduktion immer mehr unter Druck. Ihr Recht auf Nahrung kann vielfach verletzt werden: durch Patente auf Saatgut, Verdrängung vom Land, unfaire Arbeitsbedingungen, zu niedrige Preise oder die Verdrängung von informellen Märkten. Download (pdf-Datei 232kb), Bestellung für die Druckversion: Forum Umwelt und Entwicklung

August 2014: Internationale Kampagne gegen ProSavana

6. August 2014: Zivilgesellschaftliche Organisationen und soziale Bewegungen aus Mosambik, Japan und Brasilien haben vereinbart, gemeinsam eine internationale Kampagne gegen das agrarindustrielle Großprojekt ProSavana zu starten. Auf die Einrichtung der riesigen Agrar-Wirtschaftszone im sogenannten Nacala-Korridor in Zentral-Mosambik haben sich die Regierungen von Mosambik, Japan und Brasilien verständigt. Vorbild ist die Umwandlung der Savannenregion Cerrado in Brasilien in eines der wichtigsten Anbaugebiete von Soja. Nach Aussage von Ana Paula Taucale von der mosambikanischen Entwicklungsorganisation UNAC sind die negativen Auswirkungen des Vorhabens auf die lokale Bevölkerung bereits zu spüren, mehrere tausend Familien seien vertrieben worden.

Quelle:farmlandgrab vom 25. Juli 2014

August 2014: Kritik an Allianz für 'klima-smarte Landwirtschaft'

4. August 2014: Beim UN-Klimagipfel in New York im September soll eine neue "Global Alliance for Climate-Smart Agriculture" vorgestellt werden, mit der Unternehmen, Regierungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Wissenschaftler Einfluss auf die Landwirtschaftspolitik nehmen wollen. Zahlreiche entwicklungs- und umweltpolitische Organisationen befürchten, dass damit eine weitere Institution entstehen wird, die die Interessen der Konzerne im Agrarbereich vertreten wird, und erklären in einem Offenen Brief, dass sie sich an der Allianz vorerst nicht beteiligen werden:

"Many of us are aware of the growing influence of "Climate Smart Agriculture" rhetoric in climate and food policy, particularly in the global South. GM and agribusiness corporations already claim that their crops are "Climate Smart". The Alliance has no social or environmental criteria for institutions who may join, or any definitions for what "climate smart" really means. Without clarity on the Alliance's power structures and decision making processes, we are concerned that it may become an unaccountable platform that will push policies favouring corporate interests, undermining other more democratic UN processes, and rendering farmers and food systems more vulnerable to climate change."

Siehe dazu den Globe-spotting-Beitrag: "Was, zum Teufel, ist 'Klima-smarte Landwirtschaft'?" und das Stichwort: 'Klima-smarte Landwirtschaft'

Juni 2014: 'Goldener Reis' floppt beim Feldversuch

24. Juni 2014: Für Kritiker ist das Projekt "Goldener Reis" so etwas wie ein zweifaches Trojanisches Pferd: Gentechnisch veränderter Reis soll den verbreiteten Vitamin-A-Mangel, an dem Millionen Menschen, vor allem Mütter und Kinder, leiden, verringern, so die Versprechungen. Damit würde ein Durchbruch bei gv-Nahrungsmitteln erreicht, bislang noch ein Tabu, und gleichzeitig die Strategie der Anreicherung von Nahrungsmitteln durch Nährstoffe (Biofortification) vorangetrieben - beides zentrale Anliegen der Agrar- und Ernährungsindustrie, um ihre Geschäfte auszuweiten. Reis als das wichtigste Grundnahrungsmittel in vielen Ländern der Welt schien dafür das geeignete Vehikel, ein weiterer Kandidat ist Mais. Doch trotz Fördermitteln in Millionenhöhe, unter anderem von der Bill & Melinda Gates Foundation, und des persönlichen Segens des Papstes kommt das vor 15 Jahren gestartete Projekt, koordiniert vom Internationalen ReisforschungsinstitutIRRI auf den Philippinen, bislang nicht über Feldversuche in den USA, den Philippinen und Bangladesh hinaus. Jetzt meldet IRRI einen kleineren GAU: die Auswertungen dieser Feldversuche auf den Philippinen haben ergeben, "dass die durchschnittlichen Erträge niedriger waren als bei vergleichbaren lokalen Sorten". Damit ist der Plan, den Wunder-Reis in einer großangelegten Kampagne auf die Felder von Millionen Bauern zu bringen, erst einmal wieder in weite Ferne gerückt. Weitere Forschung sei notwendig, um höhere Erträge sicher zu stellen, heisst es von IRRI, "was zu einer Verzögerung in der Zeitplanung führt". Das heißt, nicht finstere Machenschaften von Greenpeace verhindern den Einsatz, wie der 'Golden Rice'-Propagandist Patrick Moore unter anderem in der taz vom 25. Juni 2014 verbreitet, sondern Praxistauglichkeit für Kleinbauern und - bei Gentech-Forschung nicht immer selbstverständlich - wissenschaftliche Standards. Dennoch halten IRRI und Partner an dem Projekt fest, das ihnen schließlich weitere Forschungsmittel sichert - obwohl sich anscheinend auch Trojanische Pferde vergaloppieren können.

Quelle:GMWatch vom 13. Mai 2014, dort auch die Erklärung von IRRI vom 13. Mai 2014

Juni 2014: Exporteure fordern Zulassung von Gentech-Weizen

11. Juni 2014: Agrarverbände aus den Getreide-Exportländern USA, Kanada und Australien fordern die Kommerzialisierung von gentechnisch verändertem Weizen. In einer gemeinsamen Stellungnahme von Anfang Juni kündigen sie an, "die Nutzung von Innovationen zu unterstützen und zu fördern, die helfen, Probleme der globalen Ernährungssicherheit zu lösen". Deshalb sollten Handelshindernisse in exportierenden und importierenden Ländern, die "aus unterschiedlichen Zulassungsverfahren resultieren", und unvernünftige, unwissenschaftliche Regulierungssysteme beseitigt werden.

Juni 2014: Gentech-Kontamination als "Naturereignis"

11. Juni 2014:"Michael Baxter, a farmer accused of contaminating his neighbor's crops with genetically modified (GM) canola has won a landmark case in the West Australian Supreme Court. Baxter was sued by his neighbor Steve Marsh, an organic certified farmer who alleged that his farm in the Great Southern region was contaminated by GM material blown onto his property from Baxter's land.

Marsh claimed that the contamination caused him to lose his organic certification on more than half his property for almost three years. But Justice Kenneth Martin said Mr. Baxter could not be held responsible just for growing a GM crop in a conventional way. Justice Martin added in his judgment summary that the ends of season winds and the blowing of swathes had not been an outcome intended by Mr. Baxter and that he was not to be held responsible as a broadacre farmer merely for growing a lawful GM crop and choosing to adopt a harvest methodology (swathing) which was entirely orthodox in its implementation."

Quelle:Crop Biotech Update vom 11. Juni 2014

Mai 2014: Nächste Generation von Genpflanzen und Herbiziden

27. Mai 2014: Der Agrarkonzern Dow AgroSciences verstärkt seine Bemühungen, die Zulassung für neue gentechnisch veränderte Sojasorten zu bekommen. Sie sollen resistent sein gegen das Herbizid 2,4-D, das Teil des Chemiecocktails "Agent Orange" war, der von den USA im Vietnamkrieg als Entlaubungsmittel eingesetzt wurde, und heute von dem Saatgut- und Chemiekonzern unter dem Markennamen Frontline vertrieben wird. Bislang hat von den wichtigen Sojaproduzenten nur Kanada die neuen gv-Sorten zugelassen, Zulassungsverfahren laufen in den USA, Argentinien und Brasilien, Südafrika hat bereits die Einfuhr erlaubt.

Quelle:GRAIN, "2,4-D soy: waging war on peasants", 26 May 2014

Mai 2014: 'Neue Afrika-Politik' des BMZ - agrarpolitisch nix Neues

17. Mai 2014: Unter dem modisch-optimistischen Slogan 'Afrika auf dem Weg vom Krisen- zum Chancenkontinent' hat das Entwicklungsministerium BMZ, geführt vom CSU-Mann Gerd Müller, seine 'neue Afrika-Politik' vorgestellt. Zumindest was die Agrarentwicklung betrifft, ist daran wenig Neues zu erkennen. Zwar wird eine BMZ-Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger" angekündigt, für die weltweit eine Milliarde Euro bereitgestellt werden soll. Die Maßnahmen orientieren sich aber nach wie vor am afrikanischen Entwicklungsprogramm für die Landwirtschaft, CAADP, das von den meisten Regierungen eher halbherzig umgesetzt wird. Außerdem wird die Politik des Vorgängers Dirk Niebel fortgesetzt, sich an der umstrittenen New Alliance der G8-Staaten zu beteiligen und darin die Zusammenarbeit zwischen BMZ, USAID, der britischen Entwicklungsbehörde DFID und Äthiopien zur Reorganisation der Landnutzung auszubauen. Besonders die DFID sieht sich seit einiger Zeit in der Kritik, Vertreibungen in Äthiopien zu unterstützen (Siehe Meldung vom April 2013). Als Vorbild für die 'neue Politik' wird außerdem die seit 2009 vom BMZ, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, GIZ, und der Bill&Melinda Gates-Stiftung unterstützte Afrikanische Cashew-Initiative zitiert, mit der die Ernährungsindustrie (Kraft Foods, Olam International, u.a.) versucht, sich mit Entwicklungsgeldern ihren Nachschub zu sichern. Auch die angekündigten zehn "Grünen Zentren für nachhaltige landwirtschaftliche Wertschöpfung" atmen den alten Geist der sogenannten Entwicklungspartnerschaften, sollen sie doch gemeinsam mit der deutschen Agrarwirtschaft aufgebaut werden.

Mai 2014: "Keine Entwicklungshilfe für Agrarkonzerne!"

6. Mai 2014: Die Bekämpfung von Armut und Hunger durch landwirtschaftliche und ländliche Entwicklung ist einer der drei Schwerpunkte, mit denen Gerd Müller, Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in der Großen Koalition, Profil gewinnen gewinnen will - in Abgrenzung gegen seinen wirtschaftsliberalen Vorgänger Dirk Niebel. Da darf man gespannt sein, wie er auf die Forderung von zehn Nichtregierungsorganisationen reagieren wird, ein Projekt seines Vorgängers zu kippen und "Keine Entwicklungshilfe für Agrarkonzerne" einzusetzen. Die Rede ist von der German Food Partnership (GFP) und der New Alliance for Food Security and Nutrition der G8-Regierungen, durch die - so die Kritik - Agrarkonzernen der Zugang zum Saatgut- und Pestizidmarkt in Ländern des globalen Südens geebnet werden soll. Gleichzeitig würden durch Investitionsprogramme nicht nur Landkonflikte geschürt, sondern auch die Existenzbedingungen von Millionen kleinbäuerlichen Betrieben gefährdet - und damit Armut und Hunger verstärkt. In einem Bericht und einem Posititionspapier werden die Folgen dieser "Gefährlichen Partnerschaft" zwischen Agrarindustrie und Entwicklungspolitik analysiert.

Siehe dazu auch die Studie"'Business Case' Hungerbekämpfung" von Benjamin Luig.

Mai 2014: Erster Auftritt von Chinas Premier in Afrika

4. Mai 2014: Chinas Premierminister Li Keqiang wird zwischen dem 4. und dem 11. Mai 2014 Äthiopien - und dort auch den Hauptsitz der African Union, AU -, Nigeria, Angola und Kenia besuchen, sein erster Trip nach Afrika seit seiner Amtsübernahme und seine erste Auslandsreise 2014. In Nigeria wird er am World Economic Forum on Africa in der Hauptstadt Abuja teilnehmen.

Quelle: ecdpm, The Weekly Compass, 2 May 2014. Dazu auch ein Interview in Capital News vom 30. April 2014

Mai 2014: Chinesische Bauern in Sambia - ein Interview

3. Mai 2014: Die Literatur über das Engagement Chinas in Afrika ist kaum noch zu überschauen, auch wenn es zum Agrarbereich verhältnismäßig gibt, beispielsweise das Buch von Deborah Brautigam ('The Dragon's Gift') und zunehmend Informationen über chinesische Agrarinvestitionen in Mosambik. Da bietet der aktuelle GREAT Insights Podcast 'Chinese Investments In Africa' mal einen anderen Zugang: "In this podcast we have two in-depth interviews to further explore, and perhaps challenge, preconceptions. On a macro level, Professor Xiaoyang Tang from Tsinghua University in Beijing considers if Chinese Special Economic Zones (SEZs) have been successful or not in several African countries; and on a micro level, China-Africa researcher Solange Guo Chatelard talks to ECDPM about the integration of migrant Chinese farmers and farming practices in Zambia."

Quelle:European Centre for Development Policy Management (ECDPM) Weekly Newsletter, 2 May 2014

April 2014: Weltbank prüft Investitionen in Kautschukplantagen

2. April 2014: Die Weltbank-Tochter International Finance Corporation, IFC, lässt intern ihre Investitionen in den vietnamesischen Konzern Hoang Anh Gia Lai (HAGL) untersuchen. Der Konzern, der unter anderem riesige Kautschukplantagen in sogenannten 'Ökonomischen Landkonzessionen' im Nordosten Kambodschas betreibt, steht wegen Land grabbing und Abholzung in der Kritik von indigenen Bevölkerungsgruppen und NGOs. Im vergangenen Jahr hat die britische Entwicklungsorganisation Global Witness einen Bericht und einen Film ('Rubber Barons') vorgelegt, in dem HAGL illegaler Landbesitz und Holzeinschlag vorgeworfen werden.

Quelle:The Phnom Penh Post vom 23. April 2014

April 2014: Europäische Agrarinvestoren entdecken Sambia

15. April 2014: Private und öffentliche Finanzinvestoren engagieren sich zunehmend in Sambia im südlichen Afrika, so das Ergebnis einer Studie der Menschenrechtsorganisation FIAN über die Rolle europäischer Agrarinvestoren. Darunter ist die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, DEG, die im Auftrag der Bundesregierung die Privatwirtschaft fördern soll. Als 'Unterstützung für die Grundnahrungsmittelproduktion' erhielt beispielsweise Zambeef, der größte Agrarkonzern in Sambia, der mindestens 100.000 Hektar Ackerland hält, einen Kredit in Höhe von 15,2 Millionen Euro, einen weiteren in Höhe von 28,7 Millionen Euro von der International Finance Corporation, IFC, die zur Weltbankgruppe gehört. "Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert die Konzentration von Land und verschärft die Diskriminung der Kleinbauern beim Zugang zu produktiven Ressourcen", erklärt Roman Herre, Autor der Studie und FIAN-Agrarreferent. Auch die Investmentfirma Amatheon Agri mit Sitz in Berlin hat sich die Nutzungsrechte an über 30.000 Hektar Land gesichert und verspricht, 50 Millionen US-Dollar in den Anbau von Soja, Weizen und Gerste sowie in Viehzucht zu investieren. Zudem kündigte der zweitgrößte Zuckerkonzern Europas, Nordzucker, an, in das Zuckerrohrgeschäft in Sambia einzusteigen.

