AGRA - Allianz für eine Grüne Revolution
1999 rief die Rockefeller Foundation, die bereits seit den 1960er Jahren eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der 'Grünen Revolution' spielte, ihre Initiative New Green Revolution for Africa ins Leben. 2006 wurde daraus unter Beteiligung der Bill and Melinda Gates Foundation die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA). Den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernahm 2007 der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan. Erklärte Absicht ist, die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen der Armen zu steigern ohne die Umwelt zu schädigen. Kernaspekte sind verbessertes Saatgut, Boden- und Wassermanagement, eine stärkere Einbindung in Marktstrukturen und die Förderung "öffentlich-privater Partnerschaften" (PPPs), weil kommerzielle Investitionen als entscheidend betrachtet werden. Offiziell haben Sprecher der Allianz immer wieder dementiert, Gentechnologie fördern zu wollen. Die Forderung nach einem Abbau von Regulierungen zu Biologischer Sicherheit und die enge Kooperation mit Institutionen wie International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications (ISAAA), Africa Harvest und African Agricultural Technology Foundation (AATF), die die Biotechnologie vorantreiben, wecken Zweifel. Außerdem kritisieren zivilgesellschaftliche Organisationen eine unzureichende Beteiligung und eine schrittweise Verdrängung der bäuerlichen Produktionsweise zugunsten einer industriellen Landwirtschaft.
Eine Kurzinformation bietet FoodFirst. Siehe dazu den Text "Unternehmen Süsskartoffel" (2007)
Committee on World Food Security (CFS)
Das Komitee, das die FAO zum Kern einer neuen "globalen Partnerschaft für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit" machen möchte, wurde 1974 gegründet, um ernährungspolitische Strategien international abzustimmen. Als zwischenstaatliche Institution ist es offen für alle Mitgliedsländer der FAO, für andere internationale Organisationen, für Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und NGOs. Bei seiner Sitzung vom 14.-17.Oktober 2009 in Rom wurden weitreichende Reformen beschlossen, um seine Rolle als globale Koordinierungsstelle für Ernährungssicherheit zu stärken. Danach soll es ähnlich wie das einflussreiche Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hochrangige Expertise zusammenbringen, internationalen Ernährungskrisen vorbeugen und dazu beitragen, eine abgestimmte, kohärente Ernährungssicherungspolitik auf allen Ebenen zu formulieren und umzusetzen. Ausdrücklich sollen verstärkt Organisationen beteiligt werden, die kleinbäuerliche Familien, Fischer, Hirten, Landarbeiter, Frauen und indigene Völker repräsentieren. Siehe Bericht der ETC Group: Report Card from Reform School
Zur Website des Committee on World Food Security
Comprehensive Africa Agriculture Development Program (CAADP)
2003 verabschiedete die Afrikanische Union die 'Maputo-Erklärung zu Landwirtschaft und Ernährungssicherheit in Afrika'. Als Bestandteil der New Partnership for Africa's Development (NEPAD) wurde daraufhin CAADP geschaffen, um Ernährungssicherheit und Einkommen im Agrarbereich zu verbessern und eine von der Landwirtschaft ausgehende Entwicklung zu beschleunigen. Regierungen sollten verstärkte Anstrengungen unternehmen, die landwirtschaftliche Produktivität um mindestens sechs Prozent im Jahr zu steigern und zehn Prozent der Haushaltsmittel für die Landwirtschaft bereitzustellen. Im Vordergrund der verabschiedeten Aktions- und Investitionspläne stehen Ernährungssicherung und die Integration in Wertschöpfungsketten und Märkte. Link
Siehe dazu:
Monitoring African Agricultural Development Processes and Performance, by Samuel Benin u.a.. ReSAKSS Annual Trends and Outlook Report 2010. Link (pdf-Datei 3,7 MB)
Food and Agriculture Organization (FAO)
Seit ihrer Gründung 1945 versucht die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Rom, ihrem Motto fiat panis gerecht zu werden und die internationalen Anstrengungen zur Beseitigung der Hungers zu koordinieren und zu fördern. Sie soll Entwicklungsländern helfen, Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei zu modernisieren und zu verbessern. Oberstes Entscheidungsgremium ist die alle zwei Jahre stattfindende Konferenz der inzwischen 192 Mitgliedsländer, die ein Arbeitsprogramm und das Budget beschließt, einen Leitungskreis und den Generaldirektor, seit 1994 der Senegalese Jacques Diouf, wählt.
