Meine früheren Blog-Beiträge:

Juli 2011: Gemeinsam mit den Spekulanten gegen Hunger

14. Juli 2011: Stolz verkündete die Weltbank vor drei Wochen, dass sie einen neuen Weg gefunden habe, „wie sich Bauern, Nahrungsmittelerzeuger und Verbraucher selbst gegen die Preisschwankungen für Nahrungsmittel schützen können“. Das macht neugierig. Mehr

Mai 2011: Weniger Verschwendung hilft nicht gegen Hunger

Mai 2011: Mit ihrem Appell 'Save Food' greift die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO einen Skandal von gewaltigem Ausmaß auf: Etwa ein Drittel der Nahrung, die für den menschlichen Verbrauch erzeugt wird, geht weltweit verloren. Ihre Lösungsvorschläge beschränken sich allerdings weitgehend auf Kosmetik – den Hungernden helfen sie kaum. Mehr

Januar 2011: Vogelgrippe als Steigbügelhalter für Genfleisch

Januar 2011: Britische Forscher melden einen "Durchbruch" beim Schutz von Tieren gegen Virusinfektionen. In der Wissenschaftszeitschrift Science berichten sie darüber, dass Hühner genetisch so verändert wurden, dass die Übertragung der Vogelgrippe sowohl von Tier zu Tier als auch von Tier zu Mensch unterbunden werde. Davon versprechen sie sich nicht nur wirtschaftliche Vorteile für die Industrie, sondern auch eine größere Akzeptanz für die Anwendung von Gentechnologie bei der Produktion von Nahrungsmitteln. Mehr

September 2010: "Land grab": Zu Risiken fragen Sie die Weltbank

September 2010: Jetzt haben wir es sozusagen aus berufenem Munde: Das Ausmaß von Land grabbing ist anscheinend weitaus größer als bislang vermutet. Das jedenfalls steht im mit Spannung erwarteten Bericht "Rising Global Interest in Farmland" der Weltbank. Mehr

August 2010: Wo der Brotkorb hängt

Ein Kommentar von Uwe Hoering, 27. August 2010

Ein Ende nicht nur des Hungers in Afrika, sondern der Ernährungskrise überhaupt ist endlich in Sicht! Wie, das werden afrikanische Politiker, die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA), Industrievertreter und Geberorganisationen beim African Green Revolution Forum (AGRF) Anfang September in Accra enthüllen. „Die Brotkorb-Strategie wird das Potenzial von Ghanas Kleinbauern entfalten und einen Durchbruch bei der landwirtschaftlichen Produktion bringen“, versichert AGRA-Präsident Namanga Ngongi. (1) Mehr

August 2010: Nahrungsmittelpreise: Den Hunger wegregulieren

 Ein Kommentar von Uwe Hoering, 18. August 2010

Sprunghaft steigende Preise für Getreide wecken Erinnerungen an die Krise vor zwei, drei Jahren, als der „Tortilla-Krieg“ in Mexiko und Hunger-Demonstrationen in zahlreichen weiteren Ländern Schlagzeilen machten. Die Geschichte könnte sich wiederholen, auch wenn die zuständigen Hungerverwalter wie die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO noch abwiegeln. (1) Um einer neuerlichen Ausweitung der Ernährungskrise zu begegnen, ertönt jetzt immer häufiger der Ruf nach einer Regulierung der globalen Nahrungsmittelmärkte. (2) Was für die Finanzmärkte diskutiert wird, scheint doch für Spekulanten, die mit dem täglich' Brot spielen, erst recht angesagt. Mehr

Juli 2010: Vereinte Nationen: Wassersieg auf höchster Ebene

Ein Kommentar von Uwe Hoering, 29. Juli 2010

Dies sei ein „historischer Tag“ und ein „Sieg“ der seit zehn Jahren andauernden Kampagne, dass Wasser als Menschenrecht anerkannt wird, jubeln Vertreter des Council of Canadians und andere „Wasserkrieger“, Seit' an Seit' mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen, der darin ein 'wichtiges politisches Signal' sieht. Die gestrige Verabschiedung einer von Bolivien eingebrachten entsprechenden Resolution durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen ist sicherlich ein Erfolg. Jahrelang haben zahllose zivilgesellschaftliche Organisationen dafür Regierungsvertreter bearbeitet, Konferenzen organisiert, Demonstrationen abgehalten, Gutachten in Auftrag gegeben, Reden, Artikel und Resolutionen geschrieben. Kein Wunder, dass sie jetzt, da das - wenn man so will - höchste politische Organ der Welt dieses Recht anerkennt und alle Regierungen auffordert, ihre Bemühungen zu seiner Einhaltung zu verstärken, jubeln. Herzlichen Glückwunsch! Mehr