Quelle:Pressemitteilung von FIAN vom 15. April 2014

April 2014: Dünger und Diesel treiben Treibhauseffekt

11. April 2014: Nach neuen Schätzungen der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO könnten die Treibhausgas-Emissionen durch Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischfang bis 2050 um 30 Prozent steigen, wenn sich der gegenwärtige Trend fortsetzt. Danach stiegen die Emissionen der Land- und Viehwirtschaft zwischen 2001 und 2011 von 4,7 auf 5,3 Milliarden Tonnen CO2-Equivalent, vor allem durch die Ausweitung der Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Emissionen durch Entwaldung stiegen um annähernd zehn Prozent. Gleichzeitig würden jährlich rund zwei Milliarden Tonnen durch 'Senken' wie neue Wälder aus der Atmosphäre entfernt. Die größte Emissionsquelle ist hiernach die Methanerzeugung durch Vieh mit einem Anteil von 39 Prozent. Leider schlüsselt die FAO die Emissionen nicht nach industrieller und kleinbäuerlicher Landwirtschaft auf. Ein Hinweis auf die wachsende Bedeutung der Industrialisierung ist aber, dass die Emissionen durch synthetischen Dünger und Energieeinsatz zweieinhalb schneller wachsen als der Durchschnitt und mittlerweile rund 30 Prozent der Emissionen der Landwirtschaft ausmachen.

Quelle:Pressemitteilung der FAO vom 11. April 2014.

April 2014: Rindern, Bauern und Seen wird das Wasser abgestellt

9. April 2014: Im Mai wird der umstrittene Staudamm Gibe 3 in Äthiopien geschlossen werden und der Stausee zunehmend Land überfluten. Unterhalb des Damms im Tal des Omo-Flusses wird daher seit einigen Jahren beschleunigt die Erschließung von Weideland für staatliche Zuckerrohr-Plantagen mit neuen Straßen und Bewässerungskanälen vorangetrieben. Das würden neue Satellitenaufnahmen zeigen, berichten Human Rights Watch und International Rivers. Die bisherigen Nutzer seien weder ausreichend informiert noch entschädigt, geschweige denn um ihre Zustimmung gefragt worden. 

Der Staudamm ist Teil des Projekts der Regierung, im Unterlauf des Omo kommerzielle Landwirtschaft zu etablieren. Finanziert wird dieses Programm zum Teil durch Großbritannien und die USA, die deshalb in die Kritik geraten sind. Denn für die Ländereien wurden rund 150.000 nomadische Viehhalter mehr oder minder gezwungen, sich in neuen Dörfern anzusiedeln ("Villagization Programm"). Wenn das Wasser auf die Plantagen umgeleitet wird, sind zudem die Lebensbedingungen von schätzungsweise 500.000 Menschen in Äthiopien und im benachbarten Kenia bedroht. Unter anderem könnte der Turkana-See austrocknen.

Quelle:Pressemitteilung vom 19. Februar 2014, mit Links zu einem Video und einer Präsentation mit weiteren Informationen über die Situation. Siehe dazu auch Uwe Hoering, Äthiopien - Wasser für Entwicklung (Download)

April 2014: China zahlt Lehrgeld in Mosambik

4. April 2014: Unweit der mosambikanischen Hauptstadt Maputo liegt in der Provinz Gaza das Bewässerungssystem Xai-Xai, mit 12.000 Hektar das zweitgrößte des Landes. Angelegt während der portugiesischen Kolonialzeit im fruchtbaren Schwemmland des Flusses Limpopo, verfiel es während des langjährigen Bürgerkriegs nach der Unabhängigkeit. Nachdem japanische Pläne scheiterten, es zu rehabilitieren, schloss die Regierung 2006 mit dem staatlichen chinesischen Unternehmen Hubei Lianfeng einen Vertrag, das Gebiet und weitere 8.000 Hektar für den Reisanbau nutzbar zu machen, wofür auch kommunale und individuelle Landnutzungsrechte widerrufen wurden. Doch Lianfeng, überfordert mit der Kooperation mit afrikanischen Bauern und korrupten Machenschaften von Mitgliedern der Regierungspartei Frelimo, die sich Landrechte sicherten, rief 2011 das private Unternehmen China Wanbao Oil and Grain zu Hilfe, das ankündigte, innerhalb von drei Jahren 250 Millionen US-Dollar in die Instandsetzung der Bewässerung, in den Bau von Straßen, Lagerhäusern und eines Kraftwerks, in die Beratung der Bauern und verbessertes Saatgut zu investieren. Laut Vertrag soll der Reis, der dort anscheinend auch mit chinesischen Vertragsbauern angebaut wird, nicht für den Export nach China, sondern für die einheimische Versorgung verwendet werden. Beobachter vermuten allerdings, dass das Unternehmen den lukrativen Markt in Nachbarländern wie Südafrika im Auge hatte. Doch die erste Ernte von Reis und Mais auf 7.000 Hektar - so die Angaben des Unternehmens - wurde durch Überschwemmungen weitgehend vernichtet. Und jetzt klagen Nichtregierungsorganisationen, bis zu 80.000 Menschen hätten durch das Projekt den Zugang zu Feldern und Weiden verloren. Zwar halten unabhängige Beobachter die Zahl für überhöht - dennoch sieht sich das chinesische Unternehmen  mit dem Vorwurf des Land grabbing konfrontiert, auch wenn es dabei tatkräftig durch die Regierung gefördert wurde.

Quelle: "China accused of stealth land grab over Mozambique's great rice project". In: The Ecologist, 30 November 2013. Siehe auch: Ana Sofia Ganho, "'Friendship' Rice, Business, or 'Land-grabbing'?" LDPI Working Paper 32, May 2013.

April 2014: Wettbewerb um günstigste Investitionsbedingungen

3. April 2014: Die Einstufung ("Benchmarking") im Index der Weltbank für das 'Investitionsklima' ('Doing Business' rankings) haben viele Entwicklungsländer dazu gebracht, ihre Volkswirtschaften zu deregulieren, in der Hoffnung, dadurch Investoren anzulocken. Denn bei diesem Wettbewerb bestimmt die Weltbank die Regeln, nach denen die Bedingungen, die ein Engagement von Investoren erleichtern würden, festgesetzt werden. Doch die Kriterien, die die Weltbank als günstig für ausländische Investoren betrachtet, sind oft das exakte Gegenteil von dem, was gut ist für Bauern und Tierhalter. Unter anderem werden möglichst einfache Verfahren, Land an Investoren zu verkaufen oder zu verpachten, als positiv bewertet. Entsprechende rechtliche Maßnahmen können dann zwar die Position im Weltbank-Index verbessern, beschleunigen aber die Vertreibung von einheimischen Bevölkerungen. Deshalb hat die Lobbyorganisation Oakland Institute eine Analyse der Wirkungen dieser Ranglisten ("Willful Blindness. How World Bank's Country Rankings Impoverish Smallholder Farmers") vorgelegt und gemeinsam mit anderen Organisationen die Unterschriften-Kampagne 'Our Land, Our Business' gestartet, um diesen Druck auf Land grabbing anzugehen. In Hintergrundinformationen (Policy Briefs) zu zahlreichen Ländern, darunter Sierra Leone und Liberia, wird deutlich, wie die Weltbank-Politik bereits die Änderung der Landgesetzgebung und damit die Ausweitung von Zuckerrohr- oder Ölpalmen-Plantagen gefördert hat. Das Oakland-Institut befürchtet jetzt eine Verschärfung dieser Entwicklung durch ein neues Programm, angestoßen durch die Regierungen der G8-Länder und finanziert von der Bill&Melinda Gates Stiftung: "Benchmarking the Business of Agriculture" hat das Ziel, durch die Bewertung des Investitionsklimas in der Landwirtschaft "die Entstehung eines starken kommerziellen Agrarsektors" zur fördern.

Update 8. Juni 2014: Siehe auch Alice Martin-Préval, Corporatising agriculture: World Bank's rankings facilitate land grabs. Bretton Woods Project, May 2014

März 2014: Chinas Getreidehändler auf Einkaufstour

22. März 2014: Der größte Getreidehändler Chinas, der staatliche Lebensmittelkonzern Cofco, will einen Anteil von 51 Prozent am holländischen Getreidehandel-Unternehmen Nidera übernehmen. Durch die Übernahme, deren Preis auf mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, verbessert der Staatskonzern, der häufig im Auftrag der Regierung Agrarimporte tätigt, seinen Zugang zu Anbaugebieten in Lateinamerika und Osteuropa. Der Deal ist Teil der Bestrebungen Chinas, seinen Bedarf zunehmend auf dem Weltmarkt zu decken, der gegenwärtig von den US-amerikanischen Konzernen ADM, Bunge und Cargill und dem französischen Unternehmen Louis Dreyfus Commodities dominiert wird. Um aufzuholen und zu einem Global Player im Agrarhandel zu werden, so erklärte Cofco vor zwei Jahren, würde dem Unternehmen eine 'Kriegskasse' für Übernahmen und Gemeinschaftsunternehmen in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stehen.

Quellen:Financial Times vom 5. März 2014; Wall Street Journal vom 28. Februar 2014

März 2014: Dokumentation über 'Landgrab' für deutschen Kaffee

12. März 2014: Seit Jahren setzt sich die Menschenrechtsorganisation FIAN für die rund 4.000 Menschen ein, die vor über zehn Jahren durch die neue Plantage von Kaweri Coffee Plantations im westlichen Uganda vertrieben wurden. Kaweri ist ein Tochterunternehmen des Kaffeekonzerns Neumann Kaffee Gruppe in Hamburg, der jede Verantwortung für diese Vertreibungen abstreitet. Aufsehen erregte der Fall im Juni vergangenen Jahres, als der damalige Entwicklungsminister Dirk Niebel FIAN schriftlich aufforderte, die „öffentliche Darstellung des Falls zu überdenken“. Jetzt hat FIAN eine umfassende Dokumentation vorgelegt ("Coffee to Go"), in der auch die menschenrechtliche Verantwortung der Neumann-Gruppe und der Bundesregierung diskutiert wird.

Februar 2014: Absatzmärkte schaffen durch Philanthropie

25. Februar 2014: Der Saatgut- und Agrarchemiekonzern Monsanto ist bekannt dafür, dass er gegen Bauern, denen er eine Verletzung seiner Patentrechte vorwirft, rigoros vorgeht. Afrikanischen Bauern gegenüber zeigt er sich jetzt großzügig, indem er Keimplasma, technische Beratung und Genmaterial, das die Widerstandsfähigkeit von Mais gegen Trockenheit und Schädlinge verbessern soll, kostenlos für ein Projekt zur Entwicklung neuer Maissorten für Afrika bereit stellt. WEMA (Water Efficient Maize for Africa) wird von der African Agricultural Technology Foundation, AATF, mit Sitz in Kenia und dem International Maize and Wheat Improvement Center, CIMMYT, durchgeführt und von der Bill und Melinda Gates-Stiftung und der Howard G. Buffet-Stiftung sowie USAID finanziert, die auch an der Entwicklung neuer Reissorten beteiligt sind (Siehe Beitrag 'NEWEST rice for Africa'). Verkündet wird, dass die neuen gentechnisch entstandenen Sorten in zwei bis drei Jahren in Ostafrika, Mosambik und Südafrika auf den Markt kommen können.

Quelle: WEMA Website

Februar 2014: Wie Afrikas Regierungen die 'New Alliance' umsetzen

23. Februar 2014: "Launched in 2012, the G8'sNew Alliance for Food Security and Nutrition aims to transform the nature of agriculture and food production in Africa. Controversially, it gives agribusiness a seat at the table alongside governments and aid donors. As part of the initiative, African governments have said they will make their countries more attractive to private investors. The interactive data sets and infographic, set up by the Guardian, allows you to explore the promises that have been made and where."

Quelle:ECDPM'sWeekly Compass, 21st February 2014

Februar 2014: Unilever erklärt sich zur "größten NGO der Welt"

20. Februar 2014: "We’re the world’s biggest NGO," erklärte Unilever-Chef Paul Polman vergangene Woche bei einer Konferenz, "we’re a non-government organization. The only difference is, we’re making money so we are sustainable." Als eines der weltweit größten Unternehmen im Konsumgüter- und Nahrungsmittelbereich verdiente Unilever im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 67 Milliarden US-Dollar mit einem Gewinn von 7,2 Milliarden US-Dollar in der Tat ganz gut. Aus dem Eingeständnis, dass wir in einer "befremdlichen Welt leben, in der Macht zunehmend bei immer weniger Personen konzentriert ist", zog Polman den Schluss, dass "Größe und Reichweite enorme Möglichkeiten bieten, Märkte zu transformieren." Als Beispiel dafür nannte er "unsere Marke Knorr, die hilft, Ernährungssicherheit zu schaffen." Mit einem Sustainable Living Plan will das Unternehmen 'die Umweltauswirkungen unserer Produkte bis 2020 halbieren, eine halbe Million Kleinbauern aus der Armut befreien und einer Million Menschen helfen, Gesundheit und Wohlergehen zu verbessern'. "It’s very clear with the population growing, that we can double our business," sagte Polman. Aber dieses Wachstum sollte ohne die Zerstörung von Wäldern erfolgen und positive soziale Auswirkungen fördern. Unilever hat sich aktiv am UN High Level Panel on Post-2015 Development Agenda beteiligt, damit neben den Ansichten von Regierungen, Wissenschaft und NGOs auch die Unternehmensperspektive zum Tragen kommt. Das Unternehmen beteiligt sich auch an Scaling Up Nutrition, einer Initiative, die Hunger und Mangelernährung durch Nährstoffanreicherung von Lebensmitteln beseitigen will.

Quelle:Center for Global Development vom 18. Februar 2014. Siehe dazu auch: Benjamin Luig, 'Business Case' Hungerbekämpfung. Download (pdf-Datei)

Februar 2014: Agrarchemiekonzern DuPont sackt Zivilgesellschaft ein

19. Februar 2014: Der Saatgut- und Agrarchemiekonzern DuPont ("We are evolving how we think about food and nutrition security"), zu dem unter anderem das Saatgutunternehmen Pioneer gehört, vermeldet, dass er zwei "führende" Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen für sein Advisory Committee on Agricultural Innovation and Productivity for the 21st Century gewonnen hat: Jason Clay, Vizepräsident des World Wildlife Fund (WWF), "works with corporations to transform the global markets in which they operate to produce more with less land, less water and less impact", und Dr. Ruth K. Oniang’o, "founder and executive director of Rural Outreach Africa, a non-profit development organization that empowers women through agriculture and entrepreneurial projects". Sie würden "expertise in nutrition, sustainable agriculture and addressing food security challenges in Africa" in den Beirat einbringen. “Adding Jason and Ruth will help our committee continue to do great work in addressing the challenges of global food security,” erklärte DuPont-Vizepräsident James C. Borel. Weitere Mitglieder im Beirat sind Charlotte Hebebrand, Generaldirektorin der International Fertilizer Industry Association, Jo Luck, früherer Präsident von Heifer International, "a premier hunger-fighting, non-profit organization", and J.B. Penn, Chef-Volkswirt beim Landmaschinenhersteller John Deere.

Quelle:PRWeb, February 19, 2014

Februar 2014: Wachstumssorgen in der Gentech-Industrie

18. Februar 2014: Nach Angaben von ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications), einer der zahlreichen Lobbyorganisationen für die Ausbreitung der Agro-Gentechnologie, wurde 2013 zwar die Anbaufläche für kommerziell angebaute Gentech-Pflanzen (vor allem Baumwolle, Mais und Soja) auf 175 Millionen Hektar, die Zahl der Betriebe auf 18 Millionen und damit um drei beziehungsweise vier Prozent gesteigert. Der Marktwert allein von Saatgut lag bei 15,6 Milliarden US-Dollar. Doch "das Wachstum flacht weiter ab", heisst es im Jahresbericht, der in Beijing vorgestellt wurde (ISAAA Brief 46-2013). In den wichtigsten Anbauländern wie den USA (70,1 Milllionen Hektar), Brasilien (40,3 Millionen) und Argentinien (24,4 Millionen) würden kaum noch Expansionsmöglichkeiten bestehen, auch wenn Brasilien im vergangenen Jahr die Anbaufläche angeblich noch einmal um zehn Prozent ausgeweitet hat. Hoffnungen richten sich jetzt auf Asien, wo bislang nur Bt-Baumwolle angebaut wird (Indien 11 Millionen Hektar, China 4,2 Millionen und Pakistan 2,8 Millionen), und auf Afrika, wo Burkina Faso, Sudan und Südafrika Gentech-Pflanzen anbauen. Verstärkt werden dabei die Bemühungen, neben Baumwolle gentechnisch veränderten Mais und Soja, die bislang vor allem als Viehfutter verwendet werden, auf den Markt zu bringen, um weiteres Wachstum zu generieren. Gleichzeitig setzen Forschung und Industrie auf wichtige Grundnahrungsmittel wie Reis, Bananen, Auberginen und Mais (Siehe: 'Nach 'Goldenem Reis' jetzt 'Orangener Mais') und hoffen beispielsweise, dass in drei bis vier Jahren gentechnisch veränderter Reis auf den Philippinen zugelassen wird. Die Expansionsstrategie richtet sich dabei zunehmend auf kleinbäuerliche Betriebe, die in vielen afrikanischen und asiatischen Ländern nach wie vor die wichtigsten Agrarerzeuger sind.