Nachdem mehrere Jahre lang das Verwaltungsbudget stagnierte - Ausdruck verbreiteter Kritik aus Industrieländern - stieg es für den Zweijahres-Zeitraum 2008-2009 auf 929,8 Millionen US-Dollar. Zusätzlich wirbt sie für Hilfsmaßnahmen und Entwicklungsvorhaben, zum Beispiel durch das Welternährungsprogramm (World Food Program), zusätzliche Mittel von einzelnen Ländern ein, wobei die USA allein etwa die Hälfte bereitstellen, weitgehend in Form von Nahrungsmitteln. Die FAO führt zudem verschiedene weitere Programme durch, darunter das Special Programme for Food Security, und die im Dezember 2007 gestartete Initiative on Soaring Food Prices. In ihrem Strategic Framework 2000-2015 bekennt sie sich zur „Fortentwicklung eines Rechtsanspruchs auf Ernährungssicherheit“.
Während Regierungen der Mitgliedsländer, insbesondere der USA, immer wieder heftige Kritik an Bürokratie, Intransparenz und Ineffizienz geübt haben, kritisieren zivilgesellschaftliche Entwicklungsorganisationen die zunehmende Ausrichtung auf eine kommerzielle und energieintensive Agrarindustrie, die sich unter anderem im Bekenntnis zur Agro-Biotechnologie niederschlug, und die Vernachlässigung bäuerlicher Landwirtschaft.
Weitere Informationen bei wikipedia
Global Agriculture and Food Security Program (GASFP)
Ebenso wie die High-Level Task Force, die L'Aquila Food Security Initiative, die European Commission Food Facility, für die die EU bis zu eine Milliarde Euro versprach, und das US-Regierungsprogramm Feed the Future, das 3,5 Milliarden US-Dollar für Landwirtschaft und Ernährungssicherung vergeben will, ist GAFSP eine Antwort von UN-Organisationen und Regierungen auf die Preissteigerungen für Nahrungsmittel und die Proteste, die dadurch in vielen Ländern ausgelöst wurden. Die Idee für einen Treuhandfonds zur Unterstützung landwirtschaftlicher Entwicklung wurde erstmals beim G8-Treffen im italienischen L'Aquila 2009 diskutiert. Beim Treffen der G20 der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer im September 2009 in Pittsburg erhielt die Weltbank den Auftrag, "gemeinsam mit interessierten Gebern und Organisationen einen multilateralen Fonds zu entwickeln, um die landwirtschaftliche Hilfe für Länder mit niedrigem Einkommen zu steigern". Im April 2010 versprachen die USA, Kanada, Spanien, Südkorea und die Bill&Melinda Gates Stiftung 880 Millionen US-Dollar. Davon waren Mitte 2011 allerdings erst 400 Millionen eingegangen. Die Gelder können an privatwirtschaftliche und an öffentliche Empfänger gehen.