Juni 2010: Die Agrarindustrie als Rettung in der Not

Ein Kommentar von Uwe Hoering, 14. Juni 2010

Seit kapitalkräftige Investoren die Landwirtschaft entdeckt haben, freut sich die Politik. Was sie selbst jahrzehntelang versäumt hat - ein Versäumnis, das sich unter anderem darin niederschlägt, dass der Hunger in der Welt wieder zunimmt – soll jetzt die Privatwirtschaft retten. Das war auch der Tenor bei der Internationalen Konferenz: Politik gegen Hunger, die das Landwirtschaftsministerium jüngst in Berlin veranstaltete. Im Mittelpunkt stand die „Förderung verantwortlicher Aktivitäten des Privatsektors in der Landwirtschaft im Interesse von Ernährungssicherheit und Ernährung“. Mehr

November 2009: "Null Hunger" global? Hoffen auf das Komitee für Ernährungssicherheit

19. November 2009: Die Erwartungen an den Weltgipfel für Ernährungssicherheit in Rom (16.-18. November) waren nicht hoch. Die Abschlusserklärung lag bereits vorher fix und fertig vor. Trotzdem ist es gelungen, noch dahinter zurück zu fallen. Kein frisches Geld, keine besseren Konzepte, keine ehrgeizigen Ziele – kurzum: keine neue Substanz, wo doch zu erwarten gewesen wäre, dass angesichts der Krise jetzt ein Aufbruch erfolgen würde. Immerhin gibt es mit dem reformierten Komitee für Ernährungssicherheit (CFS), das manche im Überschwang der Gefühle bereits als “eine Art Weltparlament für Ernährungssicherheit“ sehen, Hoffnungen.

Ein Kommentar von Uwe Hoering. Mehr

November 2009: Weltgipfel Ernährungssicherheit: Hauen und Stechen

Ein Kommentar zum Weltgipfel für Ernährungssicherheit (16.-18.November, Rom)

von Uwe Hoering

2. November 2009:  Mit 'Hochrangigen Task forces', institutionellen Reformen und immer neuen, immer umfassenderen Strategiepapieren antworten die politischen Hungerbekämpfer in den Vereinten Nationen, Bretton Woods-Institutionen und Regierungen auf den Skandal, dass einem Schlaraffenland von Nahrungsmitteln eine historisch noch nie erreichte Anzahl von Hungernden gegenüber steht. Reis- und Brotaufstände lieferten Schlagzeilen und Bilder, die die jahrzehntelangen, vollmundigen Feldzüge gegen den Hunger in der Welt gar nicht gut aussehen lassen. Also besteht Handlungsbedarf. Doch Ursachen-ferne Reformen wie ein Herumzimmern an Governance-Architekturen ist kaum mehr als Aktionismus. Und auch die Ankündigungen, die Gelder für die Entwicklung der Landwirtschaft zu erhöhen, sind noch nicht viel mehr als Öffentlichkeits-beschwichtigende Absichtserklärungen, abgesehen davon, dass es sich im Vergleich mit den Rettungspaketen für Banken, Spekulanten und Industrien um weniger als Peanuts handelt.

Damit ist allerdings ein fröhliches Hauen und Stechen um die Führung im neuerlichen, globalen Feldzug gegen den Hunger ausgebrochen, und natürlich um den Anteil am finanziellen Kuchen. Allein die 20 G8-Milliarden von L'Aquila für die „Ernährungssicherheit“ übersteigen den Jahresetat der FAO um ein Vielfaches. Aber auch die Weltbank braucht frisches Geld, um ihren Apparat am Laufen zu haben – eine Art Rettungsschirm für ihr Kreditgeschäft. Kompetenzgerangel und Geld für die eigene Institution - darum wird es in Rom beim Weltgipfel für Ernährungssicherheit (16.-18. November) vor allem gehen.