Quelle:Crop Biotech Update vom 13. Februar 2014

Februar 2014: Entwicklungshilfe für Vertreibungen in Äthiopien

17. Februar 2014: Noch vor einem Monat hat die staatliche Entwicklungsorganisation USAID bestritten, dass im Unterlauf des Flusses Omo indigene Bevölkerungsgruppen durch die äthiopische Regierung zwangsweise umgesiedelt werden. Hier sollen Plantagen für Baumwolle, Ölpalmen und Zuckerrohr entstehen, bewässert durch den umstrittenen Staudamm Gibe III. Seit langem klagen die African Commission on Human and Peoples' Rights, Survival International und Oakland Institute über diese Vertreibungen. Auch der britischen Entwicklungsbehörde DFID wird vorgeworfen, diese Vertreibungen zu fördern. Jetzt hat der US-Kongress indirekt die Vorwürfe bestätigt, indem er USAID auffordert sicherzustellen, dass keine Entwicklungsgelder zu Menschenrechtsverletzungen beitragen.

Quelle:Pressemitteilung von Survival International vom 12. Februar 2014

Februar 2014: 'Agent Orange' im Einsatz für die Industrie

14. Februar 2014: Als Teil des Zulassungsverfahrens für neu entwickelte gentechnisch veränderte Mais- und Sojasorten hat das US-Landwirtschaftsministerium den Entwurf seiner Umweltschutzprüfung für die neuen Sorten veröffentlicht, die gegen mehrere Unkrautvernichtungsmittel resistent sind. Unter diesen Herbiziden ist auch 2,4-D, chemischer Bestandteil des Entlaubungsmittels Agent Orange, das im Vietnamkrieg großflächig eingesetzt wurde und dessen ökologischen und gesundheitlichen Folgen bis heute spürbar und sichtbar sind.

Entwickelt wurden die neuen Gentech-Pflanzen vom Saatgut- und Agrarchemiekonzern Dow AgroSciences, um seine Position im umkämpften Markt für Futtermittel zu verbessern. Bislang wird im Anbau von gentechnisch verändertem Soja oder Mais überwiegend das Herbizid Glyphosat eingesetzt, besonders verbreitet dabei Roundup des Konkurrenten Monsanto. Dessen Gesundheitsgefahren werden jedoch immer deutlicher, gleichzeitig werden immer mehr Unkräuter resistent. Zudem sind inzwischen Monsantos Patente auf Glyphosat abgelaufen, chinesische Unternehmen sind heute die wichtigsten Lieferanten. Mit dem neuen „Agent Orange-Saatgut" und dem dazu passenden Herbizid würde Dow AgroSciences einen Wettbewerbsvorsprung durch ‚Innovation’ bei den wichtigsten Futterpflanzen nicht nur vor dem bisherigen Marktführer Monsanto gewinnen, sondern auch gegenüber den chinesischen Glyphosat-Anbietern.

Die Regierung von Südafrika, die sich mehr und mehr zu einem Türöffner für Gentechnologie in der afrikanischen Landwirtschaft entwickelt, hat die Einfuhr der neuen Mais- und Sojasorten bereits freigegeben. „Eine derartige Zulassung zielt darauf ab, dem Antrag von Dow auf Genehmigung dieser gentechnisch veränderten Sorten in der kommerziellen Landwirtschaft, besonders in Brasilien, Argentinien und den USA, mehr Gewicht zu verschaffen“, heißt es in einer Pressemitteilung einer  internationalen Koalition von Organisationen aus Südafrika, Brasilien und den USA, darunter das African Centre for Biosafety. „Herbizid-resistentes Saatgut ist der Wachstumsmotor für die Verkaufs- und Vermarktungsstrategie der Pestizidindustrie“, sagt Gabriel Fernandes von der beteiligten brasilianischen Organisation AS-PTA.

Quelle:Huffington Post vom 23. Januar 2014

Februar 2014: Größter Agrarinvestor in Äthiopien zahlungsunfähig

14. Februar 2014: Was sich schon seit Längerem andeutete, scheint sich jetzt zu bestätigen: Karuturi Ltd., einer der aktivsten und größten Agrarinvestoren in Afrika, der in Kenia große Blumenfarmen besitzt, ist zahlungsunfähig und wurde einer Insolvenzverwaltung unterstellt. Die Muttergesellschaft Karuturi Global mit Sitz im indischen Bangalore begann 2007, ihr Engagement in Kenia und dann in Äthiopien auszuweiten, wobei sie großzügige Steuervergünstigungen und niedrige Kosten für Land, Wasser und Arbeitskräfte nutzte. Das Unternehmen wurde zum weltweit größten Exporteur von Rosen und erwarb über 311.000 Hektar fruchtbaren Landes im Süden Äthiopiens. Lokale Bevölkerungsgruppen wurden ohne Entschädigung vertrieben. Karuturi nahm allerdings nur auf einem kleinen Teil des gepachteten Landes die Produktion auf. Im Januar hatte die äthiopische Regierung das Unternehmen aufgefordert, über den Stand seiner zugesagten Agrarinvestitionen zu berichten - sonst würde ihm die Konzession entzogen.

Quelle:GRAIN vom 14. Februar 2014

Februar 2014: Höherer Nährwert für höhere Gewinne

8. Februar 2014: Agrarforschung und -konzerne versuchen seit Jahren, Pflanzen wie den gentechnisch veränderten 'Goldenen Reis' auf die Felder zu bringen, die beispielsweise durch einen erhöheren Vitamin-A-Anteil Auswirkungen von Mangelernährung verringern sollen. Während 'Goldener Reis' bislang trotz erheblicher Promotion nirgendwo angebaut wird, wurde jetzt beim World Economic Forum in Davos ein weiterer Versuch gestartet, dieser 'Biofortification' zum Durchbruch zu verhelfen: Das Entwicklungsunternehmen World Vision und HarvestPlus, ein Lobbyprojekt für den Einsatz von nährstoffangereicherten Pflanzen ähnlich wie Scaling Up Nutrition, SUN, verabredeten, zukünftig solche Agrarpflanzen stärker zu fördern. Beteiligt an dieser Kooperation auch das holländische Unternehmen für Nahrungsmitteltechnologie, Royal DSM. Zu den Finanziers von HarvestPlus gehören neben USAID und Weltbank auch Agrarunternehmen und das International Life Science Institute, das den Einsatz von Gentechnologie fördert. Diese für die Agrarindustrie profitablen Verfahren der Nährwertanreicherung sind nicht nur umstritten, weil sie wie 'Goldener Reis' ein Einfallstor für die Gentech-Industrie sind; Kritiker wie Greenpeace argumentieren auch, eine Verteilung von Vitamin-A-Präparaten, einfache Beimischungen in Grundnahrungsmittel und Gärten, um Obst und Gemüse zu erzeugen, seien einfacher und preisgünstiger.

Januar 2014: US-Getreidehändler wollen keinen Genmais

30. Januar 2014: Zwei Verbände der US-amerikanischen Getreideindustrie, zu denen auch die Marktführer Bunge, Cargill und ADM gehören, haben den Saatgut- und Agrarchemiekonzern Syngenta aufgefordert, zwei neue gentechnisch veränderte Maissorten (Agrisure Viptera und Agrisure Duracade) vorerst nicht auf den Markt zu bringen. Sie befürchten negative Auswirkungen auf ihre Exporte nach China, nachdem die dortigen Behörden Maislieferungen wegen gentechnischer Verunreinigung zurückgewiesen hatten. Weil China die beiden neuen gv-Maissorten noch nicht für die Einfuhr zugelassen hat, rät auch die National Corn Growers Association ihren Mitgliedern, "sich deren Aussaat gut zu überlegen".

Quelle:Agrimoney vom 23. Januar 2014

Januar 2014: Mars lässt Afrikas "Waisenpflanzen" screenen

22. Januar 2014: Das African Orphan Crops Consortium (AOCC), an dem der Schokoladenkonzern Mars, die University of California Davis, das Beijing Genomics Institute, weitere Forschungsinstitute und der WWF beteiligt sind, will die Gene von 100 afrikanischen Pflanzen sequenzieren, um dadurch "die Ernährung von afrikanischen Bauernfamilien, besonders von deren Kindern zu verbessern". Auf der Liste, die vorgestellt wurde, stehen unter anderem Aubergine, Zwiebeln, Papaya, Kokusnuss, Tamarind, Baobab, Cashew, Wassermelonen und Yams. Als "Waisenpflanzen" werden Nahrungsmittel und Bäume bezeichnet, die von Forschung und Industrie bislang vernachlässigt wurden, weil sie (noch) keine globale kommerzielle Bedeutung haben.

Quelle:Pressemitteilung der UC Davis vom 17. Januar 2014

 

Agrobusiness: Nachrichten 2013

Dezember 2013: Gen-Kartoffel Amflora vom Acker

13. Dezember 2013: Der Europäische Gerichtshof hat heute die Zulassung der Gen-Kartoffel Amflora für unzulässig erklärt. Der Grund: Die Europäische Kommission hatte im Zulassungsverfahren entscheidende Fehler gemacht. Sie hatte zwar neuere Gutachten der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) berücksichtigt, der zuständige Ausschuss der EU-Staaten hatte aber keine Gelegenheit, sich zu diesem Gutachten zu äußern. Die Entscheidung kommentiert Dirk Zimmernann, Gentechnik-Experte bei Greenpeace: „Die unrühmliche Geschichte der Gen-Kartoffel Amflora ist mit dem heutigen Urteil endgültig beendet. Die Kartoffel, die keiner wollte, war zu allem Überfluss noch nicht einmal legal zugelassen." Diese Entscheidung des Gerichts müsse auch Folgen haben für den laufenden Zulassungsprozess für den Anbau des Gen-Mais 1507 der Firmen Pioneer und Dow, über den in den kommenden Wochen die Agrarminister abstimmen wollen. Auch hier gab es für die Mitgliedssaaten keine Möglichkeit, neue Sicherheitsbewertungen der EFSA zu kommentieren. Greenpeace fordert daher, den Zulassungsprozess sofort stoppen.

Quelle:Greenpeace-Pressemitteilung vom 13. Dezember 2013

Dezember 2013: Investoren in Äthiopien bekommen starke Partner

12. Dezember 2013: Mit einer sogenannten 'Landpartnerschaft' wollen die Regierungen von Großbritannien, den USA und Deutschland Äthiopien bei der "Förderung verantwortungsbewusster Agrarinvestitionen" helfen. Solche Kooperationen waren beim G8-Gipfel in London im Juni 2013 vorgeschlagen worden. Der Administrator der US-Entwicklungsbehörde USAID, Rajiv Shah, freut sich besonders darüber, damit auch den Griff nach den Weidelandgebieten Äthiopiens "ausweiten und vertiefen zu können". Auch andere Koordinationsgremien wie die globale Gebergruppe zum Thema Land ('Global donor working group on land') zeigen die verstärkten Bemühungen, Hindernisse gegen Agrarinvestitionen wie fehlende Eigentumsrechte oder Bedenken seitens der Bevölkerungen verstärkt anzugehen.

Quelle:Pressemitteilung 231/2013 des BMZ vom 9. Dezember 2013

November 2013: AGRA: Mit einer Hand geben, mit zwei nehmen

19. November 2013: Die 2006 unter Beteiligung der Bill and Melinda Gates Foundation und der Rockefeller Foundation gebildete Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA) will die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen der Armen steigern, ohne die Umwelt zu schädigen. Kernaspekte einer 'Modernisierung' sind verbessertes Saatgut, Boden- und Wassermanagement, eine stärkere Einbindung in Marktstrukturen und die Förderung "öffentlich-privater Partnerschaften". Das African Centre for Biosafety hat jetzt ihre Bestandsaufnahme der Situation ("African Agriculture Status Report 2013") einer kritischen Analyse unterzogen ("Giving With One Hand and Taking With Two"). Danach richten sich die Aktivitäten vor allem an "commercial or potentially commercial farmers; i.e. those who produce primarily for the market, with their agricultural operations structured as business", während alternative Ansätze wie Agroökologie ignoriert würden. Siehe auch: Agrobusiness: Who's who

November 2013: Coca-Cola verspricht "Null Toleranz" bei 'Land grabs'

8. November 2013: Gerade einmal rund 225.000 Unterschriften reichten aus, um dem Giganten Coca-Cola die Zusage abzuringen, Land grabs in seiner Versorgungskette zu verhindern. Die Aktion war Teil der Behind the Brands-Kampagne von Oxfam America, anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober die Süßgetränkehersteller Coca-Cola, nach Oxfam-Angaben der weltweit größte Zuckeraufkäufer, PepsiCo und Associated British Foods aufzurufen, gegen Menschenrechtsverletzungen durch ihre Lieferanten vorzugehen. Jetzt darf man darauf gespannt sein, wie der Konzern, der seinen Zucker wohl ganz überwiegend aus Land grabs beziehen dürfte, als sie noch nicht so genannt wurden, sein Versprechen von "Null Toleranz" gegenüber Vertreibungen und Landnahme umsetzen will, zum Beispiel in Kambodscha - sonst bleibt das Ganze ein netter PR-Gag von Coca-Cola und Oxfam America.

Quelle:Pressemitteilung  von Oxfam America vom 7. November 2013. Siehe dazu die Stellungnahme der Clean Sugar Campaign.

Oktober 2013: Die Agrar-Vision der Afrikanischen Entwicklungsbank

24. Oktober 2013: Um die Landwirtschaft in Afrika zu entwickeln, setzt die African Development Bank, AfDB, in ihrer Strategie 2013-2022 "At the Center of Africa's Transformation" vor allem auf den Ausbau der Infrastruktur wie Straßen und Bewässerung, mit dem privaten Sektor als "Wachstums- und Jobmaschine". Für die bäuerliche Landwirtschaft sind unter anderem gemeinschaftliche Lagerungs- und Verarbeitungsbetriebe und die Entwicklung lokaler Märkte vorgesehen, doch der Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung für eine "African agribusiness and agro industry revolution" durch den Aufbau von 'langen' Wertschöpfungsketten. In dieses Paket gehören Gentechnologie, "Partnerschaften" mit internationalen Unternehmen, elektronische Zahlungssysteme, die "Kleinbauern ermöglichen, lohnende Unternehmen zu werden", und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Agrarexporten. Im Mai wurde dafür ein Agriculture Fast Track Multi Donor Fund gestartet, der zunächst von USAID, Danida (Dänemark) und SIDA (Schweden) finanziert wird, ausschließlich "public-private matchmaking" im Agrarbereich unterstützen soll und Teil der G8 New Alliance on Food Security and Nutrition ist.