Kritik gab es unter anderem an der unzulänglichen Beteiligung von Bauernorganisationen bei der Vorbereitung und Umsetzung von Projekten. Daraufhin wurden die Regierungen der Empfängerländer aufgefordert, Produzentenorganisationen zukünftig stärker einzubeziehen. Link
HIgh-Level Task Force des UN-Generalsekretärs (HLTF)
Hinter dem sperrigen Namen High-level Task Force on the Global Food Security Crisis verbirgt sich der Versuch des UN-Generalsekretariats, das prestigeträchtige Thema 'globale Hungerkrise' zu besetzen. Im April 2008 einberufen, besteht die "hochrangige Arbeitsgruppe" aus Vertretern von UN-Organisationen, beteiligt sind aber auch die Weltbank, der Internationale Währungsfonds IWF und die Welthandelsorganisation WTO. Bereits im Juli 2008 legte die Arbeitsgruppe einen Rahmenaktionsplan (Comprehensive Framework for Action) vor, in dem unter anderem Vorschläge für die Zusammenarbeit und Rollenverteilung zwischen den internationalen Akteuren formuliert und die Steigerung der öffentlichen Ausgaben für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (Haushaltsmittel und Entwicklungshilfe) empfohlen wird. In ungebrochenem Optimismus über die heilsamen Wirkungen des weltweiten Agrarhandels werden ferner ein rascher Abschluss der Doha-'Entwicklungsrunde' der WTO und ein weiterer Abbau von von Zöllen, Steuern und Subventionen empfohlen. Link. Siehe auch die UN-Website 'Global Food Security'
International Fund for Agricultural Development (IFAD)
Mit dem Internationalen Fonds für Agrarentwicklung haben sich die heute 165 Mitgliedsländer 1974 eine UN-Sonderorganisation geschaffen, die das erreichen soll, was die Regierungen selbst oft nicht leisten: Die ländliche Bevölkerung durch die Bildung und Stärkung eigener Organisationen in die Lage zu versetzen, ihre Interessen zu vertreten, auf Entscheidungen, die sie betreffen, Einfluss zu nehmen, und Widerstände auf dem Weg zu einem besseren Leben zu überwinden. Durch zinsgünstige Kredite und Zuschüsse von bislang insgesamt über 11 Milliarden US-Dollar unterstützt IFAD Regierungen bei der Entwicklung und Finanzierung von Projekten und Programmen, durch die die ländliche Bevölkerung Zugang zu Land und Wasser, Technologien, Krediten und Märkten bekommen und das Management natürlicher Ressourcen verbessern soll, wobei Frauen als eine besonders wichtige Zielgruppe gelten. Ihr gegenwärtiger Präsident Kanayo F. Nwanze wurde 2009 für vier Jahre gewählt.
Siehe IFAD-Website
World Economic Forum (WEF)
Die Initiative New Vision for Agriculture des Weltwirtschaftsforums besteht aus Weltkonzernen der Agrar- und Ernährungsindustrie, von Syngenta und Monsanto über Cargill und ADM bis Coca-Cola und Wal-Mart. Unter anderem organisierte sie Konferenzen in Tansania, Vietnam, Indien und den USA für hochrangige Vertreter aus Staat und Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Bislang führt sie in zwei Ländern (Tansania und Vietnam) "Partnerschaften" durch, um ihre Vorstellungen von privatwirtschaftlich getragener und marktorientierter Ernährungssicherheit, ökologischer Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Chancen umzusetzen.
Aktuelle Publikation:
Realizing a New Vision for Agriculture: A roadmap for stakeholders. Prepared in collaboration with McKinsey & Company. 2011. Link (pdf-Datei 4,9 MB)
World Food Programme (WFP)
Das 1962 geschaffene Welternährungsprogramm, das zunächst im Rahmen der FAO operierte, sieht sich selbst als die größte humanitäre Organisation im Kampf gegen den Hunger. 2008 versorgte sie nach eigenen Angaben 102 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln, zwei Drittel davon als Nothilfe, etwa 18 Millionen in Wiederaufbauprojekten. Dabei ist die UN-Organisation ausschließlich auf Spenden angewiesen. Größter Geber sind die USA mit etwa 40 Prozent der Spenden, überwiegend Agrarüberschüsse. Angesichts wachsender Kritik an der Nahrungsmittelhilfe und sinkender Überschüsse kauft das WFP zunehmend Nahrungsmittel in Entwicklungsländern auf und stützt damit die dortige Landwirtschaft beziehungsweise den Agrarhandel. Geschäftsführende Direktorin ist seit April 2007 Josette Sheeran, die vorher im US-amerikanischen Außenministerium arbeitete.
Zur WFP-Website