Die Weltbank hat längst ihre Pflöcke eingerammt, um sich als effizientester Hungerbekämpfer und Mittelabflusskanal zu präsentieren. Und sie hat mit den meisten Regierungen der Industrieländer und der Industrie starke Bataillone hinter sich. Aber auch die FAO, als UN-Organisation in den vergangenen Jahren zunehmend geschwächt, sieht in der Krise ihre Chance. Sie ist gerade dabei, durch einen Reformprozess ihr Image aufzupolieren und sich wieder zurück ins Spiel zu bringen. In einem geschickten Schachzug hat sie sich mit der Reform des Komitees für Ernährungssicherheit (CFS) die Unterstützung durch Zivilgesellschaft, transnationale Bauernbewegungen und nichtstaatliche Entwicklungsorganisationen gesichert – als Vertreter von Millionen Bauern authentische Mitstreiter für das hehre Ziel.

Um sich als der beste Anwalt der Hungernden in der Welt zu profilieren, müssen die Aspiranten im Kampf um Geld und Führung jedoch zumindest ansatzweise auch Konzepte präsentieren, wie sie die Wende herbeiführen wollen. Daher werden die Diskussionen darüber, wer die Hungerkrise wie lösen will, spannend. Ein Erfolg wäre es allemal, wenn am Ende des Gipfels die Erkenntnis gewonnen hätte, dass das Agrobusiness keine Lösung für die Hungerkrise bieten kann, sondern dass in der Agrarpolitik eine grundlegende Verschiebung hin zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft stattfinden muss – mit Landreformen, Schutz gegen Agrardumping, Zugang zu Wasser und lokalen Märkten, einer Stärkung bäuerlicher Organisationen, usw. Denn eins ist klar: Der überwiegenden Mehrzahl der Hungernden wird weder durch neue Governance-Spielereien noch durch einige Milliarden mehr für Institutionen und Behörden geholfen werden, sondern nur dadurch, dass sie sich selbst versorgen können.

(3.300 Zeichen)

Siehe auch das SPECIAL zum 'Gipfel für Ernährungssicherheit'

Juni 2009: Leitlinien für Landraub

Ein Kommentar von Uwe Hoering

28. Juni 2009: Es überrascht kaum, wenn Finanzinstitutionen wie die Weltbank angesichts des wachsenden Interesses von Investoren und Investment-Unternehmen an Ländereien in Afrika, Asien oder Lateinamerika nur „Entwicklungschancen“ sehen wollen - Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Exportchancen. Die neuen gigantischen Pläne zur Landnahme sind Wasser auf die Mühlen ihrer Bemühungen, die Landwirtschaft zu kommerzialisieren und privatwirtschaftlicher Verwertung zu öffnen. „Landraub“ oder „Neokolonialismus“ kommt in ihrem Vokabular dabei nicht vor.

Um die Risiken dieser Entwicklung zu begrenzen, setzt die Weltbank ebenso wie die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO auf freiwillige Richtlinien und Verhaltensappelle. Doch damit kann nicht verhindert werden, dass zahllose kleinbäuerliche Betriebe den Investoren werden weichen müssen. Wenn Profit und Rendite locken, sind sie auf der Exit-Spur. Bestenfalls als Scheinselbständige, als abhängige Vertragsbauern, können einige von ihnen überleben.

Für die Investoren und die beteiligten Regierungen haben freiwillige Richtlinien den großen Vorteil, dass es erstens Zeit dauert, sie zu verhandeln. Zweitens ist ihre Durchsetzung ein Prozess, der noch ungesicherter ist als die Nutzungsrechte kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Damit haben sie alle Zeit der Welt, sich das Land zu holen, das sie haben wollen.