Quelle:Pressemitteilung der AfDB vom 23. Oktober 2013

Oktober 2013: Konzentration und Konkurrenz in der Düngerindustrie

23. Oktober 2013:Yara International, einer der führenden Düngemittelproduzenten, und der deutsche Chemiekonzern BASF überlegen, gemeinsam eine riesige Fabrik in den USA zu errichten. Der norwegische Konzern hat bereits durch die Übernahme der brasilianischen Düngemittelsparte des US-Agrarkonzerns Bunge seine Marktposition in Lateinamerika ausgebaut. Zudem hat er angekündigt, im tansanischen Daressalaam eine Fabrik zu errichten, um den geplanten 'Agrar-Wachstumskorridor' SAGCOT zu versorgen. Die Pläne für eine Fabrik in den USA sind Nebenprodukt des 'Frackings', wodurch billiges Erdgas die Produktionskosten der energieintensiven Düngemittelherstellung senken könnte. Außerdem sieht sich Yara einem wachsenden Druck durch Unternehmen aus China ausgesetzt, die ihre Exporte in den ersten acht Monaten 2013 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres auf 4,1 Millionen Tonnen mehr als verdreifacht haben. Das Überangebot auf dem Weltmarkt würde die Preise runtertreiben, klagt ein Yara-Sprecher.

Quelle:Agrimoney vom 18. Oktober 2013

Oktober 2013: US-Exportförderung für Afrika auf dem Prüfstand

12. Oktober 2013: Mit dem African Growth and Opportunities Act (AGOA) räumen die USA Importen aus Afrika eine gewisse Vorzugsbehandlung ein. Zu mehr als 80 Prozent handelt es sich dabei um Erdöl. Weitere Produkte sind Autoteile und Textilien, vor allem aus Lesotho, Malawi und Madagaskar, während Agrarprodukte ausgenommen sind. Dieses Abkommen, das nach Einschätzung einiger Beobachter unter anderem wegen des Ausschlusses der Landwirtschaft "nur begrenzte Auswirkungen auf die wirtschaftliche Transformation" hatte, läuft im September 2015 aus. Bei den anstehenden Neuverhandlungen möchte die US-Regierung offensichtlich die "Gegenseitigkeit" stärken und ähnlich wie in den Economic Partnership Agreements (EPAs) der Europäischen Union Vergünstigungen für die eigenen Exporte auf den wachsenden afrikanischen Markt durchsetzen. Afrikanische Regierungen wünschen sich dagegen eher eine bruchlose Erneuerung, verstärkte Investitionen und eine Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung nationaler Exportstrategien.

Quelle:Agritrade vom 11. Oktober 2013

Oktober 2013: Scheibchenweise Zulassung von Genpflanzen in Afrika

8. Oktober 2013: Im September hat der Ministerrat des Gemeinsamen Marktes für das östliche und südliche Afrika, COMESA, einen Entwurf für Richtlinien zur Zulassung von gentechnisch veränderten Agrarpflanzen verabschiedet. Für die Alliance for Food Sovereignty (AFSA) ist das ein weiterer Schritt bei dem Versuch, die Ausweitung von gv-Pflanzen in ganz Afrika durchzusetzen. Dadurch würden die Bemühungen um ein Internationales Gesetz zu biologischer Sicherheit, wie es beispielsweise durch das Cartagena Protocol on Biosafety angestrebt wird, unterlaufen.

Quelle: AFSA Statement on COMESA Approval of Harmonised GMO Policy, 1. Oktober 2013. Siehe dazu auch den Gastbeitrag von Glenn Ashton vom April 2013.

September 2013: 'Land Matters' - "Kampagne für innovative Lösungen"

6. September 2013: Die entwicklungspolitische Plattform Devex started mit 'Land Matters' eine neue Website, auf der Artikel, Interviews, Kommentare und Dialog-Foren rund um Landfragen eingestellt werden. Ein erster Dialog über die Bedeutung von Land für Ernährungssicherheit wird von der Entwicklungsbehörde USAID veranstaltet. USAID gehört auch zu den Organisatoren der Website, gemeinsam mit Beratungsfirmen, die eng mit der US-Entwicklungspolitik im Agrarbereich verbandelt sind, und dem International Food Policy Research Institute, IFPRI, in Washington. 'Land matters' versteht sich als "Kampagne" von Entwicklungsorganisationen, Unternehmen und NGOs, um "innovative Lösungen in vielen Bereichen, darunter Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Naturschutz, aufzuzeigen".

Quelle:Devex vom 29. August 2013

August 2013: Feldbefreiung auf den Philippinen

29. August 2013: Am 8. August 2013 zerstörten mehr als 400 Gentech-Gegner ein Versuchsfeld für gentechnisch veränderten Reis in Pili, Camarines Sur, Philippines. Sie befürchten durch gv-Reis eine Kontamination von Asiens wichtigstem Grundnahrungsmittel. Sogenannter 'Goldener Reis', angereichert mit Vitamin A und entwickelt gemeinsam vom Agrarkonzern Syngenta und dem International Rice Research Institute, IRRI, gilt Kritikern als ein Wegbereiter, um die Akzeptanz für Gentechnologie im Agrarbereich zu verbessern.

Quelle:GRAIN vom 29. August 2013. Siehe dazu auch: Foodwatch, "Golden Lies", January 2012

August 2013: Weltbank-Rezept für Wohlstand für alle in Afrika

28. August 2013: Endlich hat die Weltbank den Königsweg gefunden, um Landnutzungsrechte in Afrika zu "transformieren", die Landwirtschaft zu revolutionieren und die Armut zu beenden: In dem Aktionsplan "Securing Africa's Land for Shared Prosperity", der im Juli vorgestellt wurde, werden zehn Schritte für eine verbesserte Landpolitik vorgeschlagen. Im Zentrum steht dabei die flächendeckende Registrierung gemeinschaftlicher und individueller Nutzungsrechte, die auch eine Voraussetzung für Investitionen in die landwirtschaftliche Entwicklung sei. Gleichzeitig würden so Land grabbing und damit einhergehende soziale Konflikte beendet. Zudem setzt sich die Weltbank für Umverteilung von Land ein, wenn auch nach wie vor nur auf freiwilliger und marktwirtschaftlicher Grundlage. Am Ende steht dann "schnelles wirtschaftliches Wachstum und dessen Umsetzung in signifikant weniger Armut und mehr Chancen für Afrikas Bevölkerung, einschließlich Frauen", verspricht Makhtar Diop, der für Afrika zuständige Weltbank-Vizepräsident.

Quelle:Pressemitteilung der Weltbank vom 22. Juli 2013

Juli 2013: EU ohne Gentech nachhaltiger als US-Landwirtschaft

11. Juli 2013: Verglichen mit der US-amerikanischen Landwirtschaft ist das europäische Agrarsystem nachhaltiger, ertragreicher und vielfältiger. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im International Journal of Agricultural Sustainability, macht dafür ganz wesentlich den verbreiteten Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut verantwortlich: Trotz gv-Pflanzen steigt in den USA der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln, die Verwendung von Insektiziden sinkt lediglich geringfügig. Dagegen ist der Einsatz der Agrarchemie in Europa deutlich zurückgegangen, erklärt Jack Heinemann, einer der Autoren der Studie. Außerdem sei die Entwicklung der Erträge besser. Eine weitere Studie ergänzt, dass die agrobiologische Vielfalt in Regionen, die kein gv-Saatgut verwenden, größer ist, was daran liegen könnte, dass Bauern von der Industrie nur eine geringe Auswahl an gv-Saatgut angeboten bekommen. Die deutlichen Unterschiede bei Erträgen und Nachhaltigkeit, die der direkte Vergleich der beiden Agrarsysteme aufzeigt, ist unter anderem bedeutsam angesichts der angelaufenen Verhandlungen über ein transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen (TTIP), bei dem auch eine Zulassung von gv-Saatgut für den europäischen Markt auf der Tagesordnung stehen könnte. Wichtig sind sie zudem für bäuerliche Betriebe in den Ländern des globalen Südens, bei denen die Agrarindustrie massiv mit dem Versprechen auf höhere Erträge und geringere Kosten für Agrarchemie für ihr gv-Saatgut wirbt.

Quellen:

TWN Biosafety Information Centre, Interview mit Jack Heinemann, 28 June 2013

Sustainability and innovation in staple crop production in the US Midwest. In: International Journal of Agricultural Sustainability, 19 June 2013. Link 

Farmer's Choice of seeds in four EU countries under different levels of GM crop adoption. In: Environmental Sciences Europe 2013, 25:12. Link

Juli 2013: Mosambik darf jetzt in Japan investieren

4. Juli 2013: Es ist das erste Abkommen über eine wechselseitige Liberalisierung, die Förderung und den Schutz von Investitionen, das Japan mit einem Land in Afrika südlich der Sahara abgeschlossen hat: Japanische Unternehmen hatten darauf gedrängt, weil Mosambik erhebliche Gas- und Kohlevorkommen hat. Japan ist zudem gemeinsam mit Brasilien ein zentraler Akteur im ProSavana-Vorhaben, durch das im sogenannten Nacala-Korridor im Norden des Landes die Agrarindustrie entwickelt werden soll. Um die Investitionsbedingungen weiter zu verbessern, unterstützt die staatliche Entwicklungsbehörde Japanese International Cooperation Agency, JICA, den Ausbau des Hafens von Nacala und der Transportwege in Richtung Malawi.

Quelle:bilaterals, 27. Juni bis 3. Juli 2013

Juli 2013: Weltbank-Kredite für Bewässerung in Nigeria

3. Juli 2013: Mit zwei Krediten in Höhe von insgesamt 300 Millionen US-Dollar finanziert die Weltbank (International Development Association, IDA) die dritte Phase des seit 1983 laufenden 'Fadama'-Projekts in Nigeria. Ein Drittel davon fließt in die staatliche Agrarbürokratie, zwei Drittel sollen die Produktion und Verarbeitung von Grundnahrungsmitteln verbessern. Begonnen hatte das Vorzeigeprojekt von Weltbank und nigerianischer Regierung mit der Bereitstellung von Bewässerungspumpen und privatisierten -dienstleistungen, inzwischen hat es sich nach den Worten von Jamal Saghir, dem Weltbank-Direktor für nachhaltige Entwicklung in Afrika, zu einem "innovativen Ansatz" ausgeweitet, "private Investitionen zu gewinnen und Geschäftsbeziehungen zwischen Großinvestoren und Kleinbauern herzustellen".

Quelle: 4-Traders vom 7. Januar 2013

Juni 2013: Kritik an "Nahrungs-Preis" für Gentech-Konzerne

30. Juni 2013: Die Verleihung des World Food Prize an drei Wissenschaftler und Führungskräfte von Agrarkonzernen, die genverändertes Saatgut herstellen und vertreiben - darunter Monsanto und Syngenta - stößt auf heftige Kritik. Preisträger des Right Livelihood Awards („Alternativer Nobelpreis”) und Mitglieder des World Future Council verurteilen die Preisvergabe in einem Beitrag in der Huffington Post als "Affront gegen den wachsenden internationalen Konsensus über sichere, ökologische Anbaumethoden, die wissenschaftlich erwiesen zu mehr Nachhaltigkeit und besserer Ernährung beitragen". Die New York Times bezeichnet sie als "Werbung für Monsanto und andere Unterstützer gentechnisch veränderter Nahrungsmittel", obwohl deren Nutzen nach wie vor umstritten sei. Die World Food Prize Foundation gilt als Industrienah. Sie wurde 1987 von Norman E. Borlaug gegründet, der unter anderem gemeinsam mit der Rockefeller-Stiftung die sogenannte Grüne Revolution in der Landwirtschaft vorangetrieben hat. Die Agrarchemie-Konzerne Monsanto und Syngenta gehören selbst zu den Sponsoren der Stiftung.

Quellen:Huffington Post vom 26. Juni 2013; New York Times vom 19. Juni 2013

Juni 2013: Japan fördert Reisanbau und Privatwirtschaft in Afrika

20. Juni 2013: Die Konkurrenz um Afrikas Landwirtschaft wächst. Nach den verschiedenen G8-Initiativen (L'Aqualia Initiative vom Sommer 2009 und die New Alliance for Food Security and Nutrition, Herbst 2012) stellte G8-Mitglied Japan Anfang Juni seinen eigenen Aktionsplan für Afrikas Entwicklung vor: Bei der 5. Tokyo International Conference on African Development (TICAD V, 1.- bis 3. Juni 2013) versprach die Regierung den zahlreich angereisten afrikanischen Staats- und Regierungschefs 32 Milliarden US-Dollar für den Yokohama Action Plan 2013-2017. Mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Landwirtschaft, Infrastruktur und Förderung der Privatwirtschaft soll er dazu beitragen, jährlich sechs Prozent Wachstum im Agrarsektor und eine Verdoppelung der Reisproduktion bis 2018 gegenüber 2008 zu erreichen. Die Entwicklungsbehörde JICA, die 6,5 Milliarden US-Dollar der versprochenen Gelder abwickelt, will unter anderem bei 50.000 Kleinbauern einen "Business-Ansatz" fördern.

Juni 2013: Geht der Nahrungsmittelspekulation die Luft aus?

15. Juni 2013: In einem Beitrag für die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO (Food Outlook June 2013) mußmaßt die Analystin Ann Berg, dass die Spekulation mit Agrarprodukten "auf dem Rückzug" sein könnte. Indikatoren sind sinkende Profitabilität, Verärgerung von Anlegern über hohe Gebühren und Gewinnmargen des Fondsmanagements, ein Rückgang der Anlagen in die riskanten Hedge-Fonds seit April 2011 um 20 Prozent, günstige Prognosen für die Produktion bei zahlreichen Agrarerzeugnissen und ein mögliches Ende des "Superzyklus", der vor allem durch die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten durch China seit 2000 angetrieben wurde. Auch die Investment-Bank Morgan Stanleymeldet, sie würde ihre Agrarfonds zurückfahren. Ob diese Ernüchterung, die durch die breite öffentliche Kritik beschleunigt wurde, anhält, lässt sich nicht vorhersagen. Sie könnte allerdings den Druck auf die Umsetzung von Regulierungsansätzen wie dem Dodd Frank Act in den USA oder die Markets in Financial Instruments Directive II (MiFID II, siehe dazu die Stellungnahme von Oxfam und foodwatch)) in Europa verringern.

Quelle:Agrimoney vom 13. Juni 2013

Mai 2013: Bilanz staatlicher Agrarpolitik in Afrika

27. Mai 2013: Die Bilanz staatlicher Landwirtschaftspolitik in Afrika ist bestenfalls durchwachsen. Das stellt ein Bericht der Lobby- und Kampagnenorganisation ONE fest. Gelder von Gebern und Regierungen blieben hinter den Zusagen zurück, wichtige Aspekte einer wirksamen landwirtschaftlichen Entwicklung wie Transparenz der Planungen, Orientierung auf Frauen oder die Partizipation von Bauern und zivilgesellschaftlichen Organisationen blieben unzulänglich. Um bislang Versäumtes nachzuholen und mehr Finanzmittel für Investitionen zu mobilisieren, soll 2014 das „Jahr der Landwirtschaft in Afrika“ werden. Mehr

Mai 2013: Kritik an G8-Agrarinitiativen in Afrika

15. Mai 2013: Nachdem vor einer Woche afrikanische Bauernorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen, von denen viele Entwicklungsorganisationen aus Industrieländern wie ActionAid oder der Agrarindustrie nahestehen, in einem Offenen Brief die "guten Absichten" der Agrar- und Ernährungsinitiativen der Industrieländer gelobt haben (siehe Meldung vom 7. Mai 2013), appellieren jetzt zahlreiche zivilgesellschaftliche Netzwerke und Basisorganisationen an die Regierungen der G8-Länder, die sich im Juni in Belfast treffen, die bäuerlichen Nahrungsproduzenten stärker zu fördern, in ökologische Landwirtschaft zu investieren und ihre Unterstützung für die Privatisierung von Genmaterial, landwirtschaftlichen Methoden und lokalem Wissen zu beenden. Im Gegensatz zum 'Offenen Brief' kritisieren sie nicht nur die G8-Initiativen für die Modernisierung der Landwirtschaft in Afrika wie die 'New Alliance for Food Security and Nutrition' von US-Präsident Barack Obama, sondern auch das Entwicklungsprogramm für Afrikas Landwirtschaft (CAADP), die lediglich die Interessen multinationaler Agrarkonzerne widerspiegeln würden, und bitten um Unterzeichnung eines entsprechenden Aufrufs durch europäische Organisationen.

Mai 2013: Rekordernten bei Getreide prognostiziert

11. Mai 2013: Bei manchen Meldungen des Informationsdienstes Agrimoney fragt man sich, ob sie nicht durch Spekulationsinteressen geprägt sind, doch die aktuellen Prognosen über rekordverdächtige Ernteaussichten für Getreide werden von der UN-Agrarorganisation FAO bestätigt. Demnach erwartet das US-Landwirtschaftsministerium für 2013-2014 in den meisten Ländern, die Soja anbauen, höhere Ernten, und in den USA selbst eine Rekordernte. Für Weizen werden nach der Trockenheit im vergangenen Jahr in den Ländern der früheren Sowjetunion, Australien, Kanada und Europa erhebliche Produktionssteigerungen und damit ebenfalls ein Rekord mit mehr als 700 Millionen Tonnen erwartet, wodurch sich die Konkurrenz auf dem Weltmarkt verschärfen würde. Die Vorräte an Soja sind aufgrund gestiegener Ernten so hoch wie nie zuvor, bei Mais sind sie auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren. Auch die FAO erwartet für das laufende Jahr eine Rekordernte bei Weizen, Hirse, Mais und Sorghum, die Reisproduktion könnte gegenüber dem Vorjahr durch gute Ernten in Indien und Indonesien um 16 Millionen Tonnen höher liegen. Damit die Getreidepreise nicht sinken, so Agrimoney, sollten Finanz-Investoren "für etwas schlechteres Wetter beten". In der Tat hängt das Endergebnis noch unter anderem vom Wetter ab. Die Prognosen sind aber auch ein Ergebnis davon, dass angesichts hoher Preise und spekulativer Gewinne Investoren Anbauflächen und Produktion ausweiten, vor allem in Russland, der Ukraine und Kasachstan (siehe USDA, February 2013), aber auch in Lateinamerika und den USA.

Mai 2013: Fragwürdiges Lob für Initiativen der G8-Regierungen

7. Mai 2013: In einem Offenen Brief an den britischen Premierminister David Cameron loben afrikanische Bauernorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen die "guten Absichten" der Agrar- und Ernährungsinitiativen der Industrieländer wie die 'New Alliance for Food Security and Nutrition' von US-Präsident Barack Obama. Anlass ist der G8-Gipfel im Juni in Belfast, bei dem auch ein Event'Nutrition for Growth' veranstaltet wird (Siehe Veranstaltungen Juni). Sie fordern die Regierungen lediglich auf, diese Initiativen besser mit dem Entwicklungsprogramm für Afrikas Landwirtschaft (CAADP) abzustimmen. Die Programme sollten CAADP, auf das sich die afrikanischen Regierungen verpflichtet haben, unterstützen und finanziell stärken, anstatt parallele Aktivitäten umzusetzen. Das African Centre for Biodiversity beklagt allerdings, dass auch das CAADP auf Agrar-Gentechnologie, großflächige Agrarinvestitionen (Land grabbing) und patentiertes Saatgut setzt. Der Aufruf sei daher nicht repräsentativ für die afrikanische Zivilgesellschaft. Bereits mit der IF-Kampagne hatte eine Koalition britischer Hilfsorganisationen für die Agrarinitiativen der G8 und der britischen Regierung geworben, wobei Anhaltspunkte bestehen, dass sie von der staatlichen Entwicklungsorganisation DFID gesponsort wurde. Unter anderem hatten sich War on Want und die UK Food Group von der Kampagne distanziert.

Mai 2013: E10 kostet sechs Millionen Hektar Land in Afrika

2. Mai 2013: Seit der Einführung der Beimischungsverordnung für Agrosprit in der Europäischen Union 2009 haben Investoren allein in Afrika mindestens 98 Projekte für Energiepflanzen begonnen, die zusammen sechs Millionen Hektar umfassen. Damit widerspricht ActionAid den Versicherungen von EU-Politikern, die Einführung von E10 würde nicht zu größeren Landnahmen außerhalb Europas führen. Die meisten Investoren kommen aus Großbritannien, bislang acht aus Deutschland.

Quelle:ActionAid vom vom 27. März 2013

April 2013: Masterplan für die Agrarindustrie in Mosambik

April 2013: Mit dem Programm ProSAVANA planen Mosambik, Brasilien und Japan eine umfassende agroindustrielle Entwicklung im Norden Mosambiks. Eine aktuelle Version des Masterplans vom März 2013 für dieses Projekt, die jetzt bekannt wurde, bestätigt Befürchtungen zivilgesellschaftlicher Organisationen, dass damit Land grabbing verstärkt und die Kontrolle von Konzernen über die Landwirtschaft massiv ausgeweitet werden. Siehe dazu auch den Beitrag: "Zivile Kanonenbootpolitik"

April 2013: Kaffeeprivatisierung in Burundi in der Kritik

19. April 2013: Die Privatisierung der Kaffee-Industrie seit 2008 im zentralafrikanischen Burundi durch die Weltbank stößt bei Menschenrechtsvertretern der Vereinten Nationen auf heftige Kritik. Olivier De Schutter, der Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, sieht "besorgniserregende Hinweise, dass die Interessen der Kaffeebauern beim Reformprozess ausgeblendet wurden". Die Privatisierung soll unter Druck der Weltbank als Gegenleistung für die Förderung eines öffentlichen Gesundheitsprogramms begonnen worden sein. Bei einem Treffen in Washington haben De Schutter und weitere UN-Menschenrechtsbeauftragte die Weltbank zudem aufgefordert, insgesamt bei ihren Projekten Menschenrechtsstandards stärker zu berücksichtigen.

Quelle:UN News Centre, 18. April 2013

April 2013: Neue Saatgutregelung will Afrikas Bauern abzocken

3. April 2013: Zivilgesellschaftliche Organisationen protestieren vehement gegen den Entwurf eines Abkommens über den Schutz von Züchterrechten, den die Regierungen im Südlichen Afrika jetzt vorgelegt haben. Was so harmlos, ja nachvollziehbar daherkommt, bedeutet für sie eine "Katastrophe für Kleinbauern und Ernährungssicherheit". Denn der vorgesehene Patentschutz für Saatgut folgt dem Vorbild der International Convention for the Protection of New Varieties of Plants (UPOV) von 1991, mit dem die Interessen kommerzieller Pflanzenzüchter geschützt werden. Damit würde jedoch die Praxis von Bauern und Bäuerinnen in Afrika, Saatgut wiederzuverwenden und untereinander auszutauschen, unterbunden, klagen Vertreter von Bauernorganisationen. Mit einem solchen Abkommen hätten internationale Saatgutkonzerne ihr Ziel erreicht. Unterstützt von Weltbank und USAID fordern sie seit Jahren unter dem Vorwand der 'Harmonisierung' der Regelungen in den verschiedenen Ländern in Afrika ein Patentrecht, das ihr eigenes patentiertes Saatgut und damit ihre Gewinne schützen soll.

Quelle: African Centre for Biosafety. Siehe dazu die StudieHarmonisation of Africa’s seed laws: a recipe for disaster - Players, motives and dynamics'.

März 2013: Sponsorengeld für Neuauflage der Grünen Revolution

14. März 2013: Die Multimilliardäre Bill Gates und Carlos Slim fördern mit Millionen-Spenden die Gen- und Biotechnologie-Forschung am Internationalen Zentrum für die Verbesserung von Mais und Weizen (CIMMYT) in Mexiko. Das Forschungszentrum stellte vor 50 Jahren Hybridsaatgut bereit, das zusammen mit Bewässerung und Agrarchemikalien deutliche Produktionssteigerungen in der Landwirtschaft ermöglichte und der Agrarindustrie neue Absatzmärkte eröffnete. Angesichts des dennoch andauernden Hungers in der Welt sollen nun neue gentechnisch veränderte Mais- und Weizensorten die Lösung bringen. Die Forschungsförderung erfolgt parallel zur beschleunigten Expansion der Agrar- und Ernährungsindustrie in die Landwirtschaft der Länder des globalen Südens (Siehe Land grabbing).

Quelle:Poonal vom 13. März 2013

Februar 2013: Weniger Kunstdünger, aber davon mehr

22. Februar 2013: Kunstdünger hat Fortschritte in der Nahrungsmittelproduktion gebracht, aber auch erhebliche Schäden an Böden sowie Luft- und Wasserverschmutzung verursacht. Angesichts der Expansion der Agrarindustrie und steigender Nachfrage nach Agrarrohstoffen und Viehfutter prognostizieren viele Experten einen weiteren Anstieg, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern. Gleichzeitig werden wichtige Rohstoffe für Kunstdünger wie Phosphat und Erdöl knapp, bei tendenziell steigenden Preisen. In der umfangreichen Studie 'Our Nutrient World' (pdf-Datei 9,5mb), erstellt im Auftrag des UN-Umweltprogramms UNEP beziehungsweise der Global Partnership on Nutrient Management (GPNM), wird deshalb ein effizienterer Einsatz gefordert und die Reduktion der Konsums von tierischem Eiweiß in wohlhabenden Gesellschaften vorgeschlagen.

Februar 2013: Weltbank unterstützt Avocadoversorgung für Europa

14. Februar 2013: Die International Finance Corporation IFC, die Weltbanktochter für das Privatwirtschaftsgeschäft, beteiligt sich mit bis zu 35 Millionen US-Dollar an Expansionsplänen des südafrikanischen Agrounternehmens Hans Merensky Holding HMH. Industriewälder und Avocado-Plantagen sollen Vorbilder für eine "inklusive Entwicklung in Agrobusiness und Forstwirtschaft" werden, rechtfertigt IFC das Engagement. Dadurch würden 1.200 Arbeitsplätze, viele davon für Frauen, geschaffen und der Klimaschutz, die Ernährungssicherheit sowie die Entwicklung ländlicher Regionen gefördert. HMH ist Marktführer beim Export von Avocados aus Südafrika nach Europa und möchte mit Unterstützung der IFC sein Engagement in Afrika, aber auch auf Lateinamerika ausweiten.

Quelle:Pressemitteilung der IFC vom 13. Februar 2013

Februar 2013: "Neue Ebene" Afro-Amerikanischer Zusammenarbeit

2. Februar 2013: Mehr als drei Millionen US-Dollar will der Saatgutkonzern DuPont in den nächsten drei Jahren investieren, um die Produktivität kleinbäuerlicher Betriebe, die Lagerhaltung und damit die Ernährungssicherheit zu verbessern. Damit sich das rechnet, wird die staatliche Entwicklungsorganisation USAID Hochertragssaatgut aufkaufen und ein Vertriebssystem aufbauen. Die äthiopische Regierung, Dritte im Bunde bei dieser "Zusammenarbeit auf neuer Ebene" (DuPonts James C. Borel) im Rahmen der 'New Alliance for Food Security and Nutrition', die US-Präsident Barack Obama im Herbst vergangenen Jahres beim G8-Gipfel angestoßen hatte, hat dabei "die Führung" inne.

Quelle:Pressemitteilung von USAID vom 24. Januar 2013

 

Agrobusiness: Nachrichten 2012

Dezember 2012: Kakao macht nicht satt

30. Dezember 2012: Die meisten Kleinbauernfamilien, die in Westafrika Kakao anbauen, leben weit unterhalb der Armutsgrenze. Das ist eines der Ergebnisse des Cocoa Barometer 2012, das die Situation der Bauern in den Anbauländern und Aktivitäten von Schokoladenkonzernen, Regierungen und regierungsunabhängigen Initiativen erfasst. Die beteiligten Organisationen wie das Südwind-Institut hoffen allerdings, dass eine Reihe von Unternehmen ernsthaft ihre angekündigten Zertifizierungspläne umsetzen, da sie sich angesichts des Rückgangs der Kakaoproduktion Sorgen um ihren Nachschub machen. Bis 2020 könnte damit zertifizierter Kakao auf rund die Hälfte der Weltproduktion steigen - und vielleicht auch zu einer Verbesserung der Lebenssituation beitragen.

Quelle:Südwind-Pressemitteilung vom 5. Dezember 2012. Siehe auch die Studie "Vom Kakaobaum bis zum Konsumenten. Die Wertschöpfungskette von Schokolade", Mai 2012.

Dezember 2012: BMZ: "Landwirtschaft ist Privatwirtschaft"

12. Dezember 2012: Gestern hat das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, BMZ, bei einer Veranstaltung in Berlin sein aktualisiertes Konzept für die Förderung der Landwirtschaft vorgestellt. Beflügelt werden die darin umrissenen entwicklungspolitischen Leitlinien von den "Investitionsanreizen steigender Agrargüterpreise", die dazu beitragen, dass "nun verstärkt nationales und internationales Kapital in den Agrarsektor des Südens" fließt. Damit, so die Erwartungen, würden die Chancen steigen, die Landwirtschaft zur Bekämpfung von Hunger und Armut zu nutzen. Allerdings müssten "verantwortungslose Investitionen" wie Land grabbing unterbunden, Energiepflanzen dürften nur "verantwortungsvoll" angebaut werden. Um die Chancen zu nutzen, will das BMZ unter anderem die Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen in 'Öffentlich-privaten Partnerschaften' (PPP) intensivieren. Als ein neues Vehikel dafür hat Minister Niebel im Sommer bereits die Deutsche Initiative Agrarwirtschaft und Ernährung, DIAE, ausgerufen, in der 35 deutsche Konzerne aus dem Agrar- und Nahrungsmittelbereich, darunter Bayer CropScience, Metro und die Verpackungs- und die Zuckerindustrie, einen Beitrag zur Ernährungssicherheit in Entwicklungs- und Schwellenländern leisten wollen.

November 2012: Deutsche Verpackungen für Afrikas Agrarprodukte

30. November 2012: Nachdem die US-Regierung im Mai beim G8-Gipfel in die Offensive gegangen ist, um Agrarkonzernen den Weg auf den afrikanischen Markt zu bereiten (siehe Blog-Beitrag), hat im Juni auch die deutsche Entwicklungspolitik mit einer eigenen Initiative (German Initiative for Agribusiness and Food Security, GIAF) nachgezogen. Zu den ersten Umsetzungsprojekten gehören die Asian German Better Rice Initiative, AGBRI, die nach eigenen Angaben die Produktivität und Löhne in der Versorgungskette und den Nährwert von Reis durch Anreicherung mit Vitaminen und Mineralien verbessern will, und ein Afrika-Projekt, das die Verarbeitung und Vermarktung von Obst und Gemüse, Ölsaaten, Kartoffeln und Reisprodukten verbessern soll. Die deutsche Verpackungsindustrie, die zu den Gründungsmitgliedern dieser Initiative gehört, erhofft sich davon Absatzchancen für Ausrüstungsgüter.

Quelle: VDMA-Pressemitteilung vom 15. November 2012

November 2012: Chinesische Gentech-Baumwolle für Mosambik

27. November 2012: Anscheinend steht Mosambik kurz vor der Einführung von BT-Baumwolle. Nach Berichten aus Maputo werden Mitarbeiter des Baumwoll-Instituts (IAM) und des Agrarforschungsinstituts (IIAM) von chinesischen Experten ausgebildet, um zunächst Feldversuche durchzuführen. Diese Meldungen sind durchaus plausibel, da das IIAM vor drei Jahren einen äusserst positiven Forschungsbericht über die Aussichten von BT-Baumwolle in Mosambik vorgelegt hatte, wobei die Forschung durch USAID unterstützt worden war. Ausserdem drängen chinesische Gentech-Konzerne, die längst im eigenen Land einen erheblichen Marktanteil haben, auf den Auslandsmarkt - und konkurrieren damit mit dem Weltmarktführer Monsanto. Siehe dazu "Reis aus dem Gentechnik-Labor?" (Download pdf-Datei 127kb).