Da wundert es umso mehr, dass selbst eine nichtstaatliche Menschenrechtsorganisation wie FIAN International, die sich seit Jahren für die Landrechte von Bauern, indigenen Völkern und Hirten einsetzt, glaubt, solche unverbindlichen und auslegungsfähig formulierten Richtlinien könnten ein Instrument für soziale Bewegungen, betroffene Bevölkerungsgruppen und die Zivilgesellschaft werden, um den Anspruch auf Land und natürliche Ressourcen zu demokratisieren. Bis diese Richtlinien wirken – wenn überhaupt – gibt es keine Landrechte von Kleinbauern oder Hirtenvölkern mehr zu schützen. (2.000 Zeichen)

Siehe dazu den Text: "Die neue Landnahme – eine Entwicklungschance?" (Download pdf-Datei 90 kb)

März 2009: Menschenrecht schadet dem Geschäft

Ein Kommentar von Uwe Hoering

22. März 2009: Wieder hat es nicht geklappt! Beim 5.Weltwasserforum, das heute, am Weltwassertag, in Istanbul zu Ende ging, konnten sich die Delegierten nicht dazu durchringen, ein „Menschenrecht auf Wasser“ anzuerkennen. Stattdessen betrachten sie die Versorgung mit dem lebenswichtigen Gut lediglich als ein „menschliches Grundbedürfnis“. Mehr: Der vollständige Text als als Download (pdf-Datei 94 kb)

Link zu: Kampagne Menschenrecht Wasser

Januar 2009: Weltagrarrat - Verlorene Liebesmüh'?

Ein Kommentar von Uwe Hoering

Januar 2009: „Historische Chance“, der „Beginn einer Revolution“, eine „vernichtende Abrechnung“ mit der industriellen Landwirtschaft – große Worte schmücken den Bericht des Weltagrarrats, seit er im April vergangenen Jahres vorgestellt wurde. Auf 2000 Seiten kritisiert er Chemie, Pestizide, Exportsubventionen und Freihandel. Er zweifelt am Nutzen von Gentechnologie, Patenten und Agrartreibstoffen und schleudert der herrschenden Agrarindustrie entgegen: So kann es nicht weiter gehen! Als Werkzeugkasten gegen explodierende Nahrungsmittelpreise, Hunger, soziale Ungleichheit, ländliche Armut und Umweltkatastrophen empfiehlt er die bäuerliche Landwirtschaft, organischen Landbau und regionale Märkte, Vielfalt auf dem Acker und das Wissen der Bäuerinnen – und er liefert überzeugende Argumente dafür. Nur so sei die Weltbevölkerung zu ernähren und der Planet Erde zu erhalten. Mehr: Der vollständige Text als Download (pdf-Datei 94 kb)

Zur Website des Weltagrarrats

Zur Website der „Freunde des IAASTD“ mit viel Material

Zur Website 'Weltagrarbericht' der 'Zukunftsstiftung Landwirtschaft'

Frühjahr 2007: Weltbank - Kampf gegen Armut?

Ein Kommentar von Uwe Hoering

Unser Traum – eine Welt ohne Armut“, verkündet die Weltbank. Und seit sich die Staatschefs der Welt bemüßigt sahen, im Jahr 2000 die UN-Millenniums-Ent­wicklungsziele auszurufen, weil die Zahl der Armen partout nicht zurückgehen wollte, führt die Bank die „Orientierung auf die Armen“ noch stärker als zuvor im Titel ihrer Politik und Programme. Ein Beispiel sind die Armutsbekämpfungsstra­tegien (Poverty Reduction Strategy Papers, PRSP), die Gelder aus dem Schulden­erlass in Maßnahmen zur Armutsminderung, also etwa in Bildungs- Gesundheits- und Beschäftigungsprogramme lenken sollen. „Pro-Poor“ sind auch Kleinkredit­programme, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die mit Weltbankgeldern gefördert werden, einige ländliche Entwicklungsprogramme, und so fort. Manche davon helfen tatsächlich, vor allem, wenn sie von den Betroffenen selbst bestimmt wer­den können, andere bleiben in Korruption und Bürokratie stecken, wieder andere werden von einflussreichen wirtschaftlichen und politischen Eliten genutzt, um ih­ren eigenen Wohlstand zu vergrößern. Mehr: Der vollständige Text als Download (pdf-Datei 86 kb)

 

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