Quelle:Crop Biotech vom 10. Oktober 2012

November 2012: Freunde in der Not ....

22. November 2012: Formeln wie "Gemeinsame Anstrengungen in der Hungerbekämpfung" und "Afrikas Ernährungssicherheit als zentrale Priorität" klingen immer gut. Bei einem Treffen der Vorsitzenden der Kommission der Afrikanischen Union, Nkosazana Diamini Zuma, des Generalsekretärs der UN-Agrarorganisation FAO, dem Brasilianer da Silva, und des früher brasilianischen Präsidenten 'Lula' da Silva wurden sie vollmundig benutzt. Gemeinsam kündigten sie nicht weniger als einen "neuen, geeinten Anlauf zur Beendigung des Hungers in Afrika" an, der bei einer "hochrangigen" Konferenz im März 2013 in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba losgetreten werden soll. Afrikas Potenzial an "ungenutztem Land" für "agroindustrielle Produktion" wurde da beschworen. Dafür sollen "bestehende Initiativen und Programme" aufgewertet werden, wozu sicherlich die Versuche brasilianischer Konzerne gehören, in Mosambik (ProSavana) und anderen afrikanischen Ländern Fuß zu fassen. Die Idee ist, das Modell der agrarindustriellen Entwicklung des Cerrado, der zentralbrasilianischen Savanne, auf den afrikanischen Kontinent in "neuen Formen innovativer Partnerschaft und Solidarität" zu übertragen. Spätestens seit der Weltbank-Studie "Awaking Africa's Sleeping Giant" gilt es als ein Vorbild, um Afrika zum neuen Lieferanten für agrarische Rohstoffe zu machen.

Quelle: FAO-Pressemitteilung vom 21. November 2012

November 2012: Gentech-Plantagen bedrohen die "Wiege des Mais"

20 November 2012: In den nächsten Tagen wird die Regierung Mexikos entscheiden, ob sie den Anbau von gentechnisch verändertem Mais auf bis zu 2,5 Millionen Hektar Land erlaubt und damit Grünes Licht gibt für entsprechende Pläne der Agrarkonzerne Monsanto, DuPont Pioneer und Dow. Wissenschaftler und Umweltinitiativen warnen vor den zu erwartenden schwerwiegenden Auswirkungen auf die genetische Vielfalt und die bäuerliche Landwirtschaft.

Quelle:Informationsdienst Gentechnik vom 19. November 2012, dort auch weitere Informationen. Siehe auch den neuen GRAIN-Bericht "Red Alert!"

November 2012: Gesunde Lebensmittel für Millionen Verbraucher

16. November 2012: Die drei US-Konzerne General Mills, Cargill und DSM, die im Agrarhandel, in der Verpackungs- und der Verarbeitungsindustrie engagiert sind, haben mit der staatlichen Entwicklungsorganisation USAID ein Abkommen abgeschlossen, das ihnen den Zugang zur Verarbeitungsindustrie in Afrika südlich der Sahara öffnen soll. Ihr "nonprofit"-Konsortium Partners in Food Solutions (PFS) will mit dieser 'Partnerschaft' einen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten. Dafür will PFS acht Millionen US-Dollar bereitstellen, vor allem in Form freiwilliger Beratungs-Einsätze ihrer Mitarbeiter via Internet für Unternehmen in Afrika. "Hunderttausende von Bauern werden davon profitieren, Tausende Tonnen gesunder lokaler Nahrungsmittel werden Millionen afrikanische Verbraucher erreichen", verkündet Ken Powell, Generaldirektor von General Mills.

Quelle:MarketWatch vom 18. Oktober 2012

November 2012: RAI oder rai, Weltbank gegen FAO

4. November 2012: Der Konflikt um die Definitionsmacht, was "verantwortliche Agrarinvestitionen" sind, ist voll entbrannt. Unter Führung der Weltbank, die sich auf ein Mandat der G20 berufen kann, wurden sieben Grundsätze für "Responsible Agricultural Investment (RAI)" formuliert, die auch für die umstrittenen Landkonzessionen gelten sollen. Jetzt hat die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, die an der Erarbeitung der RAI-Prinzipien beteiligt war, eine Arbeitsgruppe des Committee on World Food Security (CFS) beauftragt, ebenfalls Prinzipien für "responsible agricultural investments (rai)" zu erarbeiten. Zivilgesellschaftliche Gruppen und Bauernbewegungen halten es mit dem Komitee für Ernährungssicherheit, weil sie dort Möglichkeiten zur Mitwirkung haben und hoffen, dass die ausgearbeiteten Leitlinien eher zugeschnitten sein werden auf die Interessen der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und der Zielländer ausländischer Agrarinvestoren. Daran wird sich dann zeigen, wie groß am Ende der 'kleine Unterschied' sein wird.

Quelle: FAO-Pressemitteilung vom 22. Oktober 2012

Oktober 2012: Freier Handel soll Afrika satt machen

31. Oktober 2012: Beim Abbau von regionalen Handelsbeschränkungen, so die Weltbank in einem neuen Bericht ("Africa Can Help Feed Africa"), könnte sich Afrika selbst mit Grundnahrungsmitteln versorgen. Zusammen mit modernen Lastwagen und verbesserter Logistik "kann Afrika helfen, Afrika zu ernähren", und den steigenden Bedarf, der sich nach der Prognose der Weltbank bis zum Jahr 2020 verdoppeln wird, zu befriedigen. Exportanreize würden die Erschließung von Millionen Hektar Land, die bislang unbebaut sind, vorantreiben. Ausgeblendet bleibt bei dieser Lösung, dass die meisten Bauern und Bäuerinnen nicht genügend Überschüsse produzieren, um liberalisierte Exportmöglichkeiten zu nutzen, geschweige denn über genügend Kapital verfügen, um in eine Produktionsausweitung zu investieren.

Oktober 2012: Öffentliche Mittel für Monsantos Absatzförderung

29. Oktober 2012: Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) plant, dem US-Agrarkonzern Monsanto Garantien in Höhe von 40 Millionen Dollar bereitzustellen, damit dieser mehr konventionelles Saatgut und chemische Spritzmittel wie "Roundup" in Osteuropa vermarken kann. Sollten die Landwirte für die Lieferungen nicht zahlen können, würde die Bank mit öffentlichen Geldern das finanzielle Risiko tragen. Wenn sich das Projekt bewährt, soll es auch auf andere Agrarchemiekonzerne ausgeweitet werden. Die endgültige Entscheidung wird die EBRD Mitte Januar kommenden Jahres treffen. Nach Angaben der Bank soll der Handel mit gentechnisch verändertem Saatgut, bei dem Monsanto Marktführer ist, ausgeschlossen werden.

Quelle:Informationsdienst Gentechnik vom 29. Oktober 2012

Update: Nach Kritik aus aller Welt kam das Abkommen dann doch nicht zustande. Siehe CEE Bankwatch.

September 2012: Agrarchemie-Konzerne bauen 'grünes' Angebot aus

28. September 2012: Innerhalb von drei Tagen hat Syngenta, der größte Agrarchemie-Konzern der Welt, zwei Firmen übernommen, die auf biologische Schädlingsbekämpfung spezialisiert sind: Devgen, die unter anderem Insektizide für den Reisanbau entwickelt, und Pasteuria Bioscience, die ein Produkt zur Bekämpfung von Nematoden-Würmern durch Bakterien anbietet. Dadurch baut das Unternehmen seine führende globale Position beim Grundnahrungsmittel Reis weiter aus, erklärte Syngenta-Manager Davor Pisk. Auch die Konkurrenz setzt verstärkt auf ökologische Schädlingsbekämpfung: BASF übernahm das US-Unternehmen Becker Underwood, das unter anderem Bakterien gegen Pilzbefall anbietet, Bayer die ebenfalls in den USA ansässige Firma Agraquest, die Biopestizide herstellt. Angesichts wachsender Kritik an Agrochemikalien wegen der zahlreichen Umweltschäden, die durch sie verursacht werden, erweitern die führenden Agrarkonzerne damit ihre Angebotspalette um eine 'grüne' Sparte.

Quelle:Agrimoney vom 21. September 2012

September 2012: Kritik an FAO-Lobpreisung der Agrarindustrie

15. September 2012: Empört reagieren zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter das Bauernnetzwerk La Via Campesina, auf einen Artikel im Wall Street Journal vom 6. September, in dem der Generaldirektor der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO, Jose Graciano da Silva, und der Präsident der Europäischen Entwicklungsbank EBRD, Suma Chakrabarti, die Agrarindustrie als wichtigstes Zugpferd für die Nahrungsmittelproduktion preisen. "Wir sind schockiert und verletzt" heisst es in dem Text, weil diese Auffassung dazu beitrage, die "Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft und Land grabbing voranzutreiben". Die FAO würde damit gegen ihre Aufgabe, die bäuerliche Landwirtschaft, die mehr als die Hälfte aller Nahrungsmittel liefert, zu fördern, verstossen und Ansätze zur Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft aushöhlen. 

August 2012: Oxfam kooperiert mit Unilever

8. August 2012: Das zunehmende direkte Engagement von Konzernen der Agrar- und Ernährungsindustrie führt dazu, dass nichtstaatliche Entwicklungsorganisationen ihre Einstellung überdenken. So arbeitet Oxfam bereits seit zwei Jahren mit dem Nahrungsmittel-Multi Unilever zusammen, um die Lebensbedingungen kleinbäuerlicher Betriebe zu verbessern. Ähnliche Partnerschaften unterhält das Unternehmen mit Save the Children, WWF und Rainforest Alliance. Barbara Stocking von Oxfam glaubt, dass Unternehmens-Fähigkeiten und NGO-Verständnis der lokalen Situation sich ideal ergänzen würden.

Quelle:The Guardian vom 7. August 2012

Juli 2012: Nahrungsmittelhilfe für US-Agrarkonzerne

27. Juli 2012: Die Nahrungsmittelhilfe der USA wird von drei US-Agrarkonzernen kontrolliert. ADM, Cargill und Bunge, die auch den weltweiten Getreidehandel dominieren, verkauften 2010 der Regierung 1,2 Millionen Tonnen oder zwei Drittel der Hilfslieferungen, wie eine Studie des Guardian errechnet hat. Schätzungsweise 60 Prozent der staatlichen Finanzierung werden damit für Transport und Profite ausgegeben. Die USA gehören zu den Ländern, die sich am hartnäckigsten weigern, Lebensmittel für Nothilfe soweit möglich vor Ort aufzukaufen und damit auch der einheimischen Landwirtschaft zu helfen

Quelle:Guardian vom 18. Juli 2012

Juli 2012: Reisproduktion in Afrika steigt, Konsum auch

25. Juli 2012: Die Reisproduktion in Westafrika ist nach Angaben des US-Agrarministeriums USDA im vergangenen Jahr (2010/2011) um 24 Prozent gestiegen. Auch in den meisten anderen Ländern wurde im Jahresdurchschnitt 2009-2011 mehr erzeugt als in der Mitte des Jahrzehnts, in Madagaskar beispielsweise, einem wichtigen Produzenten, 30 Prozent. Für dieses Jahr wird allerdings ein Rückgang prognostiert, für Westafrika um über zehn Prozent. Gleichzeitig hat der Verbrauch ebenfalls zugenommen, sodass nach wie vor erhebliche Importe notwendig sind. Damit bleiben die meisten Länder weiterhin abhängig von den hohen und stark schwankenden Weltmarktpreisen.

Quellen:agritrade, Rice sector. Executive brief. Update June 2012; USDA, 2012 West Africa Rice Annual, June 4, 2012 (pdf-Datei)

Juli 2012: Neue Studie über Gefahren von Genfood

6. Juli 2012: Die Gefahren gentechnisch veränderter Nahrungsmittel werden von der Forschung, die weitgehend durch die Gentech-Industrie finanziert wird, nicht ausreichend untersucht. Diese zentrale Aussage der Studie "GMO Myths and Truths" von Earth Open Source basiert auf der Durchsicht von hunderten von Forschungsberichten. Zudem seien die Versprechungen auf dauerhafte Produktionssteigerungen nicht eingelöst. Gleichzeitig würden durch die Konzentration auf die genetische Veränderung andere Methoden, Nahrungsmittelpflanzen zu verbessern, vernachlässigt.

Quelle:CommonDreams vom 5. Juli 2012

Juli 2012: Monsanto kassierte Bauern in Brasilien illegal ab

2. Juli 2012: Bis zu fünf Millionen landwirtschaftliche Betriebe in Brasilien können auf einen Geldsegen hoffen. Seit der Einführung von gentechnisch verändertem Soja 2005 mussten sie regelmäßig Patentgebühren an den US-amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto zahlen, ausserdem verlangte das Unternehmen unter verschiedenen Vorwänden Strafgebühren. Brasilianische Gerichte haben jetzt entschieden, dass diese Praktiken illegal waren. Wenn diese Urteile rechtskräftig werden, muss Monsanto an die Betriebe, die es abkassiert hat, bis zu 7,5 Milliarden US-Dollar zurückzahlen.

Quelle:GMWatch vom 29. Juni 2012

Juni 2012: Düngemittel-Industrie kontrolliert den Markt - noch!

28. Juni 2012: Banker und die Düngemittel-Industrie schätzen die Entwicklung des Weltmarktes gegensätzlich ein: Während PotashCorp, der größte Produzent von Pottasche, vor Versorgungsengpässen warnt, sagen Analysten der auf den Agrarbereich spezialisierten Rabobank ein steigendes Angebot voraus. Sie erwarten, dass große Importeure wie Brasilien, China und Indien eigene Investitionen in den Abbau von Pottasche tätigen könnten, um die Abhängigkeit von den Konsortien Canpotex und BPC, die den Weltmarkt weitgehend kontrollieren, zu verringern. Die Oligopolstellung der Industrie hat dazu beigetragen, dass sich der Durchschnittspreis (Fünfjahreszeitraum 2007-2011) auf 420 US-Dollar je Tonne verdreifacht hat.

Quelle:Agrimoney vom 27. Juni 2012 

Juni 2012: Konzern-Milliarden für Ernährungssicherheit

19. Juni 2012: Die Privatwirtschaft überschlägt sich momentan mit Versprechungen, die Ernährungssicherheit zu fördern. Ähnlich wie bereits beim G8-Gipfel im US-amerikanischen Camp David vor einem Monat hat jetzt am Rande des G20-Gipfels im mexikanischen Los Cabos eine nicht näher identifizierte Gruppe von Unternehmen angekündigt, bis 2030 zehn bis 15 Milliarden US-Dollar in landwirtschaftliche Produktivitätssteigerungen, verbesserte Märkte, Nahrungsmittelerzeugung, Zugang zu Technologien und bessere Ernährung zu investieren. Es wird vermutet, dass an der Gruppe der Nahrungsmittelkonzern Unilever und das weltweit operierende Backunternehmen Group Bimbo beteiligt sind.

Quelle:Devex vom 19. Juni 2012

Mai 2012: Neuer Handelsriese auf dem Weltagrarmarkt

31. Mai 2012: Mit der Übernahme des US-amerikanischen Unternehmens Gavilon ist der japanische Marubeni-Konzern zu einem der größten Getreidehändler der Welt geworden. Mit schätzungsweise 42 Millionen Tonnen im Jahr würde er beispielsweise den US-Marktführer Cargill überflügeln. Mit dem Einkauf sichert sich Marubeni Zugang zu Mais- und Sojalieferungen aus den USA, um unter anderem den chinesischen Markt zu beliefern. Nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums werden die chinesischen Importe von Mais im kommenden Jahr um 40 Prozent, von Soja um 8,9 Prozent auf eine Rekordhöhe von 61 Millionen Tonnen steigen.

Seit der Nahrungsmittelpreiskrise 2008 steigen japanische Handelshäuser verstärkt in den globalen Agrarhandel ein, wobei sie bislang vorrangig in Lateinamerika einkauften. Anfang des Jahres vereinbarte Marubeni zudem mit Chinas größtem Hersteller von Viehfutter, der New Hope Group, die Zusammenarbeit in aufstrebenden Märkten in Afrika, dem Nahen Osten, Osteuropa und Südamerika.

Quellen:agrimoney vom 29. Mai 2012; farmlandgrab vom 23. Januar 2012

Mai 2012: Agrarboom in Osteuropa lockt Monsanto

24. Mai 2012:Monsanto, der führende Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut, will verstärkt auf den osteuropäischen Markt expandieren. Er setzt unter anderem auf eine wachsende Nachfrage in der Ukraine, die inzwischen zum zweitgrößten Maisexporteur der Welt, nach den USA, aufgestiegen ist. Ausländische Agrarinvestoren haben längst die fruchtbaren Böden und riesigen, weitgehend ungenutzten Landflächen in Osteuropa und Zentralasien entdeckt und inzwischen große Ländereien gepachtet, vor allem für den Anbau von Agrarprodukten für den Export nach Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten.

Quelle:Agrimoney vom 23. Mai 2012

Mai 2012: Allianz-Versicherung sichert sich mit Agrarfonds ab

10. Mai 2012: Der Versicherungskonzern Allianz legte 2011 geschätzte 6,2 Milliarden Euro in Fonds, die mit Agrarrohstoffen spekulieren, an. Nach einem Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam ist er damit der größte deutsche Anleger im Agrarrohstoffbereich, noch vor der Deutschen Bank, die trotz Kritik (siehe FIAN) das Kapital, das sie in derartigen Fonds angelegt hat, gegenüber 2008 auf 4,5 Milliarden Euro vervierfacht hat.

Mai 2012: Gates-Stiftung fördert Förderer von Gentech in Afrika

5. Mai 2012: Mit einem Zuschuss von drei Millionen US-Dollar fördert die Bill&Melinda Gates Foundation, die ansonsten gerne ihre Unterstützung für die Gentechnologie leugnet, die Arbeit des Open Forum on Agricultural Biotechnology in Africa (OFAB). Dieses "Offene Forum", das "alle, die Interessen in der Biotechnologie haben", zusammen bringt, gehört seit seiner Gründung 2006 zu der unübersichtlichen Schar von Institutionen, die die Durchsetzung der Agro-Gentechnologie in Afrika vorantreiben. Als seine Partner nennt es unter anderem ISAAA, International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications, und das Program for Biosafety Systems, PBS, des Internationalen Forschungsinstituts für Ernährungspolitik, IFPRI, in Washington D.C. Diese eher unscheinbare Nachricht erinnert daran, dass angesichts der Debatte um Land grabbing andere Entwicklungen etwas in den Hintergrund getreten sind. Deshalb ein Hinweis auf neuere Publikationen zu Gentechnologie in Afrika.

Mai 2012: Energie-intensive Landwirtschaft - ein Auslaufmodell

3. Mai 2012: Die industrielle, mechanisierte und globalisierte Landwirtschaft ist auf fossilen Energieträgern aufgebaut, sei es als Treibstoff, sei es für die Herstellung von Dünger und Agrargiften. Für die Erzeugung einer Nahrungs-Kalorie, so Studien, würden zwischen sieben und zehn Energie-Kalorien verbraucht. Wenn Erdöl knapp ("Peak Oil") und teurer wird, könnte das auch ein Problem für die Energie-intensive Erzeugung von Agrarprodukten werden, warnt das UN-Umweltprogamm, UNEP. Das könnte den Druck auf Agrarpreise ebenso wie auf die Erzeugung von Agrartreibstoffen mit all ihren Problemen weiter erhöhen - wäre aber auch eine Chance für eine Landwirtschaft und Tierhaltung, die weniger auf industriell erzeugte externe Betriebsmittel angewiesen sind.

Quelle: UNEP Thematic Focus, April 2012

Mai 2012: Afrikas Erdöl soll helfen, den Hunger zu bekämpfen

1. Mai 2012: Als ob es nicht bereits genug Institutionen und Programme wie das Comprehensive Africa Agricultural Development Programme, CAADP, gibt, die sich die Entwicklung der Landwirtschaft in Afrika auf die Fahnen geschrieben haben, spielt die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, jetzt auch noch Geburtshelferin für einen African Trust Fund, der Finanzmittel für den Kampf für Ernährungssicherheit auf dem Kontinent einwerben soll. Zielgruppe sind unter anderem Afrikas Erdölproduzenten, wie FAO-Generaldirektor Graziano da Silva mitteilte.

Quelle: FAO Pressemitteilung vom 30. April 2012

April 2012: Afrikas Grundwasservorräte größer als vermutet

26. April 2012: In Afrika gibt es vermutlich weitaus mehr Grundwasser als bislang angenommen. Neue Untersuchungen schätzen, dass die Vorräte bis zu 100 mal größer sein könnten als das Wasser in Flüssen und Seen. Zudem sei ein großer Teil davon leicht zugänglich. Damit können sie Bevölkerungsgruppen, deren Lebensunterhalt auf Zugang zu Grundwasser beruht, einen Schutz gegen schwankende Niederschläge und Klimawandel bieten. Allerdings würden sie nicht für eine bewässerungsintensive 'Grüne Revolution' in der Landwirtschaft reichen, meinen die Wissenschaftler.

Quelle:devex, 24. April 2012

April 2012: Mehr Soja- und Maisanbau, weniger Weideland

25. April 2012: Große Agrarproduzenten weiten angesichts der hohen Agrarpreise die Anbauflächen aus. Offizielle Schätzungen in den USA gehen davon aus, dass die Farmer in diesem Jahr mindestens 2,5 Millionen Hektar zusätzlich nutzen werden. In Argentinien und Brasilien, in denen die landwirtschaftliche Nutzfläche im vergangenen Jahrzehnt um 22 Prozent auf 70 Millionen Hektar gestiegen ist, wird ebenfalls weiter expandiert: Beobachter erwarten in Brasilien in den kommenden Jahren eine Flächenausweitung für Soja um ein Viertel auf 31 Millionen Hektar, für Mais auf 15,7 Millionen Hektar. Dafür wird teilweise Weideland genutzt, was die Hersteller von Futterkonzentrat freut.

Quelle:Agrimoney, 24.4.2012 

April 2012: Emissionshandel will mehr Geschäfte in Afrika

22. April 2012: Der Klimawandel sei für Afrika eine wirtschaftliche Chance, suggeriert das UN-Umweltprogramm UNEP in einem Informationsblatt für Journalisten. Organisiert von der International Emissions Trading Association, IETA, einem Unternehmensverband zur Förderung des CO2-Handels, UN-Organisationen wie UNEP und Entwicklungsbanken wie der Weltbank, fand vom 18.-20. April 2012 in Äthiopiens Hauptstadt Addis Ababa das 4. African Carbon Forum statt. Politiker, Projektentwickler und Investoren benutzen es als Plattform, um den bislang noch wenig entwickelten Emissionshandel auf dem Kontinent voranzutreiben - mit dem Versprechen einer "Grünen Entwicklung".

Quelle:African Development Bank, Pressemitteilung vom 20. April 2012

April 2012: Indische Regierung kritisiert Gen-Baumwolle

5. April 2012: Jahrelang hat Indiens Regierung den Einsatz von gentechnisch veränderter Baumwolle (Bt-Baumwolle), die den Einsatz von Pestiziden verringern soll, gerechtfertigt und gefördert. Mittlerweile wird sie von 90 Prozent der Bauern angepflanzt. In einem Bericht, aus dem die Tageszeitung Hindustan Times vom 26. März 2012 zitiert, räumt das Agrarministerium jetzt ein, "dass die Zahl der Selbstmorde unter Bauern, die Bt-Baumwolle anbauen, besonders hoch ist". Kritiker haben seit langem darauf hingewiesen, dass der Einsatz des gv-Saatguts des US-Konzerns Monsanto die Überschuldung kleinbäuerlicher Betriebe verschärft. Zusätzlich mehren sich die Hinweise, dass die Erträge sinken und der Schädlingsbefall zunimmt, wodurch Kosten und Einnahmen auseinanderdriften.

Quelle:GMWatch

März 2012: Wachstum für Afrika durch Reisanbau

30. März 2012: Das internationale Forschungszentrum Africa Rice Center hat einen Forschungsplan vorgelegt, der dazu beitragen soll, dass Afrika bis 2020 seinen Reisbedarf zu 90 Prozent selbst decken kann. Die Reisproduktion in Afrika südlich der Sahara soll sich demnach binnen zehn Jahren auf 46,8 Millionen Tonnen mehr als verdoppeln. Gegenwärtig werden noch fast 40 Prozent importiert. Der Reisanbau könne zu einer "Wachstumslokomotive" werden, verkündet der Generaldirektor von AfricaRice, Papa Abdoulaye Seck. AfricaRice hat unter anderem NERICA, den "Neuen Reis für Afrika", entwickelt, dem höhere Erträge und gute Anpassung an Afrikas agroklimatische Bedingungen nachgesagt werden (Siehe "Agrar-Kolonialismus in Afrika", Seite 64ff). Gleichzeitig versucht China, seine eigenen Züchtungen von Hochertragsreis in Afrika an die Bauern zu bringen.

März 2012: Einigung auf Freiwillige Leitlinien für 'Land grabs'

26. März 2012: Nach dreijährigen Verhandlungen hat eine Arbeitsgruppe des UN-Komitees für Ernährungssicherung, CFS, Leitlinien verabschiedet, wie Regierungen den Besitz von Land, Fischgründen und Wäldern regeln sollten, um bestehende Nutzungsrechte, die durch großflächige Agrarinvestitionen (Land grabbing) gefährdet sind, zu schützen (Voluntary Guidelines for the Responsible Governance of Tenure of Land, Fisheries and Forests). Die Einigung, an der auch zivilgesellschaftliche Organisationen mitgearbeitet haben, soll im Mai bei einer Sondersitzung des Komitees verabschiedet werden. Vorgeschlagen werden unter anderem Flächenbegrenzungen für Verpachtungen und eine stärkere Beteiligung der Parlamente. Während die Financial Times ungenannte "offizielle Vertreter" mit der Aussage zitiert, die Empfehlungen seien "weitgehend Unternehmensfreundlich", bedauern zivilgesellschaftliche Organisationen in einer Erklärung, dass Regierungen nach wie vor daran festhalten, großfläche Agrarinvestitionen seien notwendig für die Entwicklung. Sie hoffen aber dennoch, dass die Leitlinien helfen können, den Hunger zu verringern - Begeisterung klingt anders.

März 2012: Afrika in zehn Jahren so wichtig wie Brasilien"

10. März 2012: Analysten von Agrimoney vergleichen die zukünftige Bedeutung der Agrarindustrie in Afrika mit der Rolle, die die Ausbeutung von Bodenschätzen heute spielt. Bekanntlich ist der Boom von Bergbau und Erdölförderung, kontrolliert durch einige wenige Konzerne, der wesentliche Faktor für das eindrucksvolle Wirtschaftswachstum, das einige Länder in Afrika seit einigen Jahren aufweisen. In den kommenden zehn Jahren, so die Prognose, könnten internationale Konzerne, darunter Unternehmen aus China,  den Kontinent in ein zweites Brasilien verwandeln, also in einen Global Player bei Produktion und Ausfuhr von Agrarprodukten, mit engen Beziehungen zwischen Agrarindustrie, Minengesellschaften, Finanziers wie der Rabobank, dem Hedgefonds Armajaro oder der Finanzierungsgesellschaft Asia Green Capital und Handelskonzernen. Da mag eine gehörige Portion Wishful thinking im Spiel sein. Doch zeigen diese Erwartungen, wie die Spekulation momentan tickt.

Februar 2012: Afrika: China kauft Baumwolle und verspricht Fabriken

26. Februar 2012: China wird immer wichtiger als Abnehmer für Afrikas Baumwolle, obwohl sie als teurer und schlechter als US-amerikanische Baumwolle gilt. 2010 lagen seine Importe aus Westafrika sieben Mal höher als die Importe der EU, die in den vergangenen zehn Jahren um 80 Prozent gesunken sind. In einem neuen Abkommen über technische Zusammenarbeit im Baumwollsektor mit den westafrikanischen Erzeugerländern Benin, Mali, Tschad und Burkina Faso wird Unterstützung bei der Qualitätsverbesserung zugesagt und eine weitere Verlagerung von Textilfabriken nach Afrika angekündigt. Chinesische Unternehmen wie die Yuemei-Gruppe besitzen bereits Baumwollfelder und Textilfabriken in Ländern wie Mali und Ghana.

Quelle:agritrade, 25. Februar 2012

Februar 2012: Bill Gates liest den Vereinten Nationen die Leviten

25. Februar 2012: In einer Rede vor dem Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung, IFAD, übte Bill Gates, Vorsitzender der Bill&Melinda Gates Foundation, heftige Kritik an der Arbeit der UN-Organisationen für ländliche und landwirtschaftliche Entwicklung. Der Ansatz von IFAD, zuständig für die kleinbäuerliche Landwirtschaft, des Welternährungsprogramms WFP und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO im Kampf gegen Armut und Hunger sei überholt und ineffizient. Für nachhaltige Produktivitätssteigerungen seien innovativere Instrumente, bessere Koordination und eine Erfolgskontrolle, etwa durch ein System öffentlicher Score Cards erforderlich. Versüsst wurde die Schelte mit 200 Milionen US-Dollar, mit denen die von der Stiftung seit Beginn ihres Landwirtschaftsprogramms im Jahr 2006 für landwirtschaftliche Kleinbetriebe zugesagten Gelder auf - nach eigenen Angaben - über zwei Milliarden US-Dollar steigen, unter anderem für die umstrittene Alliance for a Green Revolution in Africa, AGRA. Der Appell fällt zusammen mit einer Warnung der etc group, die sich seit Jahren kritisch mit der Rolle der Agrarindustrie besonders im Forschungsbereich auseinandersetzt, dass große Stiftungen und Agrarkonzerne zunehmend versuchen, ihren Einfluss auf multilaterale öffentliche Institutionen im Agrarbereich auszuweiten und die Unterscheidung zwischen 'öffentlich' und 'privat' zunehmend verwischt würde (Communiqué #108, January/February 2012).

Quelle: na.presseportal vom 23.2.2012

Februar 2012: Hochschulforschung mit Konzerngeldern

9. Februar 2012: Im Rahmen eines neu gegründeten Kompetenzzentrums World Food System möchte die ETH Zürich einen Lehrstuhl "Nachhaltige Agrarökosysteme" einrichten, der vom Schweizer Agrarkonzern Syngenta finanziert wird. Das Unternehmen, dessen wichtigste Produkte Pestizide und Saatgut sind, will dafür zehn Millionen Schweizer Franken bereit stellen. Beobachter wie der Landwirtschaftsexperte der Erklärung von Bern, Francois Meienberg, fürchten, dass dadurch eine unabhängige Forschung fraglich sei. So versucht die Agrarindustrie seit Jahren, den pfluglosen Ackerbau (Conservation Agriculture) als nachhaltig anerkennen zu lassen und dadurch den Herbizidabsatz zu steigern. Mehr dazu in der WOZ

Januar 2012: Agrarinvestitionen: BMZ möchte "nur Gewinner"

24. Januar 2012: Gestern stellte das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BMZ, ein Positionspapier für seinen Umgang mit privaten Investitionen in Land vor. Dabei legt es die Messlatte der Anforderungen dafür, dass diese Landnahme nicht zu Land Grabbing, also zu großflächigen Vertreibungen führt, sehr hoch: Partizipation, Transparenz und Rechenschaftslegung, die Anerkennung bestehender Land- und Wasserrechte, ein Menschenrechtskonformer Umgang mit Umsiedlungen und Entschädigungen, Achtung der Menschenrechte auf Nahrung und Wasser, Schutz der natürlichen Ressourcen und eine gerechte Beteiligung am Nutzen der Investition. Allerdings bestehen diese Voraussetzungen für "verantwortungsvolle Investitionen", die gewährleisten würden, dass es "nur Gewinner, aber keine Verlierer gibt", nur unzureichend. Konsequenterweise müsste das BMZ daher ein Moratorium für Direktinvestitionen in Land und deren Unterstützung durch die internationale Entwicklungszusammenarbeit vorschlagen, bis diese Bedingungen geschaffen sind. Stattdessen will es sich auf die Schaffung einer Informationsgrundlage, die Erarbeitung internationaler Leitlinien, die Unterstützung von Partnerländern bei Bodenpolitik und Landmanagement, die Ausbildung von Fachkräften, die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor und die "Einforderung von Nachhaltigkeit" konzentrieren - und im Juli kommenden Jahres einen Erfolgsbericht vorlegen.

Investitionen in Land und das Phänomen des "Land Grabbing". Herausforderungen für die Entwicklungspolitik. BMZ-Strategiepapier 2, 2012

Januar 2012: "Agrar-Kolonialismus" jetzt als pdf-Datei

9. Januar 2012: Das Buch "Agrar-Kolonialismus in Afrika. Eine andere Landwirtschaft ist möglich" von Uwe Hoering, erschienen 2007 im VSA-Verlag, Hamburg, ist jetzt als pdf-Datei erhältlich: Download (0,9 MB)

 

Agrobusiness: Nachrichten 2011

Dezember 2011: Peru verbietet Gentech-Pflanzen

24. Dezember 2011: Nach breiten Protesten gegen die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen Anfang dieses Jahr wurde jetzt ein Gesetz verabschiedet, das diesen Schritt rückgängig macht und ein Moratorium vorerst für zehn Jahre festlegt. Begründet wurde das Verbot mit dem Schutz der biologischen Vielfalt und der Ernährungssicherheit.

Quelle:GMWatch, 23. Dezember 2011

Dezember 2011: Agrokonzern setzt auf Züchtung ohne Gentechnologie

1. Dezember 2011:Bayer CropScience plant, innerhalb der kommenden zehn Jahre neue Weizensorten zu entwickeln, die resistenter gegen Hitze und Dürre sind. Dabei soll auf Gentechnologie verzichtet und stattdessen mit Marker-Techniken der Züchtungsprozess beschleunigt werden. Danach aber, so die zuständige Managerin, Sandra Peterson, in einem Interview mit Reuters, müsse Europa seine Ablehnung gegen gentechnisch veränderte Nutzpflanzen aufgeben, um nicht die eigene Ernährungssicherheit zu gefährden.

Quelle:GMWatch, 30. November 2011

November 2011: Höfesterben in Südafrika

4. November 2011: Die Zahl der kommerziellen landwirtschaftlichen Betriebe in Südafrika könnte von gegenwärtig knapp 40.000 in den nächsten zwei Jahrzehnten auf rund 15.000 sinken, schätzt Ernst Janovsky von Absa AgriBusiness. 1980 waren es noch mehr als dreimal so viel wie heute, 2007 wurde das Land vom Exporteur zum Importeur von Nahrungsmitteln. Der Manager der Absa-Bank, die stark in der Agrarfinanzierung engagiert ist, begründet seine Prognose mit steigenden Kosten, Unsicherheit durch Landumverteilungsprogramme und die bestehenden Rechte von Landarbeitern und fordert eine Wende in der Agrarpolitik, um die Chancen steigender Weltmarktpreise für Agrarprodukte zu nutzen. Quelle: Business Day, 27.10.2011

Oktober 2011: Veganes Fleisch

15. Oktober 2011: Nach dem alttestamentarischen Vorbild, der Erschaffung Evas aus einer Rippe Adams, arbeiten Wissenschaftler daran, Fleisch zu erzeugen, ohne dafür Tiere töten zu müssen. Dabei werden Stammzellen aus Muskeln in vitro vermehrt. Bislang können allerdings nur geringe Mengen im Labor hergestellt werden.

Quelle:Nourishing the Planet

September 2011: Zusagen für Afrikas Landwirtschaft nicht eingehalten

12. September 2011: Trotz der anhaltend hohen Nahrungsmittelpreise halten die Industrieländer ihre Zusagen, grundlegende Reformen in Afrikas Landwirtschaft mit dem Ziel einer besseren Eigenversorgung zu unterstützen, nicht ein. Beim G8-Gipfel im italienischen L'Aquila 2009 hatten sie erhebliche Finanzmittel für Landwirtschaft und Ernährungssicherung versprochen. In der Studie "Aid Coordination and Alignment: myth or reality?" über Agrarprojekte in drei westafrikanischen Ländern (Niger, Burkina Faso und Ghana) stellt die Entwicklungsorganisation Oxfam nun fest, dass bislang nur ein Bruchteil dieser Gelder bereitgestellt wurde. Außerdem würden Projekte umfassende Entwicklungspläne der Länder ignorieren und Nahrungsmittelhilfe die lokale Landwirtschaft weiterhin beeinträchtigen. Der Bericht und eine Kurzfassung bei Oxfam International

August 2011: Deutsche Agrarunternehmen helfen Afrika

August 2011: Neun Agrarfirmen, darunter Bayer CropScience und das Saatgutunternehmen KWS, wollen äthiopischen Bauern nachhaltige Landbewirtschaftung nahebringen, indem sie Saatgut, Technik und Agrargifte für einen Ausbildungsbetrieb bereit stellen. Dabei kooperieren sie eng mit dem äthiopischen Landwirtschaftsministerium. Auch das deutsche Agrarministerium unterstützt politisch und finanziell dieses öffentlich-private Kooperationsprogramm der Agrarunternehmen, von dem sich ein Unternehmenssprecher erhofft, dass dadurch die deutsche Agrarwirtschaft auf weiteren Auslandsmärkten in Afrika Fuß fassen kann.

Quelle: Pressemitteilung der KWS vom August 2011

August 2011: Land in Mosambik für Brasiliens Exporte nach China

17. August 2011: Mosambik will brasilianischen Farmern bis zu sechs Millionen Hektar im Norden des Landes für den Anbau  von Soja, Mais und Baumwolle verpachten. "Wir wollen wiederholen, was sie vor 30 Jahren im Cerrado geschafft haben", erklärte Landwirtschaftsminister José Pacheco in der brasilianischen Zeitung Folha de Sao Paulo. Der Transport von Soja oder Baumwolle nach China, einem wichtigen Abnehmer brasilianischer Agrarprodukte, würde dadurch kostengünstiger, freut sich Carlos Ernesto Augustin, Präsident der Baumwollproduzenten im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso, ausserdem gebe es "ungenutztes Land" und weniger Umweltauflagen. In der Studie "Awakening Africa's Sleeping Giant" (Juni 2009) hatte die Weltbank die Erschließung des Cerrado durch die industrielle Landwirtschaft als Vorbild für Afrika propagiert. Siehe dazu den Globe-spotting-Beitrag "Schlafender Riese, landfressender Moloch oder hässlicher Zwerg?"

August 2011: Gates-Stiftung rechtfertigt Agro-Gentechnologie

5. August 2011: In einem ausführlichen Interview mit der äthiopischen Wochenzeitung Addis Fortune nimmt Sylvia Mathews, Präsidentin des Globalen Entwicklungsprogramms der Bill&Melinda Gates Foundation, Stellung zu den Vorwürfen, die finanzstarke US-amerikanische Stiftung würde Afrika zum Versuchsfeld für Biotech-Konzerne wie Monsanto machen. Darin bezeichnet sie die Entwicklung von gentechnisch veränderten Pflanzen als "Teil der Lösung" für Agrarprobleme und Armut auf dem Kontinent. Sie sehe nicht, wie ein Unternehmen wie Monsanto, an dem die Stiftung Anteile hält, "die Armen schwächen" würde. Schließlich könnten die Bauern selbst entscheiden, welches Saatgut sie verwenden. Das ganze Interview auf Addis Fortune.

Siehe dazu die Studien des African Centre for Biosafety (ACB)

Juli 2011: Proteste von Baumwollbauern in Westafrika

28. Juli 2011: Während sich die Preise für Baumwolle nach dem krisenbedingten Einbruch erholt und einen historischen Höchststand erreicht haben, klagen Bauern in Westafrika darüber, dass sie davon kaum profitieren würden. In Burkina Faso zum Beispiel, dem größten Produzenten in Afrika südlich der Sahara, zahlen die Regierung beziehungsweise regionale Aufkaufmonopole lediglich 39 Prozent des Weltmarktpreises und erhöhten gleichzeitig den Preis für Dünger um 38 Prozent. Tausende von Bauern beteiligten sich daher an einem Anbauboykott und zerstörten Baumwollfelder. Auch in Kamerun klagen Bauern darüber, dass der festgelegte Aufkaufpreis um bis zu einem Drittel niedriger liegen würde als der Marktpreis. Siehe dazu den Bericht "Booming cotton no boon to African farmers" auf TradeMark SA

Juli 2011: Dürre als Einfallstor für Genmais

8. Juli 2011: Seit Anfang des Monats protestieren in Kenias Hauptstadt Nairobi Kleinbauern und Umweltschützer gegen die Einfuhr von gentechnisch verändertem Mais aus Südafrika, mit der Regierung und Getreidemühlenbesitzer die Ernteausfälle aufgrund der anhaltenden Dürre kompensieren wollen. Die Demonstranten lehnen nicht nur die landwirtschaftliche Gentechnologie ab, sondern fürchten auch, dass Bauern durch den billigen Genmais verdrängt werden. Die Grundlage für den Import hatte die Regierung in den vergangenen Jahren geschaffen, indem sie den Import und den kommerziellen Anbau von gv-Pflanzen erlaubte (siehe Nachricht vom 8. März 2011). Doch Gacheke Gachihi, Koordinator der Bunge La Mwananchi Social Movement erklärte gegenüber Newscast Media: "Wir sind überzeugt, dass wir dieses Land mit organischer und agroökologischer Landwirtschaft ernähren können."

Zur Strategie der Agrarindustrie, Hunger zur Durchsetzung von Genpflanzen zu nutzen, siehe auch den Beitrag "Nahrungsmittelhilfe als Brechstange". Download (pdf-Datei 99 kb)

Juli 2011: Ernährungssicherheit a la Weltbank

1. Juli 2011: Mit einem ganzen Maßnahmenbündel will die Weltbankgruppe den Auswirkungen steigender und schwankender Nahrungsmittelpreise begegnen: Zum einen seien die Gelder für Landwirtschaft im Finanzjahr 2011 von 4,1 Milliarden US-Dollar 2008 auf bis zu 8 Milliarden annähernd verdoppelt worden. Bis zu 4 Milliarden stellt sie zur Absicherung gegen Preisausschläge bereit, das Global Food Crisis Response Program (GFRP) würde zudem rund 40 Millionen Menschen unterstützen.  Das Global Agriculture and Food Security Program (GAFSP), im April 2010 von den G20-Staaten gestartet und von der Bank durchgeführt, soll mit bislang 520 Millionen Investitionen in die bäuerliche Landwirtschaft fördern. Auch die International Finance Corporation (IFC) will privaten Agrarunternehmen stärker bei der Verbesserung der Effizienz helfen. Für Afrika südlich der Sahara, nach Aussage der Bank ihre "Top-Priorität", gingen die Gelder allerdings gegenüber den Vorjahren deutlich zurück. Siehe dazu die Presse-Erklärung

Juni 2011: Fan der Agrarindustrie als neuer FAO-Chef

27. Juni 2011: Gestern wurde in Rom der Brasilianer José Graziano da Silva mit knapper Mehrheit zum neuen Generaldirektor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) gewählt. Als brasilianischer Minister für Ernährungssicherheit und Hungerbekämpfung war er unter anderem zuständig gewesen für Fome Zero, ein Regierungsprogramm zur Ernährungssicherung. Wie die Zeitung 'Junge Welt' berichtet, gilt er jedoch auch als ein Befürworter großflächiger Ethanol- und Biodieselproduktion durch Agrarunternehmen. Im Rahmen einer brasilianisch-afrikanischen Kooperation sei er zudem bestrebt, das brasilianische Modell aus Monokulturen und Vertragslandwirtschaft auf Afrikas Savannen zu übertragen. Mehr dazu im Beitrag von Norbert Suchanek in Junge Welt und seinen Gastbeitrag für globe-spotting.de

Juni 2011: Vorräte als "smarter Ansatz" gegen Hungerkrisen

22. Juni 2011: Eine globale Getreidereserve von nur 105 Millionen Tonnen hätte helfen können, die Nahrungsmittelkrise vor drei Jahren zu verhindern, behauptet die nichtstaatliche Entwicklungsorganisation Oxfam. Daher appellierte sie anläßlich des Treffens der G20-Landwirtschaftsminister an die Regierungen, "die Haltung zu Nahrungsmittelreserven zu überdenken". Allerdings müsste eine Vorratshaltung kostengünstiger und effektiver als in der Vergangenheit umgesetzt werden. Oxfam greift damit eine Diskussion auf, die bereits seit einiger Zeit läuft. Siehe Agrarkolonialismus

Mai 2011: Agrarverhandlungen in der WTO (fast) am Ende

31. Mai 2011: Was sich in den vergangenen Monaten bereits abzeichnete, ist jetzt sozusagen offiziell: Die Agrarverhandlungen in der Welthandelsorganisation WTO werden auf die lange Bank geschoben. Vor dem Trade Negotiations Committee, das alle Verhandlungen der sogenannten "Doha Entwicklungsrunde" koordinierträumte WTO-Chef Pascal Lamy ein, dass bei Themen wie Marktzugang für nicht-agrarische Verarbeitungsprodukte (NAMA), Landwirtschaft und Dienstleistungen oder geistigen Eigentumsrechten (TRIPS) auf absehbare Zeit keine Ergebnisse mehr zu erwarten seien. Bis zur nächsten WTO-Ministerkonferenz im Dezember soll jetzt noch ein kleines Weihnachtspaket geschnürt werden, um nicht ganz mit leeren Händen da zu stehen. Darin sollen einige Regelungen für den Handel mit den ärmeren Entwicklungsländern verpackt werden. Mehr auf der WTO-Website

Mai 2011: Preistreiberei durch Spekulation "nicht belegt"

30. Mai 2011: Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Landwirtschaftsministeriums (BMELV) lehnt  - anders als das Ministerium selbst - eine Regulierung von Warenterminmärkten zur Stabilisierung von Marktpreisen weitgehend ab. Dass "exzessive" Spekulationen die Märkte destabilisieren würden und damit auch zu starken Preissteigerungen und Hunger beitragen könnten (Siehe Literaturhinweis), hält er für nicht hinreichend belegt. Auch beim Vorschlag einer globalen Nahrungsmittelreserve (Siehe Literaturhinweis) sieht er weiteren Forschungsbedarf.

Link zur Beirats-Stellungnahme "Risiko- und Krisenmanagement in der Landwirtschaft: Zur Rolle des Staates beim Umgang mit Ertrags- und Preisrisiken" (April 2011).

Siehe dazu auch den globe-spotting-Kommentar: "Nahrungsmittelpreise: Den Hunger wegregulieren" (August 2010)

 

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